PROLOG er war in der ddr und jugoslawien im gefägnis, u-haft genaugenommen. in der ddr wegen herabwürdigung des staates , im militärgefägnis sarajevo wegen angeblicher zersetzung der militärdisziplin.
Rummelsburg 1985
der bussard
sitzt auf
dachlosem lokschuppen
vor ihm
der betriebsbahnhof
rummelsburg
hinter ihm
qualmt das kraftwerk
ohne knast
den haben sie abgerissen
nach der einheit
die politischen
waren gute heizer
soffen weniger
als die herrschende klasse
erzählte oft
mein vater
auf dem betriebsbahnof
habe ich blut gespuckt
und zähne
der knast war damals voll
mit guten heizern
im lokschuppen
hämmerte die herrschende klasse
an taigatrommeln herum
oder in meiner fresse
auf dem bahnhof
nach der schicht
vor der einheit
hockte der bussard
im wald oder
auf der wiese
das ist jetzt
anders
meine fresse ist
zahnlos
das ist geblieben
seit rummelsburg
betriebsbahnhof 1985
Faules Holz/Sarajevo 1988
wie ein faules holz
treibst du vor dich hin
die sonne über dir wärmt
nicht mehr
zu tief
die löcher darin
vollgesogen
stehend
das wasser
fault alt
mit den jahren in die seitenlage
geraten treibst vor dich hin
bis eine zarte hand dich greift
innen zu
aussen
wendet
dich wärmt
ihre hand nun sonne
für faules holz
das trieb nur so
vor sich hin
unter kalter sonne
ich wache auf im militärgefägnis
sarajevo
budi mi sjećanja
izadji iz mene
das licht geht nie aus
weiss die neonsonne
unter ihr liege ich faules holz
treibe vor mich hin
zwei rippen gebrochen
die hoden faustgross
die antworten falsch
die schläge gekonnt
die sonne über mir wärmt
nicht mehr
zu tief
die löcher
ich hoffe auf eine zarte hand
die mich greift
das innen und aussen wendet
es wärmt die hand
wie eine sonne
die tür geht auf
an diesem tag
werden noch zwei rippen
brechen knacken
wie faules holz
darin das wasser
fault alt
im august 1988
sarajevo erinnerung aus kristall
sarajevo gemacht aus schlamm
und schnee
izadji iz mene
izadji iz mene
(militärgefägnis sarajevo,1987)
Keibelstrasse 1984 Ostberlin
Nacht mit Hundegebell.
Kam nicht nur einmal vor.Im Sommer häufiger.
Mein Weg zur Schule führte an ihr entlang.
Schüsse gab es dreimal.
Erst neunte Klasse und schon Stasi an der Schule,Verhör im Direktorenzimmer.
Ist mir an allen drei Schulen passiert,die Männer in den schlecht sitzenden Anzügen.
In der Keibelstrasse habe ich zwei Zähne verloren.Die hatten Hartgummiknüppel aus der Nazizeit,das nackte Herumstehen, stundenlang,wärmen tut mich nur die eigene Pisse.
Das habe ich gelernt,DDR mein Vaterland: auf Knopfdruck einpullern,war mein wärmender Anorak in der Keibelstrasse,Sitz des Polizeipräsidiums von Ostberlin.
Die Pisse musste man aufwischen,davor noch der Schlag genau auf die Vorderzähne.
Gelb und rot mischt sich unter meinem geschwollenen Geschlecht.
Vincent von der Keibelstrasse.
Zehnte Klasse.Wieder Stasi an der Schule.
Und Elf und Zwölf.Meine Zahlen sind krumm,schiefe Männer sind sie,die ein Kind
zertreten wollen,weil der Klassenkampf es so will.So nannte man das,wenn große Männer vor einer Direktorin einem
Jungen in die Nieren boxen und er vor ihr Schmerz erbricht.
Ach Schiller,Geothe,Lessing und Fontane lagen sonst auf ihren schmalen blauen UnterrichtsLippen,die Erziehung zum Menschen,diesmal liegt nur Verachtung und ein wenig geiler Speiche auf ihrem klassischen Gesicht.
Der Lieblingsschüler liegt auf Linoleum.
Braun,er erbricht sauer.
Ich sehe die Fahnen im Rücken der Direktorin.
Höre kaum etwas,langes hohes Summen in der Stirnrinde,darauf sitzen schwarze Vögel.Eine Minute vorher hat mir ein verpickelter Sachse mit beiden Händen auf die Ohren geschlagen,meine Antwort gefiel ihm nicht.Summ-Summ-Summm.Ich verrat meine Brüder nicht und deiner Votzenmutter scheiss ich in die Fresse,Sachsensau.
Die Direktorin schaut mich nicht an.
Kalt.
Ein weißer Vorhang Dederon dahinter liegt sie,die alte Kohlehandlung.Eine dünne Rauchsäule.Den harten Worten drinnen entfliehe ich in den Rauch,den schmutzigen Schnee,die Schrift bleicht an zerschossener Wand.Warnekes Kohlenhandlung seit 1931,unter dem Tisch verkauft er Schnaps an uns Schüler.
Kalt.
Rauch.
Der weiße Dederon Vorhang hängt schlapp dazwischen,zwischen der Freiheit,dem geschwärztem Schnee und den krummen Männern.
Die Stimme der Direktorin drinnen.
Wird nicht zum Studium zugelassen.
Feindlich negativ.
Dekadent.
Schmarotzer.
Parasit.
Meine Ohren summen und ich tanze den schwarzen Stern.So hieß eines meiner Lieblingslieder.Die Küsse mit den Mädchen waren immer zu hart,das andere auch und ihre Haare rochen alle gleich.Action.VEB Kosmetik in Berlin Mitte.
Drei von den vielen hart küssenden Mädchen sagten mir,sie wollen,weil sie müssen.
Männer kamen,sagten KÜSS IHN DANN FRAG IHN
Was er liest?Was sein Vater erzählt?Die Mutter träumt?
Und jetzt fick mich,die Verrätersau sagte eines der Mädchen.Ich nahm sie in den Arm und erzählte ihr was ich lese,was mein Vater erzählt und was meine Mutter träumt.
Und ich sagte ihr,erzähl alles den Männern mir ist alles egal, ich bin dreizehn,vierzehn, fünfzehn,sechzehn Jahre alt und Angst habe ich keine,Leben will ich auch nicht mehr.
In der Straßenbahn müde Augen.
In der UBahn Baujahr 1930 müde Augen.In den nach kalten Rauch,Erbrochenem und Schweiß riechenden Zügen müde Augen.Zu lange starrten sie wohl die Mauer an.
Krankgesehen am betonierten Danebenleben.
Warum fuhren all die Züge immer an der Mauer entlang.Was war der Plan der alten Männer.Zu früh aufs falschen Pferd gesetzt, alles auf ROT und Traum,dann dastehen-die leeren Hände und es blieb nur noch der leere Blick auf Beton und das Leuchten dahinter.
Auf den Wegen zu den ungeliebten Arbeitsstellen und Fickzellen DANKE H im Danach,fuhren wir immer an der Mauer entlang.Wie mein Gesicht in der Garage Keibelstrasse am Rohbeton zurechtgeschliffen wurde.
Irgendwann ging ich weg aus dem Land.Als ich wiederkam,war es eins.
Mir tut das alte Land immer noch weh NICHT MIT SCHÖNEN ACH UND WEH ohne dieses verklärte Schäumen zwischen Werra und Mulde.Es tut weh:Mit heißer Wut,halbtauben Ohren und halbierten Zähnen
hass ich dich Staat der Gewalt,
der kalten Garagen,
der kalten Küsse,
des müden Verrates.
Auf Knopfdruck einpissen war mein Weg in den Kriegskommunismus und ich rieche die Pisse unter mir und es ist warm und mein Blut spritzt an die Garagenwand,fahr an der Keibelstrasse vorbei,irgendwas neues, helles Teures steht jetzt da.Der Anorak Sachse und seine Kinder und Kindeskinder stehen jetzt wohl rechts neben mir.Das Grab der Direktorin wollt ich umgraben und ihre Knochen in der Lottumstrasse und Oderberger verstreuen,ich ließ es sein.
Habe etwas gelernt unter neuer Sonne,trotze Wohl und Weh...habe dazugelernt im warmen Süden-die Großzügigkeit meiner jugoslawischen Heimat,die habe ich langsam gelernt und sie mitgebracht.
Und ich ersticke,wenn ich mit der Bahn an der unsichtbaren Mauer entlangschramme.
Und ich sehe die schiefen Männer,meine Direktorin und die alten Fahnen hinter dem Demeterladen und Schawarma,Applestore and Biocompany.
Still feiere ich die gewonnene Freiheit,hab aufm Weg Zuviel verloren.
Vom Jetzt schweigt dieser Text.
Das hat hier keinen Platz.
Und ich höre noch Schüsse in der Nacht,vereinzelt und das Gebell der Hunde,den Verrat küssender Mädchen,warm ist es unter mir.Es stinkt nach warmer Pisse.
Pssst keine Angst Anorakkind,Junge,Mann.
So ist mein November.
Ich erinnere mich.
Beograd-Malmö via Berlin
dugine boje nosi moj zmaj voz.
kompozicija je imala duzinu od dvadesetipet
vagona. dvadesetipet sati dugo putovanje dugom ,
od istočnog berlina do grada bijelog, zapravo sivog.
bijelo. uzmi. sanjaj. maj i brda gore.
nisam sanjao vojni zatvor u sarajevu,gumeno crevo u anusu, moj islednik iz ogiluna, porodicu mu jebem i zivot i decu i kuću.
u zološkom vrtu ja jašem konje, horse against arse pain
netko lezi ispred kaveza, ne vidi zebre, vidi boje, svoje.
dvadesetpet vagona u tri boje.
zeleno. crveno. plavo.
duga nije bila prohodna, zidovi unutar voza, samo se izvana kreće,
ključevi konduktera zabranili su slobodno kretanje.
samo pogledi kroz zamagljene prljave, slobodni kao vjetar,
gledaju polja, sela, mostove, rijeke, gradove, vodotornjeve, vatre, pincgauer kod Šida, spomenik išvrljan, blato, vikendice, autoputove, porušene crkve…
iste slike, pogledi puni neke sjete, raznih zelja, oblaka bijelih, neba zaključanog.
imaš li ključ za ono iznad nas,
za ono oguljeno?
nemam, sinko,
samo za sjedenje i ležanje
drugom klasom.
nebo zaključano, klatimo se, sanjamo nemirno. jone šarene
ugašenih očiju u teksasu, hvala bogu, levis strauss. ošišanom glavom pod
pijesak, te nakon dvadesetipet sati otreseš šesti i drugi kat.
kondukteru, zaključaj mi glavu.
pada, teška je.
za deset maraka može sve.
konvertibilna amnezija, sinko, kriza je, svi bi plavo.
putnici spavaćeg i plavog vagona su sa voznom kartom imali pristup
vagon-restoranu, jedinoj prilici da sretnem ostale jone progutane
i ispljuvane na dalekim obalama.
u plavim i crvenim sretao sam jone iz strumice, kumanova, peći,
valjeva, niša, pozarevca. nijeme, pune straha. ugurani, bezbojni, medju kartone
bijele tehnike. A kad su prošli plavi i smedji policajci,
kad kutije i kartoni nisu baceni na subotički kolodvor,
kad krvavi svežanj kruna u djevojačkim gaćicama nije
pronadjen, tek tada su jone progovorile.
Nerijetko su otvarani prozori crvenih i plavih vagona
(oni zeleni su svi ostali u budimpešti. keleti pu, brate, keleti pu
jebem im nebo žičano) i ravnicom se razlijegla pjesma:
širom svijeta put me vodio
za sudbom sam svojom hodio,
u srcu sam tebe nosio.
krv se mnoga za te prolila,
borba te je naša rodila
ne znam tekst, ali gledam sve te glave i ruke
koje izranjaju kroz prozore
gutam dim dizela
kenedijke,
KONDUKTER:
dizel- električne lokomotive serije 661 proizvedene su u američkoj tvornici "GM EMD". eksploatacija ovih lokomotiva na prugama jugoslavije počela je davne 1960. godine. ove lokomotive, popularno nazvane "kenedijevke"
maksimalna brzina: 114 km/h kod podserije 000; 124 km/h kod podserija 100, 200 i 300.moj posljednji voz sa kenedsijevkom sam pratio zimi 1991.
u vozu smo bili ja, jedan pijani kelner u vagon-restoranu i dvojica mladića,
bio je to posljednji voz na toj relaciji. nosim jednog mladića i polažem ga na
jednu drvenu klupicu.
na beogradskoj željezničkoj stanici me je kondukter iznosio iz vagona
i položio na jednu tanku, drvenu klupicu. nisam bio pijan,
nešto me je slomilo, iščupalo korijenje i padam,
posječen u vagonu, s rednim brojem 23, na nekom polju iza vinkovaca,
ponekad, mislim, da i dalje ležim tamo ili
na jednoj drvenoj klupici, na glavnoj beogradskoj željezničkoj stanici,
kolodvor dva, pored mene kenedijevka i pet vagona
ljubljana - zagreb - beograd
posljednji voz
zima 91.
šal od svile slušam na walkmenu,
u usta mi pada snijeg, pada na drvenu klupicu,
ležim i gutam bijelo koje sporo pada,
pjesmu sam(o) slušam,
slučajno, valjda, zbog
neba i mora,
odnekuda odnedavna,
strašna pjesma, nježno,
podsjeća me na prijatelje, i
ljubav, voz
avion i horse,
podsjeća da sam izgubio zivot na voz
avion i horse podsjeća me na najbliže,
koje sam izgubio,
jebo vas voz
avion i horse
ljeto. osamdeset neke, neko polje obrano, prazno
vraćam se iz vojnik zatvora
ili stizem u beli grad iz sivog
i dok su putnici pjevali,
bacali su svoje prazne tužne flaše piva i rakija, ispijene u dvadesetipet nijemih nemirnih sati, na polja subotička, zasadili su šljivu, hmelj, duhan izgorjeli medju prstima, debelim i crnim, ispljuvak gorki, nekoliko kovanica švedskog i njemačkog novca, teškog.
u povratku sam uvijek zamišljao kako prolazim pored beskrajnih polja tuborga, navipove šljivovice, zgužvanih kutija crvenog marlbora. sto je sve izraslo za 52 dana pod ovim mojim nemojim suncem?dno osušenog panonskog mora rodi čuda. gledam čudo, gledam nijemo pitanje
što je
kako je
i zašto
koliko dugo traje jedan poljubac?
koliko dugo se pamti miris koze?
Pitat ću svog pijanog oca, on zna sve,
i jako je nježan. obrat ću mu dvadeset malih tuborga i šest šljiva, samo ruku moram ispruziti kroz prozor, i svi plodovi strumički, valjevski pećanski, opjevani i bačeni prije 51-og dana, naći će svoj put do mog oca.
otac mrtav pijan a nismo ni blizu subotice, tako je uvijek bilo u povratku. ispod lavaboa lezi moj mrtvi otac, ja pijan gledam kukuruz i bačene flaše.
daj mi boze malo mjesta ispod lavaboa,
da legnem na osunčana ledja mog kratkog ljeta,
da gledam sapun odozdo,
bijeli sapun, moj posljednji oblak,
pecat JZ na njemu utisnut,
moje sunce
posljednje
bledi
Keibelstrasse 1985
ewiges polizeipräsidium
härte gegen punk
mein kopf auf der tischplatte
knackt zwei vorderzähne gleich mit
herabwürdigung öffentlich und paragraph 220 von den nazis.der schlag auf mein blutendes mundloch mit dem eingerollten
proletarier aller lönder vereint euch ND
bricht mir die unteren zähnchen
kann mir das sandmännchen bringen
draussen oder im schlaf
im schlaf mutter ist ein trampeltier und der
heiner müller steht an der tür
kein mann im fahrstuhl
den habn wir nicht altbau zweiter stock
aber die keibelstrasse nen
paternoster der schnelle schlag
auf die hoden links rechts
aufm weg in den dritten vierten stock
rechts links der genosse macht
schwarz die kinderhoden
vierzehn jahre ist man da noch kind
kleine hände sind so
kleine hände singt die frau mit den
fauligen Zähnen die bricht man mir
gerade im paternoster
finger streck die finger raus du sau
der genosse macht sichs leicht mit dem
befehl von ganz
oben mfs ss
selbstschuss und ein minenfeld damit
es uns hier gut gefällt,damit es uns hier
gut gefällt in unserem schönen staat
in unseren schönen staat
meine hoden schon schwarz und blau
von arbeiter und bauernhand
zeigefinger gebrochen und krumm bis
heute im neuen deutschland
kopf an die wand
jetzt fick ich dich
du sau sagt der genosse
schiebt mir den knüppel in den
arsch pretty vacant schrei ich nur
das blut auf alten naziholz
in der keibelstrasse holten die genossen
gerne die reichsknüppel aus dem
magazin warn grossdeutsch nicht so
materialtechnisch sparsam wie der
schkopauer gummi
mein helles rot ein langsames
fliessen mutterwärme auf beton
verlier mit vierzehn mein herzloch
an den vater staat wegen 220
öffentliche Herabwürdigung
alles im fluss über unter mir
mundloch strömt und arschloch
mit großen ach und weh
ich bin der struwwelpeter
in der keibelstrasse
habe keine mutter mehr noch vater
die seufzen nur biermann müller prag
bahro alternative und markuse
ich kleb mir die zähne und das
arschblut in das schulheft
sammle schmerzbienen
andre sammeln mein
geschlecht der steinharte lappen
zwischen meine dicken hoden
geschoben gottseidank ist das
blut noch da pumpt wärme
in den kalten lappen
für die hunde
wenn sie dich hetzen
sagt er mir ins kaputte
maul der genosse polizist
in der nacht als mutter vater
von biermann müller bahro
sprachen und träumten vom
dritten weg dem rotwein den schweren
lag ich in meinem
blut
und liege noch da
seit november
83 und sehe keinen
himmel und habe
löcher in der fresse
was kostet eigentlich ein implantat
-
RUMMELSBURG / SARAJEVO
-
TYRANNISCHER SOMMER/REGIEANWEISUNG ( nach und mit Heiner Müller, Ostberlin, GDR)
Ein Schauspieler
Eine Schauspielerin
spricht AJAX Text immer wieder erleidet Er oder Sie einen Herzinfarkt
einen Tod so dass der AJAX Text von einem folgendem Kollegen oder einer Kollegin zuende gedacht gespielt wird
das Krankenzimmer füllt sich
die kalten weissen Betten die Leiber
Blixa Bargeld spielt seine Melodien
Sechs Betten im kalten Weiß stehen nun in kalifornischer atomverseuchten Wüste death and destruction ohne detroit
Ein Clown eine Clownin sowjetisch die Uniform von 1941 ohne Rangabzeichen
versucht zum vierten Mal die Eröffnung der Wolokolamsker Chaussee zu sprechen der deutsche vor uns
der deutsche hinter uns
ACH NEE DIE SCHON WIEDER
OH NEE DER SCHON WIEDER
KOMM VERPISS DICH MIT DEINEN
PANZERN SOWJETS HITLER STALIN
das brüllen die
Männer und Frauen in sechs kalten weißen Betten in glänzenden Cowboyboots und weißen Totenhemden brüllen sie
AAHH WER WILL DENN SOWAS
RUSSENSCHEISS BOLSCHEWISTENDRECK
DIE SONDE BOHRT SICH IN MEINE HERZKAMMER NICHT DIE
DIE SOWJETMACHT
HELLT MEIN HERZ NICHT AUF
MEIN ABC IST MIT
30000 DOTIERT UND KLEIST KOTZT MIR AUFS JACKET FÜR DEN VERRAT
RUSSEN RAUS AUS FRANCKENBERG
SCHIESS MIT DER PANZERFAUST
DEN SOWJET AUS DEM T34
komm Blixa hör uff ich mach jetzt was mit Laibach
death and destruction oh
yeah sagt blixa nimmt mescalin
und tanzt im sand
californian sun
westberliner autumn
BERLIN ALEXANDERPLATZ
DIE GROSSE DEMONSTRATION
EIN MANN MIT PAPIER IN DER HAND
STEHT IM REGEN UND STOTTERT
UND LEIERT
THRAKISCHER SOMMER/KREBSSTATION
I
OSTBERLIN 1976
DIE NEUE WOHNUNG AM TIERPARK
ich starre auf den Bärenzwinger
leer die Seiten auf dem Arbeitstisch
Ich korrigiere den Bären und streiche mich dabei
die junge Regisseurin steht vor der Tür
dick ihr Bauch meiner ist flacher
DIE DEPRESSION
nicht schon wieder hör ich sie sagen
meine Herzbulgarin DER WEIN schlecht und billig
hör ich mich sagen
AB UND ZU LSD im Winter in OstBerlin im Sommer in Sofia
volkseigen beide und nur im weißen Rausch zu tragen er
auf schmalen Autorenschultern vor dem Akt
ICH LEGE EINE PLATTE AUF Lizenzdruck Jugoton
wish you were here now
leiert es über dem Bärenzwinger
Ostberlin lacht - DAS ist jetzt unser jugoslawischer Traum
die A Seite springt und leiert unsere Sätze auch
nur dabei GROSSGESCHRIEBEN
FICKZELLEN ÖFFNEN SICH ZUR NACHT
DAS FERNSEHEN DER DDR
DER BRD DER TÄGLICHE EKEL
UNSERE NACHTSONNE OHNE WÜRDE
ich sehe den Hängebauchschweinen beim kopulieren zu/
rieche nur ihre Scheisse /die Proben laufen schlecht
der Kommunismus läuft schlechter/ im Jahr 1976 mein
Doppelpunkt auf dem Dach, der Tierpark schweigt ich brülle:
ich will nicht mehr essen trinken atmen
eine Frau lieben/ Ich ziehe mich zurück in meine Eingeweide/
Ich nehme Platz in meiner Scheiße / meinem Blut/ Irgendwo werden Leiber zerbrochen, damit ich wohnen kann in meiner Scheiße / am Tierpark mit Bärenblick/die Firma fotografiert mich aus der Froschperspektive/ich verdächtige das Affengehege / Irgendwo werden Leiber geöffnet, damit ich allein sein kann mit meinem Blut/ Meine Gedanken sind Wunden in meinem Gehirn/Mein Gehirn ist eine Narbe/Ich will eine Maschine sein. Arme zu greifen Beine zu gehn kein Schmerz kein Gedanke.
II
Heil LSD
Heil Coca Cola
Ich bin nun die Rauschmaschine an Thrakischer Küste
Im Sommer 197…
sah ich in einem Garten in Bulgarien eine Katze eine Heuschrecke töten. Im Keller, der aus mehreren Räumen bestand, einer davon mit einem Tisch und Stühlen ausgestattet, ein kühler Aufenthalt im Sommer, stand ein Radio. Ich hatte LSD genommen und einen Sender mit arabischer Musik gefunden und das Gerät auf die volle Lautstärke eingestellt, da ich auf Nachbarn keine Rücksicht nehmen mußte: das Haus stand einsam zwischen Bergen. Die Katze lag auf der Treppe, die vom Keller zum oberen Teil des Gartens führte, und sonnte sich. Sie hatte die Heuschrecke nicht gesehn. Nachdem ich sie ihr gezeigt hatte, geschah lange Zeit nichts dann lief sie zwischen den Türpfosten hin und her, wimmernd und die Heuschrecke im Blick, mit kleinen Sprüngen wie Tanzschritte. Die Kinnbacken bebten, an den Barthaaren glänzte Speichel. Schließlich sprang sie, in zunehmend kürzeren Abständen, abwechselnd am linken und rechten 'Türpfosten hoch. Die Katze spielte mit ihr, vorsichtig und aufmerksam, die Krallen eingezogen. Zuerst versuchte die Heuschrecke noch zu springen. Die Katze bremste den Sprung mit einer Pfote, die Krallen immer noch eingezogen, so daß die Heuschrecke nur auf die nächste Treppenstufe zu liegen kam, wo die Katze das Spiel fortsetzte, indem sie das Insekt zunehmend schneller zwischen ihren Pfoten hin und her warf. Beim nächsten Sprung erreichte die Heuschrecke die nächste Stufe nicht mehr. Die Katze nahm sie vorsichtig ins Maul, trug sie zwei Stufen höher, legte sie ebenso vorsichtig ab, wartete geduldig, bis das halb betäubte Opfer sich wieder bewegte, biß der Heuschrecke ein halbes Sprungbein ab, einen Fühler, und gab sie wider frei. Daß ich mich neben sie hockte, um alles genau zu sehn, störte sie nicht. Ich dachte, selbst in einer Art von Trance durch die Drogen und die Musik der Wüste, die mir jetzt lauter vorkam, obwohl ich von dem Radio im Keller weiter entfernt war, an ein Buch aus meiner Kinderzeit, eine Nacherzählung der Nibelungensage, mein Held war Hagen von Tronje, der Verräter aus True
nicht der Traumtäter Siegfried
mit Illustrationen im Vierfarbendruck
der das Rot der Schwertwunden
besonders gut zur Geltung brachte.
II
Traum.
Ende.
Kein Wind.
Vom schwarzen Meer an bulgarischer Küste.
Warten auf nichts auf der Krebsstation BERLIN 1995
Ich kaue die Krankenkost, der Tod schmeckt durch
Nahrung geht DIE SPRACHE WENIGER die nimmt ihren Weg
in den Ausguss. Nach der Endoskopie / die Augen der Ärzte / sahen mein Grab offen, ich hörte die Schaufeln klirren, als ich ihre kalten Augen sah/ glücklicherweise keine Zahnärzte BEWARE OF THE DENTISTS sage ich
sie lachen DIE ONKOLOGEN
ich krächze nur bin der schwarze Rabe der Charité und
Ich will nicht mehr essen atmen undsoweiter
eine Frau lieben einen Mann ein Tier
in meinem Schädel Königreiche Universen
bin der trübe Rest im weißen Bett
der WELTREST da draußen wie ich an Schläuchen aufgehängt,
wird am Leben gehalten, will auch nicht mehr
kann nicht mehr
Ein Sack Chemie bin ich den Krebstod auf den Fersen
Giftwälder blühen, Landschaften in Orange
schlaflos die Nacht vom Tag nicht mehr zu unterscheiden
Die Schwester füttert mich schlecht tätowiert
MENSCHENBREI les ich blau gestochen auf dem dünnen Handrücken
BRING MIR DIE KOTSCHÜSSEL
krähe ich von meiner weissen Totenküste
kein Bla Bla mehr nur heiseres Rabenflüstern
mein Endspiel ohne Maske auf abwaschbaren PVC
Der Morgenhimmel BERLIN 95 verspricht einen schönen Tag
Die Welt ist beschrieben kein Platz mehr für Literatur
Wen reißt ein gelungener Endreim vom Barhocker
Das letzte Abenteuer ist der Tod
SOWJET.KRANKENSCHWESTER:
Heiner Müller wäre heute 94 geworden.
REGIEANWEISUNG MÜLLER 2
GINKA:
Der Dichter liegt im Dichterbett
Vielleicht sind es viele vielleicht auch die Dichter
Freunde mit Gitarre Akkordeon Koks und LSD
und der Blixa mit der Stahlstimme ohne Stahlhelm
Heine nannte es anders das Bett die Gruft des
Kapitals 1995 aber daran stirbt dieser Dichter nicht
am Syphilis Kapitalismus Tripper Soziamlimus (geht schnell vorüber)
es ist das böse woran er in und um sich
stirbt vergeht und geht auf den Lippen Whisky und Zigarren
die roten Fahnen fressen sich durch den Darm
sein Lehrstück nun der Krebs nennt ihn im Traum
Stalin Ullbricht Brecht Budapest Prag Thomas Wolf Inge
und das Tier dass frisst,nun ihn
Der Dichter spricht die Notiz 409
…
…
…
…
…
HEINER I-IV:
Der Himmel verspricht einen schönen Tag Er beginnt
Mit der Zeitungslektüre in der Hotelbar
Ein Überlebender beschreibt ein Blutbad
ICH LAG UNTER ICHWEISSNICHT WIEVIEL TOTEN
MIT ANGST DASS EINER LEBT UND BEWEGT SICH
ODER FÄNGT AN ZU SCHREIN ÜBER MIR SIE
SCHOSSEN
AUF ALLES WAS SICH REGTE ODER LAUT GAB GLÜCKLICHERWEISE WAREN ALLE TOT
Das Glück muß sich nach der Decke strecken
Leben weil alle tot sind ein Menschheitstraum
Leerzeit Ein Tag wirft mich dem andern zu
Man sollte Komödien schreiben
Leben in diesem trüben Menschenbrei
Mit glücklichen Idioten vor dem Bildschirm
Heute nacht im Traum war ich Aktäon
Ich wurde von sieben Frauen gejagt
Eine Schauspielerin führte sie an
Durch Wald und Feld wir zertraten die Blumen
Sie jagten mich mit einer Drahtschlinge
Ich belästigte einige Freunde mit Fragen
Nach meinem neuen Stück ICH BIN IRRITIERT
Sagte der höflichste Die andern schwiegen
Eine Frau fragte mich BRAUCHST DU DAS
Meine Antwort ICH STERBE HIER ALS WEISSGARDIST (zeigt auf Krankenhauskleidung)GESPENST AM TOTEN WEISSEN MANN
BIN DENIKIN UND KOLTSCHAK IM BEATHE UHSE MUSEUM
DIE ROTE REITERARMEE IST DAS BLUT DAS AUF PVC BODEN�AUS MEINEM DÜRREN HALS HINUNTERSTÜRMT
Ich (sieht übelgelaunte Krankenschwester an) auf mallorcabraune nervöse Hände der Klasse die einst die Zukunft trug und meine Kackschüssel
Auf KrankenschwesterSchultern tätowiert vom Kapital die Sätze des Studios Painfull Steel:
Die Morgenröte einer Nacht Die Nacht
Der Morgenröte Gott ist tot seine verwaisten Engel
Leihen ihre Flügel nicht mehr aus
Sein Skelett kreist im Weltraum
In der Hotelbar langweilt ein betrunkener Gast
Eine Serviererin sie hat dienstfrei und darf
An der Theke sitzen mit dem Krebstod seiner Frau
Dann unterhalten sie sich über Hunde
ICH MAG CHOWCHOWS sagt die Serviererin
WEIL SIE SO KLEIN SIND BITTE SEHR WO BLEIBT
MEIN DRINK schreit der Betrunkene I HATE DOGS
THEY TOOK MY TIME WHEN I LIVED WITH
MY WIFE
AND SHE'S DEAD NOW AND THE DOGS TOOK MY
TIME
Gestern habe ich Teorema gesehn
ICH BIN GESTORBEN FÜR DIESE GESELI.SCHAFT
Sagt der müde Kapitalist auf dem Bahnhofsstrich
Wie soll die Welt enden wenn das Geld müde wird
Der Strichjunge zieht sich schon auf dem Bahnsteig aus
Mitten unter den Reisenden ins Nichts
Die Welt ist beschrieben kein Platz mehr für Literatur
Wen reißt ein gelungener Endreim vom Barhocker
Das letzte Abenteuer ist der Tod
Ich werde wiederkommen außer mir
Ein Tag im Oktober im Regensturz
Eine sowjetische Sanitäterin spricht das Ende der WOLOKOLAMSKER CHAUSSEE. 1995 und 1941 feiern nun Hochzeit.
Der Krebs.
Der Krieg.
Verloren.
Vergessen.
Kein Morgen
mehr.
SOWJETISCHE SANITÄTERIN
Wir lagen
Moskau
vor uns der Deutsche
hinter uns der Deutsche
Ein schwerer roter Vorhang fällt,Theatertod,Theaterleben
dann wird alles vorbei sein.
und die toten bleiben tot.
und die lebenden müssen leben.
mit den tötenden,leben
meist ärmer als zuvor.
kinder unter fremden sternen geboren.
servieren flink oder liefern unter tarif.
die verdächtigen ließ man laufen.
oder sie kauften sich frei.
oder man kauft wieder ihr blutöl.
das teure gas.was schert konjunktur moral.
moralisch degustieren,prozesse kommentieren.
postbellizistiscg bellen seite fünf.
neuer asphalt mit fördergeldern,das massengrab zwanzig meter daneben.
man vergisst schnell,wo man nicht erlebt.
man vergisst nie,wo man überlebt.
hat.
die einen werden haben wie zuvor,die anderen hatten dann nur noch.
weniger in allem.
haben (wenig)
und
sein (weniger)
EIN DICHTER ODER ICH
liege nur da,sabbere auf grau, welt erkannt und augenblei
ich schlafe sabbere zu leben und schicksal, grossmann mein
sandmännchen vielleicht platonow am morgen, heiss der tee
die roten dächer der fernen stadt. möchte lieber kleiner buchstabe
sein auf seite dreihundertzehn
als da
draussen
sein
verschenkte worte
schreiben ins nichts
kalt steh ich da
einen halben meter
neben meinem alten
satz
bau
mein
tage
lohn wortsuche
ersticke an der pointe
oder hänge meine
traurige fresse
am garderobenhaken
auf
wenigstes
ein drama
ich liege auf dem rücken die nacht hat mein gesicht gefressen
liege da und mir ist kalt kalt kalt
im schwarzen wald fresse meine angst
mit den kiefernadeln GRANICA GRANICA
die zelle ist leer, meine zeichen stumm
habe zuviel telefoniert
mein unterkühltes sterben
wird ein einsames sein, matsch die
erde,brei wie zum füttern
seh noch große kinderaugen
sterbe hier unter dem kalten mond
pssst POLICJA GRANICA
im dunklen wald
schluck die angst
policja
erfriere
im nassen
grass
leben
fress ich
kurwa
dahinten schiessen sie
und schreien von freiheit
mir ist’s egal
faule unter wolhynischen gras
unter mir noch andre
knochenmieter in kalterde
ein dutzend
1944
2020
verdammte scheisse alle sind so scheiss aggressiv sie dürfen hier nicht lang ja da ist die onkologie HASS TÄTOWIERT AUF DEN FINGERKNOCHEN alle schreien auf mich an du sie da spast setzen sie die maske auf meine fresse bin ich müde
werde alle fünf minuten angeschrien
schrei zurück dumme dumme sau
blöde votze ohne maske kommen
sie nicht an mir vorbei
bin der höllenhund belle schlechtbezahlt
im klinikum
HASS BLEICHBLAU TÄTOWIERT
AUF DEN FINGERKNOCHEN
der fährmann in zu großem
anzug der anspruch von securitas
miteingenäht in den billigstoff
halt die fresse du votze
mit deiner buntgenähten kratzwolleskepsis
wenigsten still muss es sein
das sterben
das sterben
das dich blöde sau nicht interessiert
kenn deinen laden in der fussgängerzone
piss ihn an
wenn ich aus meinem totenhaus
nach hause
geh
ich liege auf meinen rücken
die nacht hat mein gesicht gefressen
liege da und mir ist
kalt
kalt
kalt
kurwa
Auf einem Berg oberhalb von Belgrad kotzte ich mir die Seele aus dem Leib mit Blick aufs Meer, das unsichtbare weit weg und neben mir der Panzer sowjetischer Bauart olivgrün, mit ihm segle ich an das Panonische Meer, Morgen früh,irgendwann um 5.10h das rote Sonnenlicht, wie immer im Juli über der Stadt und
furchtbar kalt
heißer Panzerwagen
dreißig Sommer
manchmal immer
weiß nicht
genau
um 5.11h
übergebe ich mich
einfach nur so Vormittags ein bis zweimal
Neundreussig Elfzehn zwanzigzweizwei, einundneunzig
die Uhr mein Henker
das Ticken mein täglicher Tod
oder ich mache das Licht aus und muss
drei Stunden am Stück
weinen
Manchmal ist meine Kopfhaut oder die
ganz zarte unter dem Kinn
die wo man sie wissen ja
wo’s schnell geht aber pladdert
zu lautes Geräusch
wie das ticken der Uhr
das tägliche Gesicht
wie Stein und hart und doch weich genug
dann nehme ich Zigarette oder Weinöffner
oder frisch gebrühten Kaffee oder Teewasser
und schütte drauf steche hinein brenne
spüre versuche es
mein dunkles Leben
Manchmal gehe ich
und atme
und esse
ganz langsam
ganz vorsichtig
oder zu hastig
oder zu schnell
berühre wundes Leben
nur mit Fussspitzen und mit Zunge
Sie rühren den Asphalt
nur ganz leicht ganz schwach an
ich traurig wie die Tage Nächte
Monate Jahre
nicht auf Chios oder Hiddensee
ersticke langsam
am langsamen essen
lege mich auf den Ashphalt
müde mit Lust auf den einmaligen Verkehr
einmal drüberfahren
manchmal tun die Augen weh und man
reibt an ihnen wie an der Zündholzschachtel
manchmal sind’s nur die Augen
möcht sie zerschneiden
tun weh obwohl sie weder gelesen noch gearbeitet hätten
das auch noch
zuviel ist zuviel
Halts Maul
Mischa,Mischa fährt unseren Panzerwagen und redet ununterbrochen seit unserer Abfahrt aus Belgrad um 5.30h.
Es ist heiß im Panzerwagen im Juli 1991 und wir segeln an das Panonische Meer, das Schild sagt Zagreb und ich weine seid Stunden,
habe nicht aufgehört.
-
Busfahrt ( geschichten vom unterwegssein)
zwei roma jungs in der letzten reihe
beiden fehlte ein bein. dem einen das linke,dem anderen das rechte. als gehhilfe benutzen sie tschechoslowakische eishockeyschläger.
in der mitte sitz 35 sass eine etwa sechszigjährige frau.sie weinte ununterbrochen erzählte jedoch den sitzen 36 38 und 39 die nur stumm nickten,sie hätte eine stauballergie und die busse wären doch immer schmutzig, warum für sie bei ihren busfahrten eigentlich immer nur heulte.als wir in den bergen durch leere dörfer fuhren weinte sie nicht mehr, in einem dieser leeren russschwarzen dörfer stieg sie aus, ein roter golf eins wartete auf sie.das dinara gebirge lag im nebel. oder rauch.
ganz vorne saß ein etwa fünfundfünfzigjähriger mann, ihm fehlten beide arme, die prothesen hat er auf den sitz 8 abgelegt, sie glänzten ihn der sonne, sahen die gelben felder slawoniens, die karpfenreiche in podrinien, zwei unbesiegbare stahlschwerter von ivanhoe, leuchtend
der turniersieg an einem wolkenlosen augusttag und der armlose mann lachte gerne und laut, erzählte, dass er immer den nachbarsitz für seine zwei prothesen für den vollpreis kaufe.
er lehne mitleid ab.
an einer raststätte hielt ich eine caprisonne in der hand und der mann ohne arme trank mit einem strohhalm unter vielen entschuldigungen (tut mir leid,manchmal vergesse ich meine arme,bin froh,dass sie mal nicht scheuern) den saft hastig aus. ich dachte nur daran, dass er vielleicht auf mich geschossen hat vor jahren. er hatte einen slawonischen dialekt, so sprach man dort, wo ich nicht sein wollte, vor über dreissig jahren im schützenloch inmitten eines gelben feldes gegenüber der armlose, damals hatte er noch beide,beide waren wir 24.
auf dem sitz 24 sass ein älterer mann.
er hört seit der abfahrt haustor (auf deutsch hauseingang) eine new wave band aus zagreb, alle alben natürlich, denn die fahrt an das meer dauert 12 stunden und er singt seid sie die grenze passiert haben mit, leise natürlich, um nicht die weinende frau zu stören, den lachenden armlosen invaliden, die roma jungs mit den tschechoslowakischen eishockeyschlögern und die restlichen passagiere, die in dieser geschichte nur schwitzende körper sind und die körper bewegen ihre köpfe zu dem haustorsong, wie er. sie springen von der mole, beim entauchen verlieren sie ihre ausgeleierten speedo badehosen,kurz sieht man zuviel
und sie schämen sich vor den mädchen,
sie liegen nackt unter sternen, trinken billigen rotwein und hoffen, dass der mond die brüste der mädchen schönscheinen lässt, während sich alle routiniert über das neueste dreifachalbum von clash unterhalten. nur tanja nicht, die hört nur jacques brel. und die körper weinen und zittern drei tage in der leeren panzerhalle die nach diesel, schmieröl und lavendel riecht. sie greifen in den brustkorb, das loch so gross wie eine melone, sie singen immer leise während sie in bussen fahren, der mund voll schwarzer erde, damit sie nicht schreien, wie einst im sommer der angst. der bus singt, die körper singen haustor:
Unter all diesen Fahnen
Die überall um uns herum wehen
Da gibt es keinen Ort
An dem wir stehen könnten
Unsere Hände in die Höhe recken
Und unsere Lieder singen
Und unsere Lieder singen
sie singen und ihre haut riecht nach sommer und rauch, ich sitze immer auf dem sitz 24, denn an dem tag wurde ich geboren und an dem tag zog ich in den krieg und das radio vorne neben dem
verschwitzten busfahrer spielt andere lieder, die vom siegen und adlern. ihre lieder in den bussen die hymne unseres
schweigens.
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maternji jezik / muttersprache
maternji jezik/muttersprache I
godine 44te ispred jedne popaljene kuće stoje njih dvoje,ponosni na pobedu,u punoj ratnoj spremi, garavi od pozara,kragujevcanka visi
sa njenog opasača, njegova je raznela u ranu zoru jedan ustaški bunker iznad vrbasa. stoje i gledaju u objektiv,
pobeda njihova ostat će upamćena na foto papiru i iste noći će voditi ljubav u jednoj povećoj štali na prilazima oslobodjenog grada. grad se zvao banja luka i nemci i ustaše će se vratiti nakon par nedelja, ali te noći 44te njih dvoje vodit će ljubav i započinje zivot moje mame. moja mama to više ne pamti, ona lezi u domu i zaboravlja sve, svoj zivot i onaj veći iznad nje. ja sedim kraj nje, i kragujevcanka visi da mog opasača.
sutra ću razneti jedan bunker, gledat ću vrbas i grad garavi. danas hranim mamu zaboravnu sitnim rezancima. padaju gradovi pored reka.ne znam njihova imena, kao što moja mama više ne
zna moje.
maternji jezik II/muttersprache II
jugopetrolova cisterna,rdja ispod zuto crvenog.jedan maslinjak u oktobru.
vojna torba pod krevetom, trava u celofanu. voz pun straha. popodnevno sunce. plinske boce,naslagana narandzasta piramida i miris blizog mora. odvaljeni prozori,kuce bez očiju.tovar ide sporo ukrug,ogroman malj se pokreće, melje…gledaj nebo sine, plavo iznad svetlosivog. čaure padaju na stari krivi kamen. tišina u tri i četiri, sunce na golim ledjima. most pod kišom moj pogled pun straha. golovi u moru potonuli kraj trafo stanice. mermer hladan pored crkve, čempresi. čempres u rakovici,krivudava baraka tuzni stanari strašnog grada, neki grbavi velemajstor pun tuge voli da priča. pištolj medju peškirima,hodaj hodaj
stara pesma u nepoznatoj ulici. sediš u autobusu nekud odnekud. jesen u grudima. rupa ko longplejka
mozda i dupli album.
mama dementna moja ljubav
ja ti pričam svoje
da ne izbledi kao tvoje
mi smo deca rata
bar nešto
srodno
MUTTERSPRACHE IV / MATERNJI JEZIK IV
ich räume die wohnung / praznim stan
sie wird immer leerer / sve je prazniji
leer von mutter
leer von vater
leer von gelebten
leer von gedachten
und finde meine erste fibel
erstes lesen und schreiben
von majkica (oma) beigebracht
in beograd in berlin weitergemacht
allein mit tsch tch dj
die andre oma war deutsch und national
die mutter
der vater
hatten zuviel um die ohren
sozialismus und kunst
die vollen zimmer sind nun
leer
ps::
ich fange wieder mit A an
počinjem iznova sa a
a kao avijon
a kao auto
a
maternji jezik/muttersprache V
heiligabend
nein ich bleibe lieber hier
sagt sie liegt im stahlbett
hoch über den bäumen
lieber hier lieber
ich lese vor
von römern
von müttern
vätern und hirten
von bethlehem und sternen
und gott und sehe sie dünn
nur halb von dieser welt
im bett liegen und erhoffe mir
ein wunder im pflegeheim
aber es geschieht nicht
sie liegt an heiligabend auf
dem stahlbett und meine
tränen fallen auf vier bunten
von der leitung ausgewählten
fotokopierten bibelseiten
die geburt jesu die ich stockend
lese zittere heule sie hört zu
vom wunder der geburt
von den sternen über
dem dachlosen stall
ich gehe
kein wunder
in der nacht
maternji jezik VI/muttersprache VI
pitaju me kako bi htela da budeš sahranjena
još si ziva i voliš slatko
i misliś da sam ti brat voljeni
ne onaj nevoljeni rodjeni
pored kreveta sedi broji sate
ja samo kazem kremacija
zbog materijalnog stanja
oprosti
besparicu
pepeo i prah
-
Wien – Belgrad (beč – beograd )
I
kaltes halogen über dem kopf.
im keller der stadt,unter der autobahn
den betonpfeilern liegt die nach urin stinkende busbahnhof.die schiffe verrostet und schlammbespritzt, meist blau, auf saurer alter pisse nach timesoara sarajevo beograd skopje.
sie haben die schiefen,krummen, zu kleinen,zu dicken,zu unglücklichen,
zu dunklen,zugestochene unglücksvögel, blassblau
der adler
der panzer
das gebutsjahr des sohnes
die vulva der penis
steaua partizan bosna
an deck oben und unten
direkt neben dem
chemischen klo
II
ich fahre,im rücken die weisse stadt
hinter glas das öl
an einer strassenecke
steh ich mit koffern
nach belgrad nachbelgrad
in den nächten träumte
ich mich angstgejagt als prometheus
zahnlos der bauch bukolisch
rauchlos mein feuer
keine wärme kein licht
die städte zertrümmert
betonmehl am dnepr
sagt mir der bunte bildschirm
ich mache in öl meine
ängste tragen andere namen
nur in der nacht gehör ich
welt der krumme finger auf
dem frontverlauf
III
ankunft
kaltes herz
grau das antlitz
dass nie weiß
war
IV
an der rezeption der mann im himmelblauen nike trainingsanzug
es ist halb vier morgens
er ist munter und freundlich und
erinnert an die belgrader heroindealer
der achtziger (alle von geheimdienst )
und prometheus brachte uns das
feuer und wir verbrannten
treba mi svet otvoren za poglede
(sang die band wir fielen)
die nutte im abgewetzten
braunen ledersessel gegenüber von dem nikemann ist eingeschlafen
ruhe an der geschlechterfront
ich rieche sie
lauwarm säuerlich ich
werde sie nicht besteigen
im foyer um halb vier
der nikemann wird nicht lächelnd
dabei zusehen und keine tür wird aufgehen beim eindringen
kein auftritt von geraldine chaplin
aus der fahrstuhltür
sie wird mir nicht ihr traurigstes
(von zweitausend traurigen gesichtern ) zeigen denn ich
schlafe im rücken die weiße stadt
die eine graue ist
V
der pope bekreuzigt sein rührei mit würstchen und schlingt ohne blick für die welt,fleisch und ei verklebt das bärtige gesicht. er sieht die hände nicht,die seinen augiasstallteller wegräumen.sie gehören einem schmalen bleichen mädchen mit grossen augen in hoteluniform.
sie trägt die teller,die tassen,gläser voller hingabe,übt sich im leben und stolpert kurz vor der küchentür,ihr sturz war angekündigt,die geliehenen highheels waren zwei nummern zu gross und das rührei mit fetakäse,tomaten und wurstresten,vom schmatzenden popen zu einem brei zermalen flog gegen die küchentür.keiner bemerkte es,befand sich die tür doch am äussersten rand des frühstückssaals.
das mädchen mit den grossen augen weinte,es schien als würde sie von umfallen,sie schwankte in ihren riesigen higheels. der pope schmatzte.eine fette blondierte ließ sich kaffee von einem kleinen devoten jungen mit abgeschnittener fingerkuppe servieren,grunzte
“mehr mehr”
der kahlköpfige slowenische it spezialist ass müsli und sah sich einen porno dabei an. der chef des saals korrigierte die fliege eines 2.06m (ich habe ihn gefragt) grossen azubis und musste sich nicht strecken,denn er war fast gleich gross. das mödchen stand am ende des saals und weinte, niemand kam, niemand half,nur ich sah sie an, ihre scham, das verschwinden. ihre schuhe waren zwei nummern zu gross für ihre kleinen füsse,ihrer vorgängerin waren sie zu klein,manch einer passten sie, anfang der neunziger vielleicht, als in diesem hotel warlords ihre regrutierungsbüros
im grossen hotelfoyer unterhielten.
zeitweise waren es drei milizen, die unter dem art deco luster für volk und vaterland mobilisierten.
der pope verließ grusslos den saal.
sein rührei würstchen brei klebte an der küchentür, hinter der ein mädchen mit zu grossen augen und schuhen
angeschrien wurde.
VI
ich krieche herum in den trümmern. einer stadt die einmal war, sich bunt geschminkt hat, grell die lipoen, die fenster schief,krumm dreifarbig zerfetzte fahnen auf grauen gebäuden,die schuld hat sie wohl gefresseh,jede fassade angenagt,vor die tûr geschissen,jede fläche beschmiert,die sprache der vorstadt,der felder und ställe hör ich an jeder strassenecke,genauso zerfetzt auf halbmast wie die kleine fahne, smogzerfressen wie die aufgespritzten lippen der sechszehnjährigeh.ich laufe durch eine stadt,die ihr gesicht verloren hat vor 30 jahren.schuld macht krumm und hässlich.hochmut dröhnt durch die stadt,alle brüllen sich an,taub für zweifel. der lehm klebt an füssen.man hinkt und wankt,lässig der gang über schiefe strassen. drunter wächst der tod.ich wünsch mir,sie würden ihre fresse halten,die lauten die wissen wie es geht.ich wünsch mir die würden die fresse halten,die vaterland brüllen, deren ministerkonten sich füllen, aber deren fahnen aussehen als hätten sie drauf geschissen.ich wünschte sie würden die fresse halten,die vom krieg brüllen, den führen die stimmlosen, ohne geld und erbe, die ungefragten,die ohnmächtigen.
ich wünsch mir den stern zurück in die falschen fahnen.die korrektur des hässlichen.oca vam jebem.i mater.
(Beograd,Januar 2023)
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Über Krieg (und Arbeit)
1941 1967 August in der serbischen stadt kragujevac wurden 1941 von der wehrmacht sechstausend geiseln erschossen alles von 12 jahren bis 80 jahren leben die professoren und ihre klassen hand und hand loch um loch in brust kopf arm bein erschossen fast alle gymnasiasten der stadt ca. 800 waren es wohl die deutsche arithmetik verlangte 100 tote geiseln für einen toten deutschen herrengleichung rechenschieber kies und kalk in dem kleinen wäldchen patronengurte leergeschossen das mg luftgekühlt trockenes knacken der walter habe nun ach ins genick gesprochen deutschstunde auf südöstlichen diwan und natürlich spielte ein roma orchester dazu besonders beliebt war die ode an…das orchester erschoss man zuletzt mit spaten klopfte man sie in die übervolle grube am waldrand mein vater war der erste deutsche der nach dem massaker von 1941 der im jahr 1967 die stadt betreten durfte es war deutschen verboten kragujevac zu betreten als der berühmteste dichter der stadt kragujevac den jungen deutschen regisseur in seine stadt einlud wurde das verbot aufgehoben und der junge deutsche musste in jeder kneipe der stadt mit jedem trinken denn dass war so sitte ein toter ein schnaps pflaume birne für dessen seele ruhe frieden und er trank mit den grossvätern den vätern und brüdern sieben tage sieben nächte und der dichter zeigte ihm die stadt die lebenden die toten und sie sagten ihm lachten weinten trink guter deutscher auf unsere kinder enkel söhne hast eine gute seele dass erzählen deine augen deine tränen und der junge marx in deiner manteltasche guter deutscher ein jahr später wurde das schild vor der stadt abgebaut eine vw delegation aus wolfsburg war zu besuch im motorenwerk zastava kragujevac 1991 Juli ratschläge eines unteroffiziers der ersten gardedivision an einen jungen mann, der nur noch zittern kann: leicht schreien viele alle in den krieg, raten zu, mein rat wenn du angst hast pisst du dir in die hose ein tarnmuster mehr sagt dann jemand und einige lachen wenn du angst hast schnallst du den stahlhelm so fest an das kinn, dass du fast erstickst, viel reden willst du sowieso nicht saša wenn du angst hast schneidest du dir in die hand die schiessen soll, in das knie das stürmen soll, den bauch denn in ihm lebt die angst wenn du angst hast gräbst du dein schützenloch so tief, dass du nur noch den himmel NEBO PLAVO JE (ein lied geht los, ein tanz in der ebene den himmel sehen und die wurzeln einer platane die donau still und ) NEBO PLAVO JE wenn du angst hast zittern deine hände deine oberschenkel und du machst musik mit deinen knochen wenn du angst hast willst du den fetten major im schlaf erschiessen und dann durch die puszta rennen bis du sie überholt hast wenn du angst hast schießt du hoffentlich vorbei die angst bleibt unter der haut ist ER / ICH SCHIESST IN DEN JUNIHIMMEL M70 EINZELFEUER, SIEHT KURZ IAN CURTIS, EIN KLAPPFAHRRAD EIN KIND EINE MUTTER OHNE VATER DER TRINKT WEGEN PRAG DEN PANZERN DEM SOZIALISMUS KEINE ALTERNATIVE EIN JUNGE SCHIESST UND SCHNEIDET SICH IN DAS EIGENE,DIE ANGST NUN EINE EBENE. DIE FELDER SCHWARZ. A NEBO PLAVO JE. Arbeit I Swobodas.Video Deletovac oder… Junger Mann wird erschossen Lifecam. Im Innern des Tankwagens vielleicht ein Leichenberg Alte Platte leiert Cream ein kopfloses Reh verblutet am Proscenium …jmd mit Rehkopf anstelle Menschkopf ein gelber tankwagen ein verrostetes verkehrsschild ein flipperautomat im burggraben ein gelbes haus gegenüber ein zoo aufgetürmte propanglasflaschen eine eiernde langspielplatte das sitzen auf einer betontreppe das speed auf der platte das küssen im fahrstuhl ohne licht seit acht jahren der geruch nach leder im laden ohne schuhe die stadt abgebrannt dunkelgrün der bus auf den gelenken tanzen sommernacht die fahrt ohne halt am ort vorbeifahren der schmerz ein leben lang wo finde ich mich wieder mottenkugeln in sarajevo mein cousin verschwunden in bergen 2022 Winter sprachlos und mutlos vor dem brand,dem sengen und versinken halt den kopf unter wasser,eiswasser wohl vom pol der kot und der dreck frisst mich an endmoränen und sandigen ufern glotze nur noch blöd die welt an stummoperiert überlebt den einen meinen krieg fresse schon den neuen weich die hand hat schon vor dem kopf aufgegeben das kluges kind was einmal brannte brennt immermehr tag wie nacht zu trocken übersäuert unsere böden fressen uns nun selber kopfabwärts die städte brennen ihr gestank in unseren wohnzimmern da hilft nur dufttanne oder die klinge dreierblatt im angebot mit gilette endlich zur kontur schneid mir damit gleich augen weg alter käse hinter der linse gagarin ist tot ich will ihn nicht mehr sehen weltall erde mensch seine sterne und flüge die lautlosen die alles konnten die mit dem besseren morgen Arbeit II BAKU 1920 eine kalkgrube neben einer raffinerie. das kaspische meer, ein amerikanischer sergeant spielt ragtime auf einem klavier in einem ab fahrenden panzerzug.zwei unbeteiligte schauspieler sehen sich eine serie an und in wien treffen sich sie spielen nicht mehr mit die Aktionäre der mittelösterreichischen r erdölgeselkschsft auftritt tomow und tomowa zu ragtime. TOM(OW) ein erdölfeld bei baku die revolution braucht das öl die tanks und panzerwagen fressen benzin/auf dem weg zur sowjetmacht/von tomsk bis liverpool/und kalk frisst knochen fleisch weiß 1200 frauen männer kinderknochen/kollateralfrass der seals and marines ein tag vor dem rückzug /mit yuppiayeh/ denn denn denn/apschihaaa nies nies/hab ne nafta allergie/nafta petrolio öl oil/ BENZIN tanks und amerikanische britische marines haben die raffinerien von baku gesprengt/ihre kommandeure im frieden direktoren directors bei BP und Texaco / kalte blicke zahlen/ haben sich die förderrechte bis 1962 gesichert und den aseris FREEDOM AND DEMOCRACY glasperlen um hälse gelegt/ vickers gatlin mauser und zwei drei oligarchen FAMILYS sichern ewigen fluss/schwarz das gold/schwarz das kaspische meer TSCHUMALOW halte die fresse alle meine texte wurden tausendmal gesagt mit und ohne brüche schulabhängig brecht konstantin TOM(OW) sorry leute streamtime ich hab noch keine folge von house of dragons verpasst danach folgt bunkerbauten am atlantik TSCHUMALOW genosse- worum geht es denn da LJUDMILA … (mund zugenäht von weissen kosaken) TOM(OW) ich übersetz die mal sie erzählt sehr liebevoll und mit hingabe detailreich und engagiert den genosse der zerstörten raffinerie von Sovkomneft etwas über HOUSE OF DRAGONS sie vergessen ihren hunger den kriegskommunismus und die revolution nur ein mädchen stopft ein loch in der pipeline in der bucht von baku 1920 1991 Juli In einer langen Panzerkolonne verließen wir Belgrad. Die roten Sterne auf den Stahlhelmen mussten wie auf Befehl mit unseren Bajonetten am Vorabend abschaben. Ich brauchte 10 Minuten um meinen Stern abzukratzen und heulte bis ich in meinen Schützenpanzer einstieg, wir fuhren los, vier Stunden später. Sechsuhr und vier Minuten. Ich liege in einem Schlammloch. Irgendein Dorf. Ohne Namen. Leuchtspur. Vom irgendeinen anderen Dorf abgefeuert. Ich liege im Schlamm. Das Loch füllt sich mit mir. Warm. Juli Neunzehnhunderteinundneunzig Leuchtspur PANZERFAHRER Ich sitze im Stahl der Helm drückt kalt im Nacken durch das schwarze Panzerloch glotzt meine Angstfresse BORN TO KILL über den Sternschatten geschmiert auf eine nicht meine slawonische Bukolische Landschaft eintönig der Frieden der Kühe das Gedächtnis der Toten hinter Ilok begraben Unter dem Kitsch der Monumente den gefallenen Helden unseres Partisanenkampfes liege ich im Erbrochenen, jemand sprüht ein Hakenkreuz auf Sichel und verschwundenen den herausgerissenen Stern das schlechte Gewissen auf der Autobahn zwischen Zagreb und Belgrad Asphalt das Massengrab rauch du (ich spreche seit vier tagen fremd mit mir) du liegst im eignen blut slawonischen schlamm lippen zerbissen im schweren traum hörst sie pfeifen die kugeln zu stiller forst bei fehrbellin slawonischer staub die haut wie erde fest stich ohne schmerz du riechst verbrannte milch auf dem kinderspielplatz neben der kirche kalt der stein kalt die haut siehst einmal die sterne im juli einundneunzig mein freund branko fault im schützenloch erkannt am kiefer der rest ist erde verklebt mit blut geronnene erinnerung mein bahnhof unüberdachtes glück vor jahren in den nächten fahre ich am tage zähle ich die stunden bis zur nacht nummerierte knochen und halogensonnen an der grube neben der donau europäischer strom im traum zähle ich die silbernen fernsehtürme in der puszta noch lacht mein vater ohne krebs in der blauen tüte knochensplitter und ein panninibild von gattuso laut bericht des experten wir öffnen die panzerluke hundert köpfe glotzen in die tote puszta das lied von tito von unserer heimat leuchtet im staub neben der donau europäisch unter der schwarzen erde versteckt und kalkweiss knochen und kiefer lieg ich seit neunzehneinundneunzig im sommer besuche ich immer die meinen ankunft ungewiss rede mit meinen geistern bin selber einer Arbeit III REGIEANWEISUNG Ein Schauspieler Eine Schauspielerin spricht AJAX Text immer wieder erleidet Er oder Sie einen Herzinfarkt einen Tod so dass der AJAX Text von einem folgendem Kollegen oder einer Kollegin zuende gedacht gespielt wird das Krankenzimmer füllt sich die kalten weissen Betten die Leiber Blixa Bargeld spielt seine Melodien Sechs Betten im kalten Weiß stehen nun in kalifornischer atomverseuchten Wüste death and destruction ohne detroit Ein Clown eine Clownin versucht zum vierten Mal die Eröffnung der Wolokolamsker Chaussee zu sprechen ACH NEE DIE SCHON WIEDER OH NEE DER SCHON WIEDER KOMM VERPISS DICH MIT DEINEN PANZERN SOWJETS HITLER STALIN das brüllen die Männer und Frauen in sechs kalten weißen Betten in glänzenden Cowboyboots und weißen Totenhemden brüllen sie AAHH WER WILL DENN SOWAS BOLSCHEWISTENDRECK DIE SONDE ( KREBS ACH NEE) BOHRT SICH IN MEINE HERZKAMMER NICHT DIE DIE SOWJETMACHT HELLT MEIN HERZ NICHT AUF MEIN ABC IST MIT 30000 DOTIERT UND KLEIST KOTZT MIR AUFS JACKET FÜR DEN VERRAT RUSSEN RAUS AUS FRANCKENBERG SCHIESS MIT DER PANZERFAUST DEN SOWJET AUS DEM T34 komm Blixa hör uff ich mach jetzt was mit Laibach death and destruction oh yeah sagt blixa nimmt mescalin und tanzt im sand californian sun westberlin autumn BERLIN ALEXANDERPLATZ DIE GROSSE DEMONSTRATION EIN MANN MIT PAPIER IN DER HAND STEHT IM REGEN UND STOTTERT UND LEIERT KOT INS GESICHT GESCHMIERT VON DER ARBEITERKLASSE MÜLLER die gründung von gewerkschaften… 1991 Im Juli ich wurde an einem scharfschützengewehr ausgebildet. ich habe gelernt mit zwei systemen von panzerabwehrraketen umzugehen. ich habe habe gelernt antipersonen sowie antipanzerminen zu legen. ich habe den umgang mit dem M70, der skorpionmpi,der makarow pistole dem PAP 66, der gewehrgranate M60 AT sowie antipersonenhandgranate geübt. ich habe ein jahr lang, nach ende meiner armeezeit in der jugoslawischen armee jede nacht alpträume gehabt. ich habe geträumt, geheult, geschwitzt gezittert…ich müsste in den krieg 1991 musste ich in den krieg ich wurde ich zwangsmobilisiert ich träume ihn bis heute ich verstehe nicht wie leicht man von krieg reden kann er ist kaum zu tragen er frisst ein leben lang ewig sein schatten bin an ihn gekettet 4.40 früh morgen drei muskuläse miltärpolizisten stehen in meinem zimmer. ich liege im bett und starre auf ihre uniformen. einer schlägt mir mit der faust in gesicht steh auf du schwuchtel,zieh dich an das vaterland braucht dich arschloch. sie lachen, ich spucke blut auf mein kopfkissen. 4.45 früh meine oma weint. du musst unsere heimat gegen die faschisten verteidigen. sagt sie, damit wir nicht umsonst gekämpft haben gestorben ermordet worden sind. sie hat die drei militörpolizisten in unsere wohnung geholt. sie haben beim nachbar geklingelt,der hat einen sohn in meinem alter,der sich auch seit wochen versteckt. der nachbar hat die militärpolizisten nicht in die wohnung gelassen, dafür tat es meine oma. ja. mein enkel ist da. er schläft. 4.47 früh ich stehe mit den drei militärpolizisten im fahrstuhl. wie fahren vom 10ten stock nach unten. mein blut spritzt auf die angekokelten knöpfe von etage vier und fünf. zwei schlagen mich,der dritte geht eine liste mit namen durch. 4.51 früh ich sitze in einem mit schwarzer folie abgeklebten reisebus des belgrader busunternehmens DIE MÖWE. ich bin nicht der einzige,ein dutzend junger männer in pyjameas iggy pop tshirt oder lacoste polo oder nur in schlüpfern sitzen traurige inseln auf braunen sesseln, mit geschwollenen gesichtern,dicken lippen und abgeknickten nasen,ich setze mich auf den sitz 22 gerade zahl wegen dem glück das radio spielt. teške se kise spremaju nad gradom munje sijevaju uzalud pitaš ko ide budaline u planine pustahije kroz kapije pogasi sve tek je počelo 5.00 früh. die zeit in der kriege beginnen
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miniatur
heiß der stein,lag lange in der sonne,sah dass graue torpedoboot
langsam die bucht durchqueren.
ich drücke die zigarette auf einem braunen felsen aus,auf seinen alpinen spitzen bilden sich salzkristalle. später suchte ich ausgedrückte 100er zigarettenfilter unter salzfelsen wie alte schatten.
ich tanze gerne vier und mehr stunden.
küssen,zeit anhalten.zeitmass ovids.
die munition geht aus.der prösident ist lobbyist. der süden global verarmt führt kriege,die sind älter als ich
die platte war warm wie der stein in der bucht,der italienische bunker dahinter roch nach menschenkot
drei oder vier mal schlug der mit dem aschenbecher auf meinen kopf bis ein stuhl auf seinem kopf zerbrach.
er wurde später general eines neuen staates.
träume einen gelben tankwagen von ina, der in einem olivenhain seit jahren verrostet,nicht weit davon verrostet auch das verkehrsschild mit dem schwarzen punkt,wie bei robert louis stevenson.heimat,träum ich,denk ich.
das ruhige meer. um vier. die träge sonne. aussenbordmotoren. tagwerk.
bocciakugeln wurden aus holz geschnitzt.die auf dem platz liegenden sind 300 jahre alt,haben den inselwald aufgefresen. die halbe insel lag auf dem bocciaplatz,der sand glänzt,es sind salzkristalle vom
meer in wurfreichweite
der gelbe turm der pepsikisten des restaurants neben der küstentrasse war meine lebensuhr,mit jedem jahr verschwand ein buchstabe….bis zum a.
drop the bomb.drone bombing.use l2 and r2. you are dead. lese kriegstagebücher,mein dreieck,mein kreis.
womit wird die entfernung gemessen bei einem 122mm minenwerfer.
wenn der himmel bewölkt ist,die nässe in der luft,der holzige herbstwald an der havelquelle.ein schuh im gebüsch.
seh den himmel.der zug fährt durch die schwarzen berge.die tür klappert,jemand uriniert in die nacht,auf die berge,die schwarzen die kalten.morgen werden die berge wärmer sein und dahinter liegen berge.ein schiff legt ab.
der stempel an dem die rostigen schiffe mit schweren nassen tauen
festgehalten werden,stammt aus györ königreich ungarn,die ebene greift nach dem wankenden dampfer.
auf diesen stempeln sieh man nie weisse möwenscheisse.
unter der feige riecht es nach sterben und marmelade.
vier stunden tauchte ich eine mit vorschlaghammer und meissel zerbrochene tafel aus dem meer.auf ihr zwanzig namen von italienischen faschisten erschossenen dorfbewohnern.blau und salzig,das ruhige meer.
einfach küssen.augen zu.augen auf.
hau im aufs maul
er schlug im aufs maul
vierfarben rot blau grün gelb
blut auf pvc und tanz tanz tanz
dance dance to the radio
jugendklub in weissensee
hauptstadt der ddr zerschossen
die fassaden rotbraunes unter
dem schuh puma nich adidas scharmützel im rücken die zerschossenen häuser april 45 love will tear us apart
im see baden weltmeer unter tannen
irgenwo zwischen zossen und scheisse
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Über Kleist (ein zerbrochener Krug)
aus dem wundgeschlagenen explodierenden kopf des stotterdichters/des ausgelachten randständigen außenläufers / und kaputten kriegers gebärt sich ein traum von leichtem lachen/die komödie pladdert aus der kopfwunde/kriegsverletzung, die gerichtsschmonzette wird zur running gag maschine / ungestottert störfrei der redefluss traum eines dichters/ und ein lustiger tank fährt querfeldein/ ein traum von der komödie nun letzte leichtigkeit vor schuss in kopf und brust an einem sauren see/ bei berlin/ burn out hoffentlich jetzt screwball und hinter den kuliseen liegt der soldat/
weint der männerfrauenliebende/der heimlichtuer/aufgerissen die zu dünne brust/so steht da/der heinrich zinnsoldat mit seinen weissen blättern/versteckt hinter worten das herz/fliegt auf buchstaben
raus aus dem leben/und der hofstaat wiehert/und er wiehert immer,der staat/das lachen eine hinrichtung/in staub brandenburgs krummer dichter/der wirklich schöne schreibt schön in weimar/betört mit süßem gekönne kalt nach kopulation, da findet man sich wieder, als wieherer höfisch mit hohem einkommen/ ein krug ist zerbrochen die welt umso mehr / krüge kann man kleben,die welt schwerlich/ acht menschen kleben einen krug ihre stadt brennt/ asche aufs blutige haupt/ jetzt kopf.
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theater/mutter
Ich
fahre durch bahnhöfe
unter der erde die kacheln noch
die alten,die vom hoffen und
morgenrot,darüber lagen die toten
auf weissen sand,toter strand
auf den bahnsteigen stehen gehen skizzen von heute die glotzen in ihre bildschirme vergessen und vergessen und vergessen
singt nun meine mutter im hydraulischen bett ist heut meine medea auf der katheterargos
sie geht der welt verloren im
rehaloch märkisches viertel jetzt
singt ihr höchstens sido von der ebrofront das solidaritärslied
ich hocke zwischen kacheln und skizzen und ihrem vergessen die
blaue flecken die arbeiterklasse
schlögt lieber heimlich altes
als das kapital an der inneren front
oder äusseren am schwarzen meer
aussengrenze europas gesichert vor
der asiatischen barbarei so nennt sie
die russen wie einst ihr grossvater von
der SS später spiegel redakteur ich
selber verachte beide den russischen
und den anderen neoimperialismus
ICH BRAUCHE EINEN LICHTWECHSEL
WENIGSTENS MUSIK
VIELLEICHT JUGOSLAWISCH
MOCHTE DER HEINER DOCH AUCH
mutter es herrscht ein weltkrieg unter unserem himmel
sie nennen ihn anders,als ob halbe worte den
tod den krieg halbieren könnten
heut ist es schwer
sagt sie die mutter
das fahren zu dir
sag ich der sohn
und seh die stadt hinter
dem busfenster salzig wegen
tränen sind ein schwerer vorhang
mutters faust dritter teil
das vergessen urin im bett
mein klassiker ist heutig
sagt mir meine Mutter
HEINERMÜLLERkanntest du
ihn gut
MEINE MUTTER
sie wusste genau wo sie war und wer ich bin,reagierte jedoch mit massiven Angstausbrüchen auf jeden Versuch zu reden
Kamst du dich an Heiner Müller erinnern
JA KLAR,der saß immer auf der roten Couch
Warum
Wegen der Texte
Dein Vater den habe ich sehr geliebt wo ist er
TOD
ach das ist traurig
der vater tot
WAS HATTEST DU VOR
weiß nicht,was machen diese schläuche in meinen körper
MAMA KATHETER DAS SIND KATHETER,WAS WOLLTEST DU MIT DEN TEXTEN
warum.was soll das alles
pack meinen koffer aus
ich will nach moskau
dort ist krieg
in moskau
nein dort
wo wir herkommen
ja
ICH WILL MIT DIR UBER MÜLLER REDEN
ich hab ihn in das Serbokroatische übersetzt,man kannte ihn noch nicht in Jugoslawien …ich fand er ist einer der wichtigsten Autoren seiner Zeit
WELCHE TEXTE HAST DU DENN ÜBERSETZT
Ich habe angst wo bin ich was mache ich hier
DEN AUFTRAG UND
mischa mein lieber bruder ach schön
dass du da bist
hier in belgrad
belgrad ist berlin
BIN NICHT MISCHA ICH BIN DEIN SOHN
Heiner Müller war sehr freundlich
Die Frauen hier sind schlecht
Schreien mich an
MAMA WAS HAST DU NOCH FÜR ERINNERUNGEN AN HEINER MÜLLER
EIN CHOR:
Seine Mutter spricht ihren Lieblingstext aus Medeamaterial
MUTTER SPRICHT MEDEAMATERIAL.
KRANKENHAUS.KATHETER.
Piep
Wüste in Kalifornien
Ein Autor hat einen Herzinfarkt.
Die Kinjal Rakete trifft Odessa
Eisenstein getötet.
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über krieg/sommer
JUNI 1991 / JUNI 1990
I
wieviel hast du heute verschossen
fünf,genosse major
fünf
fünf,genosse major
der himmel heute ohne wolken. leer. schlamm und urmuscheln
am donaustrand.
wie lange warst du auf deinem posten, soldat
II
das haus halbverkohlt, auf den schwarzverkohltem rosa wänden lass ich nur krummerhand geschrieben, grossserbien, roter stern belgrad, ustascha ich fick deine mutter, es lebe der könig und dragan is ne schwuchtel. iron maiden. das häuschen ähnelte den jugoslawischen standartbungalows am meer, einstöckig, zwei zimmer, eine kleine küche, eine betonterasse mit dach für den kaffee und die langen gespräche darunter. mit viel zucker. das haus roch nach brand und mottenkugeln, nach warmen felsen und vormittagsmeer, ich hockte hinter den heruntergelassenen rolläden, feine sonnenstrahlen milchstrassen staubsterne drängten durch die kleinen löcher der rolläden, mein gewehr schob sich durch einen spalt, im zielfernfrohr die stadt hinter dem fluss, seit zwei wochen eingekesselt. die. dort.
III
vier stunden, genosse major
du hast 20 schuss als tagessoll
und 30 in der reserve
zu befehl, genosse major
ich sehe die donau in seinem rücken.
ruhig.
schwanzlutscher hörst du mir zu,
du sollst mit deinen votzenfingern
20 mal abschüsse tätigen,körper oder
kopfttreffer scheissegal. da drüben in der stadt gehen die votzenfressen spazieren, schneiden unseren müttern bäuche auf, unsere väter sind treibgut auf der donau, die köpfe zertrümmert von gardena spaten.und du erfüllst dein soll nicht. ich scheiss dir ins mundloch. volle ladung.
IV
durch das zielfernrohr sah ich frauen wasser holen. ein angler lag tot am donauufer und wurde von den gasen immer dicker. wie ein ballon, farblos und leblos, angeschnitten von der stadt, abgeschnitten vom fluss und vom himmel, ab und zu bekam er besuch von einem kahlen pudel, der tat was er musste. happy birthday toter wal. die wasser holenden frauen beobachteten den ballon nicht, ich sah ihre wimpern, die angstschiefen münder, meist gelbe zähne und ich schoss ihnen nicht in kopf, in brust,
in den bauch unter dem leeren himmel, der bauch dauert länger, lang wie meine angst, das blut verlieren. die fahrt zur front. lang. die nächte, länger. die gegnerischen soldaten boris du schwuchtel, mieden dass ufer, die urmuscheln unberührt, ein ganzes volk unter dem stiefel und ich trinke gleich die donau aus, ich hatte drei häuser loziert in denen sie unterstände hatten, familien wohnten mit ihnen zusammen, freiwillig oder als schild. vielleicht liegt der ältere mann am nächsten morgen neben dem wal. am urmeerstrand liegen zwei ballons, happy birthday wale vor vukovar. ich zählte die patronen, der himmel ohne wolken. leer, wie im juli. die donau vor mir, ruhig. urmeer. muschelmehl. happy danube.
V
Jeden Tag fuhr ich mit meinem rostigen Klapprad,sechs Kilometer,immer an der Adria entlang,zum albanischen Bäcker in dem kleinen Fischerort R.unweit von unserer Feriensiedlung „Jadran“(Adria).Manchmal öffnete ich meinen Mund so weit,dass das salzige Meerwasser und ein heißer Seewind in meinen Rachen schossen und ich bis heute überzeugt bin,ein Stück des Meeres gegessen zu haben.Häufiger war es jedoch windstill,nur die brennende Sonne und das silbrigblaue Meer an meiner linken Seite,meine zu kleine rote Speedobadehose auf dem Arsch und das löchrige Bakunin T-Shirt im schlecht angeschweissten Körbchen,raste ich auf meiner selbstverwaltet finanzierten (340 zu 70 Stimmen für den Bau eines FahradundFussweges,angeführt vom Belgrader Staranwalt Onkel Dušan siegten die Belgrader und Zagreber Eigentümer gegen Restjugoslawien,meist Bosnier und ein oder zwei Slowenen) kieselreichen Betonpiste nach R.
Ich besaß nur eine „Westbadehose“,die schon erwähnte rote Speedolizenzhose,irgendwo meerweitweg von fleißigen slawonischen Arbeiterrinen zusammengenäht.
Im November brannte die Fabrik,die Männer lagen unweit auf einem regennassen Feld,unter kettenzerrissenem Schlamm.
Eigentlich begann meine Brot-Fahrt schon einen Tag vorher,wenn ich bei meinem Nachbarn I.,der sich Jahre später,während eines Fronturlaubes im Kinderzimmer erhängte,den heiligen schwarzen Sony Walkmen ausborgte,um auf meinem Weg zur Bäckerei,jeweils eine halbe Stunde The Cure und eine halbe Stunde Mizar,eine Gothicband aus Skopje,zu hören und die einzelnen fleckig betonierten Badebuchten nach schönen Mädchen abzusuchen,die man vielleicht am späten Nachmittag nach der Siesta mit oder und ohne Wichsen mit M.,D.,R.,I.dem Bruder von M.,M.und D.besuchen und vielleicht sogar mit tollkühnen Sprüngen und Bunuel Kentnissen beeindrucken könnte.
D., wir nannten ihn nur „Langarm“,verließ sich zunehmend auf die Wirkung seines frischgeernteten Grases,dass er gemeinsam mit nem Hippie aus Split auf einer unbewohnten Inse,drei mal drei Meter,in Tomos 4 Reichweite anbaute.
Während wir kopfüber hechteten,mit einfachen oder doppelten Salti in das silbrige Blau sprangen,Bunuel und Breton zitierten,Szenen aus 1900 und dem Paten vorspielten,kiffte Langarm mit einem der Hippimödchen,es gab immer ein Hippimödchen in diesen magisch-snobistischen Mädchenbanden aus Zagreb oder Split,knutschte mit ihr im Wasser und vögelte nachmittags im Elternzimmer,während wir noch als faschistischer Donald Sunderland eine Katze ans Kirchenportal nagelten,natürlich in wechselnden Rollen und in Badehose:zweimal Adidas,eine alte Speedo,zwei Arena,einmal Yassa.
Ich durfte häufiger Gerard Depardieu sein,wahrscheinlich meinem mitteleuropäischen Aussehen geschuldet,Bertolucci kenne ich seitdem immer noch auswendig,er hatte mir zu einigen heißen Herzen aus Zagreb,Sarajevo und Bihać,Knutschen im Mitternachtsmeer,Fummeln in Zypressenwäldern und Petting in Autocampduschen verholfen,grazie maestro.
Ich sitze auf meinem Klapprad,habe mittlerweile schon zehn Nachbarinnen,Mütter und Tanten begrüßt,die schon auf dem Heimweg waren,in den durchsichtigen,schon leicht gerissenen Tüten die heißen albanischen Brotlaiber tragend,in der rechten Hand ne Kent oder Astoria (damals hatten Zigaretten für Frauen englisches Pedigree)
in angeregten Gesprächen über das letzte Buch von Danilo Kiš,die kürzlich erschienenen Kriegstagebücher von Svetozar Vukmanović Tempo in denen Tito endlich sein Fett wegbekommt und die neu erschienene Susanne Sontag,vertieft.
Ich hielt an der alten Trafostation,die seit Jahren konstant traurig Richtung mehr summte,kurz vor dem Ortseingang,dort wartete schon B.ein Mädchen aus dem kleinen Fischerort R.
Ich habe sie kennengelernt,als ich ein Torcida Split,so hiessen die härtesten Fans von Hajduk Split,Graffitti nach nem Diskobesuch mit Vorsatz erst vollgekotzt und später angepisst habe.Beide Bedürfnisse habe ich preußisch diszipliniert eine halbe Stunde-ich hatte ja ein hehres Ziel vor Augen und musste unbedingt zu Tainted Love,der letzten Nummer im Synthpopblock tanzen-zurückgehalten.
Mitten in meiner Partizan Belgrad vs.Hajduk Split Abrechnung hörte ich nur eine dunkle Stimme hinter mir
„Wenn mein Bruder dich erwischt,hackt er die mit der Axt erst den Kopf und dann den Pimmel ab“,der Druck war jedoch zu groß,das versuchte ich auch zu sagen,was sie verstand fragte ich sie später nie.Sie sagte nur noch „Morgen früh um 8 treffen wir uns“ „Da schlaf ich noch“ „Anteee!““Is ja gut,ich komme,aber hör auf zu brüllen“
Am nächsten Morgen stand ich vor der sauberen Trafostation.
Sie wartete schon.
„Küss mich“
„Wat?“
„Küss mich,Arschloch aus Belgrad“
Seit diesem Morgen trafen wir uns vor der Trafostation zum Küssen.
Entweder saß sie schon auf ihrem verwaschenem Strandtuch von Adidas oder ich klingelte kurz und sie kam leicht verschlafen,aus dem alten Steinhaus gegenüber von der Trafostation,heraus.Wir küssten uns drei Jahre,drei Sommer auf meinem Weg zum albanischen Bäcker,um Acht Uhr Morgens zweimal in der Woche.
Ihr Bruder wurde von einer Panzergranate im Sommer ´93 vor Zadar getötet,wahrscheinlich hatte er ein Hajduk Trikot unterm Tarn an.
Ich habe sie nie gefragt wie sie heißt,sie mich auch nicht.Wir küssten uns nur,ich in meiner zu kleinen Speedohose,sie in ihrem leicht ausgeleierten Tigermuster Bikini.Irgendwann kam sie nicht mehr,ich hörte was von einer Hotelfachfraulehre in Opatija,das war ein paar hundert schöne Adriakilometer nördlich von R.-wo der Krieg nie hinkam.
Beim Bäcker kaufte ich drei Brote und fünf Lepinja für 300 Dinar.Der Rückweg ohne Küssen und Meer essen dauerte 15 Minuten.
VI
ich habe nicht geschossen, weil ich nicht kann, genosse major
schwule sau, du kannst den faschisten nicht in ihre kackfressen schiessen
nein, genosse major ich kann das nicht
gib mir dein gewehr.
zu befehl.
VII
mit dem schweren kolben meines scharfschützengewehres
schlug er mir auf das verrätermaul. er zerbrach alle meine vorderzähne
mit einem schlag, einer steckte im gewehrkolben der rest flog in den himmel, into the sky with diamonds, die schöne blaue donau, auf den boden des sommersonnenbungalows, jetzt kommandopunkt der aufklärereinheit. bis heute habe ich löcher in der fresse, der rest ist nachkriegsbau, trostlos und schnell hochgezogen, das geld für den frieden in der fresse habe ich nicht und ich rede über kunst und welt und liebe und der mund dabei ist kriegsversehrt, am urmeer, zähne mein muschelkalk am donaustrand. nachdem er mir die vorderzähne herausbrach, schickte der major mich auf eine achtstündige wache.
auf einem freien, abgeernteten feld.
die feindlichen stellungen waren
200m entfernt. freie schussbahn
mir war alles egal.
im so happy.
VIII
die bucht vor den augen hörte ich das vielfache lachen der kinder
vom strand vor unserem einstöckigen bungalow mit betonterasse und
ohne dach. ich hatte die rolläden heruntergelassen, durch kleine löcher tanzten sonnenstrahlen, sommerstaub, das salz auf meiner haut, glänzte im halbdunkel. heute abend würde ich sehr lange küssen
das meer zu unseren füssen
wir duften nach rosmarin
zypressen
kiefernadeln doch
ich blute aus dem maul
meine zahnreste
nur kleine felsen
im weiten meer