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sascha (saša ) hawemann/regisseur&autor: textwerkstatt/tekstovi

  • Texte

  • miniatur

    heiß der stein,lag lange in der sonne,sah dass graue torpedoboot 
    langsam die bucht durchqueren.

    ich drücke die zigarette auf einem braunen felsen aus,auf seinen alpinen spitzen bilden sich salzkristalle. später suchte ich ausgedrückte 100er zigarettenfilter unter salzfelsen wie alte schatten.

    ich tanze gerne vier und mehr stunden.

    küssen,zeit anhalten.zeitmass ovids.

    die munition geht aus.der prösident ist lobbyist. der süden global verarmt führt kriege,die sind älter als ich

    die platte war warm wie der stein in der bucht,der italienische bunker dahinter roch nach menschenkot

    drei oder vier mal schlug der mit dem aschenbecher auf meinen kopf bis ein stuhl auf seinem kopf zerbrach.
    er wurde später general eines neuen staates.

    träume einen gelben tankwagen von ina, der in einem olivenhain seit jahren verrostet,nicht weit davon verrostet auch das verkehrsschild mit dem schwarzen punkt,wie bei robert louis stevenson.heimat,träum ich,denk ich.

    das ruhige meer. um vier. die träge sonne. aussenbordmotoren. tagwerk.

    bocciakugeln wurden aus holz geschnitzt.die auf dem platz liegenden sind 300 jahre alt,haben den inselwald aufgefresen. die halbe insel lag auf dem bocciaplatz,der sand glänzt,es sind salzkristalle vom
    meer in wurfreichweite

    der gelbe turm der pepsikisten des restaurants neben der küstentrasse war meine lebensuhr,mit jedem jahr verschwand ein buchstabe….bis zum a.

    drop the bomb.drone bombing.use l2 and r2. you are dead. lese kriegstagebücher,mein dreieck,mein kreis.

    womit wird die entfernung gemessen bei einem 122mm minenwerfer.
    wenn der himmel bewölkt ist,die nässe in der luft,der holzige herbstwald an der havelquelle.ein schuh im gebüsch.

    seh den himmel.der zug fährt durch die schwarzen berge.die tür klappert,jemand uriniert in die nacht,auf die berge,die schwarzen die kalten.morgen werden die berge wärmer sein und dahinter liegen berge.ein schiff legt ab.

    der stempel an dem die rostigen schiffe mit schweren nassen tauen
    festgehalten werden,stammt aus györ königreich ungarn,die ebene greift nach dem wankenden dampfer.
    auf diesen stempeln sieh man nie weisse möwenscheisse.

    unter der feige riecht es nach sterben und marmelade.

    vier stunden tauchte ich eine mit vorschlaghammer und meissel zerbrochene tafel aus dem meer.auf ihr zwanzig namen von italienischen faschisten erschossenen dorfbewohnern.blau und salzig,das ruhige meer.

    einfach küssen.augen zu.augen auf.

    hau im aufs maul
    er schlug im aufs maul
    vierfarben rot blau grün gelb
    blut auf pvc und tanz tanz tanz
    dance dance to the radio
    jugendklub in weissensee
    hauptstadt der ddr zerschossen
    die fassaden rotbraunes unter
    dem schuh puma nich adidas scharmützel im rücken die zerschossenen häuser april 45 love will tear us apart
    im see baden weltmeer unter tannen
    irgenwo zwischen zossen und scheisse

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    23. April 2023

  • Über Kleist (ein zerbrochener Krug)



    aus dem wundgeschlagenen explodierenden kopf des stotterdichters/des ausgelachten randständigen außenläufers / und kaputten kriegers gebärt sich ein traum von leichtem lachen/die komödie pladdert aus der kopfwunde/kriegsverletzung, die gerichtsschmonzette wird zur running gag maschine / ungestottert störfrei der redefluss traum eines dichters/ und ein lustiger tank fährt querfeldein/ ein traum von der komödie nun letzte leichtigkeit vor schuss in kopf und brust an einem sauren see/ bei berlin/ burn out hoffentlich jetzt screwball und hinter den kuliseen liegt der soldat/
    weint der männerfrauenliebende/der heimlichtuer/aufgerissen die zu dünne brust/so steht da/der heinrich zinnsoldat mit seinen weissen blättern/versteckt hinter worten das herz/fliegt auf buchstaben
    raus aus dem leben/und der hofstaat wiehert/und er wiehert immer,der staat/das lachen eine hinrichtung/in staub brandenburgs krummer dichter/der wirklich schöne schreibt schön in weimar/betört mit süßem gekönne kalt nach kopulation, da findet man sich wieder, als wieherer höfisch mit hohem einkommen/ ein krug ist zerbrochen die welt umso mehr / krüge kann man kleben,die welt schwerlich/ acht menschen kleben einen krug ihre stadt brennt/ asche aufs blutige haupt/ jetzt kopf.

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    23. April 2023
    Prosa Kleist Zerbrochener Krug Hawemann hawemann Werkstatt Texte Textentwürfe Prosa Lyrik Drama Sahawemann Alexander Hawemann Havemann Kazalište Teatar Mira Erceg Pozorište Beograd Berlin FDU Beogr

  • theater/mutter



    Ich
    fahre durch bahnhöfe
    unter der erde die kacheln noch
    die alten,die vom hoffen und
    morgenrot,darüber lagen die toten
    auf weissen sand,toter strand
    auf den bahnsteigen stehen gehen skizzen von heute die glotzen in ihre bildschirme vergessen und vergessen und vergessen
    singt nun meine mutter im hydraulischen bett ist heut meine medea auf der katheterargos
    sie geht der welt verloren im
    rehaloch märkisches viertel jetzt
    singt ihr höchstens sido von der ebrofront das solidaritärslied
    ich hocke zwischen kacheln und skizzen und ihrem vergessen die
    blaue flecken die arbeiterklasse
    schlögt lieber heimlich altes
    als das kapital an der inneren front
    oder äusseren am schwarzen meer
    aussengrenze europas gesichert vor
    der asiatischen barbarei so nennt sie
    die russen wie einst ihr grossvater von
    der SS später spiegel redakteur ich
    selber verachte beide den russischen
    und den anderen neoimperialismus
    ICH BRAUCHE EINEN LICHTWECHSEL
    WENIGSTENS MUSIK
    VIELLEICHT JUGOSLAWISCH
    MOCHTE DER HEINER DOCH AUCH

    mutter es herrscht ein weltkrieg unter unserem himmel
    sie nennen ihn anders,als ob halbe worte den
    tod den krieg halbieren könnten
    heut ist es schwer
    sagt sie die mutter
    das fahren zu dir
    sag ich der sohn
    und seh die stadt hinter
    dem busfenster salzig wegen
    tränen sind ein schwerer vorhang
    mutters faust dritter teil
    das vergessen urin im bett
    mein klassiker ist heutig
    sagt mir meine Mutter
    HEINERMÜLLERkanntest du
    ihn gut
    MEINE MUTTER
    sie wusste genau wo sie war und wer ich bin,reagierte jedoch mit massiven Angstausbrüchen auf jeden Versuch zu reden
    Kamst du dich an Heiner Müller erinnern
    JA KLAR,der saß immer auf der roten Couch
    Warum
    Wegen der Texte
    Dein Vater den habe ich sehr geliebt wo ist er
    TOD
    ach das ist traurig
    der vater tot
    WAS HATTEST DU VOR
    weiß nicht,was machen diese schläuche in meinen körper
    MAMA KATHETER DAS SIND KATHETER,WAS WOLLTEST DU MIT DEN TEXTEN
    warum.was soll das alles
    pack meinen koffer aus
    ich will nach moskau
    dort ist krieg
    in moskau
    nein dort
    wo wir herkommen
    ja
    ICH WILL MIT DIR UBER MÜLLER REDEN
    ich hab ihn in das Serbokroatische übersetzt,man kannte ihn noch nicht in Jugoslawien …ich fand er ist einer der wichtigsten Autoren seiner Zeit
    WELCHE TEXTE HAST DU DENN ÜBERSETZT
    Ich habe angst wo bin ich was mache ich hier
    DEN AUFTRAG UND
    mischa mein lieber bruder ach schön
    dass du da bist
    hier in belgrad
    belgrad ist berlin
    BIN NICHT MISCHA ICH BIN DEIN SOHN
    Heiner Müller war sehr freundlich
    Die Frauen hier sind schlecht
    Schreien mich an
    MAMA WAS HAST DU NOCH FÜR ERINNERUNGEN AN HEINER MÜLLER
    EIN CHOR:
    Seine Mutter spricht ihren Lieblingstext aus Medeamaterial
    MUTTER SPRICHT MEDEAMATERIAL.
    KRANKENHAUS.KATHETER.
    Piep
    Wüste in Kalifornien
    Ein Autor hat einen Herzinfarkt.
    Die Kinjal Rakete trifft Odessa
    Eisenstein getötet.

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    23. April 2023

  • über krieg/sommer

    JUNI 1991 / JUNI 1990

    I
    wieviel hast du heute verschossen
    fünf,genosse major
    fünf
    fünf,genosse major
    der himmel heute ohne wolken. leer. schlamm und urmuscheln
    am donaustrand.
    wie lange warst du auf deinem posten, soldat

    II
    das haus halbverkohlt, auf den schwarzverkohltem rosa wänden lass ich nur krummerhand geschrieben, grossserbien, roter stern belgrad, ustascha ich fick deine mutter, es lebe der könig und dragan is ne schwuchtel. iron maiden. das häuschen ähnelte den jugoslawischen standartbungalows am meer, einstöckig, zwei zimmer, eine kleine küche, eine betonterasse mit dach für den kaffee und die langen gespräche darunter. mit viel zucker. das haus roch nach brand und mottenkugeln, nach warmen felsen und vormittagsmeer, ich hockte hinter den heruntergelassenen rolläden, feine sonnenstrahlen milchstrassen staubsterne drängten durch die kleinen löcher der rolläden, mein gewehr schob sich durch einen spalt, im zielfernfrohr die stadt hinter dem fluss, seit zwei wochen eingekesselt. die. dort.

    III
    vier stunden, genosse major
    du hast 20 schuss als tagessoll
    und 30 in der reserve
    zu befehl, genosse major
    ich sehe die donau in seinem rücken.
    ruhig.
    schwanzlutscher hörst du mir zu,
    du sollst mit deinen votzenfingern
    20 mal abschüsse tätigen,körper oder
    kopfttreffer scheissegal. da drüben in der stadt gehen die votzenfressen spazieren, schneiden unseren müttern bäuche auf, unsere väter sind treibgut auf der donau, die köpfe zertrümmert von gardena spaten.und du erfüllst dein soll nicht. ich scheiss dir ins mundloch. volle ladung.

    IV
    durch das zielfernrohr sah ich frauen wasser holen. ein angler lag tot am donauufer und wurde von den gasen immer dicker. wie ein ballon, farblos und leblos, angeschnitten von der stadt, abgeschnitten vom fluss und vom himmel, ab und zu bekam er besuch von einem kahlen pudel, der tat was er musste. happy birthday toter wal. die wasser holenden frauen beobachteten den ballon nicht, ich sah ihre wimpern, die angstschiefen münder, meist gelbe zähne und ich schoss ihnen nicht in kopf, in brust,
    in den bauch unter dem leeren himmel, der bauch dauert länger, lang wie meine angst, das blut verlieren. die fahrt zur front. lang. die nächte, länger. die gegnerischen soldaten boris du schwuchtel, mieden dass ufer, die urmuscheln unberührt, ein ganzes volk unter dem stiefel und ich trinke gleich die donau aus, ich hatte drei häuser loziert in denen sie unterstände hatten, familien wohnten mit ihnen zusammen, freiwillig oder als schild. vielleicht liegt der ältere mann am nächsten morgen neben dem wal. am urmeerstrand liegen zwei ballons, happy birthday wale vor vukovar. ich zählte die patronen, der himmel ohne wolken. leer, wie im juli. die donau vor mir, ruhig. urmeer. muschelmehl. happy danube.

    V
    Jeden Tag fuhr ich mit meinem rostigen Klapprad,sechs Kilometer,immer an der Adria entlang,zum albanischen Bäcker in dem kleinen Fischerort R.unweit von unserer Feriensiedlung „Jadran“(Adria).Manchmal öffnete ich meinen Mund so weit,dass das salzige Meerwasser und ein heißer Seewind in meinen Rachen schossen und ich bis heute überzeugt bin,ein Stück des Meeres gegessen zu haben.Häufiger war es jedoch windstill,nur die brennende Sonne und das silbrigblaue Meer an meiner linken Seite,meine zu kleine rote Speedobadehose auf dem Arsch und das löchrige Bakunin T-Shirt im schlecht angeschweissten Körbchen,raste ich auf meiner selbstverwaltet finanzierten (340 zu 70 Stimmen für den Bau eines FahradundFussweges,angeführt vom Belgrader Staranwalt Onkel Dušan siegten die Belgrader und Zagreber Eigentümer gegen Restjugoslawien,meist Bosnier und ein oder zwei Slowenen) kieselreichen Betonpiste nach R.
    Ich besaß nur eine „Westbadehose“,die schon erwähnte rote Speedolizenzhose,irgendwo meerweitweg von fleißigen slawonischen Arbeiterrinen zusammengenäht.
    Im November brannte die Fabrik,die Männer lagen unweit auf einem regennassen Feld,unter kettenzerrissenem Schlamm.
    Eigentlich begann meine Brot-Fahrt schon einen Tag vorher,wenn ich bei meinem Nachbarn I.,der sich Jahre später,während eines Fronturlaubes im Kinderzimmer erhängte,den heiligen schwarzen Sony Walkmen ausborgte,um auf meinem Weg zur Bäckerei,jeweils eine halbe Stunde The Cure und eine halbe Stunde Mizar,eine Gothicband aus Skopje,zu hören und die einzelnen fleckig betonierten Badebuchten nach schönen Mädchen abzusuchen,die man vielleicht am späten Nachmittag nach der Siesta mit oder und ohne Wichsen mit M.,D.,R.,I.dem Bruder von M.,M.und D.besuchen und vielleicht sogar mit tollkühnen Sprüngen und Bunuel Kentnissen beeindrucken könnte.
    D., wir nannten ihn nur „Langarm“,verließ sich zunehmend auf die Wirkung seines frischgeernteten Grases,dass er gemeinsam mit nem Hippie aus Split auf einer unbewohnten Inse,drei mal drei Meter,in Tomos 4 Reichweite anbaute.
    Während wir kopfüber hechteten,mit einfachen oder doppelten Salti in das silbrige Blau sprangen,Bunuel und Breton zitierten,Szenen aus 1900 und dem Paten vorspielten,kiffte Langarm mit einem der Hippimödchen,es gab immer ein Hippimödchen in diesen magisch-snobistischen Mädchenbanden aus Zagreb oder Split,knutschte mit ihr im Wasser und vögelte nachmittags im Elternzimmer,während wir noch als faschistischer Donald Sunderland eine Katze ans Kirchenportal nagelten,natürlich in wechselnden Rollen und in Badehose:zweimal Adidas,eine alte Speedo,zwei Arena,einmal Yassa.
    Ich durfte häufiger Gerard Depardieu sein,wahrscheinlich meinem mitteleuropäischen Aussehen geschuldet,Bertolucci kenne ich seitdem immer noch auswendig,er hatte mir zu einigen heißen Herzen aus Zagreb,Sarajevo und Bihać,Knutschen im Mitternachtsmeer,Fummeln in Zypressenwäldern und Petting in Autocampduschen verholfen,grazie maestro.
    Ich sitze auf meinem Klapprad,habe mittlerweile schon zehn Nachbarinnen,Mütter und Tanten begrüßt,die schon auf dem Heimweg waren,in den durchsichtigen,schon leicht gerissenen Tüten die heißen albanischen Brotlaiber tragend,in der rechten Hand ne Kent oder Astoria (damals hatten Zigaretten für Frauen englisches Pedigree)
    in angeregten Gesprächen über das letzte Buch von Danilo Kiš,die kürzlich erschienenen Kriegstagebücher von Svetozar Vukmanović Tempo in denen Tito endlich sein Fett wegbekommt und die neu erschienene Susanne Sontag,vertieft.
    Ich hielt an der alten Trafostation,die seit Jahren konstant traurig Richtung mehr summte,kurz vor dem Ortseingang,dort wartete schon B.ein Mädchen aus dem kleinen Fischerort R.
    Ich habe sie kennengelernt,als ich ein Torcida Split,so hiessen die härtesten Fans von Hajduk Split,Graffitti nach nem Diskobesuch mit Vorsatz erst vollgekotzt und später angepisst habe.Beide Bedürfnisse habe ich preußisch diszipliniert eine halbe Stunde-ich hatte ja ein hehres Ziel vor Augen und musste unbedingt zu Tainted Love,der letzten Nummer im Synthpopblock tanzen-zurückgehalten.
    Mitten in meiner Partizan Belgrad vs.Hajduk Split Abrechnung hörte ich nur eine dunkle Stimme hinter mir
    „Wenn mein Bruder dich erwischt,hackt er die mit der Axt erst den Kopf und dann den Pimmel ab“,der Druck war jedoch zu groß,das versuchte ich auch zu sagen,was sie verstand fragte ich sie später nie.Sie sagte nur noch „Morgen früh um 8 treffen wir uns“ „Da schlaf ich noch“ „Anteee!““Is ja gut,ich komme,aber hör auf zu brüllen“
    Am nächsten Morgen stand ich vor der sauberen Trafostation.
    Sie wartete schon.
    „Küss mich“
    „Wat?“
    „Küss mich,Arschloch aus Belgrad“
    Seit diesem Morgen trafen wir uns vor der Trafostation zum Küssen.
    Entweder saß sie schon auf ihrem verwaschenem Strandtuch von Adidas oder ich klingelte kurz und sie kam leicht verschlafen,aus dem alten Steinhaus gegenüber von der Trafostation,heraus.Wir küssten uns drei Jahre,drei Sommer auf meinem Weg zum albanischen Bäcker,um Acht Uhr Morgens zweimal in der Woche.
    Ihr Bruder wurde von einer Panzergranate im Sommer ´93 vor Zadar getötet,wahrscheinlich hatte er ein Hajduk Trikot unterm Tarn an.
    Ich habe sie nie gefragt wie sie heißt,sie mich auch nicht.Wir küssten uns nur,ich in meiner zu kleinen Speedohose,sie in ihrem leicht ausgeleierten Tigermuster Bikini.Irgendwann kam sie nicht mehr,ich hörte was von einer Hotelfachfraulehre in Opatija,das war ein paar hundert schöne Adriakilometer nördlich von R.-wo der Krieg nie hinkam.
    Beim Bäcker kaufte ich drei Brote und fünf Lepinja für 300 Dinar.Der Rückweg ohne Küssen und Meer essen dauerte 15 Minuten.

    VI
    ich habe nicht geschossen, weil ich nicht kann, genosse major
    schwule sau, du kannst den faschisten nicht in ihre kackfressen schiessen
    nein, genosse major ich kann das nicht
    gib mir dein gewehr.
    zu befehl.

    VII
    mit dem schweren kolben meines scharfschützengewehres
    schlug er mir auf das verrätermaul. er zerbrach alle meine vorderzähne
    mit einem schlag, einer steckte im gewehrkolben der rest flog in den himmel, into the sky with diamonds, die schöne blaue donau, auf den boden des sommersonnenbungalows, jetzt kommandopunkt der aufklärereinheit. bis heute habe ich löcher in der fresse, der rest ist nachkriegsbau, trostlos und schnell hochgezogen, das geld für den frieden in der fresse habe ich nicht und ich rede über kunst und welt und liebe und der mund dabei ist kriegsversehrt, am urmeer, zähne mein muschelkalk am donaustrand. nachdem er mir die vorderzähne herausbrach, schickte der major mich auf eine achtstündige wache.
    auf einem freien, abgeernteten feld.
    die feindlichen stellungen waren
    200m entfernt. freie schussbahn
    mir war alles egal.
    im so happy.

    VIII
    die bucht vor den augen hörte ich das vielfache lachen der kinder
    vom strand vor unserem einstöckigen bungalow mit betonterasse und
    ohne dach. ich hatte die rolläden heruntergelassen, durch kleine löcher tanzten sonnenstrahlen, sommerstaub, das salz auf meiner haut, glänzte im halbdunkel. heute abend würde ich sehr lange küssen
    das meer zu unseren füssen
    wir duften nach rosmarin
    zypressen
    kiefernadeln doch
    ich blute aus dem maul
    meine zahnreste
    nur kleine felsen
    im weiten meer

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    23. April 2023

  • kurzatmig

    o-beinig läuft er an mir vorbei, alle staaten stars and banners 
    schief und krumm auf die kik bomberjacke genäht aus seinem kopfhörer
    hört man oh du schöner westerwald

    vor dem mund die scheibe,kurz vor dem biss hinein schnell etwas über eigenmigräne und netzwerken hastig hineingesprochen,denke an die
    argos und den götterbiss,medea am westkreuz

    steht da,der mann am ende des bahnsteigs,da wo dächer aufhören
    das gras wild wächst,mitten im taubenkot,braunen schnapsflaschen
    und meist einem,manchmal sogar zwei schuhen.ich stehe auch da,
    sehe die gleise,mein meer riecht nach scheisse

    er ist schwer,zu schwer sagt sie,in der zeit versunken
    liest martenstein oder sowas

    auf der tafel stand ermordet,nun steht hingerichtet da wo was war
    man sieht es am buchstabenecho.zwei häuser weiter da
    wo was war

    habe die kriegstage meiner familie gezählt.dreistellig.
    meine waren zweistellig.achtzehn.genaugenommen.

    mein grossvater war kommunist.mein grossvater war in der nsdap.
    meine oma war kommunistin.meine oma war in der nsdap.
    getroffen haben sie sich einmal,als ich geboren wurde.

    treibgut auf der donau, die köpfe zertrümmert von gardena spaten.und du erfüllst dein soll nicht. ich scheiss dir ins mundloch. volle ladung.
    brüllte der major.unterm helm grab ich ein loch.

    umorio sam se devedesete
    nisam se odmorio sledecih decenija
    nocima pesacim kroz prošlo
    bole me noge za stvarne staze
    ponekad
    al naučio sam disciplinu iza zida
    moga belog berlinskog
    pa gazim noć
    dan übersetz mein leben











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    23. April 2023

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