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sascha (saša ) hawemann/regisseur&autor: textwerkstatt/tekstovi

  • Texte

  • Tuzla

    prvog maja pred rat


    sećam se

    sećam se tuzle visokih solitera
    krive reke tople noći neznih
    reči znali smo da nam je pripala
    samo jedna noć i sijali smo
    i padaju zvezde kao u pjesmi
    na nase vlazne usne i vrelu kozu
    i ljubimo se pod crnim nebom iznad
    krive reke bez imena još bez krvi
    pricali smo jedan drugome
    ono sto zelimo i ono
    sta sanjamo da budemo
    i gledali reku i gledali jedan
    drugog kao za ceo jedan zivot
    pola sata pre nego sto smo sanjali
    zeleli i ljubili u klubu u tuzli
    je izbila tuca krvava
    cetnik mater mu jebem
    balija jedi govna
    vadi noz vadi bokser
    oboje smo pobegli na ulicu
    poceli da delimo strah
    prepoznala naglasak odmah
    beograd
    da a ti
    tuzla tuzlanka
    jel te strah
    ne nije nisam cetnik
    onaj unutra jeste
    vrijedjao ljude vadio noz
    plesao uz REM ne razumem
    tiho tiho ti ajd samnom
    i ona me povede na uzvisicu iznad
    rijeke ukljestenu medju belim
    soliterima da pricamo da gledamo
    zvijezde naše oči
    ajd beograde
    da se ljubimo
    jel te strah
    ove noci ne
    ove noci cemo se ljubiti
    seviti voljeti samo jednu
    noć ti ćeš me lizai ja ću
    ga osćati duboko u meni
    i pusticemo naše sokove
    pod zvijezdama da se slivaju
    na zednu zemlju znacemo da
    je ova seva prva i poslednja
    kao nas kratki susret
    a ovaj ce grad tonuti u
    san pa u vatru za godinu
    dana zbog noza
    zbog boksera
    zbog nemih
    starih reka
    punih
    soli


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    19. Januar 2025

  • ÜBER PUNTILA MATTI UND MARGARETE

    Margarete Steffin legt in einer Blutlache. Matti liest Zeitung.Puntilla fährt seine Tochter mit dem Studebaker durch seine Wälder,sie singt mit dem Autoradio mit.Eine Panzerkolonne.

    MARGARETE:
    Hab die ganze Nacht nur blutgekotzt und liege nur noch im Bettblut an meinem kleinen roten finnischen See
    und er liest die Weltzeitung
    ändert sie nur noch aufm weissen Papier
    bin nur der rote Lungendreck darauf ein
    Schatten auf deiner weißen dünnen Haut
    Matti Bert…magst schnelle Autos mehr als lahme Mädels wie mich oder die eigne Birne Helene
    Ich konnte deine Handschrift immer so gut leiden sie nie
    Ich muß eine wunderbare Zeit gehabt haben mit dir
    da in Deutschland
    wo die freien Künstler avantgard
    über Nacht zu Nazis Mitjoggern werden
    klassisch kalt der Blick auf schwarze Zahlen hinweg über
    die Verfolgten die Ängstlichen
    meist aus dem Osten dem Süden
    Ich bin erstaunt, wenn mir im finnischen Eis das Mädchen sozusagen entgegentritt, das ich damals gewesen bin.
    Es konnte natürlich nie gut ausgehen, Bert oder Matti
    Ich trenne nicht mehr die Kunst die Wirklichkeit nicht
    uns, weil ich krank war. Auf der Brust im Himmel Stukas
    Ekelhafteste Krankheit der Welt wenn Scherz dich auffrisst. Als ich 19 war, gingen wir im Wald spazieren. Unter jungen Birken, es war wunderschön und wir
    sprachen vom Kommunismus und -

    MATTI:
    Fickten.
    Glotzten romantisch


    MARGARETE
    Hast recht bin die mit dem Lungendreck im Exil.
    Gleich klopft der Deutsche an die Tür im Panzerwagen
    Klopf klopf und Sieg und Heil und Goethe Schubert
    brennt klassisch die Scheune ab Frauen Kinder die Fugen
    Ich verstehe viel zu wenig vom Leben also .Natürlich hast du keine Schuld Bert. Hast mir ja immer gesagt,
    „Ich habe das Gewissen eines Eisklumpens“ Hört sich ganz gut an, wenn man zusammen liegt und lacht. Du als Eisklumpen ich als Schneeflocke. Schmutz ist Materie an ungewünschter Stelle. Auftritt Puntilla
    Grossbauer
    Grossfinne

    …
    …
    …

    EIN KOMMENTAR
    denke an die vielen die deutschland verließen
    da sie zu den wenigen gehörten
    und die wenigen blieben als sie
    zurückkamen die nicht sieg oder
    heil deutsch sein über alles schrien
    gern auch innig aus dem herzen
    aus kinder oder altenmund
    da gab es keine grenze die gabs
    nur für die wenigen mit den koffern
    den halben romanen stücken bildern
    die sich den hals brachen mit blick
    aufs meer gern lavendelfeld
    oder mit halboffenen mund
    auf die decke glotzend mit strichnin
    im mund nen bessren himmel erhoffend
    aufgefunden aufgeschnitten in ein
    loch gelegt endlich nun zu den vielen
    nicht den wenigen
    angehören

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    15. Januar 2025

  • IRGENDWO BEI MANNHEIM

    die mutter setzte sie auf den tisch 

    diesen schmalen aus den ICEs

    sie konnte sich nicht aufrecht halten

    immer wieder fiel ihr der schwere kleine 

    kopf mit den grossen augen auf die brust

    ihr schmalen beine und die händchen 

    hängen wie von unsichtbaren fäden 

    abgeschnitten herunter von der kleinen

    pinocchina aus atghanistan auf den schmalen ICE tisch

    die junge frau die lippen säuerlich zusammengekniffen

    hinter dem laptop mit den vielen aufklebern und 

    bekenntnissen zu vielem sagte nur

    können sie die nicht vom tisch nehmen 

    das kleine mädchen mit den grossen augen

    auf dem hellen tisch versteckte ihr gesicht 

    und die grossen augen die alles sehen 

    daraufhin hinter ungeschickter

    fadenloser hand der ballen nach aussen gekehrt

    die zunge auf den lippen liegend verdreht der

    kleine zu grosse kopf 

    ich sagte nur

    kleb dir deine aufkleber aufs

    kalte herz das säuerliche

    vielleicht färbt was ab 

    die mutter hob die kleine pinocchina 

    vom tisch und stieg in mannheim aus

    dort gibt es einrichtungen 

    hinter mauern 

    grosse augen

    UND ICH

    heul hinterm fenster

    ich sortiere die blätter 

    meiner toten mutter für den staat der will

    steuern für konzerne die in dreck und metall 

    machen alte männer mit dürren hälsen stopfen

    sich steuerlos ihre hälse und geschütze 

    in die dürren hälse meine mutter 

    ihr letzter wille war ohne angst zu sterben

    ihre klitzekleinen geballten fäuste gen himmel 

    unterbrochen von der plattendecke made in gdr 

    im pflegeheim made by christus brd gestifteter

    seelenfrieden im kapitalen unfrieden sprachen

    von angst und kampf und

    so sterben partisanentöchter

    dachte ich nur die ikone in der hand 

    und mutter gottes trauerte im dauerregen

    am frankfurter tor einst stalinallee

    das kind in ihren armen flüstert nur

    no pasaran vergessen und vergessen

    die rechnungen klebe ich mir in die tränenreiche

    fresse und zahle mit herzwasser ihre kalten gier

    geschütze und renditen nachhaltig der dauerbeschuss

    wünsche ihnen das fegefeuer oder dialektisch eine

    revolution an den weißen dürren hals unter teurem hemd 

    der gierigen der drängler und mahner

    ihre zahlen zerfallen zur asche wie meine mutter 

    sie stopfen sich das geld in ihr kapitalistisches

    schlundmaul oder auf die taurusrampe 

    schiessen

    laut um ihr 

    schmatzen 

    zu 

    übertönen

    irgendwo

    bei mannheim

    hinter mauern

    kippt das kleine

    mädchen um

    eine frau sagt

    nur

    du

    schaffst

    das

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    15. Januar 2025

  • tri : snovi

    JEDAN
    pamtim
    sećam
    sanjam

    DVA
    zalim
    zelim
    mislim
    TRI
    bila
    jedna
    sreća
    sanjao sam 

    NEKO DRVO
    NEKU REKU
    san: u jednoj sobi sa drugim ljudima / iako puna ljudi
    bezšumna samo se čuju razna srca/tiha uplašena uzarena
    snazna setna umiruća / ispostavavlja se da je
    bela bolesnicka soba / nitko nije ocigledno bolestan /svi su nekako tuzni sklupcani i lezeci ćute
    nitko ne prica /samo se pogledima sprorazumevamo osecanja preplavljuju mene / trazim pogledom svaki delic tela / vidim samo nj.glavu kratko podsisanu / zelim da je vidim u potpunosti / uvek neki pacijent zaklanja pogled / dodirujem nekako njenu nogu/srce kuca sreca je velika/ulaze neki vojnici/ispostavlja se da se nalazimo u madjarskoj vojnoj bolnici usred borove šume/šetamo se kroz borovu šumu hodamo po mekanim iglicama/pozelim da nikad ne prestane hodanje/jedna šopava lisica donosi granje i polaze ga usred šumskog puta/lisica stoji i gleda u nas.

    HLADNI EKRAN
    TIHA ŠUMA
    boja ociju
    vrat glas
    polomljeno
    skroz gledanje
    citanje slusanje
    put pod suncem
    hladna vrata
    nebo brod
    knjiga slana
    drumovi daleki
    uspinjanje mali
    prozor pogled iz
    zgrade staklo palme
    soba snovi cekanje
    prazno do
    mene obris senka
    hladna koza vrela
    mekoca bes staro
    daleko unutar
    nestali svijez
    pre
    pre
    pre nego sto su
    nam umrli ocevi
    i majke

    sanjam godinama decenijama / gde sam,ne zelim biti,ali moram/selim se nocima,gde zelim biti/volim se ljubiti ne ljubim se/ ne moram i nije prazno i zakljucano/sreća /nije kamen sam pod svodovima / grumen zemlje u
    rucima pod jednim drvom starim punim plodovima
    jedno je dva/voleo sam dva/ostao jedan
    gledam san

    TERASA PRAZNA
    NEKI STARI NEMI BOR
    sedim u nekoj senci,sklanjam se od sunca.ispred mene 
    umorno od noći,lezi podno nekih stijena podnevno more,to je vrijeme kad svijet utihne,kada se čuju otkucaji srca iza zakljucanih,od morske sole nagrizanih dveri i spuštenih drvenih roletni,koja od smrti izgraditelja i utemeljivaca gube iz dana u dana svoju boju.prilepsku. cujem u blizini škrabanje po vlaznm papiru,s vrijemena na vrijeme škrabanje prestane, kucanje srca iza zatvorenih brava i solom netko u nekoj senci jednog bora.mijesto gde volim da sedim,da osluškujem svijet,gde prsti dodiruju tanko, prsti znaju da ispod zivi moj strah neka duboka noć, tvoje srce ponekad kuca,od gneva,straha.sedim u senci velikog bora i gledam podnevno more,vrijeme kada svijet utihne
    strah i gnev skupa
    valovi
    gledaj
    sunce

    BOSONOG
    VRELE STENE

    volim da gledam kroz prozor oduvek sam gledao kroz
    prozore gledao brda šume gradove planine sela reke more.
    zivim iza prozora nadohvat zivota nadohvat brda šuma mora ostajem nadohvat jedino oci ulivaju
    nadu bez dohvata zatvoren iza stakla
    pravougaonih ili okruglih

    PROZOR AUTOBUSA
    PROZOR VOZA

    iza prozora
    san
    sommer
    nacht
    traum

    SOBA SNOVA
    MIRIS DVOJE

    sinoc sam sanjao more
    mene na starom drvenom camcu
    kao mladog ribara
    moga dedu koji izlazi iz jedne sobe
    bio je skroz garav
    izgledao kao da je izgoreo
    sedeo sam pored nje
    camac se ljuljao zbog nemirnog
    mora odjednom je mesto buknulo
    u plamenu ja sam nju gledao
    polako sam goreo do belih kostiju
    osetio sam njen dodir dira sve u meni
    kad sam se probudio
    koza mi je mirisala
    na dim i smolu

    BRDO POD ZVEZDAMA
    SMEDJE I ZELENE

    moja mama lezi potrbuske na belom platnu
    izgleda kao neko staro dete
    usta su njoj poluotvorena
    i naizmenicno izlazi krv ili
    maslinovo ulje iz usta
    zapravo šiklja iz njenih usta
    ja nju prekrivam drugim platnom
    odjednom plivam u bezbojnom moru
    neko me nezno grli oko vrata
    ne vidim ko vidi se morsko dno
    zbog prozirnog mora razne ribe i jedan neboder
    iz zg,neboder koji sanjam
    vec 40 godina koji nikad nisam
    video i samo znam da je u
    gradu sada pod vodom u dubini
    šuma drvece od kamena dvoje
    zagrljenih šetaju u dubini
    mora,ja gledam sav u
    ulju i krvi

    ISPRED BRODA
    KUCA SRCE

    bilo nas je sestoro
    nasli smo se u jednom malo mestu
    usred zime.bura kiša i jedno jato
    svetloplavih ptica koja su pevala
    jugoslovenske pop pesme. ptice su
    padale sa neba,nas šestoro je trebali
    da snimi film a nismo znali koji.
    ponekad bi dosli neki ljudi u naše
    prazne kuce i zahtevali od nas da ih
    prodajemo.ja sam jednog lopatom razbio
    glavu i jebao mu mater fasisticku
    gledao me pelikan poprskan krvlju
    zaronio u sivocrno more koje je
    od teske crne zemlje
    trcim ka njenoj kuci
    nalazim samo sest kofera
    u jednom je zatvoren
    mali grad mali kao
    model koji mirise na …,
    i kišu,stare zgrade,borove
    autoput i vreo vazeuh
    mediterana u podne

    SAN DA SANJAM
    NE SAM

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    22. Dezember 2024

  • Weihnachten

    werden sie mir fehlen/ mein vater/ meine mutter/ werde ihre namen lesen/ kalt der stein weiss/ darunter leben sie nun/asche auf erde/nun regnet auf sie/ trauer/ tropf um tropf/ die hoffnung dass tannenzweige ein haus sein können/ unter dem sie liegen und sterne sehen/ leuchtet hell/ durch die erde hindurch/ der grosse wagen schaut

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    16. Dezember 2024

  • Pod vodom

    je tiho. pogled sa prozora na more pod vedrim hladnim nebom,drzim ga u sebi,negde se nastanio kraj pluća ispod srca. iznad mora. prostori su tihi,prigušeni koraci.sve je tiho, u miru.

    neko me pitao zašto stalno pominjem more
    ja se setim kako stojim satima gol ispred
    sveze okrecenog zida i neko mi gura staru
    krpu u anus „za ovcjake da te nadju“
    ja se setim kako me policajac udara drvenim
    pendrekom po glavi i kako se dere
    „ovaj je iz 39te godine i dere govna kao
    što si ti i jednim udarcem mi izbije dva
    prednja zuba 83e ne 38e i ja zamisljam
    more i kako se ljubim dok me tuku rastavljaju
    guraju nesto u anus cipelare i farbaju mi
    ud krecom zamisljen curi mi krv niz
    noge na pod glavne policijske uprave
    ostberlin lezi na moru

    koza slana topla meka tvrda vlazna slatka vrela mirisna noćna

    ima moć traje ne prestaje prozima skroz u skroz zvezde dubine

    metak po metak gadjam nebo da ne bi razneo ljude
    stare mlade ne brojim metke koje lete kao mušice
    oko moje glave oko mog šlema ja sam se upišao u krute sive pantalone u nekom slavonskom polju gadjam nebo koza moja je hladna ledena od straha drkam u otuznu zemlju po uniformi se sliva po upišanom od straha popucanu zemlju jebe šlem smrt jebe strah srce pod hladnom kozom strah od zivota po čahurama po metalu u poljima rafalna paljba sa druge strane tamo neko gadja nebo metak po metak po suncu netko stoji na čaurama
    bosonog krvav spaljenih tabana
    ispod velikog sunca
    neprobudjen

    san se ponavlja udvojen zivot mesta su druga nisu tudja

    iza borova zive deca sretna su kao ono dvoje koje sede u

    šumi i gledaju sobu punu knjiga

    sanjam svaki dan poceo sam da sanjam otkad znam 
    za svoje ja a to prvo ja je sanjalo smrt
    smrt je zivela ispod mog krevetica i mirisala je
    na smolu otad sanjam i mirisem smolu svaki dan
    moj zivot je san pre nego sto je saznao za reci
    za svijet uvijek sam sanjao beograd more jednu
    devojku ulice parkove kioske koje lete ljude koje mi otkidaju kozu čizme koje jedem zemlju koju gutam koja
    ima ukus crvene zemlje pomešane sa kredom
    hvatam zrak i krijem ga u dzepovima na granici
    niko ne kontrolise skriveni zrak kad ga krišom
    dišem u gradu u kome sve miriše na ugalj
    i snijeg osecam toplinu jedne stijene
    koja stoji usred mora
    na koju stane samo jedna
    umorna glava koja sanja
    smolu i smrt
    i njezni talasi
    lagano doticu
    glavu slanim
    morem kao
    najneznija
    ruka
    ikad

    gledaj kroz prozor

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    23. November 2024

  • SISTERS (Guten Morgen ihr Schönen)


    frei nach Maxi Wander
    
    
    
    
    




    BIRGIT,Autorin
    THOMAS, Autor
    KATHI, ihre Tochter 17
    MARGOT,Physikerin 30
    GUDRUN,Schülerin 17
    ROSI,Sekretärin 32
    RUTH,Kellnerin 28
    PROFESSOR, Onkologe 38

    Ostberlin 1977-1981GLUTSTERNE/ DUNKLE NACHT IM DEZEMBER 1980
    (B auf dem Bett mit Manuskripten.)

    BIRGIT
    Hallo! Könnte ich bitte eine Schreibunterlage bekommen? 

    PROFESSOR
    ham wir nich

    BIRGIT
    Das ist meine Situation
    Eine Autorin Anfang 40 mit Knoten in der Brust/ rennt Woche um Woche zu den Ärzten.Keiner weiß was. Keiner sagt was. Da stimmt doch was nicht. Eine Frauenärztin in Pankow sagt nur: »Das müssen wir im Auge behalten! Fremdkörper abklären. Und gibt mir eine Salbe, die ich auf die Brust schmieren sollte. Und warten / warten in Pankow warten in der Charite 
    Überweisung an die Charite / eine ganz junge Ärztin, Sächsin, betastet den Knoten in meiner Brust und sagt was von Mammographie . „Ich will den Chefarzt sprechen, Kann mir hier jetzt endlich mal jemand sagen was los ist mit mir“? Nach drei Wochen schaut sich der Chefarzt das an und sagt: 'raus muß das auf jeden Fall!« Und verschwindet. Die haben keine Zeit, keiner  hat hier Zeit. Hab ich die denn noch? „beruhigen sie sich,fahren sie in den Urlaub Bulgarien CSSR und schmieren sie sich die Salbe drauf dann werden wir sehen. 
    Also  Ist das jetzt Krebs oder nicht

    PROFESSOR
    Ich kenne jetzt fünfzig Frauen, bei denen es Krebs war, und fünfzig, bei denen es kein Krebs war. Wissen Sie, nur bei der der einen Hälfte ist es Krebs, bei der anderen Hälfte ist alles in bester Ordnung.

    BIRGIT
    Und was fang ich mit diesem Wissen an? Mein Manuskript über Chemieseen in Wolfen hat keinen Verlag, ist ungebunden, so kann ich nicht arbeiten. Ich brauche eine Schreibunterlage!

    KATIE
    frauenklinik. Charite 1980 die frauen mädchen am fenster / die kalte spree kriecht durch das marode fenster/ das mädchen mit dem zerstörten geschlecht zeigt ihre zunge / die losung auf zum 9. parteitag hängt von der zentralen poststelle auf einem schwarzen schneeberg / die synagoge fensterlos /hannelore schläft heute nach einer woche mit ihrem mann/ der dichter richard leising liebt gebrochen inmitten von vier dutzend flaschen korn/ dt 64 spielt kampf um den südpol von der stern combo meissen / in der schoppenstube küssen sich vier männer/ der sohn von biermann tanzt zu cream und sein vater singt etwas in köln/ auf der spree treiben eisschollen/vater Thomas sitzt im Auto und heult, schreibt im auto die schreibmaschine auf den knien seit Prag 68 für die Schublade / die vopo verhaftet meinen freund / thomas brasch schreibt in westberlin ein gedicht / zigaretten ihre glut leuchten wie rote sterne in der nacht in ostberlin

    MARIANNE
    könntet ihr bitte leiser sein ich arbeite und macht doch mal das Fenster auf ,es stinkt

    RAMONA
    Is ja gut, ick mach auf. So, reicht.

    RONJA
    Haben Sie was dagegen wenn ich Radio höre

    SIMONE
    Aber kein RIAS SFB …übrigens hier ist alles im Arsch, die Fenster schließen nicht
    die Klos stinken, die Schwestern sind unfreundlich

    RAMONA
    Frau Mann, Sie müssen sich was in Gesicht schmeißen, so ein bisschen Action, die Typen solln sich ja freuen
    wenn sie uns besuchen, aufm Dach kann man sich ganz gut sonnen

    PROFESSOR
    Frau … Remann bitte zur OP

    POSTOPERATIV CHARITÉ 1980
    (B.wird operiert.Patientinnen erwachen.)

    MARIANNE
    Nach der OP, Aufwachraum, graue Wände im Neonlicht. Um mich herum andere Frauen, wie ich. Mir Schlauch in der Nase.
     
    SIMONE
    Flaschen hängen über meinem Kopf und ich ssehe unruhig zu, wie die milchige Flüssigkeit aus der Flasche in den Schlauch tröpfelt, in meine Venen

    RAMONA
    Ich kann nicht atmen.Der Verband schneidet die Luft ab.Die Brust ist weg! Und ich verbrenne.

    RONJA
    Ich kotze, kotze, den Rest des Tages und die Nacht / Diese Scheiße, eine halbierte Frau, wer soll mich jetzt noch lieben und ich kotze 2 Tage lang.
     
    MARIANNE
    Ich kann den Arm nicht heben. Was ist denn jetzt unter dem Verband? Ist jetzt alles raus? Kann mir mal irgendwer was sagen?

    SIMONE
    Kein Mensch, der mich beruhigt:Noch immer hat kein Chrirurg Schwester (ALLE SCHWESTER)

    RAMONA
    Die Schwester wechselt den Verband sagt: Nicht hinsehen
    Aber ich habe hingesehen /Da wo eine Brust war ist nun dicker roter Strich,ich möchte sterben
    (Alle: Schwester!)

    BAUMALLEEN / ZU HAUSE

    THOMAS
    Pablo Neruda. Hat dir Franz Fühmann geschickt. Christa konnte nicht kommen ist auf Lesereise in Westdeustchland.
    Der Verlag hat sich noch nicht wegen des Manuskriptes gemeldet

    RAMONA
    Sie sind doch Thomas Remann!? (Rudi schüttelt Hände, stellt sich vor)

    THOMAS
    Komm, Birgit, lass uns fahren. Unter den Bäumen durch die du so magst. Birgit…Ich hab deine Geschichte „Ankunft im Alltag“ zum viertenmal gelesen und ein paar Anmerkungen. Gut, aber noch nicht fertig. Das ist eine Geschichte, in der das Wichtigste zwischen den Zeilen steht, das macht ihren ganzen Reiz aus, aber dieses Zwischendenzeilen muß aber noch transparenter werden. Du hast hier als Autorin auf Anhieb dein Thema gefunden hat: die Welt der kleinen Leute

    Du gibst denen eine Stimme, die sonst keiner hört. Die kleinen Leute, Neubaugebiet, die Benachteiligten, die junge Arbeiterfamilien. Das ist super, das ist genau, worum es geht. Das bist du als Autorin, man spürt deine Liebe zu den Menschen. Aber sachlich, so wie sie sind.
    aus’m Neubaugebiet, der Benachteiligten, der jungen Arbeiter. Und was den entscheidenden Ausschlag gibt - und du liebst diese Menschen, aber sachlich, so wie sie sind.

    BIRGIT
    Aber an der Interpunktion muss ich noch arbeiten.
    Zu bürgerlich, zu gestelzt.


    THOMAS
    Die Namen sind nicht gut gewählt, Georg, Stephan mit ph und Christian, die klingen ausgedacht, hochgestochen, bürgerlich, also Scheiße! Wir wollten nie so ne bürgerliche Scheiße. Unsere Sätze sollen klingen wie Beats von Jimmy Hendrix. Aber es ist ne Geschichte von jungen Arbeitern die noch suchen, sich Fragen stellen und sich nicht einschläfern lassen von Losungen und Paraden.

    BIRGIT
    Hast du was neues?

    THOMAS
    Nur so eine lyrische Skizze:
    ich häng mir dem fotoapparat um und fotografier das leben das sterben
    frage mich, wie es dem Polizisten ging als er mich 68 im Knast
    Knipste mit seiner orwoleica aus Wolfen
    die fotos trag ich im kopf von meinen aschebrüdern
    Aus Prag von sowjetischen Panzern zermalmt
    seitdem knipse ich nur weite Landschaften
    und les lieber nen text von meiner frau

    BIRGIT
    die so gerne lebt liebt

    THOMAS
    so wie ich gerne sterbe jede nacht
    denn ich bin im Knast gestorben

    BIRGIT
    lieber überlebe ich leck dir die tätowierung von der haut und wenn ich lange genug lecke
    wird vielleicht ein anker draus seemann

    KATIE
    jeden Tag stehn die Grenzer in unserem Pankower Garten in eurem Auberginenbeet. Ich sollte heute in der Schule einen Satz schreiben in dem die vier Substantive Kapitalismus Faschismus Imperialismus Chavinismus vorkommem, meine Seite blieb leer. ich hab was vor: Wo ist jetzt meine Kassette (Sucht Kassette.) (Julia: Ich würd’ hier auch nichts finden!)
    rosa extra im franz (hört an Kassette)


    STATION V

    (Telefon klingelt.)

    KATIE
    Ne, das ist nicht Rosa Extra. (Geht an Telefon.)
    Ja, Kotze, ich komme ja.

    BIRGIT
    Heißt der Kotze?

    THOMAS
    Wahrscheinlich kurz für Konstantin

    KATIE
    Mutti, is’ für dich. Klinikum Buch.

    SIMONE
    Die Schwester schlechtgelaunt wie immer sagt: was stehen sie hier rum und gackern.Wir werden sie alle bestrahlen müssen. Weil wir nich wissen, wie schlampig die OP in der Charité ausgeführt wurde.

    RONJA
    Sie werden nach Buch überwiesen. Ob wirklich alle Lymphknoten entfernt wurden keine Ahnung

    RAMONA
    was stinkt hier denn so. Die werden nächste Woche auch den Bauch aufschneiden. Im Eileiter ist ne Zyste. Kann gutartig sein, aber mir fehlt im Augenblick der Humor.

    MARIANNE
    Wird ne totale Entfernung der Eierstöcke.Darf ich die Pille nehmen / Weiss ich doch nich
    Solange Eierstöcke Hormone produzieren sind sie gefährdet

    BIRGIT
    (Schlagwerk/Waldrodung)
    Tut mir leid ich hab mich gehen lassen.

    KOBALDBESTRAHLUNG / BUCH 1980
    (Die Frauen und Mädchen bereiten sich auf die Bestrahlung vor / die Bestrahlung beginnt /Professor mit Klavier.)

    PROFESSOR
    Herzlich willkommen in unserer neue Krebsabteilung in Buch ja bei uns fühlen sie sich wie in einem richtigen Hotel,jedes Bett hat ein Spiegelschränckchen über dem Waschbecken,
    Lampen über dem Bett,Zentralheizung,Einbauschränke,Föhren vor dem Fenster klinikeigene Kaufhalle mit Spee gekörnt und drei Sektsorten. (Call an Response: Sekt!) Wir nutzen als erste in der Republik den neuesten Bluttest vom VEB Dresdenchemie Quick 70 der Tumore feststellen kann und sogar ihren Sitz. Bestrahlen mit dem neuesten Kobaldkanone aus der BRD die sehr dosiert, sehr elegant drauflosschiesst postoperativ verabreichen wir nyropamin eldostin glykolat klardotin.
    Ach sind Sie nicht…Ich habe ihre Bücher gelesen also von ihrem Mann und Ihnen…Ankunft im Alltag … Sie müssen was über New York schreiben
    Diese Kontraste / diese Kontraste

    RONJA
    Herr Doktor sie sind aber freundlich

    RAMONA
    Der sieht gut aus

    SIMONE
    Schöne Haares

    RAMONA
    Sind sie verheiratet

    MARIANNE
    Samtpfötchen

    SIMONE
    Duschen sie sich stundenlang ?

    MARIANNE
    Der Kobaltbestraler hat eine Leistung von (/bestrahlt mit einer Energiedosisleistung von bis zu 10 Mikrogray pro Sekunde) und durchdringt den Körper

    PROFESSOR
    Die Damen die Bestrahlung beginnt in zwei Minuten,vorher gibt es noch einen rosa Kreuz hierhin dahin, für den Probeschuss. Bitte einmal die Arme nach oben für die Achselhöhlen. Und drehen. Und drehen. Und drehen…

    RAMONA
    Wir sind ein Köper

    MARIANNE
    wir sind voller Hoffnung

    SIMONE
    nur noch zweimal die Kobaltkanone dann die Chemo

    RONJA
    wir leuchten wie Sterne

    RAMONA
    danach ne Astoria mit Orangengeschmack

    SIMONE
    eine rauchen im Park

    MARIANNE
    Westautos zählen

    RONJA
    ein lied von queen singen / mich ans schwarze meer erinnern

    RAMONA
    mit nem ami schlafen oder chillen die sind schön traurig

    BIRGIT
    Thomas
    zum Festival,des politischen Liedes waren junge Kommunisten bei uns
    aus Kuba / unsere Liebe war lahm und ich schreibe öde und ich liebte einen jungen Kommunisten aus Kuba / ich liebte G im Heu und H an der Ostsee der wenig sprach schön rauchte
    Und schreibe gerade nur Quark / tausend Zettel in mein Krankenbett gestopf/ und bei mir reichts zur stummen Dichterfrau / Putzkolonne und Kochmutti/ meine Sätze sind unlebendig/ lebendig ist nur der arme Dichter von Prenzlauer Berg/ Er ist zehn Jahre jünger als Du / es geschieht dir recht
     / du schläfst auf dem samtenen Ruhekissen ausgeschlossen ausm Schriftstellerverband /Man soll nicht ausruhen auf den Lorbeeren vergangener Tage. Verstehst Du/ ich geh zu meinem Paul auf dem Prenzlauer Berg / der hat das nackte Bett mit der Tischdecke bedeckt ganz einfach, um mich nicht zu beschämen, die blaukarierte. Und die ist schließllich weggerutscht, war zwecklos. So, nun weißt Du wie andere um mich werben und wie / ich hab Dich trotzdem gern, falls Du noch Wert darauf legst

    THOMAS
    Liebe Birgit du musst wachsen in deinen nackten Betten
    aus gebrochener deutscher Lyrik in deinen Prenzlauer Hinterhöfen /
    Wachse aus deinen Ohren in seinen schönen Mund
    verlass alles/ verlass unsre kleinkarierten Tischdecken,
    unsre sonntäglichen Frühstückstische Kaffee Käse Kuchen/ lass alles hinter dir/
    Auch meinen Hendrix zur Nacht / um die Hunde nicht zu hören
    die Grenzer am Tag / die uns in die schale Suppe spucken
    durchbrich die Mauer Birgit Voodoo Child / verlass die Verlage voll steifer Kälte / verlass die Parteisitzungen voll bleiernem Schlaf / Verlass deinen Mann MICH den vom Sozialismus müden und komm wieder
    wachse aus deinen Eingeweiden voll Zorn und Liebe und allem /
    Birgit, du bist Dichterin und frei.
    Ich liebe Dich
    Ich liebe Dich
    Ich liebe Dich wie immer


    ALRAUNE / PHYSIKERIN

    MARGOT
    In meinem Leben verlief alles sehr glatt. Ich hatte früh meinen Berufswunsch, ich hätte ziemlich alles machen können, in allen Fächern war ich gleichmäßig gut. Ich wählte Physik. Physik ist die Königin der Wissenschaften, sie braucht von vielen Gebieten etwas und geht in alle Gebiete ein. Der Meinung bin ich heute noch. Später bin ich von der Experimentalphysik auf die theoretische Physik umgestiegen, weil die experimentellen Dinge mich zu ungeduldig gemacht haben. Man mußte lange was aufbauen, und dann hatte man doch nicht Weltniveau, die Geräte waren nicht gut genug. Was brauche ich in der Theorie? Meinen Kopf,Bleistift, Papier und die neueste Literatur, an die kam ich ran. Fertig. Ich wollte alles aus eigener Kraft machen. Auch im gewöhnlichen Leben, mein Mann liebt mich, habe ich alles erreicht. Und jetzt ists plötzlich aus, jetzt machts plötzlich keinen Spaß mehr.
    Wenn alles läuft, Karriere Mann wie man es plant, wenn man irrsinnig kämpft, weil es mal nicht so läuft, wenn man so unter Leistungsdruck arbeitet wie ich, jahrelang, kriegt man Komplexe, wenn man nicht jeden Moment optimiert, wenn man einfach nur ruhig dasitzt und nicht eingreift in die Ereignisse. Auf einmal spürt man, man ist nicht mehr unterwegs, man ist irgendwo angekommen, man hat seine eigenen Möglichkeiten ausgeschöpft. Es gibt nichts mehr zu kämpfen. Aus! Es war wichtig für mich, daß ich zuerst Physik gemacht habe. Ich bin ein schlampiger Mensch, ich mußte mir bestätigen, daß ich das überwinden kann. Wenn ich es nicht gemacht hätte, würde ich denken, ich hätte versagt. Wenn ich nicht arbeite, habe ich nicht das Gefühl, mich selbst zu gestalten, ich bin mir fremd.
    Ich brauche einen neuen Anfang. Ich muß mich auf einem anderen Gebiet erproben als in der Physik. Ich habe plötzlich einen jungen Mann gern, einen Menschen mit vielen Häuten, schwer durchdringbar, ein bißchen zynisch, das hat mich verführt, das war neu. Ich wollte plötzlich eine neue Persönlichkeit sein, aber Ich habe diese Liebe nicht als schön empfunden.Sie hat mich belastet bis zu Magengeschwüren. Später habe ich diese Liebesgeschichte als psychisches Doping empfunden, das mir Spannkraft gegeben hat. Ich habe mir einfach auf erotischem Gebiet die Spannung verschafft, die ich im Beruf verloren hatte.Wenn man mit so vielen Verklemmungen groß geworden ist wie ich, von einem Vater erzogen, der strenge bürgerliche Moralvorstellungen hat, von einer Mutter, die na ja…“Man darf sich nicht treiben lassen. Man muß lernen, richtig zu gehen, zu lieben ... Sex hat mir eigentlich immer Spaß gemacht. Auf dem Land wars so, daß die Mädchen zusammen ins Heu gingen, mit neun oder zehn Jahren. Die Verklemmungen entstanden erst später, als meine Mutter meine Sexualerziehung in die Hand nahm. Männer sagen mir heute, ich sei hypersexuell veranlagt. Ich kann das nicht so beurteilen, weil ich nicht weiß, wie andere Frauen sind. In der Ehe hat mir auf die Dauer die erotische Spannung nicht gereicht. Sicherlich hat mich das auch bedrückt. Viele Leute halten mich für abscheulich unmoralisch, weil ich so ehrlich bin, auch in meiner Ehe.
    Ich bin in einer Gegend groß geworden mit einem sehr harten Menschenschlag, wo ich mich nie wohl fühlte. Ich habe deshalb furchtbar viel romantisches Zeugs gelesen. Ich habe immer auf einen Märchenprinzen gewartet, der mich erlösen würde. Niemand hat mir geholfen. Mein Vater war beschäftigt, das Leben zu organisieren. Und meine Mutter in ihrem Hausfrauendasein hat immer eine untergeordnete Rolle gespielt und sicherlich auch gelitten ist mir eigentlich egal und als ich meinen Märchenprinzen endlich traf, war ich so verstört, daß ich mich nicht wirklich hingeben konnte, und ich habe Schlaftabletten geschluckt. Mein Vater hat sich fürchterlich über mich aufgeregt: Du bist unausgeglichen, du bringst den Menschen Unglück, du kannst nicht lieben, du bist eine Alraune! - Meine Mutter sagte nur: Männern wollen alle was von dir, anschließend lachen sie dich aus. Dem ersten Märchenprinzen sind dann beide Beine abgefahren worden. Mir war das egal. Ich kannte ihn ja gar nicht, ich kannte nur mein Phantasiebild. Danach habe ich über alle Stränge geschlagen, ich habe die Leute vor den Kopf gestoßen, war leichtsinnig, hab die Rolle der Verworfenen, der Alraune gespielt, obwohl ich in Wirklichkeit mit keinem Mann was hatte. Man hat mir geglaubt, ich wurde abgestempelt und hatte eine gewisse Macht über die Menschen, die ja auch verklemmt waren in diesem spießigen, kleinbürgerlichen Klima von E., wo ich studiert habe.
    Bis ich dann meinem Mann begegnet bin. Er war der erste Mensch, der nicht irgendwas gesucht und verworfen hat in mir, sondern der mich liebte und leben ließ. Er hatte Geduld und hat nur geguckt, wenn ich ihm weh getan habe. Es hat absolut keinen Spaß gemacht, so einen zu betrügen. Es war keine berauschende Liebe für mich, aber seine Haltung hat mich so beeindruckt, daß ich genau wußte, ja, das ist der Mann, mit dem ich leben kann. Was Liebe wirklich war, da war ich mir sehr unsicher. Diese blöden romantischen Bücher hatten mich ja völlig verdreht. Wir haben schnell geheiratet, auch wenn wir nicht gleich sexuellen Kontakt hatten. Er hat mir mit allem Zeit gelassen, das war das Schöne.
    Mein Mann ist Wissenschaftler mit Leib und Seele. Er hat mir immer gesagt: Du bist eine gute Physikerin, was anderes kannst du nicht, niemand will das, was du malst, es ist schlecht. Aber ich glaube, ich muß jetzt malen. In meinem Innern hat sich was angestaut, Ich möchte etwas tun gegen die Gleichgültigkeit und Unehrlichkeit, gegen die Kälte und Resignation. Ich lebe hungriger, unter einem starken Druck und ich male (jetzt).


    ZUHAUSE/ PANKOW WOLLANKSTRAßE

    BIRGIT
    Endlich wieder zu Hause / Ich geniesse unsere Wohnung in Pankow / unseren Hof mir der Birke, leg eine Platte auf, koche uns ein gutes Essen (Rudi: Kotelett!), schau mir Katis HausAufgaben an. Alles ist neu wie verzaubert. Das Schreiben tut weh, der rechte Arm ist noch lahm, die Wunde in der Achselhöhle schmerzt/ aber der Schmerz lässt mich hinhören und denken! Schöpferisch werden / So tun, als wäre ich gesund / Ich möchte von kleinen Dingen schreiben, als wären sie die Welt: frühstücken Hendrix hören (Rudi: Voodoo Child!) und mit Thomas einen Cognac trinken, weisst du?Das wirkliche Leben ist jetzt und jetzt / Wenn ich die Menschen auf m Alexanderplatz sehe. sehe wie sie herumhetzen. Frag ich mich wasn los mit euch / habt ihr nichts begriffen /  Ihr wollt nie was geben / seid nur gierig nHaben wollen, ihr seid unfähig zu geben / haben wollen, haben wollen, haben wollen
     
    THOMAS
    Hast du noch viel?
     
    BIRGIT
    Noch ein Gedanke, entschuldige ich hör bald auf- was ist aus unserem Sozialismus geworden? Allen soll es gut gehen. Das ist die Maxime. Sehr gut! Aber früher, als wir nicht hatten, da haben wir sie verachtet, die Arroganz der Reichen, die Gleichgültigkeit. Aber heute geht es nur noch um diese Dinge - Wohlstand, Sattheit. Satt satt satt! Alle sind satt!


    10:15 SATURDAY NIGHT
    (Szene raw cut/ Zuhause im Garten)

    THOMAS
    Entschuldige ich war gerade beim Verlag wegen deinem Manuskript und dann ist diese blöde
    Karre auch noch kaputtgegangen (Komm da runter, Birgit) / Christa hat dir aus Rom geschrieben (Zitat)

    KATIE
    Thomas und Birgit spazieren durch den verschneiglühten Pankower Bürgerpark, natürlich an den Buchen vorbei, wie so viele die an diesen traurig krummen braunen Bäumen ein vorvorletztes Mal spazieren gingen, meist Ehepaare, zu dieser Zeit, Glückliche Unglückliche Partei oder SED Parteiungebunden, ihre Töchter oder dicklichen Söhne standen meist abseits dissidentisch
    inmitten eines dieser traurigen unbenannten Bürgerparkbüsche, die immer nach Urin und Laubwerk oder Tränen riechen und rauchten Club. Ein Mittwoch im Januar wie Mama sagt. Ich werde Westberlin nie sehen und diese Aufnahme niemals machen.
    10.15 on a Saturday night

    BIRGIT
    Du kommst nur um zu schweigen

    THOMAS
    Oder um zu heulen

    BIRGIT
    ich liebe dich

    THOMAS
    Ich weiß. Lass uns streiten: Sein oder Bewusstsein. deine pseudodokumentarische literatur ist nicht vorbildlich in der realitätswahl sagt der verlag.
    Du musst härter schneiden umeltvergiftung streichen machs knapp ohne Sentiment, sagt der Verlag sonst drucken sie nicht

    BIRGIT
    Was soll denn jetzt kommen?
    Nur noch Bestrahlung, Kobaltkanone, Ärzte und Physiker in Bleischürzen
    Und ich soll mich schonen , meinen Beruf nicht mehr ausführen,
    vielleicht wird Kuchenbacken und Mit - der - Familie - am -Tisch - sitzen,
    das einzige sein,was mir bleibt / Ich will meinen Körper nicht schonen/ Ich will reisen und in Hotelzimmern leben wie die Beauvoir, die Bergmann, die Ahrendt Freunde besuchen, schreiben
    Scheiß Krebs

    THOMAS
    Die Spatzen. Heute hab ich anstatt Semmeln und Kekse Sonnenblumenkerne mitgebracht
    ausm Hofgarten.Sieh mal das Taubenpaar.Die kleinen Köpfe,Hälse und Brüste hellgrau mit einem rosigen Schimmer.

    KATIE
    Der Mutter BIRGIT Waiting /Waiting

    THOMAS
    Ich liebe unser Haus in Pankow. Ich liebe unser Zimmer, in dem die Dielen knarzen. Ich liebe unser Schweigen. Ich liebe es, wenn wir dem Wind zuhören. Ich liebe deine Hände, deinen Atem. Ich liebe deine (duftende) Haut. Und wenn du nachts schreist, erstickt vor Angst, küsse ich dich, du wirst ruhig, Kopf an Brust, Brust an Kopf…draußen der Wind…

    MUTTER TOCHTER / PANKOW
    (Dunkelkammer.)

    BIRGIT
    Weißt du Katie, Tochter, ich glaube das Buch über die Männer vom Chemikombinat Wolfen wird vielleicht nichts, der Chemieingenieur hat nur geschwiegen und der zwangsdeligierte Schauspielschüler konnte sehr gut weinen…Männer eignen sich nicht,können einfach nicht ehrlich sein immer nur lügen
    Über euch die toupierten Töchter des Sozialismus muss man schreiben

    KATIE
    Wie lief die Bestrahlung / Chemo weiss schon gar nicht mehr

    BIRGIT
    Bin das gewohnt, der Strahlkopf ist wie eine grelle Sonne … aber hier mal das Zimmer aufräumen deine Klamotten liegen überall rum

    KATIE
    Ja Jinglerjeans die du mir kaufst in Westberlin / und wenn du dann nach Hause kommst von
    deine Bestrahlungen in unsere Grenzstrasse in Pankow Florastrasse aus Westberlin dank Reisepass und fragst Kati wo ist mein Hesse Fromm Tschechow fragst du mich nie warum ich Angst habe
    vor den Hunden der Grenzsoldaten , die sich von der Kette reissen und nicht davonrennen
    die laufen hin und her, hin und her ganz hysterisch,vielleicht vor Glück immer wieder kehrtmachen als lägen sie an nem langen Draht und der alte Herr Lengfeld sagt mir stotternd :
    Die Hunde kenn gar nett mehr anders , de renn nur noch uff einer Linie,
    wie ä Automat und ich geh dann mit meinen Freunden in den Keller, wir kramen in drei Kartons
    in Abfallbildern von eueren Westreise in der Dunkelkammer
    meine Angstnacht mit Hunden

    BIRGIT
    Katie wie willst du ein nützlicher Mensch werden ohne Widersprüche auszuhalten
    In einer Angstnacht…als die Schwester mich wieder anschnaubtet GEBEN SIE MIR DIE URINUNTERLAGE da kam der mögliche Entwurf also ein neuer Entwurf
    dieses Buch halt, was ich über über über unsere Kinder in der DDR also meine über Töchter
    und du schreist nur ICH WAR NIE IN WESTBERLIN riechst nach Pfeffi

    KATIE
    Immer nur CSSR

    BIRGIT
    Die Grenzer kommen zu mir und sagen Grenzverletzung und ich sage du bist 17
    und spucke heimlich Blut auf meinem kurzen Heimaturlauben

    KATIE
    Wir Kinder von Euch Weltraumtänzern stolpern zu Robert Schmidt
    eure Zärtlichkeit galt Chile Vietnam, wir bezahlen dann eure schönen Urnen mit Neruda Zitat
    von euern Nationalpreisen, reisen aus nach Westberlin zur Sarah und den schönen platten von The Cure und werden vor nem Aldi krepieren
    dein Büchlein wird man immer lesen

    BIRGIT
    Wenn ich da im weißen Kittel unter diesen falschen Sonne liege, weiß ich nicht, ob ich Kraft haben werde das Buch das Buch über die Kinder über euch Kinder Töchter…das schreibe ich auf jeden Fall ja

    GUDRUN / ABITURIENTIN
    MÄDCHEN I (SOPHIA)
    Früher war alles in Ordnung. Da waren eben drei Kinder, ein Vater, eine Mutter und Großeltern, das ging ganz prima bis zur Scheidung. Mein Großvater war ein einfacher Bauer. Meine Mutter, die hat es schon leichter gehabt, sie hat mit dreißig Jahren ihren Lieblingsberuf gelernt - Jugendfürsorgerin. Mein Vater kam ungelernt aus dem Krieg und wurde Neulehrer. Das muß eine ganz unwahrscheinliche Zeit gewesen sein, den Sozialismus aufbauen die wir uns nicht mehr vorstellen können.Bei mir läuft alles ganz glatt, Abitur und dann gleich in Studium.
    MÄDCHEN II (CHARLOTTE)
    Dann auf einmal hat Vati dieses Mädchen kennengelernt. Ein Jahr älter als ich. Das war für Mutti ein Schlag, sie war viel krank in dieser Zeit. Ich bin heimlich zu meinem Vater gegangen. Und Mutti hat mir viel erzählt von ihm, sie mußte es ja jemandem erzählen. Das war zu viel für mich, ich konnte es nicht verkraften. Ich hab zugehört, dann ging ich in mein Zimmer und hab geheult.Vatis Tod kam ziemlich unerwartet. Selbstmord.
    MÄDCHEN III (LILLI)
    Selbstmord finde ich gar nicht so schlimm. Ich habe mir vorgenommen, das mache ich später auch, wenn ich merke, daß es rückwärts mit mir geht und ich nicht mehr alles so stark fühle. Vor dem Sterben habe ich keine Angst. Angst habe ich nur vor dem Altwerden. Wenn ich Großvater sehe! Er hört nichts mehr, er vergißt alles, er merkt nicht, was er ißt. Ich nehme mir vor, das nicht zu erleben.
    GUDRUN
    In der Schule habe ich immer als die Liebe, Gute, Kluge gegolten. Ich wurde immer als Vorbild hingestellt, da haben die andern Mädchen natürlich sauer reagiert. Ich hätte gern irgendeinen Blödsinn gemacht, aber das ging einfach nicht. Ich bin nie so ausgelassen wie die anderen, ich bin viel zu ernst und verschlossen. Keiner merkt es, wenn ich allein in den Wald renne und mich da ausheule,das kann ich nur im Wald, der Natur. Ich liege da und werde ganz ruhig, schlafe und kriege einen furchtbaren Schreck, weil auf einmal der Förster neben mir steht. Freundschaftn in der Klasse hatte ich nie, das hat mir sehr gefehlt. Ich bin zu kritisch, das ist das Schlechte an mir. Dann kam Anke, die war von der 10-11 Klasse mit mir zusammen. Dann kam sie auf eine andere EOS, da entwickelte sich eine richtige Freundschaft.Anke ist sehr gefühlvoll, aber sie versteht es, ihre Gefühle zu lenken. Sie nimmt sich was vor, und das macht sie auf jeden Fall. Ich kann das nicht. Wenn mir was nicht liegt, fliegt es in eine Ecke. Niemand konnte verstehn, warum sie Veterinän werden will. Vielleicht weil sie merkt, daß ihr in der Richtung was fehlt. Sie will sich stark machen, weil sie so zart ist.
    Anke gibt es nur einmal. Anke schaut sich unsere Platten an. Wir liegen auf dem Teppich, träumen, schweigen. Ich interessiere mich für alles und für nichts. Ist was Neues, bin ich Feuer und Flamme, aber ich knie mich in nichts hinein. Was mache ich eigentlich gern? Ich diskutiere gern. Ich lese gern. Ich liebe Musik und die JugendTouristikgruppe. Da bin ich schon seit der siebenten Klasse drin. Da ist man nicht allein und man kommt richtig mit der Natur in Berührung. Zu Pfingsten haben wir eine Zeltwanderung durch Böhmen gemacht, unsere Füße waren voller Blutblasen. Als es ganz toll geregnet hat, sind wir in eine Riesenscheune gekrochen, zwanzig Mann im Heu.Mädchen waren darunter, die erzählten ihre Liebesgeschichten, die sind vollkommen frei. So war ich nie.Das Rauschen des Windes empfängt mich. Und das Brausen des Meeres will mich überfluten. Vor mir das weite Wasser und über mir nichts als die Klarheit der Luft und die Unendlichkeit der Sterne. Ich werfe mich gegen den Wind und laufe / ich lese Bücher stapelweise aus Vatis Regal, lese sie langsam. Anke sagt lese ›Franziska Linkerhand<und ich lese, jetzt lese ich ohne Anke, So stelle ich mir eine Freundschaft vor. Was mir noch gefallen hat, das ist Das ungewöhnliche Mädchen von der Ruch Werner. Ich habe mich nicht getraut, es den andern in der Klasse zu sagen, weil das so ein Kämpferbuch ist. Die beneidet man so, die noch richtig kämpfen können! Die geht als junge Kommunistin nach China, ach, und dann kriegt sie ein Kind, und der Mann ist mit dem Auto verunglückt. Und sie sitzt ganz allein in einem Haus und versucht, eine Radioverbindung zu kriegen. Man stellt sich das richtig vor: Dieses große dunkle Haus, und sie hat ihren Auftrag (ins Mikro) die gleiche Sache haben wir auch, den Sozialismus, aber den haben wir ohne Konflikte bekommen. Dafür kämpfen, wozu? Das haben die anderen schon für uns erledigt. Das ist wirklich ein Problem für mich, daß man einen großen Charakter als Vorbild sieht und seinen eigenen Charakter nicht entwickeln kann. Ich könnte nie so fanatisch kämpfen für eine Sache, ich würde immer meine Persönlichkeit in den Vordergrund stellen. Das ist traurig. In der Schule kapituliert man schon bei Kleinigkeiten.»Sie als künftige Kader dieses Staates- das hören wir in der Schule jeden Tag. Wir sind schon ganz benebelt, wenn ein Lehrer sagt: Gibt es Fragen?, gibt es keine. In Staatsbürgerkunde habe ich mich für einen Vortrag gemeldet: Kampf der Gegensätze im Sozialismus. Schön, dachte ich, dann werde ich mal Gegensätze zeigen, um gegen diese Gleichgültigkeit anzugehen: Ich gab mir Mühe und brachte viel Eigenes. Die Lehrerin war begeistert. Die Schüler…
    MÄDCHEN (CHARLOTTE)
    Das kommt beim Abi nicht dran, damit braucht ihr euch nicht zu belasten.
    GUDRUN
    Mich interessiert das aber.
    MÄDCHEN (SOPHIA)
    das ist was Abstraktes, Trockenes, das brauchen wir im Leben nie.
    GUDRUN
    Ich komme mir blöd vor, wenn ich Fragen stelle, denn die Fragen werden oft so beantwortet, daß man keine Lust hat, die nächste zu stellen.
    MÄDCHEN (LILLI)
    Man nimmt den Stoff einfach an, erwartet von den Lehrern nichts Besonderes, was man nicht kapiert, na, das schaut man sich zu Hause an. …
    MÄDCHEN (SOPHIA)
    unsere Lehrer haben mit uns keine Schwierigkeiten, wir sind einfach eingestellt aufs Konsumieren von Wissen, noch ein Jahr und noch ein Jahr, das spüren wir schon gar nicht mehr.
    MÄDCHEN (CHARLOTTE)
    Die Schule. Das Studium Der Beruf . Alles läuft glatt
    GUDRUN
    Ich interessiere mich für die Natur! Und das hab ich dem Ronny auch gesagt. Wie habe ich mich über den Pfirsichbaum gefreut, und er läßt die kleine Blüte achtlos fallen, die ich ihm an die Jacke gesteckt habe. Dann wollte er mit mir schlafen, ich konnte das nicht, ich wußte ja, daß es keine echte Liebe war. Ronny, du küsst echt scheiße!
    Die Natur ist für mich etwas Großes. Vorigen Sommer habe ich zum erstenmal Geld verdient, als Grabungshelferin in einem Dorf. Jeden Tag acht Stunden Sand schaben. Geschlafen haben wir im uralten verwanzten Gemeindehaus.Da habe ich einen Hochstand entdeckt, auf dem bin ich oft gesessen, und keiner wußte davon. Unter mir viel Schonung und eine Wiese mit Blumen, der Bach unter den Gräsern versteckt, dahinter hohe Kiefern. Und dann der Sonnenuntergang und der Wolkenhimmel in allen Farben. Und ein kleiner Hase, der sich nicht fürchtet…still sitzen, nichts reden, an nichts denken müssen, nur träumen ...


    RUBY TUESDAY/ FRÜHSTÜCKSRAUM 1980

    KATIE
    Frauenklinik / Frühstücksausgabe mit Muckefuck. T 64 läuft was von den Stones. Ich besuche Mutti heute nicht.
    Vater auch nicht.Schneide ihre Bänder mit Geschichten, die nicht mehr meine sind
    wenn ich die Bänder gut schneide, passt noch der neue Song von den Buzzcocks rauf
    Bin Kranfaherrin
    Wir schlafen kaum miteinander
    Kinder wollte ich immer
    Zum Heulen in die Ostsee
    Himmel glotzen
    Der Westen interessiert mich nicht
    War kein Wunschkind
    Studentenwohnheim
    Laube bei Buch
    Als die Russen kamen
    Ich trinke wenig zuviel

    Ich bin in Grenzhundscheiße getreten.

    RONJA
    Birgit erzähl was von Paris du hast dochn Reisepass (Birgit: Hatte!)
    In Paris war ich noch nie und ich komm da auch nicht hin.

    RAMONA
    da komme ich auch nie hin

    SIMONE
    Hör auf zu provozieren
    die Ostsee ist auch schön

    RAMONA
    Ich hab mal einen Portugiesen gehabt mit dem wollt nach Genf,zur UN

    MARIANNE
    (sagt etwas auf französisch)

    SIMONE
    Das war doch kein Portugiesisch.

    MARIANNE
    das warn Wortwitz

    SIMONE
    Das habe ich verstanden.

    (Birgit verteilt Pelze, zeigt Fotos, Projektion.)

    RONJA
    Scheiße Scheiße, Scheiße, Kacke, Kacke, Kacke

    SIMONE
    Das sagt die Ronja immer

    RONJA
    Scheiße keine Luft kein Atmen / sind die Dinger da, die Knoten im Kehlkopf
    Scheisse alles zu dünn alles zu dünn. Was soll die Scheiße …später wird das Mädchen ALSO ICH das Tonbandgerät von sich aus nehmen und etwas erzählen anderen machen Geräusche eines Waldes, Cheep, Cheep Rausch, rausch, still still Himmel Himmel, Niesel,Schneeflocke Weißröckchen und das Mädchen ICH sagt aber jetzt: die Angst wohnt hinter dem Fenster, die Leute in Berndorf sagen ich hab noch
    zwei Monate

    RAMONA
    Lasst uns aufs Dach gehen / den Schnee lecken

    (Schneeballschlacht.)


    RUTH/SERVIERERIN
    ( Plattenbauwohnung.)
     
    RUTH
    Ich schwindle viel, aber nicht mit Absicht, ich bin einfach gewöhnt, den Leuten was vorzumachen. Laß nur, ich bin auch irre kritisch mir gegenüber. Früher war ich das nicht, früher hab ich mir nicht selber weh getan, nur den andern. Immer wenn es mir schlecht gegangen ist, bin ich aggressiv geworden. Ich geh jetzt in so eine Gruppentherapie, wo man aufhören muß, gescheite Reden zu führen. Das geht nur, wenn die Leute ehrlich zu sich selber sind. Die sagen, ich schwindle mir so viel vor, weil ich das Leben, wie es ist, nicht ertrage, ich gebe mich immer viel mutiger, als ich bin. Aber ich schone mich nicht, ich muß es immer irre schwer haben, sonst reizt es mich nicht. Bei meinen Kunden im Café bin ich der reinste Müllschlucker. Da kommt keiner auf den Gedanken, daß ich auch meine Probleme habe. Alle laden sie bei mir ab. Das halte ich nicht lange durch. Manchmal setze ich mich in die Straßenbahn oder in ein fremdes Restaurant und mache ein Gesicht, so eins ... Ich stelle mir vor, welchen Ausdruck die Schauspieler auf der Bühne in ihr Gesicht legen, wenn sie verzweifelt sind oder traurig. Ich sitze da, es ist ja nicht gespielt, es ist nur, damit jemand es merkt. Aber niemand merkt was, niemand. Ich sitze in meinem neuen Sessel vor dem Fernseher, und da sehe ich ganz deutlich, wie in jeder Wohnung einer auf so einem Sessel vor so einem Fernseher sitzt. Die könnten doch miteinander reden, könnte man doch, aber man kennt sich überhaupt nicht. Das macht mich kaputt. Über mir wohnt einer, den sehe ich manchmal im Fahrstuhl oder in der Kaufhalle. Der sieht unwahrscheinlich gut aus, und abends, wenn ich im Bett liege, träume ich von dem. Aber denkst du, ich hätte schon einmal Guten Tag! zu ihm gesagt? Nicht einmal unsere Blicke treffen sich, das tut man in einer Platte nicht. Manchmal, manchmal komme ich mir selber unwirklich vor. Ich meine, der Körper, der hat mit mir auf einmal nichts zu tun, den beobachte ich nur so..
    Meine Mutter, die trinkt furchtbar gern, dann macht sie obszöne Witze, und wenn einmal in der Woche die Sonne scheint, dann reicht ihr das vollkommen. Die stellt keine Ansprüche ans Leben. Die hat auch nie begriffen, was für ein Mensch unter ihrem Dach wohnt. Auf keinen Fall möchte ich dieser Frau ähnlich sein! Wenn mich was anwidert, dann diese amerikanische Art, über alles zu quatschen, das ist pervers. Man muß einige Dinge in Ruhe lassen. Ich hatte einmal einen Amerikaner, der wollte schon nach drei Tagen in meinen letzten Seelenwinkel kriechen. „Show me What’s deep down in your soul“ Der saß noch schneller vor der Tür als die andern. Kann ich dir sagen.
    Ich habe überhaupt nichts von mir hergezeigt. Niemandem. Heute noch halte ich Frauen für dumm, die keine Geheimnisse haben. Sie sind wie abgezupfte Blätter, niemand interessiert sich für sie. Man muß schon einiges auf die Beine stellen, um für die Leute interessant zu bleiben.
    Aber ich falle ohnehin immer aus der Rolle, darum hab ich ja diese ganzen Schwierigkeiten. Ich mache alles wie eine Verrückte, irre lesen, irre lieben, irre fernsehen, dann wollte ich auf einmal studieren, obwohl ich nicht einmal den Zehnklassenabschluß habe. Kannst du dir vorstellen: Ich und studieren? Ich hab ja nichts in der Birne! Beinahe hätte ich auch das noch geschafft, da war ich zufrieden. Nur das Schwierige reizt mich.
    Wahrscheinlich ist es das, was die Leute an mir für verrückt halten. Diese Leute, die es so mit der Wirklichkeit haben: Ich weiß gar nicht, was das ist, diese Wirklichkeit. Die Leute tun so, als ob das ein sicheres Ufer wäre, von dem man sich nur ja nicht entfernen darf, sonst ersäuft man. Aber man muß sich doch mal ins Wasser trauen oder ins Feuer. Und die Angst, die muß man eben überwinden. Ich habe irre Angst. Wenn die Leute wüßten, wie es manchmal in mir ausschaut, das würde die verängstigen. Hast du schon beobachtet, wie die Leute reagieren, wenn sie einen seelischen Knacks wittern? Dabei ist mir gerade das andere so unheimlich, wie die Leute so flau dahinleben können, wo das Leben doch so verwirrend ist, no ja, unwahrscheinliche Einflüsse aus allen Richtungen. Merken die das nicht?
    Das ist auch so ein Zwiespalt: Ich will eigentlich immer weg von dem sicheren Ufer, ich möchte alles ausprobieren. Die Wirklichkeit ist kein Maßstab für mich, ich halte mich lieber an meinen inneren Traum. Aber die Leute in der Psychogruppe (Hallo, ich bin Ruth, ich habe Depressionen,…) sagen, ich möchte immer Herr der Lage sein und keine Überraschungen erleben... Eigentlich ekelt mir vor den Männern. Aber es ist mir eine unwahrscheinliche Befriedigung, wenn ich sehe, wie sie weich werden, wie sie die Beherrschung verlieren. Zuerst so stark und dann so schwach. Da kann ich sie nur verachten. In diesem Sommer habe ich fünf Männer gehabt. Mit keinem länger als drei Tage. Ich hab noch nie einen Orgasmus gehabt. Wenn ich einen kennenlern, im Café, denke ich aber sofort an Sex, weil ich mich da auskenne. Das ist mein Gebiet, verstehst du? Sobald einer an Bindung oder so was Komisches denkt, der braucht nur den Mund aufzumachen, da krieg ich Zustände, da schick ich den weg! Manchmal empfinde ich überhaupt nichts, ich tu nur so. Ich möchte mich ins Bett legen und schlafen, nur schlafen, einen langen, langen Winterschlaf. Aber ich bin immer in Bewegung, damit keiner was merkt. Ich halte es nur in der Stadt aus, wo immer was los ist. (Ich halte ja diese Ruhe nicht aus. Jetzt mal Schnauze hier! Letzte Runde! Hat noch jemand Lust auf Sexualität?)
    Und immer, immer noch hoffe ich auf das Wunder hoffe und hoffe und ich glaube überhaupt nichts mehr. Manchmal liege ich wach, weißt du, da fürchte ich mich so irre vor dem Sterben. Ich möchte jemanden haben, zu dem ich beten kann: Lieber Ichweißnichtwas, laß mich noch
    Jetzt ist dieser Chilene da, schon eine Woche Mit dem Kopf habe ich überhaupt nichts gegen ihn. Im Gegenteil. Er ist einfach gut. Aber ich bin schon wieder so kribbelig, weil der so zutraulich ist.
    Es hat ganz gute Typen gegeben. Aber irgendwie, ich weiß nicht, war immer der Wurm drin. Ich hatte mal einen, das war ein halber Portugiese, der wollte ausgerechnet zur UNO nach Genf und Portugiesisch dolmetschen.Und ich mußte sofort Portugiesisch lernen, um auch nach Genf zu können. Erst jetzt frage ich mich: Wo bleib denn ich eigentlich bei all diesen Geschichten? Was in mir drin war, das sahen die nicht. Dabei bin ich überhaupt nicht schwierig, ich fresse nur nicht, was man mir vorsetzt. Ich möchte mich selber finden. Ich frage mich manchmal: Welche Gesellschaft bauen wir eigentlich auf? Man hat doch einen Traum. Die Menschen werden geboren und haben einen Traum. Ich träume…

    WEIHNACHTEN/ DER HIMMEL DER WALD 24.12. 1980
    PROFESSOR (singt)
    Mir scheint mein Leben
    Wurde mir heut neu gegeben
    Ahnt ihr vielleicht, woran das liegt?
    Ihr sollt es wissen
    Von drei Sonntagabendküsssen
    Wurde mein stolzes Herz besiegt
    Wie ein Stern in einer Sommernacht
    Ist die Liebe, wenn sie strahlend erwacht
    Leuchtet hell und gar durch Raum und Zeit
    Wie ein schöner See Unendlichkeit
    Mädchen, ich lieb dich
    Du machst mich glücklich
    Heut scheint die Sonne heller, mhm
    Seh nur dein Lächeln
    Und augenblicklich
    Dreht sich die Erde schneller, aah
    Herrliches Wunder das wir erleben
    Häuser und Straßen schweben, aah
    Heiß ist die Sehnsucht seit wir uns kennen
    So kann kein Feuer brennen
    Ihr müsst sie sehen
    Denn dann werdet ihr verstehen
    Dass mir zum Glück nun nichts mehr fehlt
    Glaubt mir, ich wette, dass sie jeder gerne hätte
    Doch sie hat mich nun mal erwählt
    Wie ein Stern in einer Sommernacht

    Liebe Genossinnen mit Bauch Brust Rachen frohes Fest euch allen…feiert man in Vietnam eigentlich Weihnachten? Sind nämlich gerade Genossen aus Vietnam auf der Kinderonkologie. Egal.Werdet mir bitte alle bald gesund(er macht eine kurzdiagnose) Keine Knotenbildung in der Brust / BlutwerteWerte sind stabil / Übliche Rötung nach Bestrahlung / Frau Mann die Eileiterwunde ist gut verheilt,keine Zyste in der Leber…Hören Sie bitte auf mich zu küssen

    RONJA
    Tschuldigung, Professor ich weiss ja nicht wie oft ich noch küssen werde

    MARIANNE
    Darf ich auch?

    PROFESSOR
    Is ja gut. Schaut doch mal da hinten. Der Weihnachtsbaum wurde uns von den Genossen des Gartenbauamtes des Stadtbezirks Mitte geschenkt

    RAMONA
    Der ist ja mal gerade gewachsen wie der Johannes von Jörn/ Gerade Bäume
    verkoofen wir sonst immer nach Westberlin / vor den krummen verbeugen wir uns
    Scheiß Osten

    SIMONE
    Ramona! Hör auf zu provozieren Dieser Staat hat dir den vierten Abbruch ermöglicht / in deinen Westberlin kommst du nach reichsdeutschem 218 Paragraph ins Gefängnis , fragst deinen Steglitzer Mann, ob du arbeiten darfst und stehst im Hausfrauenkittel stramm vor deinem Miele Herd …säuselst Heil Herr Kanzler Schmidt Panzerleutnant vor Moskau das Dorf hinter deinem Panzer brennt

    PROFESSOR
    War das Russisch?
    Na los schmücken Sie mal mit:Gemeinsam stellen sie den Baum auf den scharf riechenden Boden. Unser Klinikumboden der von kleinen und grossen dunklen Flecken übersäht war
    die man nicht weggeschrubt bekommt, ohne Schlaf gefressen von Angst und Hoffnung
    die brennende gerötete Haut von der falschen Kobaldsonne, die Lymphknoten der schnelle Atem geweitete Pupille der Tumor gross wie eine Taubenei im Kopf Tschuldigt ich werd sentimetal

    (TELEFON KLINGELT.)

    BIRGIT
    Salute/ Hallo Sarah / Hello Friends
    Wie isses in Westberlin…na ja…Du Ich sitz im Aufenthaltsraum in Buch, vor mir ein krummer Weihnachtsbaum  - wir singen Schöbel Schlager-die Glotze läuft in einer Tour man sorgt hier für Atmosphäre. Ist überhaupt ne sehr gute Station, vom Tod is hier keine Rede. 
    Hab gestern wieder eine Bestrahlung bekommen, liege nackt zwischenBleischürzen und lass mir den Brustkorb beschiessen. Aber nichts davon. Zum Wochenende gehts wida zu Hause, den Körper schonen Stillhalten  sonst, na ja…

    RONJA
    Mensch, Scheiß!
     
    BIRGIT
    das is meine Ronja aus dem Erzgebirge, Mensch Scheiss sagt sie zwanzigmal am Tag. Und das hilft auch. Mensch, Scheiß! Bald hocken wieder zwei vor dem Fernseher, die glotzen tagein, tagaus und die halbe Nacht, und ick find kein Platz, wo ick schreiben kann. Ick glaub, ich muß verduften.

    RAMONA
    Ronja legt eine Platte auf mit Melodien berühmter Weihnachtfilme aus der ČSSR da war sie mit Jugendturistikgrippe so gern im Böhmerwald / lag mir damit in den Nächten in den Ohren

    MARIANNE
    sie atmet schwer / hustet
    birgit erzähl ihr was / du bist doch eine Schriftstellerin

    SIMONE
    Was schönes, irgendeinen Märchenscheiß.

    BIRGIT
    Bäume und Schnee. Eisschollen auf der Spree knacken und ein Mädchen stellt sich auf eine Eisscholle denn das Eis wird den Krebs fressen und das Eis wird schmelzen in die Donau fliessen bis nach Budapest und das Mädchen steigt an der alten Donau aus dem Fluss und ein Mann wartet dort mit einem Tokayer an der Ufermauer und sie trinken auf das gewonnene Leben und treffen auf Monika und Sarah und schimpfen auf Westverlage Ostverlage erinnern sich an alle verbotenen Dichter fern und nah der Donau und der Krebs fließt an Budapest vorbei und an Belgrad vorbei und ein kleiner Junge wirft dort ein Segelboot in die Donau und das Boot erreicht das Schwarze Meer. Und der Krebs ist nun da wo er hingehört in ein Meer und nicht in eine Frau Mutter Tochter Schwester.

    RONJA
    Das Mädchen hustet sieht nun aus wie Rotkäppchen. Der Wald ist schneestill und die Bäume schwarz.Blutig der Schnee.

    Der Ronny küsst wirklich schlecht.

    PROFESSOR
    Blutsturz. Wir können da nichts machen Jörn! Wir haben nen Exitus auf Station 16. Jörn!


    TRABANTEN / KEIBELSTRASSE 1981
    (Im Trabant / ein Ausflug.)

    THOMAS
    Birgit Kati steigt ein…
    Weisst du was Birgit? Ich hab mir den Bart abrasiert, den du nie mochtest und mit ihm meinen jungen Marx und Lenin. Glattrasiert mit Engelszungen red ich mit den Verlagsgenossen aus Dresden Berlin über dein Manuskript, seh die kalten Genossen mit müden Hundeaugen an / / Die sagen nur Papier ist knapp/ Silberseen in Wolfen und Umweltgift gibt es nicht in unserer schönen Republik. Scheiße ! (Jetzt überhol doch einfach!) Warum verlegt ihr Birgits Manuskript nich / fahrt nach Wolfen zum Silbersee, da wachsen den Kindern Häute zwischn kleinen Fingern / bleiben Mädchen ohne Atem / die Jungs mit Segelohren haben keine Stimme / Ich bitte nicht fur mich GENOSSEN schreib eh nur für dir Schublade dünne Lyrik über Prag die Panzer meinen Knast in Rummelsburg und sitze WEISST DU BIRGIT mit Bauarbeitern Kellnern Polizisten in zu stillen Wartesälen, vor und hinter der weissen Tür frisst einen die Angst, dahinter die kahlen Wände ein Tropf liegt kalkweiss meine Frau
    Kopf wie ein Ballon / du liebst mich ich küss dich du lachst ich verkriech mich in meinen kaputten Trabbi zähle verlorenen Jahre unseres Sozialismus, in denen unsere Tochter Kati krummwuchs,Tage an denen du mich brauchtest als das Tier dich frass… dialektisch ist nur noch mein Geheule in der kaputten Karre

    BIRGIT
    Thomas , ich hab ein Würgen im Hals.
    Katie wo warst du ,warum besuchst du mich nicht

    KATIE
    härte gegen punk
    mein kopf auf der tischplatte
    knackt zwei vorderzähne gleich mit
    herabwürdigung öffentlich und paragraph 220 von den nazis.
    der schlag auf mein blutendes mundloch mit dem eingerollten
    proletarier aller länder vereint euch ND
    bricht mir die unteren zähnchen
    kann mir das sandmännchen bringen
    brüll ich und mutter ist ein trampeltier und der
    heiner müller steht bei uns an der tür
    kein mann im fahrstuhl
    den habn wir nicht
    aber die keibelstrasse nen
    paternoster ausm keller zur etage sechs
    zum schnelle schlag auf die brüste links rechts
    rechts links, der genosse macht
    sich leicht mit dem befehl von ganz
    oben mfs ss
    selbstschuss und ein minenfeld damit
    es uns hier gut gefällt, damit es uns hier
    gut gefällt in unserem schönen staat
    in unseren schönen staat
    meine brüste schon schwarz und blau
    von arbeiter- und bauernhand
    kopf an die wand
    ich mach dich kaputt
    du sau sagt der genosse
    schätze Döbeln oder Riesa
    schägt mir den Knüppel zwischen
    den schönen Knutschmund
    pretty vacant schrei ich nur
    das blut auf altem naziholz
    I’M SO PRETTY in der keibelstrasse holten die
    mein helles rot ein langsames
    fliessen mutterwärme auf beton
    die narvaglüh im Keller wärmt statt ihrer dünnen hand
    I’M SO PRETTY
    verlier mit siebzehn mein herzloch
    an den vater staat wegen dem 220er
    der eigne alte ist stumm beim bier
    das weltall genossen
    alles im fluss über unter mir
    mundloch strömt und arschloch
    mit großen ach und weh
    bin der struwwelpeter
    in der keibelstrasse
    hab keine mutter mehr noch vater
    die haben sich verloren im wald
    die schweigen nur und glotzen DDR 1
    willi schwabe ein freund ein guter freund
    lallen Biermann müller prag
    bulgarienurlaub oder datsche
    du gehst ab nach torgau
    4 Jahre jugendwerk
    sagt die bullenfrau
    in der nacht als mutter tausend worte schrieb
    lag ich in meinem
    blut und liege noch da und sehe keinen
    himmel und habe löcher in der fresse
    was kostet eigentlich ein implantat
    im westen mutter HIER schlagen uns
    die volksbullen löcher in mund

    ROSI / SEKRETÄRIN
    (Rosi und Robert zanken auf russisch, singen ein russisches Lied )
    ROSI
    Meine Eltern sagten immer: Du darfst nichts tun und nichts sagen, was du nicht ehrlich meinst. Sie haben mich gegen die Heuchelei erzogen. Meine Schwierigkeiten bewegten sich in den Grenzen des Zumutbaren, da mein Vater ein alter Kommunist war, Insofern hab ich es leichter gehabt als andere, die brauchten mehr Zivilcourage. Die hab ich im Blut.
    Ich glaube, ich habe meinen Mann auch schon im Blut.Wir sind seit zehn Jahren zusammen, und ich kann mir einen anderen Mann nicht denken. Robert ist ein Stiller, einer, den man nicht hört. Er spricht leise, und er macht auch sonst keinen Lärm. Wenn er Holz sägt, im Hof ist ein Schuppen, dort hat er seine Werkstatt, wenn er Holz sägt, ist es das angenehmste Geräusch. Er geht leise, man hört ihn oft nicht hereinkommen. Manche Menschen behaupten, ich spiele ihn an die Wand. Doch die kennen uns schlecht. Am liebsten ist er mit mir allein. Ich denke nicht darüber nach, ob mir das angenehm ist oder nicht, es ist eben so. (Lass mal los.) Ich gehöre nicht zu den Frauen, die sich einbilden, nur mit einem Mann glücklich sein zu können. Ich treffe ständig Männer, die mir gefallen und denen ich gefalle. Ich habe wenig Hemmungen. Gelegentlich gehe mit einem Mann ins Bett oder auf die grüne Wiese. Ich verberge diesen Teil meines Lebens vor anderen Menschen, da ich weiß, wie sie über Frauen wie mich urteilen und wie schlecht mein Mann dabei wegkommt. Die Tugendrichter sind ja weniger die Männer, denen man oft zu Unrecht nachsagt, sie würden sich an unsere Emanzipation nicht gewöhnen. Meistens gehen Frauen auf die Barrikaden, weil sie neidisch sind. Ist ja ein alter Hut. Aber es ist nicht so, daß ich bei Robert zu kurz komme, Robert arbeitet sehr schwer mit seinem Körper. Mit keinem anderen Mann war ich so frei wie mit Robert. Er hat mir noch nie etwas verweigert. Wir kennen unsere Bedürfnisse. Sexualität hat ja nicht nur mit Liebe zu tun, mit Streicheln und Lächeln, sie hat auch etwas mit Gewalttätigkeit zu tun, mit primitiven Trieben. Robert ist Arbeiter. (Lass das.) Ich will keinen Intellektuellen, der mit seinem Körper nichts anfängt. Ich hätte so einen haben können. Der war Chefingenieur. Ging mit einem weißen Mantel herum, mit schmalen weißen Samtpfoten und nach Feierabend hat er Tennis gespielt und ist mit diesen albernen Standfahrrädern in seiner Wohnung beschäftigt gewesen. Als er scharf auf mich war, hat er zuerst eine halbe Stunde geduscht und sich mit Körperspray eingenebelt. Über das Laken, halte dich fest, hat er zwei Handtücher gelegt, damit das Laken nichts Schlimmes abbekommt. Ich habe diese heilige Handlung einmal über mich ergehen lassen, aus Neugier. Wie er beim zweitenmal, eine Woche später, die gleiche Zeremonie startete, bin ich abgehauen. Ich mag, auch Frauen. Frauenhaare und Frauenhaut sind was Phantastisches. Das geht vielen Frauen so, sie gestehen es sich nur nicht ein. Ich sehe also gerne Frauen, die große Brüste haben, sie müssen nicht einmal schön sein. Man geht mit so vielen Menschen in die Kantine, ins Kino sitzt in Versammlungen zusammen, lacht, streitet ... Gibt es einen einleuchtenden Grund, warum man ausgerechnet den Sex ausklammern soll? Weil unsere Großmütter das tun mußten? Alles, was natürlich ist, is...Sex ist für mich ja nicht nur ein Spaß, sondern gelegentlich etwas Totales. Im Sex drücke ich meine ganze Persönlichkeit aus, viel direkter als sonstwo, ja? Ich bin keine Sexmaschine, ich bin eine Frau. Enthemmung ist hervorragend, Wie mein Mann sich dabei fühlt? Ach je, der Stärkere wird immer den Schwächeren beeinflussen oder der Aktive den Passiven. Mein Mann ist ein enorm sinnlicher Typ, wie die meisten gesunden Männer, aber Feingefühl für die Frau hat er nie gehabt. Das habe ich ihm anerziehen müssen. (Zeig mal.)
    Was ich in unserem Präsidium dagegen tagtäglich erlebe...Fachidiotentum, auf das wir zusteuern, unsere leitenden Kader die haben die Kraft nicht, irgendwelche Konsequenzen zu ziehen oder ein Risiko einzugehen. Ich habe ein kleines, ganz kleines bißchen Marxismus gelernt, in meiner Abendschule, und unsere Direktoren haben enorme Parteischulen hinter sich. Was haben die ihnen genützt? Die hören sich gerne reden und haben nichts Neues zu sagen, nur Phrasen, die ihnen aus dem Maul sprudeln, während das Hirn schlummert. Da kommt auf einmal etwas hoch, was man für bewältigt gehalten hat:Wir haben ja keine Vergangenheit zu bewältigen.Wir haben ja mit der Gründung unseres Staates automatisch den Faschismus ausgerottet. Keiner hat mit der ganzen Sache irgendetwas zu tun gehabt, keiner hat etwas gewußt.Gestern in der Kantine. Einer ruft irgendwas wie: Du, die und die fährt nach Ravensbrück. - Oh, schreit eine Frau vergnügt, dort gehört sie auch hin! Niemand hat was dazu gesagt.Ich friere ein, wenn ich so was höre. Ich denke an meinen Vater, den Kommunisten und ich sage mir: Ihn hat es betroffen, und mich betrifft es auch. Über das alles kann mit Robert sprechen, aber es beunruhigt ihn nicht, für ihn ist unsere Gesellschaft ganz in Ordnung, weil alle zu essen haben, weil wir persönlich weiterkommen, uns mit Sachen eindecken, Auto, Badezimmer, Kühlschrank, Datsche, Waschautomaten, die unsere Gewässer ruinieren und Wasser vergeuden.
    Ich bin Sekretärin, schön und gut, aber ich bin auch ich, ich bin Rosa, Tochter des Kommunisten A. R. Die Sekretärin ist purer Zufall, es gibt Schöneres, als Handlanger für ehrgeizige Männer zu sein. Aber ich kann gut zurückstecken. Ich finde es beschämend, was manche Menschen an Weltschmerz verdampfen, nur weil sie ihren Traumberuf nicht kriegen oder weil ihnen einer Schwierigkeiten macht. Damit rechtfertigen sie ihre Unfähigkeit, mit irgendwas mal selbständig fertig zu werden. Jetzt haben sie mir einen Chef vor die Nase gesetzt, das ist vielleicht ein Affe! Papiere, Mitteilungen, Verordnungen, VerhörProtokolle, Berichte, Bestätigungen, Erlasse, alles schriftlich, obwohl es auch ein Telefon gibt. Auf das Telefon ist aber kein Verlaß. Der scheut jede Konsequenz. Konsequent sein, das war doch eine der stolzesten männlichen Eigenschaften. Mütter sind weich und nachgiebig und ein wenig dumm; Väter sind hart, konsequent und klug, nicht?
    Da habe ich gerade durchs WestFernsehen vernommen, welche Eigenschaften für uns Frauen typisch sein sollen: Passivität, Abhängigkeit, Konformismus, Ängstlichkeit, Nervosität, Narzißmus, Gehorsam. Ich bin also ein Mann, dem nur das Stückchen Schwanz fehlt. (Und jetzt ihr: Wir sind Männer ohne Schwänze!) Den Herren der Schöpfung wurde folgendes zugebilligt: Aggressivität, Gefühl für soziale Rangordnung, größere Risikobereitschaft. Erhöht sich allerdings die Aggressivität der Männer, sinkt ihre Intelligenz. Das kann ich bescheinigen. Bei den Frauen liegts andersherum. Höhere Aggressivität ist mit höherer Intelligenz gekoppelt. Soll eine Angelegenheit der Hormone sein. -
    KLINIKUM FRAUENTAG/ STRAHLUNGEN 1981

    RAMONA
    Zweite Bestrahlung. Mit Hilfe von beträchtlichen Mengen Kognac überstehe ich ziemlich gut die Bestrahlungen. Die ersten Male hatte ich grässliche Angst unter dieser Kobaltkanone.

    MARIANNE
    Dritte Bestrahlung. Zwei Jahre lang soll ich meinen Beruf nicht mehr ausüben. Das ist lächerlich und völlig unmöglich. Womit soll ich mein Dasein rechtfertigen?

    SIMONE
    Vierte Bestrahlung. Lauter fremde und bedrohlich summende Maschinen, Ärzte und Physiker mit Bleischürzen, während ich NACKT dem Beschuss ausgesetzt bin.

    RONJA
    Fünfte Bestrahlung. (Charlotte kippt um.)

    PROFESSOR
    Liebe Genossinnen und Nichtgenossinnen zum heutigen internationalen Kampftag der Arbeiterinnen und Bauerninnen gibt es ihre sechste Bestrahlung durch unsere volkseigene Kobaltkanone Z30. (singt Wie Ein Stern) Nach der Bestrahlung, die Damen, bitte die Tabletten nehmen trotz Feiertag. fünfmal unsere sputnik gegen todesfurcht .
    So und nun bitte zur Bestrahlung… Der Beschuss beginnt!
    Die Verspannungen danach sind ganz normal.

    MARIANNE
    Konbaldkanone Z30

    RAMONA
    Is ja gut Marianne, lass den Professor ausreden (Lilli kippt um.)

    PROFESSOR
    Die Verspannungen sind ganz normal, ihre ganze Muskulatur ist noch gelähmt von der Bestrahlung.
    Übrigens Birgit, Ihre Blutwerte sind bestens. Aber Sie müssen nach der Bestrahlung körperlich was machen, (Sophia kippt um.) Ihr Geschirr waschen zum Beispiel oder den Boden schrubben, die Körperertüchtigung beschleunigt die Regeneration.

    (Maxie schrubbt.)

    FRAUEN
    L: während ich am boden liege und die verdammten bretter schrubbe
    Alle: ARBEITET DER KOPF
    S: ich denke dran wie viele frauen jetzt wie ich am boden liegen
    C: und den dreck für ihre lieben kinderchen und den mann wegschrubben
    Alle: MORGEN IST DER DRECK WIEDER DA./ BRUST BAUCH RACHEN KOPF. BRUST BAUCH RACHEN KOPF.
    S: ick protestiere gegen meine kranheit. BRUST BAUCH RACHEN KOPF.
    C: ick gegen die beschissenem knoten. BRUST BAUCH RACHEN KOPF.
    R: ick scheiss auf die offenen wunde. BRUST BAUCH RACHEN KOPF.
    S: ick protestiere gegen diese streuung. BRUST BAUCH RACHEN KOPF.
    L: ich bin keine fortpflanzungsmaschine. BRUST BAUCH RACHEN KOPF.
    S: ich hab keine mutterverpflichtung. BRUST BAUCH RACHEN KOPF.
    (Lilli beginnt den Professor einzutapen.)

    RONJA
    was machst denn du da

    MARIANNE
    ich male

    ZWISCHEN 03:00 UND 05:00

    BIRGIT
    (Ich wurde im April wieder krank. nichts schlimmes sagen die Ärzte, Bauchfellentzündung)
    Liege in einem Dreibettzimmer in Buch auf dem Tisch ein verschlossenes Kuvert, ich öffne es : Metastasen im Bauchfell / Es ist drei Uhr morgens, und ich kann nicht schlafen und muss doch eine Geschichte für die Katie fertigkriegen. Warum gibt es hier keine Schreibunterlage, was ist das für Licht und Frau Schmittke im Nebenzimmer röchelt und die Ärzte geben ihr Morphium, was weiß ich und die Frau Schmittke lebt weiter, warum lässt man die nicht sterben? Sie schreit fällt aus dem Bett,hat alles vollgekackt, sie wälzt sich im eigenen Dreck, der Gestank, der Lärm, das Gerenne, das Stöhnen.Und alle müssen wach sein und mitansehen wie eine nicht leben nicht sterben kann, und das alles vor den Augen von Schwerkranken, die noch was schreiben müssen. Ich hab mich verschrieben.Hier muss doch ein Punkt hin

    MARIANNE
    Die Schwester war eben da, fühlte meinen Puls und rannte weg, um den Arzt zu holen. Draußen dämmert es, die Nacht ist schwül und schwer um 03:55

    SIMONE
    Meine Angst in den Morgenstunden 03:56

    RAMONA
    das Erwachen aus Träumen 03:57
    das Erkennen der Wirklichkeit 03:58

    SIMONE
    Was machste da

    MARIANNE
    Ich male gegen die Resignation die innere Kälte

    SIMONE
    Dachte bist Physikerin nich Picasso

    RAMONA
    Wenn mein Kerl kommt, der Chilene, spiele ich ihm Heiterkeit vor.Wir naschen Früchte.Vorsichtig, zwei Löffelchen Kompott, das genügt.

    MARIANNE
    Auf dem Gang das Scharren der Füße, das Getuschel der jungen Schwestern, Türengeklapper.
    Hier sind alle Türen kaputt

    BIRGIT
    Ich werde um sieben Uhr früh zum Telefon gerufen. Es ist Thomas

    THOMAS
    Birgit.Ich will ein paar Worte sagen. Meine Stimme klingt lieb.Ich sage freundliche Dinge

    RAMONA
    Vor nem Jahr die linke Brust ab, jetzt frisst mich die Galle!

    SIMONE
    Schweineschlachten kann ich.Robert lag drinnen krank, das Schwein hat einen Knochen geschluckt, was weiß ich, ist erstickt daran, röchelte, hat sich gewunden. niemand war da, konnt es nicht mitansehen, hab ich das große spitze Küchenmesser genommen und habe es abgestochen.

    RAMONA
    Ich habe versucht, mit meinem Chilenen zu reden

    MARIANNE
    04:30. Fenster schließen nicht, die Türen auf und zu kommen und gehen flüstern

    SIMONE
    die Toilette voll Blut Erbrochenem Kot, die Schwestern übermüdet und frustriert sind

    RAMONA
    die Ärzte abwesend und gleichgültig, das Essen sauer

    BIRGIT
    Thomas bist du noch dran ?

    THOMAS
    Ja

    BIRGIT
    Lies mir bitte etwas aus deinem letzten Buch vor

    (Sie tanzen.Kati schreibt.Die Mädchen gehen in das Behandlungszimmer)

    (KATIE
    This is minimal punk)


    LEERES HAUS/PANKOW JULI 1981
    (Kati und Thomas im Hof. Blasmusik aus dem Bürgerpark. Laufschrift.)

    KATIE
    Mutter ist wieder zu Hause sagt …Lieber Thomas, ich nutze die wunderbare Ruhe in unserem Hofgarten, das leere Haus um Dir ein paar Worte zu sagen Und Mutter sagt Alles Leben in mir ist in eine winzige BauchKammer gepreßt, bis diese Kammer ihre Wände sprengt, explodiert und sich ausbreitet. Und sie fragen mich nich nach meiner Kammer im Polizeipräsidum in der Keibelstrasse… und ich sag nur Monika ist drüben und die Sarah und
    der Jurek und bald ich
    Das Eis ist zu dünn
    es trägt nicht alle /
    es bricht

    JOY DIVISION/ TRANSMISSION
    (Ein Song. Birgit und Thomas und Katie tanzt)

    Dance Dance to the radio
    Dance Dance Dance

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    14. November 2024

  • FOSSILES (nach Öl) – Part one


    FOSSIL (Drama nach Öl)

    (Filmkulisse.Ein Erdölfeld.Im Hintergrund ein gestrandeter Wal, 1854.1932.1977.)


    CHARLIE CHAPLIN (Hintergrund Filmkulisse Modern Times)
    der sohn des ölmagneten magnaten Daddycool PUFF engagierte sich immer mehr in einer radikalen splitterpartei neomarxistisch,irgendwas mit pflanzen und
    raubbau organen und blalabla UFF PUFF er
    blablabla wachte in fremden betten auf blabla ficken mit schauspieler*innen vor und nach nem cast blabla
    ich kürze mal die Überleitung und strich runter auf
    der sohn die tochter schlagen mit angelruten fliegenfängern auf Big Daddy ein
    der einen dicken Fisch an der Angel hat, aus NY oder Chicago,der will ins Schwarze investieren.
    Am Ufer des öligen Flusses wird eine Pächterfamilie von maskierten Clansmen drangsaliert,ihre Hütte fängt Feuer
    Ein selbstgerechter Pfarrer predigt in seiner halbleere Kirche.Ein Marxist wird an einer Platane aufgehängt.
    Ich EUER CHAPLIN Traumclown für Arbeitnehmer zeig mal kurz mein traurigstes FILMGESICHT ihr schweigt
    lachen tun die feisten von der Wallstreet
    Stiere mit roten blauen Hoden
    Das Kapital ist und bleibt wohl altgriechisch
    Ich tanze stumm ohne Kothurn
    auf der sterbenden Weltkugel herum
    wiedibumm!

    (Chaplin zeigt sein traurigstes Filmgesicht,eine osteuropäische Melodie)

    TEXASBOY
    Ich möchte jetzt dass dieser text gesprochen wird
    verdammte scheisse
    dieser text ist mir sehr wichtig
    wirklich wichtig, scheisse
    also sprechen spielen wir den jetzt:
    ich kann nur noch heulen
    träume vom krieg co2 Überschuss erstickter welt
    und meiner gitarre in nem garagekonzert und dem verkehr danach in houstonoder LA mit fromms damit nichts hineingebohrtem wird
    in die alte sterbende welt fuck mit paula unbedingte genossin
    der fehlende mutterschoss ist ab heute meine neusozialistische fuckheimat

    RUTH (Sis von TEXASBOY)
    ICK HABE
    BULLEMIE

    TEXASBOY
    ICH verhungere unter Vaters Trümmern
    mein Hungerstreik gegen sulfatboden und kuh KZ
    unter vaters türmen fick ich mich wund und schreibe
    RISE AGAINST IT
    was
    wollte ich sagen

    RUTH
    Ick habe LEUKÄMIE

    TEXASBOY
    SISTER PLS habe nasenbluten vom aufregen
    über traurige wälder und meere

    PAULA (ein Mädchen,16 Plattenbau)
    DIESER TEXT HIER IST Sozialistisch UND MIR SEHR WICHTIG mein ökologischer SozialismusKommunismus MEIN FRIEDEN NACH DEM KRIEG um Böden Meere Gaslöcher und SCHIEFERGESTEIN
    Mein Aufstand beginnt so:Auftritt vier Frauen…sie legen Feuer an einer Schwarze Pumpe…ESSO TEXACO WACO WILCO sie legen Feuer im Firmensitz, sie zerschlagen die Fressen von deutschfranzösischen CEOs
    die gern geschlechtsverkehren nach großen Abschlüssen
    wenn’s geht unter Achtzehn und drei vier Gastanks explodieren,ich sitze in einem Panzerturm Abrahms Bradley Challenger Fucker
    beschiesse die Firmenzentrale vier CEOS verkohlen in der Chefetage in Austin Texas

    TEXASBOY
    und mein Platz während des Aufstandes wäre mitten im Feuer mit dir an der Hand DADDY und wir singen nen
    singersongwritersong deiner Generation DADDY

    PAULA
    oder tanzen fuckern flüstern
    auf dem Truck beladen mit Düngemittel der in deine Firmencentrale rast

    TEXASBOY
    Ganz laut hören wir alten Scheiss PATTIE SMITH ODER SO mit Herz
    und Seele heil DAD alter falscher Sechsziger

    PAULA
    Ich bin ein zirkusloch das aus den trümmern deiner Raffinerie kroch und nehme alles das nich kkk ist und jünger als ein panzersoldat von der first brigade vor deinen kalten Augen schwiegerdad
    ja, schreib nur CHARLIE mitkorrigier kuratier mich,dramatisier mich
    lies meine sätze heimlich in der Nacht unter Bauhauslicht deinen dürren Genossen vor, die American Socialist Party hat 100 Mitglieder,davon 80 in NY davon 10 beim FBI,der Rest Dramaturgen und Autoren…
    in der Nacht…wir stopfen uns die Münder mit unseren Geschlechtern
    nehmen sie in Mund
    in jeder Öffnung explodieren
    das muss reichen für Frau Mann

    TEXASBOY
    die Sätze für unsereKAMPFSCHRIFT Kein Blut für Oil oder wasweissich
    sind unser Flaschen Pfand ,ich schenk dir meine Prologe
    ich borge deine Epiloge! das dazwischen ist verloren gegangen
    Geh und denk dir schöne Sätze aus BRUDERHERZ
    hinter abgeschlossener Tür ausgeschieden
    ich spiel jetzt meinen Lieblingssong diesen alten Scheiss
    PATTIE SMITH ODER IGGY PIEP

    DADDY
    Erzähl mir doch mal was schönes etwas mit Wind,mit Konjunktur
    langsamen Flüssen, wachsenden Profiten, vielleicht ohne oder mit
    Wolken,reichen Vorkommen, farbigen Kieselsteinen und herbstbraunen Gras und dabei läuft stumm ein Trickfilm von Warner oder…was andres Bunny aus deiner,unsrer Kinderzeit
    SON AND DAUGHTER ERZÄHLEN ETWAS SCHÖNES
    TWAIN ODER WOLFE ODER SUSAN VOM SONNTAG
    NATÜRLICH EINE NATURBESCHREIBUNG UND MENSCHEN WERDEN URALTE TIERE PFLANZEN LEBE WESEN
    HINTRT MIR BEREITET SICH EIN TEXT VOR VON URALTEN LEBENWESEN WAHL ODER OKTOPUSS
    Scheiss dir in den Säugetierhals
    oder nich

    RUTH
    Dad ich Blutkrebs du Schütze
    Mama hält die schöne dünne Nase
    auf die Koks-Waage dein Sohn isn
    lauer Wassermann ertrunken in unzähligen
    Podcast Küsten seiner Weltangst
    zeig mir deinen Penis
    Wildente

    DADDY
    WALGESÄNGE ÖL in meinem Rücken will mir was einfüstern
    der fette Shrimpshoratio klingt so
    (Daddy übt sich in Walgesängen/ drei Tabletänzerinnen tanzen dazu
    normativ)
    „In euren ländern lässt ihr brennen von unserem öl
    wärmt euch eure nachhaltigen glutenfreien bäuche
    den espresso mit, unter Pilzen in stillen Fusszonen
    der Arsch gewischt mit gesundem Papier
    blutige Schmiere
    ihr schmiert euch schwarzes Gold in eure schiefen Münder
    unsterblich vor dem Spiegelbild die Hautcreme gemacht aus
    unserer Hautf verbrannt die Dörfer kohlschwarz meine Mutter
    mein Vater drin BEI MOSSUL als ihr kamt mit dem Versprechen der Freiheit UND DEMOKRACY“ geht aufs Zwerchfell dieses Walgesinge,
    Girls kommt zum bigger then all Daddy…(Daddy,Texasboy und Ruth in der Bar.Paula sammelt einhundert tote Vögel ein)

    DER WAL (VOM MEER UND STERBEN)

    (Ein Walfisch wird aus dem Meer gezerrt,man zerstückelt ihn,zerhackt ihn,stösst ihm stangen in den Leib, er DER WALFISCH spricht vom Meer vom Sterben. Vier Frauen singen ein sämisches Lied.)

    WAL
    Vor dem Weltbruch, dem kommenden Menschenkrieg
    dem Fieber, dem lodernden Brand verharrt ein Wal nicht in der Starre
    eines Jumboplakates oder im geronnenen Bild eines Umweltschützers
    in der Hanftasche leger über den sehnigen Rücken geschnallt
    Mein Atemziehen durch angstverschnürte Luftröhren
    gleich zählt man mein LebensGeld, in Tranfässer trangiert meine Weltenmeere
    es träumen Kiemen und Flossen
    von verlorenen Körpernden ungeborenen Kindern weiten Meeren
    dem Südstern, dem Kap der guten Hoffnung

    PEER EINS
    machn film draus keine sülze

    WAL
    es strampelt der umgestürzte Käfer im Altölbett
    die Eiskristalle von Sibirien schmelzen, schwarz die Eiserde
    der grüne Tee als letzter Zuhörer, weit weg von der Kernschmelze
    der fiebrige Blick, das Kind im Garten
    ungeboren spielt mit saurem Sand

    PEER DREI
    Eh Wal halt die Fresse
    Als meine Welt zugrunde ging EX YU putzte ich eine Plattenspielernadel von Sommerstaub, während Panzer am Fenster vorbeifuhren...dann knackte es und ich sang meine letzten Lieder
    sang mit den vibrierenden Fenstergläsern
    pevam njoj samo njoj bis sie brachen sie Gläser unter meiner Last
    meldete mich freiwillig und landete in SLAWONIEN

    WAL
    kurz bin ich walklug:
    Für mein alten Freunde die Walfänger von narvik bergen
    Polen Jugos vielleicht ein nativer Norweger ENKIDU schrei
    ein Epos in die bunte bildschirmwelt

    PEER ZWEI
    zwischen kupfermine und walfängerhafen
    von Vorteil ist ein Hintergrund
    nachhaltig votzemfresse
    vom tranöl leben eure unsre kinder
    nicht euren klimaablass broschüren
    gierig gelesen in gates residences
    YOUR RESISTANCE IS GATED RESIDENCE

    PEER EINS
    OstOstOst…restlos vergessen

    WAL
    er sollte nur nicht
    zu schwer wiegen
    DER HINTERGRUND
    schnell reden ist Gold
    Langsam schweigen ist Scheiße
    schweigen ist Sold
    und mein BlutTran Fett tropft
    in einen leeren Eimer und darauf
    werdet ihr eure Bibel lesen odern Porno
    runterwichsen auf der Heimfahrt nach
    Europa blutig gefickter Stier
    Unter meinen Lebensblut
    Ich sang schön
    für nichts als ich die. Welt umkreiste
    (Versuch eines Walgesanges)

    PEER DREI
    ich bin über Fünfzig
    und heiße PEER eigentlich Frank eigentlich Fotzo
    machte mal Figurentheater oder in Polenfluppen
    jetzt Ostnorweger…wenigsten den Präfix gerettet

    WAL
    Meine Welt verbrannte vor der Welt
    Mein Bauch mein Herz meine Eingeweide
    Ungehört zersplittert nicht zusammengesetzt
    s ist Sonnabend und ich liege ausgeweidet am Strand
    und denke dies und das höre schlechte elektronische
    Musik der Kinder die meine dicke Seele retten wollen
    SAGT MAL IST DAS ETWA MODERAT
    SO EINE SCHEISSE EIN POTTWAL KREPIERT DOCH NICHT
    ZU MODERAT
    nach vorne und hinten denken während man ausgenommen
    wird oder zurück ins tote meer gezerrt
    Pazifik und Atlantik meine GÄRTEN
    freie Liebe in der Behringsee
    es kostet mich
    nicht viel mein letztes Singen
    für dreißig Jahre
    und einen Weltenbruch

    PEER EINS
    ich leg nen Zehner drauf und fahre durch
    bis nach Gdynia nach Hause

    DIE ANDEREN PEERS NENNEN IHRE HEIMATSTÄDTE
    DIE MEISTEN IM OSTEN IN DER ARMUT AM RANZIGEN
    RAND EUROPAS LIEGEND.

    WAL
    ANS MEER schrei ich
    tauche hinein
    ein Atemzug still ersticken.
    das schöne ist alt, gebaut vor Jahrhunderten
    belebt es meinen Meergrund
    GALLEEREN DREIMASTER DRACHENSCHIFFE
    das neue Ruinen des Neuen unterm Sonnenlicht das mir fehlt im
    tiefen Blau unter ammoniakschwerer Decke IHR NENNT ES MEERESOBERFLÄCHE liege ich an
    NARVIKSTRAND an der Küste von NARVIKSTADT
    Norwegisch kann ich nicht singe falsch
    ein trauriger Strand, ich schiebe mich ins blau, mitgenommen sechsigMesserstiche HARPUNE IN GESCHLECHT zwischen Nase und Zeh Milz und Leber von vergangenen Schlachten ins stille Blau tauchen
    die Stiche mitgebracht aus einer kalten Nacht neunzehnUND
    auch egal
    der Atlantik liegt vor mir
    Krieg im Kopf auf dem Meer über mir
    Ich kann sehr lange die Luft anhalten
    im Meer hinter Usedom und die Seesterne zählen
    schon eine Minute ohne Luft im Kopf
    ewiger Krieg und arme Schweine
    mein lecken mein heulen
    verbrennen ich brenne nicht
    die walfänger holen sich sechs scheinwerfer reiben sie mit dem walfett ein,die scheinwerfer erstrahlen.licht ein besonderer Stoff.
    Die Walfänger singen ein schönes norwegisches Lied
    oder zitieren ein Stück
    PEER du bist ein Arschloch
    deine Kinder krepieren am Gas
    in einem kommenden
    Weltenkrieg

    PEER
    Na und…unter deinem Fettlich les ich jetzt den
    Moby Dick. (Er liest eine Passage aus dem Roman. Der Wal verlässt leuchtend die Bühne.)

    EIN KRANKENZIMMER IN NEVADA

    (Klimatisiertes Krankenzimmer.Eine Wüse. Irgendwann ein Atompilz,vielleicht eine Fata Morgana)

    BIGDADDY
    Der Himmel verspricht einen schönen Tag die bunten Schläuche in mir einen Chemiesturm. Der Sand bleibt vor meiner Krebstür, tanzt vor dem Fenster oder kriecht durch die Schlüssellöcher. Eine Kalibr zieht ihre Runden über dem brennenden ERDÖLFELD bei Mariupol quakt FoxTV wund, ich hab mich eingeschissen,in meiner überhitzten Sterbebude am Hadesufer mit Kaktusblick.
    Ich bin nun mein eigenes Heizwerk,ist die Chemie aus den Schläuchen der Krebs haucht mir zart in die Hand und draußen brennt die Stadt in der Wüste. Mein Tag am Ende der Zeit in dem Zimmer mit Aircondition beginnt vielleicht mit der Zeitungslektüre in einer BoutiqueHotelbar in Thailand ELEKTRONISCHE MUSIK BITTE oder was schönes fällt aus dem Schnürboden…etwas schönes fällt vom Himmel hallelujah FOSSILE BRENNSTOFFE AM ENDE lese ich und glotz aufs Meer,den toten Sand hinterm
    Fensterkreuz glotz nach Wind und Sonne, ich steige auf das Bett der Sonne entgegen, ein toter Fisch liegt neben meinem Brett hab die Zeichen nicht erkannt,arbeite an meinen Skills und Moves
    FoxTV Ein Überlebender beschreibt ein Blutbad in USA
    ICH LAG UNTER ICHWEISSNICHT WIEVIEL TOTEN
    MIT ANGST DASS EINER LEBT UND BEWEGT SICH
    ODER FÄNGT AN ZU SCHREIN ÜBER MIR SIE
    SCHOSSEN AUF ALLES WAS SICH REGTE ODER LAUT GAB GLÜCKLICHERWEISE WAREN ALLE TOT
    Das Glück muß sich nach der Decke strecken
    Leben weil alle tot sind ein Menschheitstraum
    Leerzeit Ein Tag wirft mich dem andern zu ist tot

    Ich will nun Handarbeiter sein
    MUTTER MUTTER
    WAS HAST DU GETAN
    ICH STERBE HIER ALS TOTER WAL (zeigt auf Krankenhauskleidung)
    BIN EIN KLEINGESPENST TOTES FOSSIL
    BIN GENERAL LEE UND IM BEATHE UHSE MUSEUM
    DIE REITERARMEE IST DAS BLUT DAS AUF PVC BODENAUS MEINEM DÜRREN HALS HINUNTERSTÜRMT ich seh
    meine übelgelaunte Krankenschwester ihre wüstnbraunen
    nervöse Hände der Klasse die einst die Zukunft trug
    und nun meine Kackschüssel,das ist Dialektik
    Ich scheiss Chemie du frisst sie ungesichert dank
    Kapitalismusdemokfatie. Ich seh deine KrankenschwesterSchultern tätowiert lese in meinen Chemiestürmen:
    Die Morgenröte einer Nacht Die Nacht Der Morgenröte
    Gott ist tot seine verwaisten Engel
    Leihen ihre Flügel nicht mehr aus
    Das GottSkelett kreist im Weltraum
    UND ICH BIN GESTORBEN FÜR DIESE GESELI.SCHAFT
    PROSPERO prosperiert in Öl und Chemie sagt der müde Kapitalist. Ich seh mich mit 30 auf dem Bahnhofsstrich frag das junge Mädchen.Wie soll die Welt enden wenn das Geld müde wird wird sie zehn Minuten schlagen, die Deutsche Bank wird mich per Zoom nachhaltig beraten.
    Der Strichjunge zieht sich schon auf dem Marmorbodenklo
    aus,ich liege nun in meinem Unrat, rieche nach Basel Leverkusen und Nestle mitten in der Atomwüste.
    Das Kardiogramm sagt mir zum Anschluss:
    Das letzte Abenteuer ist der Tod
    Ich werde wiederkommen außer mir
    Der Krebs.
    Der Krieg.
    Verloren.
    Vergessen.
    Kein Morgen
    mehr.
    Ist mir egal das
    Morgen ich werde
    heute sterben.

    Motherfucker this is my land
    MUTTERFICKER DAS IST MEIN LAND
    My Father owned ist,my grandfather owned it,my grandgeanfather owned it. Meine Kinder bedeuten nichts ownen nichts
    In meiner Welt die ich
    aus der Erde riss
    das Schwarz aus ihrem Schoß
    leersoff
    allein


    FRACKED (GODS HOUSE)

    (Eine Kirche wird von Unbekannten angezündet.Im Hintergrund heben und senken sich Pferdeköpfe,Ross Oil)

    ELI (Priesterin)
    Schilfborsten Totes Geäst auf dem schwarzen Gottesacker
    DIESE BÄUME WERDEN NIEMANDEN ÜBERWACHSEN
    Fischleichen Schlamm Keksschachteln Kothaufen
    die zerrissenen Monatsbinden der Arbeiterfrauem
    unerhört ihr Anrufen von Gott in Holzbarracken auf
    des Herrn blutigen Acker geschwärzt von der nimmersatten
    Schlange und das Blut der Weiber von ROSS OIL UNITED schreit
    aus diesem Sand dieser Erde
    DU MUSST AUFPASSEN JOHN JOE
    BLOSS NICHTS IN DIESE WELT GEBÄREN
    FLÜSTERN DIE FRAUEN
    in ihren dünnen Bäuchen lacht das tote Kind
    hab Öl mit der Muttrrbrust gegessen sein Herz zugeklebt
    hoffe das Gott mit trotz dem zu sich nimmt

    RUTH
    IHR DAS IST MEIN MANN
    STOSS MICH KOMM SÜSSER
    Bis ihm die Ölpumpe den Schädel zertrümmert das nicht mehr gebrauchte FrachtSchiff im Tankerhafen
    Das im Baum hängt Hangar und Kotplatz der Geier im Wartestand

    ELI
    Die Gotteskinder
    hocken in den Zügen Gesichter aus Tagblatt und Speichel
    Die GLOTZEN
    jeder in der Hose ein nacktes Glied auf gelacktes Fleisch Rinnstein der drei Wochenlöhne kostet bis der Lack Aufplatzt Ihre Weiber stellen das Essen warm nach der Förderschicht,die Kinder fördert man eh nicht
    Leukämie statt Sportunterricht
    Die Mütter hängen die Betten in die Fenster bürsten das Kinderblut, das erwachsene Erbrochene aus dem Sonntagsanzug
    Die Abflußrohre AbortusKinder ausstoßend in Schüben gegen den Anmarsch der Würmer aus dem Erdschichten die im Öl leben
    Der Schnaps ist billig in den USA verkommene Ufer an schwarzen Flüssen.Gott ist gnädig in der Tabledancebar sabbern sie. Die Kinder pissen in die leeren Cola Flaschen Traum von einem ungeheuren Beischlaf in Chikago Blutbeschmierte Weiber In den Leichenhallen
    Die Toten starren nicht ins Fenster
    Sie trommeln nicht auf dem Abort
    Das sind sie Erde von den Überlebenden betrogen

    RUTH
    Ein Arbeiter verbrennt im Feuer das mein Daddy legt
    is wegen dem Gas das vor dem Gewinn steht
    is wie bei den Deutschen bei denen auch das Gas
    vorm HauptGewinn steht,es regnet Asche aufs blonde Haar
    JUNGE MÄDCHEN blutkrank hängen sich an Pferdeköpfen auf
    EINIGE HINGEN AN LICHTMASTEN NEBEN DEN ERDÖLTÜRMEN
    ROSS OIL,ZUNGE RAUS, VOR DEM BAUCH DAS SCHILD ICH BIN EIN FEIGLING
    KANN DIESE WELT
    NICHT MEHR RETTEN
    Auch keinen Wal oder süßen Pinguin
    mein Blut is sauer Mutti auch
    Papa vergisst mich beim
    Verkehr mit der Mutti
    danach ein Bier in
    der Tablebar


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    12. November 2024

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    1. November 2024

  • BULGAKOW / DON QUIJOTTE (ein Ausschnitt,demnächst komplett)

    DER MEISTER UND JELENA
    (Moskau 1938.Nacht.)

    MICHAIL
    JELENA hab nichts zu fressen meine romane dienen den kreml als klopapier unrussisch unpatriotisch sagt unser führer die jungen journalisten zählen meine punkte kommas alte wörter und schöne sätze quaken alt reaktionär

    JELENA
    zu lang ohne parteilichkeit rote gesinnung
    ist der weisse micha alt ist er der weissgardist
    und frauensammler EKEL

    MICHAIL
    und der kremlfürst
    wischt sich mein blut vom universellem arsch

    JELENA
    sancho schwieg und der ritter sprach und sprach,
    die sengende hitze der weiten ebene
    die felder vertrocknet kein wasser
    der staudamm hats gefressen
    die windräder stehen still

    MICHAIL
    ich schweige zu den kindernköpfen die
    man kocht das fleisch ist zart
    ist keine buchstabensuppe kein klassisker
    des marxismus in steppe zwischen dnipro
    und charkiw die mann frau vater mutter
    dort löffeln während moskau schweigt
    den weizen verkauft an paris berlin london
    für devisen und den belgischen stacheldraht
    für die lager in denen man schnell stirbt

    JELENA
    und der ritter von der traurigen gestalt spornte
    sein pferd an, hieb rosinante die sporen
    in die seite und brüllte
    warum führen die menschen krieg
    warum töten menschen menschen
    warum sprechen wir nicht vom frieden
    warum sprechen wir nicht vom krieg
    warum nur vom mehl dass uns die
    windräder auf unsere vollen teller
    scheissen

    MICHAIL
    Jelena das hab ich nicht geschrieben
    Du dumme Pute die brechen mir die Zähne
    schiessen mir ins Maul auf Offener Strasse
    und kein Moskauer ineressert es

    JELENA
    ich verachte deine angst

    MICHAIL
    ich verachte deine angst

    JELENA
    deinen hunger dein fremdgehen
    im MCHAT junger schauspielrinnen
    die deine romane nicht kennen
    die ich mit blutigen fingern in den
    nächten in die maschine hacke
    (zählt sie auf) bevor du regieassistent
    wurdest und ihre gänge aufzeichnest
    den nackten wahnsinn auf seine witze
    kürzt und stalin ein stück zum wichsen
    schreibst EKEL MICHAIL EKEL
    KEINE WÜRDE HAST DU MIT DER
    ANGST DEINE KUNST ERWÜRGT
    wie Stalin unsere Revolution

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    1. November 2024

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