IM BUS
(Beograd 1991. Frühsommer.)
ich fahre durch die stadt / sehe sie nur halb / denn man hat den einst weißen bus mit einer schwarzen folie zugeklebt / der name des busunternehmnes „die möwe“ ist nun schwarz halbiert / eigentlich wie geteert / und aus der „möwe“ wurde ein „we“ / und hinter schwarzer folie saßen nun sechs jungs / zwangsmobilisiert / um vier uhr in fahrstühle gezerrt / auf die nachtwarme strasse / in den geteerten busvogel geprügelt / blutig die blauen sitze / geschwollen unsere münder in der halbierten belgrader möwe / ich sitze auf dem sitz 24 / und hoffe / das mein geburtsjahr auch meine glückszahl ist / das glück ist ein kurzes
/ der militärpolizist /
schlägt mir in die nieren / ich singe:
ulala he ulala he
mein weg in den bus mit dem vogelnamen
DIE MÖWE staatliches reiseunternehemen belgrad
mein atemzug nun stilles ersticken ein STAU wie
unter wasser leben hier an der donau
in der filmstadt košutnjak drehen sie bunte videos laut und
zu schnell schnelle schnitte dank des staatsregisseurs
vor 10 jahren drehte er new wave videos
jetzt turbofolk zum schmutzkrieg und der regisseur
brüllt SRBIJA anstatt klappe (zu affe tot)
dreht life das sehen heben brüllen der drei wurstfinger
serbien gott und fettige gibanitza die neue dreifaltigkeit
arm kopf gerreckt gestreckt andre werden abgehackt
nur wenige die meisten sind gerreckt gestreckt und brüllen
SRBIJA und der fluss das meer im kopf einen sommer ist
her das lieben im lavendelfeld das tauchen im blau
voll die lungen kein ersticken
bleibt trost in langer nacht
mein schwanz trostlos auf reisen im
schwarzen bus geteert meine möwe
LADTA und krieg zwei schwarze vögel
OSTBERLIN
(Herbst 1991)
schnitt
schnelle montage
ostberlin 1992
ich halb und roh habe nichts nur
wieder in das bett genässt ich nun exilboy mann hawe
kann nicht lachen mein strandblick im exil anstelle donau
schreib ich mir spree ins sterbebuch
denk mein herz ist eine kiesgrube
kalt klirrt das innen und ich schieb mir das braune
unter die haut leck den heissen löffel SCHEISSE MANN
besser drinnen unter wunder haut das flüssige
als das vor der tür sehen
JUGOSLAWIEN DER KRIEG VOR DER HAUSTÜR titel bild
denn bildleser wissen mehr im neuen dreischland im herbst 92
mein pazifismus heißt nun HORSE ÄTSCH oder HEROIN
meine angst ist gross und mitgenommen nach berlin
nun meine frontstadt zwei tage verkrieche ich mich
um in nem holzschrank zu ejakulieren
der kennt mich seit ich kind war
ist gross wie ein boot und riecht nach meinem vater biermann
leder und DDR ich summe BRÜDER ZUR SONNE
mein flüstern in das holz gewichst
arche du stinkst mit deinem solopassagier SCHRANKKRIEGER
mit mir draussen das neue D das schöne ist alt gemauert vor jahrhunderten von osmanischen habsburgischen baumeistern,
das neue NOVI BEOGRAD ruinen des neuen unterm germanen sonnenlicht schreib ich mit blut ins hotelholz ICH TRÄUME LÖFFEL
in paris amsterdam lissabon berlin vereint wir
die weggeher nichtschläfer löffellecker
aus dem bus
auf der flucht
ich oder wir in teakzimmern in ostberlin andre unter segeltuch bad luck
da leb ich nun REISE REISE alexander der kleine
das land das mir fehlt stinkt unter ammoniakschwerer
decke meine pisse ist südslawisch nackt in der angst
ich liege ich an der spreeküste GENUG vom krieg
spreetrauriger strand ich springe ins blau
wie die pillen in mein maul, die ich verschrieben schlucke
ich sehe mir drei mal im jahr den film
ich war neunzehn von konrad wolf an
seit jahren sehe ich mir konrad wolf
filme an wenn mir die welt zu schwer
wird ich war neunzehn insbesondere
das lebensjahr in dem er mit dem krieg
in ein schuldschweres D wie
deutschland zurückkehrte
ich war einundzwanzig
als ich aus meinen krieg
in jugoslawien das mir heimat wurde
zurückkam in die fremde heimat D wie
deutsch die sprache und ich hörte
konni wolf sagen ich werde mich ein leben
lang nicht entscheiden können
was meine heimat ist das fremde
deutschland oder das land der sowjetischen völker das mir neue heimat wurde
ich werde mich auch nie
entscheiden können und am 22 juni
neunzehnhunderteinundneunzig
war ich einundzwanzig und
sass in einem schützenpanzer
und weinte um meine
heimat
jugoslavija
-
KRIEG / RAT / FRIEDEN / NACHKRIEG
habe aktuelle kriegstexte zusammengefügt/in der angedachten reihenfolge montiert/
I
karamell
karamell bruder.
wenn du hier krepierst wirst du wenigstens nach karamell riechen und wir werden alle an schmelzendes karamelleis in kleinen kinderhänden denken, an unser erstes eis, dass wir ohne vaterhilfe, vater den der krebs langsam ausgefressen hat, mit DAUERFEUER SCHALT AUF DAUERFEUER/KANN NICH ANGST/PIMMELFRESSE DAUERFEUER SONST SIND WIR IM ARSCH/
DAUERFEUER EINZELFEUER MG TRUPP AUF ELF / ANGST MANN ANGST / SCHIESS SCHEISS MAMA zitternder stimme, grossen warmen augen gekauft hatten und wir werden karamelleis essen in kleinen hafenstädten, unter dem grünen dach von zypressen, mandelbäumen und wuchernden oleanderbüschen denken und nicht heulen, wenn du mit einem loch im hals, auf den lippen die violent femmes in diese fruchtbare urerde beißt:
I'm out walking
I strut my stuff
And I'm so strung out
I'm high as a kite
I just might stop to check you out
Let me go on
Like I blister in the sun
Let me go on
Big hands, I know you're the one
du und ich liegen, die angst in den fingern
hier im slawonischen brei unter urkrebsen, weisste bruder, das hier war das panonische urmeer und wir sind die neuzeitkrebse, liegen auf dem rücken, die druckwelle hat uns umgeworfen und du denkst, du
krepierst oder ich, oder die fette sau von major, der seinen
gefechsstand im zusammengeschossenen weinlokal
„zu den drei fröhlichen troubadouren“ nicht verlässt, einen
gespritzenen nach dem anderen unter seiner sternen schapka
versenkt und das sternenrot unseren grosseltern in braunem kotzbrei erstickt, ach ach vater lieber vater
doch wie schön, lieber vater
überall roch es nach karamell
zwei 62mm granaten haben das dach durchgeschlagen
vater
es waren verbotene phosphorgranaten aus alten nva beständen,
die kennst du bestimmt, hast mit ihnen ungelenk geübt
und das langgezogene gebäude der milchkooperative brannte
und die milch brannte, das phoshor brannte sich in den kalk,
den mörtel, die ziegel, fenster türen, die milchkannen brannten
und in ihnen die milch und stevo tanzte nackt durch die brennende halle, schüttete rübenzucker, in die von angst verlassen starre aluminiumarmee,
gross die schwarzen mäuler
und stevo rief, grösstes glück in zahnloser fresse:
gelato caramello
gelato caramello
eis
eis
birra
cola
und wir dachten kurz, wir liegen an steingrauen stränden
im rücken, die macchia vor uns
kein urmeer, kein panonischer dreck
die adria und die viotent femmes:
Like I blister in the sun
Let me go on
Big hands, I know you're the one
Body and beats
I stain my sheets
I don't even know why
My girlfriend, she's at the end
She is starting to Cry
II
Hochsommer.
Berlin
Einundneunzig.
Seitdem ich zurück bin schreie ich nur noch
im Schlaf,ich schreie in den Kunstnebel KILLING JOKE,
ich schreie in den leeren Strassen mit ihren durchlöcherten Fassaden, Straßburger Strasse, Rollerstrasse, Oderberger Strasse meine Kussstrassen
nun Angststrassen in der Abwesenheit kalt geworden
bin ein Kriegsheimkehrer, nur mein Krieg ist frisch
der alte ist eingekerbt in meinen alten Schulweg,
ich kann meine Löcher nicht stopfen,ich rinne aus mir heraus, in die kotige Strassenrinne hinein, in den schwarzen Wald hinein, der Kaiserwald steht still,
ich schreie das VP Revier an, diejenigen die mir damals die Zähne brachen, die verstecken sich hinter Grün und Ocker EIGENTLICH BRAUN sind neuangemeldet im Leben,
ich habe mich abgemeldet aus meinem im Juni 91,
als sie alte Autos neu wuschen, frischfärbten, die
Polizisten, die alten neuen Deutschen NEUGEDEUTSCHT
Ich schrei, denn ich habe
PTSD dirty boots PTSD
Posttraumatic Stress Disorder.
Sprechen sie kein Englisch? Dann muss ich schreien, im rauchgelben Zimmer, ein Schatten an der Wand wo etwas hing. Ich schreie, denn ich war im Krieg zu lange, denn vierzehn Tage sind zu lange für mein Seelchen, ander Seelen starben ganze Jahre in Löchern, Gräben, Häusern, Haus um Haus, meine Seele lässt mich in das Bett nässen, meine Seele lässt mich zucken,mit Schaum vor dem Mund, bin ein Gottseher,Todseher wie Fjodor denk ich dann und beisse in das Pflaster der Fehrbelliner Strasse, zermahle den Stein mit meiner Angst, schlucke dann das Steinmehl,baue Strassen der Angst in meine Eingeweide und sehe mich und zuckende Sterne über mir,der Arzt weiß nicht was er sagen soll:
Ich glaube sie haben Magen Darm
KRIEG DU ARSCHGESICHT KRIEG DU ARSCHGESICHT
KRIEG DU DUMMES STÜCK SED SCHEISSE
das ist der Krieg der mich frisst,
er ist weit weg vom Krieg
der deutsche Arzt, der ostdeutsch war und Hermlin Wolf und Hein las, und weiss im Kittel unwissend, mein Weinen Schreinen Scheissen und Zucken in bekannte Kanäle leitete, das grobe Weiss ist geblieben in Deutschland, im Osten. Sie sind weit weg vom Krieg in Deutschland,seit dem Letzten, denke ich nur ,unter mir mein See der Angst auf blutrotem PVC Boden, er breitet sich aus, denk ich und weine tränenlos. Das habe ich im Schützenloch gelernt, geräuschlos tränenlos weinen und von einem ruhigen blauen Meer träumen. Sie wollen nichts mit Krieg zu tunhaben, seit dem Letzten,
denke ich nur ich sage dem Arzt ICH BIN AUFKLÄRER GEWESEN UND
ich kann eine RPG abfeuern, ich kann eine Strela bedienen, mit der Dragunow, der AK, der TT, der Panzerabwehrmine TMM 1 und der Antipersonenmine PROM 1 und Ich töte dich im Schlaf oder hier, unter dem Schatten des abgehängten Bildes,ich kann gut mit dem Messer lautlos,
kann ich kann ich will nicht will nicht kann ich will nicht
Ich wünsche dem Arzt, dem abgewandten Land einen Krieg, so dass ich nicht mehr alleine in das Bett nässe, dass ich nicht mehr alleine auf Strassen zucke, die Sterne zähle, der alleine Idiot der Fehrbelliner Strasse bin. Ich wünsche Ihnen meine Angst, ich wünsche ihnen mein
DAUERFEUER,MANN DAUERFEUER, DER DAUMEN,
DEIN DAUMEN IST STARR,ALTER
Ich wünsche Ihnen meinen Krieg,meine brenneden Milchkooperativen
die nach verbrannten Karamell riechen,ich wünsche ihnen meine
Angst PTSD PTSD ARSCHLOCH LIESS BÜCHER ist meine Diagnose.
Seitdem ich zurück bin, mache ich was mit Kunst.
Seitdem ich zurück bin, schreie ich im Schlaf
und sehe die alten Sterne, die über meinem
Stahlhelm zu hell leuchteten
mein Schattenriss,
Schattentheater
für gegnerischen Beschuss
und ich singe und zucke
Die Sterne got some dirty boots, yeah dirty boots
I got some dirty boots, baby
Dirty boots
Hey!
III
Vom Westen wehte der Mistral,das Meer kräuselte sich milchig weiß und der Oleander hochgewachsen und kräftig blühend bog sich unter dem heißen Wind zur Seite,er entblößte in seiner Mitte einen ausgebeulten Gummiball mit Weltraummotiven: Kosmonauten wurden von Pionieren begrüsst,ein Satellit umkreisste das Ballventil und eine im Laufe der schweren Burawinde verblasste Inschrift “CCCR“ leuchtete schwach im hellen Grün.
Dieser WeltraumBall liegt sehr lange dort,seit dem Sommer 1990, als der Junge, dem dieser Ball gehörte mitten in der Nacht in einen gelben Golf Eins getragen wurde. Er schlief noch, denn es war sehr früh, das Meer lag still da und nur das leichte Wiegen der krummen Kiefer kündigte an diesem Tag den Mistral an, den Wind der das Ende des Sommers einläutete. Der Junge starb während der Fahrt,genau an der Biegung von Pirovac, dort wo man noch Schwämme tauchte und sie vor den weißen Häusern in der Sonne und dem Mistral trocknete.Unter dem grünen Dach von Kiefern, Glaskraut und Meerfenchel hielt ein gelber Golf Eins an,es war sehr still, so still dass man die Kiefernrinde knacken hören konnte. Mit den Jahren umschloss der Oleander den Gummiball und unter seinen grünen Flügeln verblassten die Raketen, Satelliten, Pioniere und Kosmonauten, bis der Ball fast so weiß wie Knochen wurde.
IV
Hochsommer.
Belgrad.
Einundneunzig.
4.40 früham morgen drei miltärpolizisten stehen in meinem zimmer.ich liege im bett und starre auf ihre uniformen, ich träume. einer schlägt mir mit der faust in gesicht steh auf du schwuchtel,zieh dich an,kein traum das vaterland braucht dich,arschloch.sie lachen,ich spucke blut auf mein kopfkissen.mein zimmer riecht nach staub,der sommer riecht nach staub in meinemzimmer. in diesem zimmer lebte einst meine tante, wie ich betrachtete sie träge die staubsterne, wegen meiner tante hängen überall diese bildchen mit kleinen jungs oder mädchen mit riesigen augen und wimpern und clownsschuhen. diese grossäugigen geschöpfe hingen in vielen belgrader mädchenzimmern der 70iger jahre. nun starren sie auf mich,auf mein blutiges bett und mein zittern, grossäugig. glotzen. sie sahennichts vom krieg, gedruckt 1977 lebten sie ewig an ihrer friedenswand und sahen meiner tante beim schlafen zu.glotzen. grossäugig.4.45 früh meine oma weint.du musst unsere heimat gegen die faschisten verteidigen, sagt sie, damit wir nicht umsonst gekämpft habengestorben ermordet worden sind.sie hat die drei militörpolizisten in unsere wohnung geholt.sie haben beim nachbar geklingelt,der hat einen sohn in meinemalter,der sich auch seit wochen versteckt.der nachbar hat die militärpolizisten nicht in die wohnung gelassen,dafür tat es meine oma. ja.mein enkel ist da.er schläft.4.47 früh ich stehe mit den drei militärpolizisten im fahrstuhl. wir fahren vom 10ten stock nach unten.mein blut spritzt auf die angekokelten knöpfe von etage vier und fünf. zwei schlagen mich, der drittegeht eine liste mit namen durch.DER FAHRSTUHL blieb immer zwischen dritter und vierter etage stecken,man musste leicht aufspringen und er nahm seine brummende fahrt wieder auf,links oberhalb des gespaltenen spiegels,konnte man verfolgen wen milan gerade liebt, jelena , mica , jagoda, sofija waren durchgestrichen, frisch ungestrichen stand sein name nun neben dem von vladica vom 10 stock unseres hauses . vladica hinkte leicht nach einem motorradunfall, sah einen nie an und sprach auch nicht wenn man mit ihr im fahrstuhl fuhr,dass einzige was ich von ihr hörte war einmal ein furz, ich glaube dass war eine unfallfolge. in dem fahrstuhl wurde boris vom fünften von seiner oma gefüttert, da er anders nicht essen wollte,sie fuhren 10 minuten hoch und runter, boris saß auf einem stühlchen und oma schob ihm den löffel mit karottenrisotto in den schmalen kleinen mund. boris wurde später militärpolizist, eines nachts brach er die tür, fünfter mitte, mit einigen kumpanen, auch militärpolizisten, auf und schmiss alle möbel der oma durchs fenster auf die strasse. das krachen und knacken der stühle, der tische und schränkedauerte stunden.4.47Nach vier Schlägen hörte ich auf zu zählen,ich spukte mein Blut auf den Spiegel und tröstete mich mit dem Gedanken, dass Oma , wenn sie in den Spiegel sah, meinen roten Rotz auf ihrem Wangen trug. Der Fahrstul brummt.Milan liebt Ana und dem Roten Stern Belgrad wird Analverkehr von Partizan angeboten.4.51 früh ich sitze in einem mit schwarzer folie abgeklebten reisebus desbelgrader busunternehmens DIE MÖWE.ich bin nicht der einzige,ein dutzend junger männer inpyjameas iggy pop tshirt oder lacoste polo oder nur in schlüpfern sitzen traurige inseln auf braunen sesseln,mit geschwollenen gesichtern,dicken lippen und abgeknicktennasen,ich setze mich auf den sitz 22 gerade zahl wegen dem glück das radio spielt. mein lieblingslied in diesem kriegssommer.sommerkrieg. dass denke ich jeden sommer, mein sommerkriegoder ein anderer sommerkrieg. liegt an den strassen für die panzer und dass die angst kleiner ist, wenn die sonne hoch steht, das grün silbrig glänzt, kein tod denkbar im blühenden garten, in dem ich ein loch aushebe, für mich, ich grabe ein einzelschützenloch und ich baue meine burg aus sand, unbezwingbar auf dem spielplatz am senefelder platz.das radio spielt mein lieblinglied im abgeklebten bus, ich sitze in meiner blinden möwe und mit jedem halt wird der bus voller mit müden kleinen jungs, halbnackt oder im pyjama, die militärpolizisten gehen durch den gang und spielen gerade, ungerade. die mit dem geraden zahlen, schlägt man mit gummiknüppel die ungeraden mit knochigem handrücken.teške se kise spremajunad gradom munje sijevajuuzalud pitaš ko ide budaline u planinepustahije kroz kapijepogasi svetek je počelo4.40 früh.am morgen. andere zeit anderer kriegich liege stumm schiessen panzer, am himmel ein pfeil, stinger jagt adler würge speichel auf den boden, die alte angst neu auf das deckblatt vom zauberberg, der fernseher läuft und dann wird alles vorbei sein.und die toten bleiben tot.und die lebenden müssen leben.mit den tötenden,lebenmeist ärmer als zuvor.kinder unter fremden sternen geboren.servieren flink oder liefern unter tarif.die verdächtigen ließ man laufen.oder sie kauften sich frei.oder man kauft wieder ihr blutöl.das teure gas.was schert konjunktur moral.moralisch degustieren,prozesse kommentieren, bellen auf seite fünf.neuer asphalt mit fördergeldern, das massengrab zwanzig meter daneben.man vergisst schnell, wo man nicht erlebt.man vergisst nie, wo man überlebt.hat. die einen werden haben wie zuvor,die anderen hatten dann nur noch.weniger in allem.haben (wenig)undsein (weniger)4.04.ein himmel wie von bleistift gezeichnet eine vogel schwarz die brut darunter bombenlast ich hocke unter dieserwolke und reisse den mund aufder tod füttert mich kaltes kindschlucke die last fasse nachihr noch warm und der frühe morgenspielt mizar dozdot6.00 UhrLautlos.Lautloses Weinen in den Kasernennächten.Morgen wird gestorben singen die Reservisten.Ich mache beides,lautlos weinen und übers Sterben singen.Mein erster Tag an der Front, der Himmel schwarz.Ich heule in meinem Spähpanzer, später drei Schnitte ins Knie,die Hand.Mein Blut tropft auf gepanzerte Haut,ich pisse mir in die olivgrüne Hose.Später Schnäpfchenjagd Aldi Nord. Nächte im Krankenhaus, der angeschnallte australische Surfer im Bett gegenüber, wir schlürfen Süppchen, wollen nicht kauen,nicht die Zähne spüren,ihr beißen und klappern.Rückenmarksflüssigkeit entnehmen,sagt die müde Schwester,hofft auf neurologisches,ich weiss, dass ich noch im Panzer sitze,die Zähne klappern,dass Beißen auf den Lederriemen,schabe mich ab,Angsthase. Bin zurück im Frieden unter dem Fenster der Fluss,auch so dunkel wie der,an dem ich lag in meinem kalten Loch.Mein Panzerkrieg mit Spreeblick, die alten Augen der Schwester. Billig Bücher kaufen, Erinnerung lesend ersticken eine weite Küste das weiße BettWir schreienDONT YOU FORGET ABOUT ME DONT DONT YOU FORGET ABOUT ME im Panzerwagen, vor uns der Fluss,dahinter die Stadt.14.00altmark. ein park, der kies zu lautdie arme zu kurz atmen wie ersticken die augen gross dunkel freudevoll leuchtendder speichel fließt ausaufgerissenem mund die worte gurgelnd der see spricht ausaufgerissenem mund unter aufgerissenen augen er schreit mich an und stösst und fällt auf den teppich eigentlich pvc,ochsenblut er freut sich immer auf dich sagt die schwester und sie schliessen uns eindie feinde wie brüder meine aufgerissenen augenmein krieg auf seinem papier in der klinik in der altmark weit die weltich trage eine schachtel pralinen für die die nicht freundlich sinddass sie freundlich sinddie schwestern die kaltengenossinnen nun dienstleisterinnenzu meinem schreienden freund dessen name die zeit der krieg der krebs gefressen hatnamenlos der staub noch lebter liebt dich dein bosnischer freund ich verstehe ihn nicht! nicht den see das herausgerissenesprudelnde stossende wort laut ersticken gurgeln er wird sterben sagt die müde Schwester was ist dassterbener hört aufzu sehen zu schreiendich zu lieben wenn du jeden donnerstag mit seinen filzstiftenden krieg malst auf sein weißes Blatt malstund er dazu schreit und lachtsein speichel auf deine blauenroten panzer fliesst, eure filzstiftdiagnose fürden chefarzt übermalt seine kalten worte mit blau und rot eine landschaft verschwimmtder krieg die augen seineaufgerissenseine aufgerissenen augender mund der seeich vergesse ihn nichtmeinen ersten stummemtoten freund namenlosnun4.22.gegen vier ihr träume ich vonküssen.schlafen träumen4.45krieg mein alter schatten bist wieder da, stehst nachts in meiner tür vor meinem bett, sagst guten abend bin wieder da, dein alter bekannter ich grüss ihn zurückwechsel die bettwäsche
V
Vom Westen weht heute der Mistral
und das Meer ist das Meer,
manchmal rieche ich Karamell
unter der hohen Friedens
Sonne
-
ZWEI TAGE
(texte in denen länder und zeiten sich ändern/von gestern und heute/momente und mehr in zwei tagen)
I
mutter
ich fahre durch die sommerliche stadt
vorüber an silberglänzenden bäumen
leuchtenden strassen, ein ruhiger hoher
blaugefasster himmel über mir
meine fahrt meine worte sind schon
vergessen bevor ich sie tat oder
aussprach,der fremde gegenüber mir näher als die frau im bett
die mich vergass bevor sie gebar
nichts bleibt nichts
und ich fahre in das vergessen
meine dunkle höhle
mama ich habe schlecht geträumt
und in das bett gepullert
ich habe dich geträumt mutter
und von keiner
liebe
II
traum
ich träume selten vom theater.eigentlich nie.doch diesmal trafen sich in meinem traum spieler*innen die zu früh gegangen sind, mein freund aus bosnien genaugenommem tuzla tanzte durch einen dichten wald, nun ein verrückter dänenprinz mit einen galileilschen sternen
fernrohr sah in den sternenhimmel und ich sagte nur sterben schlafen und alle meine tränen sah ich als sterne am nachthimmel und er sagt mir nur ICH WEISS WIE ICH ES SPIELEN WERDE im gras lag das bleiche mädchen später eine traurige frau die nicht leben wollte aber spielen, doch das spiel reichte nicht für ein leben und sie sprach nun im traum unter dem farn texte verschiedener figuren aus tschechowstücken und ich LIEBE DAS THEATER dachte nina, arkadina, sascha ein unendliches feld aus farn und anton spricht zu mir. im dickicht nackt der freund, den der krebs frass und ich weiss er ist lear, den der krebs in sanski most bosnien frisst und unser alter krieg.
der unser halbes herz augefressen hat deswegen gehen wir oft zu früh von dieser welt und wir nehmen beide horse und zünden ein haus an, er ist lear ich der soldat mit zwei roten streifen in tarn und grün und wir singen ZIVJELA JUGOSLAVIJA und ich wache auf, im berliner bett, die uniform auf nackter haut und meine toten freunde tanzen in diesem wald aus traumweh und jemand sieht durch das sternenrohr und jemand lebt und weint. bin ich zu spät. die bühne ein see,dahinter ein wald.
II
die kecmanovićs (adria 1990)
in der kleinen siedlung an der adria besaßen frau und herr kecmanovic ein bescheidenes kleines ferienhäuschen,ein wenig versteckt hinter wuchernden zypressen.häufig hörte man beim vorbeilaufen zwei schreibmaschinen rattern oder das setzen von bauern und springern.klak klak.
herr und frau kecmanovic waren nicht sehr gross, genaugenommen waren sie gleichklein,also kleiner als die meisten menschen. herr und frau kecmanovic taten alles gemeinsam, sie aßen gemeinsam ihre hühnersuppe,gemeinsam machten sie ihren strandspaziergang nach 17 uhr,denn eine sonnenempfindlichkeit war ihnen gemeinsam, sowie die liebe zum schachspiel. herr und frau kecmanović spielten gerne gegeneinander,aber es gab nicht wenige tage,an denen sie mit ihren schachkassetten unter den achseln ihre nachbarn besuchten,um bei einem oder zwei gläsern bevanda drei oder vier schachpartien zu spielen,gemeinsam war beiden,dass es frau und herr kecmanovic herzlich egal war,ob sie siegen oder verlieren,wichtig war das niveau des spieles,den beiden war niveau wichtig,schließlich waren sie beide angesehene intelektuelle aus sarajevo.
gemeinsam war ihr schreibmaschinenschreiben zwischen 14 und 16 uhr, während der mittagssiesta schrieben sie,frau und herr kecmanovic an ihren autobiographien,denn sie waren nicht nur angesehene intelektuelle sondern auch partisanen der ersten stunde.
ihre wichtigste gemeinsamkeit war,dass sie im juni 1941 aus einem dunklen loch krochen, in denen ihre beide familien und weitere 300 sarajevoer juden mit vorschlaghämmern totgeschlagen,mit stacheldraht aneinadergefesselt in das dunkle loch gestopft worden. weiß von kalk liefen sie gemeinsam durch einen wald,bis sie auf eine kleine partisaneneinheit trafen, der politkomissar, ein erfahrener spanienkämpfer, machte sie zu seinen partisanenkuriren und brachte ihnen das schachspielen und siesta halten bei, eine angewohnheit aus dem bürgerkrieg und er sagte seinen beiden jüngsten kämpfern nach jeder partie schach:
diesmal werden wir siegen.
III
das hochhaus gegenüber
12 stock :
illegale indoor minigolfanlage,geleitet von einen britischen ex marines.
11 stock :
ein blindes ehepaar,sie stehen oft an ihren offenen fenstern,lieben den wind,den es immer in den oberen stockwerken gibt,der ihnen die stadt in die zimmer trägt,am bauch spüren,sehen sie sie.die welt.
10 :
mutter mit ihrem geistig behinderten sohn,das katzennetz ist aus feinem draht,es soll den sohn vom fliegen abhalten.katzen wissen das.
9:
ein pensionierter biologieprofessor,der sich ein balkonkraftwerk auf die terasse gestellt hat,er schenkt einen teil des sonnenstroms der mutter vom 10ten,sie lädt damit ihr internetradio auf.
jeden tag von 17-19 hört sie eine tangosendung direkt aus boca und tanzt.ihr sohn schreit oft laut.er weiß zuviel über sich.
im 8ten stock:
ist es still.manchmal hört man es klatschen,dann wimmert jemand,bis es wieder still ist. das klatschen hört man am wochenende häufiger.
im 7 stock :
wohnen zwei pensionierte busfahrer.beide haben zusammengelegt und ihre balkone mit einer wetterfesten weißgrünen pergola ausgestattet.sie unterhalten sich über ihre balkone hinweg.gegenseitig besucht haben sie sich nie.der busfahrer auf der linken hausseite lebt seit zwei jahren allein.er wird noch zwei jahre leben und dann auch sterben. die pergola wird ihn überleben. sie haben sich für die richtige entschieden,nicht gespart.im sechsten stock:
leben zwei ukrainnerinnen mit ihren vier töchtern. sechs frauen im sechsten stock.schwesternrepublik,denkt einer der busfahrer und ist wütend,dass er allein unter der unsterblichen pergola überlebt. die sechs frauen haben keine nachbarn,die wohnung gegenüber ist nicht vermietbar. es sei dort etwas passiert,sagte ihnen der bosnische hausmeister und er wusste,wovon er sprach,dass spürten die frauen
sofort.
IV
tod/mistral
Vom Westen wehte der Mistral,das Meer kräuselte sich milchig weiß und der Oleander hochgewachsen und kräftig blühend bog sich unter dem heißen Wind zur Seite,er entblößte in seiner Mitte einen ausgebeulten Gummiball mit Weltraummotiven: Kosmonauten wurden von Pionieren begrüsst,ein Satellit umkreisste das Ballventil und eine im Laufe der schweren Burawinde verblasste Inschrift “CCCR“ leuchtete schwach im hellen Grün.
Dieser WeltraumBall liegt sehr lange dort,seit dem Sommer 1990, als der Junge, dem dieser Ball gehörte mitten in der Nacht in einen gelben Golf Eins getragen wurde. Er schlief
noch, denn es war sehr früh, das Meer lag still da und nur das leichte Wiegen der krummen Kiefer kündigte an diesem Tag den Mistral an, den Wind der das Ende des Sommers einläutete. Der Junge starb während der Fahrt,genau an der Biegung von Pirovac, dort wo man noch Schwämme tauchte und sie vor den weißen Häusern in der Sonne und dem Mistral trocknete.Unter dem grünen Dach von Kiefern, Glaskraut und Meerfenchel hielt ein gelber Golf Eins an,es war sehr still, so still dass man die Kiefernrinde knacken hören konnte. Mit den Jahren umschloss der Oleander den Gummiball und unter seinen grünen Flügeln verblassten die Raketen, Satelliten, Pioniere und Kosmonauten, bis der Ball fast so weiß wie Knochen wurde.
V
karamell
karamell bruder.
wenn du hier krepierst wirst du wenigstens nach karamell riechen und wir werden alle an schmelzendes karamelleis in kleinen kinderhänden denken, an unser erstes eis, dass wir ohne vaterhilfe, vater den der krebs langsam ausgefressen hat, mit DAUERFEUER SCHALT AUF DAUERFEUER/KANN NICH ANGST/PIMMELFRESSE DAUERFEUER SONST SIND WIR IM ARSCH/
DAUERFEUER EINZELFEUER MG TRUPP AUF ELF / ANGST MANN ANGST / SCHIESS SCHEISS MAMA zitternder stimme, grossen warmen augen gekauft hatten und wir werden karamelleis essen in kleinen hafenstädten, unter dem grünen dach von zypressen, mandelbäumen und wuchernden oleanderbüschen denken und nicht heulen, wenn du mit einem loch im hals, auf den lippen die violent femmes in diese fruchtbare urerde beißt:
I'm out walking
I strut my stuff
And I'm so strung out
I'm high as a kite
I just might stop to check you out
Let me go on
Like I blister in the sun
Let me go on
Big hands, I know you're the one
du und ich liegen, die angst in den fingern
hier im slawonischen brei unter urkrebsen, weisste bruder, das hier war das panonische urmeer und wir sind die neuzeitkrebse, liegen auf dem rücken, die druckwelle hat uns umgeworfen und du denkst, du
krepierst oder ich, oder die fette sau von major, der seinen
gefechsstand im zusammengeschossenen weinlokal
„zu den drei fröhlichen troubadouren“ nicht verlässt, einen
gespritzenen nach dem anderen unter seiner sternen schapka
versenkt und das sternenrot unseren grosseltern in braunem kotzbrei erstickt, ach ach vater lieber vater
doch wie schön, lieber vater
überall roch es nach karamell
zwei 62mm granaten haben das dach durchgeschlagen
vater
es waren verbotene phosphorgranaten aus alten nva beständen,
die kennst du bestimmt, hast mit ihnen ungelenk geübt
und das langgezogene gebäude der milchkooperative brannte
und die milch brannte, das phoshor brannte sich in den kalk,
den mörtel, die ziegel, fenster türen, die milchkannen brannten
und in ihnen die milch und stevo tanzte nackt durch die brennende halle, schüttete rübenzucker, in die von angst verlassen starre aluminiumarmee,
gross die schwarzen mäuler
und stevo rief, grösstes glück in zahnloser fresse:
gelato caramello
gelato caramello
eis
eis
birra
cola
und wir dachten kurz, wir liegen an steingrauen stränden
im rücken, die macchia vor uns
kein urmeer, kein panonischer dreck
die adria und die viotent femmes:
Like I blister in the sun
Let me go on
Big hands, I know you're the one
Body and beats
I stain my sheets
I don't even know why
My girlfriend, she's at the end
She is starting to Cry
VI
ewig
Vom Westen weht heute der Mistral und das Meer ist das. Meer.So sieht der Tag aus,an dem alles Nichts wird,die Erde in das Schwarz der verloschenen toten Sterne zurückkehrt sagte mir der junge Fischer
er schnitt mir den Bauch auf
schabte die Silberplatten von
meiner salzigen Haut
und verbrannte mich
Rauch für die Sonne
-
letnje slike (preko)
I
legenda kaže da je jedno malo dijete palo niz stijene u more, a očajna majka molila je malu madonu iz kapelice, slanoj od vecnih zimskih bura za pomoć. jedna ruka se tada podigla iz mora i nježno uhvatila dijete i vratila majci. ova madonina ruka danas se pokazuje u obliku kopnenog jezika (Linguetta) … naše uvale, zvane preko, naseljena ovog vrelog utorka
s četiri dječaka na stenama pored kapelice
tri speedo i jedna adidas kupace.
sa vrha brda nas posmatra jedan
stari tovar
oci velike
i duboke
znaju
vide
sve
II
dva puta sam ronio za malom boginjom, crnom madonicom
potajno zbog mog svjezeg anarhistickog svjetonazora i zbog jedne devojke iz novog sada: „bog je glupost, mora se čitati rajh uz obojeni program, jer buka je u modi.“
nisam znao kakve veze ima vilhelm rajh s bogom i bukom-ali da je pisao o jednakosti orgazma i revolucije, to mi je postalo jasno najkasnije u ovom zvezdanom srpnju. s. moja anarhoboginja sa limana II je ljubila obojeni program i zvezdano nebo otvorenog mora.
naravno bez seksa.samo ljubljenje.
meni je to „samo“ sve, usnama se dodiruju duše,
ogromna buka je u srcu, na usnama,bez mode,duboko
kapelica se nalazila točno preko puta našeg naselja,udaljena samo 800 m od naših niskih kućica i bučnih bakica i čestih ogovaranja,dva suicida
i nebrojenih medjurepublickih preljuba. zvizdan, lako uzburkano more,protrljati iglice bora,bos po toploj crvenoj zemlji hodati, do pasa stajati u morskoj vodi,spojiti se sa svetom,gledati zvijezde i neprimetno nju.gledati i vidjeti.
mogao sam vidjeti kapelicu sa svoje terase, bila je često naše ljetno odredište za razna plivačka takmičenja,zapravo bekstva od sveprisutnog obiteljizma.uglavnom, nakon što smo stigli do kapelice, smo se sušili bez mnogo riječi na suncu,speedo boy se zalijepio za slanu stijenu i svaki od zadihanih mladića je sanjao djevojke preko puta u naselju, dok su one lezale pod oleandrima u velikim kućama, sanjali nas ili neke druge mladiće i naši su se snovi susreli na pola puta, gdje je more bilo duboko i plavo, letetli su visoko, ispreplitali i lako razdvajali na morskoj površini.
dok su se snovi isprepitali,leteli i utonili u duboko plavo godine su prošle,
muškarci i tužne žene punili su usta morskom vodom i progutali je,
da se davni snovi udome u njihove utrobe,da zive u njihovim ostarelim tijelima.
naše daleke obale, stari obale s kapelicom sada su vlasništvo jednog
generala, oslobođenog u haagu i jedne austrijske tvrtke za nekretnine.
o generalu nekad kapetanu kasnije.
mladoći posmatraju sa svojih stijena naselje koje
III
sa druge strane uvale šapuće i stenje,kuće se zatvaraju,vrata i prozori,
čuje se brujanje starih frizidera. torpedni camac prolazi.tko je smislio sivi namaz na celik,soliter plovi plavim jadranom, socijalisticki temelj se udara lepezi i ona zapravo na stotine njih NAROD JE JEDAN ekserom probodeni, probušeni zakucani cik uz zum reportera, ponegde nedjelnog dodatka slobodne dalmacije vise sa vikendaških zidova,bog je mrtav GOTT IST TOT ničeanski šapuću zakucane lepeze, ustvari trofeji komunistickih politrukova i njihovih unučadi. bake dede i unuci zdušno
srču svoju letnju juhu ispod
njihovih zidnih novina koja zive u moru,u vecitom plavetniluuju,sad sa zida kaplju u plasticne tanjire.
mama tata tiho vode ljubav iza
tankih zidova,za vreme popodnevnog odmora,u potpunoj tišini iza zatvorenih vrata,uvijek u oprezu da njihovi uzdasi nisu glasniji od starog frizidera, donetog pre nekih deset godina sa trešnjevke, donjeg dorćola ili borika dva.
kada ne vode ljubav na uskim krevetima iza tankih zidova,dok im gorenje peva na uho bedra stomak kurac breg venerin,
roditelji se uglavnom brinu da im lepeze ne usmrde godišnji,na tome ce i povijesno stati,na protestu zbog smrada,
dok im se zemlja usmrdela zbog masovnih i pojedinacnih,zapaljenih,granatom o zid razapetih.
KAPETAN JRM
gledam njega i nju, stariji mnogo godina
kako sa strahom i krišom se ljube
u šumi za zeljom da ne prestane san
ali
ah
razlike su prevelike ponori zapravo
previše zivota prošlo, slana voda progutana
godine kao udvojeni zidovi
stvoreni za buktinju,za tren,
za momenat za gledanje zvezda
meni ona nedostaje i opet je samo
sanjam (kao prošle noći)
uprkos dubokih
rana uboda
nemogućnosti
radjaju
sve
AUTOR
govoris moj tekst
moju tugu
moj poraz
KAPETAN JRM
jebeš den haag
moj torpedni camac plovi kroz tvoje
snove.ja san kapetan tvojih snivanja i htenja,a ća si ti
IV
u tišini prostrane sobe gledaju se oči,
znaju se jeć davno,kad je čempres ispred advokatove kuće bio veličine palca,kad je kapetan broad još bio stari vodnik, kad se italijanska mina vinula iz dubina i potopila
rogoznicku brodicu RG 117 i cijelu posadu,
znaju da moraju da vode ljubav u isto vreme u isti čas kao roditelji
ispod njih,u prizemlju i bosch-ov frizider mora da peva svoju pesmu, njegov mraz i znojava tijela za zvizdana, nemi izdasi zive tajno i na ovoj terasi vise lepeze sa zidova,zakucala ih je plavokosa
devojka, koja ljubi u potpunoj tišini i mraku iza drvene roletne decaka.
pevaju bez šuma udvojeno
peva oliver
Noc, u vazduhu cudan znak
noc, nebo crveno k'o mak
u nama duhovi zli
po zlatnom polju jahali smo mi
Noc, podivljali pas
noc, zubima ujela nas
ja otkrih moc
u senu sam te ljubio svu noc
predivnu noc
-
UNTER TIEREN
UNTER TIEREN I
lauf
schneller
lauf
nur eine runde noch
ich lief seit stunden, vielleicht nur ein zwei minuten
ich lief und fiel und mit jedem fall färbte mich die stinkende
erde, ich wuchs mit jedem riss im knie,
der golem auf horse war ich nun und lief
meine runden und stank nach zebrapisse
der junge aus schlamm und innen weiss und warm
lief im zebragehege seine runden und fünf zebras sahen mir zu
lagen meist auf der fast kreisrunden wiese und sahen mir zu,
beim laufen und fallen
ich lief auf der galopprennbahn, die keine war nur
einer sehr ähnelte, die grüne insel eingeschlossen von der
schmutziggelben erdigen bahn war das zuhause der zebras vom belgrader zoo inmitten der stadt. belgrad mai 1991
die berge brennen schon, dort in kroatien.
die angst ist in mich hineingekrochen
am sechsten februar
als ich nicht reden
nur sehen sehen
schweigen konnte
wortlos ging
der letzte zug
fuhr,die ebene danach slawonisch
zum sterben flach
seit dem sechsten februar reitet mich das
pferd,mein tiefes weiss.mein süßes warmes meer
dass mich küsst,umarmt.zart flüstert.
mein dealer wohnt direkt am belgrader zoo
es ist ein katzensprung zum zebragehege, dass eigentlich
eine galopprennbahn war (in den zwanziger jahren war das gelände
noch ein parcour der serbischen gardekavallerie. die schönsten offiziere
ritten ihre weissen pferde aus, angesehen,
meist desinteressiert jedoch mit guten ton von den attraktivsten jungen belgrader damen) und auf dem ich nun
renne
los
lauf
lauf
falle nicht
falle nicht und denke träume
dass die berge nicht brennen
dass du sprechen und lieben kannst
nicht wortlos in züge steigst
im februar gleis drei
am morgen wache ich auf, inmitten der zebras und ich schmiege
mich an ihre warmen, borstigen körper und wir lecken uns
die risse und stiche, verscheuchen die dicken madenfliegen
sie haben keine angst, meine zebras
denn sie kennen mich schon seit
einer woche. jede nacht klettere ich über den zaun
reite auf meinem weißen pferd meine runden
unbesehen von dem schönen mädchen
zu dem man nicht sprechen kann
von denen man wegfährt im februar
die uniformen auf dem bahnhof der fremden stadt angst
zählt dreissig vierzig achtzig so bunt und farbenfroh.
sie für immer verliert und fünf stunden in den
nikotinschweren fenstervorhang des waggons heult
die welt nicht sehen,liegen in slawonien,
da und dort
das feld noch brach, auf demselben werde ich
ein paar monate mein schützenloch mit meinen
händen hineinreissen und ein dorf wird brennen
lauf
na los
lauf
falle nicht
ich trinke am morgen nach dem laufen gemeinsam mit den
zebras das lauwarme stinkende wasser, zoowächter gibt es keine
die inflation frisst gerade das geld, das land
es kommt niemand mehr in den zoo,
nur der direktor
wohnt noch dort und sorgt für futter
einmal am tag.
ich trinke mein wasser aus,lehne mich an meine zebras
an, sie riechen meine trauer und ich höre ihren herzen
zu im frühjahr 1991
liebte ich zebras
mehr
als die menschen.
und berge brennen
züge fahren.
lauf
lauf
UNTER TIEREN II
mitten unter sternen
stehen und hineinsehen in ihr licht
sie leuchten über meinem kopf
tanzen um mich herum, landen auf der
stirn auf dem handrücken
mancher stern fällt zu boden
erlischt stirbt tonlos
ich greife nach ihnen mit einer hand
die andere hält mein cousin
er hält mich und sich und tränen
leuchten im hellen nachtgrün unsere
dreihundert sterne in den bergen
bei bosanski novi gehören nur uns
zwei jungen aus berlin und bosanski novi
wir sehen uns einmal im jahr
und in diesem jahr leuchten wir
inmitten der sterne
LAMPYRIDAEN
unser milchstrasse sind heute nacht
die glühwürmchen
von bosanski, von der una
die man in der ferne hört
wie die stimme über uns
es ist ur-oma todora
die 101 jahr alt ist
und seid dreissig jahren ihrem,mit ihrem
mit samt und purpur ausgelegten sarg
in der küche lebt -
ist mein schönstes möbelstück, sagt sie immer
wenn ich tot bin,hab ich nichts davon
sagt sie immer
seit dreissig jahren steht der sarg in ihrer
schiefen küche in dem dorf bei bosanski novi
er dient als frühstücks und mittagstisch
und wenn besuch aus der stadt kommt
wird er reich geschmückt mit allem
was ihre kühe und hühner von sich
hergeben gefragt oder nicht für drei tage drei nächte
mein opa der general hat ihr den sarg in belgrad
gekauft, vor dreissig jahren als oma todora
71 war und sterben sollte,aber nicht wollte
er schnallte den sarg auf seinen generalsdienstwagen
es war natürlich ein deutsches modell
genauso deutsch, wie der deutsche der opa
vier jahre durch die berge jagte und fotos machte
und dörfer niederbrannte
deutsch,wie der deutsche,der meine oma
eine sechszehnjährige partisanin gefangennahm
und laufen liess,damit ihr nicht kehle und augen
ausgestochen werden von den ustaschas
aus dem nachbardorf
deutsch wie der kleine halbe deutsche
der nun inmotten der grünen sterne
stand, hand in hand mit seinem
cousin aus sarajevo stand und vor
glück und schönem schein heulte,
mit dem cousin, der nicht mehr
in sarajevo lebt,
der nicht mehr lebt
unter den sternen, unseren
LAMPYRIDAEN
ist selber einer
eine mine riss in
entzwei
oma starb mit
104 vor ihm
schön in samt
ich träume oft diese nacht
unser leuchtenden
sterne
glühend
ewig
fliegen
sie
UNTER TIEREN III
ich hatte mal einen kanarienvogel
für einen tag
am zweiten weihnachtstag lag er
tot auf dem boden,neben dem baum
der erste tote in meinem damals noch
jungen leben
vater sagte nur
sie haben biermann ausgewiesen
das ist schlimmer
was hatte dieser biermann mit
meinem toten vogel zu tun
der dalag
bunt
UNTER TIEREN IV
ich höre ihr singen
zykaden
vielstimmig der ungesehene chor,die steine grau,
weiss in denen sie leben sterben
geschichtet von händen vor langer zeit
hinter den schweren steinen liegt die schwere erde,
rot unter der haut lebend, der grabenden und schichtenden
färbt die hönde für ein leben ein,meist ein schweres,
doch sie, die steinsänger singen gleichmütig vielstimmig
die steine weissgrau und ihre harte haut
wärmt meinen rücken, sie bohren sich
in das fleisch,mein clash tshirt
aufgeheizt vom tag nun ihr zykadenheim
das salz auf joe strummer mein weisser kontinent
angelehnt an das rissige spitze grau mein
konzertbesuch und weiss atme ich schwere heisse luft
warte auf den nächsten gesang
an der bushaltestelle mit meerblick
ich warte auf den 13 uhr bus
nach primošten auf wellen reiten
mein warten auf den bus splitexpress
weißes sommerglück
der gesang
UND
jeden tag fahre ich mit meinem
klappfahrrad 6 km die strasse staubig,
gleissend das weiss,selbst die kleinen steine
die mein PONY in das nahe blau
schiesst weiss, wie die berge hinter
den kleinen häusern der feriensiedlung
ich fahre 6km für eine kugel
vanilleeis aus dem eiscafee der kleinen hafenstadt
der besitzer schenkt mir jeden tag eine
kugel vanilleeis,
für meinem ersten kleinen blonden deutschen
den er in seinem leben
sah,nachdem er aus dem kosovo an das
blaue meer zog und mit seinen vier
brüdern der eiskönig meiner kindheit
wurde
mein königreich eine kugel vanilleeis
irgendwann zündete jemand sein eiscafé
an,danach brannte das eis
überall an der küste
irgendwann sangen sie
nicht mehr
zweihundert jahre lang
warfen die fischer schwere steine
von ihren schweren weissen holzbooten
aus in das meer
nach zweihundert jahren
errichteten sie auf den steinen
eine brücke und die insel war
nun keine insel mehr
auf der brücke laufe
ich hand in hand mit
einem mädchen aus bihać
auf die andere seite
der insel die keine
mehr war um uns
in ihren wäldern
zu küssen
und dem
gesang
zuzhören
ich höre sie
immer noch
auch in B
im regen im
september
zykaden
UNTER TIEREN V
ich habe ungefähr hundert ameisen getötet
mit sechs oder sieben,vielleicht mit fünf
ich habe einen krieg verweigert
nicht zurückgeschossen
meine patronen vergraben
flach das grab
mit einundzwanzig genau
ich hoffe
nun die schuld
ist beglichen
UNTER TIEREN VI*
Pools of sorrow, waves of joy
Ein dampfendes Feld,dann Waldlichtung frisch ausgehoben
die Grube leichter Morgennebel ein LKW
Männer steigen aus leise wimmern schluchzen
wortlos knackt Holz unter leichten Schuhen
zweimal adidas puma dreimal borovo**allstars vier
Nebel streicht über das braunschwarze Loch
They tumble blindly as they make their way across the universe
woanders an den lauten Stränden
die Sonne brennt über gezähmten Köpfen
und verjüngten Brüsten am Strand, Jahre später
Weit weg der Wald das Loch
operierte Gesichter an Adrias Perle
gespreizte alte Beine Zigaretten werden zerknautscht
von operierten Lippen Münder daran lutschend wie Schweine
den grauen Brei im dampfenden Trog
Words are flowing out
an Waldlichtung in den Bergen
der Nebel zieht durch silberweiße Blätter
der verstreuten Baumgruppen im Busch unter den Bäumen
liegt ein TShirt ein roter Schlüpfer drei paar Schuhe
Lederbänder Holzkreuze von Zähnen weissgebissen
woanders nicht weit weg goldene Kreuze an ledernen Hälsen
schwer wie runde Steine des Strandes ein Lachen
ein Kreischen am Meer wo die operierten Gesichter
platzen unter holländischen Zeltdach ein roter Stern
Bierschatten.
Across the universe
Es leben zwei Ameisenvölker vom Fleisch der Grube auf der Lichtung
fleissig lösen sie die Fleischstücke vom alten stummen Berg
tragen sie in ihre Städte unter der Erde marschieren über das TShirt
den roten Schlüpfer Lederriemen ein kurzes ausatmen auf dem
verrottetem Schuh drei Streifen hat er kaum zu erkennen
Lehm klebt daran seit Jahren, der Weg vom LKW zur Lichtung kam wohl vom Regen
DAMALS getränkt ihre letzten Schritte vom schweren Schlamm
Woanders vier Damen schlürfen laut den sämigen Kaffe
Kaffee klebt an ihren Mündern schwarzer Schlamm
künftiger Tod bei Bergamo am Schuh
schwarze Löcher ihre Münder der tiefe Bass
kündet von Hauskäufen verfickten Hurensöhnen
eröffneten Shoppingmalls und wieviel Lehm passt
in eine glänzende braungoldene Handtasche
die Gräber flach und kalt niemand weiß es
Die Lippen aufgespritzt mit Lehm werden ewig wiehern
Ihre Männer haben vor Jahren das Loch auf der Lichtung ausheben lassen
von anderen Männern die wimmerten schwiegen auf Holzkreuze bissen
eine oder zwei Zigaretten geraucht,dann getan was getan werden musste
für Volk Vaterland und den neuesten Jeep
und die Frau zu Hause die wartet auf Gold und Urlaub am Meer
Die beiden alten Völker unter den Bäumen kümmert es nicht
das Leben und Sterben hoch über ihnen sie schweigen und arbeiten
das Loch ist tief der Berg noch hoch es gibt viel zu tragen.
Dies alles erzählte mir mein bester Freund auf der Terasse
während alle
schliefen am nachstillen Meer nach der Seuche
sein Bruder fuhr damals den LKW auf die Waldlichtung
er hörte eine best of Kassette von den Beatles
so laut er konnte
nothings gonna change my world
aus fleisch wurde weisser staub
die unterirdischen städte in nord und süd
werden aus knochenmehl gebaut seit jahren
-
NOVEMBER
Szenen
Von Sascha Hawemann
Personen:
Phil
Micha
Fotzo eigentlich Frank
Mutter
Heiner Müller
Zwei Teenager
(Phil, Micha und Frank können von weiblichen, also auch von männlichen Darsteller*innen gespielt werden. Zeit der Handlung 1985 bis 2020 in Ostberlin, an der jugoslawischen Adriaküste, Berlin.)
SZENE 1
FREUNDE
PHIL
Ein müdes Gesicht nicht meines
gespiegelt kurz über dem angekratzten Hundebild, gleich neben dem lauten Kind
am Kloeingang auf irgendeinem Bahnhof auf dem Weg nach Hause
Hohn das Blau des Meeres da ganz unten in der Kloschüssel
dort ertrinke ich im Dreck das Traumweiß klebt noch an
Nase und hohlen Wangen
bin ne ICE Durchreise auf halbem Weg
ich stinke auf Kunstleder im Atelier
verschollen circa 1992 DENNOCH VIER FILME GEDREHT
Werbung blend ich aus
Die Augen, nicht meine, suchen seit Jahren im Irgendwo
der kleinen oder großen braunen Flecken
Blut getrocknet gleicht Kotresten an einer hellblauen oder gelben Kachel hochgespritzt,
wie das wohl geht
der besondere Saft in der DB lounge
nur noch Ausfluss, Scheiße von unten
unter der Erde, meine Augen
schauen sich müde, nicht meine
das hundertfach gesplitterte Sterniglas am Südstern
als ich an sie dachte EWIG ihren Namen in die Augen schnitt
so also schneidet sich Bierglas in Kimme und Kopf.
So...habe sie aufgerissen, aufgeschnitten.
Nein, danke, ich kaufe das Unglück nicht,
trage schwer genug an meiner Tüte
mit dem Traumweiß
teuer genug die Pause vom Leben
Sie tun mir weh
die Augen
kann keine filme mehr drehen
ich sitze auf der Kloschüssel
auf irgendeinem Bahnhof
hoffe, keine Liebe mehr am Meer
FOTZO
Gestern sah ich einen Film
darauf zu sehen die Mauer von der falschen Seite der besseren Seite
da wo Raider und Porno wachsen. Und ich sah mich von der richtigen Seite
träumend von Raider und Porno wichsend auf richtigen Seite. Ich sah mich in der Kälte wachsen die Einschusslöcher auf dem Schulweg zählen und die Titten der Mädchen.
Mein Himmel war kalt - pogen im Gasometer oder einem fremden Mann
die Fresse polieren, am Fensterglas lecken und kleine Hakenkreuze in ein teures Buch
kritzeln die Ohrfeige danach. Kerstin zeigt mir ihr Geschlecht MÖSENLECHNER für eine Saftorange ausm Konsum gegenüber
von der falschen Seite.
Gestern sah ich einen Film NDR über DDR und verstand mein Heute nicht mehr
ich bin über Fünfzig
verkaufe mauerreste
oder polenzigaretten
die zähne verfault vom polieren
habe figurentheater gespielt
geschweisst in bunten häusern
und heiße Fotzo eigentlich bin ich der Frank
ich lebte in zwei Ländern
eins liebte ich
hasste das andere
jetzt hoffe ich auf ein drittes das ich nicht liebe
von dem ich lebe
das bleibt nicht
verschwindet
MICHA
Ein tiefes Unbehagen beim Blick in den Spiegel,
Junge Männer machen mir Angst, wenn sie die Redaktion betreten und bleiben,
schreiben diesen adjektivischen Bandwurmsalat ebenso lang und wiederhakend wie das öde Land D
Irgendwelche Spastis erbrechen Kolumnentheater und ihre Abonennten geilen sich auf,
strecken sich auf Yogamatten der Sonne entgegen
Meinung ist Wahrheit, aufgerichtet am halbgedachten und ich stehe fest
auf meinen Vejas, mein Denkmal der Lüge
meine letzte Härte gegen das System
vegane Sneaker
der nette Onkel nennen wir in Chef von nebenan
will auch mitfahren beim Schönwettersegeln.Das Geschlecht der Epigonen und Epikuren suhlt sich im Artridengrab. Sie scheißen sich eins und auf uns, POGOTÄNZER aus der Zone DREIAKKORDLER auf Henneckes verblichenen Spuren
mein Vater war Stabülehrer und hat mir schiefes singen beigebracht
geblieben ist nur der schwache Akkord vorm Bildschirm mit Skyline
mein wir ist nun ich und im Mund Worte wie trockener Sand.
Kalt bin ich ist mir trinke deswegen Matcha und
kaue Algen und Widersprüche im Schweinestall FITCROSS gegnüber vom Tower
sorry Augias
MARSHALL. PUNKS NOT DEAD.
SZENE 2
AN DER MAUER 1983
PHIL FOTZO MICHA
November 85
Berlin Hauptstadt der DDR
PHIL
Nacht mit Hundegebell.
ALLE
Wie immer
MICHA
Kam nicht nur einmal vor. Im Sommer häufiger.
FOTZO
Es pisst.
ALLE
Wie immer.
PHIL
Mein Weg zur Schule führte an ihr entlang.
an der Mauer
ALLE
wie immer
MICHA
Schüsse gab es dreimal.
PHIL
Erst neunte Klasse und schon Stasi an der Schule, Verhör im Direktorenzimmer.
Ist mir an allen drei Schulen passiert, die Männer in den schlecht sitzenden Anzügen.
In der Keibelstrasse VP Polizeipräsidium, habe ich zwei Zähne verloren. Die hatten Hartgummiknüppel aus der Nazizeit, das nackte Herumstehen, stundenlang, wärmen tut mich nur die eigene Pisse.
FOTZO
Das habe ich gelernt, DDR mein Vaterland: auf Knopfdruck einpullern,
war mein wärmender Anorak in der Keibelstrasse, Die Pisse musste man aufwischen, davor noch der Schlag genau auf die Vorderzähne.
Gelb und rot mischt sich unter meinem geschwollenen Geschlecht.
Bin der Vincent van von der Keibelstrasse.
MICHA
Zehnte Klasse. Wieder Stasi an der Schule.
Und Elf und Zwölf. Meine Zahlen sind krumm, schiefe Männer sind sie, die ein Kind
zertreten wollen, weil der Klassenkampf es so will. So nannte man das,
wenn große Männer vor einer Direktorin einem Jungen in die Nieren boxen und er vor ihr Schmerz erbricht. Ach Schiller, Goethe, Lessing und Fontane lagen sonst auf ihren schmalen blauen UnterrichtsLippen, die Erziehung zum Menschen, diesmal liegt nur Verachtung und ein wenig geiler Speichel auf ihrem klassischen Gesicht.
Der Lieblingsschüler liegt auf Linoleum.
Braun, er erbricht sauer.
PHIL
Ich sehe die Fahnen im Rücken der Direktorin.
Höre kaum etwas, langes hohes Summen in der Stirnrinde, darauf sitzen schwarze Vögel.
Eine Minute vorher hat mir ein verpickelter Sachse mit beiden Händen auf die Ohren geschlagen, meine Antwort gefiel ihm nicht. Summ-Summ-Summm.
Ich verrat meine Brüder nicht und deiner Votzenmutter scheiss ich in die Fresse, Sachsensau.
Die Direktorin schaut mich nicht an.
Kalt.
FOTZO
Wird nicht zum Studium zugelassen.
PHIL
Feindlich negativ.
MICHA
Dekadent.
FOTZO
Schmarotzer.
Meine Ohren summen und ich tanze den schwarzen Stern.
Die Küsse mit den Mädchen waren immer zu hart, meiner auch und ihre Haare rochen alle gleich. Action. VEB Kosmetik in Berlin Mitte.Drei von den vielen hart küssenden Mädchen sagten mir, sie wollen, weil sie müssen.
Männer kamen, sagten
PHIL
KÜSS IHN DANN FRAG IHN Was er liest? Was sein Vater erzählt
Die Mutter träumt. Und jetzt fick mich, die Verrätersau
sagte eines der Mädchen. Ich nahm sie in den Arm und erzählte ihr was ich lese,
was mein Vater erzählt und was meine Mutter träumt. Und ich sagte ihr
erzähl alles den Männern mir ist alles egal,
ich bin dreizehn, vierzehn, fünfzehn, sechzehn Jahre alt
und Angst habe ich keine, Leben will ich auch nicht mehr.
In der Straßenbahn müde Augen.
MICHA
Warum fuhren all die Züge immer an der Mauer entlang. Was war der Plan der alten Männer. Zu früh aufs falschen Pferd gesetzt, alles auf ROT und Traum vom Morgen
FOTZO
dann dastehen - mit leeren Hände und es blieb nur noch der leere Blick auf Beton und das Leuchten dahinter auf den Wegen zu den ungeliebten Arbeitsstellen und Fickzellen
DANKE H - im Danach fuhren wir immer an der Mauer entlang.
MICHA
Wie mein Gesicht in der Garage Keibelstrasse am Rohbeton zurechtgeschliffen wurde.
Irgendwann ging ich weg aus dem Land. Als ich wiederkam, war es eins.
PHIL
Mir tut das alte Land immer noch weh
ohne dieses Schäumen zwischen Werra und Mulde.
Mit heißer Wut, halbtauben Ohren und halbierten Zähnen
hass ich dich Staat der weissen Wand
Auf Knopfdruck einpissen war mein Weg in den Kriegskommunismus
MICHA
Vom Jetzt schweigt dieser Text.
FOTZO
Das hat hier keinen Platz.
PHIL
Und ich höre noch Schüsse in der Nacht, vereinzelt und das Gebell der Hunde, den Verrat küssender Mädchen, warm ist es unter mir. Es stinkt nach warmer Pisse.
Pssst, keine Angst Anorakkind, Junge, Mann.
So ist mein November.
Ich erinnere mich.
Ich fahre weiter nach Westen. Oder Norden, muss meine Füße in die Ostsee stecken
SZENE 3
MUTTER MIT SOHN
(ein Hotelrestaurant)
PHIL
Auftritt Mutter
auf den Lippen Schnee oder Heiner oder schlimmer noch Volker Braun
Ihr Herz im Gasherd nur mein frommer Kinderwunsch, den hab ich
schnell vergessen und vergessen und vergessen
für LEGO UND LONDON CALLING aus dem KDW lieb ich sie
wie ein Sohn seine Mutter muss, die ist gerade sehr krank, im Kopf
nicht nur dort, aber dort vor allem, nun besuche ich sie zu Hause gehe essen
/das Zuhause eingemauert von Müller und Andrić umgeben von ungeöffneten Rechnungen,
die Asche meines Vaters reicht höchstens für Katzenfutter und Aldi- Nord.miez und mauz
Mutter Svetlana hat sich aufgerieben im Kulturbetrieb und Zigarettenkonsum,
der Kopf gesenkt, ihre Depression hab ich mit Alete gelöffelt ausm KDW
Partisanenkind vom Balkan, das war sie, mir weniger als Hacks und Co.
I AM KULTURBETRIEB GEWESEN
VOR ZWANZIG JAHREN
singt sie oder der Whisky
mein Schaflied.
MUTTER
Meine Geschichte.
An der Wand der Scheune in der man mich machte wurden zwanzig von ihnen erschossen
in ihren speckigen schwarzen Uniformen, mit den halblangen Haaren, die in ihre
jungen Gesichter schweißnass hingen; als sie den Männern mit Hämmern die Gesichter
wie Sandstein zersplitterten und die kleinen Körper an weiße Lehmhütten klatschten,
das frische Gras fing fingergroße Knochen weich auf, die Mütter schauten augenlos
aus schwarzen Löchern, abgeschnitten und herausgerissen alles Weiche.
Mein Vater, sein Großvater erschoss die zwanzig, einen nach dem Anderen und das Kalk würde aus ihnen einen schwarzgrauen Brei gären und brauen, mein Vater würde meine Mutter küssen hinter der Scheunenwand, Erde und getrocknetes Blut unter den schwarzen Fingernägeln, in sie
hineinfassen hinter der Scheunenwand, davor lagen zwanzig junge Männer
Kinder; Frauen und Männermörder,
Scheunenwand, ein Maimond im Jahr 44
hinter ihr wurde ich gezeugt erst Tochter dann Mutter
eine Scheunenwand bei Sanski Most im Mai 44
die Wände und Mauern davor durchsiebt von Papas P08 Beutewaffe
“zerschossen” die Leiber... dass solltest du auf einer Probe erwähnen, historisches und Biologie zusammenknebeln, eine Sprosse der Angst gegenüber den spielenden Schauspielenden mit historischen Mitleid ersticken ICH erste Frau
I am Kulturbetrieb war es
und die führt ihre eigene Kriege Klage ACH UND WEH am liebsten die
Kollateralgebärmutter in die Bücherwand gestellt, wie einen der Ustaschas 1945
an die echte steinerene, Sohnemann- bist doch Autor, erklär den Leuten was Ustaschas sind
SOHN ERKLÄRT DEN ZUSCHAUERN ANHAND EINES MITSPIELERS DEM ER ZUNGE HERAUSSCHNEIDET DEN SCHÄDEL MIT HAMMER AUFBRICHT. ODER AUCH NICHT.
MUTTER
Mein Vater schoss in die Köpfe der zwanzig jungen Männer
der Politkommissar der 6ten Brigade und manchmal wünsche ich mir solche Lektoren, wie meinen
Vater, da hätt ich weniger Angst vor mir selber und den leeren Seiten oder ich wünsche mir:
besser keinen Sohn, besser ohne Sohn die Wege laufen
Vater Opa könntest du ihn auch vergessenen machen oder ganz weg
Ich bin mir selber zuviel
Sohnemann zeigt doch mal allen meine AutorenRequisiten
SOHN ZEIGT REQUISITEN UND FOTOGRAFIENAUS EINEM LANGEN KÜNSTLERLEBEN, AUCH DIE PANZER VON PRAG UND POZNAN, DUBČEK OHNE WOLF DEN WELTRAUM UND BERTOLT BRECHT.
MUTTER
Am 22ten Mai 1945 wurde ich von der Partisanenkurierin und späten Kommissarin des Frauenbataillons in Sanski Most geboren, ein Jahr später löste sich ein Stück vom Berg und sechstausend flossen in alte Stadt, ihre Knochen ihr Blut
Sechstausend erschlagen von zwanzig jungen Männern konserviert in der Lehmerde eines Berges vor Sanski Most flossen durch die Strassen
das waren meine Geburtswehen in der Mahala der kleinen Stadt
Jetzt verirrt verwirrt sitze ich
im Hotelrestaurant
die Unschuld der Reichen der gelassene Blick auf meinen Hunger
PHIL
in der Lederjacke stammel ich nun
LUSTMORD STATT REVOLTE
LANDHESSISCH DAS SUSHIMESSER
VON QVC
hätte Lust die Mutter Künstlerin
Aufzuschneiden mit dem Messer des Kellners
Der ihr den Lammrücken vorschneidet
Ich werde auch diese dünne Kehle nicht aufschneiden mein Leben lang werde ich nichts dergleichen tun bin nicht Jesus der das Schwert bringt
Ich träume von Schwertern mache daraus Film
VERSTEHT SE NICH
spreche mal als HEINER
das geht bei ihr immer -
Da lebt das Gestern auf nach den down
Die Lügen der Dichter sind aufgebraucht
Vom Grauen des Jahrhunderts
An den Automaten der Weltbank
Der schlafende Penner widerlegt die Lyrik der Revolution
Ich fahre im Taxi vorbei. Ich kann es mir leisten
MUTTER(belebt)
In der Nacht im Hotelrestaurant ist meine Bühne
Ungereimt mein Muttermund
Kommen die Texte die Sprache verweigert den Blankvers
Ich bin das Drama, du mein Orest in Lederjacke WE ARE DEAD draufgeschmiert
Kein Mensch, keine Fußspur, kein Staub, nur ein unsichtbares Auge, geführt von keiner MutterHand.
PHIL
dann stammel ich wohl weiter
MUTTER KANNST NICHTS MEHR
ICH KLATSCH DICH AN DIE WAND
schreib mit dir meine Verse an die Mauer
aus Rigips mein Arbeitszimmer
MUTTER
In diesem neuen Land kann ich nur noch zittrig löffeln und schneiden
Man sollte Komödien schreiben in diesem trüben Menschenbrei
mit glücklichen Idioten vor dem Bildschirm
In der Hotelbar langweilt ein betrunkener Gast
Eine Serviererin sie hat dienstfrei und darf stehend schlafen
ICH MAG CHOWCHOWS sagt die Serviererin
WEIL SIE SO KLEIN SIND BIITE SEHR WO BLEIBT
MEIN DRINK schreit der Betrunkene
ICH BIN GESTORBEN FÜR DIESE GESELLSCHAFT
Sagt der müde Kapitalist auf dem Bahnhofsstrich
Wie soll die Welt enden, wenn das Geld müde wird
Der Strichjunge zieht sich schon auf dem Bahnsteig aus unter den Reisenden ins Nichts
Die Welt ist beschrieben kein Platz mehr für meine Literatur
mein zugenähter Muttermund stammelt
I‘M KULTURBETRIEB MIT MINDESTRENTE NOW
Das letzte Abenteuer ist der Tod
Kauf mir bitte zweimal Katzenstreu
Sohn, bin ascheblank
PHIL
Wo sind wir stehengeblieben
MICHA/FRANK GENANNT FOTZO
So ist mein November.
Ich erinnere mich.
Ich fahre weiter nach Westen. Oder Norden, muss meine Füße in die Ostsee stecken
SZENE 4
STREICHHÖLZER UND SCHNÜRSENKEL/ERINNERUNGEN OST
MICHA
Mein Weg zur Schule führte an durchsiebten Fassaden vorbei. 1978 sah aus wie 1945 und ich laufe durch den Kugelhagel zum Werkunterricht, Holzklötze sägen für den Frieden oder Kambodscha.Kopenhagener/Ecke Schönhauser- aus der Löffelerbse springen zwei besoffene Bauarbeiter auf die Strasse
FOTZO
MACH DIE BRILLENSAU KAPUTT
Zwei Bauarbeiter zertrümmern seine hohe Stirn, der Iro ist auch kaputt
ALLE
scheisse
MICHA
Aus meiner zerrissenen Plastiküte von Bilka fallen saure Äpfel und ein Manuskript HABEN UND SEIN -
FOTZO
kenne ich nicht
lese ich verstehe ich nich, werde es erst verstehen lernen
es wird nicht helfen, das kennen, das verstehen im jahr 1985
im Sommer
MICHA
und ich denke an meine Holzklötze für Kambodscha oder den Frieden und staune, dass der dünne Blutstrahl aus der hohen Stirn herausschiesst wie frischgezapfte Fassbrause, die ich über alles liebe, während mein StabüVater unter Theken lag, zwischen Lychener und Stargader und sich ins Dunkel trank
FOTZO
Das Weltall Genossen...
PHIL
Prag, Biermann, Sozialismus, der menschlich wurde mit Doppelkorn
und Primasprit
MICHA
Wenn mich der Kopfschmerz plagt und ich den ersten Satz um vier Uhr Morgens irgendwo hineinkliere, in mein Käseblatt in Frankfurt nicht an der Oder
dann wird es regnen, wie auf meinem Weg zum Werkunterricht, mein Friedensklotz mit
Jo R Becher danach im Deutschunterricht
PHIL
Durch den Krieg, den Alten und den täglichsozialistischen schlürfte ich zum öden Deutschunterricht, um zu lügen.
MICHA
Mache ich immer noch
im Redaktionszimmer jetzt Berlin
Vor meinem Haus verkaufte ein Kriegsblinder Streichhölzer und Schnürsenkel in allen Farben des Regenbogens. Er schüttelte dabei immer die Streichholzschachteln,
Töne und Klänge erfüllten die Schönhauser Allee, nassgrauer Pflasterstein glänzte in ein Zündholzbossanova erfüllte graue langweilige Scheisse mit frohen Klängen.
Erst später wurde mir klar, dass seine grobe Kleidung eine umgearbeitete Wehrmachtsuniform war, eingefärbt und umgenäht. Wieso trug er noch seine Uniform, siebenundzwanzig Jahre nach dem Ende des Krieges, 1972, wieso kaufte ich heimlich bei ihm Schnürsenkel und versteckte einunzwanzig gelbe rote und blaue davon unter meinem Bett.
Nach jedem Einsatz in Weissrussland - täglich spürte er die Hitze der brennenden Scheune in der Schönhauser Neunzehnzweiundsiebzig
und hörte das Bienensummen der verbrennenden Menschen, den so klingen zweihundert brennende Frauen und Kinder, wie Bienen im Anflug auf ihren Stock
Nach jedem Einsatz spielte er den Streichholz Bossa Nova und an den
weißrussischen Alleen hingen Menschen in Bäumen, aufgeknüpft an Schnürsenkeln.
Eines Tages stand er nicht mehr blind und musikalisch an unserer Ecke, eine Freundschaftsbesucherin aus Minsk hat ihn, nach ihrem Einkauf im Modelleisenbahnladen
in der Dimitroff 22 -zwei Waggons und eine Tatratrommel bitte -
für ihren Enkel, erkannt.
Sie brach vor dem Laden zusammen, in der Hand der Beutel
mit den kostbaren Geschenken
FOTZO
Auf dem jüdischen Friedhof in der Schönhauser Allee, der mindestens einmal im Monat geschändet wurde, sollen im April 45 Waffen vom Volksturm vergraben worden sein.
Heiko mein bester Kumpel suchte vier Jahre nach ihnen, buddelte tiefe Löcher und warf die alten jüdischen Knochen hinter sich, zwischen großer Dichterwohnung und VP-Revier türmten sich die Knochen
PHIL (HEIKO)
Ich finde nur jüdische Votzenknochen hier
und kein StG44
Vaddern sagt imma
ooch ein Glück dass der Jude weg is, hat uns Proleten in der Systemzeit bei Mietschulden ohne Punkt und Komma uff die Strasse
und der Haager und der Tisch solln ooch welche sein
vergasen alle miteineinar
Juden und Kommunisten, oder dotschlagn
und vorm ND uffhängn
FOTZO
Irgendwann fing Heiko an, die Knochen über die Mauer zu schleudern, direkt vor die Tür des Polizeireviers, hinter zugemauerten Fenstern sahen Polizisten zärtlich ihren Hunden zu,
wie die graue Knochen knackten.
PHIL
Demnächst poste ich zwei, drei schlechte Setfotos von meinem letzten Film
Krieche mir sehr tief in den Arsch. Bedanke mich schmierig bei mir.
Bedanke mich noch schmieriger bei Anderen.Produzenten oder Sponsoren
Ich Ich halte mich zurück, wo es heiss wird - bei den Eigentumsverhältnissen, Produktionsmitteln und Klassenkonflikten. Ich erschüttere mich, wo die meisten mitschüttern, will ja nicht am Ende im schüttenden Regen stehen. Vielleicht sollte ich doch lieber putzige Katzen und dumme Hunde der Welt präsentieren,
Werbefilmchen mit leichter Musik
Mein Ich auf Häufchen und Kackbrötchen, bescheiden,nimmt eine Bürde des geschicklichen Mitwettbewerbens. Mutti pflegen am unteren Ende.C est la vie
FOTZO
Halt doch einfach mal die Fresse
bin endlich mal wieder drin und drauf
MICHA
Unsere Welt
PUNKSNOTDEAD OSTBERLIN
wurde von einer Neutronenbombe pulverisiert. Sie fiel im Oktober in einen schmalen Riss der großen Mauer, irgendwo zwischen Fulda und Putbus, zündete lautlos und nahm alles. Sonnenhell. Seitdem leben wir, mit teuren Häusern drumherum und leichtem Spreizfuß und orthopädischer Technik, privatversichert
Mitten in der Nacht hat sich die Welt verändert, wir reden nicht gern von dieser Nacht.
(oder?nee,also ich red nicht gerne darüber,wobei an Montagen oder)
In den hellen Tagen nach dem Traum, 91 schneide ich Vater vom Küchenfensterkreuz,
reiche Mutti ihre weißblaue Pillen, verstecke mich vor ihren Tränen in Hamburger Hörsälen, schlage mit Neusätzen ihre jammernden Hinterköpfe ein,
meinen Demenzkommunisten, stimmleisen Muttis und Vatis
Halts Maul Genosse MutterVater
Heul vor der Treuhand oder der TAZ, nicht vor meiner Frankfurter nicht Oder Schmalzstulle.
Grüner Tee. Ich muss grünen Tee trinken. Ich muss ihn noch lernen den Verrat, eure Liebe zum Staat war dessen Saat. Wir sind nun andre Moralisten.
SZENE 6
KLEINE HÄNDE
(Polizeipräsidium Keibelstrasse,1985ein zwei Polizisten, drei Uhr am Morgen. November)
FOTZO
härte gegen punk
mein kopf auf der tischplatte
knackt zwei vorderzähne gleich mit
herabwürdigung öffentlich und paragraph 220 von den nazis.
der schlag auf mein blutendes mundloch mit dem eingerollten
proletarier aller länder vereint euch ND
bricht mir die unteren zähnchen
kann mir das sandmännchen bringen
brüll ich und mutter ist ein trampeltier und der
heiner müller steht an der tür
kein mann im fahrstuhl
den habn wir nicht
aber die keibelstrasse nen
paternoster ausm keller zur etage sechs
zum schnelle schlag auf die hoden links rechts
rechts links, der genosse macht
sich leicht mit dem befehl von ganz
oben mfs ss
selbstschuss und ein minenfeld damit
es uns hier gut gefällt, damit es uns hier
gut gefällt in unserem schönen staat
in unseren schönen staat
meine hoden schon schwarz und blau
von arbeiter- und bauernhand
kopf an die wand
jetzt fick ich dich
du sau sagt der genosse
schätze Döbeln oder Riesa
schiebt mir den Knüppel in den
arsch pretty vacant schrei ich nur
das blut auf altem naziholz
IM SO PRETTY
in der keibelstrasse holten die genossen
gerne die reichsknüppel aus dem
magazin warn grossdeutsch nicht so
biegsam wie der schkopauer gummi
mein helles rot ein langsames
fliessen mutterwärme auf beton
die narvaglüh im Keller wärmt statt ihrer dünnen hand
YOUR SO PRETTY
verlier mit vierzehn mein herzloch
an den vater staat wegen dem 220er
der eigne alte ist stumm beim bier
das weltall genossen
alles im fluss über unter mir
mundloch strömt und arschloch
mit großen ach und weh
PHIL
ich bin der struwwelpeter
in der keibelstrasse
habe keine mutter mehr noch vater
das sagten sie mir als ich nach hause kam
die schweigen nur und glotzen
willi schwabe ein freund ein guter freund
ALLE
lallen Biermann müller prag
bulgarienurlaub oder datsche
FOTZO
ich kleb mir die zähne und das
arschblut in das schulheft
sammle schmerzbienen
fürs delegieren nach weissensee aus kunst wird nix
PHIL
in der nacht als mutter vater
von biermann müller bahro
sprachen und träumten vom
dritten weg dem rotwein den schweren
lag ich in meinem
blut
und liege noch da
seit november 83 und sehe keinen
himmel und habe
löcher in der fresse
was kostet eigentlich ein implantat
im neuen deutschland
MICHA
die bullen schlagen uns löcher in mund
und arsch
ist man mit vierzehn
noch ein kind
sind so kleine
hände im november
es regnet leicht.
kalte tropfen im nacken.ich schreie durch mein mundloch vielleicht ist es an der zeit, die dinge so zu sehen, wie sie waren und sind, antagonistisch und in ihren verbitterten widersprüchen.
denk ich oder spreche es aus, ein gesicht MEINES sieht man nicht, kalte tropfen nacken aus der U-haft keibelstrasse.
Ein security mann zählt die Besucher an der Drehtür, der kalte Tropfen fliesst die Knochen herunter, segelt auf Wirbel und umschifft Fjorde, langsam sucht er sein ziel
im menschen
mein ziel ist der zehnte stock
redaktionsitz mit
endmoränenblick
MICHA PHIL FOTZO
neunzehnfünfundachtzig
punksnotdead in ostberlin
SZENE 8
FAMILIE
(Friedhof im Wald 2020.Darkwave 1985.)
MUTTER
Mit erdigen Händen hocke ich auf den Marmorleisten des Grabes, wie immer am Einheitstag
habe ich Zeit für den Friedhof, meinen Mann den kalten und ich gieße, denke. An meine umsonst geschriebenen Sätze, die Treffen mit Heiner und der Ruth, mit Christa und Stephan...vergessen und vergessen und vergessen.
PHIL
Mutti und ich denk an die wütenden jungen Männer im Wettbüro unter mir, die sich einmal in der Woche unter die Autos prügeln, brüllen, verstecke mich hinter meinen Büchern und Fotos, mein geschriebener Limes, angefressen und abgenagt seit dem Fall, dem Bruch.
MUTTER
Die Mauer muss weg, schrie ich mit, ich wollte den Himmel sehen und am Zoo Bücher kaufen,
ich wusste nicht, das mit dem Beton auch meine Sätze fielen, das Papier blieb leer seit 1994. Seitdem lebe ich in Bildern, schwarzen und weißen, selten bunten:
Auf dem ersten Foto stehen mein Mann und ich, hinter uns die Fahne mit dem Stern an einer weißen Küste, der Traum vom Sozialismus weht mein indisches Kleid zur Sonne, zur Gleichheit, zur Freiheit an jugoslawischer Küste Blablabla
Auf dem zweiten Foto mein Sohn, kahlrasiert, die Nase krumm, mein Sohn
PHIL
Der dir nie einer war, die Kämpfe um die Welt die gerechte, meine geschriebenen Sätze und Filme UNBESEHEN fressen deine Mutterbrust, die kleine.
MUTTER
Eine Frau unter tausend Männern, Meroe im Schriftstellerverband,Schwer wiegen die Sätze, die Blicke auf meine Brüste, das Geschlecht
1977 oder 1978 im Aufbauverlag denk ich an Biermann und meine den Nationalpreis, den bekamen und bekommen die lauten Stierer und Glotzer. Jetzt hocke ich auf meinem Bücherregal, ich passe hinein, esse nichts mehr, will mich schrumpfen, als Lyrikband verbrennen, wie meine zwei geschriebenen
ich weiß schon wo und wieviel
zuviel darf es nicht sein, wenigstens in der letzten Stunde eine gute Muh-Mutter sein, schuldenfrei ins Loch fallen.
PHIL
Mutti
unter meinem Regal unter mir, im Wettbüro dass in die Nieren stechen, das Schädel aufbrechen, weil das so ist und sein soll. Müde Polizisten klingeln bei mir: ein zwei Worte und sehr viel Angst, Polizisten die sich schnelle Standgerichte erträumen, stehen jeden Monat in meinem Flur und ich schreie sie an KANN SO NICHT DENKEN und ich möchte, dass ihre Wohnungen und Häuser brennen, ich möchte in ihre Nieren stechen, wegen der Angst
und den Schweinen unter mir im Wettbüro.
An meinen Novembernachmittagen sehe ich riesige Scheiterhaufen vor den Toren der Heldenstadt, auf denen zehntausende Bücher brannten
MUTTER
meine zwei Kleinen auch darunter, sie überlebten die Verlags GmbH nicht, ich löffle ihre Asche zum Müsli, den bringt mir mein Sohn jeden Mittwoch. Unsterblichkeit jetzt bist du ganz mein, hier am Stein zähl ich meine Stunden, die mir bleiben ohne Sohne, ohne Gleichheit.
Ich fahre zum kalten Mann,immer am Einheitstag und singe PUEBLO UNIDO
PHIL
der Mann mein Vater war dir im Winter 85 zu kalt, der Stern verblasst, wärmt nicht mehr, es bleibt nur hoffnungsfrohes kopulieren und Kinderbücher schreiben.
MUTTER
Auf meiner Fahrt zum Friedhof zum kalten Mann, den einzigen, den ich liebte, lese ich ein Buch über DDR Verlage, vier von mehr als fünfzig blieben, der Rest brannte, verbrannt vom
FOTZO
Schweinestaat
MUTTER
der Staat, der mir keiner war und ist, verbrennt die alten Bücher.
Meine Bändchen auch darunter, bin nur ein Leichtgewicht unterm Ascheberg
PHIL
Und ich zähle seit Jahren öffentliche Blutflecken-Blutlachen und steigere meine Mutlosigkeit dynamisch mit, es ist mehr geworden-
MUTTER
meine Sprache in Resten...fein gesprochen und gedacht unter Erich, Tito
das sozialistische mitgedacht...einst fremd, nunmehr oft ein frommer Wunsch. Manchmal gehe ich in die Kirche und bete für den menschlichen, den ohne Verbot und Verrat,
den Sozialismus aus Prag, den aus Belgrad, den meiner Jugend, den jungen kubanischen, den auf Kneipenstühlen und Bergspitzen erhofften. Der Krebs mittendrin. Dann träume ich ihn in Wilmersdorf, da wohnt mein Sohn in dieser Schweinezeit und ich höre das Grunzen im Koben
PHIL
ja ja ja
und unter mir fließt Blut, nebenan kennt der Vater den Sohn nicht, Jesus aus meinem Hinterhaus geht seine Flaschen in der Karl Marx Alle suchen, wegen der Scham und meinen trüben Blicken. Er war mal Physiker in Adlershof, Quantentheoretiker ich war mal Filmkunstler
MUTTER
Hab jetzt Mindestrente
PHIL
der polnische hooligan nebenan "lech" tattoo auf den fingerknochen fickt seine frau laut
an feiertagen, so wie heute oder er hockt neben unserem müllcontainer und wenn er nicht gerade heult, blutet er. seine kinder sind sehr blass und pinkeln jeden tag in den hof, weil mama und papa zeit für sich brauchen und sie drei stunden aussperren. während die deutschen einheit feiern fahren sie nach poznan, so wie du zum friedhof am tag der einheit. am s-bahnhof bundesplatz habe ich meine 564 blutlache gezählt. eigentlich sah sie aus wie ein sechs meter langer tiefer schnitt in das-bahn geländer. das wird mein nächstes projekt
MUTTER
Wann kommst du wieder vorbei
SOHN
Wenn du Zigarettengeld brauchst
MUTTER
Ich bin heute auf dem Friedhof
SOHN
Leg dich gleich zu ihm
MUTTER
Du liebst mich nicht
SOHN
Hatte ne gute Lehrerin
MUTTER
Jemand ist gestorben.
Jemand wurde vergessen.
Als die Welt an der er zerbrach
selber zerbrach hielt ihn nichts mehr
im Soll und den anderen Stücken
Er, der den du liebst lebte
gegen sich mutlos lächelnd
bis ihn der Gleichmacher, wohl der letzte Kommunist
zurückholte in die achte Reihe schräg hinter dem staatstreuen Bauhausarchitekten
neben der abgeholzten Eiche
liegt ein zerbrochenes Herz
bei Berlin Rahnsdorf evangelisch
ich halt nichts von Gott
der macht den Stein nicht sauber
SOHN
Halt doch einfach deine Fresse, Mutti
(putzt das Grab)
SZENE 9
SÖHNE
(Mutter blutig geschlagen oder geschnitten)
PHIL
am fünften juni
neunzehnsiebenundsiebzig
hat ein taxifahrer meine mutter
aus dem fahrenden auto
gestossen
scheiss zigeunerin
hinterhergerufen
sie hatte ein indisches kleid an,bunt
FOTZO
am zehnten september
neunzehnachtzig
hat mein vater meiner
mutter den kiefer
gebrochen
sie ging dann zu
ihrer nachtschicht
narva warschauer strasse
MICHA
am zehnten oktober
neunundachtzig
hat sich meine mutter
aufgeschnitten
mein vater
PHIL
am zweiten dezember
einundneunzig
hat ein bauarbeiter
meiner mutter einen
vorderzahn herausgehauen
wieso sind is ihre haut
so braun
judensau
FOTZO
am vierten oktober vierundneunzig habe ich
mutter aus hundert scherben nordhäuser
gezogen
narva ist nun osram sie zuviel
warschauer strasse
MICHA
am fünfzehnten august zweitausend
hat der krebs ihre brüste gefressen
ich habe es drei tage später erfahren
sie wollte meine prüfungen nicht stören
hamburg an der kalten Elbe.2019.Berlin.
MUTTER
DER SCHWAMM
Die richtige Widerspiegelung der Wirklichkeit wird um so brüchiger, je mehr sie sich unweigerlich in der bürgerlichen Ideologie verstricken, die sie in einem Scheinzusammenhang intellektuell entmündigt. Ideologie gibt den Zusammenhang der Wirklichkeit völlig falsch wieder, in ihr ist der A A A Augdeuter nein nicht Augdeuter Au Au
Ausbeuter ArbeitGEBER und der Ausgebeutete Arbeitnehmer
MEIN KOT
Ohne ständige Präsenz der Dialektik der proletarischen Revolution kann die widersprüchliche Wirklichkeit der kapitalistischen Produktion nicht richtig widergespiegelt werden.
BIST DU MEIN SOHN
damit es keine Widersprüche gäbe. Es gibt keine reine Gesellschaft, sondern nur bestimmte Klassen
es gibt keine reine Politik
sondern nur Klassenpolitik.
es gibt keine reine Politik
sondern nur Klassenpolitik
es gibt nur die Wiederholung
der Schwamm
der Kot
die Wiederholung
am fünften juni
neunzehnsiebenundsiebzig
hat mich ein taxifahrer aus dem fahrenden
wolga gestossen
scheiss zigeunerin hinterhergerufen
ich hatte ein indisches kleid
an, bunt
wegen cat stevens
MUTTER LEGT CAT STEVENS
AUF UND TANZT
PHIL
meine mutter tanzt
SZENE 10
SONNABENDS IN ZÜGEN/FREUNDE ON TOUR 2019
(Micha, Phil, Fotzo)
ALLE
Zweitausendneunzehn
FOTZO
Party is over
MICHA
wir fahren S Bahn
PHIL
jeder in seine Hütte
FOTZO
der Bulgare singt(nee Rumäne,oder Yugo)
Er spielt sehr gut und seine Stimme zwingt fast jeden, selbst die Bodengucker, ihm zuzuhören. Ich glaube es ist rumänisch, ich glaube es-denn sein Gesang ist zu zart für die S-Bahn, die laut die Stadt durchflügt.
MICHA
Plötzlich steht sie vor mir, halb so groß wie der Sänger.
Fragt nach Geld.
Ich gebe keins.
Der Pappbecher in ihrer Hand ist leer, hat einen Knick und einen kleinen braunen Fleck am oberen Papprand. Der Sänger packt seine Gitarre ein, beide steigen aus.
Die Türen schließen.
FOTZO
Auf dem Bahnsteig schlägt er ihr stumm in die Fresse.
Mit der Faust.Einmal.
Für den leeren Pappbecher
PHIL
Vor dem Weltbruch, dem kommenden Menschenkrieg
dem Fieber, dem lodernden Brand
verharrt der Mensch nicht in der Starre oder im geronnenen Bild
Atemziehen durch angstverschnürte Luftröhren
gleich zählt man sein LebensGeld, träumen Finger
von verlorenen Körpern
den ungeborenen Kindern
FOTZO
machn film draus keine sülze
MICHA
es strampelt der umgestürzte Käfer im Spinnennetz,
die Eiskristalle von Sibirien schmelzen, schwarz die Eiserde
der grüne Tee als letzter Zuhörer, der fiebrige Blick, das Kind im Garten
ungeboren spielt mit Sand
PHIL
Als meine Welt zugrunde ging putzte ich eine Plattenspielernadel von Sommerstaub, während Panzer am Fenster vorbeifuhren...dann knackte es und ich sang meine letzten Lieder
sang mit den vibrierenden Fenstergläsern
pevam njoj samo njoj bis sie brachen sie Gläser unter meiner Last
MICHA
kurz bin ich klug
für mein alten freunde
zwischen Hauptbahnhof und Tiergarten:
von Vorteil ist ein Hintergrund
FOTZO
OstOstOstberlin
MICHA
er sollte nur nicht
zu schwer wiegen
schnell reden ist Gold
Langsam schweigen ist Scheiße
schweigen ist Sold
und Blut tropft
in einen leeren Pappbecher
Sie sang schön
für nichts
FOTZO
ich bin über Fünfzig
und heiße Fotzo eigentlich Frank
mache Figurentheater oder Polenfluppen
PHIL
Meine Welt verbrannte vor der Welt.
Ungehört zersplittert nicht zusammengesetzt
s ist Sonnabend und ich fahre S-Bahn
und denke dies und das
nach vorne und hinten
es kostet mich
zwei Euro neunzig
nicht viel für dreißig Jahre
und einen Weltenbruch
ich leg nen Zehner drauf und fahre durch
ANS MEER
tauche hinein
ein Atemzug still ersticken.
das schöne ist alt, gemauert vor Jahrhunderten
das neue Ruinen des Neuen unterm Sonnenlicht das mir fehlt
unter ammoniakschwerer Decke liege ich an SWINEMÜNDES/SWINO
Polnisch kann ich nicht
trauriger Strand, ich springe ins blau, sechs Messerstiche zwischen Nase und Zeh von vergangenen Schlachten ins stille Blau tauchen
die Stiche mitgebracht aus einer kalten Nacht neunzehnUND
auch egal
die Ostsee liegt vor mir Krieg im Kopf 91 93 auf der Prenzlauer
STRASSENSCHLACHT
ich kämpfe mit B der den Hools vom BFC in die Köpfe schießen wollte
STAHLZWINGE für braune Pisse
mein kaltes nein
sind zu jung die BFCer er stößt mir das Messer schnell in die Seite, hab vergessen, dass er Crystal raucht seit nem Plenum in Kreuzberg im Land nach dem Bruch
Ich kann sehr lange die Luft anhalten
im Meer hinter Usedom und die Seesterne zählen
Derweil zuhause
jemand mehr oder mehr
predigt alten Hass Heil Deutschland fünfunddreissig Prozent haben’se schon
hätt gern Peters Stahlzwinge, kann ihn ja mal fragen auf’m Dorotheenstädtischen liegt er da im Crystalsarg neben seinem Vater
Ostsee MEIN NEUES ALTES MEER
schon eine Minute ohne Luft im Kopf
ewiger Krieg und arme Schweine
mein lecken mein heulen
ich habe drei Jahre lang jede Nacht geweint von 90 bis 93
danach musste ich die Bettdecken
verbrennen ich brenne nicht
ich besitze vierhundert Videokassetten mit Nachrichten des Krieges
RAF
68
MAINZER
JUGOSLAWIEN
Sie klagen gegen mich an von geweißter Wand dazwischen ein dänischer Designerstuhl, für mein Atmen, mein filmeTun
Ich habe vierhundert DVDs MAUERFALL CHRONIK DER WENDE PUNK IN DER DDR
KURZER AUFTRITT VON BETONTOD AUS BERLIN OST.
1981 MITTEN IN DER OSTSEE,MEIN TRAUM
SZENE 11
BERLIN 2.0 BAUMSCHULE
(Bahnhof Baumschulenweg. Fünf Teenager, sie werden Fotzo totschlagen oder auch nicht. S-Bahn)
FOTZO
Fotzo eigentlich Frank steht auf dem S Bahnhof
vor mir im leeren Gleisbett
auf märkischem Sand
liegt Lindgrün verrostet
TEENAGER
der alte Titan
gefällt
hat Platz gemacht sprechen komisch müssen diese Polenpillen sein
FOTZO
für die schnelle Streckevon Osten nach Westen
er summte einst das Lied des Kommunismus ich
sah ihn oft bei meinen Fahrten zu Onkel und Tanten
kratzige Strumpfhose ewige Langeweile
TEENAGER
Langeweile zwischen Schönhauser und Wilhelmshagen wo der Tod unter Eicheln wohnt, was isn das für ein Gesülze Bro
FOTZO
Mein Kopf knackt, oje
Ein Gesicht starrt mich an fault russisch polnisch französisch
unter dem Titan dem kommunistischen Traum von Elektrifizierung und mehr
das Gesicht eher Knochenklumpen
den Markenrucksack auf dem Rücken
die billigen Zigaretten und das neue Gebiss aus Polen
TEENAGER
Die Lunge reißt. Der Kopf ist geplatzt. Judensau wie klatschen dich tot
Da isse wieda unsere Sprache
FOTZO
Auf meinen Fahrten von Osten nach Westen zählte ich sie immer
die Gefallenen, die Gesichter russisch polnisch - die totgemachten Fremdarbeiter
auf deren verrosteten Gleisen ich nun selber liege
TEENAGER
Du gefickter lindgrün und summender gestrigenTitan,Vaterhoffnung
die nun danebenliegt
Platzwart des Gestrigen
Judensau totgemacht wirste
FOTZO
Meine Zunge wühlt in den Lücken meines Kiefers
den Markenrucksack auf dem Rücken darin die Polenfluppen sehe ich mein Gesicht im märkischen Sand
sorglos sehe mich mit allen gebrochenen Zähnen glücklich liegend
zerknackt und geschält von den Jungs und Mädels, sorry Boys und Bitches.
Die schönen Totschläger fahren zum Primark am Zoo
ein Schnäppchen machen
das letzte was ich höre
SZENE 12
BERLIN OST ANARCHY
(Berlin Hauptstadt der BRD.Krankenhaus)
PHIL
Fotzo eigentlich Frank
Zermanschte Fresse unterm Weiss hörste mich
Der Widerstandskämpfer erstickt an dichten Kränzen von Partnerbrigaden,
TT Bahn oder NARVA habs vergessen
An die Wand genagelt von grauen Genossen in Braun, ein kleiner Hund scheißt nun auf den Helden setzt sein Denkmal auf ostgrauen Wackerstein.
Ich lese nur jetzt nur noch ermord... auf der beschmierten Tafel
Hakenkreuz UND Matze die Fotze nimmt meth.
In der UBahn aufm Weg zu dir dreißig glasige Augenpaare gezählt an blinden Fenstern da schläft sie, die Arbeiterklasse jetzt Dienstleister, nichts sieht nichts hohl klingt es in meinem Kopf
FOTZO
ICH FIND DIE RICHTIG GEIL
PHIL
Ich fülle ihn auf mit leisem Trost Pistols und forgotten Lyriks
MANN DIE PISTOLS. HABEN UNSER LEBEN VERÄNDERT
ein Punk oder ein Komma Aufenthalt gegen den Tod für das Leben
FOTZO
PUNK UND KOMA
PHIL
Abgehängte Widerstandskämpfer und frische Hundehaufen sind gut verteilt in Ost und West
FOTZO
WAS QUATSCHST DU DA
PHIL
Tschuldige hab mich kurz in der Zeit geirrt
1984 punksnotdead too much future ostberlin
ich WIR leben auf unpolierten Wackersteinen
die der Staat verkauft nach Bamberg, tanze auf totem Stein auf der Prenzlauer
und höre Kassetten mit Fotzo mit F eigentlich Frank
der weiß noch nicht, dass sie ihn halbtotschlagen werden
die boys und bitches
auf ihrem Weg zu Primark am Zoo
MICHA
aus drei mach zwei, so war das immer
hab dir auch was mitgebracht und Frank also Fotzo
der Tropf tropft aufs Linoleum und
FOTZO TRÄUMT DIE SEX PISTOLS.
IN DER PRENZLAUER ALLEE.AUFTRITT EWIGSCHÖN AUS ZAGREB.
AN DER ADRIAKÜSTE
JUGOSLAWIEN 84
PHIL
Ich musste wieder zurück
nach Ostberlin
die DDR
die Schule
meine Freunde
Dann in den Klub. Jugoslawienund DDR waren nicht zu ertragen.
Im Klub benannt nach einem französischen Kommunarden tanze ich mit einem Gothicmädchen. Raus ausm Klub rein in den Hauseingang.
Es lief FRIDAY IM IN LOVE im Klub als ich meine Finger aus ihrem klatschnassen mondweißen Tränengesicht zog. Sie saß auf einem vollgekotzten Treppenabsatz in dem Altbau direkt neben dem Jugendklub aus dem FRIDAY IM IN LOVE ihr Schluchzen, mehr schlecht als recht, aus tschechischen Teslaboxen begleitete. Ihre toupierten Haare klebten in ihrem Gesicht, sie zitterte am ganzen Körper, so stark, dass die kleinen silbernen Glöckchen ihrer schwarzen Stiefeletten, mit einer mir unbekannten Melodie das Heulen begleiteten:
FRIDAY IM KLINGKLANG IN LOVE KLINGKING MONDAY KLANG ARSCHLOCH SCHWEIN ALLE FICKEN MICH FRIDAY WIE FICKFLEISCH IN LOVE KLINGKLING
FOTZO
Ihr Heulen und Schreien hörten nicht auf und verschämt wischte ich ihre Tränen an meiner Tarnhose ab, ein Flecken Unglück mehr auf meiner persönlichen Landkarte
fiel auch nicht auf, neben den restlichen Pissseen, Kotzkontinenten, Blutinseln
PHIL
Das Gothicmädchen sah mich an. Sie saß auf dem vollgepissten Treppenabsatz, heulte und klingelte KLINGKLONG und ihr Geschlecht sah mich an, da Fotzo ihr den schwarzen Rock und Schlüpfer heruntergezogen hat, nachdem er sie aus dem Klub in das Nachbarhaus, in den vollgepissten Hausflur geführt hat, mit mir im Schlepptau
ohne Micha der wollte immer tanzen
und ihr die Sachen auszog zu BOYZ DONT CRY und ich meine Karo-Finger in ihr Tränengesicht gesteckt habe. Ewig nach was Schönem suchend,fand aber nur Heulen
Schon während der erste Finger sein Ziel in ihrem Gesicht suchte, fing sie an zu heulen,
Schmerz kann es nicht sein, dachte ich, denn ihre Tränen flossen wie in Wellen
FOTZO
Die haben Micha verhaftet
PHIL
ICH BIN DOCH NUR FICKFLEISCH stammelte das Gothimädchen
und starrte mich traurig an und ich wischte sie an der Hose ab
FOTZO
Die Stasi
PHIL
drehte mich verschämt um und ging grußlos zu der Strassenbahnhaltestelle
als ich losfuhr, sah ich noch ihr Gesicht, ihr Geschlecht, den heruntergezogen Rock und Schlüpfer im Halbdunkel des Hausflurs, weinen.
Ewigschön gesucht Ute gefunden, Scheiss Osten.
MICHA
Phil und schöne Mädchen treffen sich jedes Jahr an der für uns verbotenen Küste
BLABLA UND SINGEN SCHÖN UND EWIG JUST LIKE HONEY VON JESUSAND THE MERRY CHAIN und jemand geht schwimmen in der Adria
der andere in Havel und Spree und landet in der Rummelsburger Bucht
Zwei Jahre schwere See
Da warst du schon Weg und Fotzo hat ein Jahr geheult und Primasprit gesoffen
Weit hinaus schwimmen nach Hamburg am liebsten
mein Text nimmt mich vorweg sucht den mittelmässigen Strich, die Abkürzung
Ich sehe mich schon als Anspann zu trauriger elektronischer Musik
IN DEINEM NÄCHSTEN FILM alter freund
PHIL
halt die fresse
sonst schleppe ich
dich in meinen kalten wald
bin dein komissar
meine faulen zähne
dein letzter blick
im pennhouse kastanien ecke schönhauser
bist bleivergiftet vom vielen lesen
nach innen denken, den karl, herbert und bakunin vergessen
ich schiess dir in die fresse im dunklen wald
bin dein letzter genosse
lernst dein letztes wort
genosse tod und schwein
leg dich ins schwarze loch
werd kalt ach sorry biste schon
bist angekommen auf Etage zehn
aussen ohne innen sein
FOTZOS FIGURENTHEATER.
ON TWOO THREE FOUR
HEY HO LETS GO
SZENE 15
MUTTER UND TOT
(Eine Mutter.Krankenhaus in Schöneberg.Wohnungen Fotzo.Micha.)
MUTTER
Ich kenn keine Tage keine Stunden
seit März seh ich die Welt nicht an
schlafe kaum und kurz
sehe nur noch in mich hinein
mein Pojekt langsames Aufgeben und weghören
das Starren in den Bildschirm im mir unbekannten Krankenhaus
es begegnet sich Leben Tod es brennt die Nacht HAU AB der Rauch und die Angst kommen und die letzten Küsse, Vater und Mutter in der Scheune grauweissrot die Wand
1945 oder 2020 liege ich auf zwanzig Toten hinter einer abgeschlossenen
Tür, Kiesel in weissem Bett
warum ich bin
weiß ich nicht mehr
Langsam mein Leben, langsame Krankheit, langsam Sterben
Stunden wie Tage, zieh mein Pyjama gar nicht mehr aus, ist meine
Partisanenuniform ganz mein Vater mit dem Revolver in der Hand
in den Mund den Brei FRISS sagt der Pfleger oder der Sohn
die Fliege auf der Tasse
vielleicht stehe ich irgendwann auf
und ziehe mir was an
und tanze zu...
hab ich vergessen und vergessen und
der Käfer der aus trockener Augenhöhlen
krabbelt ist dick und satt.
Sanski Most eine Mahala
PHIL
Mutter
Mutter
Wer bin ich
MUTTER
wo war es noch?
where was it
wo
where
frag dich international
universell dein drang nach oben
MUTTERSAU denkst du
heut rettet keine pause kein sternchen mehr das unwort
das mit dem muttertier, dem kalten loch
das unbelehrt dem rot nachkroch
DU WARST NICHT DA
die Untersuchung am Mittwoch, der schmale Mund der Ärztin,
das pleistozän strömte in den Behandlungsraum alles erfror,
das Herzstück gleich mit.
ich schweige und sammle die Wut
den Zorn, zähle die Lügen
sehe die kalten Gesichter
Auf Maul schlagen ist leichter als von Lippen lesen, verles mich vielleicht
der Schriftsatz bei matthes und seitz, von merve schweige ich ganz
meine Krankheit
sich im Kreis drehen
das gesagte wiederholen
das bild immer wieder ansehen
das gleiche bleibt gleich
Hoffnung dann kein Schritt nach vorn
die alte Angst wie neu
sich im Kreis drehen
PHIL
Die erkennt mich nich mehr
aber den Heiner, den erkennst du immer
oder...Heiner muss her
MUTTER
Heiner
seh nun dich und den da mit seinen Lügen, adoptiert und schönfrisiert,
trägst er seine Wunden auf Festivals DU DA
kuratierst dich am liebsten selbst, denn das kannst du am besten
die erstverwertung der selbstentwertung
der sohnemann
PHIL ALS HEINER
Nenn mich wie du willst
deine kalte Angst zählt
dein letzter Blick
Staaten Utopien
Gras wächst
Auf den Gleisen
die Wörter verfaulen
Auf dem Papier
Abschied von morgen
MUTTER
Heiner
außen ist verkauf
dankbarer hundeblick
ist zähes ringen
falsches münzen
leichtes fassen und drücken
im dunklen wald
bin dein letzter genosse
les dich noch heimlich
PHIL ALS HEINER
wir
drücken den nagant
den Revolver in brjansk
im Jahr 21 dem dritten Jahr
des Krieges
unserer Revolution
und nach dem Sieg
wollen wir
aussen ohne
innen
sein
MUTTER
An den Ufern der Vergangenheit
stehend und sehend trauern
und zurück und nach vorne denken
und zurück und nach vorne fühlen
das gegenwärtige die nasse Windel
das erreichte, das nicht reicht
da es nur Bruchstück ist
ein Stein in einer Mauer
ein Kiesel in einem weissen Bett
bin ich
löffel Alete
PHIL
ich füttre dich
Mutti
(Die Mutter sieht sich ihre Kindheitsbilder an, dem Sohn ist es herzegal, aber er füttert.)
SZENE 16
BERLIN 2.0
(drei Freunde,Berlin 2020)
MICHA
ein pockennarbiges junges Mädchen, vielleicht 15jahre alt trägt eine strickmütze mit dem aufdruck stay cute.ein junger mann hebt ein herrennloses, achtlos öffentlich herumliegendes dreckstück auf und wirft es weg.es gehört ihm nicht. er ist die hoffnung der generationen.
FOTZO
die tätowierte starbucksverkäuferin besteht auf den namen sascha mit SH geschrieben. ein streit bricht vom zaun, denn ich bin keine kanadische unterwäschemarke.
MICHA
ich habe heimlich im kulturkaufhaus in ein rechtsvölkisches hetzbuch gespuckt. nun schämt sich ein schwein mit weltanschauung.
PHIL
heute keinen passanten in die gesichter geschaut, hatte keine kraft für den umgang damit.
FOTZO
auf dem menschenleeren platz des geschehens tummelten sich fünf kamerateams, die objektive starr auf die strasse gerrichtet, auf der vor tagen der hasstruck raste. was erhoffen die sich? ein zweites mal.
PHIL
mich am meer mit fünfzehn geträumt. dieses glück seit jahren wach nie erlebt. mich mit fünfzehn am meer geträumt. dieses glück seit jahren wach nie erlebt. ich sollte das wort nie in frage stellen.
PHIL
Tage und Stunden vergehen
Stunden und Minuten, ein höchstens zwei Gedanken.
Die Enttäuschung ist ein Stein im Kopf,
der erste. Für den zweiten Wurf fehlt die Kraft. Was bleibt? Sind ein, zwei bis drei Tränen, zwei
FOTZO
drei
PHIL
Drei Volltrunkene die Bitteres reden, eine witzige Arbeitsanekdote mit vielen Lachern ist mir geblieben vom Filmkunsten. Das gemeinsame Gehen zwischen Zehn und Elf Freunschaftsrest.
Der bessere Rest verrottet in der Erde oder lässt einen Kuchenteller fallen. Käsekuchenreste einsammeln, Weingläser abwaschen.
Schlafen gehen./ Jemand ist gestorben./Jemand/ mein Vater wurde vergessen. Als die Welt an der er zerbrach / selber zerbrach hielt ihn nichts mehr im Soll und den anderen Stücken/in der Prenzlauer Allee/ Pass auf die Haufen auf Junge/ und er zog zu einer Geschichte dir weder Seine war noch wurde /in die SonnenalleeWest/ billige Mieten weniger Angst/ Pass auf die Haufen auf Junge/ bis ihn der Gleichmacher der letzte Kommunist/zurückholte in die zerbrochene Welt/ in die achte Reihe schräg hinter dem staatstreuen Bauhausarchitekten
neben der abgeholzten Eiche/liegt ein zerbrochenes Herz/
mein Vater
FOTZO
Ich glaub du brauchst jetzt was vergangenes oder veganes
FOTZO UND PHIL SAUFEN WIE DIE SCHWEINE.
PHIL KOTZT WIE FOTZO.TRANSMISSION VON JOY DIVISION IM EX UND HOPP.TANZEND KOTZEN IST KUNST
SZENE 17
DISCOKUGELN
(Ex und Hopp, ein Klub)
MICHA
Kalt bin ich und ist mir
trinke deswegen Matcha und
kaue Algen und Widersprüche
im Schweinestall FITCROSS gegenüber vom Tower
verbrenne ich mein Fett für 50 oder mehr im Monat
Endgültige Diäten haben uns geschafft, das Gedachte ist Lättaleicht,
schwergewichtiges ist kaum zu erwarten, in meiner goutierten Kolumne
zu klug der Blick der Türsteher hinter der Glastür.
Nur ein Schlag tausend Splitter
Blutiges Loch der Kopf
ein Jux in goldener Mitte.
Ich ersticke an ihrem meinem Brei,
klebe fest in dieser dunklen Kascha und denke dabei historisch
ist mir wohl geblieben vom studiern DAS Osten ausradieren mit Blick auf Michel und Elbe
später Lokalredaktion am Thyssenhügel, unter Bayer Kreuz die anderen vergessenen Kriegsverbrecher, ihre Söhne einst in maoistische Kaderparteien, heute vorsitzend und vorschwatzend, was der Bacheliorkopf nicht weiß dass käut er wieder. Ein vorwitziger Homunkulus schreibt nette Kolumnen,das bin wohl ich im Spiegel
Achtung ein Karton
ein blutiges Loch
ein dunkles Leck aus Pankow
Mein Traum vom Beil im Kopf hat sich verbraucht, es kommt die Zeit, vor der man Angst haben sollte. Ich habe es gesehen rieche es schon.
Schönwettersegeln, altersgerecht/beweissführend segelt einer ICH auf den Silberplatz, olympionikisch unsere Idiotie/das Geschlecht der Epigonen und Epikuren sühlt sich im Artridengrab
ihre Töchter ihre Söhne werden erben
ich beackere ihre Felder mit meinen gedruckten Dünger
meins ist leer steinig eingeklebt nur Konsummarken
und Parteibeiträge
nicht meine
ihre Elternsaat
unfruchtbar
FOTZO
jetzt folgt der Solopogo
er springt
allein
die kraft reicht
für drei
ausgewählte lieder
beim letzten sprung
träumt er davon
mit seinem kopf
die discokugel
falsche sonne
über ihm
zu zerschmettern
tausend sterne
im leeren saal
spielten sie
if the kids
are united
er zu fett
die zähne verfault
sham 69
na los
micha
(sie tanzen, ein Dritter wäscht seine Mutter mit einem Schwamm,Mutter erinnert sich an Sozialismus.Fotzo erbricht Blut.)
MUTTER
Sozialismus
Marx
Dubček
Tito
ich bin
die letzte partisanin
im neuen land mit grossem D oder keinem
SFRJsozialistisch föderativ
den rest hab ich vergessen unterm demeter shampoo
länder ohne stern länder ohne traum
coca cola grinst vom nachbardach
der kriegsverbrecher im fahrstuhl
sagt guten tag ich will nicht mehr in dieser welt
schreiben sein die letzten worte bella ciao partisanin
sag ich meinem Schwamm der wäscht mir die
flausen freiheit gleichheit aus dem löchrigen kopf
vergessen wird die schuld die niederlage die armut
die lügen der glauben die blindheit das hoffen
die schuld das gestern das sterben das denken
das gestern das ich das wir
der schwamm
ist mein neues
kapital
SZENE 18
NICHT MEINE FRESSE/RUNNIN RIOT
PHIL
Wie gehts Frank
FOTZO
Ein müdes Gesicht, nicht meines, gespiegelt kurz über dem angekratzten Hundebild,
gleich neben dem Kind. Hat der Sachse hingeklebt, an sein Pankreasbett, hat ein Tier geerbt
wie mein Vater, der Schlosserjunge aus Brandenburg. Wie sagt man auf Polnisch KREBS
Neben Hund und Kind die Ostsee, da fährt er immer hin der Sachse Blau und Weiß auf Orange. Hohn, das Blau des Meeres da ganz unten, unter der Erde, bei den abwesenden Augen. Meine damit mich. Mein zermanschtes Klumpenich.Frage mich
was die Bitches und Boys bei Primark von meinem HartzGeld gekauft haben
PHIL
Hab dir was mitgebracht, ein Bootleg vom letzten Pistolskonzert in New York
is eigentlich von Micha, ich hätts nich bezahlen können
der kann nich
Redaktionssitzung
FOTZO
God save the queen the fascistregime God save the queen the fascist regime
they made you a moron
no future
PHIL
no future no future
siehst aus wie ich
FOTZO
wie gehts Micha
PHIL
der liegt immer noch da, hab ihn gerade besucht
bisschen gewischt und geheult
dann Vater besucht, mit Spastis aus dem Lernwerk Rahnsdorfevangelisch
in der S bahn zurück, zu dir Spast
Warum trifft man immer Spastis an solchen Tagen
FOTZO
alexanderplatz
überall fahnen
schwarzrotgold
in einer ecke des platzes stehen wir
schwarz eine faust
es regnet
alle wollen die mark
das grosse deutschland
ich ziehe meine quarzhqndschuhe an
SIEG HEIL IHR WICHSER
Wir brechen durch die Bullenabsperrung dahinter
Frei sozial national stehen sie hinter den Bullen
versteckt,gleich zu gleich,grün in grün
den ersten schlag ich mit der Eisenstange auf
Kopf Brust
Sabberblut, blubbert auf Bomberjacke
alte Kumpels neue feinde
mittendrin ein Spast mit Hess Tee
jens aus meiner schule
ich schlitze der Nazi-Votze die Backen auf
Endlich ein Lächeln für die blonde Frau
PHIL
PETRA MIT GROSSEN TITTEN
FOTZO
früher acht C heute braun und frei
die sonst gries und grämig in ihren Laptop hämmert
suche arbeit sprech deutsch bevorzugt einzelhandel
zitronig ihre Glatzenmänner anglotzt und
peter und jens einen Betonbrocken auf Kopf
gerotzt leistungskurs deutsch
hör uff hör uff quietscht der Arsch
die arschfotzen quieken
hör auf rote fotze
Ich hämmer ihnen die Faust in die Fresse
bis es knackt, es klackern es kullern Zähne auf den Boden
Klacker klacker singen die boys und girls
Lächlervotzen auf liebe eingestellt
Rutsch fast auf ihrem sabberblut aus
kick genau auf den wangenknochen
arisch knackt kaputt
splittern ohne dass meine nikes einsauen
das ist wahres skillen
Jetzt bin ich hier Fotzo Thors Hammer
wir sind die lost boys 1058 schreien wir
die Helme brennen, es riecht nach haaren
unser haus ist euer Stalingrad
Bullenfotzen willkommen auf unseren Steinen
hier schneiden die lost boy EURE AUGEN AUF RECHTER SEITE BLIND
stechen in die Helme, eure bleichen Gesichter
Schweine darf man erschiessen
Polizei SA SS
PHIL
und dann schreien alle
alle eine stimme alle ein faust
im schwarzen chor
die kirche unsere strasse
FOTZO
Ein Mädchen GOTHIC guckt uns zu
und meine Fäuste trommeln in die PIGFRESSEN
DESIREFUCK Ich brauche einen DESIREFUCK
SEHNSUCHTSFICK schreit das Mädchen GOTHIC
irgendwo im Niemandsland, sie fragt "nimmst du mich mit?
ich ritze noch nen Bullen ein Lächeln ins Gesicht
Rauchen Ficken der Tod und die Kunst hat Antworten
meine müde Worte nach dem rein raus
ich mach Figurentheater oder in Blech über
was Menschen müssen sollen wünschen
wie findste das
Scheisse sagt sie
Scheisse sag ich
Rigaer geräumt mich mit
schlafe neben der Spree
unter Wasser
himmelblau
im Kanal
(Telefon klingelt, Mutter geht ran.Budapest,1956,1968,1970,1989)
MUTTER
alo alo
Phil
alo
Phil
FOTZO
Ich spare mir eine schwache Armlänge Eile den kurzen Sprung zu den flüchtigen Blicken in der Cafeteria, zu den kleinen Münzautomaten. Frank Fotzo ist nicht mehr erreichbar.
Liege zu ihren stillen Füssen Herr Sachse, hat der Pankreas sie schon geholt?
Hab dich erkannt Genosse Volkspolizist,jetzt wohnt der Pankreas ihn dir.
Im Katheter drinnen, mein Krankenhausfrühstück
3ml Pisse, ein Häufchen Kot und ne Cola Zero
Sie tun mir weh, jeden Tag.
erzähl mir was schönes
aber in die Tüte rein
hab dann was mit Inhalt
Pisse, Kacke und Cola reichen auf die Dauer nich
erzähl mir was schönes warmes
SZENE 21
WIE HONIG. JUST LIKE HONEY.
PHIL
Juli 91 Jugoslawien/die Berge brennen/die Menschen brennen
just like honey/just like honey
Seit vierzehn Tagen hörten wir die Schallplatte, lizenziert von Jugoton Zagreb, geschmolzen in hunderten brennenden Wohnungen.Das erste Mal hörte ich das Lied, als wir gestorben sind, am Meer, im Meer. Auf dem Klo vom Solarishotel, auf dem Tankstellendach bei Zadar. Wir stinken nach Benzin.Wir hörten das Lied als wir gestorben sind, kurz nach deiner Landung in New York,
meiner in Berlin Hauptstadt des neuen Deutschland während meiner vergessenen
Taxifahrt vom Bahnhof Lichtenberg zur Prenzlauer, als wir gestorben sind in deinem grellgelben Haus in Zagreb 91gegenüber von den Hängebauchschweinen
Vierzehn Tage sagten wir nichts.Seit vierzehn Tagen waren die Strände leer. Seit vierzehn Tagen kein Flugzeug mehr. Seit vierzehn Tagen schnitten wir unsere Haut. An unsichtbaren Stellen.
In Jugoslawien war Krieg
Ich war Filmregiestudent
FOTZO
Filmregie Hochschule der Künste
in der Mahatma Ghandistrasse ich kenne alle deine Jugogescchichte
ja ja bla bla und ich hocke bei Namenlos in der
Erlöser, Heiligengesichter schauten mit dem Gleichmuts des Kackens
in die tote Luft, als Bewohner der stillen Welt - die Kirche war leer
und Micha längst in Hamburg. Frank eigentlich Fotzo
tanzt allein vor niemand
PHIL
Oft erinnere ich mich an den Belgrader JuliMond ich erinnere mich an meine Freunde - sie leben jetzt in den Staaten, mit Kind, Kegel und leichten Übergewicht,
ohne Speed und Horse, BWL studium sei gedankt. Jesus and the merry chain.
Welcome new world
FOTZLO
HALTS MAUL ich krepier grad auf Linoleum
PHIL
Im ersten Kriegssommer 1991 Last call for Belgrade - Berlin. Boarding is finished. Ich saß nie wieder in so nem traurigen Flugzeug. Alle schwiegen, zwei drei verzweifelte Schreie, rote Gesichter. Sogar die Kinder saßen still auf den zu großen Sitzen. Die Augen des Flugzeugs beschlugen alle, die Welt dahinter ein flüchtiges Bunt. Wir saßen nebeneinander, die Freunde von der Adriaküste ganz hinten neben dem Bordklo. Wir verbrachten 20 Jahre lang unsere Sommer in denselben Adriastädtchen ohne uns getroffen zu haben. Wir sahen beide sehr lange durch das beschlagene Loch dem stillen Meer hinterher. Wir wussten schon zuviel.
Du bist nicht mitgekommen.
Ich streiche dich jetzt.
Micha
FOTZO
Du sollst aufhören...
MICHA
Phil
eigentlich Phillip
aber er wollte immer wie der Basser von Joy Division heißen und nich wie sein Vater die rote Sau, Shakespearekenner und IM Falstaff angefangen am Deutschen aufgehört in Rahnsdorf, evangelisch achte Reihe rechts
MEIN FILM
(Fotzo blutet.ein Film wird gedacht,eine Welt eingerichtet.Elektronische Musik.)
PHIL
MEIN FILM.(nimmt pille)
JEMAND GEHT SCHWIMMEN.SCHNITT. SCHWERDE SEE.SCHNIT.WEIT HINAUS.
(nimmt pille) MEIN TEXT NIMMT MICH VORWEG, SUCHT DEN STRICH DIE ABKÜRZUNG.ÜBERLENDUNG(nimmt pille)
ICH SEHE MICH AUCH SCHON ALS
ABSPANN ZU TRAURIGER ELEKTRONISCHER MUSIK.SCHNITT.
SZENE 22
INBETWEEN DAYS/BERLIN 2.0 FAZ REDAKTION
(Micha Redaktionsbüro, Phil dazu. Frank schreibt Punk an Wand)
MICHA
CELEBRATE GOOD TIMES.YAHOO
Nach dem Krieg, dem Alten dem Kalten
dem Fall danach und Bruch stimmten wir ein, in alte und neue Lieder
um zu vergessen, die zwei Jahre mit Seeblick und summ summ
PHIL
sechs Jahre kein film mehr
MICHA
Wir tanzten, das Dunkel austreibend aus unseren schweißnassen Körpern
fuck and lebendig schluckten alles
HELLES UND BRAUNES WEISSES BUNTES
die Augen tanzen, müde Herzen schlagen wild
haben Angst vor dem Aufwachen, danach dunkelschwer der KOPF
CELEBRATE GOOD TIMES COMMON
tanz tanz Phil tanz
das Schwarze raus
im künstlichen HELL
der kommende Krieg begann woanders als hier
auf Etage zehn mit Blick aufs Urmeer wir merkten es zu spät
unsere Kirche waren die Clubs eine Gemeinschaft die nicht teilen
wollte oder konnte
die Angst an der Wand, der Knüppel im Sack
Wie gehts Autorenmutti
PHIL
yahoo yahoo
I AM KULTURBETRIEB
GENOSSIN MUTTER
hat sich jahrzehntelang zur Strenge erzogen.
Alleinerziehend trotz Mann und Kind, NURKünstlerin.
Jahrzehntelang arbeitete I AM KULTURBETRIEBMUTTER
zäh und ausdauernd an ihrer künstlerischen Identität
als deutschsprachige Autorin: kein serbokroatisches Wort auf den harten schmalen Lippen
Phil still leise ich bin im Fluss
Deutsch wurde zu Hause gesprochen, um den deutschen Sprechapparat für die kommenden Projekte und Verlagschlachten zu trainieren.
Wagenbach lieber als Rowohlt
Ullstein sind Altnazis
Suhrkamp sozialdemokratisiert
lallte sie nur noch lag in der Ecke und heult
SO
die kleine weiße Dose leer
ich nasche auch ab und zu Jahrzehnte später, brauche auch das künstliche HELL
man sagt das ist genetisch, das lallen und fallen
SO
Nur in ihren Träumen sprach sie ihre Mutter und Vatersprache,
der Albtraum wurde Heimatrest.
Als der Knick, die Wende, der Krieg kam
verlor sie alles, das ging schnell.
bei mir gehts schneller
(nascht weisses oder braunes)
MICHA
Bei mir dauert es noch an, das sich Winden und Wenden
wo ist nur die weiße scheisse Dose, wieder weggerollt
das tröstende HELL.
PHIL
WIR/UND/ODER ICH
blökt mein aufgehellter Freund, hat ne schöne Stelle warm und gutbezahlt
ich lese ihn am Wochenende, da lügt er weniger. Hat wohl mehr Platz in der Sonntagsausgabe für sich und sein wahres Ich, das kostet mich auch 3 Euro mehr, sein wahres Gesicht.
Also er blökt, oder schmiert, eigentlich kotzt er auf meinem Klo
einmal im Jahr, ich zitiere dich Micha Freund ungenau:
Wenn zwischen Schweinelenden und Fenchelsalat/dem launigen Staunen
über feine Gewürzmischungen und feinsinnigen Kunstgesprächen
die Lust am kulinarischen Gesellschaftsdiskurs flott parliert wird dann...
MICHA
drückt das UNTEN nach OBEN
Philip! Im Melting DrecksPott Etage zehn mit Blick auf die Endmoräne hockt die Angst
Unter wachen Augen und lauernden Blicken
schleichen sie herum, der freie Wettbewerb das schnelle Machen schnelles Reden
in den Pausen das sich verlieren heimlich am Kaffeeautomaten
Knöpfe drücken bei sich mit sich bleiben
die trinken ja alle nur Matcha
unsere Scheisse stinkt nicht mehr Nestle sei dank
muss aufpassen die Jungen tuscheln
unser PANKOWER HAMLET flüstern sie
der Chef ist mein Freund
er sagt mir immer eigentlich kotzt er beim Italiener, Penneallergie
WIR WERDEN DAS NICHT LIEBER MICHAEL VERÖFFENTLICHEN
VIELLEICHT MERVE ODER WAGENBACH
Ich schwenke also um auf Künstlerbiographien und Rezepte literarisch angereichert
auf der Seite 21 findet man mein trockenes Ich
Artaud auf Pervitin wär ich manchmal lieber
PHIL
Die Wurzeln radikal radieren, das Leben neupinseln ohne Rotstich
endlich weissblass Gesimdleben nach dem Ende der Geschichte
südlich von Dahlem buddhistisch befriedet -
MICHA
Oben sind sie alle REAKTIONÄRE REDAKTIONÄRE
denk ich leise in mich hinein so ist die Zeit
Times goes by, meine damit nicht nur das Blatt.
Nach unten gehts ganz schnell
das Oben will gekonnt sein gut verteidigt und hart erpresst stammt etymologisch wohl von pressieren UNDER PRESSURE ab
PHIL
Under Pressure ist ein Scheisslied
MICHA
UNDER PRESSURE
Mein Tag geht zu Ende bin wach geblieben war nur 2 Stunden im Bett
an zu hellen Tagen mir reicht die eine Weisse
Das Unten macht Angst
lässt Fäuste ballen Körper glühen Blätter vorn Mund nehmen
Weisse Blätter füllen mit Rezepten und fremden Leben
ich freu mich feucht, fresse gesunde Äpfel wie einst Schiller
Leuchte hell dank heller Dosen HELL
PHIL
Lieber Freund ich zeig dir meinen letzten Film
die Werbung blende ich aus
FILM AB.
(Film von Phil.Alle sehen zu)
MUTTER
ein schöner film
mein sohn
PHIL
danke mama
SZENE 23
GESÄNGE
(Micha, Phil, Fotzo,Ewigschön,Mutter.2020)
FOTZO
ich schweige und sammle die Wut
den Zorn zähle die Lügen
sehe die kalten Gesichter
höre die eisigen Sätze
das selektieren ein Lehrmeister aus Deutschland
rechnen was wert ist oder weniger oder nichts
bin nichts
ein Fotzo eigentlich Frank
bin das was bleibt unter dem strich
am Schieber sich aufhängen
den Zirkel in die Milz bohren
am Cosinus ersticken
des wär eine Aufgabe
ein letztes gelingen
ohne Mathematik
jetzt rechne ich nur noch
die kaputten Zähne
Frank eigentlich FOTZO
Eine Zeitlang leckte ich heimlich an winterkalten Erkerfenstern.
Meine Zunge klebte am Eis.
Das Eis in der Brust feierte Hochzeit mit dem Eisfenster,
hätte dort ein warmer Ofen gestanden, wäre ich ein Meer geworden
und würde in die Holzdielen einsickern.
Baringsee Ecke Schönhauser.
Wurmfraß in einem Berliner Altbau
die alten Kassetten
C 60
mein Leben
in 60min
zu kurz
zu schnell
ausgeleiert mit der Zeit
MICHA
früher sammelten sie für
die zähne für die aus Stammheim
heute schämen sie sich dafür
und ihre Söhne und Töchter
reden zu mir oder den anderen
eingeladenen Journalisten
und ich verstehe nur
POSTDEPRESSION
will ihre jungen Zähne
beißen besser
bleib ein mensch
du
Arschloch
strich auf mich
ich spiele
ich spiele
ich spiele
ich spiele
warum
der angesagte Redakteur M
wie Micha oder Michael
brachte nichts mit
ausser einer Kappe und Kälte
besser Lügen
mein Traum vom Erfolg
am oberen Ende sitzen die
falschen Götter schleifen sollten
wir ihre Burgen verbrennen ihre
geschriebenen Worte
vergessen ihre süssen Lügen
in ihre geölten Fressen schlagen
auf ihre Türen scheissen
ihre Hundeauch die Katzen
die Münder
zunähen
sie brachten uns
das falsche Licht
und wir fliegen
das Weltall Genosse
ins Dunkel
mein Haupt verneigt sich tief vor den Lauten
reichen Erben
ihre Köpfe waren
vielleicht einfach
doch zu schwer
aus der Angst
mache ich
nichts und träume
nur von der Wut
oben im zehnten Stock
Redaktion Berlin
(ein stummer Tanz)
EWIGSCHÖN(Foto)
neoprestano kiša pada
svetla nema ljudi kao obrisi
lica ne pamtim samo mrlje
samo vlaznu tugu i sporu brigu
PHIL
micha
spiel doch mal ohne die fresse zu bewegen
ohne dass erfolgreiche, das weltumarkende
zwischen zeitmagazin, scrabble rezepttip des monats gelächelt
geglättete leben für sechsfünf plus spesen und reisekosten
dein sorgloses grinsen am maintower
dein gutenmorgen kapitalismus
auf italienischen sohlen im zwanzigsten stockwerk
spiel und leb mal micha
ohne alles haben und können und wissen
micha ohne das bewegte, dass nach außen dringen
deine fresse ist ein gemälde der festanstellung
in die grübchen geritzt ist dir die allianz hamburg mannheimer
zählst das schwarz überm rot nachm öden
samstagswichsen, die fitte freundin windschutz vor der nachtangst
die tägliche redaktionskonferenz
ich zähle nichts mehr
keine tage keine stunde
FOTZO
ich seh die welt nicht mehr an
PHIL
einmal im monat halbschlaf
schlafe kaum und kurz
sehe in mich hinein
nehme zweimal HELL
bin untergetaucht in der milz
oder sonstwo im nerven
system muskelschwund
male mir grosse mangaaugen
ins müde gesicht
weisst ja, manga ist heut pank
japanisch ins dunkle
reisen sich die trauerfresse
polieren im schwarzen quadrat
meine hauptaufgabe ist
langsames kapitulieren
und erinnern
EWIGSCHÖN
(am Meer, Fotzo erhängt sich)
jedan čamac sporo se kreće noćnim morem, posle ponoći mozda
na pramcu iskre dve zvezde, lazno karbidno sunce mami zivot pod vodom.dok oktopus sanja o mlečnom putu i večnom zivotu hladno zeljezo se ubada u meko meso i senke otoka onaj mesec
PHIL
begegnet sich leben wie unsres
ein halbes jahrhundert -
brennt die nacht, der kalte zigarettenrauch und die angst kommen und die letzten küsse,
das wortlose leben schöpfen unter alten freunden
freunde aufgeknüpft unter wärmelampen
FOTZO alias Frank
in der hartz IV höhle spielt er seit jahren luftgitarre oder warhammer
dank rotgrün,hauptsache die atomsonne scheint nicht aus
dem arsch
endlich wieder bomben auf belgrad
hast du geschrieben, micha
hab’s nicht vergessen
neunundneuzig wars, deine fliegerasse über belgrad
dein opa hat dort geiseln erschossen einundvierzig du -
du MICHA KUMPEL VOTZE REDAKTEUR
rettest refugees beim chia salat anrichten
beim trockenen lässt du drohnen barmherzig sein
dein krieg wird mein letzter sein
da hängt jetzt mein freund, deiner schon lange nicht mehr
durch und durch
FOTZO
scheiss hagebau, seil is gerissen
versuchs mal anders
mehr chemie
PHIL
halt die fresse fotzo ich bin jetzt im fluss
du bist jetzt mein projekt ohne förderung
polizei steht davor, seinem abhängen
dass betrachten kalt, sachdienlich kein sujet
keine kleine geschichte
mundschaum gewaschen vom mund
weisse kittel eine linde
duftet im hof vor der stadt
ich liege hinter einer abgeschlossenem
tür eine nummer in der altmark
hab dort mutti oft besucht hinter der mauer
jetzt lieg ich selber da und nimm zwei bunte
der raucht zieht immer wieder
durch das kalte zimmer
die angst der raucher
das warum
ich bin
SZENE 24
NOVEMBERSPLITTER
MUTTER
(in der Badewanne, Barbiturate oder Demenz)
der
schwamm im kopf
hilft beim vergessen
es war immer zuviel
das hier und da
frau
künstlerin
sozialismus
die freiheit im traum
das erwachen in der zone
gezeugt in bosnien
verscharrt in rahnsdorf
bei berlin
vergessen die anekdoten
vergessen meine bücher
vergessen die küsse
vergessen die haarfarbe
vergessen den geschmack
der
schwamm im kopf hilft leben
im hier
im jetzt
der krieg in den nächten
der morgen dem sohne
vergessen die stimmen
vergessen die lieben
vergessenes meer
vergessener sommer
der schwamm in der hand
auf einer kleinen insel
bei šibenik gekauft
dort werden die schwämme getaucht
für mein vergessen
leg ihn auf den stein
in rahnsdorf
bei berlin
MICHA
(Weihnachten in der Redaktion)
weihnachtsbaum
der baum
verwachsen
und klapprig
wie sein land
die fetten
üppigen
stehen in düsseldorf
am main
die wunderkerzen wundern nicht
sternlos wie ihr land
schlechter rohstoff
der vater
kommentar
zu dritt die würstchen
proletarisch essen
danach westen schenken
verlogenes land und kinderglück
aus drei mach zwei
der baum leuchtet
die sterne sternen
zwei fehlen in dem
neuem land
mit den üppigen bäumen
FOTZO
(blutiger Fleischklumpen auf dem S-Bahnhof Rummelsburg)
punks not dead
punks not dead
punks not dead
grandma is dead
punks not dead
punks not dead
mama is dead
punks not dead
punks not dead
papa is dead
dead
dead
punks not dead
punks not dead
aunt is dead
punks not dead
uncle is dead
punks not dead
punks not dead
theatertod
ich fliege über das land und würdige es keinen blickes.
(Fotzo stirbt.)
EWIGSCHÖN
nebo je plavo/der himmel ist blau
niko se nije obesio
nema senke/kein schatten
nad morem/über dem meer
vrelo je I topi se asfalt.
MICHA
Zwei Jahre Rummelsburg feindlich negativ
Zwei Jahre mit verlorenen Seelen gestorben, die Revolution auf blauer Lippe verstorben kaltgestellt
WIEDERVEREINT UND STUDIENGNEHMIGT
meine Rückkehr ins Licht, die Stadt mit Angst erkauft und Anpassung
Schreibe nun lieber über Chia und Kunst
die Revolution hab ich weiß gestrichen
Schnee VON GESTERN in meiner Herzmaschine
hab das Schütteln mitgebracht aus RUMMELSBURG
gebrochen unsere Zähne und das Rückgrat in den Kellern Keibelstrasse
unsere Knochen schreiben die Geschichten über Leben
ich schreib nur noch neues,lauwarm Rezepte übers
Sterben, die traurige Krankheit, den langen Tod.
Leben als Krankheit in der Kunst
der ZEIT gefällts dem OSTEN weniger, zahlt auch weniger
Und die koksAura das dunkle Leuchten meine letzte Fahne unter der ich schreibe
zittre schreie KLEINGEWORDEN wild ist nur mein Frisör
kein Gespenst geht um, die Kugel rollt im halbleeren Magazin
und Stawrogin hängt still in seiner Kammer. Ein Hund streunt durch Berlin
das Herrchen verhungert erniedrigt schlecht gefickt und beleidigt sind sie nun
die ÜBERLEBERFREINDE entschuldige Fotzo eigentlich Frank
das WIR HÄLTS MAUL VOR NEUEN FÜRSTEN UND VERLEGERN
BRINGT WACHSTUM STEIGERT
DIE AUFLAGE meinen täglichen Ekel
doch davon lebt es sich schwer
Der Frühschnee im November weiß, wie die Knochen, die Fahne weiss und leer,
kein Zeichen mehr, der einzige Trost das Kind ohne Morgen mit den traurigen Augen
auf meinen Wegen ins Büro
kostet mich nur zwei Euro
ihr Lächeln
PHIL
wir sitzen in einem boot SCHNITT
lieben SCHNITT.
dabei eine Welt sehend SCHNITT BLENDE
die unansehbar geworden ist
(DAS MEER.)
-
MAJKA I SIN (MUTTER UND SOHN)
MAJKA
heiligabend
nein ich bleibe lieber hier
sagt sie liegt im stahlbett
hoch über den bäumen
lieber hier lieber
ich lese vor
von römern
von müttern
vätern und hirten
von bethlehem und sternen
und gott und sehe sie dünn
nur halb von dieser welt
im bett liegen und erhoffe mir
ein wunder im pflegeheim
aber es geschieht nicht
sie liegt an heiligabend auf
dem stahlbett und meine
tränen fallen auf vier bunten
von der leitung ausgewählten
fotokopierten bibelseiten
die geburt jesu die ich stockend
lese zittere heule sie hört zu
vom wunder der geburt
von den sternen über
dem dachlosen stall
ich gehe
kein wunder
in der nacht
SIN
umorio sam se devedesete
probusio mi metak grudi
nisam se odmorio sledecih decenija
nocima pesacim kroz prošlo
bole me noge za stvarne staze
putujem noćima
ponekad vidim more osetim kamen
pod nogama miris poznat
al naučio sam disciplinu iza zida
moga belog berlinskog
pa gazim noćima
lepim predelima
gledam nebo
zezdano i
MAJKA
Beim meinen gestrigen Besuch erlebte ich meine Mutter sehr mude
voll Angst der Blick innen die Wände dreckiggelb
MÜLLERkanntest du
ihn gut
MEINE MUTTER
sie wusste genau wo sie war und wer ich bin,reagierte jedoch mit massiven Angstausbrüchen auf jeden Versuch zu reden
Kamst du dich an Heiner Müller erinnern
JA KLAR,der saß immer auf der roten Couch
Warum
Wegen der Texte
Dein Vater den habe ich sehr geliebt wo ist er
TOT
ach das ist traurig
WAS HATTEST DU VOR
weiß nicht,was machen diese schläuche in meinen körper
MAMA KATHETER DAS SIND KATHETER,WAS WOLLTEST DU MIT DEN TEXTEN
warum.was soll das alles
pack meinen koffer aus
ICH WILL MIT DIR UBER HEINER MÜLLER REDEN
Ich hab ihn in das Serbokroatische übersetzt,man kannte ihn noch nicht in Jugoslawien …ich fand er ist einer der wichtigsten Autoren seiner Zeit
WELCHE TEXTE HAST DU DENN ÜBERSETZT
Sohn…Ich habe angst wo bin ich was mache ich hier
DEN AUFTRAG UND
mischa mein lieber bruder ach schön
dass du da bist
BIN NICHT MISCHA ICH BIN DEIN SOHN
Heiner Müller war sehr freundlich
Die Frauen hier sind schlecht
Schreien mich an
MAMA WAS HAST DU NOCH FÜR ERINNERUNGEN AN HEINER MÜLLER
EIN CHOR:
Seine Mutter spricht ihren Lieblingstext aus Medeamaterial
MUTTER SPRICHT MEDEAMATERIAL.
KRANKENHAUS.KATHETER.
Wüste in Kalifornien
Ein ostdeutscher Autor hat einen Herzinfarkt.
SIN
maternji jezik
jugopetrolova cisterna,rdja ispod zuto crvenog.jedan maslinjak u oktobru.
vojna torba pod krevetom, trava u celofanu. voz pun straha. popodnevno sunce. plinske boce,naslagana narandzasta piramida i miris blizog mora. odvaljeni prozori,kuce bez očiju.tovar ide sporo ukrug,ogroman malj se pokreće, melje…gledaj nebo sine, plavo iznad svetlosivog. čaure padaju na stari krivi kamen. tišina u tri i četiri, sunce na golim ledjima. most pod kišom moj pogled pun straha. golovi u moru potonuli kraj trafo stanice. mermer hladan pored crkve, čempresi. čempres u rakovici,krivudava baraka tuzni stanari strašnog grada, neki grbavi velemajstor pun tuge voli da priča. pištolj medju peškirima,hodaj hodaj
stara pesma u nepoznatoj ulici. sediš u autobusu nekud odnekud. jesen u grudima. rupa ko longplejka
mozda i dupli album.
mama.
ja ti pričam svoje
da ne izbledi kao tvoje
mi smo deca rata
bar nešto
srodno
-
LEICHTE GESCHICHTEN. LAGANE PRICE.
(sanjaj / träume)
eine freundin oder freund oder beide bat mich etwas fröhlicheres zu schreiben. ich versuche es.
mal.
I.
MEER
in dir bin ich leicht.
II.
MUSIK
ich tanze gerne lang und lache dabei.
die musik ist leider eher von gestern.
III.
MENSCHEN
der bruder meines vaters hat popel gesammelt.seine popelkugeln hatten die grösse eines schneeballes.
das war 1949.
ein freund konnte einen tischtennisball auf seinem sich ereignenden penis balancieren.
ein onkel aus titograd konnte freude schöner götterdunken in teilen furzen.ansonsten war er eher bordmechaniker in der jugoslawischen luftwaffe.
wenn ich an der tür mit einem pullover hängenbleibe fällt mir immer die brille von der nase,beim bücken nach der brille stosse ich mir den linken kleinen zeh,den habe ich mir so schon dreimal angebrochen und einmal gebrochen, bei dem hängenbleiben steht fast immer noch die butterdose herum, die eigentlich ein butterteller ist, der die genau so fällt wie sie nicht soll,mit dem weichen nach unten.auf diesem butterfleck rutsche ich dann einen tag später aus,wenn ich nicht oben hängenbleibe.
dass weiche nach unten….
darüber schreibe ich nichts,es könnte auch krebs sein.
wenn der langgestreckte zug in der kurve lag,schütteten die fahrgäste aus dem linienwagen berlin-budapest das bier aus dem fenster und wir aus dem letzten wagen,dem schlafwagen malmö-belgrad, fingen es mit unserem weit aufgerissenen mündern auf.das war kommunismus,denk ich.
mein vater setzte sich in berlin zum schlafwagenschaffner und trank von berlin bis belgrad durch. wie er es schaffte dabei jedesmal jeweils die schapkas der tschechoslowakischen,ungarischen und jugoslawischen grenzer innerhalb ihrer landesgrenzen auf dem kopf zu tragen erfuhr ich nie.irgendsoeine erwachsenengeschichte: horst und die vier schapkas.
die ddr grenzer hat er nie gefragt,das hätte diese geschichte auch schwerer gemacht als gedacht.
in den arztheftchen, so nannten wir die liebesschmöker aus dem westen, gab es werbung für eine spezialbrille, mit der man durch wände und bei frauen durch die kleidung (nackt) sehen konnte,ich war überzeugt,der kapitalismus ist dem real existierenden sozialismus überlegen, Weit überlegen.
ich bekam eine kanarienvogel zu weihnachten geschenkt,am ersten weihnacjtsfeiertag lag er star auf dem boden.scheiss vogel.
ich dachte einen sommer lang,ich habe aids.ich hatte noch nie sex,das schmälerte keineswegs die furcht,befeuerte sie eher.
ich habe heimlich den zigarettentrick geübt,in dem man irgendwie die zigarette auf die zunge legt,sie dann im mund / rachen verschwinden lässt,um sie kurz darauf wieder auftauchen zu lassen. ich habe die probezigarette verschluckt und bin dabei fast erstickt,mindestens zwanzig minuten lang.
ich habe bei einem manöver eine plastikgewehrgranate meinem kompanieführer zufällig ins gesicht geschossen,er hatte sich in einen 200m entfernten busch verdrückt,um heimlich zu rauchen.er trug wochenlang ein veilchen, seine uniformjacke hatte ein brandloch und ichbekam drei wochen klodienst.
IV.LEICHTE GESCHICHTE
der schlafwagen und zwei liegewagen malmö-belgrad hatte in brno 1988 einen achsenbruch und wir wurden von sechs ochsen gezogen,unter dem hohen himmel auf ein totes gleis gestellt,auf einen berg bei brno,zu seinen füssen lag der grosse fluss und das leuchtende gelb,das ruhige grün vor augen,schimmern.mit der zeit lernten wir uns besser kennen,wir legten gemüsegärten an,kochten gemeinsam in der kleinen bordüche schwedische, serbische, makedonische, bosnische,albanische speisen. einer der liegewagen wurde unsere bibliothek,unsere schule, die universität. aus
die gefriertruhen einst vom schweren gastarbeitergeld in malmö oder westberlin für die alte schwere jugoslawische heimat gekauft standen zu dritt unter vier linden direkt neben dem gleis, das unter der sonne summte und einen monat nach brombeeren roch, in den schwedischenwest deutschen eistruhen lagerten wir die früchte der gleise,des berges,des flusses. einmal im jahr kam der uniformierte mann čsd mann mit dem öligen hämmerchen,er klopfte und horchte die bäuche unserer gebrochenen wägen ab und sagte jedesmal mit trauriger stimme, es täte im sehr leid,aber der achsenbruch wäre nicht behoben. der schaden tiefliegend.
die tschechoslowakei verschwand.
unser land jugoslawien verbrannte mit kind und maus.
wir liebten uns untereinander, weinten, heirateten oder auch nicht, jeder wir er sein glück begriff und wir bekamen serbischbosnischmakedonischealbanische kinder.oder auch nicht, jede wie sie wollte, wir zählten der kinder schatten und sprachen ihre worte im wind nach, jeder liebte lebte wie es ihm und ihr sein herz flüsterte,küsste, sanft sang: spavaj tiho nezno zivi sviraj duša ne zna za buku und wir starben auf dem toten gleis unsere gräber schauten auf die täler um brno, der schnee fiel auf unsere staunenden aufgerissenen augen, den grossen fluss,das leuchtende gelb und stille grün.
wir feierten den achsenbruchtag als höchsten feiertag.eine fahne lehnten wir ab und sangen zusammen unsere lieder auf einem toten gleis bei brno.liegengeblieben.
-
COTE AZUR / HEROIN
COTE AZUR (HEROIN)*
1938.320 bpm dance dance dance to the radio.
schwarzhemden und ein mensch im teakschrank,klaus mann.
KLAUS M
mein weg ein atemzug still ersticken ein
STAU unter wasser leben hier an der cote azur
in deutschland drehen sie bunte videos
laut und zu schnell
in nürnberg oder berlin schnelle schnitte dank leni
HEIL sehen weg hebenarm der kopf gerreckt gestreckt
andre werden abgehackt und nur der fluss
das meer im kopf bleibt trost in langer nacht
der hans emil ricki charkes andre mein schwanz trostlos
auf reisen und wieder in das bett genässt
hotelboy mann klaus
mit strandblick im exil denk ich mein herz ist eine kiesgrube
trocken klirrt das innen stein ich schieb mir das braune
unter die haut leck den heissen löffel SCHEISSE MANN
besser drinnen das braun als das vor der tür sehen
mein antinazismus heißt nun HORSE ÄTSCH heroin
manchmal mit schnalle um den hals in nem holzschrank
ejakulieren
BRÜDER ZUR SONNE flüstern in das holz gewichst
arche du stinkst mit deinem solopassagier mit dem dichter
draussen das schöne ist alt gemauert vor jahrhunderten
das neue ruinen des neuen unterm germanen sonnenlicht
schreib ich mit blut ins hotelholz ICH TRÄUME LÖFFEL
in paris amsterdam marseille europa vereint in der flucht
ich in teakzimmern andre unter segeltuch bad luck
da leb ich nun REISE REISE klaus der kleine
das land das mir fehlt stinkt unter ammoniakschwerer
decke liege ich an nizzas küste französisch kann ich
nich gut GENUG trauriger strand ich springe ins blau
achtzehn stiche zwischen nase und zeh von vergangenen schlachten
mit vätern oder kritikern kuratierern besserwissern wenigkönnern
BRECHT DU MÄNNERFOSE klaust
was dir die frauen klug schreiben
im gulag kein profikampf steck dir den sport und die premieren
in den kleinen karrierearsch kein wunder fuggerkind
menschenasche ohne v-effekt ist die neudeutsche epik
du lachst es aus mein zweifeln verirren wenden
unterlegst es mit ambient was du bert
nicht verstehst ich tue es auch bei papabär seit oslo ist er global
THOMMY CAN YOU HEAR ME international die SCHEISSE WHERE IS MY HORSE ich tauche im blau provinziell nie im aufstiegskampf
nur darunter im lübecker titanenabort sohn im kot
die stiche habe ich mitgebracht aus einer kalten nacht
neunzehnUND auch egal er war schauspieler ich schreibspieler
die azure liegt vor mir im graben im krieg im kopf
STRASSENSCHLACHT und wärme der spritze in der eichel
ich hocke ich es regnet werd heut noch ein essay schreiben
ich kämpfe mit G der den SSlern in die köpfe schießen wollte
STAHLZWINGE für braune Pisse nun aber in ihnen
lach und schiessfilmen liedchen singt von der nacht
die nicht nur zum träumen ist froh die rheinische natur
er stößt mir das messer schnell in die seite
24 29 33 38 hab vergessen dass er crystal raucht seit dem
SS plenum in braunschweig im land nach dem systemfall
weimarer error
STAU
DER GING VORBEI IN DEN 30igern
STAU
fahre kalt durch die provence
an der ausfahrt richtung avignon
ich kann sehr lange die luft anhalten
im meer hinter biarritz zwischen france und spain
werde mir braunes in den hoden und weisses in
die nase stopfen HOLLA UND AY CARMELA singen
und die seesterne zählen derweil zuhause die
frohnaturen auf den brettern lügen bis die welt bricht
funfact der bühnenboden vom schauspielhaus stammt
aus sachsenhausen kz aussenstelle ravenbrück
jemand mehr oder mehr und jemand predigt hass heil deutschland
fünfunddreissig prozent haben’se schon 1930 gehabt
als ich nur kritiken zählte und pariser liebte
hätt gern peters Stahlzwinge,kann ihn ja mal fragen auf Dorothäischem
liegt er da im Kristallsarg neben seinem Vater
Ostsee
schon eine minute ohne luft
ewiger krieg und arme schweine
mein lecken mein heulen
ich schwimme auf das offene meer hinaus
die bettdecke färbt sich rot
(sei still) von mir und meinen ritten auf dem horse
ich habe drei jahre lang jede nacht geweint
von 33 bis 38 danach musste ich die bettdecken
verbrennen ich brenne
ich liege in einer ecke des zimmers
man sieht noch den abruck meines mundes am kalten erkerfenster
habe wieder hinausgeschaut auf eine neue Schlacht gehofft
france 1 dudelt in meinem Rücken,daran geleckt am Fenster
bis ich umfiel will nicht mehr stehen
ich hatte zwei jahre lang kein gefühl mehr in beiden händen
ich konnte sie mit feuerzeugbenzin übergießen und tat es
ich habe sie mir feuerzeugbenzin übergossen und angezündet sehr hell
brannten sieich konnte mit rasierklingen schmale meerhorizonte hineinschneiden
in die haut scherenschnitte der verlorenen heimat
habe ins linke knie ein fenster geschnitten
dahinter sitze ich und bin elf mein onkel heinrich ebt noch
er erklärt mir die odysse radikalisiert mit Robin Hood und dem letzten Indianer
Er erklärt und schwitzt ich liebe ihn noch ist er warm
und ich sehe dem trinkwasserschiff nach WIR MACHTEN JA IMMER URLAUB AN DER ITALIENISCHEN RIVIERA
das gerade unsere bucht verlässt und will weit hinausschwimmen
hinter dem zeltfenster aufm Zeltplatz lebt der junge
davor lebe ich vierzig fünfzig schneide mir ins fleisch und schwimme weit Adria und Karibik zwischen meinen Marketingterminen in NY und schweren träumen
unter wasser träumen vom blau eigentlich war es die schweissschwere bettdecke mich weckte bin in den dunklen schoß NEUE ZEIT HEIL UND SIEG FORD UND DAIMLER
neuer Mensch neue Lieder bin weich gefallen wegen
der blüten in meiner tasche von THOMMYVATER schwedisch die dollars NOBEL NOBEL ich stopfe dir das maul
unglück unbesungen am blauen meerwieviel kostet mein gestern vater
rückkehr nach berlin rückkehr ins leben als zuckender stumpf nach dem krieg dem sieg der keiner war
(sei still)
an klavierseiten hängt kein kopf eher neue melodien
nichts sieht nichts hohl klingt es in meinem kopf zwischen den Meetings
fülle ihn auf mit leisem trost Vinyl durch Bang&Olaf jagen darauf ficht es immer
in meinem Haus bin Eigentümer seit kurzem das kreisende Schwarz VINYL
aufenthalt gegen den tod für das leben die stinkenden bettdecken
verbrenne ich einmal im jahr an einem see der mich
an ein meer erinnert wo der Sturmvogel lebt
Künder der Revolution
MANCHMAL.
manchmal übergebe ich mich einfach nur so vormittags ein bis zweimal
ist es die depression oder cold turkey
Neundreussig Elfzehn die Uhr mein Henker das Ticken mein täglicher Tod
oder ich mache das Licht aus und muss drei Stunden am Stück
weinen depression heroin my antifascist bad trip
die dichter und henker schlucken pervitin
ich weisses von unbekannten mir egal
och ihnen auch GERMAN ANGST sagen sie
nur bevor sie kalt gehen ich zähle dann meine
sterne kleine rote punkte unter zunge hoden zehen
meine heimat ist das loch die andre brüllt heil und sieg
WO IST DIE SCHEISS SPRITZE
dann nehme ich zigarette oder weinöffner
oder frisch gebrühten kaffee oder teewasser
und schütte sie auf die schreibhand
die nichts mehr über diese heillose welt
schreiben kann und will
DIE SCHEISSHAND
drauf steche hinein brenne
spüre versuche es mein dunkles Leben
Manchmal gehe ich und atme
und esse ich ganz langsam
ganz vorsichtig
oder zu hastig
oder zu schnell
berühre wundes Leben nur mit fussspitzen und mit zunge
im hotel wer hat das wort exil erfunden die bänker und
autobauer am rhein und neckar sicher nicht
sie rühren den grossdeutschen asphalt oder
kopfsalat
nur ganz leicht ganz schwach an
ich traurig wie die tage nächte
LEBE IN DIESEM SCHRANK mein vollgespritztes
dichtergrab samenbank totenhaus
monate jahre nicht auf inseln geliebt chios
oder elba ersticke langsam bei rhode island
am langsamen essen sparflamme lege mich auf
den aspalt die fleckige matratze im chelsea hotel
müde mit lust auf den mehrmaligen verkehr
mein geliebter will auch nicht mehr
sagt nur
unsere ökonomische abhängigkeit
zügelt ihn den verkehr den hunger
WHERE IS MY AGE MY HORSE flüstre ich
den mehrmaligen ertrag ich auch nicht mehr
kann nicht soviel ficken wie ich die welt vergessen
ausradieren will und manchmal tun die augen weh
vom fensterglotzen auf den asphaltund man
reibt seine augen an den exilfenstern wie an der zündholzschachtel aus riesa
und menschen kinder brennen hinterm meer
slawen meist
das westliche ist dem tode überlegen
die achse berlin london paris ist ne alte
BURNOUT COLD TURKEY made my days
manchmal sind’s nur die augen die
möcht sie zerschneiden die
tun weh obwohl sie weder gelesen noch
gearbeitet hätten dafür war es meist zu dunkel
und die
ideen zu dünn sollte mir nen scriptdoctor holen oder ne kluge dramaturgie in meinem zimmer mein nicht das im fünften stock chelsea bin der world war two sid
und ohne fahrstuhl die Tage Monate nach dem Studium
glotzen nur auf Auslagen und Angebote
Manchmal nehme ich zwei,drei oder vier
dreimal am Tag macht insgesamt sechs oder neun oder zwölf
wie ruhig der See ausschauht mein Mann wird schön
schön das es dich gibt
wie war die Arbeit
nein heute nicht
jetzt hätt ich Lust
nicht auf dich
auf den Herd mit meinem
süßen Kopf drin ach Elektro Gorenje
billigsterben dank Saturn
der Kopf drin wie die Mama
das auch noch
zuviel ist zuviel
Horsdown
Burnout Bournout
jetzt könnte was mit 300 bpm spielen,würde mich erleichtern
AUFTRITT VON DAF AUS DÜSSELDORF IN DER BISKAYA
MÄNNER IN UNIFORM TANZEN DEN SCHWARZEN STERN.
SOUND:
https://youtu.be/su06q9k9A_w
*kommemdes projekt MEPHISTO/KLAUS MANN bearbeitung
VAUDVILLE 1938
(Die jüdische Schauspilerin XX und Herr Höffgen im Intendanzzimmer,
währenddessen in einem Hotelzimmer in Südfrankreich Klaus Mann
nackt im Schrank.)
H
ich soll nur noch stücke wie götz von berlichingen spielen,wie soll das gehen…hier strich strich strich…das auch raus…bleibt nur noch
Das Glück fängt mir an wetterwendisch zu werden.
Wen Gott niederschlägt, der richtet sich selbst nicht auf.
Wo viel Licht ist, ist starker Schatten.
Ein braver Reiter und ein rechter Regen kommen überall durch.
Wo viel Licht, ist starker Schatten.
Alles ein einziger Wetterbericht
S
die gestapo ist da,herr intendant
H
verstecken sie sich
S
die stehn vor ihrem intendanzzimmer herr höfgen
H
unter den schreibtisch
S
ja…der ist zu gross,man wird mich sehen
H
dann in den schrank
S
in den schrank
H
ja
S
ich passe da nicht hinein
H
ich drück sie rein
S
aua
H
schreien sie doch nicht,die gestapo hört sie
also erst mit der schulter,dann die hand
S
es klopft …danke herr höffgen
H
was machen sie hinter dem vorhang
zurück in den schrank
S
das ist doch kein feydeau herr höffgen
im schrank suchen die zuerst
H
ich weiß,das sie nur charakterrollen spielen wollten
das geht jetzt leider nicht. also zügig und auf anschluss
kleine pausen für die lachen…einfach die schlüpfer runterlassen
(Kurze Pause)
S
sie sagten den schlüpfer runter
es ist diese angst die
H
das,das…das ist so im vaudville,das sagt man so
schlüpfer runter tür auf tür zu vaudville eben
AUFTRITT GOEBBELS.
G
ach unser geliebter herr intendant
sagen sie ist da jemand im schrank
H
nein lieber dr.goebbels
G
ich wollte mit ihnen über die kommende spielzeit sprechen
der götz …warum stehen sie so komisch vor dem schrank
H
ach einfach nur so,ich mache entspannungsübungen am schrank
der druck,die berliner kritiker,unser etat
lauter verspannungen
DARKWAVE
Ricki legt auf, Dark Wave und Klaus tanzt dazu. An einer französischen Küste.
Parallel Aufnahmestudio der Ufa ,Außenstelle Dachau.
KLAUS (tanzt)
peter
mathias
ullrich
matze
per
mops
viktor
manuel
claude
pam
heini
lars
vadim
serge
albert
mia
rudi
ulf
paul
rudolf
RICKI HALLMARK
(legt auf und tanzt)
yoyo
stefan
rainer
dani
kastriert
bernd hat sich in marseille im hotelzimmer
aufgehöngt als die deutschen panzer kamen. pierre spritzte sich eine woche vor dem d day eine überdosis,so wie
michel
gernot
xavier
fred
ernst
werner
jaim.
morphium heroin
charles wurde als eine von 100 geiseln vom sd erschossen.
ingo starb an einer überdosis 1932
ekel-stand auf einem abschiedszettel.
ulli schoss sich im august 33 in das herz
kann dir welt nicht ansehen wie unansehnlich sie geworden ist,der fahrradschlüssel ist bei frau behrendt hinterlegt.
peter
mathias
ullrich
matze
per
viktor
manuel bekam wegen seine kranken neigung eine todesspritze in bremen
galt als schwer nervenkrank
claude
heini
lars
vadim
serge
albert
rudi
ulf
paul
rudolf
wurden in buchenwald
neuengamme dachau
ausschwitz birkenau
stutthof sachsenhausen
bergen belsen
ermordet
vergast
rosa dreick
verbrechen
homosexuell
GG
Vater und Sohn
RICKI
Ich bin sein Geliebter
GG
Vater und Sohn
Tommy und Klaus
leben nun im Exil
von Tantiemen oder flüchtigen Küssen Unbekannter bei Henry Ford bezetwe hinterm Teich im Land der Sklaven und Idioten: Hang the N* Pieep and Run bei uns sinds die Juden. Die Mans,Manns …Gestern noch gestärkter Kragen heute blumiges Hemd an Kaliforniens Küste und in der Schublade verschlossen die Texte
die man schnell umschreibt auf comedy screw ball NATÜRLICH der schöne junge Mann auf Papier, gerne auch minderjöhrig wird ne Schublafen/Novelle,denkt der Herr Papa nobel und blumig. Nur der väterliche Pelikanfüller berührt dessen junges Glied,der Sohn daneben zählt sie nicht mehr,schießt sich an in Bars auf gelben
Matratzen. Ich leihe meine Stimme dem ersten grossdeutschen Zeichentrickfilm
Dr. Goebbels meint wir sind in fünf Jahren besser als die Amerikaner
Walt Disney.
-
JULI/U JULU Szenen eines Krieges
4.40 früh
am morgen
drei miltärpolizisten stehen in meinem zimmer.ich liege im bett und starre auf ihre uniformen, ich träume. einer schlägt mir mit der faust in gesicht steh auf du schwuchtel,zieh dich an,kein traum
das vaterland braucht dich,
arschloch.
sie lachen,
ich spucke blut auf mein kopfkissen.
mein zimmer riecht nach staub,der sommer riecht nach staub in meinem
zimmer. in diesem zimmer lebte einst meine tante, wie ich betrachtete sie träge die staubsterne, wegen meiner tante hängen überall diese bildchen mit kleinen jungs oder mädchen mit riesigen augen und wimpern und clownsschuhen. diese grossäugigen geschöpfe hingen in vielen belgrader mädchenzimmern der 70iger jahre. nun starren sie auf mich,
auf mein blutiges bett und mein zittern, grossäugig. glotzen. sie sahennichts vom krieg, gedruckt 1977 lebten sie ewig an ihrer friedenswand und sahen meiner tante beim schlafen zu.glotzen. grossäugig.
4.45 früh
meine oma weint.
du musst unsere heimat gegen die faschisten verteidigen, sagt sie, damit wir nicht umsonst gekämpft habengestorben ermordet worden sind.
sie hat die drei militörpolizisten in unsere wohnung geholt.
sie haben beim nachbar geklingelt,der hat einen sohn in meinem
alter,der sich auch seit wochen versteckt.
der nachbar hat die militärpolizisten nicht in die wohnung gelassen,
dafür tat es meine oma.
ja.
mein enkel ist da.
er schläft.
4.47 früh
ich stehe mit den drei militärpolizisten im fahrstuhl. wir fahren vom 10ten stock nach unten.
mein blut spritzt auf die angekokelten knöpfe
von etage vier und fünf. zwei schlagen mich, der dritte
geht eine liste mit namen durch.
DER FAHRSTUHL blieb immer zwischen dritter und vierter etage stecken,
man musste leicht aufspringen und er nahm seine brummende fahrt wieder auf,links oberhalb des gespaltenen spiegels,konnte man verfolgen wen milan gerade liebt, jelena , mica , jagoda, sofija waren durchgestrichen, frisch ungestrichen stand sein name nun neben dem von vladica vom 10 stock unseres hauses . vladica hinkte leicht nach einem motorradunfall, sah einen nie an und sprach auch nicht wenn man mit ihr im fahrstuhl fuhr,dass einzige was ich von ihr hörte war einmal ein furz, ich glaube dass war eine unfallfolge. in dem fahrstuhl wurde boris vom fünften von seiner oma gefüttert, da er anders nicht essen wollte,sie fuhren 10 minuten hoch und runter, boris saß auf einem stühlchen und oma schob ihm den löffel mit karottenrisotto in den schmalen kleinen mund. boris wurde später militärpolizist, eines nachts brach er die tür, fünfter mitte, mit einigen kumpanen, auch militärpolizisten, auf und schmiss alle möbel der oma durchs fenster auf die strasse.
das krachen und knacken der stühle,
der tische und schränke
dauerte stunden.
4.47
Nach vier Schlägen hörte ich auf zu zählen,ich spukte mein Blut auf den Spiegel und tröstete mich mit dem Gedanken, dass Oma , wenn sie in den Spiegel sah, meinen roten Rotz auf ihrem Wangen trug. Der Fahrstul brummt.Milan liebt Ana und dem Roten Stern Belgrad wird Analverkehr von Partizan angeboten.
4.51 früh
ich sitze in einem mit schwarzer folie abgeklebten reisebus des
belgrader busunternehmens DIE MÖWE.
ich bin nicht der einzige,ein dutzend junger männer in
pyjameas iggy pop tshirt oder lacoste polo oder nur in schlüpfern
sitzen
traurige inseln auf braunen sesseln,
mit geschwollenen gesichtern,dicken lippen und abgeknickten
nasen,ich setze mich auf den sitz
22 gerade zahl
wegen dem
glück
das radio spielt. mein lieblingslied in diesem kriegssommer.
sommerkrieg. dass denke ich jeden sommer, mein sommerkrieg
oder ein anderer sommerkrieg. liegt an den strassen für die panzer und dass die angst kleiner ist, wenn die sonne hoch steht, das grün silbrig glänzt, kein tod denkbar im blühenden garten, in dem ich ein loch aushebe, für mich, ich grabe ein einzelschützenloch und ich baue meine burg aus sand, unbezwingbar auf dem spielplatz am senefelder platz.
das radio spielt mein lieblinglied im abgeklebten bus, ich sitze in meiner blinden möwe und mit jedem halt wird der bus voller mit müden kleinen jungs, halbnackt oder im pyjama, die militärpolizisten gehen durch den gang und spielen gerade, ungerade. die mit dem geraden zahlen, schlägt man mit gummiknüppel die ungeraden mit knochigem handrücken.
teške se kise spremaju
nad gradom munje sijevaju
uzalud pitaš ko ide
budaline u planine
pustahije kroz kapije
pogasi sve
tek je počelo
4.40 früh.
am morgen. andere zeit anderer krieg
ich liege stumm schiessen panzer, am himmel ein pfeil, stinger jagt adler
würge speichel auf den boden, die alte angst neu auf das deckblatt vom zauberberg, der fernseher läuft und dann wird alles vorbei sein.
und die toten bleiben tot.
und die lebenden müssen leben.
mit den tötenden,leben
meist ärmer als zuvor.
kinder unter fremden sternen geboren.
servieren flink oder liefern unter tarif.
die verdächtigen ließ man laufen.
oder sie kauften sich frei.
oder man kauft wieder ihr blutöl.
das teure gas.was schert konjunktur moral.
moralisch degustieren,prozesse kommentieren, bellen auf seite fünf.
neuer asphalt mit fördergeldern, das massengrab zwanzig meter daneben.
man vergisst schnell, wo man nicht erlebt.
man vergisst nie, wo man überlebt.
hat. die einen werden haben wie zuvor,
die anderen hatten dann nur noch.
weniger in allem.
haben (wenig)
und
sein (weniger)
4.04.
ein himmel wie von bleistift gezeichnet
eine vogel schwarz die brut darunter
bombenlast ich hocke unter dieser
wolke und reisse den mund auf
der tod füttert mich kaltes kind
schlucke die last fasse nach
ihr noch warm
und der frühe morgen
spielt mizar
dozdot
6.00 Uhr
Lautlos.Lautloses Weinen in den Kasernennächten.Morgen wird gestorben singen die Reservisten.Ich mache beides,lautlos weinen und übers Sterben singen.Mein erster Tag an der Front, der Himmel schwarz.Ich heule in meinem Spähpanzer, später drei Schnitte ins Knie,die Hand.Mein Blut tropft auf gepanzerte Haut,ich pisse mir in die olivgrüne Hose.Später Schnäpfchenjagd Aldi Nord. Nächte im Krankenhaus, der angeschnallte australische Surfer im Bett gegenüber, wir schlürfen Süppchen, wollen nicht kauen,nicht die Zähne spüren,ihr beißen und klappern.Rückenmarksflüssigkeit entnehmen,sagt die müde Schwester,hofft auf neurologisches,ich weiss, dass ich noch im Panzer sitze,die Zähne klappern,dass Beißen auf den Lederriemen,schabe mich ab,Angsthase. Bin zurück im Frieden unter dem Fenster der Fluss,auch so dunkel wie der,an dem ich lag in meinem kalten Loch.Mein Panzerkrieg mit Spreeblick, die alten Augen der Schwester. Billig Bücher kaufen, Erinnerung lesend ersticken eine weite Küste das weiße Bett
Wir schreienDONT YOU FORGET ABOUT ME DONT DONT YOU FORGET ABOUT ME im Panzerwagen, vor uns der Fluss,dahinter die Stadt.
14.00
altmark. ein park, der kies zu laut
die arme zu kurz atmen wie ersticken
die augen gross dunkel freudevoll leuchtend
der speichel fließt ausaufgerissenem mund
die worte gurgelnd der see spricht aus
aufgerissenem mund unter aufgerissenen augen
er schreit mich an und stösst
und fällt auf den teppich eigentlich pvc,ochsenblut
er freut sich immer auf dich sagt die schwester und sie schliessen uns ein
die feinde wie brüder meine aufgerissenen augen
mein krieg auf seinem papier in der klinik in der altmark
weit die welt
ich trage eine schachtel pralinen
für die die nicht freundlich sind
dass sie freundlich sind
die schwestern die kalten
genossinnen nun dienstleisterinnen
zu meinem schreienden freund
dessen name die zeit der krieg
der krebs gefressen hat
namenlos der staub noch lebt
er liebt dich dein bosnischer freund
ich verstehe ihn nicht! nicht den see das herausgerissene
sprudelnde stossende wort laut ersticken gurgeln
er wird sterben sagt die müde Schwester
was ist das
sterben
er hört auf
zu sehen zu schreien
dich zu lieben wenn du jeden donnerstag
mit seinen filzstiften
den krieg malst auf sein weißes Blatt malst
und er dazu schreit und lacht
sein speichel auf deine blauen
roten panzer fliesst, eure filzstiftdiagnose für
den chefarzt übermalt seine kalten worte
mit blau und rot eine landschaft verschwimmt
der krieg die augen seine
aufgerissen
seine aufgerissenen augen
der mund der see
ich vergesse ihn nicht
meinen ersten stummem
toten freund
namenlos
nun
4.22.
gegen vier ihr träume ich von
küssen.schlafen träumen
4.45
krieg mein alter schatten
bist wieder da, stehst nachts in meiner tür
vor meinem bett, sagst guten abend
bin wieder da, dein alter bekannter
ich grüss ihn zurück
wechsel die bettwäsche
Ich liege in einem Schlammloch.
Irgendein Dorf.
Ohne Namen.
Leuchtspur.
Vom irgendeinen anderen Dorf abgefeuert.
Ich liege im Schlamm.
Das Loch füllt sich mit mir.
Warm.
Juli Neunzehnhundertdreiundneunzig
Leuchtspur
Dreißig Jahre später:
Fieber/schwere Atmung
Schwäche/nur im Bett
nicht essen/Kopf nicht klar
sehe nichts/kaum Sauerstoff/Blut
zu Hause/kostbares Bett
Einzelzimmer/und Bad
im schweren luftlosen Schlaf versinke ich/nur noch Töne doch nicht verletzt/weine nicht/keine Angst buchstäblich/schäme mich nicht/entschuldige mich/ bei sonja sie heult weil sie nicht spielt durch Tränen/jeden Tag/schrecklich/leid
irgendwohin/ in die Welt hinaus/das Fleisch ist gegessen
fresse nur noch nachhaltig wünsche mir mein alter krieg
wär gleichso nachhaltiger
Alle/sprechen/reden/sprechen
reden/denken/laut/leise abwechselnd chorisch oder auch nicht Schreien im Traum
Meine TEXTE versanden am Elbufer
Aldi und Lidl mein Karl oder Marx
Schwarz einst Blau lag das Meer da
hinter meiner Ostküste die warme adriatisch ohne Menschen darauf und darin Schwarz einst Blau lag das Meer da, ich sehe die schwarzen Kopftücher der alten Frauen
vom Fischerdorf gegenüber unserer feriensiedlung kurz vor ihrem Sterben in den weißen Vivantes Kliniken nun auch an ihrer Küste deutsch sterben privatisiert eingehen am Bau und im Blau, ihr stilles kremieren mit Aussicht Dinara Gebirge verspricht die Werbebroschüre zweisprachig dort an der Küste zwischen Šibenik und Split Siebenundzwanzig alte Frauen tragen Schwarz Ich sehe von meinem Hochsitz alles amerikanisch der Lift ist leise schnell von unten nach oben.Wir haben sie überhört die Signale laut genug 1993 2020 nun schlaflos verscharrt hinter der Klinik liegen die alten Frauen unsere Mütter Grossmütter mit Aussicht Dinara Gebirge verspricht die Werbebroschüre zweisprachig gedruckt in Lippstadt lateinisch klingt teurer besser
feinste Asche dank bester Qualität
seit hundert Jahren
garantiert Maschinenbau aus Deutschland
AN DER ADRIAKÜSTE stirbt Oma oder Mutter in der weißen Klinik Vivantes oder Quod oder ergo und sum exitus
Siebenundzwanzig Söhne kehrten nicht zurück aus dem letzten Krieg.
ich kehrte zurück und glotze von oben nach hinten
Siebenundzwanzig schwarze Kopftücher wurden jeden Sonntag vor dem
Kirchgang gebügelt und rochen nach Dorade dem Sonntagsmahl der Fischer am Meer das nun still und ohne Menschen darauf und darin blau und tot und fieberfrei daliegt ohne mucks das Jahr 2020
Siebenundzwanzig Söhne der Mütterdes Fischerdorfes verfaulten in der fernen Sutjeska oder ihren karstigen heißen Ufern links von ihr denn rechts stand der Deutsche damals der Fotos machte das tat er gern im
Krieg
der Deutsche Fotos von Städten
Dörfern Wälder Gruben Löchern Lichtungen meist Kinder Frauen Alte
Fotos zum Erinnern an Shitomir Kielce Prijedor DREIUNDVIERZIG NEUNZIG ZWANZIG
Enkel scheissen auf die Gräber oder kratzen mit Messern das Rot aus dem nun weissen Stein. Meinen Kopf zerschmettert wohl das Fieber das erinnern ich esse nicht schlafe nicht hundert Jahre in meinem Kopf 39,9 oder Discosummer 92. Das Glas bricht,tausend Stücke,tausend Inseln und mein dunkles Blut schießt aus dem klaffenden Denkloch, war der Klebstoff für nen Kontinent in der Hundepisse schwarz lag das Meer da hinter dem Fenster im Sommer 95
Direkt an der Magistrale,benannt nach dem Meer stand ein Restaurant, namenlos, Wind und Salz haben es wohl namenlos gemacht.
Nie saß jemand darin, nur Zikaden ab und an, wenn sie von den umliegenden steinigen und trockenen Feldern auf die heißen leeren Tische sprangen. Sie lebten auf den harten weißen Steinen, eingelassen in die aufgerissene rote Erde, man sah dort ihre tiefsten Wunden, schwarze Schnitte im staubigen Rot. Auf den Schnitten standen
hundert und mehrjährige Olivenbäume, müde des Wachsens und Gebärens in den Hunderten von Jahren, getränkt von salzigem Meertau auf ihrer knöchernen Haut, vom so nahen blauen Meer, das man dort nicht sehen konnte, ein Hügel versperrte ihnen die Sicht, ein Bunker stand darauf, ein italienischer, ich lass VINCERE in den Sommern,als ich dort ausstieg all die Jahre
wegen dem Früher und dem Blau, der Versprechung.
Der alte Krieg grüßte mich, wenn ich aus dem Bus stieg, direkt mir gegenüber das menschenleere Restaurant und klagende Zykaden. Ein gelber Turm lehnte sich an das leere Restaurant, gebaut aus 20 Kisten Pepsi Cola, die nie jemand trank, oder den ich nie sah. Ich dachte immer der Wirt, der letzte Mensch zwischen Bunker und Steinwiese trinkt sie seit zwanzig Jahren, jedes Jahr eine Kiste und lauscht den Zykaden und zählt die Menschen, die hätten kommen können jedoch nie kamen oder nur kurz.Sie fuhren vorbei.Die Menschen. Manche hielten, stiegen aus, Kim Wilde oder Ian Curtis sangen in ihren bunten Wägen BULLI blieben kurz stehen vor dem leeren Restaurant mit dem gelben Turm, um
sofort wieder einzusteigen und wegzufahren, sie wollten nicht auf den Schnitten sitzen, der traurigen roten Stauberde, mit krummen alten traurigen Olivenbäumen dahinter, dahinter das Meer,das Salz
dahinter dahinter In einem Sommer jedoch war das leere Restaurant voll, jeder war Tisch besetzt. Junge Männer in staubigen Tarnuniformen saßen auf den geschmolzenen schiefen weißen Plastikstühlem, neben dem gelben Turm stand nun ein grüner, ihre Gewehre lehnten an den Tischen, schief und krumm wie die Olivenbäume die Hundert und Mehrjährigen.
Ein Bus hielt und ich stieg aus.
Reicher um drei Messerwunden.
Reicher um Schüsse in langen Nächten, die seit zwei Jahren jeden schweren Traum begleitet hatten,reicher um ein klaffendes Loch im blutigen Maul, das mir der Kolben einer Kalaschnikow schenkte im Schlamm, irgendwo in einem namenlosen Dort. Wo ich meinen Namen eingrub, mich eingrub,im Sommer im Juli in die schwere,fruchtbare Erde
eingrub.Hinter dem Bushalteschild,auf knochiger roter Erde hockt ein alter Klotz.Rotgepinselt von der Sonne verbrannt VINCERE
das Wort starrt mich an aus altem Beton an, der alte Krieg.Bunker
Ich bin zu Hause, dort am Meer, wo ich Jahrzehnt lang ausstieg,fast ein halbes Leben lang und mich jedes Jahr jeden Sommer verliebte
Die jungen Soldaten sehen dich müde an und riechen dein Blut
das von der anderen Seite kannten meinen Geruch
sahen mich nie zu weit entfernt die beiden Dörfer
auf schwerer schwarzer Erde dort oben
weit weg von den trauernden Olivenbäumen ,den schwarzen Schnitten und staubigen Rot und ich setze mich zu ihnen, bestellte ein Bier
der grüne Turm soll wachsen, den gelben überragen, ihn besiegen.
VINCERE.
Das ewig schöne Gestern.
Ich sehe mir die Gewehre an, kenne ihre Namen, hörte ihre Lieder in der Nacht als ich aufstand, um nie wieder zu hören und zu singen, als ich meine, die grosse, die schönste Liebe im Schlamm zweier Dörfer vergrub.
Ich bestelle laut, nun erkennen die müden jungen Männer nicht nur den Geruch, den von der anderen Seite, auch den Laut.
Ich könnte dich umbringen, rot zu rot, In die staubige Erde graben sagt einer, die meisten schweigen.
Mein Mund ein Loch schweigt und nickt.
Bin nur gekommen,um mich hinzulegen
in die Schnitte ins Schwarz
im Schatten meiner Liebe
die reiche fette Erde reicht mir nicht, dort im Norden.
Bin hungrig und will mich hineinlegen in den roten Staub und zu den Steinen unter die krummen Olivenbäume,
wie ich neben Ewigschön lag und auf und mit ihr,
zu Hause
zu Hause
mach doch
ich bin zu Hause
1993,Juli.Vormittag.
Am Meer
langsam fährt das boot vorbei,ich kann es in meiner fleischigen hand halten,ich wölbe sie leicht,schütze das boot vor den kleinen,unruhigen wellen, die in fünfzig jahren aus einem braunweissen fischerboot einen schwimmenden weissen stein machten,ein steinernes papierschiff, dass sich tag für tag an ebenso weissgrauen felsen und hellgrün strahlenden macciabüschen vorbei, richtung offene see schiebt
der schiffsdiesel vermischt sich in meiner nase mit dem oleanderduft, ich liege unter
der blüte, die blätter schneiden sich in meinem hals, bohren ihre spitzen in das helle,
dünne, direkt am kehlkopf, ich schließe die augenlieder, goldorangen eingeschossen
leuchtet mein brennender himmel.
oleander und diesel.
so riecht der julitag
das langsame krächzen des alten motors entfernt sich, ein hall nur noch, meine stimme vor dem letzten kuss, so schiebt sich das weisse papierschiff in das blau, ich lasse es los,schiebe es zart mit dem zeigefinger auf die offene see, zu den stummen schlafenden fischen, die sich in ihren träumen in das löchrige netz des schiffes verirren und träumend sterben werden,
denn das schiff wird erst in der tiefen nacht sein ziel erreichen, das helle blau vor der
insel jabuka, den ort, wo die zahnbrassen und drachenfische schlafen und träumen.
oleander,süßer duft
direkt liege ich unter ihm
ich drücke meinen kehlkopf
langsam der scharfen spitze
entgegen, ein leichter stich blassrosa,
blassrosa sind auch seine blüten,
ich habe sie tief in mein herz und den kehlkopf geschlossen, die blüten und die harten blätter. ein zarter ewiger stich nur, es ist mitte juli. ich liege an meinem warmen meer,werde langsam und bin.
in meinem haus leben nun junge soldaten
tarnuniformen trocknen auf meiner terasse
ich liege davor
unter meinem oleander
1995,Juli.Nachmittag.
ich bin 50
ich bin
ich arbeite
lebe
Ich stehe vor meinen Haus, dass nicht mehr meines ist.
Der weiße Stein ist braun, der Regen hat die Fugen ausgewaschen, eine rotbraune Rinnsal fliesst träge zurück in die aufgerissene Erde, in die schwarzen Schnitte, gleich neben der Zypresse, die ich giessen musste, einmal am Tag um mich danach in das helle Blau zu werfen.
Ich schwimme schon seit einer Stunde vor dem Haus, kann es nur so ansehen und ertragen und kaum atmen, wenn das helle Blau mich hält oben hält. Aus der Ferne sehen die erdigen Rinnsäle nicht mehr wie schwere Flüsse aus, eher wie feine Adern, die rotbraunen Rinnsäle die den Stein färben. Ich zähle sie, betrachte wie sie sich verweben und verschlingen, wie füreinander bestimmt, spinnen sie ein
Netz auf den weißen Stein, der Regen treibt die Erde aus den Fugen, schmale Tränen benetzen den weissen Stein.
Weiter traut sich mein Blick nicht.
Meine Horizontlinie ist das schwarzweiße Geländer, an dem ich mich festhielt mit meinen kleinen dicken Beinen, die Welt noch zu groß für die kleinen Füßchen. Mein erstes Stehen sah das Meer vor sich Mein Fallen fand woanders statt. Eine Ewigkeit betrachte ich die rotbraunen Tränen, die unter dem Geländer fliessen, die eigenen Tränen fresse ich in mich hinein, bin ein verfickter weisser Stein, wie er, hart und ohne Leben.
Ein kleiner Stein blieb irgendwo liegen gleich neben dem Kinderspielplatz
oder im slawonischeb Schlamm tauchte hinein ins Braun ins Schwarz oben im
Norden und er hoffte
niemand
würde ihn jemals finden
oder aufheben
lasst mich hier liegen
ihr letzter Brief in der Brusttasche
eingeschweisst, weiss auf armeeolivgrün
eingeschweisst in Plastik doppelt gewickelt
dass ihre Worte
nicht verschwinden
der letzte Rest
zuckendes Friedensherz
Mein Papiergrabstein liegt auf mir
in Zellophan doppelt gewickelt in einem unbekannten slawonischeb Dorf, im schlammigen panonischen Urmeer und zärtlich flüstert es mir zu
wenigstens liegst duin einem Meer, wenn auch einem toten
Ich stehe vor der Terasse meines Hauses, nicht mehr meins
sehe die rotbraune Adern, sehn jetzt schöner besser aus, als meine verstopften und schorfigen getrocknetes Blut auf meiner Haut alt die Löcher. Es trocknen drei Tarnosen, vier Tarnhemden, vier Unterhemden, zwei paar schwarze Socken, drei Schlüpfer, einer davon rotbraun, getrocknetes Blut oder Scheisse, auf dem Geländer, der Unterschied ist nicht groß, ich kenne mich damit gut aus,mit dem Rot und dem Braun, auswendig gelernt in einem schwarzen Loch, in den Nöchten, neben mir der Kinderspielplatz.Lief man über ihn, schien es als würde man über Glasmurmeln laufen, zarte Klänge, eine leise Schlafmusik für die schreiende Angst, die Scheisse in der Hose, unter mir klingelten die leeren Hülsen, dreissig oder vierzig, nicht meine denn
ich schoss nur einmal am
Tag und zu hoch
und daneben
bis der Offizier es
sah, mir mit seiner AK zwei Vorderzähne
herausbrach und schrie
Steh auf du Votze
du bleibts jetzt hier stehen
als Wache für den eigenen Tod
Ich stand vier Stunden.
Ich kenne die jungen Soldaten da oben, auf meiner Terasse erkenne mich, ich brülle oder er. Einer der jungen Soldaten mit Pistole in der Hand brüllt mich an, ich habe nicht gemerkt dass ich direkt vor dem Haus stehe, wie lange weiß ich nicht, dass weiß nur der junge Soldat mit fettigem
halblangen Haar, der brüllt
Was stehst du da rum du Votze
die Pistole in der Hand.
Ich gehe
nicht ohne vorher einen
kleinen weissen Stein
zu schlucken der in
meinem Garten lag
der nicht mehr meiner war
und Tarnhosen und Hemden
Socken und Schlüpfer
trockneten unter der toten
Sonne,ich trag nun
einen kleinen Stein
in der Brust
manchmal ist er warm
meist im Juli
dort wo ich leben muss
aber will
Der OFFIZIER jahre später
Frühpensioniert vermietet das Haus an Polen Tschechen
die legen sich in die Sonne ihre Tätowierungen bleichen aus unter meiner Sonne,sie ficken ihre Frauen in fremden Betten derer die einst hier lagen schlafen nun unter dem Stein ihre
dünnen frauen verhungern
für ihre muskelmänner
latein in brust und ellenbogen geschnitten blaues ja der unterwerfung hingeschmiert auf das knöcherne fleisch braungebrannt das kleine herz sehnsucht der kriegskinder
feste währung nun die feste burg
schmieröl auf arsch und obenrum
gleitend ins bunte dunkel
der muskelmann macht in stein
oder bauspar
trüber blick affenhaare
sein alter schlug noch in fressen
sang alte lieder
war eine sau
das neue schwein
schlögt nur zu hause
europäisch am liebsten italienisch
nicht nur die möbel
über das knochenfleisch
fliest die alte schmiere
rotz wasser blut
das billig gestochene latein verschwindet
unter dem roten vorhang
dei usque in aeternum
Als
ich 1986 aus der ddr nach jugoslawien geflüchtet bin träumte ich nur von unserem
haus am meer, der terasse mit dem rostigen schwarzweissen gitter, das die
winterlichen stürme und ihre schäumenden wellen im laufe der jahre durchrosten
liessen, schlag für schlag und jahr für jahr brachen sich die wellen an diesen
terassengittern in den wintermonaten.so dicht am meer lag das haus.lange dachte ich,
es wäre meine schuld,die sache mit dem rost,ich hatte die angewohnheit als kind
heimlich und nachts, durch die gitterstäbe zu pinkeln, direkt auf die zypresse, die vor
unserem haus und der adria wuchs.mein opa hat es mir einmal unheimlich und zur
mittagszeit gesagt,vor versammelten tanten und rauchigem sardellengrill, dass die
zypresse schneller wächst, wenn ich sie giesse das heißt - anpinkle.ich gab mir viel
mühe und pinkelte jedes jahr jeden sommer, jede nacht auf ihre sommergrünen
äste,von oben herab,der terasse, durch die gitterstäbe hindurch, dass sie wächst und
wächst.mein baum am meer.
kind wie ich.
teenager wie ich.
mein bruder.
mein grossvater pflanzte die zypresse 1967 als ich geboren wurde und baute das haus am meer,für seinen enkel aus dem norden, dass er das
meer sieht,seine zweite heimat und es warm hat, wenigstens im juli und august. während des krieges hauste dort eine gruppe paramilitärs sie hatten listen von serbischen häusern, die sie in den gefechtspausen (die front lag gleich hinter den bergen,nur wenige kilometer entfernt vom haus am meer) bewohnten.manchmal brachten sie gefangene mit und folterten sie in den garagen der sommerhäuser, wir hatten keine garage, nur einen parkplatz unter meiner zypresse.
das erste was sie taten,als sie unser haus besetzten war die zypresse zu fällen und ihre wurzeln herauszureissen,sie störe ihren blick auf das meer,sie sähen doch nur hässliches, dahinten,an der front und in dem verbrannten dorf, erzählten sie unserem nachbarn, einem einheimischen fischer.
in diesem dorf hinten in den bergen,von dem man dass meer nicht sah und nur roch,wurden alle alten die,nicht geflohen sind in ein haus gesperrt
am ersten weihnachtstag, dem 25.12.1993 und irgendwo wurde eine zypresse gefällt
und ihre wurzeln herausgerissen ,damit das meer schön zu sehen ist und nur ein
durchgerostetes schwarzweißes terassengitter störte die schöne aussicht am zweiten
weihnachtstag 1992.
mein bester freund hiess
branko oder esad aus prijedor
unsere häuser sahen sich an
dicht an dicht
schauten auf meer
wie
brüder
er lebt in boston
ich in hamburg
Juni 91
Ich sitze im Stahl
der Helm drückt kalt im Nacken
durch das schwarze Loch glotzt meine
Angstfresse BORN TO KILL über den Stern geschmiert
auf eine nicht meine
Bukolische Landschaft
der Frieden der Kühe
das Gedachtnis
der Toten
bei PRIJEDOR begraben
Unter dem Kitsch der Monumente
dem herausgerissenen Stern das schlechte Gewissen der Uberlebenden braucht den Kitsch
auf der Autobahn zwischen Sarajevo und Split den den (Hoch)Leitungsmasten Bosniens zum erstenmal
wieder das schöne Gefühl
Am Leben zu sein
über den
vieltausend Toten
unterm eu fördermittel
asphalt
rauch
im Juli 91
lieg ich im eignen blut
slawonischen sommer schlamm
lippen zerbissen im
loch eingegraben auf einer milchkooperative
höre sie pfeifen die
kugeln zu stiller forst
bei fehrbellin
die haut wie erde
fest stich ohne schmerz
rieche verbrannte milch
auf dem kinderspielplatz
neben der kirche
kalt der stein
kalt die haut
sehe einmal
die sterne
im juli
mein freund branko fault im schützenloch
erkannt am kiefer
jahre später der rest ist erde
verklebt mit blut
geronnene erinnerung
mein bahnhof unüberdachtes
glück vor jahren
in den nächten fahre ich
am tage zähle ich
die stunden
bis zur nacht
nummerierte knochen und
halogensonnen an der grube
neben der drina
im traum zähle ich
fernsehtürme in der puszta
noch lacht mein
vater ohne krebs
in der blauen tüte
knochensplitter und ein
panninibild von gattuso
laut bericht des experten
wir öffnen die fenster
hundert köpfe glotzen
in die tote puszta
das lied von tito
von unserer heimat
leuchtet im staub
neben der drina
unter der schwarzen erde
versteckt und kalkweiss
knochen und kiefer
niemand lacht mehr
im sommer
besuche ich immer
die meinen
ankunft ungewiss
Waffenruhe im Schatten des Panzerwagens
im Kopf
Gurken
Käse
Wurst
Fisch
Eier mit kaviar
Brot mit adzika
Hühnekeulen
Praziluk
Rote Beete mit saurer Sahne
Paprika mit Knoblauch
schnittlauch
Weißbrot
Schwarzbrot
Der feine Regen hörte nicht auf,
Kriegslandschaft kurz vor dem Städtchen
das wir bald anzünden werden
SCHEISS BENZIN
WO IST DAS SCHEISS BENZIN
haben’s gebraucht für die fünzig kalten
die fliegen jetzt zur sonne zur freiheit
BENZIN ICH BRAUCH BENZIN
STEIN BRENNT SCHWER
der feine Regen slawonisches Meer der Schlamm unterm Stiefel
hinter dessen dichten Netz erahnte ich meinen Opa,einen schwarzen,kleiner und schneller werdenden Schatten,je mehr wir uns der Bergspitze näherten.Er lief den ganzen Weg vor mir her ,immer kurz vor dem Verschwinden hinter dem schwarzen Regennetz.Ich wusste schon gar nicht mehr,wie lange ich schon heulte und warum.Vielleicht weil mir die kurzen Füße wehtaten,oder weil mein Opa drohte zu verschwinden,oder weil ich den Regen für Tränen hielt und ich mich falsch erinnere. DAS BENZIN
BRINGT BENZIN
Wir liefen schon drei Tage,vier Stunden-eher zehn Minuten,aber davon wussten meine kurzen Beine und meine schnelle,schlechte Erinnerung nichts.Ich war Fünf und Fünfzig,liebte meinen Opa den jugoslawischen Partisanenheld und Ungerngeneral und wollte unbedingt mit ihm Schritt halten.Glücklicherweise regnete es so stark,das man weder meine Tränen noch meine vollgepissten Hosen bemerken konnte.Es wäre auch niemand zum bemerken dagewesen,die Landstraße war leer,der Regen hässlich so wie die Erinnerung an den Berg.Die Leuten mieden die Strecke auch bei besserem Wetter.
Mein Opa hat mich nur einmal in dem "besseren"Deutschland besucht,seit unserem Spaziergang im Dauerregen wusste ich,dass sein Besuch nicht mir,sondern seinen Freunden galt.Seinen Freunden vor denen er sich verneigte in diesem Weimarer Regen,vor den nackten Grundrissen auf dem Ettersberg.Buchenwald.
Wir standen zwei Stunden vor diesen nackten Barrackenfundamenten und heulten wie Hunde.Mit Ton,laut.Er wegen seiner Freunde,ich wegen meiner vollgepissten Hose und der Scham.Vielleicht heulte mein Opa auch vor Scham des Überlebenden,des Siegers,des Weimarbesuchers.Dieser Regen,der unendliche Weg durch den Buchenwaldregen(den es so gibt,und der so genannt wird) die leeren Fundamente und das Hundeheulen sind meine einzige Erinnerung an den Besuch meines Opas.Jahre später war ich noch einmal auf dem Ettersberg und habe dort einem Klassenkameraden im Seiteneingang des Krematoriums vom KZ Buchenwald
die Fresse poliert.Er hörte nicht auf in der letzten Reihe während des
Augenzeugenberichtes,laut wiehernd,Zisch-und Würgeräusche zu machen,bis ich ihn
zur Tür heraus,eine Treppe hinunterstoßend,vor der verrosteten Ofenklappe mit
mehreren Schlägen ins Gesicht zum Heulen brachte.Danach ging ich zu den
Barrackenfundamenten und wünschte mir einen starken,schwarzen Regenschauer.
Sie zündeten das erste Haus an.
Es summte.
Wie ein Bienstock.
Frauen und Kinder
Ich schaltete meinen Walkman an
A JA KAZEM A A TO JE AMERIKA
In einer Gefechtspause starrte ich auf das dunkle Wasser des Flusses.Ich stellte meine Augen unscharf,wie ich es mit acht Jahren in der dritten Reihe meines senffarbigen Klassenzimmers tat,um die zugeschneite Straße NARODNIH HEROJA unscharf schönzusehen,hier am Fluss tat ich es,um meine Uniform nicht erkennen zu müssen und weil seit Tagen aufgedunsene Leichen,ihre dicken Bäuche wie Walrücken auf dem Fluss glänzend,an meiner Gefechtsstellung vorrübertrieben.Die Leichen waren meist Bewohner aus der gegenüberliegenden Stadt(was ich später erfuhr),die von ihren Nachbarn nachts aus ihren Betten geklingelt wurden und ein,zwei Stunden später am Flussufer durch einen Genickschuss erschossen wurden,zuvor mussten sie entweder Pisse trinken,häufig Autobatteriesäure,mit viel Glück wurden nur ein paar Zähne rausgeschlagen,das Kinn zertrümmert,jedoch nur wenn man eine gute Nachbarschaft pflegte.Die Kugel am Flussufer in Genick war immer das Ende.Obwohl ich die Augen unscharf gestellt habe,sah ich wieder einen aufgeblähten Bauch vorüberschwimmen,ich wünschte mich in mein senffarbenes Klassenzimmer in der Gleimstrasse zurück,hier am Ufer des Flusses meiner neuen Heimat die Bäuche zählend.In Spätsommer Einundneunzig hörte ich auf meine Augen unscharf zu stellen,ich erblindete für genau ein Jahr,das erste was ich danach sah,war der Trockeneisnebel zu einem Killing Joke Songich glaube es war Love like blood es ist sonnabend und ich fahre s bahn
in Hamburg oder Belgrad und denke dies und das
nach vorne und hinten
es kostet mich
zweineunzig
für nenn zehner
fahr ich gleich durch ans
Kaserne,Belgrad 1991
Die bringen mich um.Die junge Stimme kam aus dem Metallbett in dem ich lag.Die bringen mich um.
Er weinte.
Sehr Leise.
Die bringen mich um.
Ich saß unter ihm,auf dem Metallbett.
Was hast du denn
Er hörte auf zu sprechen.
Nur mit dem Weinen konnte er nicht aufhören.
Was ist los
Die Kaserne befand sich auf einem Berg oberhalb der Stadt die schwieg
Kann ich dir helfen
Er wurde still.
Ich finde das auch alles Scheisse
Scheisse.
Die bringen mich um
Er deutetet in Richtung Schnapsflaschen
behaarte Affen in Tarn singen
IN DER NACHT SCHNEIDEN WIR EURE KEHLEN DURCH UNSER EINSCHLAFLIED EUER BLUTEN SCHNAPPEN RÖCHELN
MOSLEMVOTZEN SINGT UNS VOM MOND
RRRR RRRR Sturmgepäck. Fettiges Haar. Schwarze Zähne. Fleischkonserven. Warum denn
Ich bin Moslem
Das werden die nicht tun
Ich stand auf und stellte mich neben ihn
So stand ich neben ihm,sechs Stunden wach,das Bajonett griffbereit unter seiner Decke
ICH SCHLITZ DICH AUF FETTE SAU
bis am nächsten Morgen ein Offizier die Rekruten aus dem Schlafsaal holte und mich
mit den Schnapsflaschen
Fettigen Haaren
SCHNEID DICH AUF
Leeren Fleischkonserven
DIE AUGEN ZUERST
Zähnen
DEINEN SCHWANZ
Sturmgepäck alleine ließ.
ich schreie,poliere einem bärtigen die Fresse
ich scheiss auf euer land in dem alte votzen in nerzen tanzen/während ihnen ein kommunistenarsch märchen vom himmlischen serbischen volk auftischt/ich scheiss auf euer Land das immer sein maul hält/während präsidentensöhne mit segelohren zigaretten dealen und millionen verdienen/und meine brüder in sarajevo krepieren/ich scheiss auf euer land in dem goldkettchen pimmelärsche mit dicken jeeps meine altersgenossinnen ficken/während ich mir einen selber blase in meinem verfickten neubau vor MTV hockend/ich scheiss auf euer land in dem ich nie das meer sehen werde und mir höchstens nen tripper in der donau hole/ich scheiss auf euer land das keinen krieg führt nur jede woche seine kinder auf dem zentralfriedhoff stillheimlich verscharrt/ich scheisse auf euer land in kühlwagen mit der aufschrift jugoexport seine morde entsorgt/ich scheisse auf euer land in dem seine nationalspieler die hymne nicht mitsingen weil sie nicht wissen wie ihr verficktes Land gerade heisst/ich scheiss auf euer land in dem popen panzer beweihräuchern und angeschwulte papasöhnchen beim aufgeschäumten capuccino sich vorstellen sie wärn videokunstkacker in berlin/ ich scheiss auf euer land in dem meine mutter von der küchendecke hängt/krepiert vor trauer um nen verfickten menschensozialismus/ich scheiss auf euer land mit dem roten stern oder den vier heiligen s im kreuz/ich scheiss auf euer land in dem ihr eure kinder für euren verlogenen patriotismus dem tod verkauft/ich scheiss auf euern yugo und den fića und das meer und eure schlager und grandprix und den dinar und die dinara und die schönen frauen und die lauten trompeten und den fussball und den basketball und das brot und das salz und die erde und die sonne und das meer und den himmel und die demark und den euro und die flüsse und die berge und tito und milosevic und den burek und den jogurt und das vater und das mutterland/ich scheiss/ ich scheiss drauf/ich scheiss drauf/ich scheiss
zweiundzwanzig
eine nachricht von esad meinem freund aus prijedor
22 hieß das jahr da kam
das ende
das fieber
frass ein jahr noch eine milchstrasse
so hoch die zahl der kalten
die meere waren deswegen leer
ohne Menschen darauf oder darin
die Mutter der Vater der Sohn
noch erkannt am kiefer
für den kiefer
den billigen
holzkiste statt kalk und plastik
restwürde für Vater Mutter Sohn
herausgeklaubt nach Jahren
zwei jahre oder mehr seit das
fieber belacht das leben frass
herausgeklaubt nach Jahren
Vater Mutter Kind
aus fremder hand
hart der griff seit jahren
zweimeter fünfzig unter meeresspiegel
der rest ist erde
verklebt mit rot und braun
geronnene erinnerung
mein bahnhof bei PRIJEDOR unüberdachtes glück vor jahren
in den nächten fahre ich
am tage zähle ich
die langen stunden
bis zur nacht
nummerierte knochen und
halogensonnen an der grube
neben der drina,der spree
dem weltmeer ohne wärme
im traum zähle ich
silberne fernsehtürme in der puszta
sechs jahre alt fahre ich
nach Hause In den Süden zu
den partisanen mit bazooka und micky mouse
noch lacht mein
vater ohne krebs
in der blauen tüte
knochensplitter und ein
panninibild von gattuso
laut bericht des experten
wir öffnen die fenster
ak 47 grenzer glotzen
hundert köpfe glotzen
zurück auf bewaffnete
arbeitersöhne selber arbeiter
aber bei siemens oder bosch
das ist der Sprung von Qualität in quantität Marx und Peepshow oder geile Omas
der Sieg ist eine historische Norwendigkeit für peeping Tom und Sims und Bosch in die tote puszta
gesungen wird aus arbeitermündern
von Siemens Bosch und Scheer
das lied von tito
von unserer heimat
leuchtet im staub
neben der drina der spree
dem Weltmeer ohne wärme
unter der schwarzen erde
versteckt und kalkweiss
knochen und kiefer
niemand lacht mehr
im sommer Zweiundzwanzig
nach dem fieber
besuchte ich die meine
freunde in der siedlung
ankunft ungewiss
in den nächten fahre ich
am tage zähle ich
wenn s fast nicht mehr geht
tanze tanze tanze im club wo sonst
moldawierinnen für herrenmenschen
an stangen kleben,denen gefällts
erinnert sie an den mai in višegrad
als sie ihre klassenkameradinnen
aus der 11b im hotel RUZA NA DRINI
sonne mond und sterne in brust und geschlecht schnitten,deren haut nun ihr liebesbaum vom park am fluss
ESMA AZRA JASMINA LIEBT STEVO PETAR NIKOLA
trägt die haut für immer ewig
ROSEN VON DER DRINA
ich tanze den solopogo
in der disco in der ich 84 tanzte
diesmal allein der rest spricht italienisch
rufe meinen schönen toten zu:
springt
allein solange
die kraft reicht
für drei
ausgewählte lieder
beim letzten sprung
träumtdavon
mit dem kopf
die discokugel
die falsche sonne
ja!
sie splittert über uns
tausendsplitter um
zu zerschmettern
unseren Kranken leib
im leeren saal
und dann spielten sie
šal od svile von haustor
die betten schon seit wochen
jahren kalt
leer,kalt das gestärkte laken
was drauf lag nun wurmfrass
unter die lehmerde gebaggert
an der drina einst weltmeer dank nobel
im Jahr einundwanzig nach
dem fieber
Traum.
Ich fliege nach Bosnien
Ich muss nach Sarajevo. Ein riesiges rostiges Schiff liegt mitten in Sarajevo -ein gestrandeter Hochseedampfer in der schmalen Miljacka färbt mit rostfarbene Wasser die Stadt ein. Ich muss ein Buch für ein Projekt in der Stadt suchen. Leute rennen weg, wenn sie mich sehen. Ich betrete die Cevapcinica und frage nach meinem Cousin, der während des Krieges getötet wurde, mitten in Sarajevo und ich kann ihn nicht finden, den Mörder meines feinfühligen friedfertigen Cousins aber ich lecke trotzdem lustvoll das beste Karamelleis (so wurde es in den 90ern im Schaufenster angepriesen, als ich das letzte Mal in Sarajevo war) und dann töte ich den Konditor...den freundlichen,weltmeisterlichen Eismacher.
Ich gehe die Marschall Tito Strasse entlang, ich zähle fünf Kugeln, ich habe noch fünf.
Ein Mädchen kommt auf mich zu und küsst mich.Ich erkenne sie und töte in selben Moment einen Mann neben ihr,
Ich glaube, er hat meinen friedfertigen Cousin gerötet, zur Happy Hour an einem Freitag im April 1994. Ich renne zu dem rostigen Schiff, es liegt im Herzen von Sarajevo gegenüber vom Opernhaus
aus dem seit seiner Eröffnung 1869 nie wieder Musik erklang.
Plötzlich bin ich am Meer, der Adria.
Mein Schiff liegt nun inmitten vieler Schiffe
Sie sind alle Wracks,unter ihnen färbt sich
rotbraun das Meereassee,der Schlamm. Inschriften auf Schiffen.
Koreanisch.
Ich frage mich.
Warum:
Ich habe nur zwei Kugeln.
Ich weiß nicht, wo und wann ich getötet habe.
Ich bin froh, dass das Meer wieder blau wird, nur die Schiffe ändern sich nicht, sie faulen in stiller See.
Ich schaue zum ersten Mal in den Himmel und ich weiß genau an diesem Nachmittag
im Juli in R. 1987 dass es einen Krieg geben wird Ich zähle die Kugeln.
Ich habe keine Kugeln mehr
weiß nicht wen ich getötet habe
wann und warum. Verrückt vor Unwissenheit.Ich glaube mich selbst, aber es gibt kein Blut
Der Kopf hat kein Loch, alles ist da.
Töte mich selbst, nichts bemerkt.
unter der Nachmittagssonne
Die Schiffe liegen still ...rostbrauner Schlamm du hast nach mir gefragt, hast dich gesetzt
auf den weissschwarzen Zaun.
Wann
kommt Mischa
Ich wache auf.
Der dritte Traum ...
ein Ozean ohne Himmel
in den Eingeweiden des Schiffes
jemand weint im Panzer
rotbraun das Meerblau,Schlamm. Inschriften auf Häusern
Ich frage
Warum:
Nur zwei Kugeln.
Ich weiß nicht, wo und wann ich getötet sagt Esad
Sei froh, dass das Meer wieder blau wird, nur die Schiffe ändern sich nicht,
sie faulen in stiller See.
Sagt er mir. Flugzeuge.
Ich schaue zum ersten Mal nach zwei Wochen in den Himmel und ich weiß genau an diesem Nachmittag im Juli 1991 dass es einen Krieg geben wird
Ich zähle die Kugeln.
Ich habe keine Kugeln mehr
weiß nicht, wen ich getötet habe,
Ich glaube mich selbst.
Töte mich selbst, nichts bemerkt.
unter der Nachmittagssonne,nur Traum nur Traum Die Schiffe liegen still ...rostbrauner Schlamm Esad
du hast immer nach mir gefragt,in unseren sommern hast dich hingesetzt
auf den weissschwarzen Zaun.
in unseren Sommern
Wann
kommt
S
fragst du zart meine oma
mein bester Freund
halb deutsch halb unser,halb meiner
Ich wache auf
ohne Himmel
in den Eingeweiden
des Schiffes,
jemand weint.
Militärgefängnis Sarajevo 1987
Der OFFIZIER schlägt mir ins Gesicht
wie ein faules holz
treibst du vor dich hin
die sonne über dir wärmt
nicht mehr
zu tief
die löcher darin
vollgesogen
stehend
das wasser
fault alt
mit den jahren in die seitenlage
geraten treibst vor dich hin
bis eine zarte hand dich greift
innen zu
aussen
wendet
dich wärmt
ihre hand nun sonne
in meiner fresse
schlägt mir mit dem hammer
made in bugojno jugoslavija
die zähne aus dem mund
ich bin nun faules holz
das treibt nur so
vor sich hin
unter kalter sonne
ich wache auf im militärgefägnis
pale bei sarajevo
budi mi sjećanja
izadji iz mene
das licht geht nie aus
weiss die neonsonne
unter ihr liege ich faules holz
treibe vor mich hin
zwei rippen gebrochen
die hoden faustgross
die antworten falsch
die schläge gekonnt
die sonne über mir wärmt
nicht mehr
zu tief
die löcher
ich hoffe auf eine zarte hand
die mich greift
das innen und aussen wendet
es wärmt die hand
wie eine sonne
die tür geht auf
an diesem tag
werden noch zwei rippen
brechen knacken
wie faules holz
darin das wasser
fault alt
im august 1987
sarajevo erinnerung aus kristall
sarajevo gemacht aus schlamm
und schnee
izadji iz mene
izadji iz mene
der OFFIZIER wollte Sterne sammeln mich enttarnen als eingeschleusten Spion des militärischen Abwehrdienstes der NVA bringt ihn weg er fault schon dafür kriegen ich nur noch einen halben
Stern. Sein grösster Spaß war mich zwischen den Verhören grün und blau GESCHLAGEN GERSPUCKT
in die Kantine des Militärgefängnisses zu schicken das bier danach nannte er es wir tranken Bier
redeten über Partizan Belgrad unseren
Lieblingsverein ARMEESPORTVEREIN
Auf einem der Biergänge konnte ich unbeobachtet von einem Münztelefon aus AUS meinen Opa in Belgrad anrufen, sein Partisanenkurier war Generalsstabschef der jugoslawischen Volksarmee
und ich am nächsten Tag frei, der Offizier sitzt jetzt in Norwegen lebenslänglich:
Srebrenica.
1991 ein rotes Hochhaus
in Belgrad
Vier Uhr am Morgen
Bist du
Ja
Zieh dich an
Warum
Halts Maul
Leck mich
Pass auf Votzenfresse
Unterschreib
Leck mich
Würden Sie bitte unterschreiben
Gerne
Ich komme nicht mit
Halts Maul
Entschuldigen Sie,wir sind schon fünf Stunden unterwegs Ich verstehe das schon.Einen Kaffee,Kinder Nein danke
Wir müssen weiter,zieh dich an
Ich komme nicht mit
(flüstert) Wenn du nicht willst,das wir dir vor deiner zauberhaften Grossmutter in die
Eier treten,deine Pimmelfresse korrigieren und alle Knochen brechen ziehst du dich
jetzt an,Votze
Sascha bitte
Entschuldigen Sie,wir sind schon sehr lange auf den Beinen Doch lieber einen Tee,Kinder.Kamille vielleicht
Nein danke
Brauchst nur Hemd und Schuhe anziehen,Pyjamahose kannst du anbehalten In spätestens einer Stunde hast du sowieso eine Uniform an.
Genau um drei Uhr Morgens standen zwei Militärpolizisten in meinem Zimmer,einer richtete seine Taschenlampe in mein Gesicht,während der andere mit einem zerknautschten Zettel vor meinem Gesicht herumfuchtelte.Ich wusste genau was für ein Zettel das war,wegen diesem Zettel schliefen alle meine Freunde schon seit einer Woche nicht mehr zu Hause,oder ließen sich von ihren Eltern vor den nächtlichen Besuchern verleugnen.Meine Großmutter verleugnete mich nicht.Sie bat die Militärpolizisten in die Wohnung und führte sie direkt in mein Zimmer
Ich bin so stolz, dass sie meinen Enkel, den Sascha Liesst gerne die Schwuchtel
Hier steht Regiestudent.Filmregie?
Nee,Theater
Kennste Cveja,Gagi,Miki?
Ja.Nein.Ja.
Beeil dich, jetzt noch die Schuhe
Hinter ihrem Rücken sah ich meine Großmutter vor Glück weinen.
Kannst sie im Bus zuschnüren
Ich stand mit den beiden Militärpolizisten vor einem Reisebus der Firma Lasta(Die Möwe) und Blut tropfte auf meine Pyjamahose.
Im Fahrstuhl haben Sie mir siebenmal auf die Fresse geschlagen.
Für jedes abgefahrene Stockwerk einmal.
Die Reisebusfenster waren grossflächig mit schwarzer Folie verklebt.
Die beiden Militärpolizisten stießen mich in die blinde Möwe.
Sieben armselige Gestalten,wie ich, nur in T-Shirt und Pyjama gekleidet,
mit aufgedunsenen Gesichtern, blutigen Nasen und schwarzblauen Augen sahen mich an.Ich stand vor dem schwarzen Monolithen,unter mir wuchs ein kleiner roter See,der Rauch der Sarajevoer Marlboro von den Militärpolizisten stieg in meine zertrümmerte Nase und ich hatte keine Lust mehr aufs Leben
JULI 91
Eine Panzerhalle in Belgrad darin ein Stück Fleisch
nutzlos und nackt
das Maschinenöl
unter den Füssen die Pisse, schwarzes Benzin
es riecht nach Maschinen
hinausgefahren
stählernes Bienenvolk
brüderlich gebaut in Panzerhallen
die nun Augen schneiden
Glieder schleifen
In der Betonhalle darin einStück Fleisch unter den Füssen die Pisse, schwarzes Benzin hat seinen Namen vergessen seine Orte die Warmen
an den Meeren den Busen
den geliebten
vergessen
In der Betonhalle darin ein Stück Fleisch unter den Füssen die Pisse, schwarzes Benzin nackt und hofft
das Regen fällt aus dem Stein
Betonhimmel öffne dich
fall auf mich
kalt
dass die Lunge brennt
Krankheit mich erlöst
In der Betonhalle darin ein Stück Fleisch unter den Füssen die Pisse,schwarzes Benzin steht schon Stunden dort
seit die Maschinen auf Reisen gingen
kein Tropfen fällt
trocken die Haut
die Lunge atmet
In der Betonhalle darin ein Stück Fleisch unter den Füssen die Pisse, schwarzes Benzin die Uniform neben ihm olivgrün sein Pyramidenbau
zu Belgrad im regenlosen
Juli
In der Betonhalle stehe ich
und ziehe das olivgrün an
steige in den Panzer
nebo plavo je