(Krebsklinik Charité. Der Professor fährt einen Junost Fernseher auf die Bühne.)
PROFESSOR Ich freue mich dass uns zu unserem heutigen Filmabend mit anschließender Diskussion der Genosse Wunder, der Gatte unserer geschätzten Schriststellerin Frau Wunder besucht, der nicht nur Künstler sonder auch Verfolgter des Naziregimes ist. Susanne
SUSANNE Liebe Genossinnen
SABINE Ick bin keene Genossin Rot ist nur mein Fleck von der Strahlenkanone
SUSANNE Also liebe Genossinen …Ich freue mich, dass wir am Tag des Sieges den wunderbaren Film „Ich war Neunzehn“ unseres Vorsitzenden der Akademie der Wissenschaften Konrad Wolf
MÄDCHEN Is ditn Liebesfim
FRAU WUNDER Ja…
SUSANNE als Fernsehpremiere sehen können. In der Hauptrolle der na …den kennt ihr ja aus, wo er mit der Jutta Hoffman nen Roadtrip nach Krakau macht
PROFESSOR Wir sollten vielleicht danach über die Opfer der Menschen aus der Sowjetunion diskutieren unter dem Aspekt eines schwesterlichen Internationalismus drohenden Atomtodes / Atomkrieges in Europa.
MÄDCHEN Wat soll denn ditte, wir verstehen nüscht wenn ihr die janze Zeit mitspricht /
SABINE Russenknechte beide / Scheissrussen haben uns besiegt beklaut und tuns immer noch / wat isn mit der Rumänin los. Was macht die Rumänin denn da die ist gerade sehr krank, im Kopf nicht nur dort, aber dort vor allem ihr Zuhause eingemauert von Müller Inge und Andrić Ivo erzählt die Schwester / man fand die Zigeunersau nackt auf 500 Büchern dit sind schon Schweine die Pollacken Russen Zigeuner
SVETLANA umgeben von ungeöffneten Rechnungen, die Asche ihres Mannes reicht gerade für Katzenfutter und Hühnerklein Svetlana heiss ich wat Autorin / Regisseurin hat sich aufgerieben im Kulturbetrieb und Zigarettenkonsum, der Kopf gesenkt, ihre Depression hab ich mit Alete gelöffelt ausm KDW Partisanenkind vom Balkan, das war sie, mir weniger als Hacks und Co. I AM KULTURBETRIEB GEWESEN VOR ZWANZIG JAHREN singt ich oder der Whisky aus Westberlin mein Schaflied. Meine Geschichte. An der Wand der Scheune in der man mich machte wurden zwanzig von ihnen erschossen kroatische Faschisten in ihren speckigen schwarzen Uniformen, mit den halblangen Haaren, die in ihre kalten starren jungen Gesichter schweißnass hingen; als sie den Männern mit Hämmern die Gesichter JUDENSAU SERBENSCHWEIN wie Sandstein zersplitterten und die kleinen Körper an weiße Lehmhütten klatschten,ringe ringeraja kolje cika Papa und das frische Gras fing fingergroße Knochen weich auf, die Mütter schauten augenlos aus schwarzen Löchern, abgeschnitten und herausgerissen alles Weiche. Mein Vater, Saschas Großvater erschoss die zwanzig, kalten starren Ustaschas einen nach dem Anderen und das Kalk würde aus ihnen einen schwarzgrauen Brei gären und brauen, mein Vater würde meine Mutter küssen hinter der Scheunenwand, Erde und getrocknetes Blut unter den schwarzen Fingernägeln, in sie hineinfassen hinter der Scheunenwand, davor lagen zwanzig junge Ustaschas Kinder; Frauen und Männermörder, Scheunenwand, ein Maimond im Jahr 44 hinter ihr wurde ich gezeugt erst Tochter dann Mutter eine Scheunenwand bei Sanski Most im Mai 44 die Wände und Mauern davor durchsiebt von Papas P08 Beutewaffe „zerschossen” die Leiber... dass sollte ich auf einer Probe erwähnen, historisches und Biologie zusammenknebeln, eine Sprosse der Angst gegenüber den spielenden Schauspielenden mit historischen Mitleid ersticken ICH erste Frau Regisseurin vom Balkan
JUGOSLAWIEN NICHT RUMÄNIEN IHR SCHNEPFEN
I am Kulturbetrieb oder war es bis zur Demmenz ich führe meine eigenen Kriege Klagen ACH UND WEH am liebsten hätt ich mir die Kollateralgebärmutter in die Bücherwand gestellt, wie einen der Ustaschas 1945 an die echte steinerene, hab nen Sohnemann der ist Schau Spieler am BE Mein Vater schoss in die Köpfe der zwanzig jungen Männer die Hand in Hand Messer um Messerzusammen mit den Deutschen gegen uns Partisanen kämpften Mein Vater schoss der Politkommissar der 6ten Brigade und manchmal wünsche ich mir solche Lektoren, wie meinen Vater, da hätt ich weniger Angst vor mir selber und den leeren Seiten oder ich wünsche mir: besser keinen Sohn, besser ohne Sohn die Wege laufen Vater Opa könntest du ihn auch vergessenen machen oder ganz weg Ich bin mir selber zuviel Ich zeige ihnen allen meine AutorenRequisiten
MIRCEA ZEIGT REQUISITEN UND FOTOGRAFIENAUS EINEM LANGEN KÜNSTLERLEBEN, AUCH DIE PANZER VON PRAG UND POZNAN, DUBČEK OHNE WOLF DEN WELTRAUM UND BERTOLT BRECHT.
Am 22ten Mai 1945 wurde ich von der Partisanenkurierin und späten Kommissarin des Frauenbataillons in Sanski Most geboren, ein Jahr später löste sich ein Stück vom Berg und sechstausend flossen in alte Stadt, ihre Knochen ihr Blut Sechstausend erschlagen von zwanzig jungen Männern konserviert in der Lehmerde eines Berges vor Sanski Most flossen durch die Strassen das waren meine Geburtswehen in der Mahala der kleinen Stadt Jetzt verirrt verwirrt sitze ich im Hotelrestaurant die Unschuld der Reichen der gelassene Blick auf meinen Hunger in der Lederjacke stammel ich nun LUSTMORD STATT REVOLTE LANDHESSISCH DAS SUSHIMESSER VON QVC hätte Lust die Mutter Künstlerin Aufzuschneiden mit dem Messer des Kellners Der ihr den Lammrücken vorschneidet Ich werde auch diese dünne Kehle nicht aufschneiden mein Leben lang werde ich nichts dergleichen tun bin nicht Jesus der das Schwert bringt Ich träume von Schwertern mache daraus Film In der Nacht im Krankenzimmer V ist meine Bühne Ungereimt mein Muttermund Kommen die Texte die Sprache verweigert den Blankvers Ich bin das Drama, der Schau Spielersohn ist mein Orest in Lederjacke WE ARE DEAD draufgeschmiert Kein Mensch, keine Fußspur, kein Staub, nur ein unsichtbares Auge, geführt von keiner MutterHand. dann stammel ich wohl weiter MIRCEA KANNST NICHTS MEHR ICH KLATSCH MICH AN DIE WAND schreib mit dir meine Verse an die Mauer aus Rigips mein Arbeitszimmer In diesem neuen Land kann ich nur noch zittrig löffeln und schneiden Man sollte Komödien schreiben in diesem trüben Menschenbrei mit glücklichen Idioten vor dem Bildschirm In der Hotelbar langweilt ein betrunkener Gast Eine Serviererin sie hat dienstfrei und darf stehend schlafen ICH MAG CHOWCHOWS sagt die Serviererin WEIL SIE SO KLEIN SIND BIITE SEHR WO BLEIBT MEIN DRINK schreit der Betrunkene ICH BIN GESTORBEN FÜR DIESE GESELLSCHAFT Sagt der müde Kapitalist auf dem Bahnhofsstrich Wie soll die Welt enden, wenn das Geld müde wird Der Strichjunge zieht sich schon auf dem Bahnsteig aus unter den Reisenden ins Nichts Die Welt ist beschrieben kein Platz mehr für meine Literatur mein zugenähter Muttermund stammelt I‘M KULTURBETRIEB MIT MINDESTRENTE NOW Das letzte Abenteuer ist der Tod Kauf mir bitte zweimal Katzenstreu MUTTER Mit erdigen Händen hocke ich auf den Marmorleisten des Grabes, wie immer am Einheitstag habe ich Zeit für den Friedhof, meinen Mann den kalten und ich gieße, denke. An meine umsonst geschriebenen Sätze, die Treffen mit Heiner und der Ruth, mit Christa und Stephan...vergessen und vergessen und vergessen. Die Mauer muss weg, schrie ich mit, ich wollte den Himmel sehen und am Zoo Bücher kaufen, ich wusste nicht, das mit dem Beton auch meine Sätze fielen, das Papier blieb leer seit 1994. Seitdem lebe ich in Bildern, schwarzen und weißen, selten bunten: Auf dem ersten Foto stehen mein Mann und ich, hinter uns die Fahne mit dem Stern an einer weißen Küste, der Traum vom Sozialismus weht mein indisches Kleid zur Sonne, zur Gleichheit, zur Freiheit an jugoslawischer Küste Blablabla Auf dem zweiten Foto mein Sohn, kahlrasiert, die Nase krumm, mein Sohn Der mir nie einer war, die Kämpfe um die Welt die gerechte, meine geschriebenen Sätze und Filme UNBESEHEN frassen Mutterbrust, die kleine wie die DDR. Ich war eine Frau unter tausend Männern, Meroe im Theaterverband ,Schwer wiegen die Sätze, die Blicke auf meine Brüste, das Geschlecht 1977 oder 1978 im Aufbauverlag denk ich an Biermann und meine den Nationalpreis, den bekamen und bekommen die lauten Stierer und Glotzer. Jetzt hocke ich auf meinem Bücherregal, ich passe hinein, esse nichts mehr, will mich schrumpfen, als Lyrikband verbrennen, wie meine zwei geschriebenen ich weiß schon wo und wieviel zuviel darf es nicht sein, wenigstens in der letzten Stunde eine gute Muh-Mutter sein, schuldenfrei ins Loch fallen. An meinen Novembernachmittagen sehe ich riesige Scheiterhaufen vor den Toren der Heldenstadt Leipzig auf denen zehntausende Bücher brannten meine zwei Kleinen auch darunter, sie überlebten die Übernahme in die Verlags GmbH nicht, ich löffle ihre Asche zum Müsli, den bringt mir mein Sohn jeden Mittwoch. Unsterblichkeit jetzt bist du ganz mein, hier am Stein zähl ich meine Stunden, die mir bleiben ohne Sohne, ohne Gleichheit. Ich fahre zum kalten Mann,immer am Einheitstag und singe PUEBLO UNIDO der Mann war mi im Winter 85 zu kalt, der Stern verblasst, wärmt nicht mehr, es bleibt nur hoffnungsfrohes kopulieren mit Genossen und Kinderbücher schreiben. Auf meiner Fahrt zum Friedhof zum kalten Mann, den einzigen, den ich liebte, lese ich ein Buch über DDR Verlage, vier von mehr als fünfzig blieben, der Rest brannte, verbrannt vom Schweinestaat der Staat, der mir keiner war und ist, verbrennt die alten Bücher. Meine Bändchen auch darunter, bin nur ein Leichtgewicht unterm Ascheberg meine Sprache in Resten...fein gesprochen und gedacht unter Erich, Tito das sozialistische mitgedacht...einst fremd, nunmehr oft ein frommer Wunsch. Manchmal gehe ich in die Kirche und bete für den menschlichen, den ohne Verbot und Verrat, den Sozialismus aus Prag, den aus Belgrad, den meiner Jugend, den jungen kubanischen, den auf Kneipenstühlen und Bergspitzen erhofften. Der Krebs mittendrin. Dann träume ich ihn in Wilmersdorf, da wohnt mein Sohn IST AUSGEREIST WEGEN BIERMANN KIRSCH UND KRUG in dieser Schweinezeit und ich höre das Grunzen im Koben
Ich bin nun Asche unter grauem Sand. Einmal in der Woche streichelt mich eine Hand, lässt es regnen, lockert die Erde auf, so dass ich durch die Eichenkronen den blauen Himmel sehen kann.