FLUSSLANDSCHAFT acryl 1991-2012

Bild einer Flusslandschaft in Acryl zwischen Tangermünde und Coswig. Das Bild ändert sich mit jeder Szene.
Parallel findet ein Konzert der YU Gruppe in Belgrad live statt, Oktober 1976. Annas Mutter,die Patientin V.besucht das Konzert,raucht trinkt tanzt.Sie ist Kunststudentin und arbeitet gerade an einer Flusslandschaft,von der Drina oder Save,man weiß es nicht mehr genau.
I.AM FLUSS

EIN AUTOR
ich laufe am zweiarmigen fluss entlang,die aussicht dass er fliesst und mit einigem glück in ein weites meer hinein oder hinauf tröstet noch,ich wundere mich über die drei bis fünfköpfigen männergruppen, die im grass sitzen,fast darin verschwinden und biertrinken. ich laufe seit fünfzehn minuten an diesen gruppen vorüber,schweigend trinken sie,die halme leicht gebogen vom flusswind,dahinter fallende köpfe aufgerissene augen,braunes glas steht liegt fängt das licht,spiegelt die kopfwunde und ich laufe an ihnen vorbei,den hockenden stämmem,die lippen dünne bösen striche,oder wundernde o‘s der speichel weisses binnenmeer, einer schreit BEDINGUNGSLOS dünn sein hals und rot das gesicht BEDINGUNGSLOS noch einmal.der fluss verschwindet im staub eines zertrümmerten hauses nun ein berg auf der afrodita (heimathafen swinousce) auf schleichfahrt,die sitzenden männer im gras reiben sich die augen,die zwei stunden liegen sie neben den braunen flaschen und die afrodita wird auf der odra richtung meer fahren.
BEDINGUNGSLOS schrie einer in meinen rücken und ein kleinwüchsiger mann schlief auf einer bank,er lag dort,bedeckt von einer feinen staubschicht
eines zermahlenen hauses, unter dieser feinen gelben schicht konnte man noch schwach schleimkeim lesen.
eine punkband aus der ddr,
verschwommen unter dem sand auf dem
weg zum meer.

II.FLUSSWIESE


EIN NUTZTIER:
es gibt eine schneckenart die sich im laufe ihre lebens zwölf zentimeter
vorwärtsbewegt
ich hab sie gefressen

III.FLUSSDAMM


MUSIKER 44,
vernetzt im kollektiv der schnodder
subjekte orientierung besitz lieb
werkzeug nachhaltiger egoismus
vergraben im garten eden rigoros
die das gärtnerhandwerk des besitzkinder
kultivieren eine kultur des jätens
des reissens kalt die felder nach schädlingen kurzäugig absuchen
wachtürme hochsitze für die herrensöhne
herrentöchter lockigenerbenkel sensibel für die muttererde den spatengriff teakschwer getränkt in olivenöl laut der
katalog handwerk aus zlin die gussform
aus dem jahr 27 bauhaus das luftspiel voller verachtung für daa
kind hinter dem tor
bin wohl ich
blond und kalt
wie ne elbe zwischen
m-burg und tangermünde
mein mund isn böser
strich elektronisch die musik

ER SPIELT EIN ACHTMINÜTIGES MUSIKSTÜCK
EIN NEUES FLUSSBILD IN ACRYL WIRD ERSTELLT.

KONZERT DER YU GRUPPE 1976.
https://youtu.be/Pyu-gffHYzU?si=bTmzHvtJa-o1c25L

ANNA UND STEFAN
(55, Krankenschwester und FILMAUTOR)

ANNA
mein vater ist tot
ein klicken in der leitung
die stille ewig

STEFAN
aus meinen zimmer
mache ich einen wald ein meer
aus meinem zimmer mache ich
eine bastille die ich stimmlos
erstürme als sonderposten allein
aus meinem zimmer mache ich
ein schlafwagenabteil eines zuges
der in der puszta stillsteht unter einem
silbrigen zwiebelturm auf gebrochener
erde und dürren pferden hinter
stacheldraht ein mann mit pistole der
einen jungen betrachtet der in seinem
zimmmer hinausschauht
aus einem halblinden
fenster in westberlin

ANNA
meine mutter ist tot
ein klicken in der leitung
die stille ewig

STEFAN
mein zimmer ist zu voll.
hat kein platz für trauer
den tiefen atem die seelenwanderung
am fensterrahmen an der
klinke die wände hoch runter
mein zimmer ist zu voll mit
resten halben inhalten motten
es ist müde mein zimmer
es steht nicht auf

aus meinen zimmer spucke ich
aus dem fenster auf die leere strasse
mit den menschen hinter fenstern
in ihren zimmern aus sand und
himmel wasser gebaut
machen sie nichts
schreien am tag
der toten

ANNA
das tut man nicht
ein klicken in der leitung
die stille ewig

AUS DEM TELEFON ERKLINGT EINE VIERMINÜTIGE SEVDALINKA.

IV.FÜNFTER STOCK
(BEZIRKSSTADT.Gang in der Pflegestation im fünften Stock. 3:15 man hört den Fluss und weiteres Wimmern)

ANNA
am neunten märz / morgens /
mittags / abends
ich hellblau cro
liege da starr im leeren korridor
wie der bleiche mond 3:15
die kinder schreien tochter
sohn engel hallo hallo
danke arte
weiß ich nun wie rom unter
schwarzer asche erstickte
das messer unterm mond
gotisch reiche senatoren
ins gleiche maß zu recht
schnitt und wie ich liege
riecht das kalte zimmer nach
zypressen und kiefernadeln
der bauch ist warm und
schiffe fahren wohin sie
müssen weit hinaus
aufs meer der mond
ihr navigator

PATIENTIN V.
wassili grossmann lesen und
den atem verlieren treblinka
die in die erde getrampelten
blonden zöpfe und kupferfarbenen
haare auf hellem sand der 120m langen allee zwischen tannen und stiefmütterbeeten schickten die selbstverliebten die sich immer
für die größten halten und hielten
frauen kinder alte in das gas
eine kapelle spielte laut ufa schlager
stumm der gang der menschen auf hellem
sand und schubert goethe bach in
den köpfen und herzen derer mit den schwarzen schirmmützen und
totenköpfen darunter
das nkwd nimmt 1960 alle entwürfe mit
grossmann bleibt verboten bis
1990 asche seine sätze
erde er unter kalten mond
nun vergessen
oder gebraucht
für fünf euro
zu haben
oswald spengler
ist teurer

ANNA
vor vielen jahrzehnten erschoss
die miliz branko vor meinen augen
am 9 märz 1990 in belgrad standen wir
in hauseingängen unsere väter die miliz ohne volk schossen auf uns
automatisch die söhne die keinen krieg
keinen führer kein grossland
wollten und nun sonstwo
irgendwo leben und
sterben die kugel
flog lang
ich sah das programm
und wusste ich würde
nicht hingehen es hatte
mir nichts zu sagen
einhellig
eintönig

Das Klicken in der Leitung wenn ich in der Spätschicht Belgrad anrufe.
Die Stille auf dem Gang.

V.FLUSSWIESE

MEHRERE NUTZTIER

wir stehen auf der flusswiese die nacht
die trauer den schmerz im nacken
heule still auf fröhlich gelbgrünes
pvc ostdeutsch blühend der verlust das leben ohne landschaft ODEG
hinter den kalten fenster lauert
das schwarz und ich hoffe ich
krepiere nicht in einer dieser
sternlosen nächte hinter kalten
fenstern im zug von a nach x
wo ich nich sein will aber muss
will die sterne sehen
in deinen augen
das licht
die menschen schwenken fahnen / kunterbunt und witzig
selbst das hakenkreuz humorig durchgestrichen
odern wortwitz mit braun und scheisse
die mitte glänzt antifaschistisch im sicheren hafen
an elbe aussenalster isar/ an der elbe schweigt man /
macht sein kreiz seinen haken
still hängen daran die
bösen wünsche die wut
das brennende haus
die menschen
der zorn vom
wolfen
riesa
zeitz
wir fressen nur gras

DER AUTOR
seit miras tod bin ich ein kleines kind
hab kein vater mehr kein mutter
bin ein stück trockenes holz
alles kann mich brechen
in nen busch werfen ins loch
greinend lauf ich greife
in die luft ins nichts
schlag mir die knie auf
das augenlid verblute lautlos
an der grossen strasse voller
staub im kindheitssommer am meer
der erinnerung
hab kein mutter mehr kein vater
die welt ist umgestürzt
ein hafen ohne sonne
ohne mond und im großen
wagen sitzen sie und fahren
zwischen den sternen
mutter vater das kind
wird still im dunklen
kein laut
still
jemand gräbt ein loch in märkischen sand
oder lausitzer torf
schreit heil und sieg
blut und boden
in der kommenden
nacht


KONZERT YU GRUPPE:
https://youtu.be/mTHxSK7trhA?si=aJrXQ0hrG0ezYitJ



VI.KRANKENHAUS AM FLUSS

PATIENTIN V
manchmal
denk ich
der tod
letzter rest
herausgerissen
aus dem herz
der brust der
jugoslawische
traum in der
frauenklinik. die frauen mädchen am fenster /der kalte fluss kriecht durch das marode fenster/ das mädchen mit dem zerstörten geschlecht zeigt sich / die losung auf zum 9. parteitag hängt von der zentralen poststelle auf einem schwarzen schneeberg / die synagoge fensterlos wird von Jens und Marcel geschändet JUDA VERRECKE gelb die farbe/
hannelore schläft heute nach einer woche mit ihrem mann/ der dichter richard leising liebt gebrochen inmitten von vier dutzend flaschen korn/sein freund hoffmann streicht in der akademie der wissenschaften alle
alle trotzkisten aus dem register der exilschriftseller / ich nässe in mein bett dass mache ich seit der geburt liebe abba und birgit aus der georgi dimitroff strasse/ ein italienischer kommunist schreit es lebe die freiheit an der mauer oderberger strasse ostseite/ der himmel ist schwarz denkt maxie und das es keine gnade keine liebe keine wärme gibt ihm tod / er ist nur grausam und das erdloch dunkel und kalt / wie der weltraum genossen/ dt 64 spielt kampf um den südpol von der stern combo meissen / in der schoppenstube küssen sich vier männer/ die tochter von biermann tanzt zu cream und ihr vater singt etwas in köln/ auf der spree treiben eisschollen/ im teltowkanal ertrinkt ein junge/ müller schreibt an der maschine hamlet / mein vater säuft seittagen und lallt praha prag
ein mensch brennt / hermlin isst in Hamburg / die vopo verhaftet einen mittelmäßigen bühnenbildner / thomas brasch schreibt in westberlin ein gedicht / jemand spricht es und sechs zigaretten ihre glut leuchten wie rote sterne in der nacht in ostberlin
Was ich habe, will ich nicht verlieren
Was ich habe, will ich nicht verlieren, aber
wo ich bin, will ich nicht bleiben, aber
die ich liebe, will ich nicht verlassen, aber
die ich kenne, will ich nicht mehr sehen aber
wo ich lebe, da will ich nicht sterben, aber
wo ich sterbe, da will ich nicht hin:
Bleiben will ich, wo ich nie gewesen bin
1977
die frauen mädchen sie rauchen zu sechst zigaretten
der arzt macht visite eine erzählt eine geschichte )
Was macht die Blutung / muss kotzen von der Chemo / mir ist immer so schwindlig / es gibt keinen Gott / mein Urin ist blutig / die Sterne so still /
es riecht nach Kohle / mein Bauch ist leer / will jmd meine Tavor / ich habe Angst / ich bin müde / die Notbeleuchtung ist zu hell / das ist das todesrasseln / das todesdreieck im gesicht/ sieh nur wie spitz die nase ist/
sie greift nach den sternen / nein. sie kämpft mit dem tod/ die augen aufgerissen sie schielt / ohne glauben sternen / ich blute schon wieder /
kann jemand die rumänin beruhigen / was spricht die / faust von goethe /
dumme sau/ ne die war dramaturgin BE / ick geh nur in palast/ oder gambrinus quelle/ ich sehe himmel und meere/ eine stirbt / eine gebärt /
eine kommt morgen raus / übermorgen wieder in der kaufhalle/
flaschenrückgabe / wie die paula ohne paul

PROFESSOR
so die damen bitte
die jodtabketten nehmen
für euch viermal tabor
der sputnik gegen todesfurcht
ich wechsle mal die figur
aus dem Klinikarzt Parteimitglied seit 31
Kommunist
in Spanien an der Ebrofront
(die mädchen summen das lied der ebrofront)
flickte ich Anarchisten Trozkisten Kommunisten
baute diesen Staat auf nun flicke ich dessen traurige
frauen und müde Mädchen als roter professor
und rotem lada und dritter ehe ich werd mich im juni 90 in die spree
werfen direkt vor meiner klinik
lieber totes treibholz als grossdeutscher privatarzt
Ich kleb mir den falschen bart echt
werd zum ehemann künstlermann
lagerhund und liebemann
ich häng mir dem fotoapparat
um und fotografier das leben das sterben
frage mich, wie ging es dem soldaten als er uns 45
im lager wir haut und knochen knipste mit seiner beuteleica
die fotos trag ich im kopf von meinen
knochenbrüdern ascheschwestern aus mauthausen
ravensbrück dachau stutthof belsen
seitdem knipse ich nur wurzeln bäche gotische bögen
und les nen text von meiner frau
die so gerne lebt liebt
so wie ich gerne sterbe jede nacht
denn ich bin in den lagern gestorben
im gas im feuer sing ich heurige lieder
überleber leck ich mir das kz tatoo von
der haut wenn ich lange genug lecke
wird villeicht ein anker draus
ich lebe im besseren deustchland
das der kz wächter, ss leer und nazi richter
der mercedes gaswagen und bayer giftgasdosen
ist hinter der mauer die schützt mich vom
albrtaum von der asche aus der ich gold sortieren
musste / ich schreibe und fotografiere sehr gerne
bäume und küsten himmel jenseits der mauer
bretagne ligurien gallizien für die menschen
hinter der mauer
mein antifaschistischer schutzwall
ihr gefägnis
das ist meine lager dialektik


VII. PATHOLOGIE

DIE TOCHTER DER PATIENTIN
mutter
ich greife vor in der zeit und nach
ostwestbrdddr deustches stillbrülleben
so wie picard die enterprise star treck
eine zeitmaschine wie bei jules verne
ist diese zigaretten
ihre glut ist meine unsere zeitschine
mit juwel 72 nach deuschland im Winter 24
heute habn wir den jänner 2024
ihr seid schon längst gestorben
du mutter im sozialismus
du vater im trüben brei danach
ich wurde lehrerin für mehr hats nicht
gereicht bei so klugen eltern
und die utopie habt ihr mir löffelweise
weggefressen blieb nur das schulessen
Ich kenn keine Tage keine Stunden seit März 20/ seitdem
löffel ich meine gesamtdeutsche Rente / das vereinigte Almosen
nach sechs Umschulungen und einer Rente ohne die
Würde von 30 Jahren Arbeit ohne die Würde am Menschsein
an der POS Zetkin / reicht für Aldiwurstwasser und dürre Hühnchen /
Sabina lerne lerne und streiche Zetkin aus dem SchulNamen
sagten die Männer aus Hamburg Senatshilfe Bildung /
die Männer aus Hamburg
die sagten nur Russen Kommunisten Stalinisten raus
aus deutschen Schulen
die Männer aus Hamburg sagten nur Bismark rein und Bebel
Liebknecht Büchner raus und du rote Petra kriech in deine Platte
verscharr dein Menschenbild des Sozialismus in
Arbeitslosigkt und Discounterkot/ SOWJETWEIB SED LERIN / ist ne neue Zeit für Hamburger mit Dschungelzuschlag / unsre Väter bei SD und SS unsre Mütter hintern Elbherd bauten Deutschland wir den Affenosten/
seit März 20 hock ich schwarzer dünner Vogel auf meinem Bücherregal und brüte Büchner Zetkin Liebknecht aus / die Platte ist nun mein Panzerkreuzer am Dreesch/
Schwerin Mitte / Ich seh die Welt nicht an von meinem zwölften Stock
schlafe kaum und kurz / sehe nur noch in mich hinein bin untergetaucht in der Milz / Kaffeebohnen / Pfeffi Brüder zur Sonne / meine Dialektik/
Quantirät und Qualität im NervenSystem und Muskelschwund /
male mir grosse Augen ins müde Gesicht japanisch /
ins dunkle starren Bürgergeld und Manga sei dank
gross meine Trauerfresse glattpoliert im Comicquadrat
kenn ich vom Enkel das japanische seine Mutter seh
ich einmal im Jahr unterm Weihnachtsbaum / die sagt nur Heil
und. Mangas für den Enkel / keine Geschenke nur Bargeld Mutti
hab ich doch hab ich dich Sylvia
Seit 1990 das Innen nach Außen gewendet
auf meiner Paulshöhe Stock zwölf der freie Fall dauert
3;6 Sek hab’s mit nem Kartoffelnetz probiert
die Uhr stellen zum Aufstehen ist nun meine Hauptaufgabe
Klassiker des Marxismus langsames Aufgeben und Weghören
die Zahlen der ohne Geld / steigen jeden Tag,
Mutter und Vater Kind starren in Bildschirme
In mir unbekannten Krankenhäuser begegnet sich Leben und Tod
brennt die Nacht, der Rauch billiger Zigaretten und die Angst kommen
und die letzten Küsse,Freunde der Eltern aufgeknüpft unter Wärmelampen.Hartz IV heißt Bürgergeld / Kalt ist dass Betrachten der Hängenden kalt wer was hat / der Rest schweigt und Polizisten kennen das Bild, ist nicht ihres / der Rubel und die Wanne rollt fest. Allein in Anhalt gab es ungefähr Hundert Selbsttote in einem Jahr, der Mundschaum weggewaschen vom Mundwinkel, der letzte Song, Grieneisen oder der Nummer Eins Billigbestatter haben Konjunktur. Im Krankenhaus weisse Kittel, eine Linde duftet im Hof mitten in der Staft, unbesucht die sterbende Tante, der Onkel, der Cousin und ich liege hinter einer abgeschlossenen Tür in meiner deutschen demokratischen Platte will mich nicht teilen beim Mutter, Vater Kind...Spiel, ich rauche für mich allein / Bildschirm und weiße Wand meine besten Freunde / ich mit mir bilden eine traurige Bande / die Zigaretten natürlich selbstgedreht
aus meinen alten Lehrbüchern / rauche nun Goethe Schiller Scholochow und Kant,den Herrmann / für mehr reicht das klamme Geld nicht,
sagt der Fernseher / die dumme Sau, ein Vater brüllt AKTUELLE KAMERA
gleicher Lohn für alle / der Fernseher sagt / GEZ für alle reicht es nicht
arbeiten / wie lange / wisse man nicht / arbeiten /solange wird gedreht
und geschwiegen / Wissen ist keine Macht mehr eher blablabla /
ich steck mir den Satz MIR GEHTS GUR in den trockenen Mund / blauer kalter Rauch, zieht immer wieder durch das kalte Zimmer über den Seen
die Angst der Raucher vor dem Sprung / warum ich bin /
weiß ich manchmal nicht mehr in vier dünnen Wänden
mein Knast, mein Vollzug ist ein freiwilliger / In den anderen vier Wänden schlagen Fäuste,Stöcke,Gürtel,Fäuste in Kindergesichter,zertümmern Frauenköpfe / Niemand hört es die SOS Telefone bleiben unbesetzt /
Haushaltsstop kein Geld.Kein Personal/ Die Klingel bleibt unerhört im leeren Büro.Wen rufst du an? Fragt die Stimme...danach der Schlag und noch einer und noch einer / Frauenhäuser schließen ihre Pforten, zu gross die Zahl der Frauen,Mädchen Jungen die schweigend die Schläge ertrugen, schwiegen, den Schmerz wie die tägliche Suppe in sich löffelten, das Kauen ging schlecht, schlucken gerade so und nun stehen sie vor der Tür, wir sind voll...das Amt hat kein Geld, muss sparen oder Mitarbeiterinnen in das Gesundheitsamt schicken.Die Krankheit frisst die Menschen. 2023 kam es zu einer Zunahme häuslicher Gewalt gegen Frauen und Kinder um 20% das sind ungefähr 180000 Frauen und Kinder in ganz Deutschland, am schlimmsten ist es an den Feiertagen unterm heilig Baum splittern die Körper,allein in Berlin wurden 900 Frauen und Kinder an diesem Tagen ambulant behandelt / Wie die Ratten trinken wir JUNGEN UND MÄDCHEN IM ABITUR
in dunklen Hauseingängen das billige Bier,schweigen,
sammeln auf Bildschirmen Items und Booster
Das Lachen erstickt im Sternburger, eine Polizeiwanne gleitet vorbei, die Jäger sind unterwegs Pickelfressen MÄDCHEN UND JUNGEN kontrollieren.
Ich hasse Kinder die Lehrerin mit Seeblick hocke in meiner Platte
sinnloseser als mein Kot diese Displayglotzer
Das Sternburg hinuntergestürzt, die Angst ist gross,Vater und Mutter oder nur Mutter oder nur Vater fragen nach dem wohin, woher, wann kommst du, was willst du / Sie lachen in den Flaschenhals, schleiche in die Familienfestung / Mutter und Vater eingeschlafen beim Netflixen, irgendeine beschissene Serie mit Mord oder besser ohne...
skandinavisch am liebsten, die erzählen langsamer.Langsam ist auch mein Leben, langsam die Krankheit, langsam das Sterben
Stunden wie Tage, zieh mein Pyjama gar nicht mehr aus, ist mein neues Arbeitskostpm nich vom Jobcenter vermittelt / habe ganzjährig Fasching jeden Tag, wäre da nicht die Angst und das Heulen und die Müdigkeit.
VATER MUTTER KIND heulen / Mein Pyjama ist meine neue Fahne /
die ist nicht mehr rot eher ausgewaschen Himmelblau
mein roter Platz heißt Karl Marx Straße Schwerin Mitte
mein Tanz „auf der Stelle trippeln“
Sabine EisamStiel heißen ich nun mit Nachnamen
und wohne ganz oben, wie die Götter
wie ihr die österreichischen Marvelhelden ausm
kommunistischen Manifest
bloß die bekommen keine Bürgerhilfe
Mein Büsserhemd gestreift oder kariert
tut mir leid Vater nicht so schwer wie dein Lagerhemd
trag ich mit meinen Brüdern und Schwestern Jahrgang 65 oder später
letzter Schrei,fresh in den Kälteschlaf, vielleicht stehe ich irgendwann auf und ziehe mir was an und tanze richtig
trippel nicht mehr
heimlich und gestreift
in einem Hauseingang
zu nem Hit von Depeche Mode
oder zu Pueblo Unido

VIII.AM FLUSS

EIN NUTZTIER
er hielt in seinen fleischigen händen
eine zigarette steckte sie in die
noch winterkalte erde seine mutter
sein vater würden sie jetzt teilen
kein rauch stieg in den wolkenlosen
himmel nur drei worte
am sonntagmorgen und
ging in den fluss

KONZERT YU GRUPPE: https://youtu.be/pRicO0Ca044?si=XMBAaz_GbudxIcv4

XIV. IM FLUSS

DER AUTOR
ich stehe auf einem weißen Feld.
Der Mund aufgerissen um genau dreihundert Schneeflocken herunterzuschlucken / Das habe ich mir vorgenommen / ein Zeitmass gegen die Kälte / Die durch morsche Stiefel und dünnen Stoff auf meinen Knochen klopft / Meine britische Winteruniform aus dem Jahr 49 wärmt mich nicht im Winter 88 / Hochebene des Manjaca Gebirges im Winter 44 fest in der Hand der Waffen SS und der Chetniks / Zuviele Regruten haben sein braunes Winterfel Made in Britain abgetragen / im Frieden vierzig Jahre alt / Rinde um Rinde Angst um Angst Hunger um Hunger / Wir bekamen zu kleine Portionen in den Bergen / Winermanöver 88 / Sechs Jahre später vegruben sie dreihundert Männer Frauen Kinder auf dem weiten Feld mit deutschen Baggern / Die mit dem Stern / Der Himmel grau und bedeckt / Von Flugzeugen und Drohnen unbeobachtet / Konnte man Menschen unter die Kartoffeln pflügen / Was wächst aus der Erde im Sommer aus Knochen kleinen großen / Nichts davon weiß ich stehe auf dem weißen Feld / Dreihundert Schneeflocken fallen / in meinen Mund / unter blauem Himmel

DER MUSIKER
Im Wintermanöver 1988 hatten wir Hunger
wie die Falken
denn nur der Hunger hielt die Vögel
bei ihren Herren den Offizieren
diese schlugen die Menschen tot
rissen vorher ihre Sterne von den Schapkas
fünf Jahre später

DER AUTOR
in meinem schrank hängt eine uniform / ich nahm sie mit nach budapest / auf halbem in das neue deutschland / 1991 / wegen der miltärpolizei an der grenze / wenn sie mich gefragt hätten würde ich sagen können / ich bin auf dem weg zurück zur einheit / aufklärer der gardebrigade / operationsgebiet slawonien / doch es kamen keine militärpolizisten / die uniform hängt dennoch in meinem schrank / wir reden miteinander / moja uniforma / i ja

DER MUSIKER
Ich stehe auf einem weißen Feld.
Es ist ein weites Feld, der kaltgewordene Staub Brandenburgs
und der Himmel über mir ist rot grün wieder rot
AAAAAAAAAAAAAAH
Leuchtspur um Leuchtspur.
AAAAAAAAAAAAAAH
Ich habe meinem Mädchen ein buntes
Sylvester versprochen und halte es ein
das Auto parkt unter nackten Winterbäumen
und der Stotterer von Fehrbellin der Zitterer der Manjaca
brülllt AAAAAA Schuss um Schuss und bittet sein Mädchen
dass sie tanzen solle auf dem harten weissen Staubfeld und
Knochenkartoffeln liegen unter Eis
Sie tanzt und ihre goldenen silbernen violetten smaragdgrünen
Sterne tanzen und leuchten unter beschossenen Himmeln
Leuchtspur um Leuchtspursie hat ihr Kostüm an
denn sie tanzt an allen Sylvesterabenden
das Bafög reicht nicht und der Prinz zittert zu sehr

TOCHTER DER PATIENTIN
lieber freund
leider gehts es meiner mutter immer noch nicht gut,
mir scheint, sie will nicht mehr. es ist traurig,auch wenn
unsere beziehung keine innige war. am ende ist man mensch.
Ich sprach mit ihr, denn sie hütet meine Geheimnisse
mit ihrem vergessen / govorim mami moje tajne / ona ih čuva
svojim zaboravom

XII.FLUSSLANDSCHAFT AN DER DRINA.GRENZE ZWISCHEN BOSNIEN UND SERBIEN.

ANA
mama slušaj dok leziš u beloj posteljini
doma za zaborav i sporo umiranje
sa bulevara karla marksa se čuje
šum nekog zivota

Ja
mama
sedim pod borovima
i pevam šal od svile
za sebe i tebe i padaju iglice
bora kao stene granate teške
na nase udvojene glave
pune straha osećaja raznih
ranih ljubavi raznih pokušaja
usne znaju za kraj poslednja
igra naših srca vec nalomljena
stakla pod tabanima krvavima
voleli smo mnogo da plešemo
da falširamo da popijemo
tudja pića nase usne stvorene
da se ljube jedan cijeli zivot

na dohvat ruke vrat usne tvoje
kao od zemlje pod mojim prstima
noktima on, radosna usta
pričaju mi o čempresima
pod kojima zaboravljamo
tvoj grad moj grad i
tenkove na ulicama
avijona nad gradom
otac moj sad zemlja
i tvoj posećujemo tudja
groblja i zemlja teška očeva
pod noktima jer grabezom
crtamo čemprese na
njihove grobove zemljane
nedelja je i ja mislim
na usne njene
pod noktima
teska zemlja
oseca se miris
borova i
pevamo
šal od svile

PATIENTIN V
Sine promeni program.
Hoću, mama.
Sohn, schalte bitte um.
Gerne, Mutter.

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