IRGENDWO BEI MANNHEIM

die mutter setzte sie auf den tisch 

diesen schmalen aus den ICEs

sie konnte sich nicht aufrecht halten

immer wieder fiel ihr der schwere kleine 

kopf mit den grossen augen auf die brust

ihr schmalen beine und die händchen 

hängen wie von unsichtbaren fäden 

abgeschnitten herunter von der kleinen

pinocchina aus atghanistan auf den schmalen ICE tisch

die junge frau die lippen säuerlich zusammengekniffen

hinter dem laptop mit den vielen aufklebern und 

bekenntnissen zu vielem sagte nur

können sie die nicht vom tisch nehmen 

das kleine mädchen mit den grossen augen

auf dem hellen tisch versteckte ihr gesicht 

und die grossen augen die alles sehen 

daraufhin hinter ungeschickter

fadenloser hand der ballen nach aussen gekehrt

die zunge auf den lippen liegend verdreht der

kleine zu grosse kopf 

ich sagte nur

kleb dir deine aufkleber aufs

kalte herz das säuerliche

vielleicht färbt was ab 

die mutter hob die kleine pinocchina 

vom tisch und stieg in mannheim aus

dort gibt es einrichtungen 

hinter mauern 

grosse augen

UND ICH

heul hinterm fenster

ich sortiere die blätter 

meiner toten mutter für den staat der will

steuern für konzerne die in dreck und metall 

machen alte männer mit dürren hälsen stopfen

sich steuerlos ihre hälse und geschütze 

in die dürren hälse meine mutter 

ihr letzter wille war ohne angst zu sterben

ihre klitzekleinen geballten fäuste gen himmel 

unterbrochen von der plattendecke made in gdr 

im pflegeheim made by christus brd gestifteter

seelenfrieden im kapitalen unfrieden sprachen

von angst und kampf und

so sterben partisanentöchter

dachte ich nur die ikone in der hand 

und mutter gottes trauerte im dauerregen

am frankfurter tor einst stalinallee

das kind in ihren armen flüstert nur

no pasaran vergessen und vergessen

die rechnungen klebe ich mir in die tränenreiche

fresse und zahle mit herzwasser ihre kalten gier

geschütze und renditen nachhaltig der dauerbeschuss

wünsche ihnen das fegefeuer oder dialektisch eine

revolution an den weißen dürren hals unter teurem hemd 

der gierigen der drängler und mahner

ihre zahlen zerfallen zur asche wie meine mutter 

sie stopfen sich das geld in ihr kapitalistisches

schlundmaul oder auf die taurusrampe 

schiessen

laut um ihr 

schmatzen 

zu 

übertönen

irgendwo

bei mannheim

hinter mauern

kippt das kleine

mädchen um

eine frau sagt

nur

du

schaffst

das

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