NEUNZEHNFÜNFUNDVIERZIG
NEUNZEHNFÜNFUNDNEUNZIG
TUPPA UND PEPE
(liebesduett heiner inge.lyrik auf lyrik.inge spielt weltmeisterakkordeon
der sozialismus wird aufgebaut.bunt nun kriegsgraue welt)
INGE
33 war ich ein gläubiges Kind meine Eltern warn gut und fleißig
erwachsen wurde ich 39 als der Krieg anfing
45 war jeder ein Greis, ich wollte nicht leben und nicht sterben
In den Trümmer 45 da fand ich mich
Und band mich in ein Tuch
Ein Knochen für Mama
Ein Knochen für Papa
Einen in dies Buch
Ich sah die Welt in Trümmern, ich sah den Tod und die Gewalt
noch eh ich jung war war ich alt, ich lernte Tote bergen lernte weinen ohne Tränen
Ich hab auch im Zuchthaus gesessen drei Tage im Keller wegen Wehrkraftzersetzung
Ich wollte das Eiserne Kreuz nicht nehmen
Für Selbstverständlichkeit Blutende und Sterbende nicht so Krepieren lassen
Ich wollte das Kreuz nicht
An dem Keller trag ich noch immer Schwer.
Schreiben wollt ich Farben finden
MÜLLER
Worte verstehn
INGE
Lieben
MÜLLER
Sehn
INGE UND MÜLLER
Weitergehn.
INGE
Wer ist hinter mir her?
MÜLLER
Der Krieg hat aufgehört.Hinter den Bäumen schwimmt die letzte Wolke rötlich
INGE
Wir trafen uns im Kreis von Schreibern und solchen die es werden wollten
Du hocktest da wie ein Greis
ALLE RUFEN:
JAZZ UND LYRIK!
(Jazzrythmen. Poetry slamming in der Haupstadt der DDR.Politische Gedichte.Sonja die Sanitäterin nebelt den weißen Raum ein.Die DDR ein Jazzland)
DAS IST UNSER KOMMUNISMUS
I
Gegen mittag der Bauplatz, die neue Schönere Landschaft Schornsteine. Montagehallen. Stahl und Beton. Erde, aufgerissen, Berge, versetzt mit Maschinen und Händen, Lärm und Staub.
II
Die Alten sammeln hier Reisig Fünf mal hundert Jahre lang Hier werden die Brikettfabriken stehen in Fünf Jahren und die neuen Kraftwerke. Hier ist Schönheit.
III
Der Folterer Barbiewar der Erfinder der Barbiepuppe.
IV
Hinter dem Traumwald der zum Sterben winktSah mein Gesicht mich an: das Kind war ich.
V
der Genosse Stalin ist mein Vater
ich bin ein träumendes Kind
mein Traum vom Kommunismus beginnt in Leuna 1920
VII
INGE UND HEINER
HEINER
so habe ich Inge kennengelernt
sie war mit einem zirkusdirektor verheiratet
INGE
nicht mehr lange
HEINER
ihr dürft meinen rasen nicht betreten
brüllte er noch der
ALLE
IM BEROLINA
HEINER
deine scham sein kundschafterversteck
ich hab nen schwanz sagt inge
ALLE
ZEIGMAL
INGE
ist mir im krieg gewachsen
wie meine trauer
ein dunkles tier
HEINER
wir haben zuviel geraucht
ALLE
UNSER VEREINIGUNGSPARTEITAG
INGE
belomorkanal ost
HEINER
lucky west
INGE
in der mitte kinobesuch roten Wddimg
ALLE
JOHN WAYNE ERSCHIESST ADENAUER
INGE
am lehnitzsee rauchen
weit der himmer die sterne hoch zum greifen nah
HEINER
wie majakowski sterben
ALLE
DER SCHUSS
INGE
ja oder mandelstam
ALLE
DER STRICK
HEINER
zuwenig gelesen LOS TUPPA lies schneller
INGE
Rosow Simonow Babel Charms Mandelstam
ALLE
ACHMATOWA
HEINER
na ja
INGE
ach komm heiner
wir gingen jeden tag tanzen
jazz und lyrik
HEINER
cafe nord ganymed bei den jugoslawen in der kristallbar
UNSER JUGOSLAWISCHER TRAUM
INGE
Tito Selbstverwaltung der dritte Weg
SLJIVOVITZ und SOZIALISMUS
HEINER
mit freunden die welt umkreisen
laika sieht uns zu
EMIL
DARF ICH LAIKA SEIN
INGE
Möwe Kastanieneck Ratskeller
wolf peter und bettina thomas wolfgang
HEINER
nee Wolfgang spiel mal jetzt nich
bierdeckel voller träume
schauspeler ohne maske
INGE
müde warn wir nie
ALLE
DENNSOZIALISMUSVAUFBAUN
INGE
haben viel getrunken in langen nächten
ALLE
SCHNAPS WODKA BIER
HEINER
wir haben viel geliebt
bummsbummsbummsbummms
INGE
wir haben zu wenig geliebt
bummsbummsbumms
HEINER
wir haben viel gearbeitet
wieviel seiten hast du zehn ich zwanzig mist
INGE
wieviel seiten hast du jetzt hundert ich auch
ein vertrag
HEINER
volk und welt AAAH
vorschuss 500
INGE
hörfunk der ddr 1000 OOOH
ALLE
IST BESSER
INGE
neue wohnung in pankow
urra
HEINER
wir haben zuwenig geschlafen
urrra
INGE UND HEINER
wir schreiben kinderbücher gedichte lyrik pornogedichte
liebesgedichte hördramen dramendramen monidramen
ALLE
ROMANE NICH
HEINER
dauert zu lang der Kommunismus kann nich warten
INGE
keine zeit für den schlaf
Frage an den Hund im Kosmos WIE SIEHT DIE SACHE VON OBEN AUS
EMIL
Gut WUFF
HEINER
und alle rufen zum Mond junge Wöfe und Wölfinnen
ein gespenst geht um unser ABC des Kommunismus
… (tragen das bild rein)
wir haben mit freunden diskutiert
FREUNDE
Rb
Inge wie brauchen einfach eine neue Form des Lehrstückes
radikaler als Brecht
Ro
so was wie Weiss aber mit Jazz
Ju
Nicht die illustrative Wiedergabe von sozialistischer Realität
L
sondern ihre Widersprüchlichkeit aufzeigen und somit Probleme
aufzeigen
E
EIN GESPENST GEHT UM IN PANKOW huhuhu
Jo
HASTE MAL NE FLUPPE THOMAS
R
KLAR WEST OST
nee Wolf spiel mal nich
L
aber die Widersprüchlichkeit darf nicht zum Instrument der InfrageStellung unserer sozialistischer Positionen werden
B
Parteilichkeit und viele Songs
E
VODKA FÜR INGE UND DEN WOLF
JoNEE ICH HEUT NICH HAB MORGEN IN SCHWARZE PUMPE
übrigens haste mal zehn mark
E
NEE aber Bettina
Ju
unsere Stärke liegt in der Parteilichkeit von Kunst
Haltung klar machen Verfremden
das befindliche emotionale Melodramatisiween des BRD Theaters ist
F
nicht weit weg vom gefühlgedröhne eines Rühmann Goebbels oder
Heesters Waffen SS Strichjungencharme
F
ICH HAB SIE IN DEN BRAND GESCHOSSEN ALS VOLKSSTURMund in Schwerin die Straßen gefegt
nee oder war das in Waren
Das war so stumpf da im Norden
schon
L
Du kannst nicht die vorrevolutionäre Erfahrung eines Brecht in die nachkriegliche staatsrevolutionäre umserer Republikgründung überleiten
R
Die Macht des Proletariats ist eine junge ungefestigte,so muss unsere Kunst sein YOUNG AND WILD WIE DER WESTERN IM ZOOPALAST Neue LEVIS die machen wir selber im Kommunismus,
E
nee in Grimma
L
Jung ungefestigt jedoch parteilich und nicht dogmatisch in seinem nationalkommunistischen Utopismus
Rb
JETZT REICHTS MIR
J
WAS DEN THOMAS
THOMAS
RPanzer in rotem PRAG in unserm roten Prag
J
das ist Budapest 1956 du bist zu früh
mit deiner Ambition
DIE KORREKTUR
INGE HEINER
Die Korrektur unser erstes gemeinsames Stück
Ein Bericht
INGE
Vom Aufbau des Kombinats Schwarze Pumpe.
HEINER
Auftritt ein Brigadier: Bist du der Sekretär?
INGE
PARTEISEKRETÄRIN
Ja.
Was ist?
HEINER/BREMER
Ich heiße Bremer, bin Parteimitglied seit 1918, war im KZ bis 45, Funktionär bis vor acht Tagen. Die Partei hat mich in die Produktion kommandiert, weil ich einem Nazi in die Fresse geschlagen habe, der bei der Nationalen Front einen Posten hat. Und jetzt bin ich hier im Kombinat.
INGE/PARTEISEKRETÄRIN
Gut, Genosse Bremer. Du arbeitest im Abschnitt 6 als Brigadier.Du wirst Schwierigkeiten haben. Der Sozialismus wird nicht nur mit Sozialisten aufgebaut, hier nicht und wonders nicht, am wenigsten hier. Das Kombinat ist eine Großbaustelle, kein Musterbetrieb, und wir müssen schnell baun. Unsre Industrie braucht Strom und Kohle und braucht beides schnell. Du kommst nicht durch, wenn du dich nicht an die Partei
hältst.
HEINER/BREMER
Hier bist du die Partei, was?
INGE/PARTEISEKRETÄRIN
Die Partei hat mich hier eingesetzt. Du kannst mich kritisieren, wenn ich Fehler mache. Dazu gibt es Versammlungen. Auch dazu.
INGE
Auftritt des Arbeiters Franz K.
HEINER
lieber gleich die ganze Brigade
ein Tableau des Klassenkampfes
SCHAUSPIELER
Ich bin Bauarbeiter, rot seit 1918, seit 46 nicht mehr so. Ich habe mit der Wismut das Erzgebirge auf den Kopf gestellt, acht Stunden täglich, in Schächten one Sicherung, die jeden Tag absaufen konnten.
SCHAUSPIELER
Wer nicht mit dem Schacht absoff, soff ab im Schnaps. Wen der Schnaps nicht fertigmachte, den brachten die Weiber auf den Hund. Es war schwer, sich herauszuhalten: aus den Schächten, aus den Weibern, aus dem Schnaps.
SCHAUSPIELER
Jetzt hat sich das gebessert: die Schächte sind gesichert, und die Weiber sind verheiratet. Hier im Kombinat hab ich mir noch kein Bein ausgerissen.
HEINER
Szene Die Normenschaukel
INGE
Musik Jazz Auftritt Nazi
DER MAJOR
Komm auf die Schaukel Brigadir
FRANZ K
Er ist neu ,klär in auf Major
MAJOR
Das ist die Norm,gemacht von einem Streber.Die muss korrigiert werden.Also wird geschaukelt
Was wir nicht schaffen,schaffen wir auf dem Papier.Den Bleistift hast du.
BRIGADIER
Bei mir steht hundertzwanzig.Betrug kommt nicht in Frage.
MAJOR
Ich schlag dir aufs Maul du Kommunist
INGE
Wir arbeiten an der Erneuerung des sozialistischen Lehrstück
Epische Texte Jazz
HEINE
epische Spielweise
FREUNDE MIT LEHRSTÜCKEN.UMSIEDLERIN.LOHNDRÜCKER
SONJA:
ACHT JAHRE EINE NACHT
Wohnzimmer in Pankow. Bettina Wegner singt Schlager und wird von Fernsehreporter interviewt. Inge mit Akkordeon und Suff hat mit ihrem Blut ein Hakenkreuz gemalt.Sonja die sowjetische Sanitäterin verbindet ihr die Venen
BETTINA
singt
FERNSEHMODERATOR
So meine lieben Zuscahuer das war unsere zauberhafte Junge Bettina aus dem Vokalensemle
des Fernsehens der DDR (Originaltext folgt)
HEINER
Acht Jahre
Hör bitte auf
INGE
Du hast mich ausradiert
Umsiedlerin HMüller
Der Bau Heiner HMüller
Die Lohndrücker HMüller
Die Korrektur HMüller
MÜLLER
Hör auf zu saufen
INGE
Ich trinke
MÜLLER
Hör auf zu tanzen
INGE
Hier mein SELBSTBILDNIS ZWEI UHR NACHTS:Dein an der Schreibmaschine sitzen. Mein auf dem Boden liegen. Dein Blättern in einem Kriminalroman. Am Ende Wissen, was du jetzt schon weißt: Der glattgesichtige Sekretär mit dem starken Bartwuchs ist der Mörder des Senators und die Liebe des jungen Sergeanten der Mordkommission zur Tochter des Admirals wird erwidert. Aber du wirst keine Seite auslassen. Manchmal beim Umblättern ein schneller Blick auf das leere Blatt in der Schreibmaschine keiner zur Tür von meinem Zimmer.
Der Sergeant ist gerade dabei den zweiten Mord zu verhindern Obwohl die Admiralstochter hm (zum erstenmal!) die Lippen hinhält, Dienst ist Dienst an der Kopulationsfront.Nebenan träumt deine Frau von ihrer ersten Liebe. Gestern hat sie versucht sich aufzuhängen. Morgen wird sie sich die Pulsadern aufschneiden oder wasweißich. Wenigstens hat sie ein Ziel vor den Augen. Das sie erreichen wird, so oder so und das Herz ist ein geräumiger Friedhof. Die Geschichte der Fatima von deiner Frau im Neuen Deutschland war so schlecht geschrieben, daß du darüber gelacht hast. Der Krimi ist gelesen.Jetzt kannst du schlafen. Morgen ist wieder ein Tag.
HEINER
Du schreibst doch nur Kinderbücher,Kinderverse. Höchstens mal eine Revue für den Friedrichstadtpalast natürlich für Kinder. (nimmt Manuskripte liest vor)
Ach du grüne Neune Pittiplatsch wie willst du den Kosmonaut werden
So eine Scheisse
Verkrampft
Nicht zu Ende geschrieben,nicht zündend geschrieben
Meine Korrektur deiner Korrektur
Korrigier dein fettiges trauriges Haar
Das ist doch alles Scheisse
Jetzt spielt sie wieder deine Weltmeister
Die einzige Welt die du fassen kannst
SchwarzWeiss die Knöpfe fleissig üben die Töne,fleißig schreibst du auch
Und jetzt musst du mir beweisen,dass du gleichwertig und eigenständig bist als Autorin. Grotesk. Auf deiner Steuererklärung muss immer mehr einstehen an Einnahmen als bei mir,das ist alles zu unseren Ungunsten steuerlich gesehen…und wenn du mal was schreibst dann ist das immer mit Übereinsatz verbunden,mit Verkrampfungen
INGE
ICH SEH DICH SO AM SCHREIBTISCH SITZEN: GEBEUGT
Unter der Last deiner Gedanken, ausruhend von den hetzenden Träumen der zu kurzen Nächte,
ein Vogel auf dem Fenstergitter stört dich, sekundenlang ist da die Angst der Neugeborenen in deinen Augen und du greifst nach dem Bleistift wie nach meiner Hand (Wie ich nach deiner greife. Manchmal.) Und ich sag dir wie der Vogel heisst.Und wie er singt. Du schreibst es auf.
Beruhigt malst du dein Gesicht auf eine Streichholzschachtel und nimmst eine neue Zigarette und schreibst mit unserm Blut die Chronik dieser Zeit.
MÜLLER
Acht Jahre schneide ich dich schon vom Strick, hol dich vom Balkon aus fremden Betten
INGEMÜLLER SCHLÄFT WENN ER MÜDE IST
MÜLLER ISST WENN ER HUNGRIG ISTARBEITET WENN ER KANN.MÜLLER LEBT WIE ER MUSS,ABER ER MUSS NICHT WAS WIR MÜSSENMiete zahlen Mittag machen Wäsche kochen
Der Majakowski mitgekocht nur noch Brei in meinen Händen
meine Lyrik schrumpft bei 60 Grad dass deine Schlüpfer glänzen
ich wechsel die Männer wie du deine Sujets
schaffst zehn Seiten am Tag
ich nur einen halben Sprung
vom Balkon
weit ist der Himmel
MANFRED KRUG
Sag mal Heiner du hast da einen neuen Text
HEINERDer Bau,es geht da um einen Brigadier Balla
zitiert aus DER BAU
MANFREDdit wirdn Film
UNTER TRÜMMERN
MÜLLER
Inge hör auf
Inge bitte
INGE
Zwei Seiten Hörspiel
Zehn Seiten Kinderbuch
ich möchte jetzt dass dieser Text gesprochen wird.verdammte scheisse
dieser Text ist mir sehr wichtig
wirklich wichtig, scheisse
also sprechen spielen wir den jetzt
sofort ich kann nur noch heulen
träume vom krieg nazis auschwitz
und meiner weltmeister und dem verkehr danach in Lichtenberg oder Pankow mit X Y Z unbedingt ein Genosse der Mutterschoß meine sozialistische Heimat unter Trümmern
DIESER TEXT HIER IST Sozialistisch UND MIR SEHR WICHTIG mein Sozialismus Kommunismus MEIN FRIEDEN NACH DEM KRIEG:
DIE WEIBERBRIGADE Auftritt vier Frauen in Schwarze Pumpe…
bin ein zirkusloch das aus den trümmern kroch und nehme alles
das nich nazi war und jünger als ein SS panzersoldat von großdeutschland
ja, schreib nur mitkorrigier kuratier mich,dramatisier mich
heiner,lies meine sätze heimlich in der Nacht unter Bauhauslicht
in der Nacht..wir stopfen uns die Münder mit unseren Geschlechtern
nehmen sie in Mund
in jeder Öffnung explodieren
das muss reichen für Frau Mann
die Sätze für AUFBAU VOKLK UND KINDERBUCHVERLAG sind unser Flaschen Pfand ,ich schenk dir meine Prologe
ich borge deine Epiloge
das dazwischen ist verloren gegangen
Geh und denk dir schöne Sätze aus
hinter abgeschlossener Tür ausgeschieden
(Inge spielt schweigt und spielt Akkordeon.Nachtkrieg.Nachtgeister, vier Frauen.)
SONJA(verbindet)
Wir lagen zwischen Moskau und Berlin
Im Rücken einen Wald ein Fluß vor Augen
Zweitausend Kilometer weit Berlin
Einhundertzwanzig Kilometer Moskau
In Schützenlöchern aus gefrornem Schlamm
Und warteten auf den Befehl zum Einsatz
Und auf den ersten Schnee Und auf die Deutschen Tags hörten wir die Front nachts sahn wir sie Die Deutschen hatten was wir brauchten Panzer
Flugzeuge den Hochmut der Sieger Meine Soldaten hatten Angst und wenig mehr
Angst ist die Mutter des Soldaten und
Der erste Schnitt geht durch die Nabelschnur Und wer den Schnitt verpaßt stirbt an der Mutter Meine Soldaten kamen von der Schule Im Kino hatten sie den Krieg gesehn
Ich war ihre Kommandeurin und meine Angst war
Die Angst vor ihrer Angst Und näher kam
Die Front und von der Front die Deserteur
Wo kommt ihr her Genossen
Aus dem Kessel
INGE/J
Unterm Schutt lieg ich
der Himmel fiel auf einmal um 45
ich lachte und war blind
Und war wieder ein Kind
unterm Schutt
Im Mutterleib wild und stumm
Mit Armen und Beinen die ungeübt stießen und griffen und liefen Bilder ringsum
Kein Boden kein Dach
Was ist - verschwunden
Ein Atemzug Stunden
Ein Augenblick hell wie im Meer
Da klopft einer Den Globus her!
Daß ich mich halte Brücken Land Pole Millionen Hände brauch ich
Mich trägst du nicht, Tod, ich mach mich schwer
Bis sie kommen und graben bis sie mich haben
Du gehst leer.
SONJA
Der Deutsche Habt ihr ihn gesehn Wie kämpft er
Ein Horizont aus Panzern ist der Deutsche
Der auf dich zufährt So Ein Himmel aus
Flugzeugen ist der Deutsche Und ein Teppich
Aus Bomben der sich über Rußland legt
Es gibt sie nicht mehr die Rote Armee
Wenn wir geschlagen werden und ich wußte
Geschlagen werden wir nicht von den Panzern
Von keinem Flugzeug oder Bombenteppich
Was uns schlägt ist der General der Angst heißt
INGE/Ro
Unterm Schutt unterm Gebell der Eisenrohre lag ich
Schon im Griff der Erde und wachte auf als IRGENDWO im Herz der Kontinente
Rauch Aufstieg aus offenem Meer
Heißer als tausend Sonnen war kälter als Marmorherz
auf sechzehn Füßen EIN BERGUNGSTRUPP DER ROTEN ARMEE
ging ich in die Mitte genommen den ersten Schrittt gegen den Staub
Ich lebe und der Hund der an den Knochen meiner Eltern nagt
in den Trümmern von Berlin 45
INGE/Ju
In den Gaskammern
Erdacht von Männern
Die alte Hierarchie
Am Boden Kinder
Die Frauen drauf
Und oben sie
Die starken Männer Freiheit und democracy.
Ein Blick von einer Macht zur andren Macht. Von einer Nacht in die andre Nacht Und dazwischen: vide! (Ich sehe) Da nehm ich mir lieber einen Fetzen Blau Vom Himmel
Daß er schwarz dahinter ist weiß ich wenn ich weine
Ich seh ihn,
Und dann weiß ich nicht wie er war.
INGE/L
Flüchtlinge vorm Leben.
Was haben wir zu geben?
Flüchtlinge. Alle.
Gewalt.
Das war schon; viele wurden trotzdem alt!
Wieviele sterben Bis wir uns aufheben.
Hand vor Hand
Und Fuß vor Fuß
Männer brauchen Krieg
Der Verlierer braucht den Sieg
Der Kopf stirbt unterm Muß.
Das Chaos
Was fängt an?
TODESANZEIGE
(viermal müller viermal inge köpfe in gasherden.sonja die sowjetische sanitäterin legt eine platte auf.eher etwas russisches.)
H/J
Sie war tot, als ich nach Hause kam.
Sie lag in der Küche auf dem Steinboden, halb auf dem Bauch, halb auf der Seite, ein Bein angewinkelt wie im Schlaf, der Kopf in der Nähe der Tür.
Ich bückte mich, hob ihr Gesicht aus dem Profil und sagte das Wort, mit dem ich sie anredete, wenn wir allein waren.
Ich hatte das Gefühl, daß ich Theater spielte.
Ich sah mich, an den Türrahmen gelehnt, halb gelangweilt halb belustigt einem Mann zusehen, der gegen drei Uhr früh in seiner Küche auf dem Steinboden hockte, über seine vielleicht bewußtlose vielleicht tote Frau gebeugt, ihren Kopf mit den Händen hochhielt und mit ihr sprach wie mit einer Puppe für kein andres Publikum als mich.
H/E
Ihr Gesicht war eine Grimasse, die obere Zahnreihe schief in dem aufgeklapp ten Mund, als ob der Kiefer ausgerenkt wäre. Als ich sie aufhob, hörte ich etwas wie ein Stöhnen, das mehr aus ihren Eingeweiden als aus ihrem Mund zu kommen schien, jedenfalls von weit.
H/R
Ich hatte sie schon oft wie tot daliegen sehen, wenn ich nach Hause kam, und aufgehoben mit Angst (Hoffnung), daß sie tot war und der schreckliche Laut klang beruhigend, eine Antwort. Später klärte mich der Arzt auf: Eine Art Aufstoßen, durch die Lageveränderung bedingt, ein Rest von Atemluft, vom Gas aus den Lungen gepreßt. Oder ähnlich.
H/F
Ich trug sie ins Schlafzimmer, sie war schwerer als gewöhnlich, nackt unter dem Morgenrock. Als ich die Last auf der Bettcouch ableg te, fiel ihr eine Zahnprothese aus dem Mund. Sie mußte sich, in der Agonie, gelockert haben.Ich wußte jetzt, was ihr Gesicht entstellt hatte. Ich hatte nicht gewußt, daß sie eine Zahnprothese trug.
H/E
Ich ging zurück in die Küche und stellte den Gasherd ab, dann, nach einem Blick auf ihr leeres Gesicht, zum Telefon, dachte, den Hörer in der Hand, an mein Leben mit der Toten bzw. an die verschiedenen Tode, die sie dreizehn Jahre lang gesucht und verfehlt hatte, bis zu der heutigen erfolgreichen Nacht.
H/R
Sie hatte es mit einer Rasierklinge probiert: als sie mit einer Pulsader fertig war, rief sie mich, zeigte mir das Blut. Mit einem Strick, nachdem sie die Tür abgeschlossen, aber, mit Hoffnung oder aus Zerstreutheit, ein Fenster offen gelassen hatte, das vom Dach aus zu erreichen war. Mit Quecksilber aus einem Fieberthermometer, das sie, für diesen Zweck, zerbrochen hatte. Mit Tabletten. Mit Gas. Aus dem Fenster oder vom Balkon springen wollte sie nur, wenn ich in der Wohnung war. Ich rief einen Freund an, ich wollte immer noch nicht wissen, daß sie tot war und eine Sache der Behörden, dann das Rettungsamt.
KRANKENSCHWESTER SONJA:
SIND SIE WAHNSINNIG MACHEN SIE SOFORT DIE ZIGARETTE AUS TOT SIND SIE SICHER JA SEIT MINDESTENS ZWEI STUNDEN ALKOHOL DAS HERZ HABEN SIE NICHT GEMERKT DASS IHRE FRAU WO IST DER BRIEF WAS FÜR EIN BRIEF HAT SIE KEINEN BRIEF HINTERLASSEN WO WAREN SIE VON WANN BIS WANN MORGEN NEUN UHR ZIMMER DREIUNDZWANZIG VORLADUNG DIE LEICHE WIRD ABGEHOLT AUTOPSIE KEINE SORGE MAN SIEHT NICHTS.
H/R
Warten auf den Leichenwagen, ins Nebenzimmer gehen (dreimal), die Tote NOCH EINMAL ansehen (dreimal), sie ist nackt unter der Decke. Wachsende Gleichgültigkeit gegen Dasda, mit dem meine Gefühle (Schmerz Trauer Gier) nichts mehr zu tun haben. Die Decke wieder über den Körper ziehen (dreimal), der morgen aufgeschnitten wird, über das leere Gesicht. Beim drittenmal die ersten Spuren der Vergiftung: blau. Zurück ins Wartezimmer (drei mal).
H/Jo
Mein erster Gedanke an den eigenen Tod 1945
Nachtmarsch auf dem Bahndamm in Mecklenburg, in zu engen Stiefeln und zu weiter Uniform: die dröhnende Leere. HÜHNERGESICHT. (Inges stehen auf,umringen die Lebenden)
Irgendwo auf dem Weg durch den Nachkrieg hatte sie sich an mich gehängt, eine dürre Gestalt im schlotternden Militärmantel, der am Boden nach schleifte, eine zu große Feldmütze auf dem zu kleinen Vogelkopf, ein Kind in Feldgrau. Trottete neben mir her, stumm, ich kann mich nicht erinnern, daß sie ein Wort gesagt hätte, nur wenn ich schneller ging, sogar lief, um sie abzuschütteln, stieß sie zwischen keuchenden Atemzügen kleine klägliche Laute. Wie Hundeheulen.Nie war mein Wunsch, einen Menschen zu töten, so heftig. Ich erschlug sie mit seinem Feldspaten.nicht einmal als sie das Spatenblatt kommen sah, brachte sie einen Schrei zustande. Sie hat in meinen Träumen keinen Platz mehr, seit sie ihn getötet habe (dreimal)
INGE (vier Frauen,schwärzen die Welt.Terror)
Ich bin Die die der Fluß nicht behalten hat.
INGE/Ju
Die Frau am Strick
INGE DREI/R
Die Frau mit den aufgeschnittenen Pulsadern
INGE VIER/L
Die Frau mit der Überdosis
ALLE
AUF DEN LIPPEN SCHNEE
INGE/Je
Die Frau mit dem Kopf im Gasherd. Gestern habe ich aufgehört mich zu töten.
INGE/Ju
Ich bin allein mit meinen Brüsten meinen Schenkeln meinem Schoß.
INGE/L
Ich zertrümmre die Werkzeuge meiner Gefangenschaft den Stuhl den Tisch das Bett.
INGE/R
Ich zerstöre das Schlachtfeld das mein Heim war.
INGE/J
Ich reiße die Türen auf, damit der Wind herein kann und der Schrei der Welt.
INGE/L
Ich zerschlage das Fenster. Mit meinen blutenden Händen zerreiße ich die Fotografien der Männer die ich geliebt habe und die mich gebraucht haben
INGE/R
auf dem Bett auf dem Tisch auf dem Stuhl auf dem Boden.
INGE/Ju
Ich lege Feuer an mein Gefängnis. Ich werfe meine Kleider in das Feuer. Ich grabe die Uhr aus meiner Brust die mein Herz war. Ich gehe auf die Straße, gekleidet in mein Blut.
INGE I-IV
Hier spricht Elektra Ophelia Tuppa Inge im Herzen der Finsternis.
Unter der Sonne der Folter. An die Metropolen der Welt. Im Namen der Opfer.
Ich stoße allen Samen aus, den ich emp-fangen habe.
Ich verwandle die Milch meiner Brüste in tödliches Gift.
Ich nehme die Welt zurück, die ich geboren habe.
Ich ersticke die Welt, die ich geboren habe, zwischen meinen Schenkeln.
Ich begrabe sie in meiner Scham.
Nieder mit dem Glück der Unterwerfung.
Es lebe der Haß, die Verachtung, der Aufstand, der Tod.
Wenn sie mit Fleischermessern durch eure Schlafzimmer geht, werdet ihr die Wahrheit wissen.
SONJA
PANZERGERÄUSCHE.RAUCH.WÄNDE WERDEN ZU FLUGBLÄTTERN.ROLLING STONES UND DUBČEK.PAVEL IM AUTOREIFEN.EIN MENSCH BRENNT.
PRAG 1968.CHILDREN OF THE REVOLUTION.THOMAS VERSUCHt EINEN FEUERMENSCH ZU LÖSCHEN.EINE SOWJETISCHE SOLDATIN REGELT DEN PANZERVERKEHR.(sie tut es) BETTINA SINGT EIN LIED FÜR PRAG.
DER FINDLING
THOMAS
Heiner die Russen in Prag
Wir müssen was unternehmen
MÜLLER
Du ich bin in grad Bulgarien, ich kann dazu jetzt nichts sagen
Ich rede gerade mit afrikanischen Studenten in einer Bar
THOMAS
Heiner, Russenpanzer im Roten Prag
BETTINA
Russen raus aus Prag
THOMAS
Heiner du musst dich äußern
HEINER
Nee ich hab wirklich gerade Urlaub
in Bulgarien, ist wirklich billig und ich bin pleite
BETTINA
Es lebe Dubcek
THOMAS
Heiner das ist das Ende unseres Traumes
HEINER
Nee du Thomas,ist gerade spannend was die afrikanischen
Studenten gerade erzählen,über ihren Befreiungskampf
THOMAS
Stalin lebt
Russen raus aus Prag
B
Singt weiter
THOMAS
Vater
VATER
Weißt du was du getan hast
Hier hast du Wohnung Arbeit Sicherheit
Dort gilt der Mensch nichts nur das Kapital
Leichen im Keller und Geld auf der Bank Leichen mit Davidstern In Braun In Feldgrau
Zerbrochen von Metall Zerkocht in Panzern Rauch aus dem Schornstein Staub im Bombenteppich
Das jüngste Grab bewohnt der Kindertraum
Von einem Sozialismus ohne Panzer
Und pflegen ihre Gräber Hunde Katzen
Und ihren Kontostand Bunt ist die Leiche
Ins Paradies kommt wer es kaufen kann
THOMAS
Es regnete als ich vor seiner Tür stand
Hand auf dem Klingelknopf ein nasser Hund
Ich sah nur seinen Schatten Licht im Rücken
VATER
Weißt Du wie spät es ist Es gibt noch Leute
Die brauchen ihren Schlaf für ihre Arbeit
Und deine Mutter Du weißt daß sie krank ist
Es interessiert dich nicht das weiß ich auch
Und was an ihrem Leben frißt bist du
THOMAS
Sie sind hinter mir her Das Flugblatt Er fragte nicht Wer und Was für ein Flugblatt
VATER
Du bist betrunken Geh Schlaf deinen Rausch aus Gegen den Einmarsch der Bruderarmeen
THOMAS
Ich hab auch einen Bruder in Prag Das heißt Ich hatte einen Bruder
in Prag Ein Haufen Asche ist er jetzt
Ein Knochenbündel und ein Brandgeruch
Er hat sich selbst verbrannt in Prag mein Bruder
VATER
Verrückte gibt es überall
THOMAS
Verrückte
Ich weiß wer hier verrückt ist
VATER
Weißt du das
Dann weißt du auch was jetzt passieren wird
Ich bin nicht irgendwer Du bist es auch nicht
Wenn ichs auch wollte Ich kann nicht so tun
Nicht vor mir selber nicht vor der Partei
Als hätt ich dein Geständnis nicht gehört
THOMAS
Geständnis sagte er Und ich Geständnis
Wenn einer hier gesteht dann bist es du
Genosse Vater Und mein Vater nicht
Wie oft hab ich gewollt du wärst mein Vater
Statt der Genosse der mich adoptiert hat
Mein Feind in jedem Stellvertreterkrieg
Den ihr geführt habt im Namen der Sache
Krieg gegen lange Haare Jeans und Jatz
Mit Händehoch im Polizeirevier
Gesicht zur Wand und stehen bis du umfällst
Was eure Sache ist weiß ich jetzt auch
Mit Panzerketten auf den Leib geschrieben
Habt ihr sie UNSERN MENSCHEN eure Sache
VATER
Zieh deinen Mantel aus Du bist durchnäßt
Zieh meine Jacke an Sie paßt dir Oder
THOMAS
Ich glaub nicht daß mir deine Jacke paßt
VATER
Du warst meine Zukunft Alles haben wir
In dich hineingestopft Das ist der Dank
Das Hakenkreuz in Leipzig an der Tafel
In Dresden auf der Brücke dein Geschmier
FREIHEIT und RUSSEN RAUS Freiheit für wen
Das hieß zehn Jahre Zuchthaus unter Brüdern
Für dich wars eine andre Schule und
Ein neuer Studienplatz Bedank dich und
Auf Knien bei deiner Mutter So wie ich
Auf Knien gekrochen bin vor der Partei
Für deine Freiheit Und beeil dich Ihr Krebs kann nicht warten
Russen raus aus Prag Was weißt du
Uns alle hätten sie schon aufgehängt
Wenn wir die Panzer nicht im Rücken hätten
Und was hat dir gefehlt in all den Jahren
Seit ich dich aus dem Dreck gezogen habe
SONJA
THOMAS
Russen raus aus rotem Prag
VATER
Red leise Nebenan stirbt meine Frau
THOMAS
Merkst du das auch schon Wann hat sie gelebt
Frag deine Frau Und wenn du deinen Arsch
Nicht hochkriegst aus dem Sessel sag ich dir
Was ihr gefehlt hat und was mir gefehlt hat
Ihr Krebs du kannst Genosse zu ihm sagen
Mein Hakenkreuz war auch aus deiner Schule
Wie redet man mit einem Leitartikel
Und wie umarmt man ein Parteiprogramm
Du hast mich mit Geschenken abgespeist
Und keine Antwort wenn ich wissen wollte
Wer recht hat und warum der Volksmund oder
Das NEUE DEUTSCHLAND eure Bilderbibel
Der Plattenspieler war für Budapest
Für meinen Freund erschossen an der Mauer
Mußte es dann schon ein Motorrad sei
Das Blauhemd auf dem Sattel war ein Extra
Für das zerrissne beim Fahnenappell
Das war mein Bildungsgang in deiner Schule
Das rote Halstuch meine Nabelschnur
Jetzt kann ich nur noch lachen
Dann sprangen mir die Tränen aus den Augen
Ich ging ins Nebenzimmer wo die Frau starb
Die meine Mutter war und war es nicht
Aber ich hatte keine andre Mutter
Ich hörte zu wie sie mit ihrem Krebs sprach
Zog meine Kleider aus vom Regen schwer
Leckte den kalten Schweiß von ihrer Stirn
Vermischt mit meinem Rotz mit meinen Tränen
Ich legte mein Gesicht auf ihre Brüste
In denen jetzt der Krebs zu Hause war
Ich legte meinen Kopf in ihren Schoß
Der meine Heimat nicht gewesen war
Weil keine Mutter mich geboren hat
Mein Vater eine leere Uniform
Ich sagte Ich will eine Tochter sein
BETTINA
Ich weinte nicht Ich hatte keine Tränen
Ging nicht ins Nebenzimmer wo die Frau starb
Ich stand in meiner Schlammspur auf dem Teppich
Was geht mich euer Sozialismus an
Bald schon ersäuft er ganz in CocaCola
VERGESSEN UND VERGESSEN UND VERGESSEN
der Brustkrebs einer fremden Frau
Warum nimmst du die Hand vom Telefon
Zweifel am sozialistischen Strafvollzug
Ein Minuspunkt in deiner Kaderakte
Warum Genosse rufst du uns erst jetzt an
Warum ziehst du die Jacke aus
VATER
Ich friere
BETTINA
Willst du heraus aus deiner Uniform
Aus deinem Würgegriff mit Schlips und Kragen
Weißt du ob du darunter noch ein Mensch bist
Vielleicht wenn du die Haut dir auch noch abziehst
VATER
Mit unsern Knochen haben wir Und ihr jetzt Mit euren Knochen und mit andern Knochen
BETTINA
Ich weiß was ihr gebaut habt Ein Gefängnis
Mein bester Freund erschossen an der Mauer
Er hat sie hinter sich Ich hab sie vor mir
drei Jahre Knast
THOMAS
Als du nach Hause kamst vor sieben Jahren
Aus deiner Sitzung mit gebrochnem Kreuz
Ich hätte keine Hand bewegt für dich
Und keinen Finger Und dein Augenblick
Der Fangschuß deine letzte Parteiarbeit
MÜLLER
Der Dienstrevolver ist kein Monopol THOMAS
Im Sozialismus keine Privilegien
Ich lege mich freiwillig zu den Akten
Mein Dienstrevolver ist das Mausoleum
Des deutschen Sozialismus Und ich spiele
Heimvorteil Die Mauer ist volkseigen
Die Munition die mich zerreißen wird
Ist auch volkseigen und ich bin das Volk
VERGESSEN UND VERGESSEN
THOMAS
Das letzte was ich hörte war sein Weinen
Und seine Stimme die dagegen anschrie
MÜLLER schreibt Schreibmaschine
VATER DOPPELPUNKT
Erschießen solln sie dich du Nazibastard. Erschießen solln sie dich wie einen Hund
THOMAS
Und das Geläut des Telefons als er
Den Hörer aufnahm und wählte die Nummer
MÜLLER
…
…
…
AUSSCHLUSS
GENOSSE WAGNER
Genosse Müller ihre Stücke
Die Umsiedlerin
Die Korrektur
Der Bau
Die Lohndrücker
(Einruf von der Seite „die Gedichte nicht vergessen“)
Sind in ihrem Wesen ihrem Inhalt ihrer Konsequenz nach konterrevolutionär, gegen die Staatsmacht und die Politik unserer Republik gerichtet. Wir lassen unseren Staat in einer derartigen Weise selbst von shakespearschrn Blankversen unseres Jahrhunderts HERR HACKS (der ist gerade auf Toilette) nicht beleidigen.Wir können uns nicht leisten,dass in dieser Situation (diplomatische Anerkennung unseres Staates durch…) wo die Deutsche Demokratidche Republik international ein solches Wachstum ihres Ansehens hat
ANNA SEGHERS/L
aber er ist noch jung
GENOSSE WAGNER
Und du liebe Genossin Seghers musst wieder aufs Klo
MÜLLER
Ich stehe in einem Fahrstuhl
GENOSSE WAGNER
Genosse Müller ihre Texte spiegeln nicht unsere sozialistische Gegenwart wieder
MÜLLER
ich fahre zu meinem Chef
GENOSSE WAGNER
konterrevolutionäre Tendenzen,Abkehr vom realistischen Menschenbild
Verhöhnung aller Errungenschaften,ja Genosse Krug
KRUG/R
Ich finde seine Texte lustig und die Genossen Arbeiter haben auch gelacht
GENOSSE WAGNER
Danke Genosse Krug,der Genosse Müller ist seine Texte zur Veröffentlichung oder öffentliche Aufführung nicht geeignet
Allein die Begrüssungsszene in in…einem ihrer sogenannten Lehrstücke
Bei uns umarmen sich die Parteifunktionäre mit den Brigadieren
bevor sie herzlich einen heben,in ihrer Szene kalte Worte
DRAMATURGIEN UND VERLAGE WERDEN VON MÜLLER TEXTEN GESÄUBERT.
MÜLLER
Ich stehe zwischen Männern,
GENOSSE WAGNER
Ja die Männer…In Müller Bild unserer Republik herrscht ein immerwährende Kopulieren
der Geschlechter NEIN GENOSSE HERMLIN die Toilette ist besetzt
Genossin SEGHERS und der Herr Hacks sind schon vor Ort
Der Genosse Müller wird mit sofortiger Wirkung aus dem Schriftstellerverband der DDR ausgeschlossen. Nun die Selbstkritik des Genossen Müller
MÜLLER
ICH KANN DAS NICHT
JUNGER SCHAUSPIELER
Ich Heiner Müller speie euch eure Scheisse in eure alten Fressen
Ihr zählt meine Kommas ich eure Toren
Ich habe nichts zu schaffen mit eurem Paradies für Dauerredner. Eh ihr nicht gelernt habt euch selber in die Fressen zu spein braucht ihr mir nicht mehr unter die Augen zu kommen. Die Hoffnung daß ihr nicht aufhören werdet mit Lügen ist was mich am Leben erhält. Spart den Trauerflor, ich werde mich nicht auf die Schienen legen. Warum stürzen sich die Lemminge ins Meer auf Spitzbergen? warum seen die Bäume bei Windstille unschuldig aus? wen morde ich nachts? warum lebt ihr? warum will ich die Antwort nicht wissen? warum frage ich? Man sollte euch Scherben ins Maul stopfen, bis der Wind auf euren zerrissnen Gedärmen spielt. Ich hab euch den Spiegel gehalten für ein Trinkgeld. Auf meinem Schädel habt ihr in zertrümmert, weil euch eure Nase nicht gefallen hat.
MÜLLERdas habe ich nie gesagt
Ich stehe in einem Fahrstuhl
zwischen Männern die mir unbekannt sind, in einem alten Fahrstuhl mit während des Aufstiegs klapperndem Metallgestänge. Ich bin gekleidet wie ein Angestellter oder wie ein Arbiter am Feiertag. Ich habe mir sogar einen Schlips umgebunden, der Kragen scheuert am Hals, ich schwitze. Wenn ich den Kopf bewege, schnürt mir der Kragen den Hals ein. Ich habe einen Termin beim Chef (in Gedanken nenne ich ihn Nummer Eins), sein Büro ist in der vierten Etage, oder war es die zwanzigste; kaum denke ich darüber nach, schon bin ich nicht mehr sicher. Die Nachricht von meinem Termin beim Chef (den ich in Gedanken Nummer Eins nenne) hat mich im Kellergeschoß erreicht, einem ausgedehnten Areal mit leeren Betonkammern und Hinweisschildern für den Bombenschutz. Ich nehme an, es geht um einen Auftrag, der mir erteilt werden soll. Ich prüfe den Sitz meiner Krawatte und ziehe den Knoten fest. Die Krawatten der andern Männer im Fahrstuhl sitzen fehlerfrei. Einige von ihnen scheinen miteinander bekannt zu sein. Sie reden leise über etwas, wovon ich nichts verstehe. Immerhin muß ihr Gespräch mich abgelenkt haben: beim nächsten Halt lese ich auf dem Etagenanzeiger über der Fahrstuhltür mit Schrecken die Zahl Acht. Ich bin zu weit gefahren oder ich habe mehr als die Hälfte der Strecke noch vor mir. Entscheidend ist der Zeitfaktor.
GENOSSE WAGNER
GENOSSEN
FÜNF MINUTEN VOR DER ZEIT/ IST DIE WAHRE PÜNKTLICHKEIT.
HEINER
Als ich das letztemal auf meine Armbanduhr geblickt habe, zeigte sie Zehn. Ich erinnere mich an mein Gefühl der Erleichterung: noch fünfzehn Minuten bis zu meinem Termin beim Chef. Beim nächsten Blick war es nur fünf Minuten später. Als ich jetzt, zwischen der achten und neunten Etage wider auf meine Uhr sehe, zeigt sie genau vierzehn Minuten und fünfundvierzig Sekunden nach der zehnten Stunde an: mit der wahren Pünktlichkeit ist es vorbei, die Zeit arbeitet nicht mehr für mich. Schnell überdenke ich meine Lage: ich kann beim nächsten möglichen Halt aussteigen und die Treppe hinunterlaufen, drei Stufen auf einmal, bis zur vierten Etage. Wenn es die falsche Etage ist, bedeutet das natürlich einen viel leicht uneinholbaren Zeitverlust. Ich kann bis zur zwanzigsten Etage weiterfahren und, wenn sich das Büro des Chefs dort nicht befindet, zurück in die vierte Etage, vorausgesetzt der Fahrstuhl fällt nicht aus, oder die Treppe hinunterlaufen (drei Stufen auf einmal), wobei ich mir die Beine brechen kann oder den Hals, gerade weil ich es eilig habe. Ich sehe mich schon auf einer Bahre ausgestreckt, die auf meinen Wunsch in das Büro des Chefs getragen und vor seinem Schreibtisch aufgestellt wird, immer noch dienstbereit, aber nicht mehr tauglich. Vorläufig spitzt sich alles auf die durch mine Fahrlässigkeit im voraus nicht beantwortbare Frage zu, in welcher Etage der Chef
OKTOBERKLUB
DEN ER IN GEDANKEN NUMMER EINS NENNT
MÜLLER
einem wichtigen Auftrag auf mich wartet. (Es muß ein wichtiger Auftrag sein, warum sonst läßt er ihn nicht durch einen Untergebenen erteilen.) Ein schneller Blick auf die Uhr klärt mich unwiderlegbar über die Tatsache auf, daß es auch für die einfache Pünktlichkeit seit langem zu spät ist, der Stundenzeiger steht auf Zehn. Mit meiner Uhr scheint etwas nicht zu stimmen,
aber auch für einen Zeitvergleich ist keine Zeit mehr: ich bin, ohne daß ich bemerkt habe, wo die andern Herren ausgestiegen sind, allein im Fahrstuhl. Ich sehe auf meiner Uhr, von der ich den Blick jetzt nicht mehr losreißen kann, die Zeiger mit zunehmender Geschwindigkeit das Zifferblatt umkreisen, so daß zwischen Lidschlag und Lidschlag immer mehr Stunden vergehn. Mir wird klar, daß schon lange etwas nicht gestimmt hat: mit meiner Uhr, mit diesem Fahrstuhl, mit der Zeit. Ich verfalle auf wilde Spekulationen: Die Zeit ist aus den Fugen und irgendwo in der vierten oder in der zwanzigsten Etage (das Oder schneidet wie ein Messer durch mein fahrlässiges Gehirn) wartet in einem wahrscheinlich weitläufigen und mit einem schweren Teppich ausgelegten Raum hinter seinem Schreibtisch, mit meinem Auftrag der Chef (den ich in Gedanken Nummer Eins nenne) auf mich Versager.
OKTOBERKLUB (spielt SAG MIR WO DU STEHST)
GEGENSTANDSLOS
MÜLLER
in der Sprache der Ämter, die ich so gut gelernt habe
OKTOBERKLUB
BEI DEN AKTEN
MÜLLER
die niemand mehr einsehen wird, weil er gerade die letzte mögliche Maßnahme gegen den Untergang betraf, dessen Beginn ich jetzt erlebe, eingesperrt in diesen verrückt gewordenen Fahrstuhl mit meiner verrückt gewordenen Armbanduhr.
OKTOBERKLUB
GENOSSE WAGNER
und zum feierlichen Abschluss unseres Schriftstellerkongresses spielen unsere jungen Genossen vom Oktoberklub SAG MIR WO DU STEHST
MÜLLER
Verzweifelter Traum im Traum: ich habe die Fähigkeit, einfach indem ich mich zusammenrolle, meinen Körper in ein Geschoß zu verwandeln, das die Decke des Fahrstuhls durchschlagend die Zeit überholt. Kales Erwachen im langsamen Fahrstuhl zum Blick aut die rasende Uhr. Ich stelle mir die Verzweiflung von Nummer Eins vor. Seinen Selbstmord. Sein Kopf, dessen Porträt alle Amtsstuben ziert, auf dem Schreibtisch. Blut aus einem schwarzrandigen Loch in der (wahrscheinlich rechten) Schlähabe keinen Schuß gehört, aber das beweist nichts, die Wände seines Büros sind natürlich schalldicht, mit Zwischenfällen ist beim Bau gerechnet worden und was im Büro des Chefs geschieht, geht die Bevölkerung nichts an, die Macht ist einsam.
MÜLLER(R)
Ich verlasse den Fahrstuhl beim nächsten Halt und stehe ohne Auftrag, den nicht mehr gebrauchten Schlips immer noch lächerlich unter mein Kinn gebunden, auf einer Dorfstraße in Bulgarien. Trockener Schlamm mit Fahrspuren. Auf beiden Seiten der Straße greift eine kahle Ebene mit seltenen Grasnarben und Flecken von grauem Gebüsch undeutlich nach dem Horizont, über dem ein Geim Dunst schwimmt. Wie soll ich meine Gegenwart in diesem Niemandsland erklären. Ich habe keinen Fallschirm vorzuweisen, kein Flugzeug oder Autowrack. Wer kann mir glauben, daß ich aus einem Fahrstuhl nach Bulgarien gelangt bin, vor und hinter mir die Straße, von der Ebene flankiert, die nach dem Horizont greift. Wie soll überhaupt eine Verständigung möglich sein, ich kenne die Sprache dieses Landes nicht, ich könnte genausogut taubstumm sein. Besser ich wäre taubstumm: vielleicht gibt es Mitleid in Bulgarien.(KLARINETTE)
Wo die Straße in die Ebene ausläuft, steht in einer Haltung, als ob sie auf mich gewartet hat, eine Frau. Ich strecke die Arme nach ihr aus, wie lange haben wir keine Frau berührt, und höre eine Männerstimme sagen DIESE FRAU IST DIE FRAU EINES MANNES. Der Ton ist endgültig und ich gehe weiter. Als ich mich umsehe, streckt die Frau die Arme nach mir aus und entblößt ihre Brüste.
FRAUGinka
HEINER
Sie heißt Ginka
FRAU
Ginka Tscholakova
HAMLETMASCHINA
(Ein Orchester in Sofia,die Hochzeit in Bötien.Balkanbaroque)
GINKA
Soll ich von mir reden
Ich (Wer ist das)
Im Regen aus Vogelkot Im Kalkfell
Oder anders
Ich eine Fahne ein
Blutiger Fetzen ausgehängt Ein Flattern Zwischen Nichts und Niemand Wind vorausgesetzt
Ich Auswurf eines Mannes
Ich Auswurf Einer Frau Gemeinplatz auf Gemeinplatz
MEIN GROSSVATER WAR
IDIOT IN BULGARIEN
Ich MEINE Seefahrt
Ich MEINE Landnahme
Mein Gang durch die Vorstadt Berlin Hauptstadt der DDR
im Regen aus Vogelkot im Kalkfell und ich bin Dünn von deutschem Fleisch irgendwas zwischen Ich und Nichtmehrich
Der Himmel über Berlin übt eisige Aufsicht über meine glücklose Landung
Der Knall der Bierdosen beim Gang durch die Karl Marx Alle
auf bulgarisch sagt mein KARL MARKS Ich laufe
zwischen Trümmern und Bauschutt wächst DAS NEUE Fickzellen mit Fernheizung.
Der Bildschirm West speit Welt in die Studentenstube.
Verschleiß ist eingeplant. Parade der Zombies perforiert von Werbespots in den Uniformen der Mode von gestern vormittag
Die Jugend von heute: Gespenster der Toten des Krieges der morgen stattfinden wird AM ALEXANDERPLATZ so hieß auch ein bulgarischer König. Die Kinder entwerfen Landschaften aus Müll. Eine Frau ist der gewohnte Lichtblick ZWISCHEN DEN SCHENKELN HAT DER TOD EINE HOFFNUNG oder der Jugoslawische Traum vom Sozialismus
Zwischen zerbrochnen Statuen der Karl Marc Allee STALIN LEBT IN OSTBERLIN denk ich auf der Flucht von Bett zu Bett, von Mann zu Mann von Mitko zu James an die kalten Augen der deutschdemokratischen Männer. Finger spielen in der Scheide nachts im Fenster zwischen Stadt und Landschaft irgendwo im Studentenheim bei Straussberg? Ein Wolf stand da auf der Straße während der Busfahrten im Morgengrauen Rechts und links ans Theater.FM hat eine Krise,wartet auf meinen Strich
Meine GLÜCKLOSE LANDUNG in das Theater meines Todes
Ich spürte MEIN Blut aus MEINEN Adern treten
Und MEINEN Leib verwandeln in Landschaft
Der Rest ist Lyrik Wer hat bessre Zähne
Das Blut oder der Stein
(Sie isst mit dem Orchester,später ein Theaterensemble eine Currywurst bei Konnopke)
JUNGER SCHAUSPIELER
Heiner sag mal was zu meiner Idee
MÜLLER
nee mach mal so weiter
JUNGER SCHAUSPIELER
Fritz was denkst du wenn ich jetzt die Axt nehme und das Stalin Gemälde zerhacke
Ein Regisseur im Vollrausch lallt mit Senf im Gesicht.
Müller
HM HM
REGISSEUR
Nee wir müssen raus aus diesem Realismus. Corinna könntest du bitte
CORINNA/L
Heiner meinte ich soll vor Macbeth in einer Telefonzelle rauchen
Ostberlin und Schottland werden ein
Ort des Unglücks
HEINER
ja,so postdramatisch rauchen
rauchen telefonieren und die Stones spielen was in W Berlin
hinter der mauer
JUNGER SCHAUSPIELER
DIE STONES SPIELEN WAS
KLEINER MENSCH ODER SO
CORINNA
Ich leg die als Hund an (ARTURO UI)
REGISSEUR
Jetzt fehlt hier nur NOCH
einer der mechanisch blechern auf einem Ton in einem ungewöhnlichen kostum oder Nacht Medea Material runterleiert
ES KOMMT JMD IN KOSTUM UND LEIERT BLECHERN MEDEAMATERIAL
MÜLLER
Guten Tag hab sie heute Morgen im Deutschen Theater gesehen
GINKA
Vogelkot und Kalkfell Bulgarische die Folklore
und vergessen und vergessen und vergessen
MÜLLER
Ja das ist von mir.Ich bin der Heiner, Frank krieg ich deine
Currywurst
DIE REVOLUTION IST DIE MASKE DES TODES DER TOD IST DIE MASKE DER REVOLUTION
GINKA
Znam.Kenn ich
MÜLLER
Ich bin Heiner
VERGESSEN BUDAPEST PRAGdas Gespenst des KOMMUNISMUS
VERGESSEN UND VERGESSEN UND VERGESSEN
GINKA
Kenn ich
(beschimpft Konnopkebeekäuferin auf bulgarisch,die Wurst war schlecht)
MÜLLER
Ich bin Heiner
WO BLEIBEN DEN DIE PANZER DACHTE ICH
SIE MÜSSEN KOMMEN DIE UNS GEBOREN HABEN
FÜNFUNDVIERZIG
GINKA
Kenn ich
MÜLLER
…also ich bin der Heiner und ich…hoffentlich kommt jetzt eine Schauspieler, der mit blecherner Stimme einen hochkomplexen Text laut Zeit und TAZ von mir interpretiert.
REGISSEUR
in den Garderoben hängen die Schauspiele ihr Gesicht an den Haken
JUNGER SCHAUSPIELER
Ginka und Heiner
Kennengelernt haben sie sich in Ostberlin
Die Ginka hat da gerade
BETTINA
Theaterwissenschaften studiert
kennengelernt haben sie sich in einer Kneipe
am Straussberger Platz während
JUNGER SCHAUSPIELER
einer Schlägerei zwischen jungen Studenten HO HO CHI MIN
und alten Männern DIE PARTEI DIE HAT IMMER RECHT mit roten Gesichtern und schlechtsitzenden Anzügen
BETTINA
DEDERON OBERON das verzerrt in junge fressen schlägt
vor den Vätern sterben die Töchter
GINKA SCHLÄGT SICH MIT ALTEN GENOSSEN
WÄHREND SIE IHRE SCHLACHT SCHLÄGT
MÜLLER
Das Gefühl des Scheiterns, das Bewußtsein der Niederlage beim Wiederlesen der alten Texte ist gründlich. Versuchung, das Scheitern dem Stof anzulasten, dem Material. Europa ist eine Ruine, in den Ruinen werden die Toten nicht gezählt. Die Wahrheit ist konkret, ich atme Steine. Leute, die ihre Arbeit machen, damit sie ihr Brot kaufen können, haben für solche Betrachtungen keine Zeit. Aber was geht mich der Hunger an. Uneinholbarkeit des Vorgangs durch die Beschreibung; Unvereinbarkeit von Schreiben und Lesen; Austreibung des Lesers aus dem Text. Puppen, mit Wörtern gestopft statt mit Sägemehl. Herzfleisch. Das Bedürfnis nach einer Sprache, die niemand lesen kann, nimmt zu. Wer ist niemand. Eine Sprache ohne Wörter. Oder das Verschwinden der Welt in den Wörtern. Stattdessen der lebenslange Sehzwang, das Bombardment der Bilder die Augenlider weggesprengt. Das Gegenüber aus Zähneknirschen, Bränden und Gesang. Die Schutthalde der Literatur im Rücken.
Das Verlöschen der Welt in den Bildern
GINKAdas gefällt mir
ein neues stück
hast kalte augen
welches theater
schlaf mit mir
besetzung schon raus
liebe das meer
wer inszeniert
tanz aus dem herzen
hast du musik
SCHAUSPIELER/BETTINA
einer der alten genossen schläger war erich mielke
ginka wurde nach bulgarien ausgewiesen
FEINDIN UNSERER REPUBLIK
feindlich negativ dekadent
sind das die Stones
HEINERfass sie nicht an
DIE PLATTE MANN
fass in mich
heirate mich
(DAS HOCHZEITSGESCHENK LSD IN SOFIA.EIN STAATSBEGRÄBNIS.GINKA FÄHRT EIN AUTO NEBELcasettendeck qualmt.)
GINKA
ich sitze in einem auto RUSSISCH
HEINER
und wir fahren durch sofia
wir nehmen LSD und da ist es
die tür öffnet sich und wir stehen an der schwarzmeerküste und
ich schreie
BLABLA
und
GINKA
EBEM MU MATER (fick deine Mutter)TODOR
ovo je delo
DAS IST DAS WERK
es ist gerade jemand gestorben
und wir lieben uns und schreiben
und wir schreiben und lieben uns
ich sitze in einem auto wir feiern eine
BULGARISCHE HOCHZEIT
CAJE ŠUKARIJE ORCHESTER. RAKIJA UND REVOLVER,
FAHNEN UND GELD,NUN ENDLICH BALKANBAROCKEin grosse Hochzeitsgesellschaft.
MÜLLER
Ich war Hamlet. Ich stand an der Küste und redete mit der Brandung
GINKA UND MÜLLER
BLABLA
GINKA
Im Rücken die Ruinen von Europa. Die Glocken läuteten das Staatsbegräbnis ein, Mörder und Witwe ein Paar, im Stechschritt hinter dem Sarg des Hohen Kadavers die Räte,heulend in schlecht bezahlter Trauer
MÜLLER
Ich stoppte den Leichenzug, stemmte den Sarg mit dem
Schwert auf, dabei brach die Klinge, mit dem stumpfen Rest gelang es, und verteilte den toten Erzeuger FLEISCH UND FLEISCH GESELLT SICH GERN an die umstehenden Elendsgestalten.
GINKA
Die Trauer ging in Jubel über, der Jubel in Schmatzen, auf dem leeren
Sarg besprang der Mörder die Witwe SOLL ICH DIR HINAUFHELFEN ONKEL MACH DIE BEINE AUF MAMA. Ich legte mich auf den Boden und hörte die Welt ihre Runden drehenim Gleichschritt der Verwesung.
Sag was auf Englisch!
MÜLLER
I’M GOOD HAMLET ZWEITER CLOWN IM KOMMUNISTISCHEN FRÜHLING SOMETHING IS ROTTEN IN THIS AGE OF HOPE
GINKA
LETS DELVE IN EARTH AND BLOW HER AT THE MOON
Die Hähne sind geschlachtet. Der Morgen findet nicht mehr statt.
Ich will die Leiche in den Abtritt stopfen, daß der Palast erstickt in königlicher Scheiße.
MÜLLER
Dann laß mich dein Herz essen, Ophelia, das meine Tränen weint.
GINKA
Willst du mein Herz essen, Hamlet.
HEINER
sächsisch Na klar.
Ich will eine Frau sein.
INGE
Aus dem Sarg. Was du getötet hast sollst du auch lieben.
Der Tanz wird schneller und wilder. Gelächter aus dem Sarg.
HEINER
Ich bin nicht Hamlet. Ich spiele keine Rolle mehr. Meine Worte haben mir nichts mehr zu sagen. Meine Gedanken saugen den Bildern das Blut aus. Mein Drama findet nicht mehr statt. Hinter mir wird die Dekoration aufgebaut. Von Leuten, die mein Drama nicht interessiert, für Leute, die es nichts angeht. Mich interessiert es auch nicht mehr. Ich spiele nicht mehr mit.
GINKA
Heiner. Mein Drama, wenn es noch stattfinden würde, fände in der Zeit des Aufstands statt. Der Aufstand beginnt als Spaziergang. Gegen die Verkehrsordnung während der Arbeitszeit. Hier und da wird ein Auto umgeworfen. Polizisten, wenn sie im Weg stehn, werden an den Straßenrand gespült. Gruppen bilden sich, aus denen Redner aufsteigen. Aus dem Ruf nach mehr Freiheit wird der Schrei nach dem Sturz der Regierung. Man beginnt die Polizisten zu entwaffnen, stürmt zwei drei Gebäude, ein Gefängnis eine Polizeistation ein Büro der Geheimpolizei, hängt ein Dutzend Handlanger der Macht an den Füßen auf, die Regierung setzt Truppen ein, Panzer.
MÜLLER
Ginka…Mein Drama hat nicht stattgefunden. Das Textbuch ist verlorengegangen. Die Schauspieler haben ihre Gesichter an den Nagel in der Garderobe gehängt. In seinem Kasten verfault der Souffleur. Die ausgestopften Pestleichen im Zuschauerraum bewegen keine Hand. Ich gehe nach Hause und schlage die Zeit tot, einig/Mit meinem ungeteilten Selbst.
Hast du noch LSD
GINKA
Ist alle
HEINER
RÜCKKEHR NACH OSTBERLIN 1976
GINKA
DIE DEPRESSION DER WEIN WIRD LSD
ICH LEGE EINE PLATTE AUF
HEINER
FICKZELLEN ÖFFNEN SICH FERNSEHEH DERTÄGLICHE EKEL
MÜLLERwie sagt man ekel auf bulgarisch
GINKA
vergessen und vergessen und vergessen
(FICKZELLEN ARD BRD IRGENDWANN TAUCHT MANFRED KRUG AUF
DRAUSSEN IST ALLES GRÜNN,DRINNEN IST ALLES GRAU SCHLAGER AM ENDE DER FAHNENSTANGE)
MÜLLER/FRANK
Fernsehn
Der tägliche Ekel
Ekel Am präparierten Geschwätz
Am verordneten Frohsinn
Wie schreibt man GEMÜTLICHKEIT
Unsern Täglichen Mord gib uns heute.
Denn Dein ist das Nichts
Ekel an den Lügen die geglaubt werden
von den Lügnern und niemandem sonst
MÜLLER/ROS
Ekel
An den Lügen die geglaubt werden
Ekel
an den Visagen der Macher gekerbt
Vom Kampf um die Posten Stimmen Bankkonten
Ekel
Ein Sichelwagen der von Pointen blitzt
MÜLLER/LAURA
Geh ich durch Straßen
Kaufhallen Gesichter
Mit den Narben der Konsumschlacht
Armut Ohne Würde
Armut ohne die Würde
Des Messers des Schlagrings der Faust
MÜLLER/JENNY
Die erniedrigten Leiber der Frauen,Hoffnung der Generationen
In Blut Feigheit Dummheit erstickt
Gelächter aus toten Bäuchen
Heil COCA COLAEin Königreich
Für einen Mörder
GINKA
Komm lass uns etwas Antikes proben
wir brauchen einen Antiken Stoff
ein Chor
Könntet ihr bitte alle kommen
hier die Text
R kannst du bitte einatmen
also auf eins…eins…nee nochmal das war nicht auf eins
tut mir leid ich habe dich nicht gehört
ich komm mal zu dir rüber
CHOR
GINKA
DAS IST DOCH SCHEISSE
WIR BRAUCHEN WAS DIREKTES
Zuviele Sprachbilder
hier streichen
hier streichen
das auch weg
vielleicht das raus und das rein
THEATERPROBEN
JUNGER SCHAUSPIELER
Gong Gong Gong
Theaterproben Ginka und Heiner
am Deutschen Theater an der Voklsbühne am Maxim Gorki Theater
DIE SCHAUSPIELER SPIELEN HEINER RAUCHT GINKA RAUCHT
GINKA SUCHT SICH EINEN MANNHEINER SUCHT SICH EINE FRAU
(THEATER 71-77.ZEMENT (russischer Bürgerkrieg)DIE SCHLACHT (der zweite weltkrieg)
PHILOKTET (das antike zu zweit) geschichte der männer und der frauen
Ginka faltet einen Schauspieler zusammen.Heiner raucht und korrogiertt EINEN SATZ PRO KOPF
MÜLLER
…haben wir noch Whisky
GINKA
Ist alle
OSTBERLIN 1976 NEUE WOHNUNG AM TIERPARK
er glotzt auf den Bärenzwinger
ich korrigiere ihn und streiche mich
die junge Schauspielerin steht vor der Tür
dick der Bauch meiner ist flacher
wache in Betten auf nicht meine
DIE DEPRESSION nicht schon wieder hör ich ihn sagen
DER WEIN schlecht und billig hör ich mich sagen
AB UND ZU LSD
Wenn ein Westverleger sich zehn Seiten in den Schlüpfer näht
ICH LEGE EINE PLATTE AUF Lizenzdruck Jugoton
ist jetzt unser jugoslawischer Traum
die Seite springt unsere Sätze auch
Wo warst du gestern
Wo warst du gestern
Schweigende FICKZELLEN ÖFFNEN SICH DAS FERNSEHEH DERDDR DER BRD der TÄGLICHE EKEL er sieht den Bären beim kopulieren zu
ich rieche nur ihre Scheisse
die Proben laufen schlecht
der Kommunismus schlechter
Sendeschluss PEEP
MÜLLER(uneinsichtig halbnackt)
In der Einsamkeit der Flughäfen
Atme ich auf Ich bin Ein Privilegierter Mein Ekel Ist ein Privileg
GINKA(vorwurf)
Beschirmt mit Mauer
Stacheldraht Gefängnis
MÜLLER
Ich will in meinen Adern wohnen, im Mark meiner Knochen, im Labyrinth meines Schädels. Ich ziehe mich zurück in meine Eingeweide. Ich nehme Platz in meiner Scheiße, meinem Blut. Irgendwo werden Leiber zerbrochen, damit ich wohnen kann in meiner Scheiße. Irgendwo werden Leiber ge-öffnet, damit ich allein sein kann mit meinem Blut. Meine Gedanken sind Wunden in meinem Gehirn. Mein Gehirn ist eine Narbe. Ich will eine Maschine sein. Arme zu greifen Beine zu gehn kein Schmerz kein Gedanke.
GINKA
Aha…Ich geh in Westen.
Zdravo.
(Sie geht.)
MÜLLERROBERT
Im Sommer 197.. sah ich in einem Garten in Bulgarien eine Katze eine Heuschrecke töten. Im Keller, der aus mehreren Räumen bestand, einer davon mit einem Tisch und Stühlen ausgestattet, ein kühler Aufenthalt im Sommer, stand ein Radio. Ich hatte einen Sender mit arabischer Musik gefunden und das Gerät auf die volle Lautstärke eingestellt, da ich auf Nachbarn keine Rücksicht nehmen mußte: das Haus stand einsam zwischen Bergen. Die Katze lag auf der Treppe, die vom Keller zum oberen Teil des Gartens führte, und sonnte sich. Sie hatte die Heuschrecke nicht gesehn. Nachdem ich sie ihr gezeigt hatte, geschah lange Zeit nichts dann lief sie zwischen den Türpfosten hin und her, wimmernd und die Heuschrecke im Blick, mit kleinen Sprüngen wie Tanzschritte. Die Kinnbacken bebten, an den Barthaaren glänzte Speichel. Schließlich sprang sie, in zunehmend kürzeren Abständen, abwechselnd am linken und rechten 'Türpfosten hoch. Die Katze spielte mit ihr, vorsichtig und aufmerksam, die Krallen eingezogen. Zuerst versuchte die Heuschrecke noch zu springen. Die Katze bremste den Sprung mit einer Pfote, die Krallen immer noch eingezogen, so daß die Heuschrecke nur auf die nächste Treppenstufe zu liegen kam, wo die Katze das Spiel fortsetzte, indem sie das Insekt zunehmend schneller zwischen ihren Pfoten hin und her warf. Beim nächsten Sprung erreichte die Heuschrecke die nächste Stufe nicht mehr. Die Katze nahm sie vorsichtig ins Maul, trug sie zwei Stufen höher, legte sie ebenso vorsichtig ab, wartete geduldig, bis das halb betäubte Opfer sich wieder bewegte, biß der Heuschrecke ein halbes Sprungbein ab, einen Fühler, und gab sie wider frei. Daß ich mich neben sie hockte, um alles genau zu sehn, störte sie nicht. Ich dachte, selbst in einer Art von Trance durch die Musik der Wüste, die mir jetzt lauter vorkam, obwohl ich von dem Radio im Keller weiter entfernt war, an ein Buch aus meiner Kinderzeit, eine Nacherzählung der Nibelungensage, mein Held war Hagen von Tronje, der Verräter aus True, nicht der Traumtäter Siegfried, mit Illustrationen im Vierfarbendruck, der das Rot der Schwertwunden besonders gut zur Geltung brachte.
REISE REISE REISE
(Wolf Biermann im Kölner Sporthalle.Spricht Text und spielt Gitarre.Ein Umzugswagen wird schwer bepackt mit dreißig Jahren Leben im realen Sozialismus)
BIERMANN:
Liebe Genossonnen und Genossen der IG MEtall
Kreisverband NRW liebe Mitstreiter innen und Mitklampfer
(ICH KANNS NICHT HÖREN) liebe Freunde und Freundinnen des Ortsverbandes der Grünen Köln Mühlheim und Bonn Beuel, Genossen der DKP die ihr den Mut hattet, trotz Ostberliner
UKAS (liebe westdeutsche Freunde/innen Ukas ist ein russischer Begriff für BEFEHL VON OBEN, da habe ich 1965 mal ein Kurzgedicht dazu geschrieben,Florian hat es mit einer Grafik untermalt FLORI ZEIG DOCH MAL BITTE DIE GRAFIK.FLORIAN HAWEMANN ZEIGT EINE GRAFIK. EINE STASIGIRAFFE OPERATIVT IHN
Genossinnen und Genosen, haha NOsen bezieht sich auf Nase also auf Gogols
also äh Gogols Parodien einer hiarchiachen Zwangsgesellschaft
in Russland also äh auch der Sowjetunion.Apropos Sowjetunuion. ich habe auch eine bescheiden Bearbeitung von Bulat Okudshawas XXX im Gepäck und spiel es ganz kurz an
Musik von Mir
Text von Mir
Gesamt ich
Ich bin sehr stolz hier in Köln auftreten zu können,so als Hamburger Elbjung in der Domstadt
Ein Lied zu dem leidigen Thema Kirche im Nationalsozialismus
(ER SPIELT ES AN)… ich bin sehr gerührt aufgewühlt dass ich nun heute in der Kölner Stadthalle vor euch stehen und Klampfen kann in einer Zeit in der sich die USA und Russland waffenstarrend
gegenüberstehen, unsere gemeinsame Welt gefährdet ist von atomarer Wettrüstung (dazu habe ich ein Lied komponiert) aber heute,heute kann ich nicht für euch spielen
soeben hat mich aus Ostberlin (dazu habe ich ein Lied komponiert)
eine Nachricht der Alten Männer erreicht das
ich ausgebürgert wurde
ach ich rede zu lang
das Lied von den Allten Männer,den alten Genossen
AN DIE ALTEN GENOSSEN
HEINER
Der Liedermacher Wolf Biermann war und ist ein unbequemer Dichter
WOLF
Manne was denn du gehst auch
KRUG
Ja klar,dreh hier nur noch Schrott und hab ein super Angebot für eine Truckerserie AUF ACHSE (zitiert daraus)
HEINER
IST ABER NICH SPUR DER STEINE
KRUG
is mir scheissegal…willste meinen biedermeiertisch für 12000 kaufen
oder meinen Volvo für 30000 hast doch nen Preis bekommen
WOLF UND HEINER
Versoffen
HEINER
THOMAS DU AUCH
THOMAS
JA ich muss raus und die Katie kommt auch mit
KATIE!
HEINER
ABER DU WEISST SCHON DASS ES IM WESTEN AUCH EINE ZENSUR GIBT
THOMAS
Thomas antwortet vor den Vätern sterben die Söhne
nimmt ne Line redet was von Filmprojekten und dass er ne Vision
EISENEGEL GLADOWBANDE die Revolution gibt’s nich nur noch die Kriminialität und Deogensucht erschüttert die Werteschöpfung der
Auschwitz AG
und ich erzähle noch
KATIE
das er denn bayrischem Filmpreis bekommt und bei der Überreichung Franz Josef Strauß in die fette feiste Fresse sagt:
THOMAS
Ich danke der Filmhochschule in Babelsberg DDR
BETTINA
THOMAS WARTE UFF MICH,WAT IS KATIE HASTEN PROBLEM
KATIE
NEE ICK TRENN MICH SOWIESO VON NACH DREI MONATEN IN WESTBERLIN
BETTINA
Mensch ick hab den geliebt und n Kind ooch
KATIE
Hab ick ooch,geliebt und Kind von ihm
sag mal Thomas hat die Bettina nich alle Joan Baez Platten von dir
THOMAS
und nen Dylan
BETTINA
Glubschaugen und ne diese Lache
machst bestimmt damit Karriere im Westen
HEINER
Bettina du auch?
BETTINA
Ja wenn alle meine Freunde jehen wat soll ick noch hier
ooch wenn’s mein Staat is,in dem ick leben wollte aber musste
mehr geliebt hab ick den als den bunten
da mit den janzen alten nazibonzen in gelben pullovern
Ick hab da mal ein Lied geschrieben
BETTINA SPIELT EIN LIED ÜBER DIE DIE GEHEN
ALLE HÖREN ZU
(Auftritt Merteuil Laura)
AUF DEN FLUGHÄFEN BAHNHÖFEN (FRANKFURT TOKYO SAN DIEGO)
Ein Salon in Paris vor der französischen Revolution.
Müller wird von Müllers neu eingekleidet.
VALMONT
Herr Müller ihr neuer Pass
Sie können unbegrenzt aus der DDR in alle Staaten des NSW reisen
MERTEUIL(L)
Städte Länder Landschaften ändern sich
Frankfurt Kalifornien Westberlin
MÜLLER/ROS
Nachtzug Berlin Friedrichstraße FrankfurtMain
Nach der Fahrt durch die lichtlose Heimat der Hass auf die Lampen
Dass die Leiche so bunt ist! Ich bin der Tod ich komme aus Asien
MÜLLER/JULIA
Manchmal wenn ich meine Privilegien genieße zum Beispiel im Flugzeug
Whisky von Frankfurt nach Westberlin überfällt mich was die Idioten vom
SPIEGEL meine wütende Liebe zu meinem Land nennen
MÜLLER/EMIL
Tokyo Osaka Express auf dem Bahnsteig zwischen den Zügen thront ein junger Mann,sein Reich ein Abfallkübel.Die Kleidung ist verdreckt wahrscheinlich stinkt er,sein Gesicht leer keine Freude kein Schmerz:Er ist aus dem rennen.
MÜLLER/FRANK
Habe Zahnfäule in Paris
etwas frisst an mir
Ich rauche zu viel
Ich trinke zu viel
Ich sterbe zu langsam
MERTEUIL(Bringen Bild hinein)
Ab der Ausreise Biermanns und vieler Freunde beginnt Müller
sich in introspektivische Texte zu äußern
VALMONT
hermeneutisch postmodern
MERTEUIL VALMONT
Bildbeschreibung…
eine landschaft zwischen steppe und savanne,der himmel preussischblau
eine frau engel der nagetiere die kiefer malen wortleichen und sprachmüll
die frau steht bis über das knie im nichts amputiert vom bildrand oder wächst
sie aus dem boden ein sturm scheint aus dem haus zu kommen zieht die frau den
sturm an oder ruft sie ihn hervor mit ihrer erscheinung,der auf sie gewartet hat
in der asche des kamins
MÜLLER/ROBERT
Bei der Vorbeifahrt am Schlosspark Charlottenburg plötzlich die Trauer
Die Bäume gehören den Toten INGE!
Gestern an einem sonnigen Nachmittag als ich durch die tote Stadt Berlin fuhr,heimgekehrt aus irgendeinem Ausland,hatte ich zum erstenmal das
Bedürfnis meine Frau auszugraben aus ihrem Friedhof
Zwei Schaufeln voll habe ich selbst auf sie geworfen
Und nachzusehen was von ihr noch daliegt
Knochen die ich nie gesehen habe
Ihren Schädel in der Hand zu halten und mir vorzustellen was ihr Gesicht war hinter der Maske die sie getragen hat
durch die tote Stadt Berlin und andere Städte
MERTEUIL
Herr Müller die Preisverleihung beginnt gleich
MÜLLER TRINKT WHISKY
MÜLLER/ROBERT
Ich habe dem Bedürfnis nicht nachgegeben aus Angst vor der Polizei und dem Klatsch meiner Freunde
MERTEUIL
Kommen sie bitte Herr Müller die Preisverleihung
(KULTURPROGRAMM,WIE ADLIGEN AUF BÜHNENSITZ BRINGEN,ZIGARRE REICHEN UND WHISKY,sein königsstab und zepter)
MERTEUIL
Wollen wir einander aufessen, Valmont, damit die Sache ein Ende hat, bevor Sie ganz geschmacklos werden.
VALMONT
Ich bedaure, Ihnen sagen zu müssen, daß ich schon gespeist habe, Marquise.
Die Präsidentin ist gefallen.
MERTEUIL
Die ewige Gattin.
VALMONT
Madame de Tourvel.
MERTEUIL
Sie sind eine Hure, Valmont.
VALMONT
Ich bin ein Dreck. Ich will Ihren Kot essen.
MERTEUIL
Dreck zu Dreck. Ich will, daß Sie mich anspein.
VALMONT
Ich will, daß Sie Ihr Wasser auf mich lassen.
MERTEUIL
Ihren Kot.
VALMONT
Beten wir, Mylady, daß die Hölle uns nicht trennt.
MERTEUIL
Und jetzt wollen wir die Präsidentin sterben lassen, Valmont, an ihrem ver
geblichen Fehltritt. Das Damenopfer.
LAURA
Ich habe mich Ihnen zu Füßen gelegt, Valmont, damit Sie nicht mehr strau-cheln. Sie haben
mich getauft mit dem Parfüm der Gosse. Aus dem Himmel meiner Ehe habe ich mich in den
Abgrund Ihrer Begierden geworfen zur Rettung dieser Jungfrau. Ich habe Ihnen gesagt, daß
ich mir den Tod geben werde.Sie sind mein Mörder, Valmont.
JONAS
Bin ich das. Zu viel Ehre, Madame. Sie sind nicht zu kalt für die Hölle,
wenn ich nach unsern Bettspielen urteilen darf. Und was der Pöbel Selbstmord nennt, ist die Krone der Masturbation. Sie gestatten, daß ich mein Lorgnon zu Hilfe nehme, damit ich das Schauspiel besser betrachten kann, Ihr letztes, Königin, mit Furcht und Mitleid. Ich habe Spiegel aufstellen lassen, damit Sie im Plural sterben können.
LAURAo
Ich werde meine Adern öffnen wie ein unge-lesenes Buch. Sie werden es lesen lernenIch werde es mit einer Schere machen, weil ich eine Frau bin. Jeder Beruf hat seinen eigenen Humor. Sie können sich mit meinem Blut eine neue Fratze schminken. Ich werde einen Weg zu meinem Herzen suchen durch mein Fleisch. Den Sie nicht gefunden haben, Valmont, weil Sie ein Mann sind, Ihre Brust leer, und in Ihnen nur das Nichts wächst. Ihr Leib ist der Leib Ihres Todes, Valmont. Eine Frau hat viele Leiber. Ihr müßt es euch ab-zapfen, wenn Ihr Blut sehen wollt. Der Neid auf die Milch unsrer Brüste ist, was euch zu Schlächtern macht.
Ich habe Sie geliebt, Valmont. Aber ich werde eine Nadel in
meine Scham stoßen, bevor ich mich töte, um sicherzugehn, daß in mir nichts wächst, was Sie
gepflanzt haben, Valmont. Sie sind ein Ungeheuer, und ich will es werden. Grün und
aufgeschwemmt von Giften werde ich durch Ihren Schlaf gehn. Ich werde für Sie tanzen,
schaukelnd am Strick. Mein Gesicht wird eine blaue Maske sein. Die Zunge hängt heraus. Den
Kopf im Gasherd werde ich wissen, daß Sie hinter mir stehen mit keinem andern Gedanken als
wie Sie in mich hineinkommen, und ich, ich werde es wollen, während mir das Gas die Lungen
sprengt. Es ist gut, eine Frau zu sein, Valmont, und kein Sieger. Wenn ich die Augen schließe,
kann ich Sie verfaulen sehn. Ich be-neide Sie nicht um die Kloake, die in Ihnen wächst, Valmont.
Wollen Sie mehr wissen. Ich bin ein sterbendes Konversationslexikon, jedes Wort ein Klumpen
Blut.
JONAS
Tod einer Hure. Jetzt sind wir allein Krebs mein Geliebter.
VALMONT
Hiermit überreichen wir den diesjährigen Kleistpreis an den hochgeschätzten Dramatiker Heiner Müller für seine Reflexion der Rolle des Intellektuellen in einer Stillstandszeit.Es geht Müller nicht mehr um die Linearität einer Fabel mit dem marxistischen Anspruch auf Erfassung gesellschaftlicher Totalität.
MERTEUIL
Seine Ausschnitte von Wirklichkeit werden immer enger bis zur
Mikrowelt der Geschlechterbeziehungen in Bildbeschreibung und Quarttet,der Zuschnitt auf sich selber immer präziser.Der Autor wird zum Protagonisten.Wussten sie eigentlich das Quarttet zu ihren erfolgreichsten Stücken in der Bundesrepublik gehört
IM HESSISCHEN HOF 1985
MÜLLER/JULIA
Ich hocke wie ein Vogel schief und krumm IM HESSISCHEN HOF der
Büchner Preis angebrochen im dünnen Couvert
Ich hab einen Traum in meinem Traum spricht INGE
dirigiert den großen Vogelchor BRÜDER ZUR SONNE ZUR FREIHEIT
und wir singen so laut im hessischen Hof, dass es schallt
INGE UND MÜLLER
der Genosse Stalin ist mein Vater
ich bin ein träumendes Kind
mein Traum vom Kommunismus beginnt in Leuna 1920
INGEdie Bonner interessierts n scheiss
hinter der Elbe lag für sie schon immer Asien
…
MÜLLER/JULIA
Im Hotelrestaurant NICHT DAS GANYMED sitzt die Unschuld der Reichen
Der gelassene Blick auf den Hunger der Welt
mein Platz ist zwischen den Stühlen
Ich träume:Die faltige Kehle der Witwe vom Nebentisch
Aufzuschneiden mit dem Messer des Kellners
Der ihr den Lammrücken vorschneidet
Ich Werde auch diese Kehle nicht aufschneiden
Mein Leben lang were ich nichts dergleichen tun
Ich bin nicht Jesus mit dem Schwert bringt Ich BIN MÜDE INGE SPRICH BITTE WEITER
INGE
Die Lügen der Dichter sind aufgebraucht vom Grauen des Jahrhunderts
An den Schaltern der Weltbank riecht das getrocknete But wie kalte Schminke
Der schlafende Penner vor ESSO SNACK&SHOP Widerlegt die Lyrik der Revolution, du fährst im Taxi vorbei, du kannst es dir leisten. Benn hatte gut reden, er hat mit seinen seinen Gedichten kein Geld verdient und krepiert ohne Haut- und Geschlechtskrankheiten .In der Nacht im Hotel ist deine Bühne, ungereimt kommen die Texte, die Sprache verweigert den Blankvers vor dem Spiegel zerbrechen die Masken, kein Schauspieler nimmt dir den Text ab. Du bist das Drama. Jetzt habe ich Lust auf einen Schnaps du noch Geld vom Büchner Preis
MÜLLERja bitte
INGE
bitte einen sljivovitz
HEINER
und sozialismus
INGE
wir malen unseren jugoslawischen traum
HEINER
sozialismus mit menschengesicht
INGE
im weltraum kreist ein hund
wie siehts aus da oben
HEINER
gut
INGE
Schnürboden!
BILD FÄHRT HINUNTERHEINER UND INGE MALEN AM RESTKOMMUNISMUS
HINTERER WAGEN FÄHRT RAUS.HEINER VOM ANFANG LIEGT DA,
BEIM IHM DIE KRANKENSCHWESTER.BUSCH LEISE
VIDEO DEUTSCHE EINHEIT IWÄHRENDESSEN WERDEN MAUERN GEÖFFNET UND DENKMÄLER GESCHLIFFEN,BILDER GESCHWÄRZT. BERLIN ALEXANDERPLATZ.
GROSSDEMONSTRATION.
OSTBERLIN 1989
KRANKENSCHWESTER SONJA
Ein Horizont aus Panzern ist der Deutsche
Der auf dich zufährt so ein Himmel aus
Flugzeugen ist der Deutsche und ein Teppich
aus Bomben Du wirst ihn selber sehn Und eh du aufwachst
Vom nächsten Schlaf Und vielleicht wachst du nicht auf Vom nächsten Schlaf
Wart nur auf den Deutschen
Der Deutsche greift nicht an da wo du glaubst
Das hat er nicht gern
Und was hat er gern
Der Deutsche
In die Zange nimmt er dich
Der Deutsche
Der neue Krieg steht im Beginn
Ein Schrei ging um Die Deutschen wie ein Echo
BETTINA
Auf dem Bildschirm sehe ich meine Landsleute
Mit Händen und Füßen abstimmen gegen die Wahrheit
Die vor vierzig Jahren mein Besitz war
Welches Grab schützt mich vor meiner Jugend
GINKA/MÜLLER
Im Fernsehen die Verhaftung Erich Honeckers nach der Krebsoperation am Tor der Charité.
Ich sehe die Bilder und denke and Rambows Theaterplakate in Frankfurt, Hauptstadt der Banken und der Prostitution und, eine kurze Zeit lang, des politischen Theaters in der Bundesrepublik
Ich seh auf dem Dach des Haus des Reisens links oben flatternd das
NEUE DEUTSCHLAND eine Zeitung ohne Leser; verlorenes Bramsegel der sozialistischen Totgeburt.
INGE
In der Valuta-Bar des Hotels METROPOL Berlin Hauptstadt der DDR bemüht sich eine Hure um einen Greis mit Schnupfen. Zwischen den Kapiteln seines Vortrags „Über die Freiheit in den USA“ rotzt er ins Taschentuch und schreit nach dem Abfalleimer. Ich höre zwei Geschäftsreisende Bayern dem Geräusch nach Asien verteilen:
ALSO MALAYSIA TAT MIR GFALLN
THAILAND AUCH KOREA GHÖRT DAZU
ALSO DAS KREUZSCHIENENSYSTEM FÜR DEN JEMEN TÄT ICH NOCH PLANEN
DANN HAT SICH DIE SACHE
CHINA GHÖRT AUCH DAZU
CHINA IST ALS EINZIGES PROJEKT VERKAUFT WORDN
GINKA
In der S- Bahn ZOOLOGISCHER GARTEN FRIEDRICHSTRASSE
habe ich zwei DDR-Bürger kennengelernt: Einer erzählt
Mein Sohn drei Wochen alt wurde geboren mit einem Schild vor der Brust
ICH WAR AM NEUNTEN NOVEMBER IM WESTEN
Meine Tochter gleichaltrig (Ich habe Zwillinge) trägt die Aufschrift
ICH AUCH
BETTINA
AUF DEM BILDSCHIRM BERLIN ALEXANDERPLATZ
DIE GROSSE DEMONSTRATION
EIN MANN MIT PAPIER IN DER HAND
STEHT IM REGEN UND STOTTERT
ICH SPIELE DAZU auf grosse Plätze traue ich mich nicht
MÜLLER (FRANK)
Ich äh…also ich würde hier gerne eine Forderung der unabhängigen Gewerkschaften vorlesen
INGE
Der Autor steht auf der Tribüne
Sieht sich, sieht die ausgerissenen Fingernägel des Janos Kadar
der die Panzer gegen sein Volk rief als es anfing
EMIL
Der Autor sieht sein Sterben BONES AND SHOES das Fernsehn war dabei auf demAlexanderplatz
MÜLLER/ROBERT
Der Autor sieht sich verscharrt mit dem Gesicht zur Erde sein
Sein BudaPest 1956 heißt nun Alexanderplatz 1989(auf den Boden)
in der zittrigen Hand hält er den zu grossen Zettel
MÜLLER/FRANK
Der Autor verlässt die Tribüne läuft durch die leere Stadt
Ein junger Mann kommt und schlägt ihm ins Gesicht
Er schlägt ihn nochmal ins Gesicht.Das Brillenglas splittert.
JUNGER SCHAUSPIELER/EMIL
Der junge Mann schlägt ihm erneut in das Gesicht
er hat den Autor erkannt
Glas bohrt sich in Hand.
MÜLLER/GINKA
Ein Autor quickt wie eine Sau.
So sterben Götter
lacht der Junge Mann
Du rote Sau
Der junge Mann schlägt ihm ins Gesicht
Die Tribüne ist längst abgebaut
MÜLLER/ROBERT
Menschen sitzen vor Bildschirmen
Der Platz ist leer
leicht der Regen
mein Quiecken
hört man nicht
ich gehe Tiere anschauen
MÜLLER/FRANK
FERNSEHEN in der Charite nehm mein Ende vorweg
Blixa Bargeld spielt seine Melodien
Sechs Betten im kalten Weiß stehen nun in kalifornischer atomverseuchten Wüste death and destruction in Mitte
Eine SONDE BOHRT SICH IN MEINE KREBSKAMMER NICHT DIE
DIE SOWJETMACHT UND
HELLT MEIN HERZ NICHT AUF
MEIN ABC IST MIT
30000 DOTIERT UND KLEIST KOTZT MIR AUFS JACKET FÜR DEN VERRAT
komm Blixa hör uff ich mach jetzt was mit Laibach
AJAX ZUM BEISPIEL
BLIXA BARGELD/JONAS
Ajax zum Beispiel:
In den Buchläden stapeln sich die Bestseller
Literatur für Idioten denen das Fernsehn nicht genügt
Ich Dinosaurier nicht von Spielberg sitze
Nachdenkend über die Möglichkeit eine Tragödie zu schreiben
Heilige Einfalt im Hotel in Berlin unwirklicher Hauptstadt
Mein Blick aus dem Fester fällt auf den Mercedesstern
Der sich im Nachthimmel dreht melancholisch
Über dem Zahngold von Auschwitz und andern Filialen
Der Deutschen Bank auf dem Europacenter Europa
KRANKENSCHWESTER SONJA
Die Bauernkriege das größteUnglück der deutschen Geschichte las ich kopfschüttelnd
Wie kann eine Revolution ein Unglück sein.DER MAUERFALL ein Exkurs über Revolution und Zahnmedizin geschrieben im Jahrhundert der Zahnärzte das zu Ende geht.Zwei Zahnprothesen ein Büchner Preis.Das kommende wird den Advokaten gehören
BETTINA
Die Zeit Steht als Immobilie zum Verkauf im Hochhaus unter dem Mercedesstern
in den Etagen der Kulturverwaltung Brennt noch Licht rauchen die Köpfe im Sparzwang
proben die Amputierten den aufrechten Gang unter Aufsicht des Finanzsenators
ZUM GELDE DRÄNGT AM GELDE HÄNGT DOCH ALLES
MÜLLER/FRANK
Ich Dinosaurier im Rauschen der Klimaanlage selbst in der Steuerschraube bis zum Hals
Die Staatsgewalt geht vom Geld aus Geld Muß kaufen Arbeit macht unfrei
Heimat ist wo die Rechnungen ankommen sagt meine Frau
JUNGER SCHAUSPIELER
Ein Mann in Stalinstadt Bezirk Frankfurt Oder auf die Nachricht vom Klimawechsel in Moskau
nahm stumm von der Wand das Porträt des geliebten Führers der Arbeiterklasse des Weltkommunismus, trat mit Füßen das Bild des toten Diktators hängte sich auf an dem frei gewordenen Haken.Sein Tod hatte keinen Nachrichtenwert - Ein Leben für den Reißwolf
KEINER ODER ALLE war das falsche Programm:
Für alle reicht es nicht!
INGE
Mein Schreibglück der fünfziger Jahre als man aufgehoben war im Blankvers aufgerieben
Zwischen den Planken des kenternden Geisterschiffs
beschirmt vom ironischen Pathos des Knittelreims.
Nur die Hebungen werden gezählt, gegen den Steinschlag der Denkmäler im Elend der Information BILD KÄMPFT FÜR SIE wird Erzählung Prostitution BILD KÄMPFT gibt die Tragödie den Geist auf, Stalin zum Beispiel. Seine Totems zum Verkauf stehn am Brandenburger Tor für Hitlers Enkel.Welchen Text soll ich ihnen in den Mund legen oder ins Maul stopfen
GINKA
Der Rausch der alten Bilder Die Müdigkeit im Rücken das unendliche Gemurmel
Des Fernsehprogramms BEI UNS SITZEN SIE IN DER ERSTEN REIHE
Die Schwierigkeit den Vers zu behaupten gegen das Stakkato der Werbung,
UNSERN TÄGLICHEN MORD GIB UNS HEUTE
In meinem Gedächtnis taucht ein Buchtitel auf DIE ERSTE REIHE Bericht von Toden in Deutschland.Kommunisten gefallen im Krieg gegen Hitler
Jung wie die Brandstifter von heute
wenig Wissend vielleicht wie die Brandstifter von heute
Andres wissend und andres nicht wissend
im Kreisverkehr der Ware mit der Ware
Ihre Namen vergessen und ausgelöscht
Im Namen der Nation aus dem Gedächtnis
Der Nation was immer das sein oder werden mag
Im aktuellen Gemisch aus Gewalt und Vergessen
In der traumlosen Kälte des Weltraums
KREBSSTATION
INGE
Ich will nicht mehr essen atmen,eine Frau lieben, einen Mann
Im Schädel Königreiche Universen, der trübe Rest an Schläuchen aufgehängt
Ein Sack Chemie …der Krebstod auf den Fersen
BETTINA
Wat soll ick denn jetzt noch spielen.Mein Hände sind total kaputt und für wen…
KRANKENSCHWESTER SONJA
Glückliche Idioten vor Bildschirmen
MÜLLER
Die Welt ist beschrieben kein Platz mehr für Literatur
Im Kopf ein Drama
für kein Publikum (stirbt)
KRANKENSCHWESTER SONJA
sie werden alles vergessen
den sozialismus vergessen
den krieg vergessen
den faschismus vergessen
die ddr vergessen
vergessen und vergessen
INTERIM LOVERS
Song. Bühne wird abgebaut.
-
MÜLLER EINE CHRONIK
-
THEATER / MUTTER
mutter ich
fahre durch bahnhöfe
unter der erde die kacheln noch
die alten,die vom hoffen und
morgenrot,darüber lagen die toten
auf weissen sand,toter strand
auf den bahnsteigen stehen gehen skizzen von heute die glotzen in ihre bildschirme vergessen und vergessen und vergessen
singt nun meine mutter im hydraulischen bett ist heut meine medea auf der katheterargos
sie geht der welt verloren im
rehaloch märkisches viertel jetzt
singt ihr höchstens sido von der ebrofront das solidaritärslied
ich hocke zwischen kacheln und skizzen und ihrem vergessen die
blaue flecken die arbeiterklasse nun pflegekräfte
schlögt lieber heimlich altes
als das kapital an der inneren front
oder äusseren am schwarzen meer
aussengrenze europas gesichert vor
der asiatischen barbarei so nennt sie
die wie einst ihr grossvater von
der SS später spiegel redakteur ich
selber verachte beide den russischen
und den anderen imperien ismus
ICH BRAUCHE EINEN LICHTWECHSEL
WENIGSTENS MUSIK
VIELLEICHT JUGOSLAWISCH
MOCHTE DER HEINER DOCH AUCH
mutter es herrscht ein weltkrieg unter unserem himmel
sie nennen ihn anders,als ob halbe worte den
tod den krieg halbieren könnten
heut ist es schwer
sagt sie die mutter
das fahren zu dir
sag ich der sohn
und seh die stadt hinter
dem busfenster salzig wegen
tränen sind ein schwerer vorhang
mutters faust dritter teil
das vergessen urin im bett
mein klassiker ist heutig
sagt mir meine Mutter
HEINERMÜLLERkanntest du
ihn gut
MEINE MUTTER
sie wusste genau wo sie war und wer ich bin,reagierte jedoch mit massiven Angstausbrüchen auf jeden Versuch zu reden
Kamst du dich an Heiner Müller erinnern
JA KLAR,der saß immer auf der roten Couch
Warum
Wegen der Texte
Dein Vater den habe ich sehr geliebt wo ist er
TOD
ach das ist traurig
der vater tot
WAS HATTEST DU VOR
weiß nicht,was machen diese schläuche in meinen körper
MAMA KATHETER DAS SIND KATHETER,WAS WOLLTEST DU MIT DEN TEXTEN
warum.was soll das alles
pack meinen koffer aus
ich will nach moskau
dort ist krieg
in moskau
nein dort
wo wir herkommen
ja
ICH WILL MIT DIR UBER MÜLLER REDEN
ich hab ihn in das Serbokroatische übersetzt,man kannte ihn noch nicht in Jugoslawien …ich fand er ist einer der wichtigsten Autoren seiner Zeit
WELCHE TEXTE HAST DU DENN ÜBERSETZT
Ich habe angst wo bin ich was mache ich hier
DEN AUFTRAG UND
mischa mein lieber bruder ach schön
dass du da bist
hier in belgrad
belgrad ist berlin
BIN NICHT MISCHA ICH BIN DEIN SOHN
Heiner Müller war sehr freundlich
Die Frauen hier sind schlecht
Schreien mich an
MAMA WAS HAST DU NOCH FÜR ERINNERUNGEN AN HEINER MÜLLER
EIN CHOR:
Seine Mutter spricht ihren Lieblingstext aus Medeamaterial
MUTTER SPRICHT MEDEAMATERIAL.
KRANKENHAUS.KATHETER.
Piep
Wüste in Kalifornien
Ein Autor hat einen Herzinfarkt.
Die Kinjal Rakete trifft Odessa
Eisenstein getötet.
heiligabend
nein ich bleibe lieber hier
sagt sie liegt im stahlbett
hoch über den bäumen
lieber hier lieber
ich lese vor
von römern
von müttern
vätern und hirten
von bethlehem und sternen
und gott und sehe sie dünn
nur halb von dieser welt
im bett liegen und erhoffe mir
ein wunder im pflegeheim
aber es geschieht nicht
sie liegt an heiligabend auf
dem stahlbett und meine
tränen fallen auf vier bunten
von der leitung ausgewählten
fotokopierten bibelseiten
die geburt jesu die ich stockend
lese zittere heule sie hört zu
vom wunder der geburt
von den sternen über
dem dachlosen stall
ich gehe
kein wunder
in der nacht
vater ich
wenn ich meinen
vater besuche berichtete ich
von der welt und mutter rauche mit
ihm eine lange 100er
dann spüle ich das
moos aus dem weissen stein
den gewidmeten worten
und schweige nach altem brauch
bevor ich zur s bahn laufe im
kaiserforst nun behindertenwerkstatt
leer ist die alte bahn an diesen tagen
sie sitzen in häuser die wohner
voller angst und geifer
aussen frisst nach innen
der satzbau ist fensterlos
dachlos ruchlos woanders steht
man vor verkohltem stein dachpappe
in erdschwarzer hand man sitzt unter bäumen an flüssen treibgut
ich schweige seit monaten
meine frontlinie bewegt sich nicht
im stellungskrieg denk ich an
alte meere sich wiegende bäume
bevor ich mich übergebe
sauer mein lebenswasser
gross fressende angst ich
rauche und spüle den
weissen stein ab
dort wo nun mein vater liegt
dünn wie papier
wird er der stein
wie du papa
und ich schleife ihn zu papier
den weissen stein so dünn
leicht und namenlos
bis ihn ein wind
aufwirbelt der
sonne entgegen
-
BUSFAHRT ( vom unterwegssein)
zwei roma jungs in der letzten reihe
beiden fehlte ein bein. dem einen das linke,dem anderen das rechte. als gehhilfe benutzen sie tschechoslowakische eishockeyschläger.
in der mitte sitz 35 sass eine etwa sechszigjährige frau.sie weinte ununterbrochen erzählte jedoch den sitzen 36 38 und 39 die nur stumm nickten,sie hätte eine stauballergie und die busse wären doch immer schmutzig, warum für sie bei ihren busfahrten eigentlich immer nur heulte.als wir in den bergen durch leere dörfer fuhren weinte sie nicht mehr, in einem dieser leeren russschwarzen dörfer stieg sie aus, ein roter golf eins wartete auf sie.das dinara gebirge lag im nebel. oder rauch.
ganz vorne saß ein etwa fünfundfünfzigjähriger mann, ihm fehlten beide arme, die prothesen hat er auf den sitz 8 abgelegt, sie glänzten ihn der sonne, sahen die gelben felder slawoniens, die karpfenreiche in podrinien, zwei unbesiegbare stahlschwerter von ivanhoe, leuchtend
der turniersieg an einem wolkenlosen augusttag und der armlose mann lachte gerne und laut, erzählte, dass er immer den nachbarsitz für seine zwei prothesen für den vollpreis kaufe.
er lehne mitleid ab.
an einer raststätte hielt ich eine caprisonne in der hand und der mann ohne arme trank mit einem strohhalm unter vielen entschuldigungen (tut mir leid,manchmal vergesse ich meine arme,bin froh,dass sie mal nicht scheuern) den saft hastig aus. ich dachte nur daran, dass er vielleicht auf mich geschossen hat vor jahren. er hatte einen slawonischen dialekt, so sprach man dort, wo ich nicht sein wollte, vor über dreissig jahren im schützenloch inmitten eines gelben feldes gegenüber der armlose, damals hatte er noch beide,beide waren wir 24.
auf dem sitz 24 sass ein älterer mann.
er hört seit der abfahrt haustor (auf deutsch hauseingang) eine new wave band aus zagreb, alle alben natürlich, denn die fahrt an das meer dauert 12 stunden und er singt seid sie die grenze passiert haben mit, leise natürlich, um nicht die weinende frau zu stören, den lachenden armlosen invaliden, die roma jungs mit den tschechoslowakischen eishockeyschlögern und die restlichen passagiere, die in dieser geschichte nur schwitzende körper sind und die körper bewegen ihre köpfe zu dem haustorsong, wie er. sie springen von der mole, beim entauchen verlieren sie ihre ausgeleierten speedo badehosen,kurz sieht man zuviel
und sie schämen sich vor den mädchen,
sie liegen nackt unter sternen, trinken billigen rotwein und hoffen, dass der mond die brüste der mädchen schönscheinen lässt, während sich alle routiniert über das neueste dreifachalbum von clash unterhalten. nur tanja nicht, die hört nur jacques brel. und die körper weinen und zittern drei tage in der leeren panzerhalle die nach diesel, schmieröl und lavendel riecht. sie greifen in den brustkorb, das loch so gross wie eine melone, sie singen immer leise während sie in bussen fahren, der mund voll schwarzer erde, damit sie nicht schreien, wie einst im sommer der angst. der bus singt, die körper singen haustor,träumen von küssen
Unter all diesen Fahnen
Die überall um uns herum wehen
Da gibt es keinen Ort
An dem wir stehen könnten
Unsere Hände in die Höhe recken
Und unsere Lieder singen
Und unsere Lieder singen
sie singen und ihre haut riecht nach sommer und rauch, ich sitze immer auf dem sitz 24, denn an dem tag wurde ich geboren und an dem tag zog ich in den krieg und das radio vorne neben dem
verschwitzten busfahrer spielt andere lieder, die vom siegen und adlern. ihre lieder in den bussen die hymne unseres schweigens. ich singe mein lied,in mich hinein:
KRIEG ANGST UNRUHE
wenn der krieg die angst
die unruhe die trauer
in die träume bricht
hilft manchmal:
vor dem schlafen das geräusch eines knatternden fischerbootes hören
sich den ersten sprung des sommers in das stille nachmittagsmeer vorstellen
der duftende lavendel in der nase und draußen ist es winter in berlin karow
schwerelos vor einer muschelübersähten unterwassermine verharren
sich die hosentaschen mit dalmatinischen kiefernadeln vollstopfen
bis sie herausstechen und die eigene haut hineinstechen
auf einer anhöhe im fläming auf weissem sand stehen und in die ferne sprechen als wäre sie ein schöner bekannter
sich den verschlussmechanismus eines Z 70 vorstellen
an einen kuss in tuzla denken,im rücken weiße plattenbauten vor den füssen der fluss neugierig süss die lippen
zweimal hintereinander ich war neunzehn ansehen
sich einmal wenn die kraniche ziehen ansehen
zehn digedag hefte hintereinander lesen und makronentörtchen essen
denken man wäre in bad salzungen und stürbe an ddr langeweile
an eine aufgeheizte parkbank am senefelder platz 1981 denken
auf dem mittleren bett des schlafwagens liegen und vier stunden auf die puszta und ebene bei vierzig grad celsius sehen
mit dem zug von berlin nach belgrad fahren und brno liegt schon am meer
papa auf dem friedhof besuchen,die mutter im pflegeheim
die ihr leben vergisst mit baklava füttern
nach dem friedhof dem heim, meinen neuen heimatorten, mit der sbahn in die stadt fahren und die jungs und mädchen aus der behindertenwerkstatt lachen zu laut
aber schön. aus dem herzen,meins ist ein melonenloch.
der bus hält in einer hafenstadt.
ich warte auf jemanden.
kein lied,stumm.
-
MOSKVA – WARSZAWA – PRAHA-BEOGRAD-SPLIT(IN ZÜGEN)
I
WARSZAWA
Ich habe einmal in der Wisla gebadet.
Irgendwann im Herbst. Natascha sah mir zu,
sie hatte mir die Stelle gezeigt, an der Berling Soldaten den Fluss
überquert hatten und starben. Kurz zuvor haben unsere Mütter
das ehemalige jüdische Ghetto besucht, ich bin ein schmales Treppenhaus hochgelaufen, die Zimmer waren leer.
Danach Soda mit Himbeergeschmack. Waffeln mit Himbeergeschmack.
Sie roch auch nach Himbeeren danach.
Von meinem wenigen Taschengeld habe ich mir zuvor einen Comic gekauft, kurz nachdem wir das Ghetto verlassen haben, in dem ein polnischer Pilot 1939 von deutschen Faschisten abgeschossen wird, Warschau brennt, 1939.
Ich habe in der Wisla gebadet und Natascha sah mir zu, sie stand am Ufer reglos, die Augen gross. Sie war zehn Jahre alt, ich elf und hat ihren Vater im Arbeitszimmer gefunden, er hing unter der Decke im zwölften Stock eines Plattenbaus von Praga. Ihre Stiefmutter fand sie und ihren toten Mann drei Stunden später, kurz nach Büroschluss im Büro für Marxismusstudien. Die beste Freundin meiner
Mutter stammte aus Equador und musste nach Polen flüchten, nach einem Militärputsch. Man hatte sie vier Wochen lang in einem geheimen
Gefängnis gefoltert und vergewaltigt, das hatte mir Natascha erzählt und dass sie ihre Stifmutter nie streichelt, kaum mit ihr spricht und gerne, wenn es Nacht wird,singt. Spanische Lieder. Ich wusste nicht, was das heißt „sie ist vergewaltigt worden“ und schaute mir die Wisla an, vom zwölften Stock aus und musste daran denken, wie mich Natascha ansah, als ich in der Wisla badete, dort wo die Berling Soldaten starben, den Fluss hinutertrieben.
Die Stadt brannte.
Der Fluss.
II
VIENNA
kein trost die landschaft
die zu schnell vorüberfährt
die geschwungene Linie
am graublauen horizont
der weinberg darunter
bleibt leer
mit sich
allein
ein baum
irgendwo
III
MOSKVA
moskau 1962.
theaterhochschule gitis und die liebe...entscheiden bewerten reagieren und das alles, mein vater musste sich zwischen einer kaukasierin und serbin entscheiden. als die kaukasierin ihn mit einem dolch zur heirat zwingen wollte, entschied er sich doch für meine mutter und die beatles, denn sie hatte immer einen weissen reiseplattenspieler dabei und war sehr zart.
zwanzig jahre später ist die kaukasierin aus der sowjetunion ausgereist und unglücklich verheiratet künstlerische leiterin der französischen juniorinnenauswahl im eiskunstlauf geworden und hat deswegen einmal berlin/ddr besucht und sich bei uns gemeldet. mein vater war gerade nicht in berlin und ich traf sie an seiner statt im hotel stadt berlin. eine wunderschöne frau saß mir gegenüber und schwieg, eine oder zwei stunden und sah mich nur an. kein wort.
irgendwann sagte sie “mein sohn” zu mir und heulte und bevor sie auf ihr zimmer ging sagte sie noch: “such dir eine aus.”
ein paar tische weiter saßen bildhübsche französische eiskunstläuferinnen 16/17 jahre alt. sie führte mich an deren tisch und ging. ein mädchen nahm mich sofort an die hand (sie hatten auch schon entschieden und zuvor schließlich zwei stunden zeit) und führte mich in den fünfzehnten stock des hotels stadt berlin und schlief mit mir.
sie kam aus bordeux.
ich war fünfzehn.
IV
SANKT PETERSBURG/MOSKVA
MEYERHOLD
Man legte mich mit dem Gesicht nach unten auf den Fußboden
schlug mir mit einem Riemen auf die Fersen
den Rücken; als ich auf dem Stuhl saß
schlugen sie mir mit demselben Gummi
auf die Beine. An den folgenden Tagen
als diese Stellen an den Beinen
von einem riesigen inneren Bluterguß angeschwollen waren
schlugen sie mir erneut gezielt mit dem Riemen
auf diese blutunterlaufenen
rot-blau -gelben Stellen, und das tat so weh
daß ich das Gefühl hatte, als ob sie auf die kranken
hochempfindlichen Stellen sprudelnd kochendes Wasser gießen würden
ich schrie und weinte vor Schmerzen).
Sie schlugen mir mit den Händen ins Gesicht...
brachen mir erst zwei dann drei dann sechs Zähne
Ihr brechen eine Fuge oder Ouvertüre für Schostakowitsch
Mit dem Knüppel schlägt man ein Loch in meine breite Stirn
Ich Rutsche auf meinen Urin
Meinem Blut aus
Otkaz
Otpust
Otkaz
Otpust
Der Untersuchungsrichter drohte in einem fort: '
Wenn du schwules Judenschwein nicht unterschreibst,
schlagen wir dich weiter, alles andere machen wir zu einem unförmigen, blutigen Klumpen
und sie schlugen ihn zu klump
Der Körper der Biomechanik ist der Körper der Revolution
seine Muskelkraft und Schweiß unsere Fahne der Sowjetmacht
In dem wir seine Kräfte entfesseln und wir uns aus den Fängen
der bürgerlichen Kommas,Punkte,Absätze und Kapitel lösen
befreien von der Ausbeutung und Unterdrückung
des nur gesprochenen Wortes,
auf unseren staubigen Bühnen
indem wie mir federnder Ferse und tanzendem Bein
Trizeps und Wadenmuskel
die Welt erlösen im befreiten Tanz
die papierner Welt erfunden auf Dichtertischen und aus
selbstverliebtrn Federn in die Welt gestöhnt und geseufzt
unter sehnigen Fußballen
zerfetzen
Körper sich von
Kugelschreiber und totem Weisspapier
befreien
er schlägt mit ein Loch in den Kopf
ich werde sterben
in genau 24min
in diesem Keller in Moskau
meine Bühne ist
eine Blut und Zahnpfütze
es knirscht und schmiert
Otkaz
Otpust
CHARMS
Den achten Monat
Schlucke ich Pillen
Säure zersetzt Kopf Hoden
Neben mir die psychotischen fressen ihre eigene Scheisse
beschreiben die Wände
mit Kot blutig fast von fortwährender Diarroehe
Kohlsuppe jeden Tag
die Parole Elektrizifizierung plus Eisenbahn
gemalt aus Menschenscheisse grinst mich an
ich nasche am braunen Kanal und fische wie ein bunter
Kolibri im Dreck meiner Genossinnen und Genossen
Mein Gott, ich habe nurmehr eine einzige Bitte an Dich: vernichte mich, zerschlage mich endgültig, stoße mich in die Hölle, laß mich nicht auf halbem Wege stehen, sondern nimm von mir die Hoffnung und vernichte mich schnell, in Ewigkeit.
Mich interessiert nur der ‚Quatsch‘, was keinerlei praktischen Sinn hat. Mich interessiert das Leben nur in seiner unsinnigen Erscheinung.
Ich arbeite im Bereich der Literatur. Ich bin kein politisch denkender Mensch, sondern die Frage, die mir nahesteht, ist: die Literatur. Ich erkläre, daß ich im Bereich der Literatur mit der Politik der Sowjetregierung nicht einverstanden bin, und wünsche als Gegengewicht zu den in diesem Punkt bestehenden Maßnahmen die Freiheit der Presse, sowohl für mein eigenes Werk als auch für das literarische Schaffen der mir nahestehenden Literaten, die mit mir eine eigene literarische Gruppe bilden
Ich fresse fremde Scheisse
In der psychiatrischen Klinik Nr 12
ISAAC BABEL
Stecke dir den Schwanz hinein
schönes Mädchen du warst nur
einmal schön,dein Haar die Haut
wie im Heu in Galizien das Dorf
verkohlt polnische Bäume einst
Soldaten von den Kosaken an die
Verandasäulen gefesselt der Spiritus
auf Stirn und Brust und Pimmel
gegossen
stecke dir den Schwanz hinein
später wird es eine unserer Vorausabteilungen
tun,sechs an der Zahl
Kuban Kosaken von unserer
Reiterarmee Budjonnis Knochenmühle
Schnitten dir die schöne Zunge ab,warfen sie
in schwarzes Gestrupp stachelig und
arm wie alles und jedes in Gallizien
ein doppelter Spiritus auf Ex
in deine feine Kehle geflösst
angezündet
dein Schrei verbrennt von innen nach außen
die Kehle die Lippen von innen
eine Reiterabteilung durchquert
die graue rauchige galizische Ebene
die Sonne stehe hoch
ein nacktes Mädchen
verbrennt
Ich trinke hier im Keller den Spiritus
denselben wie das Mädchen
mein Vernehmer (ihm gefällt mein Buch nicht)
ritt einst auf Galizischen Feldern
in Budjonnys Reiterarmee
heute wird er meine Brust
meine Seele
brechen
Lubjanka
heute Nacht
meine Steppe
V
BREST LITOWSK
Vor meinem Haus verkaufte ein Kriegsblinder Streichhölzer und Schnürsenkel in allen Farben des Regenbogens.Er schüttelte dabei immer die Streichholzschachteln,Töne und Klänge erfüllten die trostlose Schönhauser Allee, nassgrauer Pflasterstein glänzte in zäher Langeweile in meiner grossen lauten Strasse,ein Zündholzbossanova erfüllte sie mit frohen Klängen.Erst später wurde mir klar,dass seine grobe Kleidung eine umgearbeitete Wehrmachtsuniform war, eingefärbt und umgenäht.Wieso trug er noch seine Uniform,siebenundzwanzig Jahre nach dem Ende des Krieges,1972,wieso kaufte ich heimlich bei ihm Schnürsenkel und versteckte einunzwanzig gelbe rote und blaue davon unter meinen Bett.
Nach seinem Einsatz in Weissrussland - noch spürte er die Hitze der brennenden Scheune,das Bienensummen der verbrennenden Menschen,den so klingen zweihundert brennende Frauen und Kinder, wie Bienen im Anflug auf ihr Haus ihr süßes brennendes Heim,wenn der Kraftwagen sich langsam,von der auf die Erde gestürzte flammende Sonne Richtung Brest bewegt und es in seinem warmen Rücken summt,während er langsam bis zehntausend zählt - nach seinem Einsatz spielte er den Streichholz Bossa Nova und an den Alleen hingen Menschen in Bäumen,aufgeknüpft an Schnürsenkeln.
Eines Tages stand er nicht mehr blind und sehr musikalisch an unseres Ecke,eine Freundschaftsbesucherin aus Minsk hat ihn,nach ihrem Einkauf im Modelleisenbahnladen, zwei Waggons und eine Tatratrommel bitte-
für ihren Enkel,erkannt.Sie brach vor dem Laden zusammen,von
Weinkrämpfen geschüttelt in der Hand der Beutel mit den kostbaren Geschenken tara-tara tak erschütterte ihr MÖRDER MÖRDER die Dimitroffstrasse.Mit der zerbrochenen Tatratrommel von TT im Freindschafts-Beutel ,eine Matrjoschka umarmt den Berliner Bären,sah sie den dicken Volkspolizisten auf sie zukommen,
sie hatte soeben den Mörder ihrer Elter erkannt
War's der Mondenschein? Na na, der Bossa Nova
Oder war's der Wein? Na na, der Bossa Nova
Kann das möglich sein, yeah yeah, der Bossa Nova
War Schuld daran?…
Dieses Mann saß vor meinem Haus,in seiner kalten eingefärbten Kriegerhaut,schwang die Streichhölzer aus Riesa im Bossa Nova Rythmus aus der Nähe betrachtet wohl nicht mit Absicht.
Am Bahnhof Lichtenberg stieg sie in den Zug nach Brest.In ihrem Freundschaftsbeutel klapperten die zwei Waggons und eine in der Mitte gebrochene Taigatrommel,sie klapperten tak taka taka, es klang wie -
das Wasser liegt so flach wie Fell,das eine Katze leckte,ein Vogel, der sogar von weitem gross erscheint,glaubt, das Meer wäre sein Ei er sitzt geduldig auf dem Wasser,fühlt seine leisen Stösse dann und wannwie ein Bossa Nova.
Das Abteil nach Brest roch nach altem,kalten Rauch.
VI
BRNO
Viele Gesichter trug ich, viele Gesichter
waren zu tragen mir auferlegt.
Wenn ich lachte, war oft die Haut nur
vom Lachen bewegt.
Irrsinniges Weinen sprang
mir um die Lippen -
aber ich habe gelacht.
Habe mein Gesicht zum Lachen gebracht.
VII
TRAUM IRGENDWO ZWISCHEN BRATISLAVA UND KOMAROM
Ich habe von brennenden Schweinen geträumt.Ich war eins.
Ich habe von einem leeren Schwimbad geträumt,alle Kachel wurden von den Wänden gerissen.
Ich habe von einer steilen Straße geträumt warm von Blut und süß.
Ich habe meinen Vater geträumt.Er schwieg.
Ich habe von ihr geträumt und Ich habe von einem weißen Kalkloch geträumt,hinuntersehen durfte ich nicht.
Ich habe mich in einen schwarzen Hinmel fliegend geträumt.
Ich habe mich tot in einem Feldlazarett geträumt und sang trotzdem space odity von Bowie.
Ich habe mich als Leinwand geträumt und kalten Farben auf mir und in mir.
Ich habe mich ohne Kopf geträumt,er lief vorneweg durch London und dachte zuviel.
Ich habe mich verbrannt in einem Panzer geträumt
Diesen Traum zähle ich schon nicht mehr.
Ich habe von einen unendlichem Hecke geträumt,sie summte wie früher die Telefonmasten,dahinter wohnte der Tod.
VIII
WARSZAWA ZWEI
Im Winter 1980 habe ich mich mit drei gleichaltrigen polnischen Jungs mitten auf einem schneebedeckten Fußballplatz in Jelenia Gora geprügelt.Sie beschimpften mich als deutsche Nazisau und ich antwortete Ihnen auf serbokroatisch,dass ich Partisanenenkel bin...keine deutsche Nazisau.Wir hörten uns nicht.
Das Weiß färbte sich rot.Den riesigen Rot gesprenkelter Fussballplatz im Nacken zog ich meinen roten Plastikschlitten hinter mir her.
Weiß.
Er hing einen Tag lang im zehnten Stock in seiner Plattenbauwohnung in Praga,an der großen Brücke standen seit Stunden Panzerwagen,General Jaruzelski hatte einen Tag zuvor geputscht,bis ihn Irina fand,ihren Vater,den schönen Journalisten.Sie war neun Jahre alt.
Ein Jahr später küsste ich Irina im zehnten Stock in der Plattenwohnung,in der sich ihr Vater aufgehängt hatte.Mein Herz war gebrochen,die Nase auch,hatte mich gerade mit ihren Stiefbrüdern geprügelt,die sie wegen ihres immertraurigen Gesichtes quälten.Das erste Mädchen in das ich mich verliebt,schnitt in einer Nacht ihren Vater von der Decke und lächelte nie wieder.
Warschau.
Warszawa.
IX
PRAHA
Dubček.
Dubček.
Dubček.
Klara arbeitete sich langsam Richtung Haupteingang vor.Dubček.Sie brauchte mehr als eine Stunde,um vom Parlamentsgebäude zur gegenüberliegenden tschecho-slowakischen Botschaft im Boulevard der Revolution zu gelangen,Dubcek, normalerweise ein Weg von fünf Minuten, wenn man das stadtbeste Eis der Konditorei und Eisdiele Pelivan links vom Haupteingang ignorierte.Von der hausgemachten Boza* ganz zu schweigen,für die küsst man sogar dicke Ärsche und putzt fremde Schuhe.Klara, die für drei Kugeln Malaga,Zitrone und Haselnuss,inklusive Boza* aus dem Pelivan normalerweise zum Quisling geworden wäre, wie man in meiner Partisanenfamilie zu sagen pflegte, oder gerne auch den Arsch ihres älteren Bruders geküsst hatte „natürlich mit Hose drüber“ ließ diesmal das Pelivan links liegen.Sie musste zur Dubček Botschaft.
Aus zehntausenden Mündern erklang immer wieder dieser Name.Dubcek.
Man nannte die tschechosloeakische Botschaft Dubček Botschaft,weil sich die tschechoslowakischen Botschaften in „Dubček“ und „Sowjet“ Botschaften spalteten,meist abhängig von ihren Standorten in Ost-oder Westeuropa. Jugoslawien war irgendetwas dazwischen und dennoch irgendwie eindeutig eine Dubček Botschaft,irgendwie eher eine richtiggehend geschliffene Dubček-Festung.Die Botschaftspforte war täglich weit geöffnet,auf Wunsch des Botschafters wurden alle Polizisten abgezogen und ihn,den Botschafter traf man eher beim Baklavaessen im Pelivan (Visa wurden auch gerne am honigsüssen Kuchentisch persönlich von ihm unterschrieben,rochen in dieser Zeit nach Pistazien,Honig oder Vanillecreme)als in seiner marmornen zwanziger Jahre Bauhausresidenz im Boulevard der Revolution.Ein tschechoslowakischer Bauhausler hatte das Botschaftsgebäude in den Zwanzigern errichtet,als die beiden Staaten noch jung und frisch ineinander und in ihr neues Ich verliebt waren.Die Botschaft ist bis Heute,in der es weder Tschechoslowakei noch Jugoslawien gibt,eines von nur drei erhaltenen Bauhausgebäuden in Belgrad.Denn,wie es das Märchen es so will,verliebte sich der tschechische Architekt in eine wunderschöne Belgraderin,blieb dort und baute in Belgrad weitere Gebäude.Er wurde 1942 von den Deutschen in einem Opel Kraftwagen auf der Landstrasse Richtung Kosmaj vergast.
Er war eigentlich nicht nur Bauhausschüler, Tschechoslowake und glühender Panslawe sondern auch Jude.Eigentlich waren die Deutschen meist Österreicher,aber das ist eine ganz andere Geschichte.
Dubček.
Dubček.
Dubček.
Klara hatte mit ihrem noch ungeküssten Arsch nur noch ein paar Meter bis zum Haupteingang vor sich.Die Menschen um sie herum weinten,schwenkten tschechoslowakische und jugoslawische Fahnen.Ein älterer kleiner Mann in einer kurzen britischen Uniformjacke sammelte Freiwillige in einer Ecke,gleich neben dem Eingangstor...
Alter?
55.
Gekämpft?
Ja.
Wo?
Erste Proletarische Division.
42-45
Der Nächste.
26te,Lika.41-45.
Nächster.
Dalmatinische Fünfte.43-46.
Die Partisanen,mittlerweile Angestellte,Lehrer,Taxifahrer oder Konditormeister unterschrieben eine selbtsangefertigte Liste,die der ältere Mann im Wehrkreiskommando Belgrad-Vračar am nächsten Morgen abgeben wollte.Zumindest erklärte er das allen Anwesenden.Frauen die sich freiwillig melden wollten,verwies er an eine ältere Dame„die Bohnenstange leicht zu erkennen an der leuchtendroten Strickmütze“,die ihren Stand gegenüber der tschechoslowakischen Botschaft,vor dem Belgrader Hauptbüro von JAT bezogen hatte.
Mit uns nach New York stand in ihrem Rücken.
Ihre JAT-Jugoslawische Fluggesellschaft.
Klara taten die Backen immer noch weh.
Sie hatte sich aus Solidarität mit den tschechoslowakischen Brüdern und Schwestern aus ihren alten Pionierhalstüchern und Mamas Chaneltuch ein rotblauweises Halstuch gebastelt,ist nach dem Mittagessen zur sowjetischen Botschaft gefahren und hat einen Stein in den Aeroflot Schaukasten vor der sowjetischen Botschaft geschleudert. Dummerweise bemerkte sie nicht den hageren Milizionär,der direkt neben ihr stand(auffällig war die vollkommene Abwesenheit der Miliz während der Ereignisse) und mit den Worten „Wie kannst du nur unsere sowjetischen Genossen hassen“ ihr zwei Backpfeifen verpasste.
Sein Akzent war montenegrinisch. Wahrscheinlich war er einer der drei Montenegriner,die in diesen Tagen freiwillig die sowjetische Botschaft bewachten.
Russenknechte.
Klara machte sich mit ihren brennenden Backen auf, solidarisch in Richtung tschechoslowakische Botschaft,sie bemerkte gar nicht,wie der Milizionär von fünf Jungs zu Boden gerissen,verprügelt und dessen zerknautschte Schapka in das zertrümmerte Aeroflot Schaufenster gelegt wurde,als eine kleine montenegrinische Grabbeigabe für den sowjetischen Imperialismus.
Russenknecht.
Während Klara auf der größten Pro Dubček Kundgebung jenseits von Prag demonstrierte, mein Opa mit der Reserve der ersten Gardepanzerdivision an der ungarischen Grenze darauf wartetet,den tschechoslowakischen Brüder und Schwestern zur Hilfe zu eilen,meine Mutter in Sarajevo irgendetwas inszenierte,mein Vater alle Hoffnung verlor und meine Oma im Frauenkomitee Nahrung und Kleidung für tschechoslowakische Touristen sammelte,die in Jugoslawien steckengeblieben waren,mein Onkel Dragan mit Markuse und Fromm vor der sowjetischen Botschaft hübsche Mädchen bezirzte,kleisterte ich stundenlang mein Kinderzimmer zu.
Ich war aufgrund der historischen Ereignisse lange allein und nutzte die mir gegebene aufsichtsfreie Zeit,um mein 20m2 großes Kinderzimmer mit feinster Kinderkacke komplett umzugestalten.Was ging mich die Welt an.
Dubček.
Dubček.
Dubček.
Klara saß nun endlich auf dem Zaun vor der Botschaft und sang mit mehreren Zehntausend Belgradern im Wechsel die jugoslawische und tschechoslowakische Hymne.Spät nach Mitternacht kam sie nach Hause,mit brennenden Backen und geküssten
Arsch-ein Student der Medizin küsste ihn,nachdem Klara auf dem Zaun sitzend ihr T-Shirt auszog und Freiheit für freie Titten,Freiheit für die ČSSR brüllte.
Laut späterer Augenzeugenberichte meiner Familie,sah man von der italienischen Mustertapete im Kinderzimmer nichts mehr und inmitten dieses nun eintönigen Raumes hockte ich nackt auf dem tiefroten Çelim(Teppich),schlief tief und fest in der Scheisse.Am nächsten Morgen fuhren sowjetische sowie Panzerdivisionen verbündeter „Bruderländer“ auf tschechoslowakischen Strassen,sie überschritten die Grenze und meine Familie beschloss,dass ich nicht mehr in die DDR zurückkehren sollte.So endete mein Prager Frühling 1968.
1968 behielt mich meine Mutter in Belgrad.
Wegen der Panzer in Prag.
Wegen dem Ende vom Traum.
Mein Vater wartete auf uns und das der Sozialismus wieder wärmer wird.
Zwei oder drei Jahre wartete er.
Der Sozialismus blieb kalt.
Meine Mutter schiss auf Panzer und Sozialismus
wegen ihres heißen Herzens und Heiner Müller.
Vierzig Jahre später
Klara
Ich
sprachlos und mutlos
vor dem brand,dem sengen und versinken
halt den schnellkopf unter wasser,eiswasser wohl
vom pol, oder stilles teures und der kot und der dreck frisst mich an endmoränen und sandigen ufern, stehe auf pappe und becher glotze nur noch blöd die welt an, die blöde stimmlos und sattgefressen am ansehen
überlebt den einen krieg,fresse schon den neuen,weich die hand,hat noch vor
dem kopf aufgegeben,kluges kind -
was einmal brannte brennt immermehr
zu trocken,übersäuert unsere böden und
rinden,herzen aus holz und leim,klebt
sogar die nachrichtensprecherin weint
kalt grau,dem liegemden ist es gleich
frisst scheisse mit und ohne hafer oder haselnuss,budgettod
fressen uns nun selber kopfabwärts
die städte brennen,ihr gestank in unseren wohnzimmern,da hilft nur dufttanne oder
die klinge,dreierblatt im angebot
schneid mir damit gleich augen weg
alter käse
gagarin ist tot und der andere
ich will ihn nicht mehr sehen
seine sterne und flüge
die lautlosen,die,die
alles konnten
in einer nacht
schoss ich
30 kugel in den
himmel,meine
sterne fallen
XII
BELGRAD-KNIN-SPLIT
I.
Klapp.Klapp.Hundert Lichter in einem Tal.
Klapp.Klapp.Das müsste Sarajevo sein.Zigarette weiterreichen.
Wichser,du ziehst zu lange.Die muss für alle reichen.
Die Zigarette wanderte einmal von Mund zu Mund,musste für zehn Jungs reichen,ausser für T. der hat sich schon in Belgrad im Klo eingeschlossen,vorher schrieb er noch TOALET NE RADI
an die Tür und seitdem sitzt er still auf der Klobrille.Manchmal, wenn ein dicker,meist besoffener Mann in zu engem Hemd nicht lesen kann oder will
brummt er mit falschem Bass
TOALET NE RADI
die schwitzigen Männer fragen nicht nach,warum ein WC ihnen sagt,dass es heute nicht arbeitet,sie sind wohl Autoritäten gewohnt
In diesem Fall einem autoritären WC.
Klapp.Ein Bahnwärterhäuschen.Zwei Geranientöpfe,hängen schief von einem schiefen Dach.
Klapp.Klapp.Klapp.Unter der gelbleuchtenden Laterne steht ein weißer Fiat 500. Klapp.
Sieh mal-ohne Vorderreifen,was für Bauernpisser.
Das war S. - sein Vater fur einen YUGO KORAL,was ihm peinlich war,deswegen lernte er aus deutschen Autozeitschriften alles über Fahrzeuge auswendig und erzählte uns „das sein Vater VW,Audi und BMW fährt“
Er konnte alles haargenau beschreiben.
Wir stutzen nur,wenn er über Tesstrecken und Belastungsproben redete
und er nahm jede Gelegenheit war,kleiner Autos klein zu reden bis die in seinen Geschichten fast erbsengross irgendwo herumstanden und sich schämten.
Diesmal schämte sich ein FIAT 500 unter einer gelbleuchtenden Laterne in einem Vorort von Sarajevo.
Klapp.Bahnhof Podlugovi.Es stinkt nach Pisse.
Sie läuft direkt aus dem verstopften Klo zu uns,sickert in unsere teuren italienischen Rucksäcke und saugt sich in meine flachen,schwarzen Chucks.
Auch die roten und gelben Chucks von M und P haben es gerade nicht leicht.
Klapp.Klapp. Gornji Vakuf.Stinkt wie immer,sagt M.-wie jeden Sommer.
Klapp.Donji oder Gornji Vakuf so heißt der Ort,den wir nur Nachts sahen,auf unseren Fahrten von Belgrad nach Split,via Knin.
Sommer für Sommer.Klapp.Klapp.
Jeden Sommer bis zum großen Brand fuhren wir vom Belgrader Hauptbahnhof nach Split ans Meer.Klapp.Klapp.
Ans Meer,ans Meer,rief ich durch die offene Tür,in die schwarze Nacht,die Berge hinaus.Die Rufe wurden lauter,bald rief der ganze Waggon
ans Meer,ans Meer,ans Meer.
Es war nicht schwer die anderen 80 oder 100 Jungs von meiner Sehnsucht zu überzeugen und sie in die bosnischen Berge zu schreien.
Der Bahnhofswärter winkte uns mit seiner Kelle zu und es schien,als riefe er mit.
Ans Meer.
Zugdurchfahrt.
Klapp,klapp.
Die Tür klapperte seit Stunden,stand weit offen und ich atmete tief die frische,nach Kiefer und Gebirgsbächen riechende Bergluft ein.Die orangene Tür klappte nach jeder Biegung im Tal zu und auf,oder andersum,auf und zu,
das lag auch daran,das wir unsere Rücksäcke in die Türöffnung gestopft hatten,
wir wollten nichts verpassen-den Schottergeruch in Vinkovci nicht,die kalte Bergluft bei Sarajevo,den süßen Duft der Zypressen kurz vor Split
das No fumare Schild auf dem Klo.
Irgendwann um sechs,oder sieben,eher um Acht Uhr sollten wir in Knin ankommen.Dort würden,wie jeden Sommer,die Sonderzüge aus Zagreb und Belgrad zusammengekoppelt werden und nach Split weiterfahren.
Wir zogen uns frische T Shirts an,die besten die wir hatten,
verdient beim Fassaden waschen einer Belgrader Bank
anderen Putzarbeiten
Noch nie haben Jungs so viel geputzt in Belgrad wie im Mai und Juni.
Wahrscheinlich auch später nicht.
Wenn wir uns trafen sagten wir uns immer Zahlen
Fünf Zehn Fünfzehn
Die Zahlen standen für die Anzahl der Übernachtungen am Meer inklusive ein zwei Bier,manchmal ein Eis und Brot und billige Salami.
Nur einmal sagte D Vierzig!
Er hatte in Zemun gefälschte Interrail Tickets hergestellt und verkauft.
Später machte D viel Geld in Südafrika mit einem Reiseunternehmen spezialisiert auf Dampflokreisen durch das Burengebiet.
Zurück zu den Chucks/Converse All Stat low)...
Wir rieben uns mit Klopapier unsere pisseversifften Chucksohlen ab und hielten Ausschau nach dem Zagreber Sonderzug.Manchmal stand er schon im brüllendheissen Bahnhof von Knin,manchmal war unser Belgrader Adriasonderzug Stunden vorher da und wir lungerten, Sarajevoer Marlboro rauchend,auf dem dem weißen Bahnsteig herum.
Knin ist es ein Drecksloch.Nur verfickte Hurensöhne,Chetniks und Zigeuner von Roter Stern leben in diesem Drecksnest nölte P.
wie immer und schnipste seine Zigarette Richtung Stadtzentrum,mit der leisen Hoffnung,dass das Städtchen in einem halben Atemzug auf ihre Grundmauer niederbrennen würde und der Sonderzug aus Zagreb in dieses Leuchtfeuer hineinfahren und sich mit unserem vereint
Richtung Meer fahren würde.Das besondere dieses Sonderzuges aus Zagreb war,das er genauso mit jungen Mädchen und Jungs vollgestopft war,die mit ihren bunten Rucksäcken, urinriechenden Chucks und frisch gebügelten Tshirts in die Nacht sangen,wie der Belgrader,mit einem großen Unterschied:
Dutzende von schönen,duftenden Mädchen aus Zagreb sassen in den Türen,standen in den Gängen putzen sich und rauchten,tauschten untereinander Mixtapes und Bikinioberteile aus,erzählten von ihren letzten Sommerküssen,schwiegen voller leiser Hoffnung,schminkten sich vor den blinden Abteilspiegeln "Besuchen Sie Mostar" und zählten die Stunden bis zur Ankunft in Knin.
Zumindest stellten wir uns das so vor...
wenn wir Pech hatten,war der Zug voll mit Familien,VaterMutterKind...Mist riefen dann
Hundert Jungs in einem Atemzug
Mist
Mist
Mist
aber das ist keine Geschichte vom Pech,also war der Zug voll mit hübschen Mädchen aus Zagreb(über die Jungs schreib ich nicht,das können die Belgrader Mädchen gerne machen,die sich auf die Zagreber Jungs freuten,oder die Zagreber Jungs über die Belgrader Mädchen)
II.
Knin.
Auf und ab.
Auf und ab.
P. sprang wie ein Hampelmann auf und ab.
Wichser.
Ich war gerade fertig geworden mit dem Bild,gemeinsam mit M. hatte ich das Kap Horn durch gezieltes Zahnlücken-spucken auf den weißen Bahnsteigstein gemalt.
"Keine peinliche Sorgen machen,Bruder,bis die feinen Mädchen da sind,hats die verfickte Sonnte über Knin weggebrannt".Wir schwiegen und unser Kap verdunstete langsam.Wann kommt endlich der Zug aus Zagreb.
Italien in Knin seufzte M.und spuckte erneut auf den weißen Stein.
P.mit fing mit seinen Aufwärmübungen an,als wir uns am italienischen Stiefel versuchten.Er wollte wohl die Zagreber Mädchen beeindrucken,das tat er jeden Sommer,mehr oder weniger erfolgreich.
Begonnen hat es mit Breakdance.
Vor drei Jahren empfing er den Zagreber Sonderzug,mit,aus nem angesagten Film abgekupferten Drehungen,Schrauben und unbeholfenen Robotman Breakdance Moves,während wir im Halbkreis um ihn herumstehen und idiotisch klatschen mussten.Er hatte schon Monate vorher in Belgrad geübt,den Breakdance-Film,ich glaube Beatstreet, dreißig Mal in vier Wochen im Kino 20.Oktober gesehen.Wahrscheinlich war er der einzige Nichtroma im Kino,dessen Repertoire nur aus Bruce Lee Filmen und diesem Breakdancefilm bestand.
Der Robotman bekam in der knietiefen Zugklo-Pisse mitten in Bosnien noch seinen letzten Schliff,irgendwo kurz hinter Donji Vakuf.
Vor zwei Jahren spielten wir ein The Cure Video auf dem Bahnsteig nach,nur mit mäßigen Erfolg,es gab wohl nur drei Gothicmädchen in Zagreb,die unser Tun erkannten,der Rest hielt uns eher für schwul,das waren sonst eigentlich nur die Jungs aus Ljubljana.
Dieses Jahr hatte P.einen neuen Einfall.
Ich probiers mal "russisch".
Russisch.
Wichser.
Es gab für uns nichts schlimmeres als das irgendwas "russisch" sein sollte.
Russisches Zeug war was für Provinzler,Parteikader und Montenegriner.
Wir liebten illegal kopierte amerikanische Blockbuster in OV,hohe und flache rote und schwarze Chucks,The Jam und Virgin Records,einmal im Jahr nach London fahren um Dr.Martens zu kaufen und in Covent Garden ladmässig an einer Hauswand gelehnt P&S,weiche Packung,zu rauchen,italienische Motorroller und japanische Walkmens.
Und P. wollte was russisches probieren...
Das lag wohl an seiner Mutter,die die besten Schokoladenpalatschinken von Neu-Belgrad machte und schwerst schizophren und in Behandlung war,das wussten wir alle von unseren Besuchen bei ihm zu Hause,oder an seinem Großvater,der sich mit der Axt die rechte Hand in der Badewanne abgehackt hatte,der hatte als einziger von seiner Familie irgendein Massaker '41 überlebt.
Übrigens in der Nähe von Knin.
Auf und ab.
Auf und ab.
Der Hampelmann wärmte sich auf.
Doch der Zagreber Sonderzug kam nicht.
An alle Belgrader Idioten-der Zagreber Sonderzug verspätet sich um zwei Stunden.
Der schmierige Bahnhofsvorsteher mit dem jogurtversifftem Chetnikbart mochte uns nicht (wahrscheinlich wurde der Wichser in den 90igern Eisenbahnminister der Krajinarepublik) und knarzte genüsslich seine Durchsage ins versiffte Mikro.Man hörte sogar,wie er an seiner Zigarette sog,bestimmt eine Drina ohne Filter.Man rauchte schon grenzübergreifend.
Halt die Fresse,Wichser.Ein Bierkonserve knallte gegen seinen blindgläsernen Bauernbunker genannt Bahnsteigbüro.
Auf und ab.Auf und ab.
P.wollte uns seine russische Idee nicht verraten.
Stunden später lief er auf den Gleisen unseren zusammengekoppelten Zügen hinterher.
Er hatte in der Belgrader Kinothek einen russischen Schwarzweißfilm gesehen,wo ein junger sowjetischer Offizier seiner geliebten Frau hinterherlief,die in einem Zug ins Hinterland evakuiert wurde,in letzter Sekunde auf den letzten Waggon aufsprang,sie küsste,um am nächsten Bahnhof wieder auszusteigen und Richtung Front zu fahren.Einige Einstellungen später starb er in weißrussischen Sümpfen,von Deutschen verfolgt,einsam und schwer verwundet.
Die Kamera kreist.Birken.Schnitt.
P.rechnete jedoch nicht damit,dass unser Zug schneller fuhr,als der im Film.
Er lief noch sehr lange dem Zug hinterher.
Einen Tag später kam er dann in Split an.
Ein Bauer hatte ihn in den Bergen um Knin aufgelesen und ihn,samt seiner fünfzig Wassermelonen nach Split zum Markt gefahren.
Wir waren schon längst mit einigen duftenden,schönen Mädchen aus Zagreb auf der Insel Hvar und tauchten nach Seesternen.
XIII
BERLIN
das leise schlagen der wellen
der kalte körper neben mir
ein sanddornbusch glüht
ich mag ihn nicht im april
mein kopf mit seinen fragen
die antworten kenne ich
die füsse schwer der kopf schwerer
SAG WAS MICHA senkblei
ich sehe das graue meer
schwer schiebt es sich zur küste
die schiffe verrotten in windschiefen hütten
mit ihren vätern und söhnen
den leisen tretern
hab uns jeden sommer die fressen poliert
die arbeiter und bauern fischer nicht vergessen
die ostseezeitung ins meer getunkt
schwer wie bleirohr der schlag auf die
denkerstirn,der rotz pladdert ins sandorngelb
vor hiddensee unsere liebliche hidden sea
weg aus der hauptstadt ost und dort
in sand und dorn unsere dornenkrone
getropft,atolle von rotz und blut
reise reise seemann reise
ostseezeitung manchmal ND
was gerade ungelesen rumlag in
kaufhalle oder kiosk am weissen strand
in arbeiter bauern oder fischerfaust
WARUM SAGST DU NICHTS
ZEIT ZU GEHENmüde worte des abschieds
wir liegen im sand
ich zähle sekunden
eins zwei drei vier fünf
ICH HALTS HIER NICHT
MEHR AUS
ein zwei drei vier fünf
der Ausreise-Karton
SALAMANDER EXQUISIT steht drauf
ein Rest von mir drin
zweimal Pistols einmal Sham69
die finger graben sich in den nassen sand
möchte unter ihm liegen unterm sand und dorn
der zorn
ihn ins maul stopfen alter kumpel
süßer verräter aufm sprung
salzig ist er und schwer sand unter
deinen leichten worten du fickfresse der sand
im april im jahr achtundachtzig
an ihm ersticken mich ins grau werfen
an dieser verfickten küste dummes
bla bla bla vom gehen und bleiben
hörensagen von drüben
träumen und leben einstürzende
neubauten im ohr der stachel
verrotten an der saale oder pleisse
am eingang von nem friedhof kirchlich
natürlich,gesegnet mit korn und avantgarden
töpfen,die kleine lehmfreiheit oder lang
haariges hexametern die sich vor sanften menschen
an holztischen gut vortragen lassen
knoblauchbrot und bettina w mein
beschissenes abendmal
Sind so kleine Hände
Winz'ge Finger dran
Darf man nie drauf schlagen
Die zerbrechen dann
Sind so kleine Füße
Mit so kleinen Zehen
Darf man nie drauf treten
Könn' sie sonst nicht geh'n
Sind so kleine Ohren
Scharf und ihr erlaubt
Darf man nie zerbrüllen
Werden davon taub
tripper inklusive lied mitgenommen von der mittelalten verbotenen
dichterin danach, die liest und liebt nur antiquarisch
staatsfernes, nasskaltes bett, patchouli
den bericht in der selben nacht geschrieben
den blanvers, den hab ich gefressen jahre später
in trauriger gauck platte hundertvier seiten lang
kurzgefasst:
BORN IN THE GDR FUCKED IN THE GDR
harte Küsse steife Glieder
saale und spree girls von
ipanema erinnre mich gut
NOCH EIN ZWEI TRIPPER IN WERNIGERODE
HEIMLICHES LESEN VON BAHRO ODER MARON
bück dich gewissen,leise rieselt schwarzer schnee
die fresse zugenäht,hinter den bockwurstfressen
zum ND PRESSEFEST oder aufm alex irgendwas
die miesen fisuren dahinter magdeburch leipzig halle
wartet auf mich nur noch
faconschnitt und rummelsburg
mit viel glück ein forumcheck und ein BAP
konzert im palast in balu
mittendrin in der roten rotze
werd ich zur überlebersau
scheiss nur noch und beschlafe die bitteren
mit kurzen haaren wir trösten uns,fad der speichel
man weiß nie wo es hinströmt
das graue Schwere da draussen
XIV
MOSKVA WARSZAWA PARIS
Gezeugt in Moskau.
Geboren in Berlin.
Gewohnt in Belgrad.
Gewohnt in Berlin.
Studiert in Belgrad.
Krieg.
Studiert in Berlin.
Wohnt in Berlin.
Arbeitet am Theater.
Verheiratet.Ein Kind.
Ich sitze fahre
in Zügen
leben
und
u vozu sedim i gledam sa brda
more plavo i brda siva
polako se spuštam
i sanjam dodire i poljupce
i zatvorit cu oči
-
RUMMELSBURG / SARAJEVO
PROLOG er war in der ddr und jugoslawien im gefägnis, u-haft genaugenommen. in der ddr wegen herabwürdigung des staates , im militärgefägnis sarajevo wegen angeblicher zersetzung der militärdisziplin.
Rummelsburg 1985
der bussard
sitzt auf
dachlosem lokschuppen
vor ihm
der betriebsbahnhof
rummelsburg
hinter ihm
qualmt das kraftwerk
ohne knast
den haben sie abgerissen
nach der einheit
die politischen
waren gute heizer
soffen weniger
als die herrschende klasse
erzählte oft
mein vater
auf dem betriebsbahnof
habe ich blut gespuckt
und zähne
der knast war damals voll
mit guten heizern
im lokschuppen
hämmerte die herrschende klasse
an taigatrommeln herum
oder in meiner fresse
auf dem bahnhof
nach der schicht
vor der einheit
hockte der bussard
im wald oder
auf der wiese
das ist jetzt
anders
meine fresse ist
zahnlos
das ist geblieben
seit rummelsburg
betriebsbahnhof 1985
Faules Holz/Sarajevo 1988
wie ein faules holz
treibst du vor dich hin
die sonne über dir wärmt
nicht mehr
zu tief
die löcher darin
vollgesogen
stehend
das wasser
fault alt
mit den jahren in die seitenlage
geraten treibst vor dich hin
bis eine zarte hand dich greift
innen zu
aussen
wendet
dich wärmt
ihre hand nun sonne
für faules holz
das trieb nur so
vor sich hin
unter kalter sonne
ich wache auf im militärgefägnis
sarajevo
budi mi sjećanja
izadji iz mene
das licht geht nie aus
weiss die neonsonne
unter ihr liege ich faules holz
treibe vor mich hin
zwei rippen gebrochen
die hoden faustgross
die antworten falsch
die schläge gekonnt
die sonne über mir wärmt
nicht mehr
zu tief
die löcher
ich hoffe auf eine zarte hand
die mich greift
das innen und aussen wendet
es wärmt die hand
wie eine sonne
die tür geht auf
an diesem tag
werden noch zwei rippen
brechen knacken
wie faules holz
darin das wasser
fault alt
im august 1988
sarajevo erinnerung aus kristall
sarajevo gemacht aus schlamm
und schnee
izadji iz mene
izadji iz mene
(militärgefägnis sarajevo,1987)
Keibelstrasse 1984 Ostberlin
Nacht mit Hundegebell.
Kam nicht nur einmal vor.Im Sommer häufiger.
Mein Weg zur Schule führte an ihr entlang.
Schüsse gab es dreimal.
Erst neunte Klasse und schon Stasi an der Schule,Verhör im Direktorenzimmer.
Ist mir an allen drei Schulen passiert,die Männer in den schlecht sitzenden Anzügen.
In der Keibelstrasse habe ich zwei Zähne verloren.Die hatten Hartgummiknüppel aus der Nazizeit,das nackte Herumstehen, stundenlang,wärmen tut mich nur die eigene Pisse.
Das habe ich gelernt,DDR mein Vaterland: auf Knopfdruck einpullern,war mein wärmender Anorak in der Keibelstrasse,Sitz des Polizeipräsidiums von Ostberlin.
Die Pisse musste man aufwischen,davor noch der Schlag genau auf die Vorderzähne.
Gelb und rot mischt sich unter meinem geschwollenen Geschlecht.
Vincent von der Keibelstrasse.
Zehnte Klasse.Wieder Stasi an der Schule.
Und Elf und Zwölf.Meine Zahlen sind krumm,schiefe Männer sind sie,die ein Kind
zertreten wollen,weil der Klassenkampf es so will.So nannte man das,wenn große Männer vor einer Direktorin einem
Jungen in die Nieren boxen und er vor ihr Schmerz erbricht.
Ach Schiller,Geothe,Lessing und Fontane lagen sonst auf ihren schmalen blauen UnterrichtsLippen,die Erziehung zum Menschen,diesmal liegt nur Verachtung und ein wenig geiler Speiche auf ihrem klassischen Gesicht.
Der Lieblingsschüler liegt auf Linoleum.
Braun,er erbricht sauer.
Ich sehe die Fahnen im Rücken der Direktorin.
Höre kaum etwas,langes hohes Summen in der Stirnrinde,darauf sitzen schwarze Vögel.Eine Minute vorher hat mir ein verpickelter Sachse mit beiden Händen auf die Ohren geschlagen,meine Antwort gefiel ihm nicht.Summ-Summ-Summm.Ich verrat meine Brüder nicht und deiner Votzenmutter scheiss ich in die Fresse,Sachsensau.
Die Direktorin schaut mich nicht an.
Kalt.
Ein weißer Vorhang Dederon dahinter liegt sie,die alte Kohlehandlung.Eine dünne Rauchsäule.Den harten Worten drinnen entfliehe ich in den Rauch,den schmutzigen Schnee,die Schrift bleicht an zerschossener Wand.Warnekes Kohlenhandlung seit 1931,unter dem Tisch verkauft er Schnaps an uns Schüler.
Kalt.
Rauch.
Der weiße Dederon Vorhang hängt schlapp dazwischen,zwischen der Freiheit,dem geschwärztem Schnee und den krummen Männern.
Die Stimme der Direktorin drinnen.
Wird nicht zum Studium zugelassen.
Feindlich negativ.
Dekadent.
Schmarotzer.
Parasit.
Meine Ohren summen und ich tanze den schwarzen Stern.So hieß eines meiner Lieblingslieder.Die Küsse mit den Mädchen waren immer zu hart,das andere auch und ihre Haare rochen alle gleich.Action.VEB Kosmetik in Berlin Mitte.
Drei von den vielen hart küssenden Mädchen sagten mir,sie wollen,weil sie müssen.
Männer kamen,sagten KÜSS IHN DANN FRAG IHN
Was er liest?Was sein Vater erzählt?Die Mutter träumt?
Und jetzt fick mich,die Verrätersau sagte eines der Mädchen.Ich nahm sie in den Arm und erzählte ihr was ich lese,was mein Vater erzählt und was meine Mutter träumt.
Und ich sagte ihr,erzähl alles den Männern mir ist alles egal, ich bin dreizehn,vierzehn, fünfzehn,sechzehn Jahre alt und Angst habe ich keine,Leben will ich auch nicht mehr.
In der Straßenbahn müde Augen.
In der UBahn Baujahr 1930 müde Augen.In den nach kalten Rauch,Erbrochenem und Schweiß riechenden Zügen müde Augen.Zu lange starrten sie wohl die Mauer an.
Krankgesehen am betonierten Danebenleben.
Warum fuhren all die Züge immer an der Mauer entlang.Was war der Plan der alten Männer.Zu früh aufs falschen Pferd gesetzt, alles auf ROT und Traum,dann dastehen-die leeren Hände und es blieb nur noch der leere Blick auf Beton und das Leuchten dahinter.
Auf den Wegen zu den ungeliebten Arbeitsstellen und Fickzellen DANKE H im Danach,fuhren wir immer an der Mauer entlang.Wie mein Gesicht in der Garage Keibelstrasse am Rohbeton zurechtgeschliffen wurde.
Irgendwann ging ich weg aus dem Land.Als ich wiederkam,war es eins.
Mir tut das alte Land immer noch weh NICHT MIT SCHÖNEN ACH UND WEH ohne dieses verklärte Schäumen zwischen Werra und Mulde.Es tut weh:Mit heißer Wut,halbtauben Ohren und halbierten Zähnen
hass ich dich Staat der Gewalt,
der kalten Garagen,
der kalten Küsse,
des müden Verrates.
Auf Knopfdruck einpissen war mein Weg in den Kriegskommunismus und ich rieche die Pisse unter mir und es ist warm und mein Blut spritzt an die Garagenwand,fahr an der Keibelstrasse vorbei,irgendwas neues, helles Teures steht jetzt da.Der Anorak Sachse und seine Kinder und Kindeskinder stehen jetzt wohl rechts neben mir.Das Grab der Direktorin wollt ich umgraben und ihre Knochen in der Lottumstrasse und Oderberger verstreuen,ich ließ es sein.
Habe etwas gelernt unter neuer Sonne,trotze Wohl und Weh...habe dazugelernt im warmen Süden-die Großzügigkeit meiner jugoslawischen Heimat,die habe ich langsam gelernt und sie mitgebracht.
Und ich ersticke,wenn ich mit der Bahn an der unsichtbaren Mauer entlangschramme.
Und ich sehe die schiefen Männer,meine Direktorin und die alten Fahnen hinter dem Demeterladen und Schawarma,Applestore and Biocompany.
Still feiere ich die gewonnene Freiheit,hab aufm Weg Zuviel verloren.
Vom Jetzt schweigt dieser Text.
Das hat hier keinen Platz.
Und ich höre noch Schüsse in der Nacht,vereinzelt und das Gebell der Hunde,den Verrat küssender Mädchen,warm ist es unter mir.Es stinkt nach warmer Pisse.
Pssst keine Angst Anorakkind,Junge,Mann.
So ist mein November.
Ich erinnere mich.
Beograd-Malmö via Berlin
dugine boje nosi moj zmaj voz.
kompozicija je imala duzinu od dvadesetipet
vagona. dvadesetipet sati dugo putovanje dugom ,
od istočnog berlina do grada bijelog, zapravo sivog.
bijelo. uzmi. sanjaj. maj i brda gore.
nisam sanjao vojni zatvor u sarajevu,gumeno crevo u anusu, moj islednik iz ogiluna, porodicu mu jebem i zivot i decu i kuću.
u zološkom vrtu ja jašem konje, horse against arse pain
netko lezi ispred kaveza, ne vidi zebre, vidi boje, svoje.
dvadesetpet vagona u tri boje.
zeleno. crveno. plavo.
duga nije bila prohodna, zidovi unutar voza, samo se izvana kreće,
ključevi konduktera zabranili su slobodno kretanje.
samo pogledi kroz zamagljene prljave, slobodni kao vjetar,
gledaju polja, sela, mostove, rijeke, gradove, vodotornjeve, vatre, pincgauer kod Šida, spomenik išvrljan, blato, vikendice, autoputove, porušene crkve…
iste slike, pogledi puni neke sjete, raznih zelja, oblaka bijelih, neba zaključanog.
imaš li ključ za ono iznad nas,
za ono oguljeno?
nemam, sinko,
samo za sjedenje i ležanje
drugom klasom.
nebo zaključano, klatimo se, sanjamo nemirno. jone šarene
ugašenih očiju u teksasu, hvala bogu, levis strauss. ošišanom glavom pod
pijesak, te nakon dvadesetipet sati otreseš šesti i drugi kat.
kondukteru, zaključaj mi glavu.
pada, teška je.
za deset maraka može sve.
konvertibilna amnezija, sinko, kriza je, svi bi plavo.
putnici spavaćeg i plavog vagona su sa voznom kartom imali pristup
vagon-restoranu, jedinoj prilici da sretnem ostale jone progutane
i ispljuvane na dalekim obalama.
u plavim i crvenim sretao sam jone iz strumice, kumanova, peći,
valjeva, niša, pozarevca. nijeme, pune straha. ugurani, bezbojni, medju kartone
bijele tehnike. A kad su prošli plavi i smedji policajci,
kad kutije i kartoni nisu baceni na subotički kolodvor,
kad krvavi svežanj kruna u djevojačkim gaćicama nije
pronadjen, tek tada su jone progovorile.
Nerijetko su otvarani prozori crvenih i plavih vagona
(oni zeleni su svi ostali u budimpešti. keleti pu, brate, keleti pu
jebem im nebo žičano) i ravnicom se razlijegla pjesma:
širom svijeta put me vodio
za sudbom sam svojom hodio,
u srcu sam tebe nosio.
krv se mnoga za te prolila,
borba te je naša rodila
ne znam tekst, ali gledam sve te glave i ruke
koje izranjaju kroz prozore
gutam dim dizela
kenedijke,
KONDUKTER:
dizel- električne lokomotive serije 661 proizvedene su u američkoj tvornici "GM EMD". eksploatacija ovih lokomotiva na prugama jugoslavije počela je davne 1960. godine. ove lokomotive, popularno nazvane "kenedijevke"
maksimalna brzina: 114 km/h kod podserije 000; 124 km/h kod podserija 100, 200 i 300.moj posljednji voz sa kenedsijevkom sam pratio zimi 1991.
u vozu smo bili ja, jedan pijani kelner u vagon-restoranu i dvojica mladića,
bio je to posljednji voz na toj relaciji. nosim jednog mladića i polažem ga na
jednu drvenu klupicu.
na beogradskoj željezničkoj stanici me je kondukter iznosio iz vagona
i položio na jednu tanku, drvenu klupicu. nisam bio pijan,
nešto me je slomilo, iščupalo korijenje i padam,
posječen u vagonu, s rednim brojem 23, na nekom polju iza vinkovaca,
ponekad, mislim, da i dalje ležim tamo ili
na jednoj drvenoj klupici, na glavnoj beogradskoj željezničkoj stanici,
kolodvor dva, pored mene kenedijevka i pet vagona
ljubljana - zagreb - beograd
posljednji voz
zima 91.
šal od svile slušam na walkmenu,
u usta mi pada snijeg, pada na drvenu klupicu,
ležim i gutam bijelo koje sporo pada,
pjesmu sam(o) slušam,
slučajno, valjda, zbog
neba i mora,
odnekuda odnedavna,
strašna pjesma, nježno,
podsjeća me na prijatelje, i
ljubav, voz
avion i horse,
podsjeća da sam izgubio zivot na voz
avion i horse podsjeća me na najbliže,
koje sam izgubio,
jebo vas voz
avion i horse
ljeto. osamdeset neke, neko polje obrano, prazno
vraćam se iz vojnik zatvora
ili stizem u beli grad iz sivog
i dok su putnici pjevali,
bacali su svoje prazne tužne flaše piva i rakija, ispijene u dvadesetipet nijemih nemirnih sati, na polja subotička, zasadili su šljivu, hmelj, duhan izgorjeli medju prstima, debelim i crnim, ispljuvak gorki, nekoliko kovanica švedskog i njemačkog novca, teškog.
u povratku sam uvijek zamišljao kako prolazim pored beskrajnih polja tuborga, navipove šljivovice, zgužvanih kutija crvenog marlbora. sto je sve izraslo za 52 dana pod ovim mojim nemojim suncem?dno osušenog panonskog mora rodi čuda. gledam čudo, gledam nijemo pitanje
što je
kako je
i zašto
koliko dugo traje jedan poljubac?
koliko dugo se pamti miris koze?
Pitat ću svog pijanog oca, on zna sve,
i jako je nježan. obrat ću mu dvadeset malih tuborga i šest šljiva, samo ruku moram ispruziti kroz prozor, i svi plodovi strumički, valjevski pećanski, opjevani i bačeni prije 51-og dana, naći će svoj put do mog oca.
otac mrtav pijan a nismo ni blizu subotice, tako je uvijek bilo u povratku. ispod lavaboa lezi moj mrtvi otac, ja pijan gledam kukuruz i bačene flaše.
daj mi boze malo mjesta ispod lavaboa,
da legnem na osunčana ledja mog kratkog ljeta,
da gledam sapun odozdo,
bijeli sapun, moj posljednji oblak,
pecat JZ na njemu utisnut,
moje sunce
posljednje
bledi
Keibelstrasse 1985
ewiges polizeipräsidium
härte gegen punk
mein kopf auf der tischplatte
knackt zwei vorderzähne gleich mit
herabwürdigung öffentlich und paragraph 220 von den nazis.der schlag auf mein blutendes mundloch mit dem eingerollten
proletarier aller lönder vereint euch ND
bricht mir die unteren zähnchen
kann mir das sandmännchen bringen
draussen oder im schlaf
im schlaf mutter ist ein trampeltier und der
heiner müller steht an der tür
kein mann im fahrstuhl
den habn wir nicht altbau zweiter stock
aber die keibelstrasse nen
paternoster der schnelle schlag
auf die hoden links rechts
aufm weg in den dritten vierten stock
rechts links der genosse macht
schwarz die kinderhoden
vierzehn jahre ist man da noch kind
kleine hände sind so
kleine hände singt die frau mit den
fauligen Zähnen die bricht man mir
gerade im paternoster
finger streck die finger raus du sau
der genosse macht sichs leicht mit dem
befehl von ganz
oben mfs ss
selbstschuss und ein minenfeld damit
es uns hier gut gefällt,damit es uns hier
gut gefällt in unserem schönen staat
in unseren schönen staat
meine hoden schon schwarz und blau
von arbeiter und bauernhand
zeigefinger gebrochen und krumm bis
heute im neuen deutschland
kopf an die wand
jetzt fick ich dich
du sau sagt der genosse
schiebt mir den knüppel in den
arsch pretty vacant schrei ich nur
das blut auf alten naziholz
in der keibelstrasse holten die genossen
gerne die reichsknüppel aus dem
magazin warn grossdeutsch nicht so
materialtechnisch sparsam wie der
schkopauer gummi
mein helles rot ein langsames
fliessen mutterwärme auf beton
verlier mit vierzehn mein herzloch
an den vater staat wegen 220
öffentliche Herabwürdigung
alles im fluss über unter mir
mundloch strömt und arschloch
mit großen ach und weh
ich bin der struwwelpeter
in der keibelstrasse
habe keine mutter mehr noch vater
die seufzen nur biermann müller prag
bahro alternative und markuse
ich kleb mir die zähne und das
arschblut in das schulheft
sammle schmerzbienen
andre sammeln mein
geschlecht der steinharte lappen
zwischen meine dicken hoden
geschoben gottseidank ist das
blut noch da pumpt wärme
in den kalten lappen
für die hunde
wenn sie dich hetzen
sagt er mir ins kaputte
maul der genosse polizist
in der nacht als mutter vater
von biermann müller bahro
sprachen und träumten vom
dritten weg dem rotwein den schweren
lag ich in meinem
blut
und liege noch da
seit november
83 und sehe keinen
himmel und habe
löcher in der fresse
was kostet eigentlich ein implantat
-
TYRANNISCHER SOMMER/REGIEANWEISUNG ( nach und mit Heiner Müller, Ostberlin, GDR)
Ein Schauspieler
Eine Schauspielerin
spricht AJAX Text immer wieder erleidet Er oder Sie einen Herzinfarkt
einen Tod so dass der AJAX Text von einem folgendem Kollegen oder einer Kollegin zuende gedacht gespielt wird
das Krankenzimmer füllt sich
die kalten weissen Betten die Leiber
Blixa Bargeld spielt seine Melodien
Sechs Betten im kalten Weiß stehen nun in kalifornischer atomverseuchten Wüste death and destruction ohne detroit
Ein Clown eine Clownin sowjetisch die Uniform von 1941 ohne Rangabzeichen
versucht zum vierten Mal die Eröffnung der Wolokolamsker Chaussee zu sprechen der deutsche vor uns
der deutsche hinter uns
ACH NEE DIE SCHON WIEDER
OH NEE DER SCHON WIEDER
KOMM VERPISS DICH MIT DEINEN
PANZERN SOWJETS HITLER STALIN
das brüllen die
Männer und Frauen in sechs kalten weißen Betten in glänzenden Cowboyboots und weißen Totenhemden brüllen sie
AAHH WER WILL DENN SOWAS
RUSSENSCHEISS BOLSCHEWISTENDRECK
DIE SONDE BOHRT SICH IN MEINE HERZKAMMER NICHT DIE
DIE SOWJETMACHT
HELLT MEIN HERZ NICHT AUF
MEIN ABC IST MIT
30000 DOTIERT UND KLEIST KOTZT MIR AUFS JACKET FÜR DEN VERRAT
RUSSEN RAUS AUS FRANCKENBERG
SCHIESS MIT DER PANZERFAUST
DEN SOWJET AUS DEM T34
komm Blixa hör uff ich mach jetzt was mit Laibach
death and destruction oh
yeah sagt blixa nimmt mescalin
und tanzt im sand
californian sun
westberliner autumn
BERLIN ALEXANDERPLATZ
DIE GROSSE DEMONSTRATION
EIN MANN MIT PAPIER IN DER HAND
STEHT IM REGEN UND STOTTERT
UND LEIERT
THRAKISCHER SOMMER/KREBSSTATION
I
OSTBERLIN 1976
DIE NEUE WOHNUNG AM TIERPARK
ich starre auf den Bärenzwinger
leer die Seiten auf dem Arbeitstisch
Ich korrigiere den Bären und streiche mich dabei
die junge Regisseurin steht vor der Tür
dick ihr Bauch meiner ist flacher
DIE DEPRESSION
nicht schon wieder hör ich sie sagen
meine Herzbulgarin DER WEIN schlecht und billig
hör ich mich sagen
AB UND ZU LSD im Winter in OstBerlin im Sommer in Sofia
volkseigen beide und nur im weißen Rausch zu tragen er
auf schmalen Autorenschultern vor dem Akt
ICH LEGE EINE PLATTE AUF Lizenzdruck Jugoton
wish you were here now
leiert es über dem Bärenzwinger
Ostberlin lacht - DAS ist jetzt unser jugoslawischer Traum
die A Seite springt und leiert unsere Sätze auch
nur dabei GROSSGESCHRIEBEN
FICKZELLEN ÖFFNEN SICH ZUR NACHT
DAS FERNSEHEN DER DDR
DER BRD DER TÄGLICHE EKEL
UNSERE NACHTSONNE OHNE WÜRDE
ich sehe den Hängebauchschweinen beim kopulieren zu/
rieche nur ihre Scheisse /die Proben laufen schlecht
der Kommunismus läuft schlechter/ im Jahr 1976 mein
Doppelpunkt auf dem Dach, der Tierpark schweigt ich brülle:
ich will nicht mehr essen trinken atmen
eine Frau lieben/ Ich ziehe mich zurück in meine Eingeweide/
Ich nehme Platz in meiner Scheiße / meinem Blut/ Irgendwo werden Leiber zerbrochen, damit ich wohnen kann in meiner Scheiße / am Tierpark mit Bärenblick/die Firma fotografiert mich aus der Froschperspektive/ich verdächtige das Affengehege / Irgendwo werden Leiber geöffnet, damit ich allein sein kann mit meinem Blut/ Meine Gedanken sind Wunden in meinem Gehirn/Mein Gehirn ist eine Narbe/Ich will eine Maschine sein. Arme zu greifen Beine zu gehn kein Schmerz kein Gedanke.
II
Heil LSD
Heil Coca Cola
Ich bin nun die Rauschmaschine an Thrakischer Küste
Im Sommer 197…
sah ich in einem Garten in Bulgarien eine Katze eine Heuschrecke töten. Im Keller, der aus mehreren Räumen bestand, einer davon mit einem Tisch und Stühlen ausgestattet, ein kühler Aufenthalt im Sommer, stand ein Radio. Ich hatte LSD genommen und einen Sender mit arabischer Musik gefunden und das Gerät auf die volle Lautstärke eingestellt, da ich auf Nachbarn keine Rücksicht nehmen mußte: das Haus stand einsam zwischen Bergen. Die Katze lag auf der Treppe, die vom Keller zum oberen Teil des Gartens führte, und sonnte sich. Sie hatte die Heuschrecke nicht gesehn. Nachdem ich sie ihr gezeigt hatte, geschah lange Zeit nichts dann lief sie zwischen den Türpfosten hin und her, wimmernd und die Heuschrecke im Blick, mit kleinen Sprüngen wie Tanzschritte. Die Kinnbacken bebten, an den Barthaaren glänzte Speichel. Schließlich sprang sie, in zunehmend kürzeren Abständen, abwechselnd am linken und rechten 'Türpfosten hoch. Die Katze spielte mit ihr, vorsichtig und aufmerksam, die Krallen eingezogen. Zuerst versuchte die Heuschrecke noch zu springen. Die Katze bremste den Sprung mit einer Pfote, die Krallen immer noch eingezogen, so daß die Heuschrecke nur auf die nächste Treppenstufe zu liegen kam, wo die Katze das Spiel fortsetzte, indem sie das Insekt zunehmend schneller zwischen ihren Pfoten hin und her warf. Beim nächsten Sprung erreichte die Heuschrecke die nächste Stufe nicht mehr. Die Katze nahm sie vorsichtig ins Maul, trug sie zwei Stufen höher, legte sie ebenso vorsichtig ab, wartete geduldig, bis das halb betäubte Opfer sich wieder bewegte, biß der Heuschrecke ein halbes Sprungbein ab, einen Fühler, und gab sie wider frei. Daß ich mich neben sie hockte, um alles genau zu sehn, störte sie nicht. Ich dachte, selbst in einer Art von Trance durch die Drogen und die Musik der Wüste, die mir jetzt lauter vorkam, obwohl ich von dem Radio im Keller weiter entfernt war, an ein Buch aus meiner Kinderzeit, eine Nacherzählung der Nibelungensage, mein Held war Hagen von Tronje, der Verräter aus True
nicht der Traumtäter Siegfried
mit Illustrationen im Vierfarbendruck
der das Rot der Schwertwunden
besonders gut zur Geltung brachte.
II
Traum.
Ende.
Kein Wind.
Vom schwarzen Meer an bulgarischer Küste.
Warten auf nichts auf der Krebsstation BERLIN 1995
Ich kaue die Krankenkost, der Tod schmeckt durch
Nahrung geht DIE SPRACHE WENIGER die nimmt ihren Weg
in den Ausguss. Nach der Endoskopie / die Augen der Ärzte / sahen mein Grab offen, ich hörte die Schaufeln klirren, als ich ihre kalten Augen sah/ glücklicherweise keine Zahnärzte BEWARE OF THE DENTISTS sage ich
sie lachen DIE ONKOLOGEN
ich krächze nur bin der schwarze Rabe der Charité und
Ich will nicht mehr essen atmen undsoweiter
eine Frau lieben einen Mann ein Tier
in meinem Schädel Königreiche Universen
bin der trübe Rest im weißen Bett
der WELTREST da draußen wie ich an Schläuchen aufgehängt,
wird am Leben gehalten, will auch nicht mehr
kann nicht mehr
Ein Sack Chemie bin ich den Krebstod auf den Fersen
Giftwälder blühen, Landschaften in Orange
schlaflos die Nacht vom Tag nicht mehr zu unterscheiden
Die Schwester füttert mich schlecht tätowiert
MENSCHENBREI les ich blau gestochen auf dem dünnen Handrücken
BRING MIR DIE KOTSCHÜSSEL
krähe ich von meiner weissen Totenküste
kein Bla Bla mehr nur heiseres Rabenflüstern
mein Endspiel ohne Maske auf abwaschbaren PVC
Der Morgenhimmel BERLIN 95 verspricht einen schönen Tag
Die Welt ist beschrieben kein Platz mehr für Literatur
Wen reißt ein gelungener Endreim vom Barhocker
Das letzte Abenteuer ist der Tod
SOWJET.KRANKENSCHWESTER:
Heiner Müller wäre heute 94 geworden.
REGIEANWEISUNG MÜLLER 2
GINKA:
Der Dichter liegt im Dichterbett
Vielleicht sind es viele vielleicht auch die Dichter
Freunde mit Gitarre Akkordeon Koks und LSD
und der Blixa mit der Stahlstimme ohne Stahlhelm
Heine nannte es anders das Bett die Gruft des
Kapitals 1995 aber daran stirbt dieser Dichter nicht
am Syphilis Kapitalismus Tripper Soziamlimus (geht schnell vorüber)
es ist das böse woran er in und um sich
stirbt vergeht und geht auf den Lippen Whisky und Zigarren
die roten Fahnen fressen sich durch den Darm
sein Lehrstück nun der Krebs nennt ihn im Traum
Stalin Ullbricht Brecht Budapest Prag Thomas Wolf Inge
und das Tier dass frisst,nun ihn
Der Dichter spricht die Notiz 409
…
…
…
…
…
HEINER I-IV:
Der Himmel verspricht einen schönen Tag Er beginnt
Mit der Zeitungslektüre in der Hotelbar
Ein Überlebender beschreibt ein Blutbad
ICH LAG UNTER ICHWEISSNICHT WIEVIEL TOTEN
MIT ANGST DASS EINER LEBT UND BEWEGT SICH
ODER FÄNGT AN ZU SCHREIN ÜBER MIR SIE
SCHOSSEN
AUF ALLES WAS SICH REGTE ODER LAUT GAB GLÜCKLICHERWEISE WAREN ALLE TOT
Das Glück muß sich nach der Decke strecken
Leben weil alle tot sind ein Menschheitstraum
Leerzeit Ein Tag wirft mich dem andern zu
Man sollte Komödien schreiben
Leben in diesem trüben Menschenbrei
Mit glücklichen Idioten vor dem Bildschirm
Heute nacht im Traum war ich Aktäon
Ich wurde von sieben Frauen gejagt
Eine Schauspielerin führte sie an
Durch Wald und Feld wir zertraten die Blumen
Sie jagten mich mit einer Drahtschlinge
Ich belästigte einige Freunde mit Fragen
Nach meinem neuen Stück ICH BIN IRRITIERT
Sagte der höflichste Die andern schwiegen
Eine Frau fragte mich BRAUCHST DU DAS
Meine Antwort ICH STERBE HIER ALS WEISSGARDIST (zeigt auf Krankenhauskleidung)GESPENST AM TOTEN WEISSEN MANN
BIN DENIKIN UND KOLTSCHAK IM BEATHE UHSE MUSEUM
DIE ROTE REITERARMEE IST DAS BLUT DAS AUF PVC BODEN�AUS MEINEM DÜRREN HALS HINUNTERSTÜRMT
Ich (sieht übelgelaunte Krankenschwester an) auf mallorcabraune nervöse Hände der Klasse die einst die Zukunft trug und meine Kackschüssel
Auf KrankenschwesterSchultern tätowiert vom Kapital die Sätze des Studios Painfull Steel:
Die Morgenröte einer Nacht Die Nacht
Der Morgenröte Gott ist tot seine verwaisten Engel
Leihen ihre Flügel nicht mehr aus
Sein Skelett kreist im Weltraum
In der Hotelbar langweilt ein betrunkener Gast
Eine Serviererin sie hat dienstfrei und darf
An der Theke sitzen mit dem Krebstod seiner Frau
Dann unterhalten sie sich über Hunde
ICH MAG CHOWCHOWS sagt die Serviererin
WEIL SIE SO KLEIN SIND BITTE SEHR WO BLEIBT
MEIN DRINK schreit der Betrunkene I HATE DOGS
THEY TOOK MY TIME WHEN I LIVED WITH
MY WIFE
AND SHE'S DEAD NOW AND THE DOGS TOOK MY
TIME
Gestern habe ich Teorema gesehn
ICH BIN GESTORBEN FÜR DIESE GESELI.SCHAFT
Sagt der müde Kapitalist auf dem Bahnhofsstrich
Wie soll die Welt enden wenn das Geld müde wird
Der Strichjunge zieht sich schon auf dem Bahnsteig aus
Mitten unter den Reisenden ins Nichts
Die Welt ist beschrieben kein Platz mehr für Literatur
Wen reißt ein gelungener Endreim vom Barhocker
Das letzte Abenteuer ist der Tod
Ich werde wiederkommen außer mir
Ein Tag im Oktober im Regensturz
Eine sowjetische Sanitäterin spricht das Ende der WOLOKOLAMSKER CHAUSSEE. 1995 und 1941 feiern nun Hochzeit.
Der Krebs.
Der Krieg.
Verloren.
Vergessen.
Kein Morgen
mehr.
SOWJETISCHE SANITÄTERIN
Wir lagen
Moskau
vor uns der Deutsche
hinter uns der Deutsche
Ein schwerer roter Vorhang fällt,Theatertod,Theaterleben
dann wird alles vorbei sein.
und die toten bleiben tot.
und die lebenden müssen leben.
mit den tötenden,leben
meist ärmer als zuvor.
kinder unter fremden sternen geboren.
servieren flink oder liefern unter tarif.
die verdächtigen ließ man laufen.
oder sie kauften sich frei.
oder man kauft wieder ihr blutöl.
das teure gas.was schert konjunktur moral.
moralisch degustieren,prozesse kommentieren.
postbellizistiscg bellen seite fünf.
neuer asphalt mit fördergeldern,das massengrab zwanzig meter daneben.
man vergisst schnell,wo man nicht erlebt.
man vergisst nie,wo man überlebt.
hat.
die einen werden haben wie zuvor,die anderen hatten dann nur noch.
weniger in allem.
haben (wenig)
und
sein (weniger)
EIN DICHTER ODER ICH
liege nur da,sabbere auf grau, welt erkannt und augenblei
ich schlafe sabbere zu leben und schicksal, grossmann mein
sandmännchen vielleicht platonow am morgen, heiss der tee
die roten dächer der fernen stadt. möchte lieber kleiner buchstabe
sein auf seite dreihundertzehn
als da
draussen
sein
verschenkte worte
schreiben ins nichts
kalt steh ich da
einen halben meter
neben meinem alten
satz
bau
mein
tage
lohn wortsuche
ersticke an der pointe
oder hänge meine
traurige fresse
am garderobenhaken
auf
wenigstes
ein drama
ich liege auf dem rücken die nacht hat mein gesicht gefressen
liege da und mir ist kalt kalt kalt
im schwarzen wald fresse meine angst
mit den kiefernadeln GRANICA GRANICA
die zelle ist leer, meine zeichen stumm
habe zuviel telefoniert
mein unterkühltes sterben
wird ein einsames sein, matsch die
erde,brei wie zum füttern
seh noch große kinderaugen
sterbe hier unter dem kalten mond
pssst POLICJA GRANICA
im dunklen wald
schluck die angst
policja
erfriere
im nassen
grass
leben
fress ich
kurwa
dahinten schiessen sie
und schreien von freiheit
mir ist’s egal
faule unter wolhynischen gras
unter mir noch andre
knochenmieter in kalterde
ein dutzend
1944
2020
verdammte scheisse alle sind so scheiss aggressiv sie dürfen hier nicht lang ja da ist die onkologie HASS TÄTOWIERT AUF DEN FINGERKNOCHEN alle schreien auf mich an du sie da spast setzen sie die maske auf meine fresse bin ich müde
werde alle fünf minuten angeschrien
schrei zurück dumme dumme sau
blöde votze ohne maske kommen
sie nicht an mir vorbei
bin der höllenhund belle schlechtbezahlt
im klinikum
HASS BLEICHBLAU TÄTOWIERT
AUF DEN FINGERKNOCHEN
der fährmann in zu großem
anzug der anspruch von securitas
miteingenäht in den billigstoff
halt die fresse du votze
mit deiner buntgenähten kratzwolleskepsis
wenigsten still muss es sein
das sterben
das sterben
das dich blöde sau nicht interessiert
kenn deinen laden in der fussgängerzone
piss ihn an
wenn ich aus meinem totenhaus
nach hause
geh
ich liege auf meinen rücken
die nacht hat mein gesicht gefressen
liege da und mir ist
kalt
kalt
kalt
kurwa
Auf einem Berg oberhalb von Belgrad kotzte ich mir die Seele aus dem Leib mit Blick aufs Meer, das unsichtbare weit weg und neben mir der Panzer sowjetischer Bauart olivgrün, mit ihm segle ich an das Panonische Meer, Morgen früh,irgendwann um 5.10h das rote Sonnenlicht, wie immer im Juli über der Stadt und
furchtbar kalt
heißer Panzerwagen
dreißig Sommer
manchmal immer
weiß nicht
genau
um 5.11h
übergebe ich mich
einfach nur so Vormittags ein bis zweimal
Neundreussig Elfzehn zwanzigzweizwei, einundneunzig
die Uhr mein Henker
das Ticken mein täglicher Tod
oder ich mache das Licht aus und muss
drei Stunden am Stück
weinen
Manchmal ist meine Kopfhaut oder die
ganz zarte unter dem Kinn
die wo man sie wissen ja
wo’s schnell geht aber pladdert
zu lautes Geräusch
wie das ticken der Uhr
das tägliche Gesicht
wie Stein und hart und doch weich genug
dann nehme ich Zigarette oder Weinöffner
oder frisch gebrühten Kaffee oder Teewasser
und schütte drauf steche hinein brenne
spüre versuche es
mein dunkles Leben
Manchmal gehe ich
und atme
und esse
ganz langsam
ganz vorsichtig
oder zu hastig
oder zu schnell
berühre wundes Leben
nur mit Fussspitzen und mit Zunge
Sie rühren den Asphalt
nur ganz leicht ganz schwach an
ich traurig wie die Tage Nächte
Monate Jahre
nicht auf Chios oder Hiddensee
ersticke langsam
am langsamen essen
lege mich auf den Ashphalt
müde mit Lust auf den einmaligen Verkehr
einmal drüberfahren
manchmal tun die Augen weh und man
reibt an ihnen wie an der Zündholzschachtel
manchmal sind’s nur die Augen
möcht sie zerschneiden
tun weh obwohl sie weder gelesen noch gearbeitet hätten
das auch noch
zuviel ist zuviel
Halts Maul
Mischa,Mischa fährt unseren Panzerwagen und redet ununterbrochen seit unserer Abfahrt aus Belgrad um 5.30h.
Es ist heiß im Panzerwagen im Juli 1991 und wir segeln an das Panonische Meer, das Schild sagt Zagreb und ich weine seid Stunden,
habe nicht aufgehört.
-
Busfahrt ( geschichten vom unterwegssein)
zwei roma jungs in der letzten reihe
beiden fehlte ein bein. dem einen das linke,dem anderen das rechte. als gehhilfe benutzen sie tschechoslowakische eishockeyschläger.
in der mitte sitz 35 sass eine etwa sechszigjährige frau.sie weinte ununterbrochen erzählte jedoch den sitzen 36 38 und 39 die nur stumm nickten,sie hätte eine stauballergie und die busse wären doch immer schmutzig, warum für sie bei ihren busfahrten eigentlich immer nur heulte.als wir in den bergen durch leere dörfer fuhren weinte sie nicht mehr, in einem dieser leeren russschwarzen dörfer stieg sie aus, ein roter golf eins wartete auf sie.das dinara gebirge lag im nebel. oder rauch.
ganz vorne saß ein etwa fünfundfünfzigjähriger mann, ihm fehlten beide arme, die prothesen hat er auf den sitz 8 abgelegt, sie glänzten ihn der sonne, sahen die gelben felder slawoniens, die karpfenreiche in podrinien, zwei unbesiegbare stahlschwerter von ivanhoe, leuchtend
der turniersieg an einem wolkenlosen augusttag und der armlose mann lachte gerne und laut, erzählte, dass er immer den nachbarsitz für seine zwei prothesen für den vollpreis kaufe.
er lehne mitleid ab.
an einer raststätte hielt ich eine caprisonne in der hand und der mann ohne arme trank mit einem strohhalm unter vielen entschuldigungen (tut mir leid,manchmal vergesse ich meine arme,bin froh,dass sie mal nicht scheuern) den saft hastig aus. ich dachte nur daran, dass er vielleicht auf mich geschossen hat vor jahren. er hatte einen slawonischen dialekt, so sprach man dort, wo ich nicht sein wollte, vor über dreissig jahren im schützenloch inmitten eines gelben feldes gegenüber der armlose, damals hatte er noch beide,beide waren wir 24.
auf dem sitz 24 sass ein älterer mann.
er hört seit der abfahrt haustor (auf deutsch hauseingang) eine new wave band aus zagreb, alle alben natürlich, denn die fahrt an das meer dauert 12 stunden und er singt seid sie die grenze passiert haben mit, leise natürlich, um nicht die weinende frau zu stören, den lachenden armlosen invaliden, die roma jungs mit den tschechoslowakischen eishockeyschlögern und die restlichen passagiere, die in dieser geschichte nur schwitzende körper sind und die körper bewegen ihre köpfe zu dem haustorsong, wie er. sie springen von der mole, beim entauchen verlieren sie ihre ausgeleierten speedo badehosen,kurz sieht man zuviel
und sie schämen sich vor den mädchen,
sie liegen nackt unter sternen, trinken billigen rotwein und hoffen, dass der mond die brüste der mädchen schönscheinen lässt, während sich alle routiniert über das neueste dreifachalbum von clash unterhalten. nur tanja nicht, die hört nur jacques brel. und die körper weinen und zittern drei tage in der leeren panzerhalle die nach diesel, schmieröl und lavendel riecht. sie greifen in den brustkorb, das loch so gross wie eine melone, sie singen immer leise während sie in bussen fahren, der mund voll schwarzer erde, damit sie nicht schreien, wie einst im sommer der angst. der bus singt, die körper singen haustor:
Unter all diesen Fahnen
Die überall um uns herum wehen
Da gibt es keinen Ort
An dem wir stehen könnten
Unsere Hände in die Höhe recken
Und unsere Lieder singen
Und unsere Lieder singen
sie singen und ihre haut riecht nach sommer und rauch, ich sitze immer auf dem sitz 24, denn an dem tag wurde ich geboren und an dem tag zog ich in den krieg und das radio vorne neben dem
verschwitzten busfahrer spielt andere lieder, die vom siegen und adlern. ihre lieder in den bussen die hymne unseres
schweigens.
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maternji jezik / muttersprache
maternji jezik/muttersprache I
godine 44te ispred jedne popaljene kuće stoje njih dvoje,ponosni na pobedu,u punoj ratnoj spremi, garavi od pozara,kragujevcanka visi
sa njenog opasača, njegova je raznela u ranu zoru jedan ustaški bunker iznad vrbasa. stoje i gledaju u objektiv,
pobeda njihova ostat će upamćena na foto papiru i iste noći će voditi ljubav u jednoj povećoj štali na prilazima oslobodjenog grada. grad se zvao banja luka i nemci i ustaše će se vratiti nakon par nedelja, ali te noći 44te njih dvoje vodit će ljubav i započinje zivot moje mame. moja mama to više ne pamti, ona lezi u domu i zaboravlja sve, svoj zivot i onaj veći iznad nje. ja sedim kraj nje, i kragujevcanka visi da mog opasača.
sutra ću razneti jedan bunker, gledat ću vrbas i grad garavi. danas hranim mamu zaboravnu sitnim rezancima. padaju gradovi pored reka.ne znam njihova imena, kao što moja mama više ne
zna moje.
maternji jezik II/muttersprache II
jugopetrolova cisterna,rdja ispod zuto crvenog.jedan maslinjak u oktobru.
vojna torba pod krevetom, trava u celofanu. voz pun straha. popodnevno sunce. plinske boce,naslagana narandzasta piramida i miris blizog mora. odvaljeni prozori,kuce bez očiju.tovar ide sporo ukrug,ogroman malj se pokreće, melje…gledaj nebo sine, plavo iznad svetlosivog. čaure padaju na stari krivi kamen. tišina u tri i četiri, sunce na golim ledjima. most pod kišom moj pogled pun straha. golovi u moru potonuli kraj trafo stanice. mermer hladan pored crkve, čempresi. čempres u rakovici,krivudava baraka tuzni stanari strašnog grada, neki grbavi velemajstor pun tuge voli da priča. pištolj medju peškirima,hodaj hodaj
stara pesma u nepoznatoj ulici. sediš u autobusu nekud odnekud. jesen u grudima. rupa ko longplejka
mozda i dupli album.
mama dementna moja ljubav
ja ti pričam svoje
da ne izbledi kao tvoje
mi smo deca rata
bar nešto
srodno
MUTTERSPRACHE IV / MATERNJI JEZIK IV
ich räume die wohnung / praznim stan
sie wird immer leerer / sve je prazniji
leer von mutter
leer von vater
leer von gelebten
leer von gedachten
und finde meine erste fibel
erstes lesen und schreiben
von majkica (oma) beigebracht
in beograd in berlin weitergemacht
allein mit tsch tch dj
die andre oma war deutsch und national
die mutter
der vater
hatten zuviel um die ohren
sozialismus und kunst
die vollen zimmer sind nun
leer
ps::
ich fange wieder mit A an
počinjem iznova sa a
a kao avijon
a kao auto
a
maternji jezik/muttersprache V
heiligabend
nein ich bleibe lieber hier
sagt sie liegt im stahlbett
hoch über den bäumen
lieber hier lieber
ich lese vor
von römern
von müttern
vätern und hirten
von bethlehem und sternen
und gott und sehe sie dünn
nur halb von dieser welt
im bett liegen und erhoffe mir
ein wunder im pflegeheim
aber es geschieht nicht
sie liegt an heiligabend auf
dem stahlbett und meine
tränen fallen auf vier bunten
von der leitung ausgewählten
fotokopierten bibelseiten
die geburt jesu die ich stockend
lese zittere heule sie hört zu
vom wunder der geburt
von den sternen über
dem dachlosen stall
ich gehe
kein wunder
in der nacht
maternji jezik VI/muttersprache VI
pitaju me kako bi htela da budeš sahranjena
još si ziva i voliš slatko
i misliś da sam ti brat voljeni
ne onaj nevoljeni rodjeni
pored kreveta sedi broji sate
ja samo kazem kremacija
zbog materijalnog stanja
oprosti
besparicu
pepeo i prah
-
Wien – Belgrad (beč – beograd )
I
kaltes halogen über dem kopf.
im keller der stadt,unter der autobahn
den betonpfeilern liegt die nach urin stinkende busbahnhof.die schiffe verrostet und schlammbespritzt, meist blau, auf saurer alter pisse nach timesoara sarajevo beograd skopje.
sie haben die schiefen,krummen, zu kleinen,zu dicken,zu unglücklichen,
zu dunklen,zugestochene unglücksvögel, blassblau
der adler
der panzer
das gebutsjahr des sohnes
die vulva der penis
steaua partizan bosna
an deck oben und unten
direkt neben dem
chemischen klo
II
ich fahre,im rücken die weisse stadt
hinter glas das öl
an einer strassenecke
steh ich mit koffern
nach belgrad nachbelgrad
in den nächten träumte
ich mich angstgejagt als prometheus
zahnlos der bauch bukolisch
rauchlos mein feuer
keine wärme kein licht
die städte zertrümmert
betonmehl am dnepr
sagt mir der bunte bildschirm
ich mache in öl meine
ängste tragen andere namen
nur in der nacht gehör ich
welt der krumme finger auf
dem frontverlauf
III
ankunft
kaltes herz
grau das antlitz
dass nie weiß
war
IV
an der rezeption der mann im himmelblauen nike trainingsanzug
es ist halb vier morgens
er ist munter und freundlich und
erinnert an die belgrader heroindealer
der achtziger (alle von geheimdienst )
und prometheus brachte uns das
feuer und wir verbrannten
treba mi svet otvoren za poglede
(sang die band wir fielen)
die nutte im abgewetzten
braunen ledersessel gegenüber von dem nikemann ist eingeschlafen
ruhe an der geschlechterfront
ich rieche sie
lauwarm säuerlich ich
werde sie nicht besteigen
im foyer um halb vier
der nikemann wird nicht lächelnd
dabei zusehen und keine tür wird aufgehen beim eindringen
kein auftritt von geraldine chaplin
aus der fahrstuhltür
sie wird mir nicht ihr traurigstes
(von zweitausend traurigen gesichtern ) zeigen denn ich
schlafe im rücken die weiße stadt
die eine graue ist
V
der pope bekreuzigt sein rührei mit würstchen und schlingt ohne blick für die welt,fleisch und ei verklebt das bärtige gesicht. er sieht die hände nicht,die seinen augiasstallteller wegräumen.sie gehören einem schmalen bleichen mädchen mit grossen augen in hoteluniform.
sie trägt die teller,die tassen,gläser voller hingabe,übt sich im leben und stolpert kurz vor der küchentür,ihr sturz war angekündigt,die geliehenen highheels waren zwei nummern zu gross und das rührei mit fetakäse,tomaten und wurstresten,vom schmatzenden popen zu einem brei zermalen flog gegen die küchentür.keiner bemerkte es,befand sich die tür doch am äussersten rand des frühstückssaals.
das mädchen mit den grossen augen weinte,es schien als würde sie von umfallen,sie schwankte in ihren riesigen higheels. der pope schmatzte.eine fette blondierte ließ sich kaffee von einem kleinen devoten jungen mit abgeschnittener fingerkuppe servieren,grunzte
“mehr mehr”
der kahlköpfige slowenische it spezialist ass müsli und sah sich einen porno dabei an. der chef des saals korrigierte die fliege eines 2.06m (ich habe ihn gefragt) grossen azubis und musste sich nicht strecken,denn er war fast gleich gross. das mödchen stand am ende des saals und weinte, niemand kam, niemand half,nur ich sah sie an, ihre scham, das verschwinden. ihre schuhe waren zwei nummern zu gross für ihre kleinen füsse,ihrer vorgängerin waren sie zu klein,manch einer passten sie, anfang der neunziger vielleicht, als in diesem hotel warlords ihre regrutierungsbüros
im grossen hotelfoyer unterhielten.
zeitweise waren es drei milizen, die unter dem art deco luster für volk und vaterland mobilisierten.
der pope verließ grusslos den saal.
sein rührei würstchen brei klebte an der küchentür, hinter der ein mädchen mit zu grossen augen und schuhen
angeschrien wurde.
VI
ich krieche herum in den trümmern. einer stadt die einmal war, sich bunt geschminkt hat, grell die lipoen, die fenster schief,krumm dreifarbig zerfetzte fahnen auf grauen gebäuden,die schuld hat sie wohl gefresseh,jede fassade angenagt,vor die tûr geschissen,jede fläche beschmiert,die sprache der vorstadt,der felder und ställe hör ich an jeder strassenecke,genauso zerfetzt auf halbmast wie die kleine fahne, smogzerfressen wie die aufgespritzten lippen der sechszehnjährigeh.ich laufe durch eine stadt,die ihr gesicht verloren hat vor 30 jahren.schuld macht krumm und hässlich.hochmut dröhnt durch die stadt,alle brüllen sich an,taub für zweifel. der lehm klebt an füssen.man hinkt und wankt,lässig der gang über schiefe strassen. drunter wächst der tod.ich wünsch mir,sie würden ihre fresse halten,die lauten die wissen wie es geht.ich wünsch mir die würden die fresse halten,die vaterland brüllen, deren ministerkonten sich füllen, aber deren fahnen aussehen als hätten sie drauf geschissen.ich wünschte sie würden die fresse halten,die vom krieg brüllen, den führen die stimmlosen, ohne geld und erbe, die ungefragten,die ohnmächtigen.
ich wünsch mir den stern zurück in die falschen fahnen.die korrektur des hässlichen.oca vam jebem.i mater.
(Beograd,Januar 2023)
-
Über Krieg (und Arbeit)
1941 1967 August in der serbischen stadt kragujevac wurden 1941 von der wehrmacht sechstausend geiseln erschossen alles von 12 jahren bis 80 jahren leben die professoren und ihre klassen hand und hand loch um loch in brust kopf arm bein erschossen fast alle gymnasiasten der stadt ca. 800 waren es wohl die deutsche arithmetik verlangte 100 tote geiseln für einen toten deutschen herrengleichung rechenschieber kies und kalk in dem kleinen wäldchen patronengurte leergeschossen das mg luftgekühlt trockenes knacken der walter habe nun ach ins genick gesprochen deutschstunde auf südöstlichen diwan und natürlich spielte ein roma orchester dazu besonders beliebt war die ode an…das orchester erschoss man zuletzt mit spaten klopfte man sie in die übervolle grube am waldrand mein vater war der erste deutsche der nach dem massaker von 1941 der im jahr 1967 die stadt betreten durfte es war deutschen verboten kragujevac zu betreten als der berühmteste dichter der stadt kragujevac den jungen deutschen regisseur in seine stadt einlud wurde das verbot aufgehoben und der junge deutsche musste in jeder kneipe der stadt mit jedem trinken denn dass war so sitte ein toter ein schnaps pflaume birne für dessen seele ruhe frieden und er trank mit den grossvätern den vätern und brüdern sieben tage sieben nächte und der dichter zeigte ihm die stadt die lebenden die toten und sie sagten ihm lachten weinten trink guter deutscher auf unsere kinder enkel söhne hast eine gute seele dass erzählen deine augen deine tränen und der junge marx in deiner manteltasche guter deutscher ein jahr später wurde das schild vor der stadt abgebaut eine vw delegation aus wolfsburg war zu besuch im motorenwerk zastava kragujevac 1991 Juli ratschläge eines unteroffiziers der ersten gardedivision an einen jungen mann, der nur noch zittern kann: leicht schreien viele alle in den krieg, raten zu, mein rat wenn du angst hast pisst du dir in die hose ein tarnmuster mehr sagt dann jemand und einige lachen wenn du angst hast schnallst du den stahlhelm so fest an das kinn, dass du fast erstickst, viel reden willst du sowieso nicht saša wenn du angst hast schneidest du dir in die hand die schiessen soll, in das knie das stürmen soll, den bauch denn in ihm lebt die angst wenn du angst hast gräbst du dein schützenloch so tief, dass du nur noch den himmel NEBO PLAVO JE (ein lied geht los, ein tanz in der ebene den himmel sehen und die wurzeln einer platane die donau still und ) NEBO PLAVO JE wenn du angst hast zittern deine hände deine oberschenkel und du machst musik mit deinen knochen wenn du angst hast willst du den fetten major im schlaf erschiessen und dann durch die puszta rennen bis du sie überholt hast wenn du angst hast schießt du hoffentlich vorbei die angst bleibt unter der haut ist ER / ICH SCHIESST IN DEN JUNIHIMMEL M70 EINZELFEUER, SIEHT KURZ IAN CURTIS, EIN KLAPPFAHRRAD EIN KIND EINE MUTTER OHNE VATER DER TRINKT WEGEN PRAG DEN PANZERN DEM SOZIALISMUS KEINE ALTERNATIVE EIN JUNGE SCHIESST UND SCHNEIDET SICH IN DAS EIGENE,DIE ANGST NUN EINE EBENE. DIE FELDER SCHWARZ. A NEBO PLAVO JE. Arbeit I Swobodas.Video Deletovac oder… Junger Mann wird erschossen Lifecam. Im Innern des Tankwagens vielleicht ein Leichenberg Alte Platte leiert Cream ein kopfloses Reh verblutet am Proscenium …jmd mit Rehkopf anstelle Menschkopf ein gelber tankwagen ein verrostetes verkehrsschild ein flipperautomat im burggraben ein gelbes haus gegenüber ein zoo aufgetürmte propanglasflaschen eine eiernde langspielplatte das sitzen auf einer betontreppe das speed auf der platte das küssen im fahrstuhl ohne licht seit acht jahren der geruch nach leder im laden ohne schuhe die stadt abgebrannt dunkelgrün der bus auf den gelenken tanzen sommernacht die fahrt ohne halt am ort vorbeifahren der schmerz ein leben lang wo finde ich mich wieder mottenkugeln in sarajevo mein cousin verschwunden in bergen 2022 Winter sprachlos und mutlos vor dem brand,dem sengen und versinken halt den kopf unter wasser,eiswasser wohl vom pol der kot und der dreck frisst mich an endmoränen und sandigen ufern glotze nur noch blöd die welt an stummoperiert überlebt den einen meinen krieg fresse schon den neuen weich die hand hat schon vor dem kopf aufgegeben das kluges kind was einmal brannte brennt immermehr tag wie nacht zu trocken übersäuert unsere böden fressen uns nun selber kopfabwärts die städte brennen ihr gestank in unseren wohnzimmern da hilft nur dufttanne oder die klinge dreierblatt im angebot mit gilette endlich zur kontur schneid mir damit gleich augen weg alter käse hinter der linse gagarin ist tot ich will ihn nicht mehr sehen weltall erde mensch seine sterne und flüge die lautlosen die alles konnten die mit dem besseren morgen Arbeit II BAKU 1920 eine kalkgrube neben einer raffinerie. das kaspische meer, ein amerikanischer sergeant spielt ragtime auf einem klavier in einem ab fahrenden panzerzug.zwei unbeteiligte schauspieler sehen sich eine serie an und in wien treffen sich sie spielen nicht mehr mit die Aktionäre der mittelösterreichischen r erdölgeselkschsft auftritt tomow und tomowa zu ragtime. TOM(OW) ein erdölfeld bei baku die revolution braucht das öl die tanks und panzerwagen fressen benzin/auf dem weg zur sowjetmacht/von tomsk bis liverpool/und kalk frisst knochen fleisch weiß 1200 frauen männer kinderknochen/kollateralfrass der seals and marines ein tag vor dem rückzug /mit yuppiayeh/ denn denn denn/apschihaaa nies nies/hab ne nafta allergie/nafta petrolio öl oil/ BENZIN tanks und amerikanische britische marines haben die raffinerien von baku gesprengt/ihre kommandeure im frieden direktoren directors bei BP und Texaco / kalte blicke zahlen/ haben sich die förderrechte bis 1962 gesichert und den aseris FREEDOM AND DEMOCRACY glasperlen um hälse gelegt/ vickers gatlin mauser und zwei drei oligarchen FAMILYS sichern ewigen fluss/schwarz das gold/schwarz das kaspische meer TSCHUMALOW halte die fresse alle meine texte wurden tausendmal gesagt mit und ohne brüche schulabhängig brecht konstantin TOM(OW) sorry leute streamtime ich hab noch keine folge von house of dragons verpasst danach folgt bunkerbauten am atlantik TSCHUMALOW genosse- worum geht es denn da LJUDMILA … (mund zugenäht von weissen kosaken) TOM(OW) ich übersetz die mal sie erzählt sehr liebevoll und mit hingabe detailreich und engagiert den genosse der zerstörten raffinerie von Sovkomneft etwas über HOUSE OF DRAGONS sie vergessen ihren hunger den kriegskommunismus und die revolution nur ein mädchen stopft ein loch in der pipeline in der bucht von baku 1920 1991 Juli In einer langen Panzerkolonne verließen wir Belgrad. Die roten Sterne auf den Stahlhelmen mussten wie auf Befehl mit unseren Bajonetten am Vorabend abschaben. Ich brauchte 10 Minuten um meinen Stern abzukratzen und heulte bis ich in meinen Schützenpanzer einstieg, wir fuhren los, vier Stunden später. Sechsuhr und vier Minuten. Ich liege in einem Schlammloch. Irgendein Dorf. Ohne Namen. Leuchtspur. Vom irgendeinen anderen Dorf abgefeuert. Ich liege im Schlamm. Das Loch füllt sich mit mir. Warm. Juli Neunzehnhunderteinundneunzig Leuchtspur PANZERFAHRER Ich sitze im Stahl der Helm drückt kalt im Nacken durch das schwarze Panzerloch glotzt meine Angstfresse BORN TO KILL über den Sternschatten geschmiert auf eine nicht meine slawonische Bukolische Landschaft eintönig der Frieden der Kühe das Gedächtnis der Toten hinter Ilok begraben Unter dem Kitsch der Monumente den gefallenen Helden unseres Partisanenkampfes liege ich im Erbrochenen, jemand sprüht ein Hakenkreuz auf Sichel und verschwundenen den herausgerissenen Stern das schlechte Gewissen auf der Autobahn zwischen Zagreb und Belgrad Asphalt das Massengrab rauch du (ich spreche seit vier tagen fremd mit mir) du liegst im eignen blut slawonischen schlamm lippen zerbissen im schweren traum hörst sie pfeifen die kugeln zu stiller forst bei fehrbellin slawonischer staub die haut wie erde fest stich ohne schmerz du riechst verbrannte milch auf dem kinderspielplatz neben der kirche kalt der stein kalt die haut siehst einmal die sterne im juli einundneunzig mein freund branko fault im schützenloch erkannt am kiefer der rest ist erde verklebt mit blut geronnene erinnerung mein bahnhof unüberdachtes glück vor jahren in den nächten fahre ich am tage zähle ich die stunden bis zur nacht nummerierte knochen und halogensonnen an der grube neben der donau europäischer strom im traum zähle ich die silbernen fernsehtürme in der puszta noch lacht mein vater ohne krebs in der blauen tüte knochensplitter und ein panninibild von gattuso laut bericht des experten wir öffnen die panzerluke hundert köpfe glotzen in die tote puszta das lied von tito von unserer heimat leuchtet im staub neben der donau europäisch unter der schwarzen erde versteckt und kalkweiss knochen und kiefer lieg ich seit neunzehneinundneunzig im sommer besuche ich immer die meinen ankunft ungewiss rede mit meinen geistern bin selber einer Arbeit III REGIEANWEISUNG Ein Schauspieler Eine Schauspielerin spricht AJAX Text immer wieder erleidet Er oder Sie einen Herzinfarkt einen Tod so dass der AJAX Text von einem folgendem Kollegen oder einer Kollegin zuende gedacht gespielt wird das Krankenzimmer füllt sich die kalten weissen Betten die Leiber Blixa Bargeld spielt seine Melodien Sechs Betten im kalten Weiß stehen nun in kalifornischer atomverseuchten Wüste death and destruction ohne detroit Ein Clown eine Clownin versucht zum vierten Mal die Eröffnung der Wolokolamsker Chaussee zu sprechen ACH NEE DIE SCHON WIEDER OH NEE DER SCHON WIEDER KOMM VERPISS DICH MIT DEINEN PANZERN SOWJETS HITLER STALIN das brüllen die Männer und Frauen in sechs kalten weißen Betten in glänzenden Cowboyboots und weißen Totenhemden brüllen sie AAHH WER WILL DENN SOWAS BOLSCHEWISTENDRECK DIE SONDE ( KREBS ACH NEE) BOHRT SICH IN MEINE HERZKAMMER NICHT DIE DIE SOWJETMACHT HELLT MEIN HERZ NICHT AUF MEIN ABC IST MIT 30000 DOTIERT UND KLEIST KOTZT MIR AUFS JACKET FÜR DEN VERRAT RUSSEN RAUS AUS FRANCKENBERG SCHIESS MIT DER PANZERFAUST DEN SOWJET AUS DEM T34 komm Blixa hör uff ich mach jetzt was mit Laibach death and destruction oh yeah sagt blixa nimmt mescalin und tanzt im sand californian sun westberlin autumn BERLIN ALEXANDERPLATZ DIE GROSSE DEMONSTRATION EIN MANN MIT PAPIER IN DER HAND STEHT IM REGEN UND STOTTERT UND LEIERT KOT INS GESICHT GESCHMIERT VON DER ARBEITERKLASSE MÜLLER die gründung von gewerkschaften… 1991 Im Juli ich wurde an einem scharfschützengewehr ausgebildet. ich habe gelernt mit zwei systemen von panzerabwehrraketen umzugehen. ich habe habe gelernt antipersonen sowie antipanzerminen zu legen. ich habe den umgang mit dem M70, der skorpionmpi,der makarow pistole dem PAP 66, der gewehrgranate M60 AT sowie antipersonenhandgranate geübt. ich habe ein jahr lang, nach ende meiner armeezeit in der jugoslawischen armee jede nacht alpträume gehabt. ich habe geträumt, geheult, geschwitzt gezittert…ich müsste in den krieg 1991 musste ich in den krieg ich wurde ich zwangsmobilisiert ich träume ihn bis heute ich verstehe nicht wie leicht man von krieg reden kann er ist kaum zu tragen er frisst ein leben lang ewig sein schatten bin an ihn gekettet 4.40 früh morgen drei muskuläse miltärpolizisten stehen in meinem zimmer. ich liege im bett und starre auf ihre uniformen. einer schlägt mir mit der faust in gesicht steh auf du schwuchtel,zieh dich an das vaterland braucht dich arschloch. sie lachen, ich spucke blut auf mein kopfkissen. 4.45 früh meine oma weint. du musst unsere heimat gegen die faschisten verteidigen. sagt sie, damit wir nicht umsonst gekämpft haben gestorben ermordet worden sind. sie hat die drei militörpolizisten in unsere wohnung geholt. sie haben beim nachbar geklingelt,der hat einen sohn in meinem alter,der sich auch seit wochen versteckt. der nachbar hat die militärpolizisten nicht in die wohnung gelassen, dafür tat es meine oma. ja. mein enkel ist da. er schläft. 4.47 früh ich stehe mit den drei militärpolizisten im fahrstuhl. wie fahren vom 10ten stock nach unten. mein blut spritzt auf die angekokelten knöpfe von etage vier und fünf. zwei schlagen mich,der dritte geht eine liste mit namen durch. 4.51 früh ich sitze in einem mit schwarzer folie abgeklebten reisebus des belgrader busunternehmens DIE MÖWE. ich bin nicht der einzige,ein dutzend junger männer in pyjameas iggy pop tshirt oder lacoste polo oder nur in schlüpfern sitzen traurige inseln auf braunen sesseln, mit geschwollenen gesichtern,dicken lippen und abgeknickten nasen,ich setze mich auf den sitz 22 gerade zahl wegen dem glück das radio spielt. teške se kise spremaju nad gradom munje sijevaju uzalud pitaš ko ide budaline u planine pustahije kroz kapije pogasi sve tek je počelo 5.00 früh. die zeit in der kriege beginnen