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sascha (saša ) hawemann/regisseur&autor: textwerkstatt/tekstovi

  • Texte

  • RUMMELSBURG / SARAJEVO

    PROLOG er war in der ddr und jugoslawien im gefägnis, u-haft genaugenommen. in der ddr wegen herabwürdigung des staates , im militärgefägnis sarajevo wegen angeblicher zersetzung der militärdisziplin.


    Rummelsburg 1985

    der bussard
    sitzt auf
    dachlosem lokschuppen
    vor ihm
    der betriebsbahnhof
    rummelsburg
    hinter ihm
    qualmt das kraftwerk
    ohne knast
    den haben sie abgerissen
    nach der einheit

    die politischen
    waren gute heizer
    soffen weniger
    als die herrschende klasse
    erzählte oft
    mein vater
    auf dem betriebsbahnof
    habe ich blut gespuckt
    und zähne

    der knast war damals voll
    mit guten heizern
    im lokschuppen
    hämmerte die herrschende klasse
    an taigatrommeln herum
    oder in meiner fresse
    auf dem bahnhof
    nach der schicht

    vor der einheit
    hockte der bussard
    im wald oder
    auf der wiese
    das ist jetzt
    anders
    meine fresse ist
    zahnlos
    das ist geblieben
    seit rummelsburg
    betriebsbahnhof 1985

    Faules Holz/Sarajevo 1988

    wie ein faules holz
    treibst du vor dich hin
    die sonne über dir wärmt
    nicht mehr
    zu tief
    die löcher darin
    vollgesogen
    stehend
    das wasser
    fault alt
    mit den jahren in die seitenlage
    geraten treibst vor dich hin
    bis eine zarte hand dich greift
    innen zu
    aussen
    wendet
    dich wärmt
    ihre hand nun sonne
    für faules holz
    das trieb nur so
    vor sich hin
    unter kalter sonne
    ich wache auf im militärgefägnis
    sarajevo
    budi mi sjećanja
    izadji iz mene
    das licht geht nie aus
    weiss die neonsonne
    unter ihr liege ich faules holz
    treibe vor mich hin
    zwei rippen gebrochen
    die hoden faustgross
    die antworten falsch
    die schläge gekonnt
    die sonne über mir wärmt
    nicht mehr
    zu tief
    die löcher
    ich hoffe auf eine zarte hand
    die mich greift
    das innen und aussen wendet
    es wärmt die hand
    wie eine sonne
    die tür geht auf
    an diesem tag
    werden noch zwei rippen
    brechen knacken
    wie faules holz
    darin das wasser
    fault alt
    im august 1988
    sarajevo erinnerung aus kristall
    sarajevo gemacht aus schlamm
    und schnee
    izadji iz mene
    izadji iz mene

    (militärgefägnis sarajevo,1987)

    Keibelstrasse 1984 Ostberlin

    Nacht mit Hundegebell.
    Kam nicht nur einmal vor.Im Sommer häufiger.
    Mein Weg zur Schule führte an ihr entlang.
    Schüsse gab es dreimal.
    Erst neunte Klasse und schon Stasi an der Schule,Verhör im Direktorenzimmer.
    Ist mir an allen drei Schulen passiert,die Männer in den schlecht sitzenden Anzügen.
    In der Keibelstrasse habe ich zwei Zähne verloren.Die hatten Hartgummiknüppel aus der Nazizeit,das nackte Herumstehen, stundenlang,wärmen tut mich nur die eigene Pisse.
    Das habe ich gelernt,DDR mein Vaterland: auf Knopfdruck einpullern,war mein wärmender Anorak in der Keibelstrasse,Sitz des Polizeipräsidiums von Ostberlin.
    Die Pisse musste man aufwischen,davor noch der Schlag genau auf die Vorderzähne.
    Gelb und rot mischt sich unter meinem geschwollenen Geschlecht.
    Vincent von der Keibelstrasse.
    Zehnte Klasse.Wieder Stasi an der Schule.
    Und Elf und Zwölf.Meine Zahlen sind krumm,schiefe Männer sind sie,die ein Kind
    zertreten wollen,weil der Klassenkampf es so will.So nannte man das,wenn große Männer vor einer Direktorin einem
    Jungen in die Nieren boxen und er vor ihr Schmerz erbricht.
    Ach Schiller,Geothe,Lessing und Fontane lagen sonst auf ihren schmalen blauen UnterrichtsLippen,die Erziehung zum Menschen,diesmal liegt nur Verachtung und ein wenig geiler Speiche auf ihrem klassischen Gesicht.
    Der Lieblingsschüler liegt auf Linoleum.
    Braun,er erbricht sauer.
    Ich sehe die Fahnen im Rücken der Direktorin.
    Höre kaum etwas,langes hohes Summen in der Stirnrinde,darauf sitzen schwarze Vögel.Eine Minute vorher hat mir ein verpickelter Sachse mit beiden Händen auf die Ohren geschlagen,meine Antwort gefiel ihm nicht.Summ-Summ-Summm.Ich verrat meine Brüder nicht und deiner Votzenmutter scheiss ich in die Fresse,Sachsensau.
    Die Direktorin schaut mich nicht an.
    Kalt.
    Ein weißer Vorhang Dederon dahinter liegt sie,die alte Kohlehandlung.Eine dünne Rauchsäule.Den harten Worten drinnen entfliehe ich in den Rauch,den schmutzigen Schnee,die Schrift bleicht an zerschossener Wand.Warnekes Kohlenhandlung seit 1931,unter dem Tisch verkauft er Schnaps an uns Schüler.
    Kalt.
    Rauch.
    Der weiße Dederon Vorhang hängt schlapp dazwischen,zwischen der Freiheit,dem geschwärztem Schnee und den krummen Männern.
    Die Stimme der Direktorin drinnen.
    Wird nicht zum Studium zugelassen.
    Feindlich negativ.
    Dekadent.
    Schmarotzer.
    Parasit.
    Meine Ohren summen und ich tanze den schwarzen Stern.So hieß eines meiner Lieblingslieder.Die Küsse mit den Mädchen waren immer zu hart,das andere auch und ihre Haare rochen alle gleich.Action.VEB Kosmetik in Berlin Mitte.
    Drei von den vielen hart küssenden Mädchen sagten mir,sie wollen,weil sie müssen.
    Männer kamen,sagten KÜSS IHN DANN FRAG IHN
    Was er liest?Was sein Vater erzählt?Die Mutter träumt?
    Und jetzt fick mich,die Verrätersau sagte eines der Mädchen.Ich nahm sie in den Arm und erzählte ihr was ich lese,was mein Vater erzählt und was meine Mutter träumt.
    Und ich sagte ihr,erzähl alles den Männern mir ist alles egal, ich bin dreizehn,vierzehn, fünfzehn,sechzehn Jahre alt und Angst habe ich keine,Leben will ich auch nicht mehr.
    In der Straßenbahn müde Augen.
    In der UBahn Baujahr 1930 müde Augen.In den nach kalten Rauch,Erbrochenem und Schweiß riechenden Zügen müde Augen.Zu lange starrten sie wohl die Mauer an.
    Krankgesehen am betonierten Danebenleben.
    Warum fuhren all die Züge immer an der Mauer entlang.Was war der Plan der alten Männer.Zu früh aufs falschen Pferd gesetzt, alles auf ROT und Traum,dann dastehen-die leeren Hände und es blieb nur noch der leere Blick auf Beton und das Leuchten dahinter.
    Auf den Wegen zu den ungeliebten Arbeitsstellen und Fickzellen DANKE H im Danach,fuhren wir immer an der Mauer entlang.Wie mein Gesicht in der Garage Keibelstrasse am Rohbeton zurechtgeschliffen wurde.
    Irgendwann ging ich weg aus dem Land.Als ich wiederkam,war es eins.
    Mir tut das alte Land immer noch weh NICHT MIT SCHÖNEN ACH UND WEH ohne dieses verklärte Schäumen zwischen Werra und Mulde.Es tut weh:Mit heißer Wut,halbtauben Ohren und halbierten Zähnen
    hass ich dich Staat der Gewalt,
    der kalten Garagen,
    der kalten Küsse,
    des müden Verrates.
    Auf Knopfdruck einpissen war mein Weg in den Kriegskommunismus und ich rieche die Pisse unter mir und es ist warm und mein Blut spritzt an die Garagenwand,fahr an der Keibelstrasse vorbei,irgendwas neues, helles Teures steht jetzt da.Der Anorak Sachse und seine Kinder und Kindeskinder stehen jetzt wohl rechts neben mir.Das Grab der Direktorin wollt ich umgraben und ihre Knochen in der Lottumstrasse und Oderberger verstreuen,ich ließ es sein.
    Habe etwas gelernt unter neuer Sonne,trotze Wohl und Weh...habe dazugelernt im warmen Süden-die Großzügigkeit meiner jugoslawischen Heimat,die habe ich langsam gelernt und sie mitgebracht.
    Und ich ersticke,wenn ich mit der Bahn an der unsichtbaren Mauer entlangschramme.
    Und ich sehe die schiefen Männer,meine Direktorin und die alten Fahnen hinter dem Demeterladen und Schawarma,Applestore and Biocompany.
    Still feiere ich die gewonnene Freiheit,hab aufm Weg Zuviel verloren.
    Vom Jetzt schweigt dieser Text.
    Das hat hier keinen Platz.
    Und ich höre noch Schüsse in der Nacht,vereinzelt und das Gebell der Hunde,den Verrat küssender Mädchen,warm ist es unter mir.Es stinkt nach warmer Pisse.
    Pssst keine Angst Anorakkind,Junge,Mann.
    So ist mein November.
    Ich erinnere mich.


    Beograd-Malmö via Berlin

    dugine boje nosi moj zmaj voz.
    kompozicija je imala duzinu od dvadesetipet
    vagona. dvadesetipet sati dugo putovanje dugom ,
    od istočnog berlina do grada bijelog, zapravo sivog.
    bijelo. uzmi. sanjaj. maj i brda gore.
    nisam sanjao vojni zatvor u sarajevu,gumeno crevo u anusu, moj islednik iz ogiluna, porodicu mu jebem i zivot i decu i kuću.
    u zološkom vrtu ja jašem konje, horse against arse pain
    netko lezi ispred kaveza, ne vidi zebre, vidi boje, svoje.
    dvadesetpet vagona u tri boje.
    zeleno. crveno. plavo.
    duga nije bila prohodna, zidovi unutar voza, samo se izvana kreće,
    ključevi konduktera zabranili su slobodno kretanje.
    samo pogledi kroz zamagljene prljave, slobodni kao vjetar,
    gledaju polja, sela, mostove, rijeke, gradove, vodotornjeve, vatre, pincgauer kod Šida, spomenik išvrljan, blato, vikendice, autoputove, porušene crkve…
    iste slike, pogledi puni neke sjete, raznih zelja, oblaka bijelih, neba zaključanog.
    imaš li ključ za ono iznad nas,
    za ono oguljeno?
    nemam, sinko,
    samo za sjedenje i ležanje
    drugom klasom.
    nebo zaključano, klatimo se, sanjamo nemirno. jone šarene
    ugašenih očiju u teksasu, hvala bogu, levis strauss. ošišanom glavom pod
    pijesak, te nakon dvadesetipet sati otreseš šesti i drugi kat.
    kondukteru, zaključaj mi glavu.
    pada, teška je.
    za deset maraka može sve.
    konvertibilna amnezija, sinko, kriza je, svi bi plavo.
    putnici spavaćeg i plavog vagona su sa voznom kartom imali pristup
    vagon-restoranu, jedinoj prilici da sretnem ostale jone progutane
    i ispljuvane na dalekim obalama.
    u plavim i crvenim sretao sam jone iz strumice, kumanova, peći,
    valjeva, niša, pozarevca. nijeme, pune straha. ugurani, bezbojni, medju kartone
    bijele tehnike. A kad su prošli plavi i smedji policajci,
    kad kutije i kartoni nisu baceni na subotički kolodvor,
    kad krvavi svežanj kruna u djevojačkim gaćicama nije
    pronadjen, tek tada su jone progovorile.
    Nerijetko su otvarani prozori crvenih i plavih vagona
    (oni zeleni su svi ostali u budimpešti. keleti pu, brate, keleti pu
    jebem im nebo žičano) i ravnicom se razlijegla pjesma:
    širom svijeta put me vodio
    za sudbom sam svojom hodio,
    u srcu sam tebe nosio.
    krv se mnoga za te prolila,
    borba te je naša rodila
    ne znam tekst, ali gledam sve te glave i ruke
    koje izranjaju kroz prozore
    gutam dim dizela
    kenedijke,

    KONDUKTER:
    dizel- električne lokomotive serije 661 proizvedene su u američkoj tvornici "GM EMD". eksploatacija ovih lokomotiva na prugama jugoslavije počela je davne 1960. godine. ove lokomotive, popularno nazvane "kenedijevke"
    maksimalna brzina: 114 km/h kod podserije 000; 124 km/h kod podserija 100, 200 i 300.moj posljednji voz sa kenedsijevkom sam pratio zimi 1991.
    u vozu smo bili ja, jedan pijani kelner u vagon-restoranu i dvojica mladića,
    bio je to posljednji voz na toj relaciji. nosim jednog mladića i polažem ga na
    jednu drvenu klupicu.
    na beogradskoj željezničkoj stanici me je kondukter iznosio iz vagona
    i položio na jednu tanku, drvenu klupicu. nisam bio pijan,
    nešto me je slomilo, iščupalo korijenje i padam,
    posječen u vagonu, s rednim brojem 23, na nekom polju iza vinkovaca,
    ponekad, mislim, da i dalje ležim tamo ili
    na jednoj drvenoj klupici, na glavnoj beogradskoj željezničkoj stanici,
    kolodvor dva, pored mene kenedijevka i pet vagona
    ljubljana - zagreb - beograd
    posljednji voz
    zima 91.
    šal od svile slušam na walkmenu,
    u usta mi pada snijeg, pada na drvenu klupicu,
    ležim i gutam bijelo koje sporo pada,
    pjesmu sam(o) slušam,
    slučajno, valjda, zbog
    neba i mora,
    odnekuda odnedavna,
    strašna pjesma, nježno,
    podsjeća me na prijatelje, i
    ljubav, voz
    avion i horse,
    podsjeća da sam izgubio zivot na voz
    avion i horse podsjeća me na najbliže,
    koje sam izgubio,
    jebo vas voz
    avion i horse
    ljeto. osamdeset neke, neko polje obrano, prazno
    vraćam se iz vojnik zatvora
    ili stizem u beli grad iz sivog

    i dok su putnici pjevali,
    bacali su svoje prazne tužne flaše piva i rakija, ispijene u dvadesetipet nijemih nemirnih sati, na polja subotička, zasadili su šljivu, hmelj, duhan izgorjeli medju prstima, debelim i crnim, ispljuvak gorki, nekoliko kovanica švedskog i njemačkog novca, teškog.
    u povratku sam uvijek zamišljao kako prolazim pored beskrajnih polja tuborga, navipove šljivovice, zgužvanih kutija crvenog marlbora. sto je sve izraslo za 52 dana pod ovim mojim nemojim suncem?dno osušenog panonskog mora rodi čuda. gledam čudo, gledam nijemo pitanje
    što je
    kako je
    i zašto
    koliko dugo traje jedan poljubac?
    koliko dugo se pamti miris koze?
    Pitat ću svog pijanog oca, on zna sve,
    i jako je nježan. obrat ću mu dvadeset malih tuborga i šest šljiva, samo ruku moram ispruziti kroz prozor, i svi plodovi strumički, valjevski pećanski, opjevani i bačeni prije 51-og dana, naći će svoj put do mog oca.
    otac mrtav pijan a nismo ni blizu subotice, tako je uvijek bilo u povratku. ispod lavaboa lezi moj mrtvi otac, ja pijan gledam kukuruz i bačene flaše.
    daj mi boze malo mjesta ispod lavaboa,
    da legnem na osunčana ledja mog kratkog ljeta,
    da gledam sapun odozdo,
    bijeli sapun, moj posljednji oblak,
    pecat JZ na njemu utisnut,
    moje sunce
    posljednje
    bledi


    Keibelstrasse 1985

    ewiges polizeipräsidium
    härte gegen punk
    mein kopf auf der tischplatte
    knackt zwei vorderzähne gleich mit
    herabwürdigung öffentlich und paragraph 220 von den nazis.der schlag auf mein blutendes mundloch mit dem eingerollten
    proletarier aller lönder vereint euch ND
    bricht mir die unteren zähnchen
    kann mir das sandmännchen bringen
    draussen oder im schlaf
    im schlaf mutter ist ein trampeltier und der
    heiner müller steht an der tür
    kein mann im fahrstuhl
    den habn wir nicht altbau zweiter stock
    aber die keibelstrasse nen
    paternoster der schnelle schlag
    auf die hoden links rechts
    aufm weg in den dritten vierten stock
    rechts links der genosse macht
    schwarz die kinderhoden
    vierzehn jahre ist man da noch kind
    kleine hände sind so
    kleine hände singt die frau mit den
    fauligen Zähnen die bricht man mir
    gerade im paternoster
    finger streck die finger raus du sau
    der genosse macht sichs leicht mit dem
    befehl von ganz
    oben mfs ss
    selbstschuss und ein minenfeld damit
    es uns hier gut gefällt,damit es uns hier
    gut gefällt in unserem schönen staat
    in unseren schönen staat
    meine hoden schon schwarz und blau
    von arbeiter und bauernhand
    zeigefinger gebrochen und krumm bis
    heute im neuen deutschland
    kopf an die wand
    jetzt fick ich dich
    du sau sagt der genosse
    schiebt mir den knüppel in den
    arsch pretty vacant schrei ich nur
    das blut auf alten naziholz
    in der keibelstrasse holten die genossen
    gerne die reichsknüppel aus dem
    magazin warn grossdeutsch nicht so
    materialtechnisch sparsam wie der
    schkopauer gummi
    mein helles rot ein langsames
    fliessen mutterwärme auf beton
    verlier mit vierzehn mein herzloch
    an den vater staat wegen 220
    öffentliche Herabwürdigung
    alles im fluss über unter mir
    mundloch strömt und arschloch
    mit großen ach und weh
    ich bin der struwwelpeter
    in der keibelstrasse
    habe keine mutter mehr noch vater
    die seufzen nur biermann müller prag
    bahro alternative und markuse
    ich kleb mir die zähne und das
    arschblut in das schulheft
    sammle schmerzbienen
    andre sammeln mein
    geschlecht der steinharte lappen
    zwischen meine dicken hoden
    geschoben gottseidank ist das
    blut noch da pumpt wärme
    in den kalten lappen
    für die hunde
    wenn sie dich hetzen
    sagt er mir ins kaputte
    maul der genosse polizist
    in der nacht als mutter vater
    von biermann müller bahro
    sprachen und träumten vom
    dritten weg dem rotwein den schweren
    lag ich in meinem
    blut
    und liege noch da
    seit november
    83 und sehe keinen
    himmel und habe
    löcher in der fresse
    was kostet eigentlich ein implantat

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    25. April 2023

  • TYRANNISCHER SOMMER/REGIEANWEISUNG ( nach und mit Heiner Müller, Ostberlin, GDR)

    Ein Schauspieler
    Eine Schauspielerin
    spricht AJAX Text immer wieder erleidet Er oder Sie einen Herzinfarkt
    einen Tod so dass der AJAX Text von einem folgendem Kollegen oder einer Kollegin zuende gedacht gespielt wird
    das Krankenzimmer füllt sich
    die kalten weissen Betten die Leiber
    Blixa Bargeld spielt seine Melodien
    Sechs Betten im kalten Weiß stehen nun in kalifornischer atomverseuchten Wüste death and destruction ohne detroit
    Ein Clown eine Clownin sowjetisch die Uniform von 1941 ohne Rangabzeichen
    versucht zum vierten Mal die Eröffnung der Wolokolamsker Chaussee zu sprechen der deutsche vor uns
    der deutsche hinter uns
    ACH NEE DIE SCHON WIEDER
    OH NEE DER SCHON WIEDER
    KOMM VERPISS DICH MIT DEINEN
    PANZERN SOWJETS HITLER STALIN
    das brüllen die
    Männer und Frauen in sechs kalten weißen Betten in glänzenden Cowboyboots und weißen Totenhemden brüllen sie
    AAHH WER WILL DENN SOWAS
    RUSSENSCHEISS BOLSCHEWISTENDRECK
    DIE SONDE BOHRT SICH IN MEINE HERZKAMMER NICHT DIE
    DIE SOWJETMACHT
    HELLT MEIN HERZ NICHT AUF
    MEIN ABC IST MIT
    30000 DOTIERT UND KLEIST KOTZT MIR AUFS JACKET FÜR DEN VERRAT
    RUSSEN RAUS AUS FRANCKENBERG
    SCHIESS MIT DER PANZERFAUST
    DEN SOWJET AUS DEM T34
    komm Blixa hör uff ich mach jetzt was mit Laibach

    death and destruction oh
    yeah sagt blixa nimmt mescalin
    und tanzt im sand
    californian sun
    westberliner autumn

    BERLIN ALEXANDERPLATZ
    DIE GROSSE DEMONSTRATION
    EIN MANN MIT PAPIER IN DER HAND
    STEHT IM REGEN UND STOTTERT
    UND LEIERT

    THRAKISCHER SOMMER/KREBSSTATION

    I
    OSTBERLIN 1976
    DIE NEUE WOHNUNG AM TIERPARK
    ich starre auf den Bärenzwinger
    leer die Seiten auf dem Arbeitstisch
    Ich korrigiere den Bären und streiche mich dabei
    die junge Regisseurin steht vor der Tür
    dick ihr Bauch meiner ist flacher
    DIE DEPRESSION
    nicht schon wieder hör ich sie sagen
    meine Herzbulgarin DER WEIN schlecht und billig
    hör ich mich sagen
    AB UND ZU LSD im Winter in OstBerlin im Sommer in Sofia
    volkseigen beide und nur im weißen Rausch zu tragen er
    auf schmalen Autorenschultern vor dem Akt
    ICH LEGE EINE PLATTE AUF Lizenzdruck Jugoton
    wish you were here now
    leiert es über dem Bärenzwinger
    Ostberlin lacht - DAS ist jetzt unser jugoslawischer Traum
    die A Seite springt und leiert unsere Sätze auch
    nur dabei GROSSGESCHRIEBEN
    FICKZELLEN ÖFFNEN SICH ZUR NACHT
    DAS FERNSEHEN DER DDR
    DER BRD DER TÄGLICHE EKEL
    UNSERE NACHTSONNE OHNE WÜRDE
    ich sehe den Hängebauchschweinen beim kopulieren zu/
    rieche nur ihre Scheisse /die Proben laufen schlecht
    der Kommunismus läuft schlechter/ im Jahr 1976 mein
    Doppelpunkt auf dem Dach, der Tierpark schweigt ich brülle:
    ich will nicht mehr essen trinken atmen
    eine Frau lieben/ Ich ziehe mich zurück in meine Eingeweide/
    Ich nehme Platz in meiner Scheiße / meinem Blut/ Irgendwo werden Leiber zerbrochen, damit ich wohnen kann in meiner Scheiße / am Tierpark mit Bärenblick/die Firma fotografiert mich aus der Froschperspektive/ich verdächtige das Affengehege / Irgendwo werden Leiber geöffnet, damit ich allein sein kann mit meinem Blut/ Meine Gedanken sind Wunden in meinem Gehirn/Mein Gehirn ist eine Narbe/Ich will eine Maschine sein. Arme zu greifen Beine zu gehn kein Schmerz kein Gedanke.

    II
    Heil LSD
    Heil Coca Cola
    Ich bin nun die Rauschmaschine an Thrakischer Küste
    Im Sommer 197…
    sah ich in einem Garten in Bulgarien eine Katze eine Heuschrecke töten. Im Keller, der aus mehreren Räumen bestand, einer davon mit einem Tisch und Stühlen ausgestattet, ein kühler Aufenthalt im Sommer, stand ein Radio. Ich hatte LSD genommen und einen Sender mit arabischer Musik gefunden und das Gerät auf die volle Lautstärke eingestellt, da ich auf Nachbarn keine Rücksicht nehmen mußte: das Haus stand einsam zwischen Bergen. Die Katze lag auf der Treppe, die vom Keller zum oberen Teil des Gartens führte, und sonnte sich. Sie hatte die Heuschrecke nicht gesehn. Nachdem ich sie ihr gezeigt hatte, geschah lange Zeit nichts dann lief sie zwischen den Türpfosten hin und her, wimmernd und die Heuschrecke im Blick, mit kleinen Sprüngen wie Tanzschritte. Die Kinnbacken bebten, an den Barthaaren glänzte Speichel. Schließlich sprang sie, in zunehmend kürzeren Abständen, abwechselnd am linken und rechten 'Türpfosten hoch. Die Katze spielte mit ihr, vorsichtig und aufmerksam, die Krallen eingezogen. Zuerst versuchte die Heuschrecke noch zu springen. Die Katze bremste den Sprung mit einer Pfote, die Krallen immer noch eingezogen, so daß die Heuschrecke nur auf die nächste Treppenstufe zu liegen kam, wo die Katze das Spiel fortsetzte, indem sie das Insekt zunehmend schneller zwischen ihren Pfoten hin und her warf. Beim nächsten Sprung erreichte die Heuschrecke die nächste Stufe nicht mehr. Die Katze nahm sie vorsichtig ins Maul, trug sie zwei Stufen höher, legte sie ebenso vorsichtig ab, wartete geduldig, bis das halb betäubte Opfer sich wieder bewegte, biß der Heuschrecke ein halbes Sprungbein ab, einen Fühler, und gab sie wider frei. Daß ich mich neben sie hockte, um alles genau zu sehn, störte sie nicht. Ich dachte, selbst in einer Art von Trance durch die Drogen und die Musik der Wüste, die mir jetzt lauter vorkam, obwohl ich von dem Radio im Keller weiter entfernt war, an ein Buch aus meiner Kinderzeit, eine Nacherzählung der Nibelungensage, mein Held war Hagen von Tronje, der Verräter aus True
    nicht der Traumtäter Siegfried
    mit Illustrationen im Vierfarbendruck
    der das Rot der Schwertwunden
    besonders gut zur Geltung brachte.

    II
    Traum.
    Ende.
    Kein Wind.
    Vom schwarzen Meer an bulgarischer Küste.
    Warten auf nichts auf der Krebsstation BERLIN 1995
    Ich kaue die Krankenkost, der Tod schmeckt durch
    Nahrung geht DIE SPRACHE WENIGER die nimmt ihren Weg
    in den Ausguss. Nach der Endoskopie / die Augen der Ärzte / sahen mein Grab offen, ich hörte die Schaufeln klirren, als ich ihre kalten Augen sah/ glücklicherweise keine Zahnärzte BEWARE OF THE DENTISTS sage ich
    sie lachen DIE ONKOLOGEN
    ich krächze nur bin der schwarze Rabe der Charité und
    Ich will nicht mehr essen atmen undsoweiter
    eine Frau lieben einen Mann ein Tier
    in meinem Schädel Königreiche Universen
    bin der trübe Rest im weißen Bett
    der WELTREST da draußen wie ich an Schläuchen aufgehängt,
    wird am Leben gehalten, will auch nicht mehr
    kann nicht mehr
    Ein Sack Chemie bin ich den Krebstod auf den Fersen
    Giftwälder blühen, Landschaften in Orange
    schlaflos die Nacht vom Tag nicht mehr zu unterscheiden
    Die Schwester füttert mich schlecht tätowiert
    MENSCHENBREI les ich blau gestochen auf dem dünnen Handrücken
    BRING MIR DIE KOTSCHÜSSEL
    krähe ich von meiner weissen Totenküste
    kein Bla Bla mehr nur heiseres Rabenflüstern
    mein Endspiel ohne Maske auf abwaschbaren PVC
    Der Morgenhimmel BERLIN 95 verspricht einen schönen Tag
    Die Welt ist beschrieben kein Platz mehr für Literatur
    Wen reißt ein gelungener Endreim vom Barhocker
    Das letzte Abenteuer ist der Tod

    SOWJET.KRANKENSCHWESTER:
    Heiner Müller wäre heute 94 geworden.

    REGIEANWEISUNG MÜLLER 2

    GINKA:
    Der Dichter liegt im Dichterbett
    Vielleicht sind es viele vielleicht auch die Dichter
    Freunde mit Gitarre Akkordeon Koks und LSD
    und der Blixa mit der Stahlstimme ohne Stahlhelm
    Heine nannte es anders das Bett die Gruft des
    Kapitals 1995 aber daran stirbt dieser Dichter nicht
    am Syphilis Kapitalismus Tripper Soziamlimus (geht schnell vorüber)
    es ist das böse woran er in und um sich
    stirbt vergeht und geht auf den Lippen Whisky und Zigarren
    die roten Fahnen fressen sich durch den Darm
    sein Lehrstück nun der Krebs nennt ihn im Traum
    Stalin Ullbricht Brecht Budapest Prag Thomas Wolf Inge
    und das Tier dass frisst,nun ihn
    Der Dichter spricht die Notiz 409
    …
    …
    …
    …
    …
    HEINER I-IV:
    Der Himmel verspricht einen schönen Tag Er beginnt
    Mit der Zeitungslektüre in der Hotelbar
    Ein Überlebender beschreibt ein Blutbad
    ICH LAG UNTER ICHWEISSNICHT WIEVIEL TOTEN
    MIT ANGST DASS EINER LEBT UND BEWEGT SICH
    ODER FÄNGT AN ZU SCHREIN ÜBER MIR SIE
    SCHOSSEN
    AUF ALLES WAS SICH REGTE ODER LAUT GAB GLÜCKLICHERWEISE WAREN ALLE TOT
    Das Glück muß sich nach der Decke strecken
    Leben weil alle tot sind ein Menschheitstraum
    Leerzeit Ein Tag wirft mich dem andern zu
    Man sollte Komödien schreiben
    Leben in diesem trüben Menschenbrei
    Mit glücklichen Idioten vor dem Bildschirm
    Heute nacht im Traum war ich Aktäon
    Ich wurde von sieben Frauen gejagt
    Eine Schauspielerin führte sie an
    Durch Wald und Feld wir zertraten die Blumen
    Sie jagten mich mit einer Drahtschlinge
    Ich belästigte einige Freunde mit Fragen
    Nach meinem neuen Stück ICH BIN IRRITIERT
    Sagte der höflichste Die andern schwiegen
    Eine Frau fragte mich BRAUCHST DU DAS
    Meine Antwort ICH STERBE HIER ALS WEISSGARDIST (zeigt auf Krankenhauskleidung)GESPENST AM TOTEN WEISSEN MANN
    BIN DENIKIN UND KOLTSCHAK IM BEATHE UHSE MUSEUM
    DIE ROTE REITERARMEE IST DAS BLUT DAS AUF PVC BODEN�AUS MEINEM DÜRREN HALS HINUNTERSTÜRMT
    Ich (sieht übelgelaunte Krankenschwester an) auf mallorcabraune nervöse Hände der Klasse die einst die Zukunft trug und meine Kackschüssel
    Auf KrankenschwesterSchultern tätowiert vom Kapital die Sätze des Studios Painfull Steel:
    Die Morgenröte einer Nacht Die Nacht
    Der Morgenröte Gott ist tot seine verwaisten Engel
    Leihen ihre Flügel nicht mehr aus
    Sein Skelett kreist im Weltraum
    In der Hotelbar langweilt ein betrunkener Gast
    Eine Serviererin sie hat dienstfrei und darf
    An der Theke sitzen mit dem Krebstod seiner Frau
    Dann unterhalten sie sich über Hunde
    ICH MAG CHOWCHOWS sagt die Serviererin
    WEIL SIE SO KLEIN SIND BITTE SEHR WO BLEIBT
    MEIN DRINK schreit der Betrunkene I HATE DOGS
    THEY TOOK MY TIME WHEN I LIVED WITH
    MY WIFE
    AND SHE'S DEAD NOW AND THE DOGS TOOK MY
    TIME
    Gestern habe ich Teorema gesehn
    ICH BIN GESTORBEN FÜR DIESE GESELI.SCHAFT
    Sagt der müde Kapitalist auf dem Bahnhofsstrich
    Wie soll die Welt enden wenn das Geld müde wird
    Der Strichjunge zieht sich schon auf dem Bahnsteig aus
    Mitten unter den Reisenden ins Nichts
    Die Welt ist beschrieben kein Platz mehr für Literatur
    Wen reißt ein gelungener Endreim vom Barhocker
    Das letzte Abenteuer ist der Tod
    Ich werde wiederkommen außer mir
    Ein Tag im Oktober im Regensturz


    Eine sowjetische Sanitäterin spricht das Ende der WOLOKOLAMSKER CHAUSSEE. 1995 und 1941 feiern nun Hochzeit.
    Der Krebs.
    Der Krieg.
    Verloren.
    Vergessen.
    Kein Morgen
    mehr.

    SOWJETISCHE SANITÄTERIN
    Wir lagen
    Moskau
    vor uns der Deutsche
    hinter uns der Deutsche

    Ein schwerer roter Vorhang fällt,Theatertod,Theaterleben

    dann wird alles vorbei sein.
    und die toten bleiben tot.
    und die lebenden müssen leben.
    mit den tötenden,leben
    meist ärmer als zuvor.
    kinder unter fremden sternen geboren.
    servieren flink oder liefern unter tarif.
    die verdächtigen ließ man laufen.
    oder sie kauften sich frei.
    oder man kauft wieder ihr blutöl.
    das teure gas.was schert konjunktur moral.
    moralisch degustieren,prozesse kommentieren.
    postbellizistiscg bellen seite fünf.
    neuer asphalt mit fördergeldern,das massengrab zwanzig meter daneben.
    man vergisst schnell,wo man nicht erlebt.
    man vergisst nie,wo man überlebt.
    hat.
    die einen werden haben wie zuvor,die anderen hatten dann nur noch.
    weniger in allem.
    haben (wenig)
    und
    sein (weniger)

    EIN DICHTER ODER ICH
    liege nur da,sabbere auf grau, welt erkannt und augenblei
    ich schlafe sabbere zu leben und schicksal, grossmann mein
    sandmännchen vielleicht platonow am morgen, heiss der tee
    die roten dächer der fernen stadt. möchte lieber kleiner buchstabe
    sein auf seite dreihundertzehn
    als da
    draussen
    sein

    verschenkte worte
    schreiben ins nichts
    kalt steh ich da
    einen halben meter
    neben meinem alten
    satz
    bau
    mein
    tage
    lohn wortsuche
    ersticke an der pointe
    oder hänge meine
    traurige fresse
    am garderobenhaken
    auf
    wenigstes
    ein drama

    ich liege auf dem rücken die nacht hat mein gesicht gefressen
    liege da und mir ist kalt kalt kalt
    im schwarzen wald fresse meine angst
    mit den kiefernadeln GRANICA GRANICA
    die zelle ist leer, meine zeichen stumm
    habe zuviel telefoniert
    mein unterkühltes sterben
    wird ein einsames sein, matsch die
    erde,brei wie zum füttern
    seh noch große kinderaugen
    sterbe hier unter dem kalten mond
    pssst POLICJA GRANICA
    im dunklen wald
    schluck die angst
    policja
    erfriere
    im nassen
    grass
    leben
    fress ich
    kurwa
    dahinten schiessen sie
    und schreien von freiheit
    mir ist’s egal
    faule unter wolhynischen gras
    unter mir noch andre
    knochenmieter in kalterde
    ein dutzend
    1944
    2020

    verdammte scheisse alle sind so scheiss aggressiv sie dürfen hier nicht lang ja da ist die onkologie HASS TÄTOWIERT AUF DEN FINGERKNOCHEN alle schreien auf mich an du sie da spast setzen sie die maske auf meine fresse bin ich müde
    werde alle fünf minuten angeschrien
    schrei zurück dumme dumme sau
    blöde votze ohne maske kommen
    sie nicht an mir vorbei
    bin der höllenhund belle schlechtbezahlt
    im klinikum
    HASS BLEICHBLAU TÄTOWIERT
    AUF DEN FINGERKNOCHEN
    der fährmann in zu großem
    anzug der anspruch von securitas
    miteingenäht in den billigstoff
    halt die fresse du votze
    mit deiner buntgenähten kratzwolleskepsis
    wenigsten still muss es sein
    das sterben
    das sterben
    das dich blöde sau nicht interessiert
    kenn deinen laden in der fussgängerzone
    piss ihn an
    wenn ich aus meinem totenhaus
    nach hause
    geh

    ich liege auf meinen rücken
    die nacht hat mein gesicht gefressen
    liege da und mir ist
    kalt
    kalt
    kalt
    kurwa
    Auf einem Berg oberhalb von Belgrad kotzte ich mir die Seele aus dem Leib mit Blick aufs Meer, das unsichtbare weit weg und neben mir der Panzer sowjetischer Bauart olivgrün, mit ihm segle ich an das Panonische Meer, Morgen früh,irgendwann um 5.10h das rote Sonnenlicht, wie immer im Juli über der Stadt und

    furchtbar kalt
    heißer Panzerwagen
    dreißig Sommer

    manchmal immer
    weiß nicht

    genau
    um 5.11h

    übergebe ich mich
    einfach nur so Vormittags ein bis zweimal
    Neundreussig Elfzehn zwanzigzweizwei, einundneunzig
    die Uhr mein Henker
    das Ticken mein täglicher Tod
    oder ich mache das Licht aus und muss
    drei Stunden am Stück
    weinen
    Manchmal ist meine Kopfhaut oder die
    ganz zarte unter dem Kinn
    die wo man sie wissen ja
    wo’s schnell geht aber pladdert
    zu lautes Geräusch
    wie das ticken der Uhr
    das tägliche Gesicht
    wie Stein und hart und doch weich genug
    dann nehme ich Zigarette oder Weinöffner
    oder frisch gebrühten Kaffee oder Teewasser
    und schütte drauf steche hinein brenne
    spüre versuche es
    mein dunkles Leben
    Manchmal gehe ich
    und atme
    und esse
    ganz langsam
    ganz vorsichtig
    oder zu hastig
    oder zu schnell
    berühre wundes Leben
    nur mit Fussspitzen und mit Zunge
    Sie rühren den Asphalt
    nur ganz leicht ganz schwach an
    ich traurig wie die Tage Nächte
    Monate Jahre
    nicht auf Chios oder Hiddensee
    ersticke langsam
    am langsamen essen
    lege mich auf den Ashphalt
    müde mit Lust auf den einmaligen Verkehr
    einmal drüberfahren
    manchmal tun die Augen weh und man
    reibt an ihnen wie an der Zündholzschachtel
    manchmal sind’s nur die Augen
    möcht sie zerschneiden
    tun weh obwohl sie weder gelesen noch gearbeitet hätten

    das auch noch
    zuviel ist zuviel

    Halts Maul
    Mischa,Mischa fährt unseren Panzerwagen und redet ununterbrochen seit unserer Abfahrt aus Belgrad um 5.30h.
    Es ist heiß im Panzerwagen im Juli 1991 und wir segeln an das Panonische Meer, das Schild sagt Zagreb und ich weine seid Stunden,
    habe nicht aufgehört.

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    25. April 2023

  • Busfahrt ( geschichten vom unterwegssein)

    zwei roma jungs in der letzten reihe
    beiden fehlte ein bein. dem einen das linke,dem anderen das rechte. als gehhilfe benutzen sie tschechoslowakische eishockeyschläger.

    in der mitte sitz 35 sass eine etwa sechszigjährige frau.sie weinte ununterbrochen erzählte jedoch den sitzen 36 38 und 39 die nur stumm nickten,sie hätte eine stauballergie und die busse wären doch immer schmutzig, warum für sie bei ihren busfahrten eigentlich immer nur heulte.als wir in den bergen durch leere dörfer fuhren weinte sie nicht mehr, in einem dieser leeren russschwarzen dörfer stieg sie aus, ein roter golf eins wartete auf sie.das dinara gebirge lag im nebel. oder rauch.

    ganz vorne saß ein etwa fünfundfünfzigjähriger mann, ihm fehlten beide arme, die prothesen hat er auf den sitz 8 abgelegt, sie glänzten ihn der sonne, sahen die gelben felder slawoniens, die karpfenreiche in podrinien, zwei unbesiegbare stahlschwerter von ivanhoe, leuchtend
    der turniersieg an einem wolkenlosen augusttag und der armlose mann lachte gerne und laut, erzählte, dass er immer den nachbarsitz für seine zwei prothesen für den vollpreis kaufe.
    er lehne mitleid ab.

    an einer raststätte hielt ich eine caprisonne in der hand und der mann ohne arme trank mit einem strohhalm unter vielen entschuldigungen (tut mir leid,manchmal vergesse ich meine arme,bin froh,dass sie mal nicht scheuern) den saft hastig aus. ich dachte nur daran, dass er vielleicht auf mich geschossen hat vor jahren. er hatte einen slawonischen dialekt, so sprach man dort, wo ich nicht sein wollte, vor über dreissig jahren im schützenloch inmitten eines gelben feldes gegenüber der armlose, damals hatte er noch beide,beide waren wir 24.

    auf dem sitz 24 sass ein älterer mann.
    er hört seit der abfahrt haustor (auf deutsch hauseingang) eine new wave band aus zagreb, alle alben natürlich, denn die fahrt an das meer dauert 12 stunden und er singt seid sie die grenze passiert haben mit, leise natürlich, um nicht die weinende frau zu stören, den lachenden armlosen invaliden, die roma jungs mit den tschechoslowakischen eishockeyschlögern und die restlichen passagiere, die in dieser geschichte nur schwitzende körper sind und die körper bewegen ihre köpfe zu dem haustorsong, wie er. sie springen von der mole, beim entauchen verlieren sie ihre ausgeleierten speedo badehosen,kurz sieht man zuviel
    und sie schämen sich vor den mädchen,
    sie liegen nackt unter sternen, trinken billigen rotwein und hoffen, dass der mond die brüste der mädchen schönscheinen lässt, während sich alle routiniert über das neueste dreifachalbum von clash unterhalten. nur tanja nicht, die hört nur jacques brel. und die körper weinen und zittern drei tage in der leeren panzerhalle die nach diesel, schmieröl und lavendel riecht. sie greifen in den brustkorb, das loch so gross wie eine melone, sie singen immer leise während sie in bussen fahren, der mund voll schwarzer erde, damit sie nicht schreien, wie einst im sommer der angst. der bus singt, die körper singen haustor:

    Unter all diesen Fahnen
    Die überall um uns herum wehen
    Da gibt es keinen Ort
    An dem wir stehen könnten
    Unsere Hände in die Höhe recken
    Und unsere Lieder singen
    Und unsere Lieder singen

    sie singen und ihre haut riecht nach sommer und rauch, ich sitze immer auf dem sitz 24, denn an dem tag wurde ich geboren und an dem tag zog ich in den krieg und das radio vorne neben dem
    verschwitzten busfahrer spielt andere lieder, die vom siegen und adlern. ihre lieder in den bussen die hymne unseres
    schweigens.

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    24. April 2023

  • maternji jezik / muttersprache

    maternji jezik/muttersprache I
    godine 44te ispred jedne popaljene kuće stoje njih dvoje,ponosni na pobedu,u punoj ratnoj spremi, garavi od pozara,kragujevcanka visi
    sa njenog opasača, njegova je raznela u ranu zoru jedan ustaški bunker iznad vrbasa. stoje i gledaju u objektiv,
    pobeda njihova ostat će upamćena na foto papiru i iste noći će voditi ljubav u jednoj povećoj štali na prilazima oslobodjenog grada. grad se zvao banja luka i nemci i ustaše će se vratiti nakon par nedelja, ali te noći 44te njih dvoje vodit će ljubav i započinje zivot moje mame. moja mama to više ne pamti, ona lezi u domu i zaboravlja sve, svoj zivot i onaj veći iznad nje. ja sedim kraj nje, i kragujevcanka visi da mog opasača.
    sutra ću razneti jedan bunker, gledat ću vrbas i grad garavi. danas hranim mamu zaboravnu sitnim rezancima. padaju gradovi pored reka.ne znam njihova imena, kao što moja mama više ne
    zna moje.

    maternji jezik II/muttersprache II
    jugopetrolova cisterna,rdja ispod zuto crvenog.jedan maslinjak u oktobru.
    vojna torba pod krevetom, trava u celofanu. voz pun straha. popodnevno sunce. plinske boce,naslagana narandzasta piramida i miris blizog mora. odvaljeni prozori,kuce bez očiju.tovar ide sporo ukrug,ogroman malj se pokreće, melje…gledaj nebo sine, plavo iznad svetlosivog. čaure padaju na stari krivi kamen. tišina u tri i četiri, sunce na golim ledjima. most pod kišom moj pogled pun straha. golovi u moru potonuli kraj trafo stanice. mermer hladan pored crkve, čempresi. čempres u rakovici,krivudava baraka tuzni stanari strašnog grada, neki grbavi velemajstor pun tuge voli da priča. pištolj medju peškirima,hodaj hodaj
    stara pesma u nepoznatoj ulici. sediš u autobusu nekud odnekud. jesen u grudima. rupa ko longplejka
    mozda i dupli album.
    mama dementna moja ljubav
    ja ti pričam svoje
    da ne izbledi kao tvoje
    mi smo deca rata
    bar nešto
    srodno

    MUTTERSPRACHE IV / MATERNJI JEZIK IV
    ich räume die wohnung / praznim stan
    sie wird immer leerer / sve je prazniji
    leer von mutter
    leer von vater
    leer von gelebten
    leer von gedachten
    und finde meine erste fibel
    erstes lesen und schreiben
    von majkica (oma) beigebracht
    in beograd in berlin weitergemacht
    allein mit tsch tch dj
    die andre oma war deutsch und national
    die mutter
    der vater
    hatten zuviel um die ohren
    sozialismus und kunst
    die vollen zimmer sind nun
    leer

    ps::
    ich fange wieder mit A an
    počinjem iznova sa a
    a kao avijon
    a kao auto
    a

    maternji jezik/muttersprache V
    heiligabend
    nein ich bleibe lieber hier
    sagt sie liegt im stahlbett
    hoch über den bäumen
    lieber hier lieber
    ich lese vor
    von römern
    von müttern
    vätern und hirten
    von bethlehem und sternen
    und gott und sehe sie dünn
    nur halb von dieser welt
    im bett liegen und erhoffe mir
    ein wunder im pflegeheim
    aber es geschieht nicht

    sie liegt an heiligabend auf
    dem stahlbett und meine
    tränen fallen auf vier bunten
    von der leitung ausgewählten
    fotokopierten bibelseiten
    die geburt jesu die ich stockend
    lese zittere heule sie hört zu
    vom wunder der geburt
    von den sternen über
    dem dachlosen stall
    ich gehe
    kein wunder
    in der nacht

    maternji jezik VI/muttersprache VI
    pitaju me kako bi htela da budeš sahranjena
    još si ziva i voliš slatko
    i misliś da sam ti brat voljeni
    ne onaj nevoljeni rodjeni
    pored kreveta sedi broji sate
    ja samo kazem kremacija
    zbog materijalnog stanja
    oprosti
    besparicu
    pepeo i prah

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    23. April 2023

  • Wien – Belgrad (beč – beograd )

    I
    kaltes halogen über dem kopf.
    im keller der stadt,unter der autobahn
    den betonpfeilern liegt die nach urin stinkende busbahnhof.die schiffe verrostet und schlammbespritzt, meist blau, auf saurer alter pisse nach timesoara sarajevo beograd skopje.
    sie haben die schiefen,krummen, zu kleinen,zu dicken,zu unglücklichen,
    zu dunklen,zugestochene unglücksvögel, blassblau
    der adler
    der panzer
    das gebutsjahr des sohnes
    die vulva der penis
    steaua partizan bosna
    an deck oben und unten
    direkt neben dem
    chemischen klo

    II
    ich fahre,im rücken die weisse stadt
    hinter glas das öl
    an einer strassenecke
    steh ich mit koffern
    nach belgrad nachbelgrad
    in den nächten träumte
    ich mich angstgejagt als prometheus
    zahnlos der bauch bukolisch
    rauchlos mein feuer
    keine wärme kein licht
    die städte zertrümmert
    betonmehl am dnepr
    sagt mir der bunte bildschirm
    ich mache in öl meine
    ängste tragen andere namen
    nur in der nacht gehör ich
    welt der krumme finger auf
    dem frontverlauf

    III
    ankunft
    kaltes herz
    grau das antlitz
    dass nie weiß
    war

    IV
    an der rezeption der mann im himmelblauen nike trainingsanzug
    es ist halb vier morgens
    er ist munter und freundlich und
    erinnert an die belgrader heroindealer
    der achtziger (alle von geheimdienst )
    und prometheus brachte uns das
    feuer und wir verbrannten
    treba mi svet otvoren za poglede
    (sang die band wir fielen)
    die nutte im abgewetzten
    braunen ledersessel gegenüber von dem nikemann ist eingeschlafen
    ruhe an der geschlechterfront
    ich rieche sie
    lauwarm säuerlich ich
    werde sie nicht besteigen
    im foyer um halb vier
    der nikemann wird nicht lächelnd
    dabei zusehen und keine tür wird aufgehen beim eindringen
    kein auftritt von geraldine chaplin
    aus der fahrstuhltür
    sie wird mir nicht ihr traurigstes
    (von zweitausend traurigen gesichtern ) zeigen denn ich
    schlafe im rücken die weiße stadt
    die eine graue ist

    V
    der pope bekreuzigt sein rührei mit würstchen und schlingt ohne blick für die welt,fleisch und ei verklebt das bärtige gesicht. er sieht die hände nicht,die seinen augiasstallteller wegräumen.sie gehören einem schmalen bleichen mädchen mit grossen augen in hoteluniform.
    sie trägt die teller,die tassen,gläser voller hingabe,übt sich im leben und stolpert kurz vor der küchentür,ihr sturz war angekündigt,die geliehenen highheels waren zwei nummern zu gross und das rührei mit fetakäse,tomaten und wurstresten,vom schmatzenden popen zu einem brei zermalen flog gegen die küchentür.keiner bemerkte es,befand sich die tür doch am äussersten rand des frühstückssaals.
    das mädchen mit den grossen augen weinte,es schien als würde sie von umfallen,sie schwankte in ihren riesigen higheels. der pope schmatzte.eine fette blondierte ließ sich kaffee von einem kleinen devoten jungen mit abgeschnittener fingerkuppe servieren,grunzte
    “mehr mehr”
    der kahlköpfige slowenische it spezialist ass müsli und sah sich einen porno dabei an. der chef des saals korrigierte die fliege eines 2.06m (ich habe ihn gefragt) grossen azubis und musste sich nicht strecken,denn er war fast gleich gross. das mödchen stand am ende des saals und weinte, niemand kam, niemand half,nur ich sah sie an, ihre scham, das verschwinden. ihre schuhe waren zwei nummern zu gross für ihre kleinen füsse,ihrer vorgängerin waren sie zu klein,manch einer passten sie, anfang der neunziger vielleicht, als in diesem hotel warlords ihre regrutierungsbüros
    im grossen hotelfoyer unterhielten.
    zeitweise waren es drei milizen, die unter dem art deco luster für volk und vaterland mobilisierten.
    der pope verließ grusslos den saal.
    sein rührei würstchen brei klebte an der küchentür, hinter der ein mädchen mit zu grossen augen und schuhen
    angeschrien wurde.

    VI
    ich krieche herum in den trümmern. einer stadt die einmal war, sich bunt geschminkt hat, grell die lipoen, die fenster schief,krumm dreifarbig zerfetzte fahnen auf grauen gebäuden,die schuld hat sie wohl gefresseh,jede fassade angenagt,vor die tûr geschissen,jede fläche beschmiert,die sprache der vorstadt,der felder und ställe hör ich an jeder strassenecke,genauso zerfetzt auf halbmast wie die kleine fahne, smogzerfressen wie die aufgespritzten lippen der sechszehnjährigeh.ich laufe durch eine stadt,die ihr gesicht verloren hat vor 30 jahren.schuld macht krumm und hässlich.hochmut dröhnt durch die stadt,alle brüllen sich an,taub für zweifel. der lehm klebt an füssen.man hinkt und wankt,lässig der gang über schiefe strassen. drunter wächst der tod.ich wünsch mir,sie würden ihre fresse halten,die lauten die wissen wie es geht.ich wünsch mir die würden die fresse halten,die vaterland brüllen, deren ministerkonten sich füllen, aber deren fahnen aussehen als hätten sie drauf geschissen.ich wünschte sie würden die fresse halten,die vom krieg brüllen, den führen die stimmlosen, ohne geld und erbe, die ungefragten,die ohnmächtigen.
    ich wünsch mir den stern zurück in die falschen fahnen.die korrektur des hässlichen.oca vam jebem.i mater.

    (Beograd,Januar 2023)

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    23. April 2023

  • Über Krieg (und Arbeit)

    1941 1967 August
    in der serbischen stadt kragujevac wurden 1941 von der wehrmacht sechstausend geiseln erschossen
    alles von 12 jahren bis 80 jahren leben 
    die professoren und ihre klassen
    hand und hand loch um loch in
    brust kopf arm bein erschossen 
    fast alle gymnasiasten der 
    stadt ca. 800 waren es wohl
    die deutsche arithmetik verlangte
    100 tote geiseln für einen toten deutschen herrengleichung rechenschieber kies und kalk in dem kleinen wäldchen patronengurte leergeschossen das mg luftgekühlt trockenes knacken der walter 
    habe nun ach ins genick gesprochen
    deutschstunde auf südöstlichen diwan und natürlich spielte ein roma orchester dazu besonders beliebt war die ode an…das orchester erschoss man zuletzt mit spaten klopfte man sie in die übervolle grube am waldrand 
    mein vater war der erste deutsche der
    nach dem massaker von 1941 der im
    jahr 1967 die stadt betreten durfte
    es war deutschen verboten kragujevac zu betreten
    als der berühmteste dichter der stadt kragujevac den jungen deutschen 
    regisseur in seine stadt einlud
    wurde das verbot aufgehoben
    und der junge deutsche musste in
    jeder kneipe der stadt mit jedem
    trinken denn dass war so sitte 
    ein toter ein schnaps pflaume birne
    für dessen seele ruhe frieden 
    und er trank mit den grossvätern
    den vätern und brüdern sieben tage sieben nächte und der dichter zeigte ihm die stadt die lebenden die toten
    und sie sagten ihm lachten weinten 
    trink guter deutscher 
    auf unsere kinder enkel söhne 
    hast eine gute seele dass erzählen
    deine augen deine tränen
    und der junge marx in deiner
    manteltasche
    guter deutscher
    ein jahr später wurde das schild
    vor der stadt abgebaut
    eine vw delegation aus wolfsburg 
    war zu besuch im motorenwerk 
    zastava 
    kragujevac
    
    1991 Juli
    ratschläge eines unteroffiziers der ersten gardedivision
    an einen jungen mann, der nur noch zittern kann:
    leicht schreien viele alle in den krieg, raten zu, mein rat
    wenn du angst hast pisst du dir in die hose
    ein tarnmuster mehr sagt dann jemand und einige lachen
    wenn du angst hast schnallst du den stahlhelm so fest an das kinn, 
    dass du fast erstickst, viel reden willst du sowieso nicht saša
    wenn du angst hast schneidest du dir in die hand 
    die schiessen soll, in das knie das stürmen soll, 
    den bauch denn in ihm lebt die angst 
    wenn du angst hast gräbst du dein schützenloch so tief, 
    dass du nur noch den himmel NEBO PLAVO JE 
    (ein lied geht los, ein tanz in der ebene den himmel sehen
    und die wurzeln einer platane die donau still und )
    NEBO PLAVO JE wenn du angst hast 
    zittern deine hände deine oberschenkel und 
    du machst musik mit deinen knochen
    wenn du angst hast willst du 
    den fetten major im schlaf erschiessen
    und dann durch die puszta rennen bis 
    du sie überholt hast
    wenn du angst hast 
    schießt du
    hoffentlich vorbei
    die angst bleibt
    unter der haut
    ist
    
    ER / ICH 
    SCHIESST IN DEN JUNIHIMMEL M70 EINZELFEUER, SIEHT KURZ IAN CURTIS, EIN KLAPPFAHRRAD EIN KIND EINE MUTTER
    OHNE VATER DER TRINKT WEGEN PRAG DEN PANZERN DEM SOZIALISMUS 
    KEINE ALTERNATIVE EIN JUNGE SCHIESST UND SCHNEIDET SICH IN DAS EIGENE,DIE ANGST NUN EINE EBENE. DIE FELDER SCHWARZ. A NEBO PLAVO JE.
    
    Arbeit I
    Swobodas.Video
    Deletovac oder…
    Junger Mann wird erschossen 
    Lifecam. Im Innern des Tankwagens
    vielleicht ein Leichenberg
    Alte Platte leiert Cream 
    ein kopfloses Reh verblutet am 
    Proscenium …jmd mit Rehkopf
    anstelle Menschkopf
    
    ein gelber tankwagen
    ein verrostetes verkehrsschild
    ein flipperautomat im burggraben
    ein gelbes haus gegenüber ein zoo 
    aufgetürmte propanglasflaschen 
    eine eiernde langspielplatte 
    das sitzen auf einer betontreppe
    das speed auf der platte 
    das küssen im fahrstuhl
    ohne licht seit acht jahren 
    der geruch nach leder im laden
    ohne schuhe die stadt abgebrannt
    dunkelgrün der bus auf den
    gelenken tanzen sommernacht 
    die fahrt ohne halt
    am ort vorbeifahren 
    der schmerz ein leben lang 
    wo finde ich mich wieder
    mottenkugeln in sarajevo 
    mein cousin verschwunden in bergen 
    
    2022 Winter
    sprachlos und mutlos 
    vor dem brand,dem sengen und versinken halt den kopf unter wasser,eiswasser wohl 
    vom pol der kot und der dreck 
    frisst mich an endmoränen und sandigen ufern glotze nur noch 
    blöd die welt an stummoperiert
    überlebt den einen meinen krieg fresse 
    schon den neuen weich die hand
    hat schon vor dem kopf aufgegeben das kluges kind was einmal brannte brennt immermehr tag wie nacht
    zu trocken übersäuert unsere böden 
    fressen uns nun selber kopfabwärts
    die städte brennen ihr gestank in unseren wohnzimmern da hilft nur dufttanne oder die klinge
    dreierblatt im angebot
    mit gilette endlich zur kontur 
    schneid mir damit gleich augen weg
    alter käse hinter der linse 
    gagarin ist tot ich will ihn nicht mehr sehen weltall erde mensch 
    seine sterne und flüge 
    die lautlosen die
    alles konnten 
    die mit dem
    besseren morgen
    
    Arbeit II
    BAKU 1920
    eine kalkgrube neben einer raffinerie. das kaspische meer, ein amerikanischer sergeant spielt ragtime auf einem klavier in einem ab fahrenden panzerzug.zwei unbeteiligte schauspieler sehen sich eine serie an und in wien treffen sich sie spielen nicht mehr mit
    die Aktionäre der mittelösterreichischen r erdölgeselkschsft auftritt tomow und tomowa zu ragtime.
    
    TOM(OW)
    ein erdölfeld bei baku
    die revolution braucht das öl
    die tanks und panzerwagen fressen benzin/auf dem weg zur sowjetmacht/von tomsk bis liverpool/und kalk frisst knochen fleisch weiß 1200 frauen männer kinderknochen/kollateralfrass der seals and marines ein tag vor dem rückzug /mit yuppiayeh/ denn denn denn/apschihaaa nies nies/hab ne nafta allergie/nafta petrolio öl oil/
    BENZIN tanks und amerikanische britische marines haben die raffinerien von baku gesprengt/ihre kommandeure im frieden direktoren directors bei BP und Texaco / kalte blicke zahlen/ haben sich die förderrechte bis 1962 gesichert und den aseris FREEDOM AND DEMOCRACY glasperlen um hälse gelegt/ vickers gatlin mauser und zwei drei oligarchen FAMILYS sichern ewigen fluss/schwarz das gold/schwarz das kaspische meer
    
    TSCHUMALOW
    halte die fresse alle meine texte wurden 
    tausendmal gesagt mit und ohne brüche 
    schulabhängig brecht konstantin 
    
    TOM(OW)
    sorry leute streamtime ich hab noch keine folge von house of dragons verpasst
    danach folgt bunkerbauten am atlantik 
    
    TSCHUMALOW
    genosse-
    worum geht es denn da
    
    LJUDMILA
    …
    (mund zugenäht von weissen kosaken)
    
    TOM(OW)
    ich übersetz die mal
    sie 
    erzählt sehr liebevoll und mit
    hingabe detailreich und engagiert
    den genosse der zerstörten raffinerie von Sovkomneft etwas über
    HOUSE OF DRAGONS sie vergessen
    ihren hunger den kriegskommunismus
    und die revolution nur ein mädchen stopft ein loch in der pipeline 
    in der bucht von baku 1920
    
    1991 Juli
    In einer langen Panzerkolonne verließen wir Belgrad.
    Die roten Sterne auf den Stahlhelmen mussten wie auf Befehl
    mit unseren Bajonetten am Vorabend abschaben.
    Ich brauchte 10 Minuten um meinen Stern abzukratzen und heulte
    bis ich in meinen Schützenpanzer einstieg, wir fuhren los, vier
    Stunden später.
    Sechsuhr und vier Minuten.
    Ich liege in einem Schlammloch.
    Irgendein Dorf.
    Ohne Namen.
    Leuchtspur.
    Vom irgendeinen anderen Dorf abgefeuert.
    Ich liege im Schlamm.
    Das Loch füllt sich mit mir.
    Warm.
    Juli Neunzehnhunderteinundneunzig
    Leuchtspur
    PANZERFAHRER
    Ich sitze im Stahl
    der Helm drückt kalt im Nacken
    durch das schwarze Panzerloch glotzt meine
    Angstfresse BORN TO KILL über den Sternschatten geschmiert
    auf eine nicht meine slawonische
    Bukolische Landschaft eintönig
    der Frieden der Kühe
    das Gedächtnis 
    der Toten 
    hinter Ilok begraben 
    Unter dem Kitsch der Monumente 
    den gefallenen Helden unseres Partisanenkampfes
    liege ich im Erbrochenen, jemand sprüht ein Hakenkreuz
    auf Sichel und verschwundenen den herausgerissenen 
    Stern das schlechte Gewissen 
    auf der Autobahn zwischen Zagreb und Belgrad
    Asphalt das Massengrab 
    
    rauch 
    du 
    (ich spreche seit vier tagen fremd mit mir)
    du
    liegst im eignen blut 
    slawonischen schlamm
    lippen zerbissen im
    schweren traum 
    hörst sie pfeifen die kugeln 
    zu stiller forst bei fehrbellin 
    slawonischer staub die haut wie erde 
    fest stich ohne schmerz 
    du 
    riechst verbrannte milch 
    auf dem kinderspielplatz 
    neben der kirche 
    kalt der stein 
    kalt die haut 
    siehst einmal 
    die sterne 
    im juli einundneunzig
    mein freund branko fault im schützenloch 
    erkannt am kiefer
    der rest ist erde 
    verklebt mit blut 
    geronnene erinnerung
    mein bahnhof unüberdachtes
    glück vor jahren
    in den nächten fahre ich
    am tage zähle ich 
    die stunden
    bis zur nacht
    nummerierte knochen und
    halogensonnen an der grube
    neben der donau europäischer strom 
    im traum zähle ich die silbernen
    fernsehtürme in der puszta
    noch lacht mein
    vater ohne krebs
    in der blauen tüte
    knochensplitter und ein 
    panninibild von gattuso
    laut bericht des experten
    wir öffnen die panzerluke 
    hundert köpfe glotzen
    in die tote puszta
    das lied von tito
    von unserer heimat
    leuchtet im staub
    neben der donau europäisch
    unter der schwarzen erde 
    versteckt und kalkweiss
    knochen und kiefer lieg ich
    seit neunzehneinundneunzig
    im sommer
    besuche ich immer
    die meinen
    ankunft ungewiss
    rede mit meinen geistern 
    bin selber 
    einer
    
    Arbeit III
    
    REGIEANWEISUNG
    Ein Schauspieler
    Eine Schauspielerin
    spricht AJAX Text immer wieder erleidet Er oder Sie einen Herzinfarkt
    einen Tod so dass der AJAX Text von einem folgendem Kollegen oder einer Kollegin zuende gedacht gespielt wird
    das Krankenzimmer füllt sich
    die kalten weissen Betten die Leiber
    Blixa Bargeld spielt seine Melodien
    Sechs Betten im kalten Weiß stehen nun in kalifornischer atomverseuchten Wüste death and destruction ohne detroit 
    Ein Clown eine Clownin
    versucht zum vierten Mal die Eröffnung der Wolokolamsker Chaussee zu sprechen
    ACH NEE DIE SCHON WIEDER
    OH NEE DER SCHON WIEDER
    KOMM VERPISS DICH MIT DEINEN
    PANZERN SOWJETS HITLER STALIN
    das brüllen die 
    Männer und Frauen in sechs kalten weißen Betten in glänzenden Cowboyboots und weißen Totenhemden brüllen sie
    AAHH WER WILL DENN SOWAS
    BOLSCHEWISTENDRECK
    DIE SONDE ( KREBS ACH NEE) BOHRT SICH IN MEINE HERZKAMMER NICHT DIE
    DIE SOWJETMACHT 
    HELLT MEIN HERZ NICHT AUF 
    MEIN ABC IST MIT
    30000 DOTIERT UND KLEIST KOTZT MIR AUFS JACKET FÜR DEN VERRAT
    RUSSEN RAUS AUS FRANCKENBERG
    SCHIESS MIT DER PANZERFAUST
    DEN SOWJET AUS DEM T34
    komm Blixa hör uff ich mach jetzt was mit Laibach
    
    death and destruction oh
    yeah sagt blixa nimmt mescalin 
    und tanzt im sand 
    californian sun
    westberlin autumn
    
    BERLIN ALEXANDERPLATZ
    DIE GROSSE DEMONSTRATION
    EIN MANN MIT PAPIER IN DER HAND
    STEHT IM REGEN UND STOTTERT
    UND LEIERT KOT INS GESICHT GESCHMIERT VON DER ARBEITERKLASSE
    
    MÜLLER
    die gründung von gewerkschaften…
    
    1991 Im Juli
    ich wurde an einem scharfschützengewehr ausgebildet.
    ich habe gelernt mit zwei systemen von panzerabwehrraketen umzugehen.
    ich habe habe gelernt antipersonen sowie antipanzerminen zu legen.
    ich habe den umgang mit dem M70, der skorpionmpi,der makarow pistole 
    dem PAP 66, der gewehrgranate M60 AT sowie antipersonenhandgranate geübt. ich habe ein jahr lang, nach ende meiner armeezeit in der jugoslawischen armee jede nacht alpträume gehabt. ich habe geträumt, geheult, geschwitzt gezittert…ich müsste in den krieg 
    1991 musste ich in den krieg
    ich wurde ich zwangsmobilisiert
    ich träume ihn bis heute
    ich verstehe nicht wie leicht man
    von krieg reden kann er ist 
    kaum zu tragen
    er frisst ein leben lang
    ewig sein schatten
    bin an ihn gekettet 
    
    4.40 früh
    morgen 
    drei muskuläse miltärpolizisten stehen in meinem zimmer.
    ich liege im bett und starre auf ihre uniformen.
    einer schlägt mir mit der faust in gesicht 
    steh auf du schwuchtel,zieh dich an
    das vaterland braucht dich
    arschloch.
    sie lachen,
    ich spucke blut auf mein kopfkissen.
    
    4.45 früh 
    meine oma weint.
    du musst unsere heimat gegen die faschisten verteidigen.
    sagt sie, damit wir nicht umsonst gekämpft haben
    gestorben ermordet worden sind.
    sie hat die drei militörpolizisten in unsere wohnung geholt.
    sie haben beim nachbar geklingelt,der hat einen sohn in meinem
    alter,der sich auch seit wochen versteckt.
    der nachbar hat die militärpolizisten nicht in die wohnung gelassen,
    dafür tat es meine oma. 
    ja.
    mein enkel ist da.
    er schläft.
    
    4.47 früh 
    ich stehe mit den drei militärpolizisten im fahrstuhl.
    wie fahren vom 10ten stock nach unten.
    mein blut spritzt auf die angekokelten knöpfe 
    von etage vier und fünf. zwei schlagen mich,der dritte
    geht eine liste mit namen durch.
    
    4.51 früh 
    ich sitze in einem mit schwarzer folie abgeklebten reisebus des
    belgrader busunternehmens DIE MÖWE.
    ich bin nicht der einzige,ein dutzend junger männer in
    pyjameas iggy pop tshirt oder lacoste polo oder nur in schlüpfern 
    sitzen 
    traurige inseln auf braunen sesseln,
    mit geschwollenen gesichtern,dicken lippen und abgeknickten
    nasen,ich setze mich auf den sitz 
    22 gerade zahl 
    wegen dem 
    glück 
    
    das radio spielt.
    
    teške se kise spremaju
    nad gradom munje sijevaju
    uzalud pitaš ko ide 
    budaline u planine
    pustahije kroz kapije
    pogasi sve
    tek je počelo
    
    5.00 früh.
    die zeit in der
    kriege beginnen

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    23. April 2023

  • miniatur

    heiß der stein,lag lange in der sonne,sah dass graue torpedoboot 
    langsam die bucht durchqueren.

    ich drücke die zigarette auf einem braunen felsen aus,auf seinen alpinen spitzen bilden sich salzkristalle. später suchte ich ausgedrückte 100er zigarettenfilter unter salzfelsen wie alte schatten.

    ich tanze gerne vier und mehr stunden.

    küssen,zeit anhalten.zeitmass ovids.

    die munition geht aus.der prösident ist lobbyist. der süden global verarmt führt kriege,die sind älter als ich

    die platte war warm wie der stein in der bucht,der italienische bunker dahinter roch nach menschenkot

    drei oder vier mal schlug der mit dem aschenbecher auf meinen kopf bis ein stuhl auf seinem kopf zerbrach.
    er wurde später general eines neuen staates.

    träume einen gelben tankwagen von ina, der in einem olivenhain seit jahren verrostet,nicht weit davon verrostet auch das verkehrsschild mit dem schwarzen punkt,wie bei robert louis stevenson.heimat,träum ich,denk ich.

    das ruhige meer. um vier. die träge sonne. aussenbordmotoren. tagwerk.

    bocciakugeln wurden aus holz geschnitzt.die auf dem platz liegenden sind 300 jahre alt,haben den inselwald aufgefresen. die halbe insel lag auf dem bocciaplatz,der sand glänzt,es sind salzkristalle vom
    meer in wurfreichweite

    der gelbe turm der pepsikisten des restaurants neben der küstentrasse war meine lebensuhr,mit jedem jahr verschwand ein buchstabe….bis zum a.

    drop the bomb.drone bombing.use l2 and r2. you are dead. lese kriegstagebücher,mein dreieck,mein kreis.

    womit wird die entfernung gemessen bei einem 122mm minenwerfer.
    wenn der himmel bewölkt ist,die nässe in der luft,der holzige herbstwald an der havelquelle.ein schuh im gebüsch.

    seh den himmel.der zug fährt durch die schwarzen berge.die tür klappert,jemand uriniert in die nacht,auf die berge,die schwarzen die kalten.morgen werden die berge wärmer sein und dahinter liegen berge.ein schiff legt ab.

    der stempel an dem die rostigen schiffe mit schweren nassen tauen
    festgehalten werden,stammt aus györ königreich ungarn,die ebene greift nach dem wankenden dampfer.
    auf diesen stempeln sieh man nie weisse möwenscheisse.

    unter der feige riecht es nach sterben und marmelade.

    vier stunden tauchte ich eine mit vorschlaghammer und meissel zerbrochene tafel aus dem meer.auf ihr zwanzig namen von italienischen faschisten erschossenen dorfbewohnern.blau und salzig,das ruhige meer.

    einfach küssen.augen zu.augen auf.

    hau im aufs maul
    er schlug im aufs maul
    vierfarben rot blau grün gelb
    blut auf pvc und tanz tanz tanz
    dance dance to the radio
    jugendklub in weissensee
    hauptstadt der ddr zerschossen
    die fassaden rotbraunes unter
    dem schuh puma nich adidas scharmützel im rücken die zerschossenen häuser april 45 love will tear us apart
    im see baden weltmeer unter tannen
    irgenwo zwischen zossen und scheisse

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    23. April 2023

  • Über Kleist (ein zerbrochener Krug)



    aus dem wundgeschlagenen explodierenden kopf des stotterdichters/des ausgelachten randständigen außenläufers / und kaputten kriegers gebärt sich ein traum von leichtem lachen/die komödie pladdert aus der kopfwunde/kriegsverletzung, die gerichtsschmonzette wird zur running gag maschine / ungestottert störfrei der redefluss traum eines dichters/ und ein lustiger tank fährt querfeldein/ ein traum von der komödie nun letzte leichtigkeit vor schuss in kopf und brust an einem sauren see/ bei berlin/ burn out hoffentlich jetzt screwball und hinter den kuliseen liegt der soldat/
    weint der männerfrauenliebende/der heimlichtuer/aufgerissen die zu dünne brust/so steht da/der heinrich zinnsoldat mit seinen weissen blättern/versteckt hinter worten das herz/fliegt auf buchstaben
    raus aus dem leben/und der hofstaat wiehert/und er wiehert immer,der staat/das lachen eine hinrichtung/in staub brandenburgs krummer dichter/der wirklich schöne schreibt schön in weimar/betört mit süßem gekönne kalt nach kopulation, da findet man sich wieder, als wieherer höfisch mit hohem einkommen/ ein krug ist zerbrochen die welt umso mehr / krüge kann man kleben,die welt schwerlich/ acht menschen kleben einen krug ihre stadt brennt/ asche aufs blutige haupt/ jetzt kopf.

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    23. April 2023
    Prosa Kleist Zerbrochener Krug Hawemann hawemann Werkstatt Texte Textentwürfe Prosa Lyrik Drama Sahawemann Alexander Hawemann Havemann Kazalište Teatar Mira Erceg Pozorište Beograd Berlin FDU Beogr

  • theater/mutter



    Ich
    fahre durch bahnhöfe
    unter der erde die kacheln noch
    die alten,die vom hoffen und
    morgenrot,darüber lagen die toten
    auf weissen sand,toter strand
    auf den bahnsteigen stehen gehen skizzen von heute die glotzen in ihre bildschirme vergessen und vergessen und vergessen
    singt nun meine mutter im hydraulischen bett ist heut meine medea auf der katheterargos
    sie geht der welt verloren im
    rehaloch märkisches viertel jetzt
    singt ihr höchstens sido von der ebrofront das solidaritärslied
    ich hocke zwischen kacheln und skizzen und ihrem vergessen die
    blaue flecken die arbeiterklasse
    schlögt lieber heimlich altes
    als das kapital an der inneren front
    oder äusseren am schwarzen meer
    aussengrenze europas gesichert vor
    der asiatischen barbarei so nennt sie
    die russen wie einst ihr grossvater von
    der SS später spiegel redakteur ich
    selber verachte beide den russischen
    und den anderen neoimperialismus
    ICH BRAUCHE EINEN LICHTWECHSEL
    WENIGSTENS MUSIK
    VIELLEICHT JUGOSLAWISCH
    MOCHTE DER HEINER DOCH AUCH

    mutter es herrscht ein weltkrieg unter unserem himmel
    sie nennen ihn anders,als ob halbe worte den
    tod den krieg halbieren könnten
    heut ist es schwer
    sagt sie die mutter
    das fahren zu dir
    sag ich der sohn
    und seh die stadt hinter
    dem busfenster salzig wegen
    tränen sind ein schwerer vorhang
    mutters faust dritter teil
    das vergessen urin im bett
    mein klassiker ist heutig
    sagt mir meine Mutter
    HEINERMÜLLERkanntest du
    ihn gut
    MEINE MUTTER
    sie wusste genau wo sie war und wer ich bin,reagierte jedoch mit massiven Angstausbrüchen auf jeden Versuch zu reden
    Kamst du dich an Heiner Müller erinnern
    JA KLAR,der saß immer auf der roten Couch
    Warum
    Wegen der Texte
    Dein Vater den habe ich sehr geliebt wo ist er
    TOD
    ach das ist traurig
    der vater tot
    WAS HATTEST DU VOR
    weiß nicht,was machen diese schläuche in meinen körper
    MAMA KATHETER DAS SIND KATHETER,WAS WOLLTEST DU MIT DEN TEXTEN
    warum.was soll das alles
    pack meinen koffer aus
    ich will nach moskau
    dort ist krieg
    in moskau
    nein dort
    wo wir herkommen
    ja
    ICH WILL MIT DIR UBER MÜLLER REDEN
    ich hab ihn in das Serbokroatische übersetzt,man kannte ihn noch nicht in Jugoslawien …ich fand er ist einer der wichtigsten Autoren seiner Zeit
    WELCHE TEXTE HAST DU DENN ÜBERSETZT
    Ich habe angst wo bin ich was mache ich hier
    DEN AUFTRAG UND
    mischa mein lieber bruder ach schön
    dass du da bist
    hier in belgrad
    belgrad ist berlin
    BIN NICHT MISCHA ICH BIN DEIN SOHN
    Heiner Müller war sehr freundlich
    Die Frauen hier sind schlecht
    Schreien mich an
    MAMA WAS HAST DU NOCH FÜR ERINNERUNGEN AN HEINER MÜLLER
    EIN CHOR:
    Seine Mutter spricht ihren Lieblingstext aus Medeamaterial
    MUTTER SPRICHT MEDEAMATERIAL.
    KRANKENHAUS.KATHETER.
    Piep
    Wüste in Kalifornien
    Ein Autor hat einen Herzinfarkt.
    Die Kinjal Rakete trifft Odessa
    Eisenstein getötet.

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    23. April 2023

  • über krieg/sommer

    JUNI 1991 / JUNI 1990

    I
    wieviel hast du heute verschossen
    fünf,genosse major
    fünf
    fünf,genosse major
    der himmel heute ohne wolken. leer. schlamm und urmuscheln
    am donaustrand.
    wie lange warst du auf deinem posten, soldat

    II
    das haus halbverkohlt, auf den schwarzverkohltem rosa wänden lass ich nur krummerhand geschrieben, grossserbien, roter stern belgrad, ustascha ich fick deine mutter, es lebe der könig und dragan is ne schwuchtel. iron maiden. das häuschen ähnelte den jugoslawischen standartbungalows am meer, einstöckig, zwei zimmer, eine kleine küche, eine betonterasse mit dach für den kaffee und die langen gespräche darunter. mit viel zucker. das haus roch nach brand und mottenkugeln, nach warmen felsen und vormittagsmeer, ich hockte hinter den heruntergelassenen rolläden, feine sonnenstrahlen milchstrassen staubsterne drängten durch die kleinen löcher der rolläden, mein gewehr schob sich durch einen spalt, im zielfernfrohr die stadt hinter dem fluss, seit zwei wochen eingekesselt. die. dort.

    III
    vier stunden, genosse major
    du hast 20 schuss als tagessoll
    und 30 in der reserve
    zu befehl, genosse major
    ich sehe die donau in seinem rücken.
    ruhig.
    schwanzlutscher hörst du mir zu,
    du sollst mit deinen votzenfingern
    20 mal abschüsse tätigen,körper oder
    kopfttreffer scheissegal. da drüben in der stadt gehen die votzenfressen spazieren, schneiden unseren müttern bäuche auf, unsere väter sind treibgut auf der donau, die köpfe zertrümmert von gardena spaten.und du erfüllst dein soll nicht. ich scheiss dir ins mundloch. volle ladung.

    IV
    durch das zielfernrohr sah ich frauen wasser holen. ein angler lag tot am donauufer und wurde von den gasen immer dicker. wie ein ballon, farblos und leblos, angeschnitten von der stadt, abgeschnitten vom fluss und vom himmel, ab und zu bekam er besuch von einem kahlen pudel, der tat was er musste. happy birthday toter wal. die wasser holenden frauen beobachteten den ballon nicht, ich sah ihre wimpern, die angstschiefen münder, meist gelbe zähne und ich schoss ihnen nicht in kopf, in brust,
    in den bauch unter dem leeren himmel, der bauch dauert länger, lang wie meine angst, das blut verlieren. die fahrt zur front. lang. die nächte, länger. die gegnerischen soldaten boris du schwuchtel, mieden dass ufer, die urmuscheln unberührt, ein ganzes volk unter dem stiefel und ich trinke gleich die donau aus, ich hatte drei häuser loziert in denen sie unterstände hatten, familien wohnten mit ihnen zusammen, freiwillig oder als schild. vielleicht liegt der ältere mann am nächsten morgen neben dem wal. am urmeerstrand liegen zwei ballons, happy birthday wale vor vukovar. ich zählte die patronen, der himmel ohne wolken. leer, wie im juli. die donau vor mir, ruhig. urmeer. muschelmehl. happy danube.

    V
    Jeden Tag fuhr ich mit meinem rostigen Klapprad,sechs Kilometer,immer an der Adria entlang,zum albanischen Bäcker in dem kleinen Fischerort R.unweit von unserer Feriensiedlung „Jadran“(Adria).Manchmal öffnete ich meinen Mund so weit,dass das salzige Meerwasser und ein heißer Seewind in meinen Rachen schossen und ich bis heute überzeugt bin,ein Stück des Meeres gegessen zu haben.Häufiger war es jedoch windstill,nur die brennende Sonne und das silbrigblaue Meer an meiner linken Seite,meine zu kleine rote Speedobadehose auf dem Arsch und das löchrige Bakunin T-Shirt im schlecht angeschweissten Körbchen,raste ich auf meiner selbstverwaltet finanzierten (340 zu 70 Stimmen für den Bau eines FahradundFussweges,angeführt vom Belgrader Staranwalt Onkel Dušan siegten die Belgrader und Zagreber Eigentümer gegen Restjugoslawien,meist Bosnier und ein oder zwei Slowenen) kieselreichen Betonpiste nach R.
    Ich besaß nur eine „Westbadehose“,die schon erwähnte rote Speedolizenzhose,irgendwo meerweitweg von fleißigen slawonischen Arbeiterrinen zusammengenäht.
    Im November brannte die Fabrik,die Männer lagen unweit auf einem regennassen Feld,unter kettenzerrissenem Schlamm.
    Eigentlich begann meine Brot-Fahrt schon einen Tag vorher,wenn ich bei meinem Nachbarn I.,der sich Jahre später,während eines Fronturlaubes im Kinderzimmer erhängte,den heiligen schwarzen Sony Walkmen ausborgte,um auf meinem Weg zur Bäckerei,jeweils eine halbe Stunde The Cure und eine halbe Stunde Mizar,eine Gothicband aus Skopje,zu hören und die einzelnen fleckig betonierten Badebuchten nach schönen Mädchen abzusuchen,die man vielleicht am späten Nachmittag nach der Siesta mit oder und ohne Wichsen mit M.,D.,R.,I.dem Bruder von M.,M.und D.besuchen und vielleicht sogar mit tollkühnen Sprüngen und Bunuel Kentnissen beeindrucken könnte.
    D., wir nannten ihn nur „Langarm“,verließ sich zunehmend auf die Wirkung seines frischgeernteten Grases,dass er gemeinsam mit nem Hippie aus Split auf einer unbewohnten Inse,drei mal drei Meter,in Tomos 4 Reichweite anbaute.
    Während wir kopfüber hechteten,mit einfachen oder doppelten Salti in das silbrige Blau sprangen,Bunuel und Breton zitierten,Szenen aus 1900 und dem Paten vorspielten,kiffte Langarm mit einem der Hippimödchen,es gab immer ein Hippimödchen in diesen magisch-snobistischen Mädchenbanden aus Zagreb oder Split,knutschte mit ihr im Wasser und vögelte nachmittags im Elternzimmer,während wir noch als faschistischer Donald Sunderland eine Katze ans Kirchenportal nagelten,natürlich in wechselnden Rollen und in Badehose:zweimal Adidas,eine alte Speedo,zwei Arena,einmal Yassa.
    Ich durfte häufiger Gerard Depardieu sein,wahrscheinlich meinem mitteleuropäischen Aussehen geschuldet,Bertolucci kenne ich seitdem immer noch auswendig,er hatte mir zu einigen heißen Herzen aus Zagreb,Sarajevo und Bihać,Knutschen im Mitternachtsmeer,Fummeln in Zypressenwäldern und Petting in Autocampduschen verholfen,grazie maestro.
    Ich sitze auf meinem Klapprad,habe mittlerweile schon zehn Nachbarinnen,Mütter und Tanten begrüßt,die schon auf dem Heimweg waren,in den durchsichtigen,schon leicht gerissenen Tüten die heißen albanischen Brotlaiber tragend,in der rechten Hand ne Kent oder Astoria (damals hatten Zigaretten für Frauen englisches Pedigree)
    in angeregten Gesprächen über das letzte Buch von Danilo Kiš,die kürzlich erschienenen Kriegstagebücher von Svetozar Vukmanović Tempo in denen Tito endlich sein Fett wegbekommt und die neu erschienene Susanne Sontag,vertieft.
    Ich hielt an der alten Trafostation,die seit Jahren konstant traurig Richtung mehr summte,kurz vor dem Ortseingang,dort wartete schon B.ein Mädchen aus dem kleinen Fischerort R.
    Ich habe sie kennengelernt,als ich ein Torcida Split,so hiessen die härtesten Fans von Hajduk Split,Graffitti nach nem Diskobesuch mit Vorsatz erst vollgekotzt und später angepisst habe.Beide Bedürfnisse habe ich preußisch diszipliniert eine halbe Stunde-ich hatte ja ein hehres Ziel vor Augen und musste unbedingt zu Tainted Love,der letzten Nummer im Synthpopblock tanzen-zurückgehalten.
    Mitten in meiner Partizan Belgrad vs.Hajduk Split Abrechnung hörte ich nur eine dunkle Stimme hinter mir
    „Wenn mein Bruder dich erwischt,hackt er die mit der Axt erst den Kopf und dann den Pimmel ab“,der Druck war jedoch zu groß,das versuchte ich auch zu sagen,was sie verstand fragte ich sie später nie.Sie sagte nur noch „Morgen früh um 8 treffen wir uns“ „Da schlaf ich noch“ „Anteee!““Is ja gut,ich komme,aber hör auf zu brüllen“
    Am nächsten Morgen stand ich vor der sauberen Trafostation.
    Sie wartete schon.
    „Küss mich“
    „Wat?“
    „Küss mich,Arschloch aus Belgrad“
    Seit diesem Morgen trafen wir uns vor der Trafostation zum Küssen.
    Entweder saß sie schon auf ihrem verwaschenem Strandtuch von Adidas oder ich klingelte kurz und sie kam leicht verschlafen,aus dem alten Steinhaus gegenüber von der Trafostation,heraus.Wir küssten uns drei Jahre,drei Sommer auf meinem Weg zum albanischen Bäcker,um Acht Uhr Morgens zweimal in der Woche.
    Ihr Bruder wurde von einer Panzergranate im Sommer ´93 vor Zadar getötet,wahrscheinlich hatte er ein Hajduk Trikot unterm Tarn an.
    Ich habe sie nie gefragt wie sie heißt,sie mich auch nicht.Wir küssten uns nur,ich in meiner zu kleinen Speedohose,sie in ihrem leicht ausgeleierten Tigermuster Bikini.Irgendwann kam sie nicht mehr,ich hörte was von einer Hotelfachfraulehre in Opatija,das war ein paar hundert schöne Adriakilometer nördlich von R.-wo der Krieg nie hinkam.
    Beim Bäcker kaufte ich drei Brote und fünf Lepinja für 300 Dinar.Der Rückweg ohne Küssen und Meer essen dauerte 15 Minuten.

    VI
    ich habe nicht geschossen, weil ich nicht kann, genosse major
    schwule sau, du kannst den faschisten nicht in ihre kackfressen schiessen
    nein, genosse major ich kann das nicht
    gib mir dein gewehr.
    zu befehl.

    VII
    mit dem schweren kolben meines scharfschützengewehres
    schlug er mir auf das verrätermaul. er zerbrach alle meine vorderzähne
    mit einem schlag, einer steckte im gewehrkolben der rest flog in den himmel, into the sky with diamonds, die schöne blaue donau, auf den boden des sommersonnenbungalows, jetzt kommandopunkt der aufklärereinheit. bis heute habe ich löcher in der fresse, der rest ist nachkriegsbau, trostlos und schnell hochgezogen, das geld für den frieden in der fresse habe ich nicht und ich rede über kunst und welt und liebe und der mund dabei ist kriegsversehrt, am urmeer, zähne mein muschelkalk am donaustrand. nachdem er mir die vorderzähne herausbrach, schickte der major mich auf eine achtstündige wache.
    auf einem freien, abgeernteten feld.
    die feindlichen stellungen waren
    200m entfernt. freie schussbahn
    mir war alles egal.
    im so happy.

    VIII
    die bucht vor den augen hörte ich das vielfache lachen der kinder
    vom strand vor unserem einstöckigen bungalow mit betonterasse und
    ohne dach. ich hatte die rolläden heruntergelassen, durch kleine löcher tanzten sonnenstrahlen, sommerstaub, das salz auf meiner haut, glänzte im halbdunkel. heute abend würde ich sehr lange küssen
    das meer zu unseren füssen
    wir duften nach rosmarin
    zypressen
    kiefernadeln doch
    ich blute aus dem maul
    meine zahnreste
    nur kleine felsen
    im weiten meer

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