MÜLLER EINE CHRONIK


NEUNZEHNFÜNFUNDVIERZIG
NEUNZEHNFÜNFUNDNEUNZIG


TUPPA UND PEPE
(liebesduett heiner inge.lyrik auf lyrik.inge spielt weltmeisterakkordeon
der sozialismus wird aufgebaut.bunt nun kriegsgraue welt)

INGE
33 war ich ein gläubiges Kind meine Eltern warn gut und fleißig
erwachsen wurde ich 39 als der Krieg anfing
45 war jeder ein Greis, ich wollte nicht leben und nicht sterben
In den Trümmer 45 da fand ich mich
Und band mich in ein Tuch
Ein Knochen für Mama
Ein Knochen für Papa
Einen in dies Buch
Ich sah die Welt in Trümmern, ich sah den Tod und die Gewalt
noch eh ich jung war war ich alt, ich lernte Tote bergen lernte weinen ohne Tränen
Ich hab auch im Zuchthaus gesessen drei Tage im Keller wegen Wehrkraftzersetzung
Ich wollte das Eiserne Kreuz nicht nehmen
Für Selbstverständlichkeit Blutende und Sterbende nicht so Krepieren lassen
Ich wollte das Kreuz nicht
An dem Keller trag ich noch immer Schwer.
Schreiben wollt ich Farben finden

MÜLLER
Worte verstehn

INGE
Lieben

MÜLLER
Sehn

INGE UND MÜLLER
Weitergehn.

INGE
Wer ist hinter mir her?

MÜLLER
Der Krieg hat aufgehört.Hinter den Bäumen schwimmt die letzte Wolke rötlich

INGE
Wir trafen uns im Kreis von Schreibern und solchen die es werden wollten
Du hocktest da wie ein Greis

ALLE RUFEN:
JAZZ UND LYRIK!

(Jazzrythmen. Poetry slamming in der Haupstadt der DDR.Politische Gedichte.Sonja die Sanitäterin nebelt den weißen Raum ein.Die DDR ein Jazzland)

DAS IST UNSER KOMMUNISMUS


I
Gegen mittag der Bauplatz, die neue Schönere Landschaft Schornsteine. Montagehallen. Stahl und Beton. Erde, aufgerissen, Berge, versetzt mit Maschinen und Händen, Lärm und Staub.

II
Die Alten sammeln hier Reisig Fünf mal hundert Jahre lang Hier werden die Brikettfabriken stehen in Fünf Jahren und die neuen Kraftwerke. Hier ist Schönheit.

III
Der Folterer Barbiewar der Erfinder der Barbiepuppe.

IV
Hinter dem Traumwald der zum Sterben winktSah mein Gesicht mich an: das Kind war ich.

V
der Genosse Stalin ist mein Vater
ich bin ein träumendes Kind
mein Traum vom Kommunismus beginnt in Leuna 1920

VII
INGE UND HEINER

HEINER
so habe ich Inge kennengelernt
sie war mit einem zirkusdirektor verheiratet

INGE
nicht mehr lange

HEINER
ihr dürft meinen rasen nicht betreten
brüllte er noch der

ALLE
IM BEROLINA

HEINER
deine scham sein kundschafterversteck
ich hab nen schwanz sagt inge

ALLE
ZEIGMAL

INGE
ist mir im krieg gewachsen
wie meine trauer
ein dunkles tier

HEINER
wir haben zuviel geraucht

ALLE
UNSER VEREINIGUNGSPARTEITAG

INGE
belomorkanal ost

HEINER
lucky west

INGE
in der mitte kinobesuch roten Wddimg

ALLE
JOHN WAYNE ERSCHIESST ADENAUER

INGE
am lehnitzsee rauchen
weit der himmer die sterne hoch zum greifen nah

HEINER
wie majakowski sterben

ALLE
DER SCHUSS

INGE
ja oder mandelstam

ALLE
DER STRICK

HEINER
zuwenig gelesen LOS TUPPA lies schneller

INGE
Rosow Simonow Babel Charms Mandelstam

ALLE
ACHMATOWA

HEINER
na ja

INGE
ach komm heiner
wir gingen jeden tag tanzen
jazz und lyrik

HEINER
cafe nord ganymed bei den jugoslawen in der kristallbar
UNSER JUGOSLAWISCHER TRAUM

INGE
Tito Selbstverwaltung der dritte Weg
SLJIVOVITZ und SOZIALISMUS

HEINER
mit freunden die welt umkreisen
laika sieht uns zu

EMIL
DARF ICH LAIKA SEIN
INGE
Möwe Kastanieneck Ratskeller
wolf peter und bettina thomas wolfgang

HEINER
nee Wolfgang spiel mal jetzt nich
bierdeckel voller träume
schauspeler ohne maske

INGE
müde warn wir nie

ALLE
DENNSOZIALISMUSVAUFBAUN

INGE
haben viel getrunken in langen nächten

ALLE
SCHNAPS WODKA BIER

HEINER
wir haben viel geliebt
bummsbummsbummsbummms

INGE
wir haben zu wenig geliebt
bummsbummsbumms

HEINER
wir haben viel gearbeitet
wieviel seiten hast du zehn ich zwanzig mist

INGE
wieviel seiten hast du jetzt hundert ich auch
ein vertrag

HEINER
volk und welt AAAH
vorschuss 500

INGE
hörfunk der ddr 1000 OOOH

ALLE
IST BESSER

INGE
neue wohnung in pankow
urra

HEINER
wir haben zuwenig geschlafen
urrra

INGE UND HEINER
wir schreiben kinderbücher gedichte lyrik pornogedichte
liebesgedichte hördramen dramendramen monidramen

ALLE
ROMANE NICH

HEINER
dauert zu lang der Kommunismus kann nich warten

INGE
keine zeit für den schlaf
Frage an den Hund im Kosmos WIE SIEHT DIE SACHE VON OBEN AUS

EMIL
Gut WUFF

HEINER
und alle rufen zum Mond junge Wöfe und Wölfinnen
ein gespenst geht um unser ABC des Kommunismus
… (tragen das bild rein)
wir haben mit freunden diskutiert

FREUNDE

Rb
Inge wie brauchen einfach eine neue Form des Lehrstückes
radikaler als Brecht

Ro
so was wie Weiss aber mit Jazz

Ju
Nicht die illustrative Wiedergabe von sozialistischer Realität

L
sondern ihre Widersprüchlichkeit aufzeigen und somit Probleme
aufzeigen

E
EIN GESPENST GEHT UM IN PANKOW huhuhu

Jo
HASTE MAL NE FLUPPE THOMAS

R
KLAR WEST OST
nee Wolf spiel mal nich

L
aber die Widersprüchlichkeit darf nicht zum Instrument der InfrageStellung unserer sozialistischer Positionen werden

B
Parteilichkeit und viele Songs

E
VODKA FÜR INGE UND DEN WOLF

JoNEE ICH HEUT NICH HAB MORGEN IN SCHWARZE PUMPE
übrigens haste mal zehn mark

E
NEE aber Bettina

Ju
unsere Stärke liegt in der Parteilichkeit von Kunst
Haltung klar machen Verfremden
das befindliche emotionale Melodramatisiween des BRD Theaters ist

F
nicht weit weg vom gefühlgedröhne eines Rühmann Goebbels oder
Heesters Waffen SS Strichjungencharme
F
ICH HAB SIE IN DEN BRAND GESCHOSSEN ALS VOLKSSTURMund in Schwerin die Straßen gefegt
nee oder war das in Waren
Das war so stumpf da im Norden
schon

L
Du kannst nicht die vorrevolutionäre Erfahrung eines Brecht in die nachkriegliche staatsrevolutionäre umserer Republikgründung überleiten

R
Die Macht des Proletariats ist eine junge ungefestigte,so muss unsere Kunst sein YOUNG AND WILD WIE DER WESTERN IM ZOOPALAST Neue LEVIS die machen wir selber im Kommunismus,

E
nee in Grimma

L
Jung ungefestigt jedoch parteilich und nicht dogmatisch in seinem nationalkommunistischen Utopismus

Rb
JETZT REICHTS MIR

J
WAS DEN THOMAS
THOMAS

RPanzer in rotem PRAG in unserm roten Prag

J
das ist Budapest 1956 du bist zu früh
mit deiner Ambition

DIE KORREKTUR

INGE HEINER
Die Korrektur unser erstes gemeinsames Stück
Ein Bericht

INGE
Vom Aufbau des Kombinats Schwarze Pumpe.

HEINER
Auftritt ein Brigadier: Bist du der Sekretär?

INGE
PARTEISEKRETÄRIN
Ja.
Was ist?

HEINER/BREMER
Ich heiße Bremer, bin Parteimitglied seit 1918, war im KZ bis 45, Funktionär bis vor acht Tagen. Die Partei hat mich in die Produktion kommandiert, weil ich einem Nazi in die Fresse geschlagen habe, der bei der Nationalen Front einen Posten hat. Und jetzt bin ich hier im Kombinat.

INGE/PARTEISEKRETÄRIN
Gut, Genosse Bremer. Du arbeitest im Abschnitt 6 als Brigadier.Du wirst Schwierigkeiten haben. Der Sozialismus wird nicht nur mit Sozialisten aufgebaut, hier nicht und wonders nicht, am wenigsten hier. Das Kombinat ist eine Großbaustelle, kein Musterbetrieb, und wir müssen schnell baun. Unsre Industrie braucht Strom und Kohle und braucht beides schnell. Du kommst nicht durch, wenn du dich nicht an die Partei
hältst.

HEINER/BREMER
Hier bist du die Partei, was?

INGE/PARTEISEKRETÄRIN
Die Partei hat mich hier eingesetzt. Du kannst mich kritisieren, wenn ich Fehler mache. Dazu gibt es Versammlungen. Auch dazu.

INGE
Auftritt des Arbeiters Franz K.

HEINER
lieber gleich die ganze Brigade
ein Tableau des Klassenkampfes

SCHAUSPIELER
Ich bin Bauarbeiter, rot seit 1918, seit 46 nicht mehr so. Ich habe mit der Wismut das Erzgebirge auf den Kopf gestellt, acht Stunden täglich, in Schächten one Sicherung, die jeden Tag absaufen konnten.

SCHAUSPIELER
Wer nicht mit dem Schacht absoff, soff ab im Schnaps. Wen der Schnaps nicht fertigmachte, den brachten die Weiber auf den Hund. Es war schwer, sich herauszuhalten: aus den Schächten, aus den Weibern, aus dem Schnaps.

SCHAUSPIELER
Jetzt hat sich das gebessert: die Schächte sind gesichert, und die Weiber sind verheiratet. Hier im Kombinat hab ich mir noch kein Bein ausgerissen.

HEINER
Szene Die Normenschaukel

INGE
Musik Jazz Auftritt Nazi

DER MAJOR
Komm auf die Schaukel Brigadir

FRANZ K
Er ist neu ,klär in auf Major

MAJOR
Das ist die Norm,gemacht von einem Streber.Die muss korrigiert werden.Also wird geschaukelt
Was wir nicht schaffen,schaffen wir auf dem Papier.Den Bleistift hast du.

BRIGADIER
Bei mir steht hundertzwanzig.Betrug kommt nicht in Frage.

MAJOR
Ich schlag dir aufs Maul du Kommunist

INGE
Wir arbeiten an der Erneuerung des sozialistischen Lehrstück
Epische Texte Jazz

HEINE
epische Spielweise

FREUNDE MIT LEHRSTÜCKEN.UMSIEDLERIN.LOHNDRÜCKER


SONJA:
ACHT JAHRE EINE NACHT
Wohnzimmer in Pankow. Bettina Wegner singt Schlager und wird von Fernsehreporter interviewt. Inge mit Akkordeon und Suff hat mit ihrem Blut ein Hakenkreuz gemalt.Sonja die sowjetische Sanitäterin verbindet ihr die Venen

BETTINA
singt

FERNSEHMODERATOR
So meine lieben Zuscahuer das war unsere zauberhafte Junge Bettina aus dem Vokalensemle
des Fernsehens der DDR (Originaltext folgt)

HEINER
Acht Jahre
Hör bitte auf

INGE
Du hast mich ausradiert
Umsiedlerin HMüller
Der Bau Heiner HMüller
Die Lohndrücker HMüller
Die Korrektur HMüller

MÜLLER
Hör auf zu saufen

INGE
Ich trinke

MÜLLER
Hör auf zu tanzen

INGE
Hier mein SELBSTBILDNIS ZWEI UHR NACHTS:Dein an der Schreibmaschine sitzen. Mein auf dem Boden liegen. Dein Blättern in einem Kriminalroman. Am Ende Wissen, was du jetzt schon weißt: Der glattgesichtige Sekretär mit dem starken Bartwuchs ist der Mörder des Senators und die Liebe des jungen Sergeanten der Mordkommission zur Tochter des Admirals wird erwidert. Aber du wirst keine Seite auslassen. Manchmal beim Umblättern ein schneller Blick auf das leere Blatt in der Schreibmaschine keiner zur Tür von meinem Zimmer.
Der Sergeant ist gerade dabei den zweiten Mord zu verhindern Obwohl die Admiralstochter hm (zum erstenmal!) die Lippen hinhält, Dienst ist Dienst an der Kopulationsfront.Nebenan träumt deine Frau von ihrer ersten Liebe. Gestern hat sie versucht sich aufzuhängen. Morgen wird sie sich die Pulsadern aufschneiden oder wasweißich. Wenigstens hat sie ein Ziel vor den Augen. Das sie erreichen wird, so oder so und das Herz ist ein geräumiger Friedhof. Die Geschichte der Fatima von deiner Frau im Neuen Deutschland war so schlecht geschrieben, daß du darüber gelacht hast. Der Krimi ist gelesen.Jetzt kannst du schlafen. Morgen ist wieder ein Tag.

HEINER
Du schreibst doch nur Kinderbücher,Kinderverse. Höchstens mal eine Revue für den Friedrichstadtpalast natürlich für Kinder. (nimmt Manuskripte liest vor)
Ach du grüne Neune Pittiplatsch wie willst du den Kosmonaut werden
So eine Scheisse
Verkrampft
Nicht zu Ende geschrieben,nicht zündend geschrieben
Meine Korrektur deiner Korrektur
Korrigier dein fettiges trauriges Haar
Das ist doch alles Scheisse
Jetzt spielt sie wieder deine Weltmeister
Die einzige Welt die du fassen kannst
SchwarzWeiss die Knöpfe fleissig üben die Töne,fleißig schreibst du auch
Und jetzt musst du mir beweisen,dass du gleichwertig und eigenständig bist als Autorin. Grotesk. Auf deiner Steuererklärung muss immer mehr einstehen an Einnahmen als bei mir,das ist alles zu unseren Ungunsten steuerlich gesehen…und wenn du mal was schreibst dann ist das immer mit Übereinsatz verbunden,mit Verkrampfungen

INGE
ICH SEH DICH SO AM SCHREIBTISCH SITZEN: GEBEUGT
Unter der Last deiner Gedanken, ausruhend von den hetzenden Träumen der zu kurzen Nächte,
ein Vogel auf dem Fenstergitter stört dich, sekundenlang ist da die Angst der Neugeborenen in deinen Augen und du greifst nach dem Bleistift wie nach meiner Hand (Wie ich nach deiner greife. Manchmal.) Und ich sag dir wie der Vogel heisst.Und wie er singt. Du schreibst es auf.
Beruhigt malst du dein Gesicht auf eine Streichholzschachtel und nimmst eine neue Zigarette und schreibst mit unserm Blut die Chronik dieser Zeit.


MÜLLER
Acht Jahre schneide ich dich schon vom Strick, hol dich vom Balkon aus fremden Betten

INGEMÜLLER SCHLÄFT WENN ER MÜDE IST
MÜLLER ISST WENN ER HUNGRIG ISTARBEITET WENN ER KANN.MÜLLER LEBT WIE ER MUSS,ABER ER MUSS NICHT WAS WIR MÜSSENMiete zahlen Mittag machen Wäsche kochen
Der Majakowski mitgekocht nur noch Brei in meinen Händen
meine Lyrik schrumpft bei 60 Grad dass deine Schlüpfer glänzen
ich wechsel die Männer wie du deine Sujets
schaffst zehn Seiten am Tag
ich nur einen halben Sprung
vom Balkon
weit ist der Himmel

MANFRED KRUG
Sag mal Heiner du hast da einen neuen Text

HEINERDer Bau,es geht da um einen Brigadier Balla
zitiert aus DER BAU

MANFREDdit wirdn Film

UNTER TRÜMMERN

MÜLLER
Inge hör auf
Inge bitte

INGE
Zwei Seiten Hörspiel
Zehn Seiten Kinderbuch
ich möchte jetzt dass dieser Text gesprochen wird.verdammte scheisse
dieser Text ist mir sehr wichtig
wirklich wichtig, scheisse
also sprechen spielen wir den jetzt
sofort ich kann nur noch heulen
träume vom krieg nazis auschwitz
und meiner weltmeister und dem verkehr danach in Lichtenberg oder Pankow mit X Y Z unbedingt ein Genosse der Mutterschoß meine sozialistische Heimat unter Trümmern
DIESER TEXT HIER IST Sozialistisch UND MIR SEHR WICHTIG mein Sozialismus Kommunismus MEIN FRIEDEN NACH DEM KRIEG:
DIE WEIBERBRIGADE Auftritt vier Frauen in Schwarze Pumpe…
bin ein zirkusloch das aus den trümmern kroch und nehme alles
das nich nazi war und jünger als ein SS panzersoldat von großdeutschland
ja, schreib nur mitkorrigier kuratier mich,dramatisier mich
heiner,lies meine sätze heimlich in der Nacht unter Bauhauslicht
in der Nacht..wir stopfen uns die Münder mit unseren Geschlechtern
nehmen sie in Mund
in jeder Öffnung explodieren
das muss reichen für Frau Mann
die Sätze für AUFBAU VOKLK UND KINDERBUCHVERLAG sind unser Flaschen Pfand ,ich schenk dir meine Prologe
ich borge deine Epiloge
das dazwischen ist verloren gegangen
Geh und denk dir schöne Sätze aus
hinter abgeschlossener Tür ausgeschieden

(Inge spielt schweigt und spielt Akkordeon.Nachtkrieg.Nachtgeister, vier Frauen.)

SONJA(verbindet)
Wir lagen zwischen Moskau und Berlin
Im Rücken einen Wald ein Fluß vor Augen
Zweitausend Kilometer weit Berlin
Einhundertzwanzig Kilometer Moskau
In Schützenlöchern aus gefrornem Schlamm
Und warteten auf den Befehl zum Einsatz
Und auf den ersten Schnee Und auf die Deutschen Tags hörten wir die Front nachts sahn wir sie Die Deutschen hatten was wir brauchten Panzer
Flugzeuge den Hochmut der Sieger Meine Soldaten hatten Angst und wenig mehr
Angst ist die Mutter des Soldaten und
Der erste Schnitt geht durch die Nabelschnur Und wer den Schnitt verpaßt stirbt an der Mutter Meine Soldaten kamen von der Schule Im Kino hatten sie den Krieg gesehn
Ich war ihre Kommandeurin und meine Angst war
Die Angst vor ihrer Angst Und näher kam
Die Front und von der Front die Deserteur
Wo kommt ihr her Genossen
Aus dem Kessel

INGE/J
Unterm Schutt lieg ich
der Himmel fiel auf einmal um 45
ich lachte und war blind
Und war wieder ein Kind
unterm Schutt
Im Mutterleib wild und stumm
Mit Armen und Beinen die ungeübt stießen und griffen und liefen Bilder ringsum
Kein Boden kein Dach
Was ist - verschwunden
Ein Atemzug Stunden
Ein Augenblick hell wie im Meer
Da klopft einer Den Globus her!
Daß ich mich halte Brücken Land Pole Millionen Hände brauch ich
Mich trägst du nicht, Tod, ich mach mich schwer
Bis sie kommen und graben bis sie mich haben
Du gehst leer.

SONJA
Der Deutsche Habt ihr ihn gesehn Wie kämpft er
Ein Horizont aus Panzern ist der Deutsche
Der auf dich zufährt So Ein Himmel aus
Flugzeugen ist der Deutsche Und ein Teppich
Aus Bomben der sich über Rußland legt
Es gibt sie nicht mehr die Rote Armee
Wenn wir geschlagen werden und ich wußte
Geschlagen werden wir nicht von den Panzern
Von keinem Flugzeug oder Bombenteppich
Was uns schlägt ist der General der Angst heißt

INGE/Ro
Unterm Schutt unterm Gebell der Eisenrohre lag ich
Schon im Griff der Erde und wachte auf als IRGENDWO im Herz der Kontinente
Rauch Aufstieg aus offenem Meer
Heißer als tausend Sonnen war kälter als Marmorherz
auf sechzehn Füßen EIN BERGUNGSTRUPP DER ROTEN ARMEE
ging ich in die Mitte genommen den ersten Schrittt gegen den Staub
Ich lebe und der Hund der an den Knochen meiner Eltern nagt
in den Trümmern von Berlin 45

INGE/Ju
In den Gaskammern
Erdacht von Männern
Die alte Hierarchie
Am Boden Kinder
Die Frauen drauf
Und oben sie
Die starken Männer Freiheit und democracy.
Ein Blick von einer Macht zur andren Macht. Von einer Nacht in die andre Nacht Und dazwischen: vide! (Ich sehe) Da nehm ich mir lieber einen Fetzen Blau Vom Himmel
Daß er schwarz dahinter ist weiß ich wenn ich weine
Ich seh ihn,
Und dann weiß ich nicht wie er war.

INGE/L
Flüchtlinge vorm Leben.
Was haben wir zu geben?
Flüchtlinge. Alle.
Gewalt.
Das war schon; viele wurden trotzdem alt!
Wieviele sterben Bis wir uns aufheben.
Hand vor Hand
Und Fuß vor Fuß
Männer brauchen Krieg
Der Verlierer braucht den Sieg
Der Kopf stirbt unterm Muß.
Das Chaos
Was fängt an?

TODESANZEIGE
(viermal müller viermal inge köpfe in gasherden.sonja die sowjetische sanitäterin legt eine platte auf.eher etwas russisches.)

H/J
Sie war tot, als ich nach Hause kam.
Sie lag in der Küche auf dem Steinboden, halb auf dem Bauch, halb auf der Seite, ein Bein angewinkelt wie im Schlaf, der Kopf in der Nähe der Tür.
Ich bückte mich, hob ihr Gesicht aus dem Profil und sagte das Wort, mit dem ich sie anredete, wenn wir allein waren.
Ich hatte das Gefühl, daß ich Theater spielte.
Ich sah mich, an den Türrahmen gelehnt, halb gelangweilt halb belustigt einem Mann zusehen, der gegen drei Uhr früh in seiner Küche auf dem Steinboden hockte, über seine vielleicht bewußtlose vielleicht tote Frau gebeugt, ihren Kopf mit den Händen hochhielt und mit ihr sprach wie mit einer Puppe für kein andres Publikum als mich.

H/E
Ihr Gesicht war eine Grimasse, die obere Zahnreihe schief in dem aufgeklapp ten Mund, als ob der Kiefer ausgerenkt wäre. Als ich sie aufhob, hörte ich etwas wie ein Stöhnen, das mehr aus ihren Eingeweiden als aus ihrem Mund zu kommen schien, jedenfalls von weit.

H/R
Ich hatte sie schon oft wie tot daliegen sehen, wenn ich nach Hause kam, und aufgehoben mit Angst (Hoffnung), daß sie tot war und der schreckliche Laut klang beruhigend, eine Antwort. Später klärte mich der Arzt auf: Eine Art Aufstoßen, durch die Lageveränderung bedingt, ein Rest von Atemluft, vom Gas aus den Lungen gepreßt. Oder ähnlich.

H/F
Ich trug sie ins Schlafzimmer, sie war schwerer als gewöhnlich, nackt unter dem Morgenrock. Als ich die Last auf der Bettcouch ableg te, fiel ihr eine Zahnprothese aus dem Mund. Sie mußte sich, in der Agonie, gelockert haben.Ich wußte jetzt, was ihr Gesicht entstellt hatte. Ich hatte nicht gewußt, daß sie eine Zahnprothese trug.

H/E
Ich ging zurück in die Küche und stellte den Gasherd ab, dann, nach einem Blick auf ihr leeres Gesicht, zum Telefon, dachte, den Hörer in der Hand, an mein Leben mit der Toten bzw. an die verschiedenen Tode, die sie dreizehn Jahre lang gesucht und verfehlt hatte, bis zu der heutigen erfolgreichen Nacht.

H/R
Sie hatte es mit einer Rasierklinge probiert: als sie mit einer Pulsader fertig war, rief sie mich, zeigte mir das Blut. Mit einem Strick, nachdem sie die Tür abgeschlossen, aber, mit Hoffnung oder aus Zerstreutheit, ein Fenster offen gelassen hatte, das vom Dach aus zu erreichen war. Mit Quecksilber aus einem Fieberthermometer, das sie, für diesen Zweck, zerbrochen hatte. Mit Tabletten. Mit Gas. Aus dem Fenster oder vom Balkon springen wollte sie nur, wenn ich in der Wohnung war. Ich rief einen Freund an, ich wollte immer noch nicht wissen, daß sie tot war und eine Sache der Behörden, dann das Rettungsamt.

KRANKENSCHWESTER SONJA:
SIND SIE WAHNSINNIG MACHEN SIE SOFORT DIE ZIGARETTE AUS TOT SIND SIE SICHER JA SEIT MINDESTENS ZWEI STUNDEN ALKOHOL DAS HERZ HABEN SIE NICHT GEMERKT DASS IHRE FRAU WO IST DER BRIEF WAS FÜR EIN BRIEF HAT SIE KEINEN BRIEF HINTERLASSEN WO WAREN SIE VON WANN BIS WANN MORGEN NEUN UHR ZIMMER DREIUNDZWANZIG VORLADUNG DIE LEICHE WIRD ABGEHOLT AUTOPSIE KEINE SORGE MAN SIEHT NICHTS.

H/R
Warten auf den Leichenwagen, ins Nebenzimmer gehen (dreimal), die Tote NOCH EINMAL ansehen (dreimal), sie ist nackt unter der Decke. Wachsende Gleichgültigkeit gegen Dasda, mit dem meine Gefühle (Schmerz Trauer Gier) nichts mehr zu tun haben. Die Decke wieder über den Körper ziehen (dreimal), der morgen aufgeschnitten wird, über das leere Gesicht. Beim drittenmal die ersten Spuren der Vergiftung: blau. Zurück ins Wartezimmer (drei mal).

H/Jo
Mein erster Gedanke an den eigenen Tod 1945
Nachtmarsch auf dem Bahndamm in Mecklenburg, in zu engen Stiefeln und zu weiter Uniform: die dröhnende Leere. HÜHNERGESICHT. (Inges stehen auf,umringen die Lebenden)
Irgendwo auf dem Weg durch den Nachkrieg hatte sie sich an mich gehängt, eine dürre Gestalt im schlotternden Militärmantel, der am Boden nach schleifte, eine zu große Feldmütze auf dem zu kleinen Vogelkopf, ein Kind in Feldgrau. Trottete neben mir her, stumm, ich kann mich nicht erinnern, daß sie ein Wort gesagt hätte, nur wenn ich schneller ging, sogar lief, um sie abzuschütteln, stieß sie zwischen keuchenden Atemzügen kleine klägliche Laute. Wie Hundeheulen.Nie war mein Wunsch, einen Menschen zu töten, so heftig. Ich erschlug sie mit seinem Feldspaten.nicht einmal als sie das Spatenblatt kommen sah, brachte sie einen Schrei zustande. Sie hat in meinen Träumen keinen Platz mehr, seit sie ihn getötet habe (dreimal)

INGE (vier Frauen,schwärzen die Welt.Terror)
Ich bin Die die der Fluß nicht behalten hat.

INGE/Ju
Die Frau am Strick

INGE DREI/R
Die Frau mit den aufgeschnittenen Pulsadern

INGE VIER/L
Die Frau mit der Überdosis

ALLE
AUF DEN LIPPEN SCHNEE

INGE/Je
Die Frau mit dem Kopf im Gasherd. Gestern habe ich aufgehört mich zu töten.

INGE/Ju
Ich bin allein mit meinen Brüsten meinen Schenkeln meinem Schoß.

INGE/L
Ich zertrümmre die Werkzeuge meiner Gefangenschaft den Stuhl den Tisch das Bett.

INGE/R
Ich zerstöre das Schlachtfeld das mein Heim war.

INGE/J
Ich reiße die Türen auf, damit der Wind herein kann und der Schrei der Welt.

INGE/L
Ich zerschlage das Fenster. Mit meinen blutenden Händen zerreiße ich die Fotografien der Männer die ich geliebt habe und die mich gebraucht haben

INGE/R
auf dem Bett auf dem Tisch auf dem Stuhl auf dem Boden.

INGE/Ju
Ich lege Feuer an mein Gefängnis. Ich werfe meine Kleider in das Feuer. Ich grabe die Uhr aus meiner Brust die mein Herz war. Ich gehe auf die Straße, gekleidet in mein Blut.

INGE I-IV
Hier spricht Elektra Ophelia Tuppa Inge im Herzen der Finsternis.

Unter der Sonne der Folter. An die Metropolen der Welt. Im Namen der Opfer.

Ich stoße allen Samen aus, den ich emp-fangen habe.

Ich verwandle die Milch meiner Brüste in tödliches Gift.

Ich nehme die Welt zurück, die ich geboren habe.

Ich ersticke die Welt, die ich geboren habe, zwischen meinen Schenkeln.

Ich begrabe sie in meiner Scham.

Nieder mit dem Glück der Unterwerfung.

Es lebe der Haß, die Verachtung, der Aufstand, der Tod.

Wenn sie mit Fleischermessern durch eure Schlafzimmer geht, werdet ihr die Wahrheit wissen.

SONJA
PANZERGERÄUSCHE.RAUCH.WÄNDE WERDEN ZU FLUGBLÄTTERN.ROLLING STONES UND DUBČEK.PAVEL IM AUTOREIFEN.EIN MENSCH BRENNT.
PRAG 1968.CHILDREN OF THE REVOLUTION.THOMAS VERSUCHt EINEN FEUERMENSCH ZU LÖSCHEN.EINE SOWJETISCHE SOLDATIN REGELT DEN PANZERVERKEHR.(sie tut es) BETTINA SINGT EIN LIED FÜR PRAG.

DER FINDLING

THOMAS
Heiner die Russen in Prag
Wir müssen was unternehmen

MÜLLER
Du ich bin in grad Bulgarien, ich kann dazu jetzt nichts sagen
Ich rede gerade mit afrikanischen Studenten in einer Bar

THOMAS
Heiner, Russenpanzer im Roten Prag

BETTINA
Russen raus aus Prag

THOMAS
Heiner du musst dich äußern

HEINER
Nee ich hab wirklich gerade Urlaub
in Bulgarien, ist wirklich billig und ich bin pleite

BETTINA
Es lebe Dubcek

THOMAS
Heiner das ist das Ende unseres Traumes

HEINER
Nee du Thomas,ist gerade spannend was die afrikanischen
Studenten gerade erzählen,über ihren Befreiungskampf

THOMAS
Stalin lebt
Russen raus aus Prag

B
Singt weiter

THOMAS
Vater

VATER
Weißt du was du getan hast
Hier hast du Wohnung Arbeit Sicherheit
Dort gilt der Mensch nichts nur das Kapital
Leichen im Keller und Geld auf der Bank Leichen mit Davidstern In Braun In Feldgrau
Zerbrochen von Metall Zerkocht in Panzern Rauch aus dem Schornstein Staub im Bombenteppich
Das jüngste Grab bewohnt der Kindertraum
Von einem Sozialismus ohne Panzer
Und pflegen ihre Gräber Hunde Katzen
Und ihren Kontostand Bunt ist die Leiche
Ins Paradies kommt wer es kaufen kann

THOMAS
Es regnete als ich vor seiner Tür stand
Hand auf dem Klingelknopf ein nasser Hund
Ich sah nur seinen Schatten Licht im Rücken

VATER
Weißt Du wie spät es ist Es gibt noch Leute
Die brauchen ihren Schlaf für ihre Arbeit
Und deine Mutter Du weißt daß sie krank ist
Es interessiert dich nicht das weiß ich auch
Und was an ihrem Leben frißt bist du

THOMAS
Sie sind hinter mir her Das Flugblatt Er fragte nicht Wer und Was für ein Flugblatt

VATER
Du bist betrunken Geh Schlaf deinen Rausch aus Gegen den Einmarsch der Bruderarmeen

THOMAS
Ich hab auch einen Bruder in Prag Das heißt Ich hatte einen Bruder
in Prag Ein Haufen Asche ist er jetzt
Ein Knochenbündel und ein Brandgeruch
Er hat sich selbst verbrannt in Prag mein Bruder

VATER
Verrückte gibt es überall

THOMAS
Verrückte
Ich weiß wer hier verrückt ist

VATER
Weißt du das
Dann weißt du auch was jetzt passieren wird
Ich bin nicht irgendwer Du bist es auch nicht
Wenn ichs auch wollte Ich kann nicht so tun
Nicht vor mir selber nicht vor der Partei
Als hätt ich dein Geständnis nicht gehört

THOMAS
Geständnis sagte er Und ich Geständnis
Wenn einer hier gesteht dann bist es du
Genosse Vater Und mein Vater nicht
Wie oft hab ich gewollt du wärst mein Vater
Statt der Genosse der mich adoptiert hat
Mein Feind in jedem Stellvertreterkrieg
Den ihr geführt habt im Namen der Sache
Krieg gegen lange Haare Jeans und Jatz
Mit Händehoch im Polizeirevier
Gesicht zur Wand und stehen bis du umfällst
Was eure Sache ist weiß ich jetzt auch
Mit Panzerketten auf den Leib geschrieben
Habt ihr sie UNSERN MENSCHEN eure Sache

VATER
Zieh deinen Mantel aus Du bist durchnäßt
Zieh meine Jacke an Sie paßt dir Oder

THOMAS
Ich glaub nicht daß mir deine Jacke paßt

VATER
Du warst meine Zukunft Alles haben wir
In dich hineingestopft Das ist der Dank
Das Hakenkreuz in Leipzig an der Tafel
In Dresden auf der Brücke dein Geschmier
FREIHEIT und RUSSEN RAUS Freiheit für wen
Das hieß zehn Jahre Zuchthaus unter Brüdern
Für dich wars eine andre Schule und
Ein neuer Studienplatz Bedank dich und
Auf Knien bei deiner Mutter So wie ich
Auf Knien gekrochen bin vor der Partei
Für deine Freiheit Und beeil dich Ihr Krebs kann nicht warten
Russen raus aus Prag Was weißt du
Uns alle hätten sie schon aufgehängt
Wenn wir die Panzer nicht im Rücken hätten
Und was hat dir gefehlt in all den Jahren
Seit ich dich aus dem Dreck gezogen habe

SONJA

THOMAS
Russen raus aus rotem Prag

VATER
Red leise Nebenan stirbt meine Frau

THOMAS
Merkst du das auch schon Wann hat sie gelebt
Frag deine Frau Und wenn du deinen Arsch
Nicht hochkriegst aus dem Sessel sag ich dir
Was ihr gefehlt hat und was mir gefehlt hat
Ihr Krebs du kannst Genosse zu ihm sagen
Mein Hakenkreuz war auch aus deiner Schule
Wie redet man mit einem Leitartikel
Und wie umarmt man ein Parteiprogramm
Du hast mich mit Geschenken abgespeist
Und keine Antwort wenn ich wissen wollte
Wer recht hat und warum der Volksmund oder
Das NEUE DEUTSCHLAND eure Bilderbibel
Der Plattenspieler war für Budapest
Für meinen Freund erschossen an der Mauer
Mußte es dann schon ein Motorrad sei
Das Blauhemd auf dem Sattel war ein Extra
Für das zerrissne beim Fahnenappell
Das war mein Bildungsgang in deiner Schule
Das rote Halstuch meine Nabelschnur
Jetzt kann ich nur noch lachen
Dann sprangen mir die Tränen aus den Augen
Ich ging ins Nebenzimmer wo die Frau starb
Die meine Mutter war und war es nicht
Aber ich hatte keine andre Mutter
Ich hörte zu wie sie mit ihrem Krebs sprach
Zog meine Kleider aus vom Regen schwer
Leckte den kalten Schweiß von ihrer Stirn
Vermischt mit meinem Rotz mit meinen Tränen
Ich legte mein Gesicht auf ihre Brüste
In denen jetzt der Krebs zu Hause war
Ich legte meinen Kopf in ihren Schoß
Der meine Heimat nicht gewesen war
Weil keine Mutter mich geboren hat
Mein Vater eine leere Uniform
Ich sagte Ich will eine Tochter sein

BETTINA
Ich weinte nicht Ich hatte keine Tränen
Ging nicht ins Nebenzimmer wo die Frau starb
Ich stand in meiner Schlammspur auf dem Teppich
Was geht mich euer Sozialismus an
Bald schon ersäuft er ganz in CocaCola
VERGESSEN UND VERGESSEN UND VERGESSEN
der Brustkrebs einer fremden Frau
Warum nimmst du die Hand vom Telefon
Zweifel am sozialistischen Strafvollzug
Ein Minuspunkt in deiner Kaderakte
Warum Genosse rufst du uns erst jetzt an
Warum ziehst du die Jacke aus

VATER
Ich friere

BETTINA
Willst du heraus aus deiner Uniform
Aus deinem Würgegriff mit Schlips und Kragen
Weißt du ob du darunter noch ein Mensch bist
Vielleicht wenn du die Haut dir auch noch abziehst

VATER
Mit unsern Knochen haben wir Und ihr jetzt Mit euren Knochen und mit andern Knochen

BETTINA
Ich weiß was ihr gebaut habt Ein Gefängnis
Mein bester Freund erschossen an der Mauer
Er hat sie hinter sich Ich hab sie vor mir
drei Jahre Knast

THOMAS
Als du nach Hause kamst vor sieben Jahren
Aus deiner Sitzung mit gebrochnem Kreuz
Ich hätte keine Hand bewegt für dich
Und keinen Finger Und dein Augenblick
Der Fangschuß deine letzte Parteiarbeit

MÜLLER
Der Dienstrevolver ist kein Monopol THOMAS
Im Sozialismus keine Privilegien
Ich lege mich freiwillig zu den Akten
Mein Dienstrevolver ist das Mausoleum
Des deutschen Sozialismus Und ich spiele
Heimvorteil Die Mauer ist volkseigen
Die Munition die mich zerreißen wird
Ist auch volkseigen und ich bin das Volk
VERGESSEN UND VERGESSEN

THOMAS
Das letzte was ich hörte war sein Weinen
Und seine Stimme die dagegen anschrie

MÜLLER schreibt Schreibmaschine
VATER DOPPELPUNKT
Erschießen solln sie dich du Nazibastard. Erschießen solln sie dich wie einen Hund

THOMAS
Und das Geläut des Telefons als er
Den Hörer aufnahm und wählte die Nummer

MÜLLER




AUSSCHLUSS

GENOSSE WAGNER
Genosse Müller ihre Stücke
Die Umsiedlerin
Die Korrektur
Der Bau
Die Lohndrücker
(Einruf von der Seite „die Gedichte nicht vergessen“)
Sind in ihrem Wesen ihrem Inhalt ihrer Konsequenz nach konterrevolutionär, gegen die Staatsmacht und die Politik unserer Republik gerichtet. Wir lassen unseren Staat in einer derartigen Weise selbst von shakespearschrn Blankversen unseres Jahrhunderts HERR HACKS (der ist gerade auf Toilette) nicht beleidigen.Wir können uns nicht leisten,dass in dieser Situation (diplomatische Anerkennung unseres Staates durch…) wo die Deutsche Demokratidche Republik international ein solches Wachstum ihres Ansehens hat

ANNA SEGHERS/L
aber er ist noch jung

GENOSSE WAGNER
Und du liebe Genossin Seghers musst wieder aufs Klo

MÜLLER
Ich stehe in einem Fahrstuhl

GENOSSE WAGNER
Genosse Müller ihre Texte spiegeln nicht unsere sozialistische Gegenwart wieder

MÜLLER
ich fahre zu meinem Chef

GENOSSE WAGNER
konterrevolutionäre Tendenzen,Abkehr vom realistischen Menschenbild
Verhöhnung aller Errungenschaften,ja Genosse Krug

KRUG/R
Ich finde seine Texte lustig und die Genossen Arbeiter haben auch gelacht

GENOSSE WAGNER
Danke Genosse Krug,der Genosse Müller ist seine Texte zur Veröffentlichung oder öffentliche Aufführung nicht geeignet
Allein die Begrüssungsszene in in…einem ihrer sogenannten Lehrstücke
Bei uns umarmen sich die Parteifunktionäre mit den Brigadieren
bevor sie herzlich einen heben,in ihrer Szene kalte Worte

DRAMATURGIEN UND VERLAGE WERDEN VON MÜLLER TEXTEN GESÄUBERT.

MÜLLER
Ich stehe zwischen Männern,

GENOSSE WAGNER
Ja die Männer…In Müller Bild unserer Republik herrscht ein immerwährende Kopulieren
der Geschlechter NEIN GENOSSE HERMLIN die Toilette ist besetzt
Genossin SEGHERS und der Herr Hacks sind schon vor Ort
Der Genosse Müller wird mit sofortiger Wirkung aus dem Schriftstellerverband der DDR ausgeschlossen. Nun die Selbstkritik des Genossen Müller

MÜLLER
ICH KANN DAS NICHT

JUNGER SCHAUSPIELER
Ich Heiner Müller speie euch eure Scheisse in eure alten Fressen
Ihr zählt meine Kommas ich eure Toren
Ich habe nichts zu schaffen mit eurem Paradies für Dauerredner. Eh ihr nicht gelernt habt euch selber in die Fressen zu spein braucht ihr mir nicht mehr unter die Augen zu kommen. Die Hoffnung daß ihr nicht aufhören werdet mit Lügen ist was mich am Leben erhält. Spart den Trauerflor, ich werde mich nicht auf die Schienen legen. Warum stürzen sich die Lemminge ins Meer auf Spitzbergen? warum seen die Bäume bei Windstille unschuldig aus? wen morde ich nachts? warum lebt ihr? warum will ich die Antwort nicht wissen? warum frage ich? Man sollte euch Scherben ins Maul stopfen, bis der Wind auf euren zerrissnen Gedärmen spielt. Ich hab euch den Spiegel gehalten für ein Trinkgeld. Auf meinem Schädel habt ihr in zertrümmert, weil euch eure Nase nicht gefallen hat.

MÜLLERdas habe ich nie gesagt
Ich stehe in einem Fahrstuhl
zwischen Männern die mir unbekannt sind, in einem alten Fahrstuhl mit während des Aufstiegs klapperndem Metallgestänge. Ich bin gekleidet wie ein Angestellter oder wie ein Arbiter am Feiertag. Ich habe mir sogar einen Schlips umgebunden, der Kragen scheuert am Hals, ich schwitze. Wenn ich den Kopf bewege, schnürt mir der Kragen den Hals ein. Ich habe einen Termin beim Chef (in Gedanken nenne ich ihn Nummer Eins), sein Büro ist in der vierten Etage, oder war es die zwanzigste; kaum denke ich darüber nach, schon bin ich nicht mehr sicher. Die Nachricht von meinem Termin beim Chef (den ich in Gedanken Nummer Eins nenne) hat mich im Kellergeschoß erreicht, einem ausgedehnten Areal mit leeren Betonkammern und Hinweisschildern für den Bombenschutz. Ich nehme an, es geht um einen Auftrag, der mir erteilt werden soll. Ich prüfe den Sitz meiner Krawatte und ziehe den Knoten fest. Die Krawatten der andern Männer im Fahrstuhl sitzen fehlerfrei. Einige von ihnen scheinen miteinander bekannt zu sein. Sie reden leise über etwas, wovon ich nichts verstehe. Immerhin muß ihr Gespräch mich abgelenkt haben: beim nächsten Halt lese ich auf dem Etagenanzeiger über der Fahrstuhltür mit Schrecken die Zahl Acht. Ich bin zu weit gefahren oder ich habe mehr als die Hälfte der Strecke noch vor mir. Entscheidend ist der Zeitfaktor.

GENOSSE WAGNER
GENOSSEN
FÜNF MINUTEN VOR DER ZEIT/ IST DIE WAHRE PÜNKTLICHKEIT.

HEINER
Als ich das letztemal auf meine Armbanduhr geblickt habe, zeigte sie Zehn. Ich erinnere mich an mein Gefühl der Erleichterung: noch fünfzehn Minuten bis zu meinem Termin beim Chef. Beim nächsten Blick war es nur fünf Minuten später. Als ich jetzt, zwischen der achten und neunten Etage wider auf meine Uhr sehe, zeigt sie genau vierzehn Minuten und fünfundvierzig Sekunden nach der zehnten Stunde an: mit der wahren Pünktlichkeit ist es vorbei, die Zeit arbeitet nicht mehr für mich. Schnell überdenke ich meine Lage: ich kann beim nächsten möglichen Halt aussteigen und die Treppe hinunterlaufen, drei Stufen auf einmal, bis zur vierten Etage. Wenn es die falsche Etage ist, bedeutet das natürlich einen viel leicht uneinholbaren Zeitverlust. Ich kann bis zur zwanzigsten Etage weiterfahren und, wenn sich das Büro des Chefs dort nicht befindet, zurück in die vierte Etage, vorausgesetzt der Fahrstuhl fällt nicht aus, oder die Treppe hinunterlaufen (drei Stufen auf einmal), wobei ich mir die Beine brechen kann oder den Hals, gerade weil ich es eilig habe. Ich sehe mich schon auf einer Bahre ausgestreckt, die auf meinen Wunsch in das Büro des Chefs getragen und vor seinem Schreibtisch aufgestellt wird, immer noch dienstbereit, aber nicht mehr tauglich. Vorläufig spitzt sich alles auf die durch mine Fahrlässigkeit im voraus nicht beantwortbare Frage zu, in welcher Etage der Chef

OKTOBERKLUB
DEN ER IN GEDANKEN NUMMER EINS NENNT

MÜLLER
einem wichtigen Auftrag auf mich wartet. (Es muß ein wichtiger Auftrag sein, warum sonst läßt er ihn nicht durch einen Untergebenen erteilen.) Ein schneller Blick auf die Uhr klärt mich unwiderlegbar über die Tatsache auf, daß es auch für die einfache Pünktlichkeit seit langem zu spät ist, der Stundenzeiger steht auf Zehn. Mit meiner Uhr scheint etwas nicht zu stimmen,
aber auch für einen Zeitvergleich ist keine Zeit mehr: ich bin, ohne daß ich bemerkt habe, wo die andern Herren ausgestiegen sind, allein im Fahrstuhl. Ich sehe auf meiner Uhr, von der ich den Blick jetzt nicht mehr losreißen kann, die Zeiger mit zunehmender Geschwindigkeit das Zifferblatt umkreisen, so daß zwischen Lidschlag und Lidschlag immer mehr Stunden vergehn. Mir wird klar, daß schon lange etwas nicht gestimmt hat: mit meiner Uhr, mit diesem Fahrstuhl, mit der Zeit. Ich verfalle auf wilde Spekulationen: Die Zeit ist aus den Fugen und irgendwo in der vierten oder in der zwanzigsten Etage (das Oder schneidet wie ein Messer durch mein fahrlässiges Gehirn) wartet in einem wahrscheinlich weitläufigen und mit einem schweren Teppich ausgelegten Raum hinter seinem Schreibtisch, mit meinem Auftrag der Chef (den ich in Gedanken Nummer Eins nenne) auf mich Versager.

OKTOBERKLUB (spielt SAG MIR WO DU STEHST)
GEGENSTANDSLOS

MÜLLER
in der Sprache der Ämter, die ich so gut gelernt habe

OKTOBERKLUB
BEI DEN AKTEN

MÜLLER
die niemand mehr einsehen wird, weil er gerade die letzte mögliche Maßnahme gegen den Untergang betraf, dessen Beginn ich jetzt erlebe, eingesperrt in diesen verrückt gewordenen Fahrstuhl mit meiner verrückt gewordenen Armbanduhr.

OKTOBERKLUB

GENOSSE WAGNER
und zum feierlichen Abschluss unseres Schriftstellerkongresses spielen unsere jungen Genossen vom Oktoberklub SAG MIR WO DU STEHST

MÜLLER
Verzweifelter Traum im Traum: ich habe die Fähigkeit, einfach indem ich mich zusammenrolle, meinen Körper in ein Geschoß zu verwandeln, das die Decke des Fahrstuhls durchschlagend die Zeit überholt. Kales Erwachen im langsamen Fahrstuhl zum Blick aut die rasende Uhr. Ich stelle mir die Verzweiflung von Nummer Eins vor. Seinen Selbstmord. Sein Kopf, dessen Porträt alle Amtsstuben ziert, auf dem Schreibtisch. Blut aus einem schwarzrandigen Loch in der (wahrscheinlich rechten) Schlähabe keinen Schuß gehört, aber das beweist nichts, die Wände seines Büros sind natürlich schalldicht, mit Zwischenfällen ist beim Bau gerechnet worden und was im Büro des Chefs geschieht, geht die Bevölkerung nichts an, die Macht ist einsam.

MÜLLER(R)
Ich verlasse den Fahrstuhl beim nächsten Halt und stehe ohne Auftrag, den nicht mehr gebrauchten Schlips immer noch lächerlich unter mein Kinn gebunden, auf einer Dorfstraße in Bulgarien. Trockener Schlamm mit Fahrspuren. Auf beiden Seiten der Straße greift eine kahle Ebene mit seltenen Grasnarben und Flecken von grauem Gebüsch undeutlich nach dem Horizont, über dem ein Geim Dunst schwimmt. Wie soll ich meine Gegenwart in diesem Niemandsland erklären. Ich habe keinen Fallschirm vorzuweisen, kein Flugzeug oder Autowrack. Wer kann mir glauben, daß ich aus einem Fahrstuhl nach Bulgarien gelangt bin, vor und hinter mir die Straße, von der Ebene flankiert, die nach dem Horizont greift. Wie soll überhaupt eine Verständigung möglich sein, ich kenne die Sprache dieses Landes nicht, ich könnte genausogut taubstumm sein. Besser ich wäre taubstumm: vielleicht gibt es Mitleid in Bulgarien.(KLARINETTE)
Wo die Straße in die Ebene ausläuft, steht in einer Haltung, als ob sie auf mich gewartet hat, eine Frau. Ich strecke die Arme nach ihr aus, wie lange haben wir keine Frau berührt, und höre eine Männerstimme sagen DIESE FRAU IST DIE FRAU EINES MANNES. Der Ton ist endgültig und ich gehe weiter. Als ich mich umsehe, streckt die Frau die Arme nach mir aus und entblößt ihre Brüste.

FRAUGinka

HEINER
Sie heißt Ginka

FRAU
Ginka Tscholakova

HAMLETMASCHINA
(Ein Orchester in Sofia,die Hochzeit in Bötien.Balkanbaroque)

GINKA
Soll ich von mir reden
Ich (Wer ist das)
Im Regen aus Vogelkot Im Kalkfell
Oder anders
Ich eine Fahne ein
Blutiger Fetzen ausgehängt Ein Flattern Zwischen Nichts und Niemand Wind vorausgesetzt
Ich Auswurf eines Mannes
Ich Auswurf Einer Frau Gemeinplatz auf Gemeinplatz
MEIN GROSSVATER WAR
IDIOT IN BULGARIEN
Ich MEINE Seefahrt
Ich MEINE Landnahme
Mein Gang durch die Vorstadt Berlin Hauptstadt der DDR
im Regen aus Vogelkot im Kalkfell und ich bin Dünn von deutschem Fleisch irgendwas zwischen Ich und Nichtmehrich
Der Himmel über Berlin übt eisige Aufsicht über meine glücklose Landung
Der Knall der Bierdosen beim Gang durch die Karl Marx Alle
auf bulgarisch sagt mein KARL MARKS Ich laufe
zwischen Trümmern und Bauschutt wächst DAS NEUE Fickzellen mit Fernheizung.
Der Bildschirm West speit Welt in die Studentenstube.
Verschleiß ist eingeplant. Parade der Zombies perforiert von Werbespots in den Uniformen der Mode von gestern vormittag
Die Jugend von heute: Gespenster der Toten des Krieges der morgen stattfinden wird AM ALEXANDERPLATZ so hieß auch ein bulgarischer König. Die Kinder entwerfen Landschaften aus Müll. Eine Frau ist der gewohnte Lichtblick ZWISCHEN DEN SCHENKELN HAT DER TOD EINE HOFFNUNG oder der Jugoslawische Traum vom Sozialismus
Zwischen zerbrochnen Statuen der Karl Marc Allee STALIN LEBT IN OSTBERLIN denk ich auf der Flucht von Bett zu Bett, von Mann zu Mann von Mitko zu James an die kalten Augen der deutschdemokratischen Männer. Finger spielen in der Scheide nachts im Fenster zwischen Stadt und Landschaft irgendwo im Studentenheim bei Straussberg? Ein Wolf stand da auf der Straße während der Busfahrten im Morgengrauen Rechts und links ans Theater.FM hat eine Krise,wartet auf meinen Strich
Meine GLÜCKLOSE LANDUNG in das Theater meines Todes
Ich spürte MEIN Blut aus MEINEN Adern treten
Und MEINEN Leib verwandeln in Landschaft
Der Rest ist Lyrik Wer hat bessre Zähne
Das Blut oder der Stein

(Sie isst mit dem Orchester,später ein Theaterensemble eine Currywurst bei Konnopke)

JUNGER SCHAUSPIELER
Heiner sag mal was zu meiner Idee

MÜLLER
nee mach mal so weiter

JUNGER SCHAUSPIELER
Fritz was denkst du wenn ich jetzt die Axt nehme und das Stalin Gemälde zerhacke

Ein Regisseur im Vollrausch lallt mit Senf im Gesicht.

Müller
HM HM

REGISSEUR
Nee wir müssen raus aus diesem Realismus. Corinna könntest du bitte

CORINNA/L
Heiner meinte ich soll vor Macbeth in einer Telefonzelle rauchen
Ostberlin und Schottland werden ein
Ort des Unglücks

HEINER
ja,so postdramatisch rauchen
rauchen telefonieren und die Stones spielen was in W Berlin
hinter der mauer

JUNGER SCHAUSPIELER
DIE STONES SPIELEN WAS
KLEINER MENSCH ODER SO

CORINNA
Ich leg die als Hund an (ARTURO UI)

REGISSEUR
Jetzt fehlt hier nur NOCH
einer der mechanisch blechern auf einem Ton in einem ungewöhnlichen kostum oder Nacht Medea Material runterleiert

ES KOMMT JMD IN KOSTUM UND LEIERT BLECHERN MEDEAMATERIAL

MÜLLER
Guten Tag hab sie heute Morgen im Deutschen Theater gesehen

GINKA
Vogelkot und Kalkfell Bulgarische die Folklore
und vergessen und vergessen und vergessen

MÜLLER
Ja das ist von mir.Ich bin der Heiner, Frank krieg ich deine
Currywurst
DIE REVOLUTION IST DIE MASKE DES TODES DER TOD IST DIE MASKE DER REVOLUTION

GINKA
Znam.Kenn ich

MÜLLER
Ich bin Heiner
VERGESSEN BUDAPEST PRAGdas Gespenst des KOMMUNISMUS
VERGESSEN UND VERGESSEN UND VERGESSEN

GINKA
Kenn ich
(beschimpft Konnopkebeekäuferin auf bulgarisch,die Wurst war schlecht)

MÜLLER
Ich bin Heiner
WO BLEIBEN DEN DIE PANZER DACHTE ICH
SIE MÜSSEN KOMMEN DIE UNS GEBOREN HABEN
FÜNFUNDVIERZIG

GINKA
Kenn ich

MÜLLER
…also ich bin der Heiner und ich…hoffentlich kommt jetzt eine Schauspieler, der mit blecherner Stimme einen hochkomplexen Text laut Zeit und TAZ von mir interpretiert.

REGISSEUR
in den Garderoben hängen die Schauspiele ihr Gesicht an den Haken

JUNGER SCHAUSPIELER
Ginka und Heiner
Kennengelernt haben sie sich in Ostberlin
Die Ginka hat da gerade

BETTINA
Theaterwissenschaften studiert
kennengelernt haben sie sich in einer Kneipe
am Straussberger Platz während

JUNGER SCHAUSPIELER
einer Schlägerei zwischen jungen Studenten HO HO CHI MIN
und alten Männern DIE PARTEI DIE HAT IMMER RECHT mit roten Gesichtern und schlechtsitzenden Anzügen

BETTINA
DEDERON OBERON das verzerrt in junge fressen schlägt
vor den Vätern sterben die Töchter

GINKA SCHLÄGT SICH MIT ALTEN GENOSSEN
WÄHREND SIE IHRE SCHLACHT SCHLÄGT

MÜLLER
Das Gefühl des Scheiterns, das Bewußtsein der Niederlage beim Wiederlesen der alten Texte ist gründlich. Versuchung, das Scheitern dem Stof anzulasten, dem Material. Europa ist eine Ruine, in den Ruinen werden die Toten nicht gezählt. Die Wahrheit ist konkret, ich atme Steine. Leute, die ihre Arbeit machen, damit sie ihr Brot kaufen können, haben für solche Betrachtungen keine Zeit. Aber was geht mich der Hunger an. Uneinholbarkeit des Vorgangs durch die Beschreibung; Unvereinbarkeit von Schreiben und Lesen; Austreibung des Lesers aus dem Text. Puppen, mit Wörtern gestopft statt mit Sägemehl. Herzfleisch. Das Bedürfnis nach einer Sprache, die niemand lesen kann, nimmt zu. Wer ist niemand. Eine Sprache ohne Wörter. Oder das Verschwinden der Welt in den Wörtern. Stattdessen der lebenslange Sehzwang, das Bombardment der Bilder die Augenlider weggesprengt. Das Gegenüber aus Zähneknirschen, Bränden und Gesang. Die Schutthalde der Literatur im Rücken.
Das Verlöschen der Welt in den Bildern

GINKAdas gefällt mir
ein neues stück
hast kalte augen
welches theater
schlaf mit mir
besetzung schon raus
liebe das meer
wer inszeniert
tanz aus dem herzen
hast du musik

SCHAUSPIELER/BETTINA
einer der alten genossen schläger war erich mielke
ginka wurde nach bulgarien ausgewiesen
FEINDIN UNSERER REPUBLIK
feindlich negativ dekadent
sind das die Stones

HEINERfass sie nicht an
DIE PLATTE MANN
fass in mich
heirate mich

(DAS HOCHZEITSGESCHENK LSD IN SOFIA.EIN STAATSBEGRÄBNIS.GINKA FÄHRT EIN AUTO NEBELcasettendeck qualmt.)

GINKA
ich sitze in einem auto RUSSISCH

HEINER
und wir fahren durch sofia
wir nehmen LSD und da ist es
die tür öffnet sich und wir stehen an der schwarzmeerküste und
ich schreie
BLABLA
und

GINKA
EBEM MU MATER (fick deine Mutter)TODOR
ovo je delo
DAS IST DAS WERK
es ist gerade jemand gestorben
und wir lieben uns und schreiben
und wir schreiben und lieben uns
ich sitze in einem auto wir feiern eine

BULGARISCHE HOCHZEIT

CAJE ŠUKARIJE ORCHESTER. RAKIJA UND REVOLVER,
FAHNEN UND GELD,NUN ENDLICH BALKANBAROCKEin grosse Hochzeitsgesellschaft.

MÜLLER
Ich war Hamlet. Ich stand an der Küste und redete mit der Brandung

GINKA UND MÜLLER
BLABLA

GINKA
Im Rücken die Ruinen von Europa. Die Glocken läuteten das Staatsbegräbnis ein, Mörder und Witwe ein Paar, im Stechschritt hinter dem Sarg des Hohen Kadavers die Räte,heulend in schlecht bezahlter Trauer

MÜLLER
Ich stoppte den Leichenzug, stemmte den Sarg mit dem
Schwert auf, dabei brach die Klinge, mit dem stumpfen Rest gelang es, und verteilte den toten Erzeuger FLEISCH UND FLEISCH GESELLT SICH GERN an die umstehenden Elendsgestalten.

GINKA
Die Trauer ging in Jubel über, der Jubel in Schmatzen, auf dem leeren
Sarg besprang der Mörder die Witwe SOLL ICH DIR HINAUFHELFEN ONKEL MACH DIE BEINE AUF MAMA. Ich legte mich auf den Boden und hörte die Welt ihre Runden drehenim Gleichschritt der Verwesung.
Sag was auf Englisch!

MÜLLER
I’M GOOD HAMLET ZWEITER CLOWN IM KOMMUNISTISCHEN FRÜHLING SOMETHING IS ROTTEN IN THIS AGE OF HOPE

GINKA
LETS DELVE IN EARTH AND BLOW HER AT THE MOON
Die Hähne sind geschlachtet. Der Morgen findet nicht mehr statt.
Ich will die Leiche in den Abtritt stopfen, daß der Palast erstickt in königlicher Scheiße.

MÜLLER
Dann laß mich dein Herz essen, Ophelia, das meine Tränen weint.

GINKA
Willst du mein Herz essen, Hamlet.

HEINER
sächsisch Na klar.
Ich will eine Frau sein.

INGE
Aus dem Sarg. Was du getötet hast sollst du auch lieben.
Der Tanz wird schneller und wilder. Gelächter aus dem Sarg.

HEINER
Ich bin nicht Hamlet. Ich spiele keine Rolle mehr. Meine Worte haben mir nichts mehr zu sagen. Meine Gedanken saugen den Bildern das Blut aus. Mein Drama findet nicht mehr statt. Hinter mir wird die Dekoration aufgebaut. Von Leuten, die mein Drama nicht interessiert, für Leute, die es nichts angeht. Mich interessiert es auch nicht mehr. Ich spiele nicht mehr mit.

GINKA
Heiner. Mein Drama, wenn es noch stattfinden würde, fände in der Zeit des Aufstands statt. Der Aufstand beginnt als Spaziergang. Gegen die Verkehrsordnung während der Arbeitszeit. Hier und da wird ein Auto umgeworfen. Polizisten, wenn sie im Weg stehn, werden an den Straßenrand gespült. Gruppen bilden sich, aus denen Redner aufsteigen. Aus dem Ruf nach mehr Freiheit wird der Schrei nach dem Sturz der Regierung. Man beginnt die Polizisten zu entwaffnen, stürmt zwei drei Gebäude, ein Gefängnis eine Polizeistation ein Büro der Geheimpolizei, hängt ein Dutzend Handlanger der Macht an den Füßen auf, die Regierung setzt Truppen ein, Panzer.

MÜLLER
Ginka…Mein Drama hat nicht stattgefunden. Das Textbuch ist verlorengegangen. Die Schauspieler haben ihre Gesichter an den Nagel in der Garderobe gehängt. In seinem Kasten verfault der Souffleur. Die ausgestopften Pestleichen im Zuschauerraum bewegen keine Hand. Ich gehe nach Hause und schlage die Zeit tot, einig/Mit meinem ungeteilten Selbst.
Hast du noch LSD

GINKA
Ist alle

HEINER
RÜCKKEHR NACH OSTBERLIN 1976

GINKA
DIE DEPRESSION DER WEIN WIRD LSD
ICH LEGE EINE PLATTE AUF

HEINER
FICKZELLEN ÖFFNEN SICH FERNSEHEH DERTÄGLICHE EKEL

MÜLLERwie sagt man ekel auf bulgarisch

GINKA
vergessen und vergessen und vergessen

(FICKZELLEN ARD BRD IRGENDWANN TAUCHT MANFRED KRUG AUF
DRAUSSEN IST ALLES GRÜNN,DRINNEN IST ALLES GRAU SCHLAGER AM ENDE DER FAHNENSTANGE)

MÜLLER/FRANK
Fernsehn
Der tägliche Ekel
Ekel Am präparierten Geschwätz
Am verordneten Frohsinn
Wie schreibt man GEMÜTLICHKEIT
Unsern Täglichen Mord gib uns heute.
Denn Dein ist das Nichts
Ekel an den Lügen die geglaubt werden
von den Lügnern und niemandem sonst

MÜLLER/ROS
Ekel
An den Lügen die geglaubt werden
Ekel
an den Visagen der Macher gekerbt
Vom Kampf um die Posten Stimmen Bankkonten
Ekel
Ein Sichelwagen der von Pointen blitzt

MÜLLER/LAURA
Geh ich durch Straßen
Kaufhallen Gesichter
Mit den Narben der Konsumschlacht
Armut Ohne Würde
Armut ohne die Würde
Des Messers des Schlagrings der Faust

MÜLLER/JENNY
Die erniedrigten Leiber der Frauen,Hoffnung der Generationen
In Blut Feigheit Dummheit erstickt
Gelächter aus toten Bäuchen
Heil COCA COLAEin Königreich
Für einen Mörder

GINKA
Komm lass uns etwas Antikes proben
wir brauchen einen Antiken Stoff
ein Chor
Könntet ihr bitte alle kommen
hier die Text
R kannst du bitte einatmen
also auf eins…eins…nee nochmal das war nicht auf eins
tut mir leid ich habe dich nicht gehört
ich komm mal zu dir rüber

CHOR

GINKA
DAS IST DOCH SCHEISSE
WIR BRAUCHEN WAS DIREKTES
Zuviele Sprachbilder
hier streichen
hier streichen
das auch weg
vielleicht das raus und das rein

THEATERPROBEN

JUNGER SCHAUSPIELER
Gong Gong Gong
Theaterproben Ginka und Heiner
am Deutschen Theater an der Voklsbühne am Maxim Gorki Theater
DIE SCHAUSPIELER SPIELEN HEINER RAUCHT GINKA RAUCHT
GINKA SUCHT SICH EINEN MANNHEINER SUCHT SICH EINE FRAU

(THEATER 71-77.ZEMENT (russischer Bürgerkrieg)DIE SCHLACHT (der zweite weltkrieg)
PHILOKTET (das antike zu zweit) geschichte der männer und der frauen
Ginka faltet einen Schauspieler zusammen.Heiner raucht und korrogiertt EINEN SATZ PRO KOPF

MÜLLER
…haben wir noch Whisky

GINKA
Ist alle
OSTBERLIN 1976 NEUE WOHNUNG AM TIERPARK
er glotzt auf den Bärenzwinger
ich korrigiere ihn und streiche mich
die junge Schauspielerin steht vor der Tür
dick der Bauch meiner ist flacher
wache in Betten auf nicht meine
DIE DEPRESSION nicht schon wieder hör ich ihn sagen
DER WEIN schlecht und billig hör ich mich sagen
AB UND ZU LSD
Wenn ein Westverleger sich zehn Seiten in den Schlüpfer näht
ICH LEGE EINE PLATTE AUF Lizenzdruck Jugoton
ist jetzt unser jugoslawischer Traum
die Seite springt unsere Sätze auch
Wo warst du gestern
Wo warst du gestern
Schweigende FICKZELLEN ÖFFNEN SICH DAS FERNSEHEH DERDDR DER BRD der TÄGLICHE EKEL er sieht den Bären beim kopulieren zu
ich rieche nur ihre Scheisse
die Proben laufen schlecht
der Kommunismus schlechter
Sendeschluss PEEP

MÜLLER(uneinsichtig halbnackt)
In der Einsamkeit der Flughäfen
Atme ich auf Ich bin Ein Privilegierter Mein Ekel Ist ein Privileg

GINKA(vorwurf)
Beschirmt mit Mauer
Stacheldraht Gefängnis

MÜLLER
Ich will in meinen Adern wohnen, im Mark meiner Knochen, im Labyrinth meines Schädels. Ich ziehe mich zurück in meine Eingeweide. Ich nehme Platz in meiner Scheiße, meinem Blut. Irgendwo werden Leiber zerbrochen, damit ich wohnen kann in meiner Scheiße. Irgendwo werden Leiber ge-öffnet, damit ich allein sein kann mit meinem Blut. Meine Gedanken sind Wunden in meinem Gehirn. Mein Gehirn ist eine Narbe. Ich will eine Maschine sein. Arme zu greifen Beine zu gehn kein Schmerz kein Gedanke.

GINKA
Aha…Ich geh in Westen.
Zdravo.

(Sie geht.)

MÜLLERROBERT
Im Sommer 197.. sah ich in einem Garten in Bulgarien eine Katze eine Heuschrecke töten. Im Keller, der aus mehreren Räumen bestand, einer davon mit einem Tisch und Stühlen ausgestattet, ein kühler Aufenthalt im Sommer, stand ein Radio. Ich hatte einen Sender mit arabischer Musik gefunden und das Gerät auf die volle Lautstärke eingestellt, da ich auf Nachbarn keine Rücksicht nehmen mußte: das Haus stand einsam zwischen Bergen. Die Katze lag auf der Treppe, die vom Keller zum oberen Teil des Gartens führte, und sonnte sich. Sie hatte die Heuschrecke nicht gesehn. Nachdem ich sie ihr gezeigt hatte, geschah lange Zeit nichts dann lief sie zwischen den Türpfosten hin und her, wimmernd und die Heuschrecke im Blick, mit kleinen Sprüngen wie Tanzschritte. Die Kinnbacken bebten, an den Barthaaren glänzte Speichel. Schließlich sprang sie, in zunehmend kürzeren Abständen, abwechselnd am linken und rechten 'Türpfosten hoch. Die Katze spielte mit ihr, vorsichtig und aufmerksam, die Krallen eingezogen. Zuerst versuchte die Heuschrecke noch zu springen. Die Katze bremste den Sprung mit einer Pfote, die Krallen immer noch eingezogen, so daß die Heuschrecke nur auf die nächste Treppenstufe zu liegen kam, wo die Katze das Spiel fortsetzte, indem sie das Insekt zunehmend schneller zwischen ihren Pfoten hin und her warf. Beim nächsten Sprung erreichte die Heuschrecke die nächste Stufe nicht mehr. Die Katze nahm sie vorsichtig ins Maul, trug sie zwei Stufen höher, legte sie ebenso vorsichtig ab, wartete geduldig, bis das halb betäubte Opfer sich wieder bewegte, biß der Heuschrecke ein halbes Sprungbein ab, einen Fühler, und gab sie wider frei. Daß ich mich neben sie hockte, um alles genau zu sehn, störte sie nicht. Ich dachte, selbst in einer Art von Trance durch die Musik der Wüste, die mir jetzt lauter vorkam, obwohl ich von dem Radio im Keller weiter entfernt war, an ein Buch aus meiner Kinderzeit, eine Nacherzählung der Nibelungensage, mein Held war Hagen von Tronje, der Verräter aus True, nicht der Traumtäter Siegfried, mit Illustrationen im Vierfarbendruck, der das Rot der Schwertwunden besonders gut zur Geltung brachte.

REISE REISE REISE
(Wolf Biermann im Kölner Sporthalle.Spricht Text und spielt Gitarre.Ein Umzugswagen wird schwer bepackt mit dreißig Jahren Leben im realen Sozialismus)

BIERMANN:
Liebe Genossonnen und Genossen der IG MEtall
Kreisverband NRW liebe Mitstreiter innen und Mitklampfer
(ICH KANNS NICHT HÖREN) liebe Freunde und Freundinnen des Ortsverbandes der Grünen Köln Mühlheim und Bonn Beuel, Genossen der DKP die ihr den Mut hattet, trotz Ostberliner
UKAS (liebe westdeutsche Freunde/innen Ukas ist ein russischer Begriff für BEFEHL VON OBEN, da habe ich 1965 mal ein Kurzgedicht dazu geschrieben,Florian hat es mit einer Grafik untermalt FLORI ZEIG DOCH MAL BITTE DIE GRAFIK.FLORIAN HAWEMANN ZEIGT EINE GRAFIK. EINE STASIGIRAFFE OPERATIVT IHN
Genossinnen und Genosen, haha NOsen bezieht sich auf Nase also auf Gogols
also äh Gogols Parodien einer hiarchiachen Zwangsgesellschaft
in Russland also äh auch der Sowjetunion.Apropos Sowjetunuion. ich habe auch eine bescheiden Bearbeitung von Bulat Okudshawas XXX im Gepäck und spiel es ganz kurz an
Musik von Mir
Text von Mir
Gesamt ich
Ich bin sehr stolz hier in Köln auftreten zu können,so als Hamburger Elbjung in der Domstadt
Ein Lied zu dem leidigen Thema Kirche im Nationalsozialismus
(ER SPIELT ES AN)… ich bin sehr gerührt aufgewühlt dass ich nun heute in der Kölner Stadthalle vor euch stehen und Klampfen kann in einer Zeit in der sich die USA und Russland waffenstarrend
gegenüberstehen, unsere gemeinsame Welt gefährdet ist von atomarer Wettrüstung (dazu habe ich ein Lied komponiert) aber heute,heute kann ich nicht für euch spielen
soeben hat mich aus Ostberlin (dazu habe ich ein Lied komponiert)
eine Nachricht der Alten Männer erreicht das
ich ausgebürgert wurde
ach ich rede zu lang
das Lied von den Allten Männer,den alten Genossen
AN DIE ALTEN GENOSSEN

HEINER
Der Liedermacher Wolf Biermann war und ist ein unbequemer Dichter

WOLF
Manne was denn du gehst auch

KRUG
Ja klar,dreh hier nur noch Schrott und hab ein super Angebot für eine Truckerserie AUF ACHSE (zitiert daraus)

HEINER
IST ABER NICH SPUR DER STEINE

KRUG
is mir scheissegal…willste meinen biedermeiertisch für 12000 kaufen
oder meinen Volvo für 30000 hast doch nen Preis bekommen

WOLF UND HEINER
Versoffen

HEINER
THOMAS DU AUCH

THOMAS
JA ich muss raus und die Katie kommt auch mit
KATIE!

HEINER
ABER DU WEISST SCHON DASS ES IM WESTEN AUCH EINE ZENSUR GIBT

THOMAS
Thomas antwortet vor den Vätern sterben die Söhne
nimmt ne Line redet was von Filmprojekten und dass er ne Vision
EISENEGEL GLADOWBANDE die Revolution gibt’s nich nur noch die Kriminialität und Deogensucht erschüttert die Werteschöpfung der
Auschwitz AG
und ich erzähle noch

KATIE
das er denn bayrischem Filmpreis bekommt und bei der Überreichung Franz Josef Strauß in die fette feiste Fresse sagt:

THOMAS
Ich danke der Filmhochschule in Babelsberg DDR

BETTINA
THOMAS WARTE UFF MICH,WAT IS KATIE HASTEN PROBLEM

KATIE
NEE ICK TRENN MICH SOWIESO VON NACH DREI MONATEN IN WESTBERLIN

BETTINA
Mensch ick hab den geliebt und n Kind ooch

KATIE
Hab ick ooch,geliebt und Kind von ihm
sag mal Thomas hat die Bettina nich alle Joan Baez Platten von dir

THOMAS
und nen Dylan

BETTINA
Glubschaugen und ne diese Lache
machst bestimmt damit Karriere im Westen

HEINER
Bettina du auch?

BETTINA
Ja wenn alle meine Freunde jehen wat soll ick noch hier
ooch wenn’s mein Staat is,in dem ick leben wollte aber musste
mehr geliebt hab ick den als den bunten
da mit den janzen alten nazibonzen in gelben pullovern
Ick hab da mal ein Lied geschrieben
BETTINA SPIELT EIN LIED ÜBER DIE DIE GEHEN
ALLE HÖREN ZU

(Auftritt Merteuil Laura)

AUF DEN FLUGHÄFEN BAHNHÖFEN (FRANKFURT TOKYO SAN DIEGO)
Ein Salon in Paris vor der französischen Revolution.
Müller wird von Müllers neu eingekleidet.

VALMONT
Herr Müller ihr neuer Pass
Sie können unbegrenzt aus der DDR in alle Staaten des NSW reisen

MERTEUIL(L)
Städte Länder Landschaften ändern sich
Frankfurt Kalifornien Westberlin

MÜLLER/ROS
Nachtzug Berlin Friedrichstraße FrankfurtMain
Nach der Fahrt durch die lichtlose Heimat der Hass auf die Lampen
Dass die Leiche so bunt ist! Ich bin der Tod ich komme aus Asien

MÜLLER/JULIA
Manchmal wenn ich meine Privilegien genieße zum Beispiel im Flugzeug
Whisky von Frankfurt nach Westberlin überfällt mich was die Idioten vom
SPIEGEL meine wütende Liebe zu meinem Land nennen

MÜLLER/EMIL
Tokyo Osaka Express auf dem Bahnsteig zwischen den Zügen thront ein junger Mann,sein Reich ein Abfallkübel.Die Kleidung ist verdreckt wahrscheinlich stinkt er,sein Gesicht leer keine Freude kein Schmerz:Er ist aus dem rennen.

MÜLLER/FRANK
Habe Zahnfäule in Paris
etwas frisst an mir
Ich rauche zu viel
Ich trinke zu viel
Ich sterbe zu langsam

MERTEUIL(Bringen Bild hinein)
Ab der Ausreise Biermanns und vieler Freunde beginnt Müller
sich in introspektivische Texte zu äußern

VALMONT
hermeneutisch postmodern

MERTEUIL VALMONT
Bildbeschreibung…
eine landschaft zwischen steppe und savanne,der himmel preussischblau
eine frau engel der nagetiere die kiefer malen wortleichen und sprachmüll
die frau steht bis über das knie im nichts amputiert vom bildrand oder wächst
sie aus dem boden ein sturm scheint aus dem haus zu kommen zieht die frau den
sturm an oder ruft sie ihn hervor mit ihrer erscheinung,der auf sie gewartet hat
in der asche des kamins

MÜLLER/ROBERT
Bei der Vorbeifahrt am Schlosspark Charlottenburg plötzlich die Trauer
Die Bäume gehören den Toten INGE!
Gestern an einem sonnigen Nachmittag als ich durch die tote Stadt Berlin fuhr,heimgekehrt aus irgendeinem Ausland,hatte ich zum erstenmal das
Bedürfnis meine Frau auszugraben aus ihrem Friedhof
Zwei Schaufeln voll habe ich selbst auf sie geworfen
Und nachzusehen was von ihr noch daliegt
Knochen die ich nie gesehen habe
Ihren Schädel in der Hand zu halten und mir vorzustellen was ihr Gesicht war hinter der Maske die sie getragen hat
durch die tote Stadt Berlin und andere Städte

MERTEUIL
Herr Müller die Preisverleihung beginnt gleich
MÜLLER TRINKT WHISKY

MÜLLER/ROBERT
Ich habe dem Bedürfnis nicht nachgegeben aus Angst vor der Polizei und dem Klatsch meiner Freunde

MERTEUIL
Kommen sie bitte Herr Müller die Preisverleihung

(KULTURPROGRAMM,WIE ADLIGEN AUF BÜHNENSITZ BRINGEN,ZIGARRE REICHEN UND WHISKY,sein königsstab und zepter)

MERTEUIL
Wollen wir einander aufessen, Valmont, damit die Sache ein Ende hat, bevor Sie ganz geschmacklos werden.

VALMONT
Ich bedaure, Ihnen sagen zu müssen, daß ich schon gespeist habe, Marquise.
Die Präsidentin ist gefallen.

MERTEUIL
Die ewige Gattin.

VALMONT
Madame de Tourvel.

MERTEUIL
Sie sind eine Hure, Valmont.

VALMONT
Ich bin ein Dreck. Ich will Ihren Kot essen.

MERTEUIL
Dreck zu Dreck. Ich will, daß Sie mich anspein.

VALMONT
Ich will, daß Sie Ihr Wasser auf mich lassen.

MERTEUIL
Ihren Kot.

VALMONT
Beten wir, Mylady, daß die Hölle uns nicht trennt.

MERTEUIL
Und jetzt wollen wir die Präsidentin sterben lassen, Valmont, an ihrem ver
geblichen Fehltritt. Das Damenopfer.

LAURA
Ich habe mich Ihnen zu Füßen gelegt, Valmont, damit Sie nicht mehr strau-cheln. Sie haben
mich getauft mit dem Parfüm der Gosse. Aus dem Himmel meiner Ehe habe ich mich in den
Abgrund Ihrer Begierden geworfen zur Rettung dieser Jungfrau. Ich habe Ihnen gesagt, daß
ich mir den Tod geben werde.Sie sind mein Mörder, Valmont.

JONAS
Bin ich das. Zu viel Ehre, Madame. Sie sind nicht zu kalt für die Hölle,
wenn ich nach unsern Bettspielen urteilen darf. Und was der Pöbel Selbstmord nennt, ist die Krone der Masturbation. Sie gestatten, daß ich mein Lorgnon zu Hilfe nehme, damit ich das Schauspiel besser betrachten kann, Ihr letztes, Königin, mit Furcht und Mitleid. Ich habe Spiegel aufstellen lassen, damit Sie im Plural sterben können.

LAURAo
Ich werde meine Adern öffnen wie ein unge-lesenes Buch. Sie werden es lesen lernenIch werde es mit einer Schere machen, weil ich eine Frau bin. Jeder Beruf hat seinen eigenen Humor. Sie können sich mit meinem Blut eine neue Fratze schminken. Ich werde einen Weg zu meinem Herzen suchen durch mein Fleisch. Den Sie nicht gefunden haben, Valmont, weil Sie ein Mann sind, Ihre Brust leer, und in Ihnen nur das Nichts wächst. Ihr Leib ist der Leib Ihres Todes, Valmont. Eine Frau hat viele Leiber. Ihr müßt es euch ab-zapfen, wenn Ihr Blut sehen wollt. Der Neid auf die Milch unsrer Brüste ist, was euch zu Schlächtern macht.

Ich habe Sie geliebt, Valmont. Aber ich werde eine Nadel in
meine Scham stoßen, bevor ich mich töte, um sicherzugehn, daß in mir nichts wächst, was Sie
gepflanzt haben, Valmont. Sie sind ein Ungeheuer, und ich will es werden. Grün und
aufgeschwemmt von Giften werde ich durch Ihren Schlaf gehn. Ich werde für Sie tanzen,
schaukelnd am Strick. Mein Gesicht wird eine blaue Maske sein. Die Zunge hängt heraus. Den
Kopf im Gasherd werde ich wissen, daß Sie hinter mir stehen mit keinem andern Gedanken als
wie Sie in mich hineinkommen, und ich, ich werde es wollen, während mir das Gas die Lungen
sprengt. Es ist gut, eine Frau zu sein, Valmont, und kein Sieger. Wenn ich die Augen schließe,
kann ich Sie verfaulen sehn. Ich be-neide Sie nicht um die Kloake, die in Ihnen wächst, Valmont.
Wollen Sie mehr wissen. Ich bin ein sterbendes Konversationslexikon, jedes Wort ein Klumpen
Blut.

JONAS
Tod einer Hure. Jetzt sind wir allein Krebs mein Geliebter.

VALMONT
Hiermit überreichen wir den diesjährigen Kleistpreis an den hochgeschätzten Dramatiker Heiner Müller für seine Reflexion der Rolle des Intellektuellen in einer Stillstandszeit.Es geht Müller nicht mehr um die Linearität einer Fabel mit dem marxistischen Anspruch auf Erfassung gesellschaftlicher Totalität.

MERTEUIL
Seine Ausschnitte von Wirklichkeit werden immer enger bis zur
Mikrowelt der Geschlechterbeziehungen in Bildbeschreibung und Quarttet,der Zuschnitt auf sich selber immer präziser.Der Autor wird zum Protagonisten.Wussten sie eigentlich das Quarttet zu ihren erfolgreichsten Stücken in der Bundesrepublik gehört

IM HESSISCHEN HOF 1985

MÜLLER/JULIA
Ich hocke wie ein Vogel schief und krumm IM HESSISCHEN HOF der
Büchner Preis angebrochen im dünnen Couvert
Ich hab einen Traum in meinem Traum spricht INGE
dirigiert den großen Vogelchor BRÜDER ZUR SONNE ZUR FREIHEIT
und wir singen so laut im hessischen Hof, dass es schallt

INGE UND MÜLLER
der Genosse Stalin ist mein Vater
ich bin ein träumendes Kind
mein Traum vom Kommunismus beginnt in Leuna 1920

INGEdie Bonner interessierts n scheiss
hinter der Elbe lag für sie schon immer Asien

MÜLLER/JULIA
Im Hotelrestaurant NICHT DAS GANYMED sitzt die Unschuld der Reichen
Der gelassene Blick auf den Hunger der Welt
mein Platz ist zwischen den Stühlen
Ich träume:Die faltige Kehle der Witwe vom Nebentisch
Aufzuschneiden mit dem Messer des Kellners
Der ihr den Lammrücken vorschneidet
Ich Werde auch diese Kehle nicht aufschneiden
Mein Leben lang were ich nichts dergleichen tun
Ich bin nicht Jesus mit dem Schwert bringt Ich BIN MÜDE INGE SPRICH BITTE WEITER

INGE
Die Lügen der Dichter sind aufgebraucht vom Grauen des Jahrhunderts
An den Schaltern der Weltbank riecht das getrocknete But wie kalte Schminke
Der schlafende Penner vor ESSO SNACK&SHOP Widerlegt die Lyrik der Revolution, du fährst im Taxi vorbei, du kannst es dir leisten. Benn hatte gut reden, er hat mit seinen seinen Gedichten kein Geld verdient und krepiert ohne Haut- und Geschlechtskrankheiten .In der Nacht im Hotel ist deine Bühne, ungereimt kommen die Texte, die Sprache verweigert den Blankvers vor dem Spiegel zerbrechen die Masken, kein Schauspieler nimmt dir den Text ab. Du bist das Drama. Jetzt habe ich Lust auf einen Schnaps du noch Geld vom Büchner Preis

MÜLLERja bitte

INGE
bitte einen sljivovitz

HEINER
und sozialismus

INGE
wir malen unseren jugoslawischen traum

HEINER
sozialismus mit menschengesicht

INGE
im weltraum kreist ein hund
wie siehts aus da oben

HEINER
gut

INGE
Schnürboden!

BILD FÄHRT HINUNTERHEINER UND INGE MALEN AM RESTKOMMUNISMUS
HINTERER WAGEN FÄHRT RAUS.HEINER VOM ANFANG LIEGT DA,
BEIM IHM DIE KRANKENSCHWESTER.BUSCH LEISE
VIDEO DEUTSCHE EINHEIT IWÄHRENDESSEN WERDEN MAUERN GEÖFFNET UND DENKMÄLER GESCHLIFFEN,BILDER GESCHWÄRZT. BERLIN ALEXANDERPLATZ.
GROSSDEMONSTRATION.

OSTBERLIN 1989

KRANKENSCHWESTER SONJA
Ein Horizont aus Panzern ist der Deutsche
Der auf dich zufährt so ein Himmel aus
Flugzeugen ist der Deutsche und ein Teppich
aus Bomben Du wirst ihn selber sehn Und eh du aufwachst
Vom nächsten Schlaf Und vielleicht wachst du nicht auf Vom nächsten Schlaf
Wart nur auf den Deutschen
Der Deutsche greift nicht an da wo du glaubst
Das hat er nicht gern
Und was hat er gern
Der Deutsche
In die Zange nimmt er dich
Der Deutsche
Der neue Krieg steht im Beginn
Ein Schrei ging um Die Deutschen wie ein Echo

BETTINA
Auf dem Bildschirm sehe ich meine Landsleute
Mit Händen und Füßen abstimmen gegen die Wahrheit
Die vor vierzig Jahren mein Besitz war
Welches Grab schützt mich vor meiner Jugend

GINKA/MÜLLER
Im Fernsehen die Verhaftung Erich Honeckers nach der Krebsoperation am Tor der Charité.
Ich sehe die Bilder und denke and Rambows Theaterplakate in Frankfurt, Hauptstadt der Banken und der Prostitution und, eine kurze Zeit lang, des politischen Theaters in der Bundesrepublik
Ich seh auf dem Dach des Haus des Reisens links oben flatternd das
NEUE DEUTSCHLAND eine Zeitung ohne Leser; verlorenes Bramsegel der sozialistischen Totgeburt.

INGE
In der Valuta-Bar des Hotels METROPOL Berlin Hauptstadt der DDR bemüht sich eine Hure um einen Greis mit Schnupfen. Zwischen den Kapiteln seines Vortrags „Über die Freiheit in den USA“ rotzt er ins Taschentuch und schreit nach dem Abfalleimer. Ich höre zwei Geschäftsreisende Bayern dem Geräusch nach Asien verteilen:
ALSO MALAYSIA TAT MIR GFALLN
THAILAND AUCH KOREA GHÖRT DAZU
ALSO DAS KREUZSCHIENENSYSTEM FÜR DEN JEMEN TÄT ICH NOCH PLANEN
DANN HAT SICH DIE SACHE
CHINA GHÖRT AUCH DAZU
CHINA IST ALS EINZIGES PROJEKT VERKAUFT WORDN

GINKA
In der S- Bahn ZOOLOGISCHER GARTEN FRIEDRICHSTRASSE
habe ich zwei DDR-Bürger kennengelernt: Einer erzählt
Mein Sohn drei Wochen alt wurde geboren mit einem Schild vor der Brust
ICH WAR AM NEUNTEN NOVEMBER IM WESTEN
Meine Tochter gleichaltrig (Ich habe Zwillinge) trägt die Aufschrift
ICH AUCH

BETTINA
AUF DEM BILDSCHIRM BERLIN ALEXANDERPLATZ
DIE GROSSE DEMONSTRATION
EIN MANN MIT PAPIER IN DER HAND
STEHT IM REGEN UND STOTTERT
ICH SPIELE DAZU auf grosse Plätze traue ich mich nicht

MÜLLER (FRANK)
Ich äh…also ich würde hier gerne eine Forderung der unabhängigen Gewerkschaften vorlesen

INGE
Der Autor steht auf der Tribüne
Sieht sich, sieht die ausgerissenen Fingernägel des Janos Kadar
der die Panzer gegen sein Volk rief als es anfing


EMIL
Der Autor sieht sein Sterben BONES AND SHOES das Fernsehn war dabei auf demAlexanderplatz

MÜLLER/ROBERT
Der Autor sieht sich verscharrt mit dem Gesicht zur Erde sein
Sein BudaPest 1956 heißt nun Alexanderplatz 1989(auf den Boden)
in der zittrigen Hand hält er den zu grossen Zettel

MÜLLER/FRANK
Der Autor verlässt die Tribüne läuft durch die leere Stadt
Ein junger Mann kommt und schlägt ihm ins Gesicht
Er schlägt ihn nochmal ins Gesicht.Das Brillenglas splittert.

JUNGER SCHAUSPIELER/EMIL
Der junge Mann schlägt ihm erneut in das Gesicht
er hat den Autor erkannt
Glas bohrt sich in Hand.

MÜLLER/GINKA
Ein Autor quickt wie eine Sau.
So sterben Götter
lacht der Junge Mann
Du rote Sau
Der junge Mann schlägt ihm ins Gesicht
Die Tribüne ist längst abgebaut

MÜLLER/ROBERT
Menschen sitzen vor Bildschirmen
Der Platz ist leer
leicht der Regen
mein Quiecken
hört man nicht
ich gehe Tiere anschauen

MÜLLER/FRANK
FERNSEHEN in der Charite nehm mein Ende vorweg
Blixa Bargeld spielt seine Melodien
Sechs Betten im kalten Weiß stehen nun in kalifornischer atomverseuchten Wüste death and destruction in Mitte
Eine SONDE BOHRT SICH IN MEINE KREBSKAMMER NICHT DIE
DIE SOWJETMACHT UND
HELLT MEIN HERZ NICHT AUF
MEIN ABC IST MIT
30000 DOTIERT UND KLEIST KOTZT MIR AUFS JACKET FÜR DEN VERRAT
komm Blixa hör uff ich mach jetzt was mit Laibach




AJAX ZUM BEISPIEL

BLIXA BARGELD/JONAS
Ajax zum Beispiel:
In den Buchläden stapeln sich die Bestseller
Literatur für Idioten denen das Fernsehn nicht genügt
Ich Dinosaurier nicht von Spielberg sitze
Nachdenkend über die Möglichkeit eine Tragödie zu schreiben
Heilige Einfalt im Hotel in Berlin unwirklicher Hauptstadt
Mein Blick aus dem Fester fällt auf den Mercedesstern
Der sich im Nachthimmel dreht melancholisch
Über dem Zahngold von Auschwitz und andern Filialen
Der Deutschen Bank auf dem Europacenter Europa

KRANKENSCHWESTER SONJA
Die Bauernkriege das größteUnglück der deutschen Geschichte las ich kopfschüttelnd
Wie kann eine Revolution ein Unglück sein.DER MAUERFALL ein Exkurs über Revolution und Zahnmedizin geschrieben im Jahrhundert der Zahnärzte das zu Ende geht.Zwei Zahnprothesen ein Büchner Preis.Das kommende wird den Advokaten gehören

BETTINA
Die Zeit Steht als Immobilie zum Verkauf im Hochhaus unter dem Mercedesstern
in den Etagen der Kulturverwaltung Brennt noch Licht rauchen die Köpfe im Sparzwang
proben die Amputierten den aufrechten Gang unter Aufsicht des Finanzsenators
ZUM GELDE DRÄNGT AM GELDE HÄNGT DOCH ALLES

MÜLLER/FRANK
Ich Dinosaurier im Rauschen der Klimaanlage selbst in der Steuerschraube bis zum Hals
Die Staatsgewalt geht vom Geld aus Geld Muß kaufen Arbeit macht unfrei
Heimat ist wo die Rechnungen ankommen sagt meine Frau

JUNGER SCHAUSPIELER
Ein Mann in Stalinstadt Bezirk Frankfurt Oder auf die Nachricht vom Klimawechsel in Moskau
nahm stumm von der Wand das Porträt des geliebten Führers der Arbeiterklasse des Weltkommunismus, trat mit Füßen das Bild des toten Diktators hängte sich auf an dem frei gewordenen Haken.Sein Tod hatte keinen Nachrichtenwert - Ein Leben für den Reißwolf
KEINER ODER ALLE war das falsche Programm:
Für alle reicht es nicht!

INGE
Mein Schreibglück der fünfziger Jahre als man aufgehoben war im Blankvers aufgerieben
Zwischen den Planken des kenternden Geisterschiffs
beschirmt vom ironischen Pathos des Knittelreims.
Nur die Hebungen werden gezählt, gegen den Steinschlag der Denkmäler im Elend der Information BILD KÄMPFT FÜR SIE wird Erzählung Prostitution BILD KÄMPFT gibt die Tragödie den Geist auf, Stalin zum Beispiel. Seine Totems zum Verkauf stehn am Brandenburger Tor für Hitlers Enkel.Welchen Text soll ich ihnen in den Mund legen oder ins Maul stopfen

GINKA
Der Rausch der alten Bilder Die Müdigkeit im Rücken das unendliche Gemurmel
Des Fernsehprogramms BEI UNS SITZEN SIE IN DER ERSTEN REIHE
Die Schwierigkeit den Vers zu behaupten gegen das Stakkato der Werbung,
UNSERN TÄGLICHEN MORD GIB UNS HEUTE
In meinem Gedächtnis taucht ein Buchtitel auf DIE ERSTE REIHE Bericht von Toden in Deutschland.Kommunisten gefallen im Krieg gegen Hitler
Jung wie die Brandstifter von heute
wenig Wissend vielleicht wie die Brandstifter von heute
Andres wissend und andres nicht wissend
im Kreisverkehr der Ware mit der Ware
Ihre Namen vergessen und ausgelöscht
Im Namen der Nation aus dem Gedächtnis
Der Nation was immer das sein oder werden mag
Im aktuellen Gemisch aus Gewalt und Vergessen
In der traumlosen Kälte des Weltraums

KREBSSTATION

INGE
Ich will nicht mehr essen atmen,eine Frau lieben, einen Mann
Im Schädel Königreiche Universen, der trübe Rest an Schläuchen aufgehängt
Ein Sack Chemie …der Krebstod auf den Fersen

BETTINA
Wat soll ick denn jetzt noch spielen.Mein Hände sind total kaputt und für wen…

KRANKENSCHWESTER SONJA
Glückliche Idioten vor Bildschirmen

MÜLLER
Die Welt ist beschrieben kein Platz mehr für Literatur
Im Kopf ein Drama
für kein Publikum (stirbt)

KRANKENSCHWESTER SONJA
sie werden alles vergessen
den sozialismus vergessen
den krieg vergessen
den faschismus vergessen
die ddr vergessen
vergessen und vergessen

INTERIM LOVERS

Song. Bühne wird abgebaut.

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