I
ich schrumpfe mit meinen aufgaben
laufe leise kopf geneigt ideen
hinter der hirnrinde mein keller
gewölbe eher luftschutz oder
faulen mit der zeit das geschlecht
nagel ich an ein brett
wie die jakobiner ihre
mützen die roten
II
ich habe texte gefunden von
meinem vater geschrieben im sommer
92 kroatien war mitten im krieg
und ausser den freiwilligen
einer faschistischen miliz
sahen nur noch wir beide
aufs meer und aufs gestern
auf einer schönen stillen
insel und die freiwilligen
grüßten uns jeden morgen
mit sieg und heil
und wir liefen
zu einer stillen bucht
mein vater erwähnt mich
mit keiner silbe war nicht
dabei sah nicht das meer
war ein schattensohn
mein krieg war kein jahr alt
gegen dieselben die nun am
nebentisch sassen in schwarz
vielleicht roch er meine angst
meine wut ich würde töten
er hasste krieg und armeen
vielleicht mich den soldatensohn
auf dieser insel mitten im krieg
Ich roch nach meer und
ich war der krieg ein jahr
alt oder jung
kein sohn
kein bild
mali lošinj
1992
III
hab nen müller gesehen
der krieg der welt
sehr weit weg
die sprache gewaltig
hohl wie der tropfstein
schön zu sprechen
im schönen kostüm
im faschistisch krummen schritt
ohne denken bleiben
die verse hohlgeschosse der
müller einer mit mühle und mehl
nicht der mit dem krieg
der revolution der stille danach
in einer clownswelt ein salon
nach dem dritten
weltkrieg
IV
Er trug immer sein Häftlingshemd mit dem rosa Winkel
egal ob ich ihn im Fenster des Café Schönhauser
oder am Tresen der Schoppenstube sitzen sass
einmal begegnet ich ihm an der Parkingausfahrt
in der Kastaninienallee einem beliebten Ort zum
cruisen was ich damals nicht wusste da stand er
mit seinem gestreiften Hemd und dem rosa Winkel
eines Tages verschwand er ist gestorben sagte der
Kneiper gab mir ein Bier und ein Taschentuch
für das Blut Naziskins haben uns überfallen
Wir sind in die Schoppenstube gerannt
nur in den schwulen Läden wurden wir Punks
in Frieden gelassen
Wo isn der mit dem rosa Winkel
Gestorben trink dein Bier und raus
Machst alle nervös
mit deinem Blutgesicht
V
fülle mit vielen worten
sprachlose herzen die
vom eignen tod zu früh
erfahren haben irgendwo
die werra oder so
VI
ich habe von einem dichter
gelesen der über die habgier die banken
kredite zinsen das böse der welt
schlecht hin seine wörter legte
mit versen gefesselt schäumend
der zorn daran erstickte sein verstand
der wurde faschistisch und er
ein irres tier
VII
ICH WAR NEUNZEHN
ist ein Film von Konrad Wolf, einem deutsch russisch jüdischen Regisseur.Eine Hochschule wurde nach ihm benannt, sein Bruder ist auch bekannt.Ich war Neunzehn ist einer meiner Lieblingsfilme.Ich sehe mir den Film mindestens dreimal im Jahr an.Es gibt acht Gründe warum.
Ich werde sie hier nicht benennen.
Ich bin einmal mit Jaeckie Schwarz, dem Hauptdarsteller des Filmsan der jugoslawischen Adria, genaugenommen auf der Halbinsel Rogoznica einen vierzehn Meter hohen Felsen ins Meer gesprungen,
auf den Kopf.
Ich war Neunzehn.
Ich war verliebt.
(Konrad Wolf zum 100ten)
VIII
zu jesus and the merry chaine tanzen / um vier uhr nachts schweissnass vom tanzen sich vom tankwagen nassspritzen lassen / auf der heissen betontreppe sitzen auf ein mädchen warten und der fernseher der halblinden uhrmachers ist zu laut / hundertausende brüllen wir wollen waffen / nach dem verschossenen elfmeter im viertelfinale gegen argentinien brennt das erste haus
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